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	<title>2025 &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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	<title>2025 &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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		<title>Putins Russland, Homophobie und Papierfranzosen bei Sergueï Shikalov</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/15/putins-russland-homophobie-und-papierfranzosen-bei-serguei-shikalov/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 04:17:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-1398x2048.jpg 1398w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL.jpg 1653w" sizes="(max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Aufsatz liest Sergueï Shikalovs "Espèces dangereuses" (Seuil, 2024) als poetologisch hochreflexiven Text über Homophobie im postsowjetischen Russland, in dem eine ganze Generation schwuler Männer zwischen einem kurzen historischen "Frühling“ und einer erneuten autoritären Eiszeit sichtbar wird. Im Zentrum steht dabei weniger eine lineare Handlung als eine kollektive Erfahrungsform, die sich im unbestimmten "on“ artikuliert: eine litaneiartige, fragmentierte Rede, die individuelle Biographie zugunsten eines geteilten, von Gewalt, Scham und prekärem Begehren gezeichneten Daseins suspendiert. Gerade diese Verweigerung des Ichs wird zur ästhetischen Strategie, die das Verschwinden dokumentiert und zugleich konterkariert, indem sie aus Anonymisierung ein Verfahren der Zeugenschaft macht. Die Thematisierung von Homophobie erscheint dabei nicht nur als soziale Realität – in Gestalt von Übergriffen, institutioneller Gleichgültigkeit und politischer Repression –, sondern als diskursive Ordnung, die Körper klassifiziert, entwertet und aus dem Sagbaren verdrängt. Entscheidend ist, dass der Roman diese Erfahrung in der erlernten französischen Sprache formuliert, die als Medium des Exils einen paradoxen Raum eröffnet: Distanz und Artikulationsmöglichkeit fallen zusammen, sodass das Unsagbare überhaupt erst sagbar wird. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Frage der französischen Staatsbürgerschaft Kontur: Sie markiert zwar einen juristischen und existentiellen Bruch, bleibt jedoch – wie Shikalovs Essay "Français de papier" (2025) zeigt – ambivalent, insofern Zugehörigkeit weiterhin unter Vorbehalt steht und sich die Logiken der Ausgrenzung in neuer Form fortschreiben.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das Intime als politische Technik: Thesen zu Édouard Louis</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/11/das-intime-als-politische-technik-thesen-zu-edouard-louis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 09:36:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[Edouard Louis]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/9782080431738-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/9782080431738-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/9782080431738.jpg 293w" sizes="(max-width: 193px) 100vw, 193px" />Dieser Artikel liest Édouard Louis' Werk als ein geschlossenes poetologisches Projekt und fragt danach, wie seine Texte die Grenzen zwischen autobiografischem Erzählen, soziologischer Analyse und politischer Intervention überschreiten. Ausgehend von den Begriffen der „Konfrontationsliteratur“ und des „Intimismus“, die Louis in seinem jüngsten Gesprächsband "Que faire de la littérature ?" (2025) entwickelt, werden zehn Deutungsansätze vorgestellt, die die formalen Verfahren, thematischen Konstanten und strategischen Verschiebungen seines Schreibens sichtbar machen. Im Zentrum steht die Frage, ob sich im Verlauf des Werks eine Reifung des Autors oder vielmehr eine Verfeinerung seiner literarischen Mittel beobachten lässt – und wie Louis mit seinen Texten nicht nur erzählen, sondern seine Leserinnen und Leser dazu zwingen will, das zu sehen, was sie allzu leicht verdrängen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Vom Stigma zur Selbstermächtigung: Arabité bei Aïda Amara</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/11/vom-stigma-zur-selbstermaechtigung-arabite-bei-aida-amara/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 04:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Aïda Amara]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="177" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/AMARA_AVECMATETE_COUV-600x1017-1-177x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/AMARA_AVECMATETE_COUV-600x1017-1-177x300.jpg 177w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/AMARA_AVECMATETE_COUV-600x1017-1.jpg 600w" sizes="(max-width: 177px) 100vw, 177px" />Aïda Amaras Roman "Avec ma tête d’arabe" erzählt die Geschichte einer jungen französisch-algerischen Journalistin, deren Identität durch die Pariser Terroranschläge vom 13. November 2015 erschüttert wird. Ausgehend von diesem traumatischen Ereignis entfaltet der Text eine vielschichtige Bewegung in die Familien- und Kolonialgeschichte, die von der Pariser Kindheit der Erzählerin bis in das Kabylien des algerischen Unabhängigkeitskriegs zurückreicht. Die Rezension zeigt, dass der Roman Identität nicht als stabile Gegebenheit, sondern als fragile und fortwährende Rekonstruktionsarbeit inszeniert: Das Trauma zerstört die bisherige Selbstgewissheit und zwingt die Erzählerin dazu, ihre Herkunft, ihre familiären Überlieferungen und ihre Stellung zwischen Frankreich und Algerien neu zu befragen. Im Mittelpunkt der Analyse stehen die raffinierte Verflechtung der drei Zeitebenen, die weibliche Genealogie des Widerstands, die Bedeutung von Sprache und Schlagfertigkeit als Formen der Selbstbehauptung sowie die Funktion des Humors als Strategie gegen Ohnmacht und Angst. So erscheint "Avec ma tête d’arabe" als ebenso persönlicher wie politischer Roman, der individuelle Verletzung mit postkolonialer Erinnerung verbindet und das Schreiben selbst als Akt der Wiedergewinnung eines vielstimmigen, widersprüchlichen und dennoch handlungsfähigen Selbst begreift.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das Werk, das fehlt: Xavier Garnier und Mohamed Mbougar Sarr im Dialog</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/30/das-werk-das-fehlt-xavier-garnier-und-mohamed-mbougar-sarr-im-dialog/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 May 2026 17:33:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="198" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/61f47xfM6PL-198x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/61f47xfM6PL-198x300.jpg 198w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/61f47xfM6PL-675x1024.jpg 675w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/61f47xfM6PL-768x1164.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/61f47xfM6PL.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px" />Xavier Garniers "Quels lieux pour les littératures en langues africaines ?" und Mohamed Mbougar Sarrs Roman "La plus secrète mémoire des hommes" kreisen beide um die Frage, unter welchen Bedingungen afrikanische Literatur sichtbar wird – und was mit Schriftstellern geschieht, die sich den Erwartungen des französischen Literaturbetriebs entziehen. Garnier rekonstruiert in seiner Studie die verdrängte Geschichte afrikanischsprachiger Literaturen und zeigt, wie stark frankophone Texte von Sprachen wie Wolof, Gikũyũ oder Kiswahili geprägt sind, obwohl diese im internationalen Literaturbetrieb meist unsichtbar bleiben. Sarr erzählt dieselbe Problematik als literarische Suchbewegung: Der junge senegalesische Autor Diégane Latyr Faye verfolgt die Spur des rätselhaften T.C. Elimane, dessen gefeierter Roman von 1938 nach heftigen rassistischen und exotisierenden Reaktionen verschwindet. Der Essay liest beide Bücher als komplementäre Gegenstücke: Garniers theoretische Begriffe – etwa Literatur als „Ökosystem“ aus Sprachen, Orten und Institutionen – machen verständlich, warum Elimane im Roman zugleich bewundert und ausgeschlossen wird, während Sarr Garniers abstrakte Überlegungen in konkrete Szenen übersetzt, etwa in die fingierten Pariser Zeitungskritiken oder die mehrsprachigen Passagen auf Wolof und Serer. Besonders stark ist die Analyse dort, wo sie zeigt, dass afrikanische Autoren im frankophonen Feld bis heute zwischen zwei widersprüchlichen Erwartungen stehen: zugleich „authentisch afrikanisch“ und literarisch universell sein zu müssen. Gerade aus dieser Spannung heraus entwickelt der Essay eine präzise und anschauliche Deutung von Sarrs Roman als Reflexion über literarische Anerkennung, sprachliche Zugehörigkeit und die Möglichkeit des Schreibens unter postkolonialen Bedingungen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Trilogie der Männlichkeit: Franck Mignot</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/29/trilogie-der-maennlichkeit-franck-mignot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 13:14:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/faire-avec-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/faire-avec-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/faire-avec.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Aufsatz liest Franck Mignots drei Romane "Mollesse" (2023), "Les Viandards" (2025) und "Faire avec" (2026) als zusammenhängendes erzählerisches Projekt, das eine Genealogie erschöpfter Männlichkeit entwirft. Ausgehend von den programmatischen Titeln, die Erschlaffung, Raubtierhaftigkeit und resignatives Arrangement meinen, arbeitet die Analyse heraus, wie Mignot die Krise männlicher Rollenbilder nicht als spektakulären Zusammenbruch, sondern als langsamen Prozess der Entkräftung beschreibt. Im Zentrum steht die These, dass die drei Romane eine Bewegung vom eruptiven Gewaltakt zur erschöpften Dauerexistenz nachzeichnen: vom mordenden Samuel in "Mollesse" über den kindlichen Beobachter in "Les Viandards" bis zum müden, bleibenden Bertrand in "Faire avec". Der Aufsatz verfolgt diese Entwicklung nicht werkchronologisch, sondern entlang wiederkehrender Strukturmomente – Sprachlosigkeit, Begehren, Vaterschaft, Geschlechterasymmetrie, Raumpoetik und Schreibpraxis – und zeigt, wie sich die Bücher gegenseitig hin auf eine narrative Studie zum Mannsein kommentieren und erhellen. Besonderes Gewicht erhält dabei die Analyse von Mignots Lakonik: Die nüchterne, parataktische Prosa erscheint nicht bloß als Stilmittel, sondern als ethische Haltung einer Welt, in der den Figuren jede stabile Werteordnung abhandengekommen ist. Der Aufsatz argumentiert, dass Mignots Romane den klassischen Bildungsroman systematisch verweigern und stattdessen eine „Chronik des Unveränderlichen“ entwerfen, in der Entwicklung durch Wiederholung ersetzt wird. Gerade darin liegt eine Radikalität der Trilogie: Nicht Katharsis oder Heilung, sondern das erschöpfte „Weiterleben mit dem, was übrig bleibt“ bilde den Horizont dieser Texte. Indem die Studie Mignots Werk zugleich als Milieuchronik, Poetik des Verstummens und Reflexion moderner Männlichkeit liest, macht sie sichtbar, wie eng Form, Sprache und Thema in dieser Trilogie miteinander verschränkt sind.]]></description>
		
		
		
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		<title>Gesellschaft im Modus der Fragmentierung &#8211; Literatur als Antwort auf die Krise der Repräsentation: Robert Lukenda</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/12/gesellschaft-im-modus-der-fragmentierung-literatur-als-antwort-auf-die-krise-der-repraesentation-robert-lukenda/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 May 2026 14:13:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="199" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/gesellschaftsdarstellung-im-zeitalter-der-singularitaeten-gebundene-ausgabe-robert-lukenda-199x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/gesellschaftsdarstellung-im-zeitalter-der-singularitaeten-gebundene-ausgabe-robert-lukenda-199x300.jpeg 199w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/gesellschaftsdarstellung-im-zeitalter-der-singularitaeten-gebundene-ausgabe-robert-lukenda-679x1024.jpeg 679w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/gesellschaftsdarstellung-im-zeitalter-der-singularitaeten-gebundene-ausgabe-robert-lukenda-768x1158.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/gesellschaftsdarstellung-im-zeitalter-der-singularitaeten-gebundene-ausgabe-robert-lukenda.jpeg 796w" sizes="auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px" />Robert Lukendas Studie "Gesellschaftsdarstellung im Zeitalter der Singularitäten: narrative Antworten auf die zeitgenössische Repräsentationskrise Frankreichs" ist eine umfassende Analyse der Frage, wie französische Gegenwartsliteratur auf die Erfahrung reagiert, dass „Gesellschaft“ als zusammenhängendes Ganzes zunehmend ungreifbar geworden ist. Ausgehend von Szenen wie Annie Ernaux’ ethnografischem Blick auf den Supermarkt oder Éric Vuillards Rekonstruktion namenloser Revolutionsakteure zeigt Lukenda, dass Literatur dort ansetzt, wo politische und mediale Diskurse soziale Wirklichkeit nur verzerrt oder gar nicht mehr erfassen. In einem ersten, breit angelegten Theorieteil entfaltet er die historische und gegenwärtige Repräsentationskrise Frankreichs – von der Spannung zwischen republikanischem Einheitsanspruch und sozialer Ungleichheit bis zur Fragmentierung in „France périphérique“ und Metropolen –, bevor er im zweiten Teil literarische Antworten analysiert: autosoziobiografische Selbstbefragungen (Ernaux, Eribon), dokumentarische Rekonstruktionen (Vuillard), kollektive Erzählprojekte ("Raconter la vie") und serielle Formate. Die Rezension argumentiert, dass Lukenda Literatur überzeugend als ein Medium der „Vermittlung“ bestimmt, das soziale Relationen sichtbar macht, wo klassische Repräsentationsformen versagen; zugleich betont sie kritisch, dass diese Literatur häufig die Perspektive der „Unsichtbaren“ privilegiert, während Eliten, politische Institutionen und ästhetische Eigenlogiken unterbelichtet bleiben. In diesen Werken entsteht das Bild eines Frankreichs, das sich selbst nur unzureichend beschreibt – und einer Literatur, die diese Lücke sichtbar macht, ohne sie vollständig schließen zu können.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Ein Thriller als Corneille-Tragödie: Patrick Besson</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/12/ein-thriller-als-corneille-tragoedie-patrick-besson/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 May 2026 04:41:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="194" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71rZAeo0tNL._AC_UF8941000_QL80_-194x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71rZAeo0tNL._AC_UF8941000_QL80_-194x300.jpg 194w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71rZAeo0tNL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 648w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Patrick Bessons Kriminalroman "Presque tout Corneille" (Stock, 2025, zit. als PTC) funktioniert wie eine Tragödie von Corneille, die sich als Urlaubskomödie verkleidet hat: Georges Charpy, ein entlassener Pariser Journalist, trifft seinen ehemaligen Chef im Hotel Aiglon auf Korsika wieder und beginnt, ihn bei jedem erdenklichen Spiel zu demütigen – Schwimmen, Tennis, Schach, Tischtennis –, getrieben von seiner korsischen Frau Colomba, die wie Mérimées gleichnamige Heldin den Mann zur Vendetta drängt, ohne es je auszusprechen, eine Machtstruktur, die der Aufsatz als das eigentliche Zentrum der Handlung identifiziert. Währenddessen liest Lisa, die Tochter des Hoteldirektors, am Poolrand chronologisch das Gesamtwerk Corneilles – eine Tragödie pro Tag –, und ihre Zitate kommentieren das Geschehen wie ein klassischer Chor: "Qui vit haï de tous ne saurait longtemps vivre" (aus Cinna). "Qui se laisse outrager mérite qu'on l'outrage" (aus Héraclius). Sätze, die Corneilles zentrales Thema umkreisen, nämlich die Frage, ob der Mensch das, was er will, mit dem, was er darf, je in Einklang bringen kann, und die im Roman die Funktion haben, die Mordhandlung als moralisch vorherbestimmt erscheinen zu lassen, nicht als Ausnahme, sondern als Konsequenz. Der Chef wird enthauptet aufgefunden, später auch eine zweite Figur; Georges bekennt beide Morde – den ersten aus Ehre, den zweiten aus Eifersucht –, und der Aufsatz liest diesen doppelten Mord als Beleg dafür, dass Besson nicht Corneille in den Thriller einführt, sondern zeigt, dass der Thriller dieselbe moralische Architektur besitzt wie das klassische Theater: Schuld entsteht dort, wo der Wille, sich Genugtuung zu verschaffen, stärker ist als die Vernunft, die zur Mäßigung mahnt, und Lisa, die am Ende Corneille abbricht – "Oui : trop de sang." –, vollzieht damit jene Geste, die den Kern des Romans markiert: Literatur kann die Gewalt kommentieren, aber nicht aufhalten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Krieg als Erbe: Zur Systematik transgenerationeller Prägung bei Julia Weidmann</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/07/krieg-als-erbe-zur-systematik-transgenerationeller-praegung-bei-julia-weidmann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2026 05:14:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/kontinuum-der-kriege-gebundene-ausgabe-julia-weidmann-193x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/kontinuum-der-kriege-gebundene-ausgabe-julia-weidmann-193x300.jpeg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/kontinuum-der-kriege-gebundene-ausgabe-julia-weidmann-657x1024.jpeg 657w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/kontinuum-der-kriege-gebundene-ausgabe-julia-weidmann-768x1197.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/kontinuum-der-kriege-gebundene-ausgabe-julia-weidmann.jpeg 770w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Die Rezension stellt Julia Weidmanns Studie "Kontinuum der Kriege: intergenerationelles Erzählen der Weltkriege in der französischen Gegenwartsliteratur" (Winter, 2025) als grundlegende, komparatistisch angelegte Untersuchung eines zentralen Phänomens der französischen Gegenwartsliteratur vor: des intergenerationellen Erzählens der Weltkriege. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Nachgeborene – von der „Wunde“- bis zur „Erbe“-Generation – familiale Kriegserfahrungen in literarischer Form rekonstruieren, indem sie zwischen archivalischer Recherche und Imagination vermitteln. Weidmann entwickelt hierfür ein eigenständiges Modell eines „Kriegskontinuums“, das die tradierten numerischen Generationenkategorien durch eine metaphorische, am Trauma orientierte Skalierung ersetzt, und operationalisiert dieses Konzept in einer vierstufigen Analysemethode, die sie auf ein breit gefächertes Korpus von Autorinnen und Autoren (u.a. Claude Simon, Patrick Modiano, Ivan Jablonka, Anne Berest) anwendet. Die Rezension würdigt insbesondere die methodische Klarheit, die differenzierten close readings und den Nachweis wiederkehrender Erzählstrukturen über Generationen hinweg, hebt aber auch begrenzte Schwächen hervor, etwa eine gewisse Schematisierung im komparatistischen Seitenblick und die vergleichsweise randständige Behandlung ästhetischer Detaildimensionen. Insgesamt erscheint die Studie als ein substantieller Beitrag zur literaturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung, der ein tragfähiges Instrumentarium zur Analyse transgenerationeller Erinnerung bereitstellt und zugleich neue Perspektiven für die Erforschung zukünftiger Erzählformen eröffnet.]]></description>
		
		
		
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		<title>Brücken bauen, Gräben vertiefen: Pauline Dreyfus</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/01/bruecken-bauen-graeben-vertiefen-pauline-dreyfus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2026 09:13:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Pauline Dreyfus]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71IXVsr24FL._AC_UF8941000_QL80_-190x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71IXVsr24FL._AC_UF8941000_QL80_-190x300.jpg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71IXVsr24FL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 634w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Pauline Dreyfus’ "Un pont sur la Seine" (2025) entfaltet, ausgehend von der Katastrophe eines Fährunglücks im Jahr 1828, die über Generationen gespannte Geschichte zweier durch die Seine getrennter Dorfgemeinschaften, deren Schicksale sich im Bau, der Zerstörung und dem Wiederaufbau einer Brücke verdichten: Anhand der Familie Vernet und ihrer genealogischen Verzweigungen verfolgt der Roman die Transformation vom agrarischen Milieu zur Industriegesellschaft und weiter in die postindustrielle Gedächtniskultur, wobei historische Einschnitte – Kriege, Volksfront, Okkupation, Deindustrialisierung – als strukturierende Kräfte in die Lebensläufe eingeschrieben werden. Zugleich insistiert die Erzählung auf ihrer eigenen Künstlichkeit: Figuren erscheinen weniger als psychologisch singuläre Individuen denn als typisierte Träger sozialer Positionen, deren Konflikte – etwa zwischen Winzer und Fabrikarbeiter, Résistance-Erbin und Erinnerungspolitiker – die Persistenz gesellschaftlicher Spaltungen sichtbar machen. Der Aufsatz arbeitet heraus, wie das zentrale poetische Prinzip des Romans in der mehrdimensionalen Konstruktion der Brücke liegt: als historisches Objekt, topographische Achse, soziales Diagnoseinstrument und philosophische Metapher, die im Sinne einer selbstreflexiven Geschichtspoetik gerade nicht Versöhnung stiftet, sondern Differenz produziert und sichtbar macht. In dieser Dialektik von Dokumentation und Fiktion, von historischer Genauigkeit und ironischer Distanz erweist sich Dreyfus’ Text als bewusste Fortschreibung und zugleich kritische Brechung der Tradition des historischen Gesellschaftsromans: Er demonstriert, dass die großen Narrative von Fortschritt und Verbindung an den mikrosozialen Realitäten scheitern und dass jede Form von Geschichtserzählung – im Roman wie im von ihm entworfenen Museumsprojekt – notwendig ihre eigene Konstruktionslogik mitreflektieren muss.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die Sitcom-Diktatur: politisches Denken, literarische Form, Machiavelli und Giorgia Meloni bei Hélène Frappat</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/27/die-sitcom-diktatur-politisches-denken-literarische-form-machiavelli-und-giorgia-meloni-bei-helene-frappat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 04:25:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Hélène Frappat]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="158" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/61Tu5uMrgSL._SL1368_-158x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/61Tu5uMrgSL._SL1368_-158x300.jpg 158w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/61Tu5uMrgSL._SL1368_-539x1024.jpg 539w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/61Tu5uMrgSL._SL1368_.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 158px) 100vw, 158px" />Der Roman "Nerona" (2025) von Hélène Frappat entwirft die Herrschaft einer rechtspopulistischen Diktatorin als ein zugleich groteskes und erschreckend präzises Modell politischer Gegenwart: In einer namenlosen europäischen Nation regiert Nerona mittels Dekreten und medialer Dauerinszenierung, während eine polyphone, fragmentierte Erzählstruktur – Reden, Interviews, prophetische Gesänge, Filmszenen – die Gleichzeitigkeit von Macht, Gewalt und Verdrängung sichtbar macht; zentrale Motive sind die Mythisierung der eigenen Herkunft, die systematische Konstruktion von „Feinden im Inneren“, die Pervertierung humanitärer Diskurse etwa im Migrationslager sowie die Eskalation zur apokalyptischen Selbstzerstörung, die in der Figur des Matricidiums und im Nero-Topos kulminiert. Die Rezension argumentiert dabei, dass Frappats literarische Form selbst Erkenntnis produziert: Indem sie Populismus als „Sitcom“ modelliert – als endlose Wiederholung affektiver und rhetorischer Muster ohne Lernfähigkeit –, verbindet sie Gattungspoetik mit politischer Theorie; zugleich liest die Rezension den Roman als machiavellistische Parodie, in der klassische Begriffe wie „virtù“ oder „fortuna“ in zynische Managementlogiken überführt werden. Die Verschränkung von Diskursanalyse und Ästhetik wird herausarbeitet: Die Vielstimmigkeit fungiert als demokratischer Gegenentwurf zum monologischen Populismus, während die Figur Neronas als Verdichtung realer politischer Akteurinnen (insbesondere Giorgia Meloni) lesbar wird, ohne in bloße Satire zu verfallen. Insgesamt zeigt die Interpretation, dass Frappats Roman weniger eine dystopische Übertreibung als vielmehr eine Diagnose ist: Populistische Herrschaft erscheint als ein Regime der Sprache und Wahrnehmung, dem die Literatur durch ihre formale Komplexität eine kritische Gegenwahrnehmung entgegensetzt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Brennende Ränder oder Warum Jeanne Rivière mit Nicolas Mathieu schläft</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/28/brennende-raender-oder-warum-jeanne-riviere-mit-nicolas-mathieu-schlaeft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Mar 2026 22:08:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Jeanne Rivière]]></category>
		<category><![CDATA[Nicolas Mathieu]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/91Vz37nejxL._AC_UF8941000_QL80_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/91Vz37nejxL._AC_UF8941000_QL80_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/91Vz37nejxL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Jeanne Rivières „Lorraine brûle“ (Gallimard, 2025, zit. als LOB) zeichnet das Bild einer namenlosen Ich-Erzählerin Anfang vierzig, die im nachindustriellen Lothringen zwischen Metz und Nancy ein unsicheres, von Körpererfahrungen, Mutterschaft und subkulturellen Praktiken geprägtes Leben führt: Als alleinerziehende Mutter des zwölfjährigen Tarzan, Büroangestellte und Schlagzeugerin in Punkbands bewegt sie sich durch eine Landschaft aus stillgelegten Hochöfen, Supermärkten, Schwimmbädern und illegalen Konzerten, während Freundinnen wie die radikal selbstbestimmte Lynn, die anarchische Nora und vor allem die todkranke Baya ein weibliches Gegenbild zur bürgerlichen Ordnung bilden; Bayas Sterben an Bauchspeicheldrüsenkrebs bildet den gefühlsmäßigen Mittelpunkt einer locker gefügten Jahreschronik, die von Januar bis Sommer reicht und deren episodische Struktur durch wiederkehrende Schwimm-Passagen rhythmisiert wird, sodass sich Tod (körperlicher Verfall) und Bewegung (Körper im Wasser) als unterschwellige Achse überlagern. Vor diesem Hintergrund liest der Aufsatz den Roman als programmatische „Poetik der Zersplitterung“: Die formale Aufsplitterung – abrupte Kapitel, Wechsel der Tonlagen, Mischung aus Autofiktion, Essay, Reportage und Lyrik – erscheint nicht als künstlerischer Mangel, sondern als passende Antwort auf eine durch Deindustrialisierung, Unsicherheit und Verlust zerrissene Wirklichkeit, in der Zusammenhalt selbst zur Fiktion geworden ist; besonders hervorzuheben ist dabei die These, dass die Gleichwertigkeit unterschiedlicher Elemente (Alltag und Katastrophe, Komik und Trauer, Körperdetail und Gesellschaftsanalyse) eine unausgesprochene politische Haltung formuliert, die Hierarchien ablehnt und das Randständige ins Zentrum rückt. Indem die Argumentation konsequent Form und Inhalt kurzschließt – die Zersplitterung des Lebens spiegelt sich in der Zersplitterung des Erzählens –, gewinnt sie ihre größte Überzeugungskraft dort, wo sie das ästhetische Aufeinandertreffen der Tonlagen, die Körperlichkeit (Blut, Krankheit, Sexualität) und die raumbildende Funktion Lothringens als miteinander verflochtene Ebenen liest; zugleich zeigt sie, dass das Schreiben selbst im Roman als Mittel zum Überleben und zur Trauerbewältigung wirkt, das die Zersplitterung nicht überwindet, sondern nutzbar macht. So erscheint LOB in der Deutung der Rezension weniger als Darstellung eines sozialen Umfelds denn als radikal gegenwärtige Suche nach Formen, in der die Zersplitterung zu einer widerständigen Lebensweise und zur eigentlichen dichterischen Einheit wird.]]></description>
		
		
		
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		<title>Rückkehr aus dem Tal der digitalen Simulation zur Poesie des Staubs: Arnaud Sagnard</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/21/rueckkehr-aus-dem-tal-der-digitalen-simulation-zur-poesie-des-staubs-arnaud-sagnard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Mar 2026 04:36:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Arnaud Sagnard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/41MQJwJtyL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/41MQJwJtyL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/41MQJwJtyL.jpg 341w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Arnaud Sagnards "La Vallée" (2025, zit. als LV) verfolgt mit der Geschichte des Bauernsohns und Programmierers Thomas Hèvre eine Bewegung von der materiellen Welt des Morvan über die entkörperlichte Tech-Sphäre von Paris und dem Silicon Valley, wo sich die zentrale These des Romans erfüllt, dass das „Tal“ weniger ein Ort als ein geistiger Aggregatzustand ist, der die Wirklichkeit absorbiert und als Simulation zurückgibt, bis in die radikale Leere der Wüste von Amargosa; im Zentrum steht dabei ein neuronales Implantat, das Fiktion und Realität verschmilzt und so die letzte Grenze menschlicher Erfahrung aufhebt, während Thomas – zunächst als genialer „Cheat Code“ der Maschine – allmählich erkennt, dass er an der Entstehung einer unsichtbaren Ideologie der Entmaterialisierung beteiligt ist, die den Menschen in ein körperloses Phantom verwandelt, bis er sich dieser Logik entzieht und in der Wüste eine fragile Gegenwelt aus Präsenz, Stille und unvermittelter Erfahrung sucht. Der Aufsatz argumentiert, dass der Roman nicht nur eine kulturkritische Dystopie, sondern zugleich ein Text ist, der die Bedingungen des Erzählens im Zeitalter digitaler Totalintegration reflektiert, indem er die Oppositionen von Code und Mythos, Kommunikation und Schweigen, Innen- und Außenwelt systematisch in Figurenkonstellation, Raumstruktur und Metaphorik durcharbeitet; aufschlussreich ist dabei die Deutung des Silicon Valley als „Depression“ im geologischen, psychologischen und ökonomischen Sinn, wodurch die Kritik an der Tech-Industrie eine existentielle Tiefendimension erhält, während die Analyse zugleich plausibel macht, dass der Roman seine eigene Antwort performativ gibt: als literarischer Raum, der gerade durch Distanz, Unschärfe und Nicht-Totalität eine Erfahrung ermöglicht, die kein Implantat simulieren kann.]]></description>
		
		
		
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		<title>Bourdieus Narr: Theorieparodie und Gesellschaftsdiagnose bei Fabrice Pliskin</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/20/bourdieus-narr-theorieparodie-und-gesellschaftsdiagnose-bei-fabrice-pliskin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Mar 2026 13:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Fabrice Pliskin]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Bourdieu]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="200" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/le-fou-de-bourdieu-taschenbuch-fabrice-pliskin-franzoesisch-200x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/le-fou-de-bourdieu-taschenbuch-fabrice-pliskin-franzoesisch-200x300.jpeg 200w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/le-fou-de-bourdieu-taschenbuch-fabrice-pliskin-franzoesisch-683x1024.jpeg 683w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/le-fou-de-bourdieu-taschenbuch-fabrice-pliskin-franzoesisch-768x1152.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/le-fou-de-bourdieu-taschenbuch-fabrice-pliskin-franzoesisch.jpeg 800w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" />Der Juwelier Antonin Firminy erschießt nach einem Überfall einen der fliehenden Täter und wird nach seiner Haftentlassung unter neuer Identität in Paris zum selbsternannten Rächer der „Beherrschten“, der seine Taten aus einer radikalisierten Lektüre der Soziologie legitimiert. Parallel dazu verfolgt der Journalist Mandrillon seinen Fall, verstrickt sich in eigene moralische Widersprüche und verwandelt Suburres Geschichte schließlich in ein erfolgreiches Buch, das mehr Deutung als Aufklärung bietet. Fabrice Pliskins Roman "Le fou de Bourdieu" (2025, Le Cherche Midi) lässt sich als eine ebenso erzählerisch dichte wie intellektuell zugespitzte Fallstudie über die gefährliche Aneignung von Theorie zusammenfassen: Im Zentrum steht mit Firminy einer, der nach einem tödlichen Gewaltakt und einer traumatischen Haftzeit unter dem Namen Suburre eine radikale Selbstneuerfindung vollzieht, indem er die Soziologie Pierre Bourdieus nicht als analytisches Instrument, sondern als existenzielles Deutungssystem übernimmt; aus der Lektüre erwächst ihm eine Weltanschauung, die soziale Determination in moralische Entlastung und schließlich in ein Programm der Gegengewalt übersetzt, das sich in kleinkriminellen Aktionen, symbolischen Zerstörungen und ideologischen Manifesten erschöpft, während parallel der Journalist Mandrillon die Ereignisse beobachtet, verarbeitet und literarisch verwertet, ohne je einen festen Standpunkt zu gewinnen. Der Roman unternimmt weniger eine Widerlegung soziologischer Theorie, vielmehr führt er deren performative Verzerrung vor: Begriffe wie Habitus, Domination oder symbolische Gewalt werden im Modus des Ressentiments verabsolutiert und in Handlung übersetzt, wodurch eine dialektische Struktur entsteht, in der aus Erklärung Rechtfertigung wird; besonders stark ist dabei die Analyse der Figurenkonstellation als Spiegelung zweier Formen der Verantwortungsvermeidung – Suburres ideologische Radikalisierung und Mandrillons rhetorische Selbstrelativierung –, die den Roman als Parabel auf eine diskursiv überhitzte Gesellschaft lesbar macht, in der Sprache Handlung ersetzt und Theorie zur Projektionsfläche wird. Indem der Artikel zudem die formale Anlage des Textes als „Versuchsanordnung“ deutet, erweist der Roman seine Wirkung nicht primär durch Plot, sondern durch die konsequente Eskalation eines Denkens, das sich von der Wirklichkeit ablöst und diese zugleich deformiert.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Die kalte Sprache der Akten. Wie Frankreich seine Homosexuellen verwaltete: David Alliot</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/18/die-kalte-sprache-der-akten-wie-frankreich-seine-homosexuellen-verwaltete-david-alliot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Feb 2026 20:51:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="187" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/61i9FIfdd4L._SL1285_-187x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/61i9FIfdd4L._SL1285_-187x300.jpg 187w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/61i9FIfdd4L._SL1285_-638x1024.jpg 638w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/61i9FIfdd4L._SL1285_-768x1234.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/61i9FIfdd4L._SL1285_.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px" />In "Les secrets de Sodome: un siècle et demi d’homosexualité clandestine" (Plon, 2025) rekonstruiert David Alliot auf der Grundlage der Archive der Pariser Polizeipräfektur den klandestinen Alltag homosexueller Männer zwischen 1830 und 1981. Sein Zugriff ist explizit nicht apologetisch, sondern analytisch: Aus der „administrativen Kälte“ von Registern, Observationsberichten und Razzia-Protokollen arbeitet er heraus, wie Staat und Gesellschaft eine formal seit 1791 nicht mehr strafbare, kulturell jedoch geächtete Minderheit überwachten, klassifizierten und moralisch pathologisierten. Treffpunkte wie hôtels garnis, Bälle im Magic City oder die Vespasiennes erscheinen dabei als soziale Mikroräume, in denen sich Begehren, Angst und Kontrolle kreuzten; zugleich werden individuelle Biografien – vom Aristokraten bis zum Stricher, vom Chansonnier bis zum Aktivisten – aus der Anonymität der Akten befreit. Das Ergebnis ist eine weitgespannte Sittengeschichte, die den Wandel der Repression von monarchischer Ächtung über die biopolitische Moral der Dritten Republik und die diskriminierende Gesetzgebung von 1942 und der Fortführung unter De Gaulle bis zur Zäsur von 1981 nachzeichnet. Alliot zeigt, dass die Abschaffung der Kriminalisierung für „Sodomie“ keineswegs gesellschaftliche Akzeptanz bedeutete, sondern einer Epoche subtiler Überwachung wich, in der Identitäten katalogisiert statt Taten verfolgt wurden. Erst mit dem politischen Umbruch unter François Mitterrand endete die systematische polizeiliche Erfassung; 1982 folgte die rechtliche Gleichstellung. Doch das Buch schließt mit einer ernüchternden Einsicht: Rechte sind historisch kontingent – jede Krise kann die alten Reflexe moralischer Ausgrenzung reaktivieren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Jean-Luc Lagarce, der Abwesende: biographische Fiktion als Metatheater bei Charles Salles</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/14/jean-luc-lagarce-der-abwesende-biographische-fiktion-als-metatheater-bei-charles-salles/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Feb 2026 04:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Salles]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Luc Lagarce]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/811aj4zf2ZL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/811aj4zf2ZL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/811aj4zf2ZL._SL1500_-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/811aj4zf2ZL._SL1500_-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/811aj4zf2ZL._SL1500_.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Die zeitgenössische französische Literatur und das Theater haben in Jean-Luc Lagarce eine Figur gefunden, deren Bedeutung weit über ihren frühen Tod im Jahr 1995 hinausgewachsen ist. Lagarce, der zu Lebzeiten oft am Rande des etablierten Kulturbetriebs agierte und sich zeitlebens mit finanziellen sowie institutionellen Hürden konfrontiert sah, hat sich postum zu einem der meistgespielten Dramatiker Frankreichs entwickelt. Dreißig Jahre nach seinem Ableben unternimmt der Autor Charles Salles mit seinem Roman "Lagarce, fiction", erschienen im August 2025 bei der Table Ronde in der Kollektion Vermillon, den Versuch, diese vielschichtige Persönlichkeit fiktional zu rekonstruieren. Salles, der zuvor mit seinem vielbeachteten Erstling "Alain Pacadis, Face B" (2023) einen anderen "Meteoriten" der Pariser Kulturlandschaft porträtierte, wechselt in seinem zweiten Werk die Perspektive vom Sozialen zum Intimen, ohne dabei den scharfen Blick für die soziopolitischen Koordinaten der Epoche zu verlieren. Der vorliegende Bericht analysiert das Leben und Werk von Jean-Luc Lagarce, bettet es in den narrativen Rahmen von Charles Salles ein und stellt die wesentlichen Bezüge zwischen dem Dramatiker und dem Werk seines Biografen her.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zwischen Herkunft und Aufstieg: Romane des Klassenwechsels bei Moraton, Robin und Sizun</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/12/zwischen-herkunft-und-aufstieg-romane-des-klassenwechsels-bei-moraton-robin-und-sizun/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 00:08:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
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		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gilles Moraton]]></category>
		<category><![CDATA[Marie Sizun]]></category>
		<category><![CDATA[Patrice Robin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-300x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-300x300.png 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-150x150.png 150w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-768x768.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-50x50.png 50w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-80x80.png 80w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0.png 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Der Artikel stellt drei französische Romane ins Zentrum, die soziale Mobilität aus unterschiedlichen Perspektiven literarisch gestalten: Gilles Moratons „Transfuge“ (Nadeau, 2025), Patrice Robins „Le Visage tout bleu“ (P.O.L., 2022) und Marie Sizuns „10, villa Gagliardini“ (Arléa, 2024). Robin erzählt aus autobiographischer Nähe den Bildungsaufstieg eines Jungen aus einem ländlich-handwerklichen Milieu, dessen beinahe tödliche Geburt und die harte Arbeitswelt der Eltern die soziale Ausgangslage prägen; der Weg in die intellektuelle Sphäre bleibt dabei von Schuldgefühl und körperlich eingeschriebener Herkunft begleitet. Moraton schildert den Werdegang eines Protagonisten aus kleinbürgerlichen oder proletarischen Verhältnissen, der sich über schulische Institutionen Zugang zur kulturellen Elite verschafft, jedoch als „Überläufer“ zwischen den Klassen verharrt und die eigene Metamorphose schonungslos analysiert. Sizun wiederum rekonstruiert die Kindheit eines Mädchens im Nachkriegsparis, das aus der Enge der „villa Gagliardini“ durch Bildung und Selbstdisziplin allmählich in eine andere soziale Sphäre hineinwächst; der Klassenwechsel erscheint hier als leise, innerfamiliäre Verschiebung, die eng mit weiblicher Selbstermächtigung verbunden ist. - Der Aufsatz argumentiert, dass diese drei Romane den Klassenwechsel nicht nur thematisch behandeln, sondern ihn als strukturelles Problem der Narration ausstellen. Im Zentrum steht die Figur des „transfuge“ als doppelt positioniertes Subjekt, das retrospektiv von einer Herkunft erzählt, die es verlassen hat, ohne sie je vollständig abstreifen zu können. Analysiert werden insbesondere die Spannung zwischen erzählendem und erzähltem Ich, das Sprachproblem des sozialen Registerwechsels, die Inszenierung von Bruch oder Kontinuität in der Zeitstruktur sowie die ethische Dimension der Figurenzeichnung. In der vergleichenden Lektüre der Romanschlüsse arbeitet die Rezension heraus, dass Robin auf eine versöhnliche Integration der Herkunft zielt, Moraton die dauerhafte Zwischenstellung betont und Sizun eine stille Form der inneren Kontinuität entwirft. So zeigt die Besprechung, dass Klassenwechsel als literarisches Motiv eine ästhetische und ethische Herausforderung darstellt, weil er Identität, Sprache und Erzählperspektive gleichermaßen in Bewegung versetzt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der schleichende Einzug des Faschismus in Frankreich: Nathalie Quintane</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/10/der-schleichende-einzug-des-faschismus-in-frankreich-nathalie-quintane/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Feb 2026 21:40:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Nathalie Quintane]]></category>
		<category><![CDATA[Victor Hugo]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="196" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/FAB_24_11x16_8_QUINTANE_fantomes_2-1006x1536-1-196x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/FAB_24_11x16_8_QUINTANE_fantomes_2-1006x1536-1-196x300.jpg 196w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/FAB_24_11x16_8_QUINTANE_fantomes_2-1006x1536-1-671x1024.jpg 671w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/FAB_24_11x16_8_QUINTANE_fantomes_2-1006x1536-1-768x1173.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/FAB_24_11x16_8_QUINTANE_fantomes_2-1006x1536-1.jpg 1006w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" />Nathalie Quintanes "Soixante-dix fantômes (choses vues)" (La fabrique éditions, 2025) ist eine literarische Momentaufnahme des heutigen Frankreich, das sich – kaum merklich und doch unaufhaltsam – von demokratischer Normalität zu autoritären Routinen verschiebt. In 61 pointierten Miniaturen zeigt Quintane, wie sich rechtsextreme Einstellungen im Alltag einnisten: in beiläufigen Gesten, im Sprachgebrauch, in der Entmenschlichung der Schwächsten und in ästhetischen Rückgriffen, die reaktionäre Vergangenheit in die Gegenwart zurückholen. Der Untertitel verweist auf Victor Hugos "Choses vues", dessen republikanisches Aufstiegsnarrativ hier in sein Gegenteil verkehrt wird: Während Hugo politische Emanzipation protokollierte, registriert Quintane den demokratischen Verfall. Die Rezension betont diese bewusste Gegenlektüre zu Hugo und hebt hervor, wie Quintane Alltagsdetails als politische Frühwarnsignale liest, deren „Geister“ – historische und gegenwärtige – ein Klima der Angst, Lähmung und sozialen Kälte erzeugen. Damit erscheint das Buch als ein ebenso poetisches wie alarmierendes Protokoll einer Gesellschaft im Kippen, das den Leser auffordert, die unscheinbaren Zeichen einer autoritären Normalisierung nicht zu übersehen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zwischen Rüstung und Riss: Virilität als Mythos, Männlichkeit als Erfahrung</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/07/zwischen-ruestung-und-riss-virilitaet-als-mythos-maennlichkeit-als-erfahrung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Feb 2026 17:13:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Dantzig]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="181" height="279" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/images-14.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" />Der Band "Masculinité" (Grasset, 2025) versammelt literarische Texte, Essays und Reflexionen, die Männlichkeit nicht als feste Identität, sondern als historisch belastetes und gegenwärtig brüchiges Feld sichtbar machen. Ausgangspunkt ist die Unterscheidung zwischen virilité und masculinité: Während Virilität das enge, normierende Ideal des harten, dominanten, unverwundbaren Mannes bezeichnet, zeigen die Beiträge die widersprüchlichen Erfahrungen realer Männer, die an diesen Erwartungen leiden oder an ihnen scheitern. Die Texte erzählen von Jungen, die früh in Rituale der Härte gezwungen werden, von Vätern, die Stärke weitergeben wollen und dabei Gewalt reproduzieren, von Körpern, die durch Arbeit, Sport, Beschneidung oder Migration geformt und gezeichnet sind, und von Männern, die zwischen kulturellen Modellen der Männlichkeit zerrieben werden. In der Einleitung diagnostiziert Dantzig Männlichkeit als historisch überladenes Machtkonstrukt, das zugleich privilegiert und deformiert und dessen dunkle Seiten – Dominanz, Gewalt, Zerstörung – nicht ausgeblendet werden dürfen. Die Präsentation von Habib-Rubinstein verschiebt diesen Befund in die literarische Praxis und liest den Band als Labor pluraler Stimmen, in dem keine neue Norm gesetzt, sondern Fragilität, Zweifel und Suchbewegungen sichtbar gemacht werden. So entsteht ein vielstimmiges Panorama einer Männlichkeit im Übergang: erschöpft vom Mythos der Virilität, offen für neue, unsichere und erzählbare Formen des Mannseins.]]></description>
		
		
		
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		<title>Drei letzte Menschen: Bildung nach der Zivilisation bei Sacha Bertrand</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/29/drei-letzte-menschen-bildung-nach-der-zivilisation-bei-sacha-bertrand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Jan 2026 22:53:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Sacha Bertrand]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="201" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/bertrand-201x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/bertrand-201x300.png 201w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/bertrand-687x1024.png 687w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/bertrand-768x1145.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/bertrand.png 770w" sizes="auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px" />Sacha Bertrands Roman „11:02h, le vent se lève“ entwirft das Bild einer Welt, in der die Zivilisation als „erstickter Kadaver“ unter dem giftigen Nebel des „Amer“ begraben liegt. Inmitten eines unerbittlichen Bergmassivs, das als „gigantische Insel“ aus scharfen Felsen isoliert ist, führt die ehemalige Bibliothekarin Myriam ein Leben in absoluter Erstarrung, symbolisiert durch eine Uhr, die dauerhaft 11:02 Uhr anzeigt. Diese Einsamkeit endet, als sie Jonas einfängt, ein „erdiges“ Wesen purer Instinkte, das sie mit Gewalt und Sprache nach ihrem Ebenbild zu formen versucht, um das Tier in ihm einzuschläfern. Die mühsam konstruierte Sicherheit ihres „geordneten Gartens“ kollidiert jedoch mit dem Auftauchen eines Unbekannten, dessen gewaltsamer Tod Jonas die Augen für Myriams paranoiden Kontrollzwang öffnet und ihn schließlich zur Flucht in ein unkartiertes „Anderswo“ bewegt. Die Rezension argumentiert, dass Bertrands Erstlingswerk die Grenzen der klassischen Dystopie sprengt, indem es das Grauen nicht in einem totalitären System, sondern im „Verschwinden gemeinsamer Bedeutungshorizonte“ ansiedelt. Der Text wird als kritische Variation der Robinsonade gedeutet, in der technisches Geschick und Disziplin nicht zur Freiheit, sondern in ein beklemmendes Machtgefüge aus Abhängigkeit und psychischer Enge führen. Ein wesentliches Argument der Analyse betrifft die Landschaft, die nicht als romantische Kulisse, sondern als „widerständige Instanz“ fungiert, die dem Menschen jegliche metaphysische Deutung verweigert und ihn auf seine nackte Körperlichkeit zurückwirft. Letztlich zeigt die Kritik auf, dass Menschlichkeit in dieser Welt nur durch eine „Ethik ohne Hoffnung“ bewahrt werden kann.]]></description>
		
		
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		<title>Roman noir als Staatskritik: Benjamin Dierstein</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/28/roman-noir-als-staatskritik-benjamin-dierstein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jan 2026 05:52:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Dierstein]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782080470775-190x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782080470775-190x300.jpg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782080470775.jpg 289w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Mit der abgeschlossenen Trilogie "Bleus, Blancs, Rouges" (2025-2026) legt Benjamin Dierstein ein monumentales Noir-Epos vor, das Frankreich zwischen 1978 und 1984 als politischen, moralischen und institutionellen Krisenraum kartiert. In der Verflechtung fiktiver Schicksale mit realhistorischen Figuren und Skandalen entwickelt sich eine schonungslose Saga über Terrorismus, Geheimdienste, Françafrique und den Übergang von der Ära Giscard zur „Mitterrandie“. Dierstein verbindet minutiöse Archivarbeit mit erzählerischer Wucht und satirischer Schärfe und zeichnet eine Republik, deren Machtapparate von Rivalitäten, Korruption und systematischer Vertuschung durchzogen sind. Die Trilogie liest sich zugleich als spannungsgeladener Thriller und als sezierende Diagnose eines Staates, in dem politische Vernunft und moralische Integrität endgültig auseinanderfallen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Kontaminationen nach dem 7. Oktober: Amanda Sthers</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/27/kontaminationen-nach-dem-7-oktober-amanda-sthers/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jan 2026 00:10:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Amanda Sthers]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782246841692-001-X-190x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782246841692-001-X-190x300.jpeg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782246841692-001-X-649x1024.jpeg 649w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782246841692-001-X-768x1211.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782246841692-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Der Roman "C" (Grasset, 2025) von Amanda Sthers entwirft ein düsteres Panorama der französischen Gegenwart nach dem 7. Oktober 2023, in dem privates Leben, politische Diskurse und historisch sedimentierte Traumata ineinandergreifen. Es beginnt mit einem Pilzbefall in der Pariser Wohnung der jüdischen Lektorin Rebecca Vermusein und ihres Mannes Gilles, der sich rasch als zentrale Denkfigur erweist: Der Pilz wird nicht als bloßes Horrorelement erzählt, sondern als Materialisierung eines Antisemitismus, der unsichtbar zirkuliert, sich normalisiert und schließlich tödlich fruchtet. Parallel zur Zersetzung der Ehe zeichnet der Roman den Zerfall des französischen "vivre-ensemble": politische Radikalisierung, selektive Empathie nach dem 7. Oktober, die moralische Selbstentlastung westlicher Eliten und die Vereinsamung jüdischer Individuen bilden ein eng verschaltetes Szenario. In der Rückbindung an Sthers Roman "Les gestes" zeigt sich "C" zugleich als Kulminationspunkt eines länger angelegten Projekts, das jüdische Identität nicht als stabile Zugehörigkeit, sondern als historisch belasteten Erinnerungskörper entwirft. Die Rezension analysiert diese Konstellation, indem sie "C" als Fortschreibung und Radikalisierung der in "Les gestes" angelegten Motive liest: von der „Archäologie der Intimität“ zur „Biologie des Hasses“. Im Zentrum steht die Argumentation, dass Sthers den Antisemitismus nicht als Randphänomen, sondern als strukturelles Produkt eines moralischen Klimas darstellt, in dem Diskurse, Ästhetik und Affekt ineinandergreifen. Die Rezension zeigt, wie der Roman über die Pilzmetaphorik Normalisierung, Verführung und Gewalt zusammendenkt und wie er damit insbesondere den zeitgenössischen Feminismus, die Identitätspolitik und den Antizionismus einer scharfen Prüfung unterzieht. Dabei wird "C" nicht als Thesenroman verstanden, sondern als literarische Diagnose eines Zustands: ohne Katharsis, ohne versöhnenden Ausblick, aber mit der insistierenden Forderung, die Sporen zu erkennen, bevor sie erneut fruchten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Ozean: Ökofiktion, Erzählinstanz und ethische Spannung bei Vincent Message</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/26/der-ozean-oekofiktion-erzaehlinstanz-und-ethische-spannung-bei-vincent-message/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jan 2026 04:35:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Vincent Message]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="198" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/157210_couverture_Hres_0-198x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/157210_couverture_Hres_0-198x300.jpg 198w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/157210_couverture_Hres_0.jpg 395w" sizes="auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px" />Der Roman "La Folie Océan" (Seuil, 2025) von Vincent Message verknüpft Ökofiktion, Liebesroman und politischen Thriller. Im Zentrum steht Maya, Meeresbiologin und Planktonforscherin, die zwischen der abstrakten Welt internationaler Biodiversitätsgremien und dem konkret bedrohten Küstenraum der bretonischen Atlantikküste lebt. Ihre Beziehung zu Quentin, einem Taucher und Umweltaktivisten aus einer Fischerfamilie, verbindet wissenschaftliche Erkenntnis mit leiblicher Erfahrung des Meeres. Ausgehend von einem Akt symbolischer Gewalt – einem ermordeten Basstölpel – eskaliert der Konflikt um industrielle Fischerei, Naturschutz und lokale Machtverhältnisse bis hin zu Radikalisierung, Verschwinden und Mord. Der Ozean erscheint dabei nicht nur als Schauplatz, sondern als strukturierendes Prinzip des Romans: als sinnlich erfahrener Lebensraum, als wissenschaftlich vermitteltes Datensystem und als ethischer Resonanzraum, in dem ökologische Zerstörung, politische Gewalt und intime Lebensentscheidungen unauflöslich ineinandergreifen. Die Rezension analysiert den Roman als literarisches Experiment der Vermittlung zwischen Wissen, Wahrnehmung und Verantwortung. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie ökologische Komplexität erzählbar wird, ohne in reine Didaktik oder bloße Katastrophenästhetik zu kippen. Herausgearbeitet wird Messages Poetik des Unsichtbaren: Plankton, Mikroorganismen, statistische Modelle und latente Bedrohungen strukturieren den Text ebenso wie Liebe, Angst und Begehren. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Verschränkung von Maßstäben – vom Mikroskopischen bis zum Planetarischen – sowie der narrativen Parallelführung von globaler Wissenschaft und lokalem Aktivismus. Am Ende werden die Lebenswege von Maya und Quentin über das Meer zusammengeführt: nicht durch Versöhnung oder Rückkehr, sondern durch eine geteilte Erfahrung von Verlust, Persistenz und Bewegung. Der Ozean wirkt dabei als vermittelnde Instanz, die ihre Geschichten räumlich trennt und zugleich symbolisch verbindet, indem er individuelle Biografien in eine größere, offene Zeitlichkeit des Lebendigen einschreibt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Hitlers Visite im leeren Paris: Michel Guénaire</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/24/hitlers-visite-im-leeren-paris-michel-guenaire/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jan 2026 11:31:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Guénaire]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-664x1024.jpg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-768x1184.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-996x1536.jpg 996w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-1328x2048.jpg 1328w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Michel Guénaires "La visite" (Grasset, 2025) rekonstruiert Hitlers zweistündigen Paris-Besuch am 23. Juni 1940 nicht als historische Episode, sondern als hochkonzentrierten ästhetischen Akt. Der Text zeigt eine entvölkerte Stadt, die Hitler im Morgengrauen durchschreitet wie ein Museum ohne Publikum: Paris erscheint als „toter Stern“, als reine Architektur, losgelöst von sozialem Leben. Guénaire ersetzt Handlung durch Wahrnehmung und macht den Gang, den Blick und das Schweigen zum eigentlichen Stoff der Erzählung. Die Stadt wird zum Maßstab und zum Rivalen, an dem sich Hitlers ästhetische Ambitionen entzünden: Paris wird bewundert, taxiert und zugleich als Herausforderung für das nie realisierte Projekt „Germania“ gelesen. In der Begegnung mit Monumenten wie der Opéra, dem Trocadéro oder dem Invalidendom entfaltet sich der Récit als politisch-ästhetische Studie über Macht, Form und Aneignung, in der Architektur zur Sprache totalitärer Imagination wird. Die Rezension liest "La visite" als Modellfall autoritärer Herrschaft und analysiert Guénaires Argumentation über den historischen Rahmen hinaus. Sie zeigt, wie der Text Macht nicht psychologisch erklärt, sondern als Wahrnehmungs- und Inszenierungsform freilegt: Hitler erscheint nicht als denkendes Subjekt, sondern als sehende Instanz, umgeben von einem archetypischen Gefolge aus Technikern, Künstlern und Funktionären, die Macht ästhetisch absichern. Die menschenleere Stadt verweigert jedoch die erwartete Resonanz und entlarvt so die Leere totalitärer Gesten. Die Rezension betont besonders die Metapher des „Stummfilms“, mit der Guénaire die Visite als irrealen, nahezu unwirklichen Moment beschreibt – eine friedliche Inszenierung im Zentrum eines Vernichtungskrieges. Aus dieser Perspektive wird "La visite" zu einer universellen Reflexion über autoritäre Systeme: Nicht der einzelne Diktator steht im Mittelpunkt, sondern die wiederkehrenden Strukturen, Rollen und Bilder, durch die Macht sich selbst hervorbringt – und an einer Welt scheitert, die sich nicht vollständig aneignen lässt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Japan und die eigene Entwestlichung: Emmanuel Ruben</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/22/japan-und-die-eigene-entwestlichung-emmanuel-ruben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jan 2026 14:10:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Emmanuel Ruben]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="222" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81zKiX-nVWL._AC_UF8941000_QL80_-222x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81zKiX-nVWL._AC_UF8941000_QL80_-222x300.jpg 222w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81zKiX-nVWL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 741w" sizes="auto, (max-width: 222px) 100vw, 222px" />Emmanuel Rubens "L’usage du Japon" (2025) entwirft das Land als einen „topographischen Blitzschlag“: kein exotisches Gegenbild zum Westen, sondern einen fraktalen, zitternden Archipel, der sich jeder endgültigen Fixierung entzieht. Ruben liest das Land als Geograph und Zeichner, geprägt von einer „tatamisierten“ Popkindheit aus Judo, Nintendo und Manga, und konfrontiert dieses imaginäre Japan mit einer oft amerikanisierten, urban ungeordneten Realität. Zwischen Ukiyo-e, Comics, Karten und Zen-Gärten entdeckt er Japan als Reich der klaren Linie, der Miniatur und des Infra-Ordinären, in dem Natur total stilisiert und Alltag ritualisiert ist. Figuren wie Ino Tadataka werden ihm zu Spiegeln des eigenen Schreibens: Vermessen heißt hier nicht besitzen, sondern sich körperlich dem Fragment aussetzen. Kyoto erscheint als bemooster Friedhof der Götter, schwer vom Heiligen, während Shinkansen, Hightech-Toiletten und Glasstädte eine lautlose Ultramoderne markieren. Die Rezension pointiert dieses Spannungsfeld als permanente „Entwestlichung“: Japan zwingt zur Verdünnung des Ichs, zur Akzeptanz des Unabgeschlossenen und zur Einsicht, dass Karte, Text und Bild das Territorium nie einholen – weshalb Japan am Ende weniger Ziel als Prozess bleibt, eine vibrierende Schule des Sehens und Verschwindens.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zwischen Gulag und Taiga: Andreï Makines ambivalenter Humanismus</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/19/zwischen-gulag-und-taiga-andrei-makines-ambivalenter-humanismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 06:38:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Andreï Makine]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/61ORptJywHL._AC_UF8941000_QL80_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/61ORptJywHL._AC_UF8941000_QL80_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/61ORptJywHL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Andreï Makines "Prisonnier du rêve écarlate" entfaltet das Schicksal Lucien Baerts als emblematische Lebensgeschichte des europäischen 20. Jahrhunderts: vom kommunistischen Heilsversprechen über Gulag, Krieg und Identitätsverlust bis zur desillusionierenden Rückkehr in den Westen. Der Roman verbindet historische Katastrophen mit einer Poetik der Verlangsamung und der Natur, in der die sibirische Taiga als Gegenraum zur ideologischen und ökonomischen Gewalt erscheint. Luciens Metamorphose vom französischen Arbeiter zum „russischeren als die Russen“ Überlebenden macht Identität zu etwas Erlittenem, nicht Zugehörigem. Zwischen Zeugenschaft, Mythos und metaphysischer Reflexion entwickelt Makine eine humanistische Vision, die alle großen Ideologien – Stalinismus wie westlichen Konsumismus – als zerstörerisch entlarvt, ohne jedoch in einfache Gegensätze zu verfallen. Übrig bleibt eine fragile Würde des Individuums, bewahrt in Erinnerung, Natur und Stille. Die Rezension liest den Roman als ambivalentes Werk zwischen politischer Anklage und poetischer Verklärung. Sie hebt Makines Zwischenposition zwischen Frankreich und Russland als produktiven Spannungsraum hervor und zeigt, wie seine Kritik am „Homo festivus“ des Westens mit einer problematischen Ästhetisierung russischer Leidensfähigkeit einhergeht. Sie analysiert die unterschiedlichen epistemischen Modi von Zeugenschaft und Wissen (Körper versus Archiv) sowie die Einordnung Makines in die Tradition der europäischen Lager- und Erinnerungsliteratur. Zugleich insistiert die Besprechung auf den politischen Risiken dieser Poetik in der Gegenwart: Die Taiga als moralischer Gegenraum und der finale Gewaltakt bleiben literarisch wirksam, sind aber ethisch und politisch prekär, da sie für nationalistische oder autoritäre Deutungen anfällig sind. Gerade in dieser Spannung verortet die Rezension den zentralen Wert des Romans: als notwendiges, irritierendes Dokument eines ambivalenten Humanismus, der nicht tröstet, sondern beunruhigt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Reparieren der Bruchlinien im Text: Hélène Frédérick</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/05/reparieren-der-bruchlinien-im-text-helene-frederick/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 10:01:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Hélène Frédérick]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-7-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-7-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-7-698x1024.jpeg 698w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-7-768x1126.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-7-1047x1536.jpeg 1047w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-7-1397x2048.jpeg 1397w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-7.jpeg 1651w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Hélène Frédéricks "Lézardes" (2025) ist ein hybrider Roman, der Tagebuchminiaturen, autobiografische Erinnerungen, essayistische Passagen zur Kulturgeschichte des Korrekturwesens und poetologische Reflexionen miteinander verschränkt und dabei den „Riss“ (la lézarde) zur zentralen ästhetischen und epistemologischen Metapher erhebt: Erzählt wird aus der Perspektive einer in Paris arbeitenden Korrektorin, deren Alltag in der Kabine der Redaktion mit Rückblenden in eine Kindheit im handwerklichen Milieu Québecs verbunden ist, insbesondere in die Werkstatt des Vaters, dessen reparierende Präzisionsarbeit parallel zur philologischen Aufmerksamkeit gelesen wird. Die Rezension argumentiert, dass der Roman seine Thematik performativ vollzieht: Die fragmentierte, anti-lineare Struktur, die Perspektivwechsel zwischen „Je“ und adressierendem „Tu“, die bewusste Kultivierung von Ellipsen, „wackeligen Sätzen“ und scheinbaren Inkohärenzen spiegeln jene Risse wider, die der Text als Bedingung von Wahrnehmung, Erinnerung und Poesie verteidigt. Inhaltlich entfaltet Frédérick eine Poetik des Unsichtbaren, indem sie den bedrohten, historisch mit libertären Milieus verbundenen Beruf der Korrektorin als ethische Praxis des Zweifelns, des genauen Hinsehens und des Widerstands gegen sprachliche und gesellschaftliche Glättung ins Zentrum rückt; argumentativ liest die Rezension den Roman als dezidiertes Gegenmodell zu Effizienz, Normierung und algorithmischer Vereinheitlichung. Autobiografie, Sprachreflexion und Sozialgeschichte verdichten sich so zu der These, dass Literatur – und das Schreiben überhaupt – nicht aus Kohärenz und Perfektion hervorgeht, sondern aus Brüchen und Zwischenräumen, weshalb die lézardes weniger als Mangel denn als produktive Beobachtungsposten erscheinen, an denen Subjektivität, Geschichte und Sprache überhaupt erst sichtbar werden.]]></description>
		
		
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		<title>Roman der franko-rumänischen Freundschaft: Cătălin Mihuleac</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Jan 2026 12:57:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Cătălin Mihuleac]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="196" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-196x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-196x300.jpg 196w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-668x1024.jpg 668w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-768x1178.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-1002x1536.jpg 1002w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-1336x2048.jpg 1336w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-scaled.jpg 1670w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" />Cătălin Mihuleacs "Les Demoiselles de Fontaine" entfaltet vor dem Panorama der französisch-rumänischen Beziehungen vom Ersten Weltkrieg bis zur frühen kommunistischen Nachkriegszeit die Geschichte einer kulturellen Verbrüderung, die sich über Bildung, Sprache und persönliche Loyalitäten konstituiert und schließlich politisch zerschlagen wird: Im Zentrum stehen der französische Offizier und spätere Hochschullehrer Marcel Fontaine, seine rumänischen Weggefährten und insbesondere jene jungen Frauen, deren Frankophilie unter dem kommunistischen Regime zur Schuld erklärt wird. Die Rezension liest den Roman weniger als historischen Stoffroman denn als europäische Reflexion über die Fragilität kultureller Bindungen: Frankreich erscheint nicht primär als Staat, sondern als Projektionsfläche von Humanismus, Bildung und universalistischen Werten, Rumänien als Raum der Aneignung, Hoffnung und späteren Ernüchterung. Mihuleac zeigt, so das Argument der Besprechung, dass kultureller Transfer zwar Identitäten prägt und Generationen verbindet, jedoch ohne institutionellen Schutz extrem verwundbar bleibt; was in der Zwischenkriegszeit als moralisches Kapital galt, wird nach 1947 kriminalisiert. Ergänzend hebt die Rezension die Figur Petru Negru hervor, dessen lustvolle Hinwendung zur Volkskunde und Folklore nicht als regressiver Aberglaube, sondern als alternative Erkenntnisform erscheint, in der sich historische Erfahrung, kollektives Gedächtnis und ein widerständiges Wissen jenseits offizieller Ideologien bündeln. Indem der Roman Märchen, Folklore und historische Chronik verschränkt, entwirft er das Bild eines europäischen Versprechens, das nicht durch individuelles Versagen, sondern durch Systemwechsel zerbricht. Die Rezension betont daher den Text als literarisches Denkmal eines gescheiterten, aber schuldlosen Projekts: Nicht die Menschen scheitern, sondern die politischen Ordnungen, die kulturelle Loyalitäten nicht tragen können.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zerstörung als Möglichkeit: Mannsein und Gewalt bei Bernard Bourrit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Jan 2026 11:35:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
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		<category><![CDATA[Bernard Bourrit]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="220" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/images-1-220x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/images-1-220x300.jpeg 220w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/images-1.jpeg 383w" sizes="auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px" />Bernard Bourrits Roman “Détruire tout” (2025) rekonstruiert einen realen Feminizid in der Schweiz der 1960er-Jahre, verweigert jedoch konsequent eine lineare Täterpsychologie oder moralische Auflösung: Anhand von Archiven, Beobachtungen und essayistischen Fragmenten erscheint der Täter Alain weniger als individuelles Monster denn als Symptom eines patriarchalen, ländlichen und autoritär organisierten sozialen Gefüges, das Gewalt strukturell ermöglicht. Die Rezension zeigt, wie Bourrit bäuerliche Enge, männliche Normierung, sprachlose Affekte und asymmetrische Geschlechterverhältnisse freilegt und insbesondere Männlichkeit als brüchige, überforderte Konstruktion analysiert, deren Anspruch auf Kontrolle in destruktive Gewalt umschlägt. Der männliche Körper wird dabei zum Austragungsort sozialer Zumutungen, während Carmen als Projektionsfläche gesellschaftlicher Erwartungen sichtbar wird, ohne zur bloßen Figur zu verflachen. Formal wie ethisch verweigert der Text den Mord als erzählerischen Höhepunkt und belässt ihn als Leerstelle, wodurch die Aufmerksamkeit auf Bedingungen statt auf Sensation gelenkt wird. So versteht die Rezension “Détruire tout” als literarische Untersuchung gesellschaftlicher Gewalt, die gerade im Scheitern von Erklärung und Katharsis ihre politische und ästhetische Kraft entfaltet.]]></description>
		
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		<title>Hohelied ohne Zeugen: Patrick Autréaux</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2025 10:21:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Edmond Jabès]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Autréaux]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Couverture-699x1024-1-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Couverture-699x1024-1-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Couverture-699x1024-1.jpg 699w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Patrick Autréaux’ "L’Époux" (2025) ist ein leiser, existenziell verdichteter Roman, der von der standesamtlichen Trauung zweier Männer ausgeht. Ein Ritual, das als gesellschaftliche Anerkennung gedacht ist, wird zur Erfahrung radikaler Vereinzelung: durch die demonstrative Abwesenheit der Familien, die eine geografisch fern, die andere ideologisch und religiös sich verweigernd. Der Erzähler beobachtet die Tränen seines Partners; in diesem Moment brechen Jahre des Schweigens, der Anpassung und der erlittenen Zurückweisung auf. Ausgehend von diesem Moment entfaltet der Text eine vielschichtige Rückschau, in der sich eine homosexuelle Liebesgeschichte mit biografischen Verletzungen, Krankheit und einer tiefgreifenden spirituellen Suche verschränkt. Zentral ist dabei der jüdische Hintergrund der Familie des Partners, deren Geschichte von Shoah, Vertreibung und Exil geprägt ist und deren traumatische Erfahrung in eine religiöse Verhärtung und die Ablehnung der Beziehung mündet. Autréaux zeigt, wie diese kollektiven Wunden familiäre Bindungen vergiften und Schweigen, Tilgung und Ausschluss erzeugen. In der Auseinandersetzung mit dem Hohelied Salomos und dem Werk Edmond Jabès entwickelt der Roman eine Poetik der Abwesenheit, des Schweigens und des Exils, in der der Körper des Geliebten zum Ort des Heiligen wird. "L’Époux" liest sich so als modernes Hohelied, das die intime Geschichte einer homosexuellen Liebe mit der Last jüdischer Erinnerung verbindet und eine fragile, aber beharrliche Transzendenz entwirft – „aus der Wüste gekommen, wie man aus dem Jenseits der Erinnerung kommt“.]]></description>
		
		
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		<title>Exponierter Körper und Melancholie der Spur: Joy Majdalani und Robert Mapplethorpe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2025 04:19:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="201" height="251" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/mapplethorpe.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" />Die Rezension liest Joy Majdalanis Roman „Le goût des garçons“ (2021) und Essay „Jimmy Freeman“ (2025) als zwei komplementäre Stationen eines konsequenten literarischen Projekts. Der Roman „Le goût des garçons“ ist eine subjektive Erkundung weiblichen Begehrens, das sich im Spannungsfeld von religiöser Erziehung, Schuld und Selbstermächtigung formt. Männliche Figuren erscheinen darin weniger als psychologisch ausgearbeitete Charaktere denn als Projektionsflächen, an denen sich Macht, Fantasie und Transgression erproben lassen. „Jimmy Freeman“ führt diese Motive weiter, verschiebt sie jedoch vom narrativen Risiko des Romans in eine poetisch-essayistische Reflexion: Ausgehend von Robert Mapplethorpes Fotografie von Jimmy Freeman denkt Majdalani Begehren, Objektivierung und Gewalt der Form kunsttheoretisch und existenziell weiter. Der Essay wirkt wie eine Verdichtung und Kommentierung des Romans, in dem sich autobiographische Erfahrung, ästhetische Analyse und ethische Selbstbefragung überlagern. Zentral für den Artikel ist die homoerotische Kunst Robert Mapplethorpes, dessen Werk als Scharnier zwischen klassischer Schönheit und radikaler Körperpolitik gelesen wird, als perfekt geformtes, diszipliniertes Objekt des Begehrens. Zugleich zeigt die Lektüre, dass diese ästhetische Objektifizierung des Körpers immer von einer Melancholie der Spur begleitet ist, denn die Fotografie bewahrt nur den Abdruck eines lebendigen, sterblichen Körpers. In der Spannung zwischen formaler Ewigkeit und körperlicher Vergänglichkeit entfaltet sich bei Mapplethorpe ein Begehren, das ebenso monumental wie tief verletzlich ist. Seine Fotografien stehen für eine Kunst, die den männlichen – insbesondere den schwarzen – Körper zugleich kanonisiert und exponiert und dabei Fragen von Macht, Blick und Unterwerfung unausweichlich macht. Überschattet wird diese Spannung vom Wissen um AIDS und den frühen Tod Mapplethorpes und vieler seiner Modelle, wodurch die Bilder im Rückblick den Charakter eines letzten Aufleuchtens annehmen – verewigt schön, sterblich und unwiederbringlich.]]></description>
		
		
		
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		<title>Eine leuchtende Postapokalypse: Céline Minard</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 2025 23:21:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Céline Minard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/tovaangar-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/tovaangar-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/tovaangar-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/tovaangar.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Céline Minards Roman „Tovaangar“ (Rivages, 2025) entwirft eine radikal andere Postapokalypse: Nicht Mangel, Gewalt und Überleben bestimmen die Welt nach dem Ende der menschlichen Zivilisation, sondern Emergenz, Kooperation und eine leuchtende Vielfalt von Beziehungen zwischen allen Spezies. Auf den Ruinen des heutigen Los Angeles – nun wieder unter seinem vorkolonialen Namen Tovaangar – hat sich lange nach dem Zusammenbruch eine stabile, vielstimmige Weltordnung herausgebildet, in der Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine und bewusste technische Wesen als „Verwandte“ koexistieren. Die Expedition der Protagonistin Amaryllis führt nicht durch eine Landschaft der Verwüstung, sondern durch ein funktionierendes Ökosystem, in dem Konflikte nicht eskalieren, sondern rituell verhandelt werden. Im Vergleich zu Minards früheren Romanen – „Le Dernier Monde“ (Isolation nach dem Verschwinden der Menschheit), „Le Grand Jeu“ (stoische Autarkie im technischen Gehäuse) und „Plasmas“ (kosmische Fragmentierung des Seins) – markiert „Tovaangar“ den Endpunkt einer poetischen Bewegung: von der Vereinzelung des Menschen hin zu einer radikalen Dezentrierung zugunsten eines hybriden, posthumanen Kollektivs. – Der Aufsatz entwickelt seine Argumentation ausgehend vom Genrevergleich zur Poetologie: Zunächst grenzt er „Tovaangar“ von der klassischen, affektgetriebenen Postapokalypse ab und zeigt, wie Minard Angst, Schuld und Nostalgie systematisch durch Neugier und Aufmerksamkeit ersetzt. Darauf aufbauend wird der Roman als Denkraum gelesen, der aktuelle Diskurse zu Anthropozän, Posthumanismus und New Materialism nicht illustriert, sondern transformiert. Im Werkvergleich wird diese Verschiebung als langfristige Entwicklung in Minards Schreiben ausgewiesen: von der melancholischen Leere („Le Dernier Monde“) über technische Schutzräume („Le Grand Jeu“) und kosmische Auflösung („Plasmas“) hin zu einer „Werkstatt des Realen“, die Welt aktiv neu zusammensetzt. Das Fazit pointiert diese Lesart: Tovaangar ist weniger Warnung als Herausforderung – ein Roman, der zeigt, dass Zukunft nicht zwangsläufig aus Katastrophenangst entsteht, sondern aus der Imagination anderer, nicht-anthropozentrischer Formen des Zusammenlebens. Damit verschiebt Minard nicht nur ein Genre, sondern stellt die Frage nach der politischen und ontologischen Möglichkeit von Literatur selbst neu.]]></description>
		
		
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		<title>Nürnberger Prozesse ohne Schlussstrich: Alfred de Montesquiou</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/27/nuernberger-prozesse-ohne-schlussstrich-alfred-de-montesquiou/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Dec 2025 00:43:24 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Alfred de Montesquiou]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61rcfNDLuAL._AC_UF10001000_QL80_-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61rcfNDLuAL._AC_UF10001000_QL80_-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61rcfNDLuAL._AC_UF10001000_QL80_.jpg 651w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Der Artikel liest Alfred de Montesquious Roman "Le crépuscule des hommes" (2025, Prix Renaudot Essai) als Gegenentwurf zu popularisierenden Darstellungen der Nürnberger Prozesse, wie sie etwa James Vanderbilts Film "Nuremberg" (2025) bietet. Während der Film das Geschehen auf ein psychologisches Duell zwischen Hermann Göring und seinem amerikanischen Psychiater verengt und damit einem personalisierenden „Kino der großen Männer“ folgt, entfaltet Alfred de Montesquiou ein vielstimmiges Panorama. Sein Roman interessiert sich nicht für Urteile oder Täterpsychologie, sondern für die Peripherie des Tribunals: Journalisten, Fotografen, Übersetzer und Beobachter, die Nürnberg als Übergangsraum erfahren. Die Stadt erscheint als semantisch überladener Ort zwischen nationalsozialistischer Selbstinszenierung, juristischer Zäsur und moralischer Ungewissheit. Sprache, Übersetzung und mediale Vermittlung werden dabei als fragile Instrumente sichtbar, die an der Aufgabe, das Ungeheure erzählbar zu machen, notwendig scheitern. Argumentativ verortet die Rezension den Roman im Denkraum von Karl Jaspers und Hannah Arendt. Wie bei Jaspers verschiebt sich der Fokus weg von der rein juristischen Schuld hin zu einer moralischen Selbstprüfung der Beobachter, die sich ihrer eigenen Verstrickung bewusst werden. Arendts Skepsis gegenüber abschließenden Erklärungen spiegelt sich in der konsequenten Verweigerung eines narrativen oder moralischen Abschlusses. Der roman vrai erscheint dabei als epistemische Form, die dort ansetzt, wo Akten und Urteile an ihre Grenzen stoßen. Nürnberg wird nicht als Endpunkt der Geschichte erzählt, sondern als Schwebezustand: als „Menschendämmerung“, in der das Ende der Täter keine moralische Klarheit garantiert. Die Lektüre macht deutlich, dass de Montesquiou Nürnberg nicht abschließt, sondern offenhält – als Raum des Übergangs, in dem Recht, Erinnerung und Erzählen selbst auf dem Prüfstand stehen.]]></description>
		
		
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		<title>Mutterverlust als Metamorphose bei Constance Joly und als Dokument bei Annie Ernaux</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Dec 2025 04:37:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Annie Ernaux]]></category>
		<category><![CDATA[Constance Joly]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/51269URgPTL._UF10001000_QL80_-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/51269URgPTL._UF10001000_QL80_-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/51269URgPTL._UF10001000_QL80_.jpg 643w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Der Romanvergleich stellt Constance Jolys Roman "Reverdir" (Flammarion, 2025) und Annie Ernaux’ "Je ne suis pas sortie de ma nuit" (Gallimard, 1997) als zwei radikal unterschiedliche literarische Bearbeitungen der Alzheimer-Erkrankung der Mutter gegenüber und entfaltet ihre Argumentation konsequent entlang der Pole Metamorphose versus Dokumentation. Während Jolys Roman den geistigen Verfall der Mutter in eine dichte Metaphorik aus Botanik, Carrolls Alice im Wunderland und zyklischer Zeitstruktur einbettet und die Krankheit als Katalysator einer existentiellen Neuerfindung der Tochter deutet, beschreibt Ernaux in ihrem fragmentarischen Tagebuch den körperlichen und sprachlichen Zerfall der Mutter ohne jede tröstende Sinnstiftung als ausweglose Bewegung in eine zeitlose „Nacht“. Die Rezension arbeitet diese Differenz systematisch aus, indem sie Erzählhaltung, Zeitstruktur, Kommunikationsformen und Metaphorik kontrastiert: Jolys poetische Einhegung des Schmerzes zielt auf Resilienz, „Spätblühen“ und Selbstwerdung, während Ernaux’ Schreiben sich der „Gewalt der Empfindungen“ aussetzt und den Text bewusst als bloßen „Überrest eines Schmerzes“ versteht. Argumentativ folgt die Rezension dabei einer komparatistischen Logik, die nicht wertend, sondern typologisch verfährt: Sie zeigt, wie beide Texte unterschiedliche ethische und ästhetische Antworten auf denselben Erfahrungskern geben. Der Schluss pointiert diese Gegenüberstellung, indem er die divergierenden Romanenden als Ausdruck zweier unvereinbarer Zeit- und Sinnmodelle liest – hier das symbolische Wiederergrünen nach der Katastrophe, dort das endgültige Versinken in der Nacht –, und macht so deutlich, dass literarische Alzheimer-Narrative weniger über die Krankheit selbst als über die Möglichkeiten und Grenzen narrativer Bewältigung Auskunft geben.]]></description>
		
		
		
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		<title>Shakespeare als Leerstelle: Philippe Forest</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Dec 2025 11:26:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Forest]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/forest-shakespeare-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/forest-shakespeare-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/forest-shakespeare-658x1024.jpg 658w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/forest-shakespeare-768x1195.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/forest-shakespeare.jpg 964w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Philippe Forests „Shakespeare: quelqu’un, tout le monde et puis personne“ (Flammarion, 2025) ist ein ebenso radikales wie poetisches Buch, das sich bewusst gegen jede traditionelle Biografie richtet und stattdessen das Konzept der „Antibiografie“ formuliert. Ausgehend von der fast vollständigen biografischen Leere Shakespeares begreift Forest diese Leerstelle nicht als Mangel, sondern als produktiven Raum literarischer Erkenntnis. Shakespeare erscheint darin weniger als historisches Individuum denn als Figur des „Jemand, Jeder und Niemand“ – ein Resonanzraum menschlicher Existenz, in dem sich Fragen nach Identität, Macht, Liebe, Zeit, Tod und dem Nichts bündeln. Forest schreibt dabei nicht nur über Shakespeare, sondern durch ihn hindurch und zugleich über sich selbst; jede Biografie wird zur verdeckten Autobiografie, jede Analyse zur Fabel, in der sich Leben und Werk, Theorie und persönliche Erinnerung unauflöslich verschränken. Die Analyse hebt hervor, wie Forest Shakespeare als Denker der Existenz, als radikal skeptischen Dichter eines leeren Himmels und eines theatralen Weltverständnisses liest, in dem Identität Maske, Geschichte Illusion und Literatur ein sanftes, tröstendes Sprechen im Angesicht des Nichts ist. Es ist ein Buch, das keine bloße Wissensvermittlung anstrebt, sondern vielmehr eine existenzielle Erfahrung des Lesens darstellt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Sternenhimmel über Rom: Renaud Rodier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/22/sternenhimmel-ueber-rom-renaud-rodier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 22:15:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Céline Minard]]></category>
		<category><![CDATA[Elisabeth Filhol]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Butor]]></category>
		<category><![CDATA[Renaud Rodier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/RODIER_SIROMEMEURT_CV1-large-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/RODIER_SIROMEMEURT_CV1-large-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/RODIER_SIROMEMEURT_CV1-large-664x1024.jpg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/RODIER_SIROMEMEURT_CV1-large-768x1184.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/RODIER_SIROMEMEURT_CV1-large.jpg 830w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Vor dem Hintergrund eines politisch verfallenden Roms am Wahlabend Giorgia Melonis begibt sich in Renaud Rodiers drittem Buch "Si Rome meurt" (Anne Carrière, 2025) der angehende Filmemacher Pietro auf eine obsessive Suche nach seinem verschollenen Vater, den er in der Gestalt eines prophetischen Obdachlosen an den Rändern der Gesellschaft wiederzuentdecken glaubt. Geleitet von der astrophysikalischen Theorie des holografischen Universums gestaltet Pietro sein zentrales Filmvorhaben als einen Prozess filmischen Schreibens, der in grobkörnigen Super-8-Aufnahmen versucht, die urbane Entropie Roms in ein kohärentes ästhetisches Konstrukt zu transformieren. Renaud Rodiers Roman entwickelt sich als ein intermediales Palimpsest, das die existentielle Frage nach dem, was gerettet werden kann, wenn Rom stirbt, in einer dichten Verwebung von traumatischer Erinnerung und filmischer Vision verhandelt. Indem der Roman die astrophysikalische Metaphorik zur Weltraumdichtung erhebt, transformiert er die soziale Entropie Roms in eine transzendente, astronomische Topografie, die den Diskurs um die „Ewige Stadt“ als unzerstörbaren Informationscode jenseits des zeitlichen Verfalls neu verortet.]]></description>
		
		
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		<title>Globale Orte, geteilte Bedeutungen: Olivier Wieviorka und Michel Winock</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/21/globale-orte-geteilte-bedeutungen-olivier-wieviorka-und-michel-winock/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Dec 2025 12:01:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Winock]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Wieviorka]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="223" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61l27le483L._AC_UF8941000_QL80_-223x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61l27le483L._AC_UF8941000_QL80_-223x300.jpg 223w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61l27le483L._AC_UF8941000_QL80_.jpg 743w" sizes="auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px" />Die Rezension widmet sich dem Sammelband "Les lieux mondiaux de l'Histoire de France" (Perrin, 2025), der sich mit der Frage auseinandersetzt, wie bestimmte Orte zu globalen Bezugspunkten werden und welche kulturellen, literarischen, historischen und politischen Bedeutungen sich an ihnen verdichten. Der Band versammelt interdisziplinäre Beiträge, die „Orte in der Welt“ nicht nur als geografische Fixpunkte, sondern als dynamische Räume der Erinnerung, der Macht, der Migration und der Imagination analysieren. Die Rezension arbeitet die zentralen theoretischen Prämissen des Bandes heraus, insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen lokaler Verankerung und globaler Zirkulation von Bedeutungen. Zugleich diskutiert sie die methodische Vielfalt der Beiträge sowie deren Ertrag für aktuelle raumtheoretische und kulturwissenschaftliche Debatten. Ein besonderes Augenmerk gilt der Frage, inwiefern "Les lieux mondiaux" neue Perspektiven auf die symbolische Konstruktion von Weltläufigkeit eröffnet und welche Impulse der Band für die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Raum, Globalisierung und kultureller Übersetzung liefert.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die profane Geburt: Kindheit, Hoffnung und uneingelöste Erlösung</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/20/die-profane-geburt-kindheit-hoffnung-und-uneingeloeste-erloesung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Dec 2025 11:10:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Forest]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/files-6-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/files-6-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/files-6-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/files-6-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/files-6-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/files-6-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/files-6.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Philippe Forests Roman Et personne ne sait (Gallimard, 2025) erzählt von einem jungen, gescheiterten Maler im winterlichen New York, der an einem Weihnachtsabend einem rätselhaften, alleinstehenden Mädchen begegnet, dessen Herkunft, Status und Wirklichkeit ungewiss bleiben. Diese Begegnung wird zum Ausgangspunkt eines poetischen Nachdenkens über Kunst, Erinnerung und Verlust, das sich zwischen Roman, Filmvorlage und persönlicher ... <p class="read-more-container"><a title="Die profane Geburt: Kindheit, Hoffnung und uneingelöste Erlösung" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/12/20/die-profane-geburt-kindheit-hoffnung-und-uneingeloeste-erloesung/#more-11307" aria-label="Mehr Informationen über Die profane Geburt: Kindheit, Hoffnung und uneingelöste Erlösung">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Doukipudonktan: Die Geschichte des Französisch-Schreibens bei Gabriella Parussa</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/19/doukipudonktan-die-geschichte-des-franzoesisch-schreibens-bei-gabriella-parussa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Dec 2025 17:31:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Jacques Peletier du Mans]]></category>
		<category><![CDATA[Raymond Queneau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="158" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/9782330197711-158x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/9782330197711-158x300.jpg 158w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/9782330197711-539x1024.jpg 539w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/9782330197711.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 158px) 100vw, 158px" />In ihrer Studie "Écrire le français" (2025) zeichnet die historische Linguistin Gabriella Parussa die Geschichte des Französisch-Schreibens als komplexen, sozialen und kulturellen Prozess nach. Das Buch zeigt, wie das gesprochene Französisch über Jahrhunderte hinweg seinen Weg in die Schrift fand, welche politischen, institutionellen und technischen Entscheidungen die Orthographie prägten und warum das lateinische Alphabet trotz seiner Unzulänglichkeiten übernommen wurde. Parussa verbindet historische Detailkenntnis mit einer kritischen Gegenwartsdiagnose und macht deutlich, dass das französische Schriftsystem historisch kontingent, sozial umkämpft und funktional vielschichtig ist – von der ersten Fixierung im 9. Jahrhundert bis zu den digitalen Schreibpraktiken der Gegenwart. Die Rezension zeigt, wie Parussa nicht nur die Entstehung der Norm, sondern auch literarische und spielerische Nutzungsmöglichkeiten historisch einordnet. Anhand von Fallbeispielen wie Jacques Peletier du Mans und Raymond Queneau zeigt die Besprechung, dass Reform und ästhetische Reflexion zwei komplementäre Perspektiven auf dasselbe Phänomen bieten: Die französische Orthographie als kulturelles Reservoir und soziales Instrument. Die Rezension beleuchtet zudem die Anschlussfähigkeit des Buches an Literaturgeschichte, Poetik und Literatursoziologie und macht deutlich, wie Parussas Arbeit das Schreiben selbst als historisch gewachsene, reflexive Praxis sichtbar macht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Québecs großer Moment im Spiegel der Desillusionierung: Carl Leblanc</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/18/quebecs-grosser-moment-im-spiegel-der-desillusionierung-carl-leblanc/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2025 12:25:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Leblanc]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="194" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/large-L97828977258911-194x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/large-L97828977258911-194x300.jpg 194w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/large-L97828977258911-662x1024.jpg 662w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/large-L97828977258911.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Carl Leblancs Roman "Le printemps en novembre" (2025) entwickelt seine Handlung zwischen dem euphorischen Wahlsieg des Parti québécois am 15. November 1976 und der desillusionierten Gegenwart des Jahres 2006. Im Zentrum steht Étienne Vallières, der an der Premiere eines Dokumentarfilms über den historischen Wahlsieg teilnimmt. Diese äußere Rahmenhandlung führt Étienne in seine Jugend in der Gaspésie zurück, wo sich politische Erweckung und private Initiation überlagern: Der kollektive Triumph der Unabhängigkeitsbewegung fällt mit seiner Liebe zu Julianne zusammen, deren plötzliche Abreise den politischen Aufbruch bereits im Moment seines Entstehens unterminiert. Der Roman verschränkt kollektive Geschichte und individuelles Begehren, indem er den „einzigen großen Sieg“ Québecs zugleich als Höhepunkt und Verlust markiert. Die zeitliche Struktur – der ständige Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart – macht sichtbar, dass das nationale Projekt nur noch in der Erinnerung fortlebt, während es politisch gescheitert ist. Die Rezension liest den Roman als eine poetische Neubewertung des québécoischen Autonomiekampfs darstellt. Der Dokumentarfilm wird als ästhetisches Widerstandsmedium gelesen, das der „Barbarei des Vergessens“ entgegentreten soll, indem es dem historischen Moment eine emotionale Evidenz verleiht, die der nüchternen Gegenwart fehlt. Zugleich dekonstruiert der Text jede triumphale nationale Narration: Die Autonomie erscheint als unerfülltes Versprechen, das sich in Nostalgie, Ironie und Zynismus verflüchtigt. Étiennes persönliches Scheitern – seine emotionale Immobilität, sein Verharren im Diskursiven – wird dabei zur Allegorie eines postnationalen Québecs, das zwischen individuellem Liberalismus und dem Verlust eines kollektiven „nous“ schwankt. Die Rezension liest den Roman somit als melancholische, aber notwendige Selbstvergewisserung: nicht als Verteidigung eines souveränistischen Programms, sondern als literarischen Akt der Erinnerung, der die emotionale Wahrheit des Aufbruchs bewahrt, selbst wenn das politische Projekt gescheitert ist.]]></description>
		
		
		
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		<title>Literatur als eigenständige Denkform: François Jullien</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/15/literatur-als-eigenstaendige-denkform-francois-jullien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 16:22:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[François Jullien]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="158" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/71i3vqamEWL._SL1368_-158x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/71i3vqamEWL._SL1368_-158x300.jpg 158w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/71i3vqamEWL._SL1368_-539x1024.jpg 539w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/71i3vqamEWL._SL1368_.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 158px) 100vw, 158px" />In "Puissance du pensif ou comment pense la littérature" (2025) entwickelt der Sinologe François Jullien eine Meditation über die Literatur als eigenständigen Denkmodus, der sich grundlegend vom begrifflichen Denken der westlichen Philosophie unterscheidet. Literatur „denkt“, so Jullien, nicht durch Definition, Argumentation oder Abschluss, sondern durch Indirektheit, Dauer, Offenheit und Affektivität: Sie evoziert, erzählt, verzögert und lässt Sinn in Schwebe, wodurch sie einen Zustand der Nachdenklichkeit (pensivité) erzeugt, der das Leben in seiner prozessualen, unbestimmten Existenz erfahrbar macht. Die Rezension arbeitet heraus, wie Jullien diese literarische Denkform historisch an der Schwelle zur Moderne verortet, systematisch von der westlichen Ontologie des Seins abgrenzt und in ein produktives Spannungsverhältnis zum chinesischen Denken von Prozess, Wirksamkeit und Umweg stellt. Sie diskutiert Julliens zentrale Begriffe für eine Literatur der Nachdenklichkeit (Indirektheit, Ambiguität, Indexikalität, Affektivität) und die Verbindung von theoretischer Argumentation und exemplarischer Lektüre (Balzac, Poesie). Zugleich wird deutlich, dass Julliens Buch nicht nur eine Theorie der Literatur, sondern auch eine implizite Kritik der Philosophie formuliert.]]></description>
		
		
		
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		<title>Ende des Gulag, ohne Erlösung: Antoine Sénanque</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 01:15:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Antoine Sénanque]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/9782246838425-001-X-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/9782246838425-001-X-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/9782246838425-001-X-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/9782246838425-001-X-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/9782246838425-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Die Rezension liest Antoine Sénanques "Adieu Kolyma" (2025) als radikal desillusionierenden Roman der Nachgeschichte, der das Ende des Stalinismus nicht als historischen Bruch, sondern als Kontinuität einer Gewaltordnung begreift. Ausgangspunkt ist die These, dass die Logik des Gulag – paradigmatisch verkörpert durch die Landschaft des Flusses Kolyma als extremsten Ort – zeitlich, räumlich und sozial über sich hinauswirkt: in das postrevolutionäre Budapest von 1957, in kriminelle Clanstrukturen und in die affektiven Dispositionen der Überlebenden. Die ungarische Revolution erscheint dabei nicht als Freiheitsereignis, sondern als blutige Episode ohne Folgen; Geschichte fungiert lediglich als „Dekor“ für private Rache, Loyalität und Verrat. Zentral ist die Analyse einer „Poetik der Kälte“, in der Gefühle als gefährlich und dysfunktional erscheinen und in der der Permafrost der Kolyma Schuld, Gewalt und Erinnerung konserviert, statt sie aufzulösen. Figuren wie Pal und Lazar Vadas oder Sylla Bach verkörpern unterschiedliche Modi dieser posttotalitären Existenz: funktionalisierte Gewalt, entleerte Affekte und ein Körpergedächtnis, das jede moralische Sinnstiftung unterläuft. Die Rezension verortet den Roman programmatisch auf der Seite Warlam Schalamows gegen jede Erlösungsnarration à la Solschenizyn und betont die konsequente Entmythologisierung von Leiden, Überleben und Freiheit. "Adieu Kolyma" erscheint so als Text radikaler Immanenz, der zeigt, dass Totalitarismus nicht endet, sondern lediglich seine Träger wechselt – und dass die Zeit danach eine Zeit ohne Zukunftshorizont bleibt.]]></description>
		
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		<title>Verloren im digitalen Labyrinth: Lucie Rico</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/08/verloren-im-digitalen-labyrinth-lucie-rico/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 08:03:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Lucie Rico]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/gps-weplerms-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/gps-weplerms-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/gps-weplerms.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Standortfreigabe: Technik, Trauer und Obsession Lucie Ricos GPS (2022) folgt der sozial zurückgezogenen Ariane, die nur widerwillig ihre Wohnung verlässt, um an den Verlobungsfeierlichkeiten ihrer Jugendfreundin Sandrine teilzunehmen. Als Sandrine ihr die Standortfreigabe schickt, wird der digitale Punkt auf dem Smartphone für Ariane zu einer Art Leitfaden, der eine fast magische Nähe suggeriert. Doch am ... <p class="read-more-container"><a title="Verloren im digitalen Labyrinth: Lucie Rico" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/12/08/verloren-im-digitalen-labyrinth-lucie-rico/#more-11145" aria-label="Mehr Informationen über Verloren im digitalen Labyrinth: Lucie Rico">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Gegenarchiv der Kinderkolonie: Simon Johannin</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/07/gegenarchiv-der-kinderkolonie-simon-johannin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Dec 2025 15:48:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Johannin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="209" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-209x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-209x300.jpg 209w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-713x1024.jpg 713w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-768x1102.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-1070x1536.jpg 1070w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-1427x2048.jpg 1427w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin.jpg 1481w" sizes="auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px" />Simon Johannins "Le Fin Chemin des anges" (2025) rekonstruiert das Schicksal der Jungen, die in der Kinderkolonie auf der Île du Levant – einer von Isolation, Gewalt und Zwangsarbeit geprägten Einrichtung – lebten und starben. Im Mittelpunkt steht Louis, ein sensibler, homoerotisch empfindender Junge, dessen „Abweichung“ im 19. Jahrhundert zur moralischen und juristischen Verurteilung führt und ihn in das System der Kolonie schleudert. Dort werden die Kinder entkräftet, gedemütigt und zu Arbeit gezwungen; viele sterben an Hunger, Krankheit oder Misshandlung. Louis’ Leben wird aus Fragmenten, Erinnerungsflashs und Archivresten rekonstruiert, während die Ruinen des Ortes als Resonanzraum der ausgelöschten Stimmen erscheinen. Der Roman zeigt die Kolonie nicht als pädagogische Einrichtung, sondern als Maschine der systematischen Zerstörung junger Körper und Biografien – und macht die gewaltvolle Geschichte eines Ortes hörbar, den das Archiv weitgehend zum Schweigen gebracht hat. – Johannins Roman ist exemplarisch für die neue Buchreihe "Locus", indem er einen verlassenen Ort als palimpsestartigen Speicher traumatischer Geschichte lesbar macht. Der Artikel zeigt, wie Johannin räumliche, archivische und poetische Ebenen miteinander verschränkt, um jenen Kindern eine Stimme zurückzugeben, die in den offiziellen Dokumenten entindividualisiert und ausgelöscht wurden. Besonders hervorgehoben wird die doppelte Bewegung des Texts: Einerseits die präzise Analyse der Architektur der Kolonie als Disziplinarapparat, andererseits die imaginative Rekonstruktion einer einzelnen Biographie, die stellvertretend für eine Vielzahl verloren gegangener Leben steht. Die Rezension arbeitet heraus, wie Johannin Sexualität, Körperlichkeit und Erinnerung politisch auflädt, indem er die Pathologisierung von Louis’ Homosexualität als gesellschaftlichen Gewaltmechanismus offenlegt und die Poetik der Berührung – die „flashs“, die aus den Ruinen hervorgehen – als Form literarischer Zeugenschaft interpretiert. Insgesamt weist der Aufsatz den Roman als ein Gegenarchiv aus, das die Stille eines gewaltsam vergessenen Ortes in erzählerische Präsenz verwandelt und damit die ethische Dimension von Literatur sichtbar macht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Christlich-jüdisches Frankreich und identitäre Zwangsassimilation: Eric Zemmour</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/06/christlich-juedisches-frankreich-und-identitaere-zwangsassimilation-eric-zemmour/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Dec 2025 18:36:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Zemmour]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-664x1024.jpg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-768x1184.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour.jpg 973w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Die Präsidenten der Französischen Republik suchten jeweils eigene Wege, um das Spannungsverhältnis zwischen dem Selbstverständnis Frankreichs als historisch christlich geprägte Nation und den Prinzipien der strikt laizistischen Republik politisch auszugleichen. „La messe n’est pas dite“ (2025) präsentiert Éric Zemmours rechtsextreme Vision einer zivilisatorischen Wiedergeburt Europas durch eine Rückkehr zu seinen christlichen Fundamenten. In seiner Darstellung bildet das Christentum das historische, kulturelle und politische Fundament Europas. Daraus leitet er allerdings die Forderung nach einer intensiven autoritären Rechristianisierung ab, die sowohl juristische Maßnahmen (z. B. Einschränkungen der Vornamenswahl, Remigration, Einschränkung richterlicher Befugnisse) als auch eine kulturelle und moralische Umformung der Gesellschaft umfasst. Diese Neuordnung verbindet er mit der Idee einer „großen Allianz“ zwischen traditionalistischen Katholiken und assimilierten Juden, die gemeinsam den kulturellen Bestand Europas sichern sollen. – Die Rezension zeichnet nach, wie Zemmours Argumentation auf einer selektiven Geschichts- und Religionsdeutung beruht, die komplexe kulturelle und politische Dynamiken auf ein dualistisches Bedrohungsszenario reduziert. Sie zeigt, dass Zemmour Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Universalismus – Werte, die er selbst als christliches Erbe beschreibt – im Namen einer identitären Selbstbehauptung zurückdrängen will. Die Rezension zeigt auf, wie Zemmour sowohl den Islam als auch den modernen Liberalismus als monolithische Feindbilder konstruiert und dabei mit Doppelstandards operiert, etwa durch selektive Lektüre religiöser Texte oder die Vereinfachung historischer Beispiele. Darüber hinaus zeigt sie, wie Zemmour den Laizismus funktionalisiert, um ihn von einem Prinzip staatlicher Neutralität in ein Instrument kultureller Dominanz zu verwandeln. Zemmours Programm stellt weniger eine Verteidigung des christlich geprägten Erbes dar als vielmehr eine autoritär-identitäre Revision der republikanischen Tradition, die die Grundlagen der Fünften Republik grundlegend infrage stellt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetiken der Kindheit: David Ducreux Sincey</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/05/poetiken-der-kindheit-david-ducreux-sincey/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2025 12:20:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[David Ducreux Sincey]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/ducreuxsincey-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/ducreuxsincey-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/ducreuxsincey-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/ducreuxsincey-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/ducreuxsincey-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/ducreuxsincey-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/ducreuxsincey.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />David Ducreux Sinceys „La loi du moins fort“ (Gallimard, 2025) entwirft ein düsteres Bild der Kindheit und des Erwachsenwerdens, in dem Trauma, Gewalt und Machtspiele zentrale Rollen spielen. Der Ich-Erzähler wächst in einer feindseligen Umgebung auf, geprägt durch die Misshandlung durch seine Mutter und die frühe Konfrontation mit Tod und Morbidität. Seine Begegnung mit dem jungen Politiker Romain Poisson eröffnet ihm eine Möglichkeit zur Befreiung, die jedoch nur über die radikale Übernahme einer eigenen, gnadenlosen Überlebenslogik gelingt. Vom kindlichen Spiel bis hin zu politischen Manipulationen entfaltet der Roman die schrittweise Transformation eines Opfers zum Täter, in der das titelgebende Gesetz der Schwächeren, das Töten vor dem Getötetwerden legitimiert – zur zentralen Lebensphilosophie wird. – Die Rezension zeigt, wie der Roman politische Dimensionen mit der Kindheitsgeschichte verknüpft und die Mechanismen von Macht, Manipulation und Gewalt offenlegt. Die Analyse verdeutlicht, dass „La loi du moins fort“ nicht nur ein Initiationsroman ist, sondern auch eine Reflexion über die dunklen Seiten menschlicher Existenz und die fatalistische Logik des Überlebens bietet.]]></description>
		
		
		
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		<title>Nouvelle Vague als Roman: Patrick Roegiers</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/04/nouvelle-vague-als-roman-patrick-roegiers/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Dec 2025 16:18:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Roegiers]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/M02246829909-source-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/M02246829909-source-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/M02246829909-source.jpg 342w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Patrick Roegiers’ "Nouvelle Vague, roman" (2023) übersetzt das Denken des Kinos in Prosa, diese erzählt die Nouvelle Vague nicht nach, sondern inszeniert sie neu als ästhetische Bewegung. Statt chronologischer Filmgeschichtsschreibung oder biografischer Porträts entsteht ein cineastisches Gewebe, das Szenen, Räume und Figuren wie Einstellungen einer unsichtbaren Kamera montiert. Roegiers lässt den Leser durch die Redaktionsräume der "Cahiers du cinéma" treiben, durch die Wohnungen, Drehorte und symbolischen Landschaften, in denen Truffaut, Godard, Chabrol, Rohmer und Varda ihre filmische Sprache erfanden. Historische Fakten, anekdotisches Material und ikonische Filmszenen werden wie found footage in einen größeren literarischen Rhythmus eingespeist, der die Erzählung nicht motivisch festschreibt, sondern als fragile, vibrierende Komposition aus Bildern, Bewegungen und Blicken gestaltet. Die Rezension argumentiert, dass der Roman seine Kraft gerade daraus bezieht, dass er die ästhetischen Prinzipien der Nouvelle Vague selbst performativ in seine Prosa einschreibt. Er wird nicht als Beitrag zur Filmhistoriografie verstanden, sondern als literarische Choreografie, die das Denken der Filmemacher – ihr Misstrauen gegenüber Konventionen, ihre Vorliebe für Fragment, Gegenwart, Improvisation und direkte Beobachtung – in Textform reproduziert. Dabei zeigt die Interpretation, wie Roegiers’ Montageverfahren, seine anachronistischen Begegnungen und die Verschmelzung von dokumentarischem Material und Fiktion jene Offenheit und Beweglichkeit reaktivieren, die die Nouvelle Vague zur ästhetischen Revolution gemacht haben. Die literarische Form wird selbst zum Labor einer frei beweglichen Wahrnehmung, die historische Figuren entmythologisiert, sie zugleich aber in ihrer ästhetischen Radikalität neu sichtbar macht – als Fortsetzung einer Revolte, die nie abgeschlossen war.]]></description>
		
		
		
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		<title>Fantasia kolonial und postkolonial: Ritualpraxis bei Assia Djebar und Fouad Laroui</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/03/fantasia-kolonial-und-postkolonial/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Dec 2025 17:03:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Assia Djebar]]></category>
		<category><![CDATA[Fouad Laroui]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/livre-3-190x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/livre-3-190x300.png 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/livre-3-649x1024.png 649w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/livre-3.png 768w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Fouad Larouis Roman "La vie, l’honneur, la fantasia" (2025) rekonstruiert aus der Perspektive eines erwachsenen Ich-Erzählers ein Kindheitserlebnis: den ritualisierten Mord an Arsalom während der marokkanischen Reiterzeremonie der Fantasia. Diese Hinrichtung erscheint als kollektiver Akt der Ehrwiederherstellung gegenüber einer als korrupt imaginierten Moderne, in der Arsalom mit seiner „mobilité arrogante“ und ökonomischen Gier zum Feindbild wird. Die Fantasia wird dabei zur sozialen Matrix, in der Macht, Verschleierung und rituelle Gewalt ineinander greifen; die Präzision des Schießrituals zu Pferde – „eine einzige Detonation aus fünfzehn anderen“ – markiert die symbolische Einheit des „corps collectif“ und entlarvt zugleich die Dysfunktion staatlicher Institutionen, die Korruption und informelle Ehrencodizes nicht aufzubrechen vermögen. - Im Vergleich dazu öffnet Assia Djebars "L’amour, la fantasia" (1985) das koloniale Archiv Algeriens poetisch und polyphon: Die Fantasia wird zum ambivalenten Symbol zugleich männlicher Machtdemonstration, weiblicher Verletzbarkeit und literarischer Erinnerung gegen koloniale Geschichtspolitik. Wo Djebar fragmentierende Vielstimmigkeit einsetzt, um verdrängte Vergangenheit zu reaktivieren, arbeitet Laroui mit analytischer Linearität, um zeitgenössische Verstrickungen von Ehre, Ökonomie und Institution sichtbar zu machen. Die Rezension betont diese komplementäre Spannung: Djebar erzeugt ein Gegenarchiv der Stimmen; Laroui seziert die Gegenwart und zeigt, wie ritualisierte Gewalt in moderne Rechtslogiken hineinragt. Beide Narrative zusammen lassen die Fantasia als Schnittstelle zwischen Geschichte und Gegenwart erscheinen, an der sich Kontinuitäten kolonialer Gewalt und ihre postkolonialen Transformationen exemplarisch ablesen lassen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Was aus Texten wird, wenn der Mensch verschwunden ist: François Gagey</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/01/was-aus-texten-wird-wenn-der-mensch-verschwunden-ist-francois-gagey/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 12:05:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[François Gagey]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />François Gageys Erstlingsroman "Combustions" (2025) erzählt von drei Freunden, die nach der Explosion des Atomkraftwerks Flamanville in einer verstrahlten Zone ums Überleben kämpfen und dabei mit den Trümmern ihres eigenen Lebens konfrontiert werden. Zwischen Rückblenden in die Pariser Haute Finance, gescheiterten Beziehungen und existenziellen Verlusten entfaltet der Roman ein vielschichtiges Panorama gesellschaftlicher und individueller Erschöpfung: Paul, der dekadente Investmentbanker, Darko, der desillusionierte Suchende, und Baptiste, dessen private Katastrophe die äußere überlagert. Während die Katastrophe das Land physisch verwüstet, legt der Roman zugleich die geistige und moralische Auszehrung einer ganzen Zivilisation offen. Am Ende schreibt Baptiste, isoliert auf dem Mont Saint-Michel, die Geschichte seiner Gefährten nieder – im Bewusstsein, dass vielleicht niemand sie je lesen wird –, und findet in der Geste des Erzählens den letzten möglichen Widerstand gegen Sinnverlust und Vergessen. - Der Artikel deutet Combustions als Gesellschaftsroman, der die nukleare Katastrophe als radikale Offenlegung eines bereits im Inneren kollabierten Systems einsetzt. Seine Argumentation folgt der These, dass physische Zerstörung und moralische Dekadenz miteinander verschränkt sind: Die Explosion erscheint als sichtbare Manifestation eines lange schwelenden inneren Abbrennens von Elite, Staat und sozialen Bindungen. Die Rezension arbeitet heraus, wie der Roman über existenzielle Motive – Isolation, ungelebte Authentizität, die Erosion des Sinns von Literatur und Kommunikation – eine Diagnose der Gegenwart formuliert, die zugleich poetologisch ist: Schreiben wird zur letzten menschlichen Geste, die sich dem Nichts entgegensetzt. So erzählt der Roman weniger von der Katastrophe, als davon, was von Menschen, Beziehungen und Geschichten bleibt, wenn die Welt um sie herum verbrennt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die Schönheit archaischer Gewalt: Pierre Michon und Aischylos</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/29/die-schoenheit-archaischer-gewalt-pierre-michon-und-aischylos/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Nov 2025 21:58:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Aischylos]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Michon]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Thebes-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Thebes-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Thebes-658x1024.jpg 658w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Thebes-768x1195.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Thebes.jpg 797w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Pierre Michons „Agéladas d’Argos (Contre Thèbes)“ (Flammarion, 2025) interpretiert den thebanischen Mythos von Aischylos durch die Linse der Kunst neu. Die Handlung wechselt zwischen dem modernen Museum von Reggio Calabria, dem Aufbewahrungsort der gefundenen Riace-Bronzen, und den antiken Schauplätzen, wobei die Stimmen des Autors Michon, des Dramatikers Aischylos und des Bildhauers Agéladas II miteinander verschmelzen. Michon konzentriert seine Reflexion obsessiv auf die Materialität der Bronze, die er als die einzig dauerhafte Form begreift, in der die "rohe, blutige Historie" gebannt wird. Im Zentrum steht der Krieger Tydeus (Bronzefigur A), den Michon zum "schönsten Mörder der Kunstgeschichte" überhöht und dessen archaische Wildheit zur unentrinnbaren Definition von Schönheit selbst wird - eine poetische Prämisse, die bereits sein Homer-Buch „J’écris l’Iliade“ bestimmte. Wie in der "Ilias", wo archaische Gewalt und Begehren zur ekstatischen Erfahrung des Erzählens werden, transformiert Michon in „Agéladas d’Argos“ die rohe, blutige Historie in die materielle, unvergängliche Form der Bronze. - Die Rezension konzentriert sich auf Michons radikale politiktheoretische Thesen, die eine schockierende, ununterbrochene Linie der Gewalt in der Zivilisation ziehen. Michon etabliert eine direkte Analogie zwischen den "Sept Chefs" des thebanischen Feldzugs und den "Onze" (in Michons gleichnamigem Roman) der Französischen Revolution – den "tueurs du roi". Er interpretiert diesen historischen Fluss als Konsequenz des "entscheidenden Putsches des Logos" im 6. Jahrhundert v. Chr., wodurch die Demokratie als zynisches „Massaker mit gutem Gewissen“ entlarvt wird. In dieser Lesart verkörpert Tydeus die Ambivalenz politischer Macht: Er ist zugleich "die legitime Gewalt des Logos" und die "nicht weniger legitime Gewalt, die die Welt im Gegenzug ausübt". Das Werk endet mit der Behauptung der ewigen Wirkmächtigkeit der archaischen Gewalt, die den kommerziellen und intellektuellen Konventionen der Moderne trotzt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Mystik und Résistance: Jean de Saint-Cheron mit Georges Bernanos</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/28/mystik-und-resistance-jean-de-saint-cheron-mit-georges-bernanos/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Nov 2025 04:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Georges Bernanos]]></category>
		<category><![CDATA[Jean de Saint-Cheron]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246836506-001-X-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246836506-001-X-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246836506-001-X-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246836506-001-X-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246836506-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Jean de Saint-Cherons "Malestroit: vie et mort d’une résistante mystique" (2025) rekonstruiert das außergewöhnliche Leben der bretonischen Ordensfrau Yvonne Beauvais, die zwischen karitativem Einsatz, mystischer Erfahrung und politischer Résistance agierte. Der Roman verbindet akribische Archivarbeit mit literarischer Imagination, indem er dokumentarische Recherche, biographische Erzählung und mystische Innenperspektive miteinander verschränkt. Yvonnes Weg führt von frühkindlicher Religiosität über den Aufbau einer Klinik bis zu ihrer aktiven Rolle im Widerstand: Sie versteckt Verfolgte, organisiert Fluchten, erleidet Verhöre und Folter durch die Gestapo. Zugleich zeigt der Roman ihre mystischen Phänomene – Bluttränen, Visionen, stigmatische Wunden – und die kirchliche Skepsis, die schließlich 1960 im Abbruch ihres Seligsprechungsverfahrens kulminiert („trop de miracles“). Saint-Cheron markiert, wo historische Dokumente sprechen und wo erzählerische Rekonstruktion beginnt; so entsteht das Porträt einer Frau, deren Leben an der Schnittstelle von Geschichte, Glaube und politischer Gefahr verläuft und deren Bedeutung sich bis heute nicht eindeutig fassen lässt. - Die Besprechung hebt hervor, wie Saint-Cheron die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion reflektiert, ohne sie zu verwischen: Der Roman ist weder Hagiographie noch skeptische Demystifikation, sondern ein hybrider Text, der dem Leser zumutet, die Spannungen zwischen persönlicher Heiligkeitserfahrung, institutioneller Kontrolle und politischer Realität mitzudenken. Es wird gezeigt, wie der Roman religiös-mystische Aspekte (Leiden, Stigma, Wunder) mit der Brutalität der Besatzungszeit (Folter, Deportationsdrohung, Untergrundarbeit) verschränkt und dadurch eine doppelte Form des Martyriums sichtbar macht. Die Rezension betont zudem die Relevant erzählerischer Mehrstimmigkeit – dokumentierende Ich-Perspektive, Tagebuchfragmente, Zeugenaussagen – und die intertextuellen Bezüge, u.a. zu Bernanos’ "Sous le soleil de Satan", für das Verständnis der Figur sind. Insgesamt erscheint Malestroit als literarisches Experiment über die Möglichkeit, ein mystisches Leben historisch zu erzählen, und die Besprechung macht deutlich, dass seine größte Stärke in dieser reflektierten Ambivalenz liegt: Heiligkeit, Trauma, Widerstand und Erinnerung treten in ein komplexes Verhältnis, das weit über den biographischen Stoff hinausführt.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rehabilitation der Mutter: Émilie Lanez über Hervé Bazins „Vipère au poing“</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/27/rehabilitation-der-mutter-emilie-lanez-ueber-herve-bazins-vipere-au-poing/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 13:36:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Emilie Lanez]]></category>
		<category><![CDATA[Hervé Bazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/lanez-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/lanez-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/lanez-664x1024.jpg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/lanez-768x1184.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/lanez-996x1536.jpg 996w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/lanez-1328x2048.jpg 1328w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/lanez.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Émilie Lanez’ Enthüllungsbuch „Folcoche: le Secret de Vipère au poing“ zeigt, dass Hervé Bazins berühmter Roman „Vipère au poing“ weniger eine autobiografische Anklage gegen eine monströse Mutter als vielmehr eine kalkulierte literarische Rache eines kriminell belasteten Sohnes war, der damit seine Vergangenheit tilgen und sein Erbe erzwingen wollte: Während Bazin in seinem Bestseller die Mutter Paule als sadistische „Folcoche“ inszeniert, die ihre Kinder quält, rekonstruiert Lanez auf Basis von Polizeiakten, psychiatrischen Dossiers und Familienkorrespondenzen, dass Jean Hervé-Bazin ein mythomaner Betrüger war, dessen Roman als Erpressungsinstrument diente und dessen Darstellung der Mutter ein „Mord auf Papier“ war; zugleich zeigen Lanez’ weitere Werke „La Garçonnière de la République“, eine Recherche über die geheimen, kaum rechenschaftspflichtigen Machtpraktiken der politischen Elite rund um die präsidiale Residenz La Lanterne, und „Noël à Chambord“, eine Analyse von Emmanuel Macrons monarchisch anmutender Selbstdarstellung im Schloss Chambord, dass die Autorin systematisch die Lücke zwischen öffentlicher Inszenierung und verborgener Wahrheit offenlegt – so dass die Rezension argumentiert, Lanez zerstöre nicht nur den Mythos des heroischen Sohnes in „Vipère au poing“, sondern entlarve grundsätzlich die moralische Blindheit französischer Institutionen, die Täter schützen und Opfer zum Schweigen bringen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Ruhe in einer Welt der Gespenster: Cyrille Falisse</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/27/ruhe-in-einer-welt-der-gespenster-cyrille-falisse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 11:12:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Cyrille Falisse]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/falisse-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/falisse-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/falisse.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Cyrille Falisses Debütroman „Seuls les fantômes“ (Belfond, 2025) beginnt mit einem abrupten Zusammenbruch: Melvile, von seiner Partnerin verlassen, verliert jede innere Stabilität. Die Trennung wird nicht als Liebesleid, sondern als körperlich-psychischer Kollaps dargestellt, in dem das Verstummen des Begehrens durch die wiederkehrende Formel „Je ne jouis plus“ sichtbar wird. Melviles Rückzug, seine fragmentierten Alltagsfunktionen und die Stimmen, die seinen inneren Monolog verdichten, markieren eine Überreizung der Psyche. Zentral ist die Figur des „Gespenstischen“ – die „fantômes“ – als Metapher für intrusive Erinnerungen und unerledigte emotionale Prägungen, die Melvile zu einer systematischen Aufarbeitung seiner Vergangenheit treiben. Verfall, körperliche Impotenz, obsessive Gedanken und die bedrückende Wohnung spiegeln seine Krise. Zugleich strukturiert er seine innere Welt über Schreiben und digitale Identität, wobei Natur- und Wasserbilder die Verarbeitung traumatischer Erinnerungen illustrieren. Das narrative Zentrum bleibt die Suche nach verlorenen Bezugspersonen, die Konfrontation mit Schuld und die allmähliche Integration von Verlust, während die Geschichte zu einem Reise- und Suchnarrativ hinführt, das weniger geografisch als psychologisch motiviert ist. – Falisses Argumentation liegt in der engen Verknüpfung von innerer Krise, psychischer Verarbeitung und narrativer Form. Die präzise, unpathetische Sprache macht emotionale Erschütterungen unmittelbar erfahrbar und verbindet metaphorische Dichte mit konkreter Körperlichkeit. Digitale Kommunikationsformen, mentale Schleifen und fragmentierte Zeitstruktur bilden ein erzählerisches System, das Melviles Isolation, Reflexion und langsame Stabilisierung sichtbar macht. Das Buch zeigt, dass Erinnerung, Verlust und Begehren nicht aufgehoben, sondern bearbeitet und integriert werden müssen. Falisse gelingt es, existenzielle Erfahrungen in einer Balance zwischen Verletzlichkeit und formaler Strenge darzustellen: Die Geister der Vergangenheit bleiben, verlieren aber ihre zerstörerische Macht, und Melvile erkennt seine Zerbrechlichkeit als Stärke – ein Schluss, der psychologisches Verständnis und literarische Präzision miteinander verbindet.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die Form in ihrer Fülle: zum Werk von Laurent Mauvignier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/24/die-form-in-ihrer-fuelle-zum-werk-von-laurent-mauvignier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 09:57:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Laurent Mauvignier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="183" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/livre_galerie_9782707356703-183x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/livre_galerie_9782707356703-183x300.jpg 183w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/livre_galerie_9782707356703.jpg 396w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" />Die Besprechung widmet sich einem Buch, das seinen Autor beim Denken, Erinnern und Formulieren begleitet. "Quelque chose d’absent qui me tourmente: entretiens avec Pascaline David" (Minuit, 2025) fasst Gespräche zwischen Laurent Mauvignier und Pascaline David zu einem vielschichtigen Selbstporträt zusammen. David strukturiert den Band als chronologisch-thematische Durchquerung eines literarischen Lebenswegs: von den traumatisch geprägten Anfängen über den mühsam errungenen Zugriff auf die Form bis hin zu einer Poetik, die das Schreiben als tätige, materialbewusste Suche nach Wahrhaftigkeit begreift. Immer wieder schärfen die Dialoge Mauvigniers Einsicht, dass Literatur nur dort entsteht, wo der Autor die kompromittierende Trägheit der gebräuchlichen Sprache hinter sich lässt – ein Gedanke, den er unter anderem mit einem kunsttheoretischen Lehrsatz verbindet, den er aus seiner Jugend erinnert: „Wenn die Farbe ihren Wert hat, ist die Form in ihrer Fülle.“ - Die Gespräche zeigen den Schriftsteller als jemanden, der sich seiner Herkunft ebenso verpflichtet fühlt wie er sich von deren Festlegungen zu lösen sucht, und der das Reale nicht dokumentarisch, sondern durch die organische Logik des Satzes zu erfassen versucht. Mauvigniers Reflexionen über den ersten Sprung ins Leere beim Schreiben von "Loin d’eux", seine bildhauerisch verstandene Überarbeitungstechnik, sein Umgang mit Räumen, Körpern und Stimmen, aber auch seine Selbstkritik im Dialog mit David lassen das Werk als intime Werkstatt und als Labor literarischer Form sichtbar werden. Die Rezension macht Mauvigniers ästhetisches Denken – das Kreisen um die Fülle der Form, um die Unruhe der fehlenden Sache – in der Spannung zwischen biographischer Erfahrung, ethischer Haltung und poetischer Disziplin sichtbar.]]></description>
		
		
		
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		<title>Okzitanische Transgression: Alain Guiraudie</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/21/okzitanische-transgression-alain-guiraudie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Nov 2025 11:14:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Alain Guiraudie]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-12-195x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-12-195x300.jpeg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-12.jpeg 360w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Die vier Romane des Filmemachers und Schriftstellers Alain Guiraudie bilden eine zusammenhängende Saga, in der sich die Logik des Roman-Flux entfaltet: "Ici commence la nuit" (2014) eröffnet das Universum mit einem düsteren Dreieck aus Gewalt, Begehren und okzitanisch grundierter Außenseiterexistenz; "Rabalaïre" (2021) radikalisiert dies zu einer tausendseitigen, delirierenden Odyssee, die den ländlichen Süden Frankreichs in ein zugleich realistisches und mythisches Terrain verwandelt, in dem sexuelle, kriminelle und fantastische Energien ineinanderströmen; "Pour les siècles des siècles" (2024) verschiebt das Projekt ins Metaphysische, indem die Fusion von Jacques und dem Priester Jean-Marie zu einer theologischen, erotischen und philosophischen Reflexion über Identität, Körper und Koexistenz wird; "Persona non grata" (2025) schließlich zeigt die Konsequenzen dieser Fusion auf institutioneller Ebene und vertieft das Motiv der Ausgrenzung, während es den paranoid-politischen Resonanzraum der Reihe erweitert. Als Werkganzes bilden die Bände einen immer weiter mäandrierenden Fluss, in dem Genregrenzen, moralische Kategorien und ontologische Fixpunkte systematisch aufgelöst werden. - Die Rezension argumentiert, dass Guiraudies Werk aus dem Prinzip der radikalen Entgrenzung heraus zu deuten ist: Die poétique du flux wirkt als ästhetischer, politischer und anthropologischer Schlüssel, der die Verschmelzung von Oralität, okzitanischer Sprachsubversion, sexueller Transgression und philosophischer Spekulation glaubwürdig macht. Ihre Argumentation setzt auf die konsequente Rückbindung der erzählerischen Exzesse an ein strukturelles Programm – die Aufhebung von Identität als stabiler Kategorie, die erzählerische Durchlässigkeit zwischen Realem und Fantastischem sowie die Verbindung von ländlichem Terroir und utopischer Sehnsucht. Durch diese Perspektive erscheinen selbst die extremsten Motive nicht als Provokationen um ihrer selbst willen, sondern als Bausteine einer literarischen Utopie, die das Begehren als verbindende, politisch wirksame Kraft begreift. Vor diesem Hintergrund lässt sich auch der Zusammenhang von Trobadors und Sade fassen: Guiraudie aktualisiert die mittelalterliche Dichtung des Begehrens, die bei den Trobadors als kultivierte, oft unerfüllte und zugleich transzendierende Kraft erscheint, und verschränkt sie mit de Sades Erforschung der Körpergrenzen, der Ambivalenz von Lust und Grausamkeit und der radikalen Freiheit jenseits moralischer Kodifikationen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Schönheit durch Bedrohung: Camille Goudeau</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/20/schoenheit-durch-bedrohung-camille-goudeau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2025 21:51:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Camille Goudeau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="187" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/61M-xYnFZnL._SL1286_-187x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/61M-xYnFZnL._SL1286_-187x300.jpg 187w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/61M-xYnFZnL._SL1286_-637x1024.jpg 637w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/61M-xYnFZnL._SL1286_-768x1235.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/61M-xYnFZnL._SL1286_.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px" />Camille Goudeaus "Crache le soleil" entwirft ein Paris am Rand des Zusammenbruchs: eine Stadt aus Kälte, Wut und erstarrter Infrastruktur, in der Menschenmassen zu drängenden Körpern werden und das Individuum in Angst, Atemlosigkeit und Fluchtimpulsen zerrieben wird. Éléonore, aus einer gewaltsamen Beziehung geflohen, versucht in diesem urbanen Chaos ein neues Gleichgewicht zu finden. Félix bewegt sich zugleich durch dieselbe Stadt wie durch ein deformiertes Farblabyrinth, tastend, verletzlich, aber empfänglich für jedes Leuchten. Das Street-Art-Porträt von Éléonore, geschaffen von der jungen Künstlerin Vérité, wird zum zentralen Signum dieser Welt: ein flüchtiges Bild, das im brüchigen Stadtraum aufscheint, überschrieben wird, wiederkehrt – und die Möglichkeit eröffnet, inmitten der Erschöpfung ein anderes Selbst sichtbar zu machen. So formt der Roman eine Anti-Dystopie, die nicht mit totalitären Schreckensbildern arbeitet, sondern mit den Mikroverletzungen des Alltags, den psychischen Erschütterungen und der ästhetischen Durchlässigkeit einer Stadt im Zustand schleichender Desintegration. - Die Rezension betont diese doppelte Bewegung: einerseits die zeichnerische Härte, mit der der Roman den urbanen Druck sichtbar macht, andererseits das poetische Aufleuchten, das den Figuren einen Raum der Reorientierung schenkt. Sie hebt die körpernahe Sprache hervor, die Kälte, Erschöpfung und innere Zersetzung unmittelbar erfahrbar macht, und unterstreicht die Bedeutung der Licht- und Farbsymbolik, die Éléonore, Félix und Vérité miteinander verbindet. Die soziale Dimension der Street-Art-Motivik erweist Sichtbarkeit als Machtressource, die im übermalten, verwischten, wiedererscheinenden Porträt verhandelt wird. Schließlich zeigt die Besprechung, wie der Roman ästhetische Intensität in eine fragile Hoffnung verwandelt: Die Begegnung der beiden beschädigten Existenzen am Ende wirkt nicht wie ein Happy End, sondern wie ein Aufglimmen von Möglichkeit – ein kurzer Moment, in dem eine erfrorene Welt Wärme freisetzt.]]></description>
		
		
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		<title>Tiefenstrukturen des Antiliberalismus: die alternative Moderne der französischen Rechten</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/18/tiefenstrukturen-des-antiliberalismus-die-alternative-moderne-der-franzoesischen-rechten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2025 23:56:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Baptiste Roger-Lacan]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="191" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/droite-191x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/droite-191x300.jpg 191w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/droite.jpg 284w" sizes="auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px" />Baptiste Roger-Lacans Sammelband "Nouvelle histoire de l’extrême droite (France, 1780–2025)" erzählt die Geschichte der französischen extremen Rechten als langlebige kulturelle Formation, die sich seit dem späten 18. Jahrhundert immer wieder an Modernisierungsschüben, republikanischen Selbstbildern und gesellschaftlichen Konflikten reibt. Anstatt einzelne Organisationen oder Epochen isoliert zu betrachten, entwirft das Buch ein Panorama ideologischer Tiefenstrukturen – Antiliberalismus, ethnokulturelle Nationsvorstellungen, ästhetisierte Politik –, die sich über zweieinhalb Jahrhunderte hinweg erneuern, ohne zu verschwinden. Die extreme Rechte erscheint so nicht als Randphänomen, sondern als produktive Gegenbewegung zur französischen Moderne, die deren Versprechen und Brüche widerspiegelt. Die Rezension würdigt diesen Ansatz als präzise genealogische Arbeit, die zeigt, wie rechte Ideologeme sich an veränderte Medien, Akteure und politische Situationen anpassen und daraus ihre historische Beständigkeit beziehen. Zugleich deutet der Band die Gegenwart nicht als Ausnahmezustand, sondern als Kulminationspunkt eines langen Transformationsprozesses: Durch metapolitische Strategien, kulturelle Verschiebungen und digitale Beschleunigung ist die extreme Rechte zu einem dauerhaft anschlussfähigen Akteur geworden. Ihre Normalisierung erklärt sich aus langfristigen Kontinuitäten, in denen alte Diskurse – Bedrohungsnarrative, Identitätspolitik, Krisensensibilitäten – in neuen Formen wiederkehren. Damit zeigt das Buch, dass die politische Stärke der extremen Rechten im Frankreich des 21. Jahrhunderts nur vor dem Hintergrund einer longue durée verständlich wird, in der kulturelle Unruhe, Modernitätskritik und nationale Imaginationen fortwährend neu konfiguriert werden.]]></description>
		
		
		
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		<title>Moralistik und Misstrauensgemeinschaft: Lise Charles, François de La Rochefoucauld und Aladin El-Mafaalani</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/16/moralistik-und-misstrauensgemeinschaft-lise-charles-francois-de-la-rochefoucauld-und-aladin-el-mafaalani/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Nov 2025 12:15:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[François de La Rochefoucauld]]></category>
		<category><![CDATA[Lise Charles]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/paranoia-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/paranoia-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/paranoia.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Artikel liest Lise Charles’ Roman "Paranoïa" (P.O.L., 2025) einerseits durch die moralistische Optik La Rochefoucaulds (der im Roman als Prince Marsillac erscheint), andererseits mit El-Mafaalanis soziologischer Diagnose moderner "Misstrauensgemeinschaften" (Kiepenheuer &#038; Witsch, 2025). Auf dieser Achse erscheint Charles’ Werk als literarisches Labor der Post-Wahrheit, in dem die siebzehnjährige Louise Milton exemplarisch jene „zu schwere Selbstwahrnehmung“ verkörpert, die sowohl moralistisch-demaskierend als auch soziologisch-systemisch beschrieben werden kann. Hier wird Louises Paranoia nicht als pathologische Einzelstörung gelesen, sondern als strukturelle Erfahrung einer von medialen Rückkopplungen deformierten Moderne begriffen: Ihre permanente Überwachungsangst, die Enteignung ihres Ichs durch Mutter, Medien und sogar Autorin sowie die Zersetzung ihrer Identität im zweiteiligen System des Romans werden als literarische Verdichtung eines gesellschaftlichen Grundmodus gelesen. Die romanimmanente Metafiktionalität – Louise als „Romanheldin, verfolgt von einem Autor, der ihr Böses will“ – wird dabei zum stärksten Bild für eine Gegenwart, in der sich Kontrollverlust, Selbstverlust und Wirklichkeitsverlust überschneiden. Gleichzeitig zeigt der Artikel, wie Charles die Moralistik des 17. Jahrhunderts in das Herz ihrer Paranoia-Poetik transponiert. Der Prince de Marsillac fungiert als literarischer Wiedergänger La Rochefoucaulds und strukturiert die zweite Romanhälfte als hermeneutisches Regime des Argwohns. Seine Lehre vom amour-propre liefert Louise ein System, das Misstrauen nicht pathologisiert, sondern rationalisiert – und damit an El-Mafaalanis Beschreibung moderner Misstrauensgemeinschaften anschließt: Misstrauen wird zur Funktionsbedingung von Handlungsfähigkeit in einer unübersichtlichen, überkomplexen Welt. Die Besprechung argumentiert, dass Charles in dieser Verbindung von barocker Demaskierung und spätmoderner Vertrauenskrise den Kern einer neuen paranoiden Ästhetik freilegt. "Paranoïa" steht so nicht nur im Dialog mit der klassischen französischen Moralistik, sondern kann als zeitdiagnostisches Schlüsselwerk gedeutet werden, das die Identitätskrise der Gegenwart – zwischen Überwachung, Performanz und moralischem Dogmatismus – in eine literarische Versuchsanordnung überführt, in der die Grenze zwischen Wahrheit und Täuschung endgültig porös geworden ist.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zum Mut wie zur Feigheit: Jérôme Garcin über Literatur in der Zeit der Occupation</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/15/zum-mut-wie-zur-feigheit-jerome-garcin-ueber-literatur-in-der-zeit-der-occupation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Nov 2025 19:42:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Jérôme Garcin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="184" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-184x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-184x300.jpeg 184w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-626x1024.jpeg 626w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-768x1255.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-940x1536.jpeg 940w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-1253x2048.jpeg 1253w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5.jpeg 1481w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" />Jérôme Garcin legt in "Des mots et des actes: les belles-lettres sous l’Occupation" (Gallimard, 2024) eine moralisch zugespitzte Analyse der französischen Literaturszene während der deutschen Besatzung vor und zeigt, wie Worte zu Werkzeugen der Unterwerfung oder des Widerstands werden konnten. In pointierten Porträts von Kollaborateuren wie Brasillach, Céline, Morand oder Chardonne sowie Widerstandsfiguren wie Prévost, Decour und Lusseyran demonstriert er, dass literarisches Genie moralische Schuld nicht relativiert, sondern verschärft. Leitend ist die von ihm entwickelte „échelle de Prévost“, ein Maßstab, der die Verbindung von ethischer Haltung und schriftstellerischer Praxis bewertet. Garcin zeigt, wie eine kulturelle Elite trotz Massenmord und Repression ein schillerndes Pariser Kulturleben pflegte und wie bis heute ein ästhetischer Kult um kollaborationistische Autoren besteht, während Widerstandsschriftsteller marginalisiert werden. Das Buch ist zugleich historische Abrechnung, moralischer Appell und intellektuelles Selbstporträt eines Lesers, der das „unschuldige Lesen“ aufgibt. Die Rezension hebt die doppelte Bewegung des Werks hervor: die historische Rekonstruktion des literarischen Feldes unter der Besatzung und Garcins selbstkritische Revision seiner eigenen Lektürehaltung. Sie betont, dass Garcin gegen die tradierte Trennung von Werk und Autor anschreibt und die Persistenz einer französischen „ästhetischen Amnesie“ sichtbar macht, die Kollaborateuren Bewunderung und Résistants nur pflichtschuldigen Respekt entgegenbringt. Die Besprechung arbeitet heraus, wie Garcin literarische Porträts mit strukturellen Argumenten (CNE, Generationenkonflikte, soziale Milieus) verbindet und damit eine moralische Re-Kanonisierung anstößt, die Verantwortung als unverzichtbare literaturkritische Kategorie rehabilitiert. Insgesamt liest die Rezension das Buch als dringlichen Beitrag gegen die Verharmlosung des kulturellen Verrats – und als Manifest gegen den fortwirkenden mythischen Glanz, der sich um die „Genies“ des Hasses spannt.]]></description>
		
		
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		<title>Neue Phase französischer Erinnerungsliteratur: Matthieu Niango und Benny Malapa</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/14/neue-phase-franzoesischer-erinnerungsliteratur-matthieu-niango-und-benny-malapa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 15:08:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Benny Malapa]]></category>
		<category><![CDATA[Matthieu Niango]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="244" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Screenshot_20251114_160436_Docs-300x244.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Screenshot_20251114_160436_Docs-300x244.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Screenshot_20251114_160436_Docs-1024x832.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Screenshot_20251114_160436_Docs-768x624.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Screenshot_20251114_160436_Docs.jpg 1144w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />"Le Fardeau" von Matthieu Niango und "Un nègre qui parle yiddish" von Benny Malapa (beide 2025) zeichnen zwei Familiengeschichten, in denen das 20. Jahrhundert als genealogische Erschütterung sichtbar wird. Niangos Roman verfolgt die archivgestützte Spurensuche eines Sohnes, der die Lebensborn-Herkunft seiner Mutter und das paradoxe Erbe aus jüdischer Opferlinie und NS-Täterlinie freilegt. Malapas epochenumspannendes Familienepos erzählt die Liebes- und Überlebensgeschichte eines kamerunisch-deutschen Mannes und einer polnisch-jüdischen Frau als Widerlegung jedes ethnischen Reinheitsmythos. Beide Bücher zeigen, wie Kolonialismus, Rassismus und Antisemitismus ineinandergreifen und wie Hybridität zur Gegenfigur totalitärer Ideologien wird. In unterschiedlicher Ästhetik – dokumentarisch-analytisch bei Niango, mündlich-episch bei Malapa – demonstrieren sie, dass Identität ein offener Prozess der Erinnerung ist: ein Geflecht aus Brüchen, Weitergabe und Verantwortung. - Die Rezension argumentiert, dass beide Romane eine neue Phase der französischen Erinnerungsliteratur markieren, in der nationale Geschichte nicht mehr über große kollektive Narrative, sondern über intime Familienarchive, Minderheitenbiografien und transgenerationale Traumata erschlossen wird. Sie liest die beiden Werke als Gegenentwürfe zu identitären, ethnonationalen Deutungen von „französischer“ Herkunft. Niango und Malapa legen genealogische Assemblagen frei, die die Gewaltgeschichte Europas relational denken. Die Romanformen modellieren zwei Ethiken des Erinnerns: Verantwortung durch Analyse (Niango) und Verantwortung durch Weitergabe (Malapa).]]></description>
		
		
		
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		<title>Boualem Sansal begnadigt und freigelassen</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/13/boualem-sansal-begnadigt-und-freigelassen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Nov 2025 05:32:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Boualem Sansal]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="232" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Boualem_Sansal_cropped-232x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Boualem_Sansal_cropped-232x300.jpg 232w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Boualem_Sansal_cropped-791x1024.jpg 791w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Boualem_Sansal_cropped-768x994.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Boualem_Sansal_cropped-1187x1536.jpg 1187w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Boualem_Sansal_cropped-1583x2048.jpg 1583w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Boualem_Sansal_cropped.jpg 1797w" sizes="auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px" />Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune hat Boualem Sansal begnadigt (vgl. die vorangegangenen Artikel zu Sansal auf diesem Blog). Die Begnadigung erfolgte auf eine ausdrückliche Bitte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hin, der sich persönlich für den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels (2011) eingesetzt hatte. Sansal ist 81 Jahre alt und leidet an Prostatakrebs. Steinmeier hatte in seiner ... <p class="read-more-container"><a title="Boualem Sansal begnadigt und freigelassen" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/11/13/boualem-sansal-begnadigt-und-freigelassen/#more-10633" aria-label="Mehr Informationen über Boualem Sansal begnadigt und freigelassen">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetik des Erzitterns: Maria Pourchet</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/12/poetik-des-erzitterns-maria-pourchet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Nov 2025 09:20:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Maria Pourchet]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/71yA9z71akL-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/71yA9z71akL-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/71yA9z71akL-643x1024.jpg 643w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/71yA9z71akL-768x1223.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/71yA9z71akL-964x1536.jpg 964w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/71yA9z71akL-1286x2048.jpg 1286w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/71yA9z71akL.jpg 1607w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Maria Pourchets "Tressaillir" (2025) entfaltet das „Erzittern“ als poetischen Erkenntnismodus – ein vibrierendes Zusammenspiel von Körper, Sprache und Umwelt. Im Zentrum steht Michelle Darras, Kinderbuchautorin und Mutter, die nach dem Ende ihrer Beziehung zu Sirius in die Schwebe gerät. Der Roman beginnt im Mikrokosmos des Banalen – mit dem Gießen von Pflanzen auf einem Pariser Balkon – und dehnt sich zu einer kartographischen Bewegung der Angst aus: über den Körper, die Sprache und das Wetter. Michelles Haut, die sich entzündet und schält, wird zur sprechenden Membran zwischen Innen und Außen, zur Oberfläche der Erinnerung. Wasser, Erde, Wind und Haut bilden das Vokabular einer organischen Poetik, in der die Angst selbst Erkenntnis wird. Das Trauma eines Sturms in der Kindheit und das nationale Trauma um den Fall „Grégory“ durchziehen den Text als mythologische Tiefenschicht. In der Konfrontation mit diesen Urängsten, mit der Mutterrolle, der Krankheit und der unauflöslichen Spannung zwischen Fürsorge und Zerstörung findet Michelle schließlich zu einer Form des Wissens, die nicht rational, sondern sensibel ist. Die Rezension liest "Tressaillir" als ein vibrierendes Organ aus Sprache – ein Text, der selbst bebt. Sie betont Pourchets Poetik der Porosität, in der Körper und Text, Krankheit und Erkenntnis, Wetter und Gefühl ineinander übergehen. Besonders hervorgehoben wird die Fähigkeit der Autorin, analytische Präzision und eruptive Emotionalität zu verschränken: Das Messbare (Wasser, Temperatur, Haut) trifft auf das Unkontrollierbare (Angst, Begehren, Erinnerung). Die Kritik erkennt im Namen des männlichen Partners, „Sirius“, das Gegenprinzip zum Erzittern – Licht ohne Wärme, Kontrolle statt Resonanz – und deutet die Trennung Michelles als kosmologische Befreiung aus einer starren Umlaufbahn. Stilistisch würdigt sie Pourchets parataktische, atmende Syntax als Spiegel des physischen Zitterns und die Körpermetaphorik als ethische Aussage: Verletzlichkeit ist Erkenntnisform. So versteht die Rezension den Roman nicht als psychologische Fallstudie, sondern als literarisches Experiment über das Lebendige selbst.]]></description>
		
		
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		<title>Guillaume Dustans Abdriften und Christophe Beaux’ literarische Befreiung</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/10/guillaume-dustans-abdriften-und-christophe-beaux-literarische-befreiung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2025 08:56:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Christophe Beaux]]></category>
		<category><![CDATA[Frédéric Huet]]></category>
		<category><![CDATA[Guillaume Dustan]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Clerc]]></category>
		<category><![CDATA[Tristan Garcia]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-8-188x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-8-188x300.jpeg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-8.jpeg 354w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Christophe Beaux’ "Un tombeau pour Dustan" ist eine autobiografische Liebeserinnerung und zugleich ein literarischer Nachruf auf Guillaume Dustan, der einst William Baranès hieß. Beaux schildert ihre Beziehung im Paris der späten 1980er Jahre, gezeichnet von Faszination, Dominanz und Schuld, vor dem Hintergrund der AIDS-Krise. Aus dem intellektuellen und sexuellen Einfluss Williams auf den jüngeren Christophe entsteht eine ungleiche Beziehung, die zugleich prägte und zerstörte. Nach der Trennung und Williams HIV-Diagnose verwandelt sich dieser in den provokativen Schriftsteller Guillaume Dustan, der mit radikaler Offenheit über Sexualität, Krankheit und gesellschaftliche Doppelmoral schreibt. Das Buch dient Beaux als „Grabmal“ und Exorzismus zugleich: Er versucht, die jahrzehntelange Schuld und Faszination zu bannen, indem er die gemeinsame Vergangenheit mit literarischer Klarheit neu erzählt und sich so symbolisch von dem Geliebten befreit, der sein Leben beherrschte. - Die Rezension deutet Beaux’ Text als doppelte Befreiung – biografisch wie literarisch. Sie liest "Un tombeau pour Dustan" nicht bloß als private Beichte, sondern als dialogischen Gegenentwurf zu Dustans radikalem Werk: Beaux übernimmt dessen Poetik der Wahrhaftigkeit („véracité“), aber verwandelt sie von einer destruktiven zu einer heilenden Kraft. Der Rezensent betont die Spannung zwischen Bewunderung und Abrechnung, zwischen Liebe und Rache, die das Buch strukturiert. Beaux’ Schreiben wird als Akt der Parrhesia – einer mutigen, schonungslosen Rede – gedeutet, der zugleich psychoanalytische und ästhetische Funktion erfüllt. Die Rezension verknüpft das Werk mit den historischen Diskursen über AIDS, Sexualität und gesellschaftliche Rebellion, um es als literarische Antwort auf Dustans Skandalästhetik zu positionieren: Wo Dustan provozierte, reflektiert Beaux; wo jener den Tabubruch suchte, sucht dieser Versöhnung. Das „Tombeau“ erscheint so als Requiem für eine Epoche und als Selbsttherapie eines Überlebenden, der seine Stimme durch das Schreiben wiederfindet.]]></description>
		
		
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		<title>Entstellung, Scham und Spektakel: Pierre Jourde und Victor Hugo</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/07/entstellung-scham-und-spektakel-pierre-jourde-und-victor-hugo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Nov 2025 22:47:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Jourde]]></category>
		<category><![CDATA[Victor Hugo]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="204" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-4-204x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-4-204x300.jpeg 204w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-4.jpeg 369w" sizes="auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px" />Pierre Jourdes "La marchande d’oublies" (Gallimard, 2025) ist ein düster funkelnder Roman über Erinnerung, Wahnsinn und die Groteske, der die Welt der Schausteller und Clowns des 19. Jahrhunderts mit der beginnenden Psychiatrie verschränkt. In verschachtelten Stimmen erzählt er die Geschichte eines Arztes, der auf einer Zugfahrt dem monströsen Clown Alastair begegnet – einem lebenden Relikt aus der Albtraumwelt der Jahrmärkte, der von seiner Amnesie, seiner verstörenden Kindheit und der Vision einer „marchande d’oublies“ berichtet, die süßes Vergessen wie Erlösung verkauft. Jourde entwirft eine finster-ästhetische Parabel über die Zersetzung des Subjekts im Zeitalter der modernen Wissenschaft und des Spektakels – eine Welt, in der Bühne und Irrenhaus, Kunst und Krankheit ununterscheidbar werden. In auffälliger Nähe zu Victor Hugos "L’homme qui rit" radikalisiert Jourde das romantische Motiv des entstellten Gesichts: Das Lachen, einst Symbol der Anklage, wird zum Symptom eines universellen Verfalls.]]></description>
		
		
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		<title>Literatur als Ressource? Der kommende Frankoromanistikkongress und Patrice Jean</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/06/literatur-als-ressource/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2025 08:48:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Patrice Jean]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="197" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/51ov2sXQN8L-197x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/51ov2sXQN8L-197x300.jpg 197w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/51ov2sXQN8L-672x1024.jpg 672w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/51ov2sXQN8L-768x1171.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/51ov2sXQN8L.jpg 787w" sizes="auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px" />Patrice Jean, Kafka au candy-shop: la littérature face au militantisme, Editions Léo Scheer, 2024. Literatur am Scheideweg: eine nötige Debatte Tout livre, tout texte vivant doit être une déclaration de guerre. (Patrice Jean) Patrice Jeans Kafka au Candy-shop zeichnet wie seine eigenen Künstlerromane das Bild einer Literatur, die sich unter dem süßlichen Druck politischer Moral ... <p class="read-more-container"><a title="Literatur als Ressource? Der kommende Frankoromanistikkongress und Patrice Jean" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/11/06/literatur-als-ressource/#more-10392" aria-label="Mehr Informationen über Literatur als Ressource? Der kommende Frankoromanistikkongress und Patrice Jean">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Von der Femme fatale zum Subjekt: Milady de Winter zwischen Dumas und Clermont-Tonnerre</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/04/milady-de-winter-zwischen-dumas-und-clermont-tonnerre/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2025 20:41:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Adélaïde de Clermont-Tonnerre]]></category>
		<category><![CDATA[Alexandre Dumas]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="204" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-3-204x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-3-204x300.jpeg 204w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-3.jpeg 369w" sizes="auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px" />Adélaïde de Clermont-Tonnerres "Je voulais vivre" (2025) ist der stupende Versuch, einer ikonisch verfemten Figur der Weltliteratur ihre Geschichte zurückzugeben: Milady de Winter, dem vermeintlich „bösen Engel“ aus Dumas’ "Les Trois Mousquetaires" (1844). Der Roman macht aus der Dämonin eine historisch und psychologisch nachvollziehbare Frau, deren Leben von männlicher Gewalt geprägt ist. Kindheitstraumata, soziale Entrechtung und die Logik eines Geschlechterverhältnisses, das Frauen nur als Besitz oder Gefahr kennt, bilden den verleugneten Hintergrund jener Taten, die der Kanon als metaphysische Verderbtheit etikettierte. "Je voulais vivre" ist damit weit mehr als ein intertextuelles Spiel: Es erprobt einen Korrekturmodus des Erzählens, in dem literarische Mythen befragt und Figuren aus ihrer jahrhundertelangen Verurteilung befreit werden dürfen – nicht um sie reinzuwaschen, sondern um sie endlich zu verstehen. - Der Artikel verfolgt dieses Unternehmen in einer präzisen Gegenlektüre zu Dumas. Er arbeitet heraus, wie Clermont-Tonnerre die bekanntesten Milady-Episoden – Verführung, Giftmord, Rache, Brandmal und Hinrichtung – nicht negiert, sondern narrativ neu perspektiviert, sodass aus „Bosheit“ Kausalität wird und aus „Verführung“ ein Akt der Selbstbehauptung. Der Aufsatz zeigt, wie konsequent die Autorin kommunikative Machtverhältnisse, Zeitstrukturen und Figurenkonstellationen umbaut, um die Deutungshoheit vom männlichen Urteil zurück in die Innenwelt der Figur zu verlagern. Dadurch wird "Je voulais vivre" zum literarischen Plädoyer dafür, solche fiktionale Frauenfiguren im Erzählen Gerechtigkeit erfahren zu lassen. Die Rezension begründet abschließend, weshalb Clermont-Tonnerres Roman den Prix Renaudot 2025 verdient erhalten hat.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Geist von Locarno. Europa hundert Jahre nach der Friedenskonferenz: Christine de Mazières</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/04/der-geist-von-locarno/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2025 08:14:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Christine de Mazières]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Valéry]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Christine de Mazières hat mit "Locarno" (2025) einen ebenso historischen wie gegenwärtigen Roman geschrieben – ein europäisches Zeitstück über Diplomatie, Erinnerung und die Macht der Sprache. Ausgangspunkt ist die Friedenskonferenz von 1925 im Schweizer Locarno, wo Aristide Briand, Gustav Stresemann und Austen Chamberlain nach den Verwüstungen des Ersten Weltkriegs den Versuch einer moralischen Erneuerung Europas unternahmen. De Mazières erzählt die Ereignisse als vielstimmiges Tableau: Politiker, Journalisten und Künstler agieren auf einer Bühne, auf der politische Geste, rhetorische Form und symbolische Handlung unauflöslich ineinanderfließen. Eine Journalistin, Louise Lenfant, wird zur Zeugin dieser „Comédie humaine de la paix“, deren fragile Hoffnung sie zugleich privat wie politisch trägt. Das emblematische Bild des Romans – ein Adler, der auf die Friedenstauben herabstößt – fasst das Paradox dieser Epoche in einer einzigen Metapher zusammen. - Der Aufsatz "Der Geist von Locarno" liest de Mazières’ Roman nicht als bloße historische Rekonstruktion, sondern als literarische Reflexion über das Verhältnis von Geist und Politik. Im Zentrum steht die Frage, ob Frieden denkbar ist, solange Europa geistig zerspalten bleibt. Der Text zeigt, wie der Roman Valérys Diagnose aus "La Crise de l’esprit" (1919) fortschreibt: den Versuch, nach der Katastrophe eine „fédération de l’esprit“ – eine Föderation des Geistes – zu entwerfen. Die Besprechung deutet Locarno als narrative Antwort auf Valérys Frage „Et qu’est-ce que la paix?“ und als Echo auf Heinrich Manns Forderung nach einem „geistigen Locarno“. De Mazières verbindet die moralische Vision Briands mit der skeptischen Intelligenz Valérys und verwandelt die politische Bühne von 1925 in ein literarisches Labor für die Gegenwart: ein Jahrhundert später, im Jahr 2025, bleibt Locarno eine offene Frage an Europa selbst – ob es fähig ist, seine geistigen Kräfte zu erneuern, bevor der Adler wieder auf die Tauben herabstößt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Prix Goncourt 2025, die vier Finalisten: Emmanuel Carrère, Laurent Mauvignier, Nathacha Appanah, Caroline Lamarche</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/03/artikel-ueber-die-vier-finalisten-fuer-den-prix-goncourt-2025-emmanuel-carrere-laurent-mauvignier-nathacha-appanah-caroline-lamarche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Nov 2025 14:14:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Caroline Lamarche]]></category>
		<category><![CDATA[Emmanuel Carrère]]></category>
		<category><![CDATA[Laurent Mauvignier]]></category>
		<category><![CDATA[Nathacha Appanah]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="161" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/rentree-stencil-UNTERTITEL-1-300x161.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/rentree-stencil-UNTERTITEL-1-300x161.png 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/rentree-stencil-UNTERTITEL-1.png 749w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Laurent Mauvignier gewinnt den Prix Goncourt 2025 für seinen Roman La maison vide (Das leere Haus). Der 58-jährige Schriftsteller wurde am Dienstag, dem 4. November, von der Jury der Académie Goncourt ausgezeichnet. Den Prix Renaudot 2025 erhielt Adélaïde de Clermont-Tonnerre für Je voulais vivre. Das Buch setzte sich gegen Feurat Alani (Le ciel est immense), ... <p class="read-more-container"><a title="Prix Goncourt 2025, die vier Finalisten: Emmanuel Carrère, Laurent Mauvignier, Nathacha Appanah, Caroline Lamarche" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/11/03/artikel-ueber-die-vier-finalisten-fuer-den-prix-goncourt-2025-emmanuel-carrere-laurent-mauvignier-nathacha-appanah-caroline-lamarche/#more-10339" aria-label="Mehr Informationen über Prix Goncourt 2025, die vier Finalisten: Emmanuel Carrère, Laurent Mauvignier, Nathacha Appanah, Caroline Lamarche">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Jenseits der Zivilisation: Fabrice Humbert</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/03/jenseits-der-zivilisation-fabrice-humbert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Nov 2025 11:30:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Albert Camus]]></category>
		<category><![CDATA[Fabrice Humbert]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="192" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782702194379-001-X-192x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782702194379-001-X-192x300.jpeg 192w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782702194379-001-X-657x1024.jpeg 657w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782702194379-001-X-768x1197.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782702194379-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px" />Fabrice Humberts Roman "De l’autre côté de la vie" (2025) entfaltet eine apokalyptische Fluchtgeschichte, in der der Ich-Erzähler – ein Pariser Anwalt – mit seinen Kindern einer in Bürgerkrieg versinkenden Hauptstadt entkommt. Die Reise in Richtung einer halbmythischen „République du Jura“ wird zur moralischen Abwärtsbewegung: Was als Schutzversuch beginnt, verwandelt sich in eine phänomenologische Studie der Verrohung. Sprache selbst wird als Trägerin des Giftes sichtbar – „die Worte bereiteten den Boden“ –, während Gewalt aus Angst und Anpassung erwächst. Der Roman verbindet dystopische Gesellschaftsanalyse mit einer existenziell aufgeladenen Poetik: Kindheit erscheint als letzter Rest des Humanen, Natur als trügerischer Trost, Utopie als fragiles Wunschbild, das im Feuer vergeht. Die Parabel zeigt nicht primär äußere Katastrophen, sondern die Erosion des Menschlichen durch den Zerfall gemeinsamer Werte und des sozialen „Flüssigen“ früherer Höflichkeit. - Die Besprechung interpretiert diesen Roman als Fortschreibung von Humberts Gesamtwerk und stellt ihn in einen systematischen, thematisch wie poetologisch kohärenten Kontext. Sie argumentiert doppelt: einerseits wird der Roman als literarische Verdichtung aller bisher entwickelten Motive gelesen – Zerfall sozialer Bindungen, mediale Vergiftung der Realität, die Illusion von Utopien –, andererseits als radikalisierte Selbstkorrektur des Autors, die frühere moralische Hoffnungen skeptisch bricht. Die Kritik macht sichtbar, wie der Erzähler als Jurist seine eigene Sprache einer „Reinigung“ unterzieht und das Werk als Gegenrede zur Gewalt formuliert, obwohl es zugleich die Grenzen solcher Rede demonstriert. Die Rezension macht deutlich, dass Humbert sein zentrales Thema – die Selbstgefährdung des zivilisierten Menschen – in diesem Roman zu einer kompromisslosen literarischen Konsequenz führt.]]></description>
		
		
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		<title>Jordan Bardellas Wunschfrankreich: Schönheit und Größe des Ersatzkandidaten</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/01/jordan-bardellas-wunschfrankreich-schoenheit-und-groesse-des-ersatzkandidaten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Nov 2025 10:23:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Jordan Bardella]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="226" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Bardella-300x226.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Bardella-300x226.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Bardella-1024x773.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Bardella-768x580.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Bardella.jpg 1370w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Jordan Bardellas beide Bücher – "Ce que je cherche" (2024) und "Ce que veulent les Français" (2025) – bilden eine strategische Doppelfigur aus Selbstmythos und Selbstlegitimierung. Das erste Werk stilisiert Bardellas Aufstieg vom Banlieue-Kind zum „republikanischen Erfolgsmodell“ im Rassemblement National und verbindet dies mit einer Pathetik nationaler Größe, die an Bonaparte und De Gaulle anknüpft. Die Suche nach „Grandeur“ wird zum Selbstrechtfertigungsnarrativ eines Erlösers der „vergessenen Franzosen“. Das zweite Buch transformiert diesen Erlösungsanspruch in eine Galerie scheinbar authentischer Bürgerporträts, die freilich nur die Stimmen eines homogenen, arbeitsethisch moralisierten „Volkes“ repräsentieren, das er selbst verkörpert. Bardella verschmilzt so Erzähljournalismus, politische Mythologie und Wahlkampfrhetorik zu einer ästhetischen Form des populistischen Pathos, in der „Empathie“ zur Bühne ideologischer Vereinfachung wird. Die Nation erscheint als Sakralgemeinschaft gegen Eliten, Migration und Europa; Differenz wird moralisch entwertet. - Der Artikel liest diese Werke als Zwillingsakte politischer Selbstvermarktung: Literatur als Kandidatur. Er zeigt, wie beide Bände den Bolloré-Medienkomplex und dessen rechtspopulistische Agenda stützen: das erste als Biographie eines „designierten Ersatzkandidaten“ für Marine Le Pen, das zweite als emotionalisierter Wahlkampf unter dem Deckmantel volksnaher Authentizität. Die Analyse deutet Bardellas Pathos vom „wahren Frankreich“ als projektive Selbstvergöttlichung und macht sichtbar, dass sein Wunschfrankreich nicht auf Pluralität, sondern auf Symbolmacht zielt: Schönheit und Größe eines Kandidaten – ästhetisch präzise, politisch gefährlich.]]></description>
		
		
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		<title>Endlichkeit und Neubeginn: Hélène Cixous</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/28/endlichkeit-und-neubeginn-helene-cixous/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2025 10:53:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Hélène Cixous]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782073111739_1_75-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782073111739_1_75-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782073111739_1_75.jpg 499w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Hélène Cixous’ neues Buch "Ce qui n’était jamais arrivé" (Gallimard, 2025) ist eine späte, erschütternde Meditation über Leben, Sprache und Tod – und zugleich ein poetisches Testament. "Ce qui n’était jamais arrivé" ist ein Journal de la fin, aber zugleich ein Buch der Auferstehung. Während der Körper zerfällt, lebt die Sprache fort – unermüdlich, widerspenstig und zärtlich. Cixous lässt ihre Figuren – die Mutter Ève, den Vater Georges, den Bruder Pierre, die Katzen Haya und Isha – in einem lebendigen Totengespräch wiederkehren. Sie alle bewohnen den Zwischenraum von Traum und Erinnerung, sind „revenants“ in einem Theater aus Stimmen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Im Kreis der Schuldigen: ein Frankreich in Spiegeln bei Philippe Brunel</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/28/im-kreis-der-schuldigen-ein-frankreich-in-spiegeln-bei-philippe-brunel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2025 09:13:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Brunel]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/61eRt6Ti4tL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/61eRt6Ti4tL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/61eRt6Ti4tL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/61eRt6Ti4tL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/61eRt6Ti4tL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/61eRt6Ti4tL.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Philippe Brunels "Le cercle des obligés" (Grasset, 2025) ist eine hybride Form aus roman vrai, journalistischer Recherche und autobiographischer Rückschau. Ausgangspunkt ist die berüchtigte affaire Markovic: 1968 wird Stefan Markovic, Serbe, Schattenmann und „doublure lumière“ Alain Delons, ermordet aufgefunden – eine Episode, in der sich Kino, Politik und Unterwelt auf beklemmende Weise überkreuzen. Fünfundzwanzig Jahre später nimmt ein namenloser Ich-Erzähler, ehemals Reporter, die Spuren seines Mentors Pierre Salberg wieder auf. Er kehrt an die Schauplätze der Vergangenheit zurück, um ein unvollendetes Manuskript fortzuschreiben und zugleich sich selbst zu rekonstruieren. Das Frankreich des Romans ist das Land nach 1968 – ein Land zwischen politischer Dekadenz und kulturellem Glanz. Brunel schildert die Zeit als spectacle permanent, als Schau- und Trugbild. Die Wirtschaftswunderjahre sind vorbei, und hinter der Fassade des Gaullismus breiten sich Müdigkeit, Korruption und moralische Entleerung aus. Brunel zeigt die Entstehung einer neuen Popkultur, in der sich Politik, Showbusiness und Kriminalität mischen. Alain Delon verkörpert „le héros absolu“, aber zugleich das Symbol einer Generation, die Schönheit mit Verdacht belegt. Der Roman zitiert ganze Passagen aus Interviews, Zeitungsartikeln, Polizeiberichten – eine Collage der medialen Oberfläche. Populäre Figuren (Melville, Bardot, Fallaci, Visconti, Aznavour) erscheinen nicht als bloße Namen, sondern als Zeichen einer Ästhetik, die das Reale in das Kinematographische überführt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der verwaiste Künstlereingang: Patrick Modiano und Christian Mazzalai</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/26/der-verwaiste-kuenstlereingang-patrick-modiano-und-christian-mazzalai/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Oct 2025 14:39:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Modiano]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="236" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782073123664_1_75-236x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782073123664_1_75-236x300.jpg 236w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782073123664_1_75.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px" />"70 bis, entrée des artistes" (Gallimard, 2025), entstanden in einer unerwarteten Zusammenarbeit zwischen dem Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano und dem Musiker Christian Mazzalai, präsentiert sich als akribische Untersuchung, die die verborgene Geschichte einer einzelnen Pariser Adresse im Herzen des Montparnasse enthüllt: der 70 bis rue Notre-Dame-des-Champs. Basierend auf einem Schatz an Archiven, Fotografien und Kleinanzeigen, rekonstituiert das Werk die Periode vom Zweiten Kaiserreich (ab 1850) bis in die 1960er Jahre. Dieser Ort fungierte jahrzehntelang als ein vibrierendes und äußerst kosmopolitisches Zentrum für über zweihundert Künstlerinnen und Künstler, Musiker, Schriftsteller und Poeten. Die Erzählung beginnt mit der Künstlerkneipe „La Boîte à Thé“ (gegründet um 1850), deren ausschweifendes Treiben – komplettiert durch das Maskottchen, den Affen Jacques – die spätere, nächtliche und internationale Animation Montparnasses vorwegnahm. Illustre und ungleiche Namen, wie der offiziöse Maler Jean-Léon Gérôme, Robert Louis Stevenson (der die dortigen Feste beschrieb), der Dichter Ezra Pound (der von 1921 bis 1924 dort lebte) sowie Pablo Picasso, kreuzten sich in den Ateliers des Gebäudes. Ebenso beleuchtet das Buch das Leben weniger bekannter Künstler und die Kolonien amerikanischer, skandinavischer und japanischer Immigranten, die in den für Frauen geöffneten Akademien der Umgebung malen lernten. In seiner melancholischen Gedächtnisarbeit knüpft "70 bis" unmittelbar an Patrick Modianos literarisches Oeuvre an, indem es präzise Adressen und die flüchtigen Spuren der Vergangenheit nutzt, um die Geschichte der verschwundenen Existenzen freizulegen. Die detektivische Suche (die Modiano und Mazzalai als "chasse au trésor" bezeichnen) erweckt Figuren zum Leben, die in den Schatten der offiziellen Geschichte verblieben. Dazu gehören die rebellische und surrealistisch orientierte Künstlerin Claude Cahun oder der mysteriöse Georges Ivanovitch Gurdjieff, ein Guru, dessen Auftritte in Modianos Werk ("Souvenirs dormants") nachhallen. Besonders pointiert ist die Erzählung über den ukrainischen Maler Samuel Granowsky, den "Cow-boy de Montparnasse", der 1942 bei der Razzia des Vél’d’Hiv verhaftet und in Auschwitz ermordet wurde. Die Gedächtnisarbeit reicht bis in die dunklen Jahre der Besatzung (Années noires), in denen im 70 bis eine amerikanische Bildhauerin Masken für entstellte Soldaten fertigte, und die das Viertel seiner einstigen Brillanz beraubten. Der Text schließt mit der Feststellung, dass das Viertel Montparnasse seine künstlerische Seele weitgehend verloren hat, was sich in der existentiellen Frage am Ende des Buches kristallisiert: „Où sont les artistes?“]]></description>
		
		
		
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		<title>Frankreichs Glasvitrine und Algeriens Schädel: Clara Breteau</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/25/frankreichs-glasvitrine-und-algeriens-schaedel-clara-breteau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 14:55:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Clara Breteau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/412WKPclnoL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/412WKPclnoL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/412WKPclnoL.jpg 341w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Clara Breteaus Roman "L’Avenue de verre" (2025) unternimmt durch die Figur der Dozentin Anna eine dichte Untersuchung kolonialer Nachwirkungen und familiärer Schweigeverhältnisse. Ausgangspunkt ist das rätselhafte Doppelleben des Vaters, eines algerischen Einwanderers aus den Aurès-Bergen, der als Fensterputzer in Frankreich arbeitete und seine Herkunft hinter einer „Glashaut“ der Assimilation verbarg. Die titelgebende Avenue de verre wird zur Chiffre einer Nation, die sich selbst in spiegelnden Oberflächen betrachtet und ihre koloniale Schuld überblendet. Annas Nachforschungen führen sie von den eigenen familiären Leerstellen – dem verweigerten Namen, der Verstoßung durch den Vater, dem administrativen „NÉANT“ auf der Heiratsurkunde der Großeltern – bis in die Archive der kolonialen Gewalt, wo sie auf die enthaupteten algerischen Widerstandskämpfer stößt, deren Schädel im Musée de l’Homme lagern. Breteau verbindet hier intime Erinnerung mit politischer Archäologie: Die gläserne Transparenz des Vaters steht für das Schweigen der Geschichte, das Anna durchbrechen will. Doch die Erkenntnis, dass Sichtbarkeit selbst ein Akt der Verschleierung ist, prägt ihre Suche – jede Klärung erzeugt neuen Nebel, jedes Wort gebiert Schweigen. In diesem Zusammenhang greift der Roman auch Kamel Daouds Motiv des „verschwundenen Körpers“ auf, um die Erfahrung einer postkolonialen Entkörperlichung zu beschreiben, in der die Nachgeborenen nur noch Schatten und Spiegelbilder ihrer Geschichte sehen. - Die Rezension liest Breteaus Roman als eine Poetik der Auslöschung, in der Glas, Spiegel und Transparenz zu zentralen semantischen Feldern des postkolonialen Bewusstseins werden. Sie hebt hervor, dass Breteau das familiäre Schweigen nicht psychologisch, sondern politisch deutet: als koloniale Disziplinierung der Erinnerung, die in den Körpern und Biographien weiterwirkt. Der Vater, der sich in „Johnny“ umbenennt und Spuren löscht, problematisiert ein System, das koloniale Gewalt in Sauberkeit und Ordnung verwandelt. Die Besprechung betont die Doppeldeutigkeit von Reinigung und Verschmutzung, Sichtbarkeit und Verschwinden – eine Dialektik, die Annas Forschung ebenso strukturiert wie ihre eigene Identität. Durch den Rückgriff auf Abdelmalek Sayads Konzept der „double absence“ und Kateb Yacines Idee des „néant“ zeigt der Roman, dass das Schweigen kein Fehlen, sondern ein sedimentierter Widerstand ist. Der abschließende Akt – die Weitergabe des Namens Hadj und das Singen eines kabylischen Liedes – wird in der Rezension als Geste der Heilung gelesen, die das Trauma nicht tilgt, sondern es in eine poetische Kraft der Rückverwandlung überführt: aus der gläsernen Leere entsteht ein durchlässiges, atmendes Gedächtnis.]]></description>
		
		
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		<title>Chronik der Macht von Versailles nach Silicon Valley: Marc Dugain</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/24/chronik-der-macht-von-versailles-nach-silicon-valley-marc-dugain/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 13:40:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Dugain]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/81-qbXU-wiL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/81-qbXU-wiL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/81-qbXU-wiL._SL1500_-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/81-qbXU-wiL._SL1500_-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/81-qbXU-wiL._SL1500_.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Marc Dugains "Légitime violence" (2025) erscheint als fulminante Rückkehr des Autors zur historischen Erzählung, die zugleich das gesamte politische Denken seines Werks bündelt. Im Frankreich Ludwigs XIV. verknüpft Dugain die „Affaire des poisons“ mit einer Anatomie der Macht, deren Strukturen vom höfischen Zeremoniell bis in die intimsten Beziehungen reichen. Der Roman zeichnet den Hof als mikropolitisches System permanenter Kontrolle: Rituale, Sprache und Architektur verwandeln Unterwerfung in Bewunderung, Gewalt in Ordnung. In der Figur der Marquise de Brinvilliers, die sich aus der patriarchalen Enge befreien will, verdichtet Dugain das Spannungsverhältnis von Geschlecht, Körper und Herrschaft – ihre „Verbrechen“ sind Akte der Revolte gegen eine göttlich legitimierte Gesellschaftsordnung. Die höfische Welt erscheint dabei als Laboratorium der modernen Macht, in dem Schönheit und Disziplin ununterscheidbar werden. Dugain dekonstruiert die Ästhetik des Barock als politische Technik: Versailles selbst wird zum Symbol einer „alchimie du pouvoir“, die Unterdrückung in Glanz verwandelt. - Der Aufsatz liest den Roman als den historischen Endpunkt einer dreißigjährigen „Chronik der Macht“, die von den gueules cassées des Ersten Weltkriegs (in "La Chambre des officiers") über die geheimdienstliche Manipulation in "L’Emprise" bis zur digitalen Überwachung in "Transparence" reicht. "Légitime violence" führt diese Linie genealogisch zurück zum Ursprung: zur Erfindung der „legitimen“ Gewalt im Absolutismus. Dugain zeigt, dass sich der Zwang zur Ordnung und die Legitimation von Herrschaft – ob durch Krone, Staat oder Algorithmus – nur in ihren Formen verändern. Der König, der seine Macht durch Glanz stabilisiert, ist der Vorläufer des modernen Technokraten, der Transparenz zur Tugend erklärt. Damit wird das 17. Jahrhundert bei Dugain zum Spiegel des 21.: Die sichtbare Gewalt des Schwerts ist durch die unsichtbare Gewalt des Systems ersetzt. "Légitime violence" ist weniger historische Fiktion als politische Archäologie – der Roman legt die Tiefenschicht frei, in der sich Macht, Ästhetik und Legitimation bis heute gegenseitig hervorbringen.]]></description>
		
		
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		<title>Ersticken des Naturalismus: Émile Zola und Jean-Louis Milesi</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/23/ersticken-des-naturalismus-emile-zola-und-jean-louis-milesi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2025 13:14:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Emile Zola]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Louis Milesi]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/81B0fHXGZrL._SL1500_-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/81B0fHXGZrL._SL1500_-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/81B0fHXGZrL._SL1500_-658x1024.jpg 658w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/81B0fHXGZrL._SL1500_-768x1195.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/81B0fHXGZrL._SL1500_.jpg 964w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Jean-Louis Milesis "Flamboyante Zola" (2025) erzählt die Geschichte von Alexandrine Zola, der Ehefrau des berühmten Schriftstellers, als intime Tragödie und als Revision eines nationalen Mythos. Ausgangspunkt ist eine anonyme Denunziation: Alexandrine erfährt, dass ihr Mann seit Jahren eine Geliebte hat und mit ihr zwei Kinder. Was folgt, ist ein Kammerspiel aus Schmerz, Wut und Erinnerung, das den großen Naturalisten Émile Zola nicht als moralischen Helden, sondern als widersprüchlichen, verletzlichen, feigen Mann zeigt. In dichten, filmisch montierten Szenen verfolgt Milesi, wie Alexandrine zwischen hysterischer Raserei und stillem Stolz schwankt, wie das Private in die Öffentlichkeit dringt, und wie die Lüge einer Ehe zur Metapher einer Gesellschaft wird, die sich selbst betrügt. Der Roman greift naturalistische Verfahren – genaue Beobachtung, materielle Sprache, soziale Diagnose – auf, aber wendet sie nach innen: in das Innere einer Frau, deren Atemnot, deren Küche, deren Kleider und deren Schrei zum Ort der Wahrheit werden. Der Artikel zeigt, dass Milesi den Naturalismus poetologisch weiterführt, indem er seine empirische Kälte psychologisch auflädt. "Flamboyante Zola" erzählt nicht nur eine Ehe, sondern die Krise einer Epoche: Die Dritte Republik erscheint als von Skandalen und moralischer Heuchelei durchzogene Bühne, auf der der „Schriftsteller der Wahrheit“ selbst zum Opfer seiner eigenen Ideale wird. Das semantische Netz aus Luft, Licht, Nahrung und Stoff spiegelt Atem, Körper, Wahrheit und Verstellung, während narrative Techniken wie innere Monologe, mise en abyme und theatralische Szenenführung das Geflecht von Öffentlichkeit und Intimität verdichten. Am Ende steht kein Triumph, sondern ein Ersticken – Zolas Tod im Gas ist die Allegorie einer erstickten Republik, Alexandrines Überleben ihre bittere Läuterung.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die Brüder Goncourt und die Poetik der Verdopplung: Alain Claude Sulzer</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/23/die-brueder-goncourt-und-die-poetik-der-verdopplung-alain-claude-sulzer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2025 12:16:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Alain Claude Sulzer]]></category>
		<category><![CDATA[Edmond et Jules de Goncourt]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/51lhLXHkoWL-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/51lhLXHkoWL-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/51lhLXHkoWL.jpg 617w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Alain Claude Sulzers Roman "Doppelleben" (2022) ist nun auf Französisch erschienen, mit dem Titel "Les Vieux Garçons" (2025), er zeichnet mit präziser, kunstvoll distanzierter Sprache das Leben der Brüder Edmond und Jules de Goncourt nach – zwei Schriftstellern, die im Paris des 19. Jahrhunderts untrennbar miteinander leben, denken und schreiben. Sulzer verwebt historische Fakten mit poetischer Imagination: Von den alltäglichen Ritualen und Gesprächen über Kunst und Stil bis zu den leisen Katastrophen ihres Privatlebens entfaltet sich ein Kammerspiel über Abhängigkeit, Krankheit und schöpferische Obsession. Der Roman begleitet die Brüder von ihrem literarischen Aufstieg bis zu Jules’ körperlichem und geistigem Verfall, den Edmond mit verzweifelter Fürsorge, aber auch mit ästhetischer Kälte beobachtet.]]></description>
		
		
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		<title>Uchronie des Ukrainekriegs: Antoine Rault</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/21/uchronie-des-ukrainekriegs-antoine-rault/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Oct 2025 13:11:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Antoine Rault]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/rault-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/rault-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/rault-643x1024.jpg 643w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/rault-768x1223.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/rault.jpg 942w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Der chorale Roman "L'Angle Mort du Destin" von Antoine Rault (2025) präsentiert in seiner uchronischen Struktur zwei alternative Szenarien für die Schicksale seiner Figuren, die in Kiew oder Moskau leben und mit ihren Karrieren und persönlichen Ambitionen beschäftigt sind. Szenario A ("Ce qui n’arriva pas") beleuchtet eine Welt des Friedens, in der die russische Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 ausbleibt, wodurch die Protagonisten sich mit den moralischen Kompromissen, dem Opportunismus und der Korruption des postsowjetischen Alltags auseinandersetzen müssen. Im drastischen Kontrast dazu steht Szenario B ("Ce qui arriva"), welches die tatsächliche Invasion nachzeichnet und zeigt, wie dieser historische Bruch die Leben der Charaktere radikal verändert, sie zur Flucht, zum Widerstand und zu existentiellen Entscheidungen zwingt. Die Konfrontation dieser zwei Szenarien erzeugt einen wahrhaftigen Schwindel, indem sie das Ausmaß misst, mit dem Entscheidungen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, die Existenz der Individuen bestimmen. Durch die Gegenüberstellung von Fiktion und Realität wirft das Buch ein hartes, aber enthüllendes Licht auf unsere menschliche Verfassung und untersucht die Freiheit und Determination im Angesicht der Geschichte.]]></description>
		
		
		
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		<title>Cortés und die Zukunft des Mestizaje: Christian Duverger</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/21/cortes-und-die-zukunft-des-mestizaje-christian-duverger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Oct 2025 11:41:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Duverger]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/cortes-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/cortes-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/cortes-643x1024.jpg 643w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/cortes-768x1223.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/cortes.jpg 942w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Die "Mémoires de Cortés" (2025) des Experten für die Anthropologie Mesoamerikas Christian Duverger präsentieren sich als eine fiktive, aber auf historischen Quellen basierende Autobiografie, geschrieben in Form eines langen Briefes von Hernán Cortés an seinen ältesten Sohn Martín im Jahr 1543. Cortés reflektiert am Ende seines Lebens und möchte seinem Sohn erklären, woher er kommt. Der Text ist eine introspektive Analyse des Lebens und der Entscheidungen von Cortés. Abschließend beleuchten die "Mémoires" Cortés' innere Zerrissenheit und seine literarische Selbsterfindung. Er versuchte, seine doppelte Lebensführung – politisches Kalkül (Heirat mit Juana de Zúñiga) versus Liebe zu Marina und dem Mestizaje-Projekt – zu vereinen. ]]></description>
		
		
		
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		<title>Zolas Erbe Bourdieu: Lars Thorben Henk</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/17/zolas-erbe-bourdieu-lars-thorben-henk/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 11:26:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Emile Zola]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="202" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/zola-vor-bourdieu-henk-202x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/zola-vor-bourdieu-henk-202x300.jpeg 202w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/zola-vor-bourdieu-henk.jpeg 504w" sizes="auto, (max-width: 202px) 100vw, 202px" />Lars Thorben Henk, Zola vor Bourdieu: eine Studie zur Protosoziologie in Émile Zolas «Les Rougon-Macquart» (1871–1893), Mimesis 125 (Berlin; Boston: de Gruyter, 2025). Die Rekonstruktion einer impliziten Soziologie Die Dissertation Zola vor Bourdieu von Lars Thorben Henk, erschienen in der Reihe Mimesis: romanische Literaturen der Welt, liefert eine literaturwissenschaftliche Neulektüre von Émile Zolas Arbeiterroman-Trilogie, indem ... <p class="read-more-container"><a title="Zolas Erbe Bourdieu: Lars Thorben Henk" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/10/17/zolas-erbe-bourdieu-lars-thorben-henk/#more-10087" aria-label="Mehr Informationen über Zolas Erbe Bourdieu: Lars Thorben Henk">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Frauenmord als Denkstruktur: Ivan Jablonka</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/17/frauenmord-als-denkstruktur-ivan-jablonka/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 08:14:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
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		<category><![CDATA[Ivan Jablonka]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Ivan Jablonka, La culture du féminicide: histoire d’une structure de pensée (Traverse, 2025). Systemisches Phänomen: sexuelle Gewalt, Verstümmelung und Tötung Ivan Jablonkas La culture du féminicide: histoire d’une structure de pensée (2025) präsentiert eine literaturwissenschaftliche und soziohistorische Analyse, die die kulturelle Zentralität des sexualisierten Frauenmordes in der westlichen Zivilisation freilegt. Jablonka, bekannt für seine Werke ... <p class="read-more-container"><a title="Frauenmord als Denkstruktur: Ivan Jablonka" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/10/17/frauenmord-als-denkstruktur-ivan-jablonka/#more-10089" aria-label="Mehr Informationen über Frauenmord als Denkstruktur: Ivan Jablonka">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Die zerlegte Republik und ein Wal-Skelett: Aurélien Bellanger</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/14/die-zerlegte-republik-und-ein-wal-skelett-aurelien-bellanger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Oct 2025 22:30:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Aurélien Bellanger]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="180" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71FjkuEHSL-180x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71FjkuEHSL-180x300.jpg 180w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71FjkuEHSL-614x1024.jpg 614w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71FjkuEHSL-768x1280.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71FjkuEHSL-921x1536.jpg 921w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71FjkuEHSL-1229x2048.jpg 1229w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71FjkuEHSL.jpg 1417w" sizes="auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px" />Im Jahr 2023 verbringt der Erzähler seine Zeit damit, Höhlen in der französischen Provinz zu erforschen, die Knochen eines an der Normandieküste verendeten Wals zu sammeln und an den Pariser Protesten gegen die Rentenreform teilzunehmen. Aurélien Bellangers „Grottes, baleine, révolution“ (2025) entwirft ein poetologisch-politisches Triptychon der Moderne, in dem Höhlen, Walfischknochen und Revolutionsversuche zu Denkfiguren einer historischen Reflexion werden. Das Buch verwandelt das kartographische Projekt früherer Werke in eine Topographie des Unterirdischen: „Grottes“ stehen für das Bewusstsein als geologischen Raum, „baleine“ für den Tod als Naturprozess, „révolution“ für die erschöpfte Idee kollektiver Erneuerung. Aus der Vermischung von autobiographischer Erfahrung, geologischer Empirie und mythischer Symbolik entsteht eine Poetik des Grabens – das Denken als Sedimentation, das Schreiben als Erdarbeit. Bellanger macht aus dem Erzählen eine Form des Wissens, in der Materie, Erinnerung und Geschichte ineinandergreifen, und formuliert so eine Moderne, in der Erkenntnis nicht Erleuchtung, sondern Verdunkelung bedeutet. – Im Verhältnis zu Bellangers „Le vingtième siècle“ und „Les Derniers Jours du Parti socialiste“ erscheint das neue Buch als Umkehrung und Verkörperung ihres intellektuellen Systems. Während die Revolution dort als ideologische oder archivische Spur behandelt wurde – einmal als technokratischer Verdachtsbegriff des Staates, einmal als rhetorische Hülse der erlahmten Linken –, wird sie hier zum tektonischen, fast tellurischen Ereignis, zur Naturkraft der Geschichte. Bellanger führt die benjaminische Idee des „Eingedenkens“ aus der Bibliothek ins Erdreich zurück: Das Denken steigt hinab in das Dunkel der Materie, um das Vergessene zu retten. Die Revolution und der tote Wal werden zu Relikten des Realen, zu Fossilien des Politischen, die nur noch im Schreiben bewegt werden können.]]></description>
		
		
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		<title>Rückkehr in die École normale supérieure: Éliette Abécassis</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/13/rueckkehr-in-die-ecole-normale-superieure-eliette-abecassis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Oct 2025 10:13:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Eliette Abécassis]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782080474445-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782080474445-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782080474445.jpg 293w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Éliette Abécassis, selbst normalienne und agrégée der Philosophie, kehrt in 45 rue d’Ulm (Flammarion, 2025) im Rahmen der intimen literarischen Buchreihe „Retour chez soi“ in ihre ehemalige Studentenbude (thurne) der École normale supérieure (ENS) zurück. Das Buch ist ihr erstes autobiografisches Werk in der ersten Person und verdichtet die Erfahrung einer Nacht und eines Tages ... <p class="read-more-container"><a title="Rückkehr in die École normale supérieure: Éliette Abécassis" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/10/13/rueckkehr-in-die-ecole-normale-superieure-eliette-abecassis/#more-10037" aria-label="Mehr Informationen über Rückkehr in die École normale supérieure: Éliette Abécassis">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Geschlecht, Macht und Computerspiel: Pauline Gonthier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/12/geschlecht-macht-und-computerspiel-pauline-gonthier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Oct 2025 10:29:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Pauline Gonthier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="197" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71BzDsQ4MML._UF10001000_QL80_-197x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71BzDsQ4MML._UF10001000_QL80_-197x300.jpg 197w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71BzDsQ4MML._UF10001000_QL80_.jpg 658w" sizes="auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px" />Polis, Maskulinismus und politischer Opportunismus Pauline Gonthiers&#160;Parthenia&#160;ist ein seltenes Beispiel zeitgenössischer Literatur, das Soziologie des Digitalen, Geschlechtersemiotik und politische Psychologie in eine ästhetische Form bringt, die zugleich analytisch und poetisch ist. Der Roman beschreibt parabelartig eine Zeit, in der Sprache selbst zu Code wird und Geschlecht zu Interface. In diesem Sinn ist Parthenia nicht nur ... <p class="read-more-container"><a title="Geschlecht, Macht und Computerspiel: Pauline Gonthier" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/10/12/geschlecht-macht-und-computerspiel-pauline-gonthier/#more-10020" aria-label="Mehr Informationen über Geschlecht, Macht und Computerspiel: Pauline Gonthier">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Ambivalenz der jüdischen Assimilation: Philip Roth und Marc Weitzmann</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/09/ambivalenz-der-juedischen-assimilation-philip-roth-und-marc-weitzmann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Oct 2025 08:17:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Weitzmann]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/712tFZBoWTL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/712tFZBoWTL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/712tFZBoWTL._UF10001000_QL80_.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Marc Weitzmann, La part sauvage: le monde de Philip Roth et le chaos américain. Retour sur vingt ans d&#8217;amitié. Grasset, 2025. Philip Roth und die Zerbrechlichkeit der amerikanischen Demokratie Marc Weitzmanns La part sauvage ist eine Hommage an den verstorbenen Schriftsteller Philip Roth; es ist aber auch eine literarische Untersuchung, die das Werk, das Leben ... <p class="read-more-container"><a title="Ambivalenz der jüdischen Assimilation: Philip Roth und Marc Weitzmann" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/10/09/ambivalenz-der-juedischen-assimilation-philip-roth-und-marc-weitzmann/#more-9994" aria-label="Mehr Informationen über Ambivalenz der jüdischen Assimilation: Philip Roth und Marc Weitzmann">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Das Französische als Selbst-Dekolonisierung: Kamel Daoud</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/08/das-franzoesische-als-selbst-dekolonisierung-kamel-daoud/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Oct 2025 20:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Kamel Daoud]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="214" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71CXBgyqI7L-214x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71CXBgyqI7L-214x300.jpg 214w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71CXBgyqI7L-731x1024.jpg 731w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71CXBgyqI7L-768x1076.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71CXBgyqI7L-1097x1536.jpg 1097w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71CXBgyqI7L-1462x2048.jpg 1462w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71CXBgyqI7L.jpg 1828w" sizes="auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px" />Die Verleihung des Prix Goncourt im Jahr 2024 für seinen Roman Houris führte zu heftigen Angriffen gegen Kamel Daoud. Der Autor schreibt, dass dieser Preis die Wiederbelebung des Verräter-Stereotyps mit „beispielloser Gewalt“ („violence inouïe“) in der islamistisch-konservativen Presse zur Folge hatte. Die Presse verwendete sogar die unvollkommene Homonymie seines Namens (Daoud) mit dem des mythischen ... <p class="read-more-container"><a title="Das Französische als Selbst-Dekolonisierung: Kamel Daoud" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/10/08/das-franzoesische-als-selbst-dekolonisierung-kamel-daoud/#more-9988" aria-label="Mehr Informationen über Das Französische als Selbst-Dekolonisierung: Kamel Daoud">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Dominique Fourcade: Dichten nach dem 7. Oktober 2023</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/07/dominique-fourcade-dichten-nach-dem-7-oktober-2023/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2025 13:30:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Dominique Fourcade]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/a-va-bien-dans-la-pluie-glacee-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/a-va-bien-dans-la-pluie-glacee-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/a-va-bien-dans-la-pluie-glacee.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In "Ça va bien dans la pluie glacée ?" (P.O.L., 2024) reagiert Dominique Fourcade literarisch auf den Nahostkonflikt, indem er die moralische Ohnmacht des Schreibenden zum ästhetischen Prinzip erhebt. Er verwandelt Scham, Fremdheit und Sprachskepsis in eine Poetik der Delikatesse und der Verantwortung. Durch fragmentierte Syntax, intertextuelle Ethik und Bildmotivik (Mauer, Javelot, Regen) wird der Konflikt nicht erklärt, sondern „durchlitten“ – als Erfahrung der Grenze, an der Sprache selbst zum Akt des Widerstands wird.]]></description>
		
		
		
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		<title>Soziologie als Serienmord: Raphaël Quenard</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/06/soziologie-als-serienmord-raphael-quenard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2025 14:31:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Raphaël Quenard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/quenard-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/quenard-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/quenard-658x1024.jpg 658w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/quenard-768x1195.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/quenard.jpg 797w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Der namenlose Erzähler von Raphaël Quenards Roman "Clamser à Tataouine", ein "jeune marginal" und "joyeux sociopathe", beschließt nach einem gescheiterten Suizidversuch in Paris, sich an der Gesellschaft zu rächen, indem er stellvertretende weibliche Figuren aller sozialen Schichten aufspürt und tötet, um ihr die Rechnung für seine Niederlage zu präsentieren. Er schreibt diese "épopée macabre" als Memoiren in Tataouine bei der 82-jährigen Liliane nieder, wird jedoch am Ende von Liliane und Albane (Hortense, der Tochter seines ersten Opfers Marthe) durch eine perfekt inszenierte Rache getötet. Die vom Monster beschriebene französische Gesellschaft ist eine Ansammlung mehr oder weniger unvollkommener Wesen, deren Schichten durch Entfremdung gekennzeichnet sind, sei es durch die existenzielle Not der Armen oder den materiellen Überfluss und die Zwänge der Selbstinszenierung der Reichen. Die Gesellschaft wird als korrupt und verlogen dargestellt, da ihre Mitglieder unablässig Schein und Lüge (Jargon, Statistiken, "bagage culturel de façade") benutzen, um ihren "chaos intérieur" zu verbergen. Folglich ist diese "juxtaposition d’êtres aussi imparfaits" aus Sicht des Erzählers zum Scheitern verurteilt, und er empfindet die symbolische Auslöschung ihrer Repräsentanten als eine notwendige und logische Konsequenz. Raphaël Quenards "Clamser à Tataouine" erscheint als ein düsterer, postmoderner "Reigen", in dem das erotische Spiel der Klassen, das bei Arthur Schnitzler noch soziale Masken entlarvt, in einen Kreislauf von Hass, Gewalt, moralischer Leere und schwarzem Humor umschlägt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Selbstporträt mit Sancho Panza: Lydie Salvayre</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/04/selbstportraet-mit-sancho-panza-lydie-salvayre/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Oct 2025 11:18:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Lydie Salvayre]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Autoportrait-a-l-encre-noire-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Autoportrait-a-l-encre-noire-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Autoportrait-a-l-encre-noire.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />In Lydie Salvayres "Autoportrait à l’encre noire" (2025) zieht die Autorin, obwohl sie die egozentrische Form verachtet, eine schonungslose Bilanz ihres Lebens und Schaffens. Das Werk erzählt ihren Kampf gegen die tief sitzende Scham, die aus der Armut der Kindheit und dem Sprachtrauma des "Fragnol"-Dialekts ihrer spanischen Flüchtlingseltern resultiert. Strukturell wird die Erzählung durch den satirischen Dialog mit ihrer Nachbarin Albane, einer enthusiastischen Verfechterin der marktgängigen New Romance-Literatur mit ihren Forderungen polemisch zugespitzt. Zentral für die Erzählerin ist die Verarbeitung der väterlichen Tyrannei. Salvayre legt die intellektuellen Grundlagen ihres Schreibens offen – genährt durch Quevedo, Rabelais, La Boétie und vor allem den "Don Quijote" – und manifestiert eine Haltung der Unbeugsamkeit, indem sie sich der vollständigen Offenlegung verweigert und am Ende wünscht, als "schelmischer Wind" in Erinnerung zu bleiben. - Der Kern von Salvayres Poetologie, der im Autoportrait umfassend dargelegt wird, ist mit Marina Zwetajewa ein radikaler Kunstanspruch: Eine Kreation, die nicht "gefährlich" ist, verdiene in keinem Fall, Schöpfung genannt zu werden, da die Mittelmäßigkeit ungefährlicher sei als wahre Exzellenz. Sie verteidigt die Ästhetik der Kürze, des Aufblitzens und der "voltairesschen Geschwindigkeit" gegenüber der "klebrigen Weitschweifigkeit" und der "Aufgeblasenheit" der Trivialliteratur. Ihr unverwechselbarer Stil entsteht dabei durch die "liebevolle Kriegsführung" zwischen dem barocken Exzess (Quevedo) und der asketischen Reinheit der klassischen Sprache, wobei sie sich bemüht, den "klassischen Karpfen" mit dem "barocken Kaninchen" zu vermählen. Die Erzählerin sublimiert ihre Wut in "spekulative Wutanfälle", die sich in beißenden, zornigen Sätzen gegen soziale Heuchelei und den Zwang zur Positivität richten. Sie betrachtet Literatur als einen "schweigenden politischen Akt", der stets die Freiheit des Geistes verteidigt und sich jeder Form der "freiwilligen Knechtschaft" entzieht.]]></description>
		
		
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		<title>Fragmente eines Werks: Roland Barthes Handbuch von Angela Oster</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/28/fragmente-eines-werks-roland-barthes-handbuch-von-angela-oster/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Sep 2025 20:47:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
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		<category><![CDATA[Roland Barthes]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="210" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-210x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-210x300.jpg 210w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-718x1024.jpg 718w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-768x1096.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-1076x1536.jpg 1076w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-1435x2048.jpg 1435w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL.jpg 1794w" sizes="auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px" />Barthes-Handbuch: Leben – Werk – Wirkung, hrsg. von Angela Oster, Metzler, 2025. Dritte Form des Schreibens Roland Barthes’ Position konsolidierte sich erst im Laufe der Zeit. Im 21. Jahrhundert ist dieser Rang unumstritten, aber die Universitäten der Gegenwart und ihre Geistes- und Kulturwissenschaften sind nicht mehr die der 1960er und 1970er Jahre. Durch die radikale ... <p class="read-more-container"><a title="Fragmente eines Werks: Roland Barthes Handbuch von Angela Oster" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/09/28/fragmente-eines-werks-roland-barthes-handbuch-von-angela-oster/#more-9873" aria-label="Mehr Informationen über Fragmente eines Werks: Roland Barthes Handbuch von Angela Oster">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Vom Prix Goncourt zur Bibliothèque de Babel: Mohamed Mbougar Sarr</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/27/vom-prix-goncourt-zur-bibliotheque-de-babel-mohamed-mbougar-sarr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Sep 2025 11:26:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="197" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-197x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-197x300.jpg 197w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-671x1024.jpg 671w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-768x1171.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-1007x1536.jpg 1007w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-1343x2048.jpg 1343w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-scaled.jpg 1678w" sizes="auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px" />Sarah Burnautzki, Abdoulaye Imorou und Cornelia Ruhe, Hrsg. Le Labyrinthe littéraire de Mohamed Mbougar Sarr. Francopolyphonies 36. Leiden; Boston: Brill, 2024. Eine zirkuläre Route Mohamed Mbougar Sarr gilt als literarische Sensation. Bereits als junger Autor greift er mit intellektueller Reife und stilistischer Brillanz Themen von weltliterarischem Rang auf. Sein Schreiben verbindet die Erfahrung senegalesischer Herkunft ... <p class="read-more-container"><a title="Vom Prix Goncourt zur Bibliothèque de Babel: Mohamed Mbougar Sarr" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/09/27/vom-prix-goncourt-zur-bibliotheque-de-babel-mohamed-mbougar-sarr/#more-9862" aria-label="Mehr Informationen über Vom Prix Goncourt zur Bibliothèque de Babel: Mohamed Mbougar Sarr">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Shoalzheimer: Raphaël Sigal</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/24/shoalzheimer-raphael-sigal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 06:34:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Raphaël Sigal]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/Geographie-de-l-oubli-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/Geographie-de-l-oubli-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/Geographie-de-l-oubli.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Raphaël Sigals Roman "Géographie de l’oubli" (2025, Prix Méduse) kreist um das Schweigen und Vergessen der Großmutter, die zwischen Shoah-Trauma und Alzheimer-Erkrankung doppelt entzogen ist. Der Erzähler erbt nur Bruchstücke – Satzfetzen, Gesten, Objekte – und versucht daraus ein Buch zu machen, das die Leerstelle nicht verrät, sondern sichtbar macht. Statt dokumentarischer Recherche entscheidet er sich für ein poetisches Verfahren, das auf Fragmentierung, Wiederholung und Schweigen beruht. Der Neologismus "Shoalzheimer" bündelt das aktive, überlebensnotwendige Vergessen der Shoah mit dem passiven, zerstörerischen Vergessen der Krankheit. Das Buch versteht sich als "Ricercar à x + 1 voix": eine musikalische Suche nach den verlorenen Stimmen der Vorfahren (x) und der eigenen Stimme des Enkels (+1), deren Polyphonie sich zu einer brüchigen, fast unlesbaren Partitur verschränkt. So entsteht ein vielstimmiger, von Leere und Erinnerung durchdrungener Text, der die Grenzen von Zeugnis, Fiktion und literarischer Form neu auslotet.]]></description>
		
		
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		<title>Die andere Seite, ohne Ressentiment: Paul Gasnier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/22/die-andere-seite-ohne-ressentiment-paul-gasnier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 20:46:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Gasnier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/81z9OCa2Y9L._UF8941000_QL80_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/81z9OCa2Y9L._UF8941000_QL80_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/81z9OCa2Y9L._UF8941000_QL80_.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Paul Gasniers "La collision" (2025, Auswahllisten für den Prix Goncourt und den Prix Roman Fnac) verwandelt eine private Tragödie – den Tod der eigenen Mutter bei einem Straßenrennen in Lyon – in eine literarische Untersuchung, die Autofiktion, Reportage und Essay verbindet. Der Unfall erscheint nicht als isoliertes Unglück, sondern als emblematische Kollision zweier Frankreich: hier die weltoffene, intellektuelle, privilegierte Mutter, dort der jugendliche Täter Saïd, geprägt von Armut, Gruppendruck und der Gewaltkultur der „Pentes“. Gasnier spürt akribisch Gerichtsakten, Zeugenaussagen und Biografien nach und zeigt, wie tief sich gesellschaftliche Bruchlinien in den Stadtraum eingeschrieben haben. Das Buch rückt so die Kollision zweier Lebensentwürfe ins Zentrum – und damit die Frage, wie eine Gesellschaft ihre eigenen Spaltungen hervorbringt. Der Aufsatz hebt hervor, dass Gasnier sich weigert, seine Wut in Ressentiment zu übersetzen oder den Fall populistisch vereinnahmen zu lassen. Statt Schuldzuweisung setzt er auf Verstehen der Hintergründe, lässt Stimmen aus Saïds Umfeld zu Wort kommen und reflektiert zugleich über Medien, Justiz und die Versuchungen politischer Instrumentalisierung. Intertextuelle Bezüge – von Valéry über Despentes bis zu den Yoga-Schriften der Mutter – rahmen eine Haltung, die Trauer nicht in Rache, sondern in Erkenntnis verwandeln will. "La collision" wird so zur literarischen Geste gegen Vereinfachung und Ressentiment – und zum Versuch, die Gewalt unserer Gegenwart in ihrer Komplexität zu sehen.]]></description>
		
		
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		<title>Tod der Sonne: Nathan Devers</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/21/tod-der-sonne-nathan-devers/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Sep 2025 17:53:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Nathan Devers]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/surchauffe-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/surchauffe-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/surchauffe-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/surchauffe-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/surchauffe-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/surchauffe.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Nathan Devers’ Roman "Surchauffe" (2025) entfaltet ein düsteres Panorama der Überlastung: Die Protagonistin Jade Elmire-Fasquin, eine Managerin am Rande des Burnouts, gerät zwischen korrupte Machtspiele, eine toxische Ehe und ihre eigene Sehnsucht nach einem „absoluten Anderswo“. Die Handlung zieht sich spiralförmig von privater Erschöpfung über globale Machtkonflikte bis zur kosmischen Dimension, in der die Überhitzung von Körper, Gesellschaft und Universum zusammenfällt. Metaphern wie Sonne, Feuer, Spirale und Insel verweben persönliche Zerrüttung mit ökologischer, politischer und kultureller Selbstzerstörung. Am Ende kulminiert Jades Versuch, der Spirale zu entkommen, im Völkermord an den Sentinelles – eine bittere Pointe, die zeigt, dass auch das „Andere“ nicht unberührt bleibt. Der Aufsatz betont eingangs, dass Devers den „Tod der Sonne“ als kosmische Gewissheit an den Anfang setzt, um die Fragilität jeder Moral zu entlarven. Die Überhitzungsmetaphorik verschränkt intime, soziale und planetarische Krisen zu einer Poetik der Apokalypse, in der Moral und Engagement als flüchtige, oft narzisstische Gesten entlarvt werden. Besonders hervorgehoben wird das Ende: Jade profitiert von ihrer tragischen Tat, die Gewalt wird ökonomisch verwertet, und die Insel verwandelt sich in ein „neues Babylon“. Die Rezension liest "Surchauffe" als Diagnose einer Welt, die nicht mehr abkühlt, sondern sich in ihrer eigenen Spirale der Überhitzung verzehrt.]]></description>
		
		
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		<title>Algerienkrieg, Orestie, Film noir: Serge Raffy</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/18/algerienkrieg-orestie-film-noir-serge-raffy/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Sep 2025 14:17:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Serge Raffy]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/Raffy-188x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/Raffy-188x300.png 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/Raffy-643x1024.png 643w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/Raffy.png 666w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Serge Raffys "L'odeur de la sardine" (Fayard, 2025) ist ein hybrides Werk, das sich an der Schnittstelle von Kriminalroman, historiographischer Fiktion und politischer Allegorie bewegt. Der rätselhafte Mord am ehemaligen Polizeichef Charles Bayard in Paris entpuppt sich als Katalysator für eine tiefgreifende Reise in die unheilbaren Wunden des Algerienkrieges. Raffy nutzt eine Poetik des "mentir vrai", um die verdrängten Traumata und die "dunkle Seite des Gaullismus" freizulegen. Der titelgebende "widerliche Geruch der Sardine" wird dabei zum durchdringenden Symbol der unentrinnbaren Kriegsschuld und des Posttraumas, das Bayard und die ganze Nation zeitlebens verfolgt. Die Figurenkonstellation – von der wahrheitssuchenden Jeanne Obadia über den Journalisten mit Schreibblockade Rochas bis zum ambivalenten Ermittler Sarda – reflektiert unterschiedliche Positionen im Diskurs über Erinnerung und Schuld. Im Kern ist "L'odeur de la sardine" ein moderner Algerienroman und kann als Nachspiel zur antiken "Orestie" gelesen werden, in dem die Suche nach Gerechtigkeit und Sühne die "mauvaise conscience française" offenbart. Raffy beleuchtet das transgenerationale Schweigen und die "leeren Gräber" als Metaphern für eine systematisch verdrängte Vergangenheit. Raffy verzichtet auf eine einfache Auflösung des Kriminalfalls und der historischen Schuld. Stattdessen inszeniert er eine vielstimmige, filmisch geprägte Erzählung, die von Film-noir-Ästhetik und der Fragmentierung der Erinnerung geprägt ist. So bleibt der Algerienkrieg als "ungelöster Fall" bestehen, dessen "Geruch" in den Seelen und Köpfen über dem Mittelmeer schwebt und eine Versöhnung fordert, die noch aussteht.]]></description>
		
		
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		<title>Die unauffindbare Medaille: Laurent Mauvignier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/14/die-unauffindbare-medaille-laurent-mauvignier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Sep 2025 12:24:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Emile Zola]]></category>
		<category><![CDATA[Laurent Mauvignier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="220" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/livre_galerie_9782707356741-220x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/livre_galerie_9782707356741-220x300.jpg 220w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/livre_galerie_9782707356741.jpg 477w" sizes="auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px" />Laurent Mauvigniers monumentaler Roman "La maison vide" (2025) ist seine Familiensaga und eine Archäologie des Schweigens. Ausgangspunkt ist eine Kommode voller Relikte – Fotos mit ausgeschnittenen Gesichtern, verschwundene Briefe, eine unauffindbare Medaille. Aus diesen Lücken rekonstruiert der Erzähler fünf Generationen seit napoleonischer Zeit, voller Kriege, Scham, Mythen und verschwiegener Traumata. Der Aufsatz zeigt, dass Mauvignier Erfindung nicht als Lüge, sondern als einzige poetologische Möglichkeit begreift, Vergangenheit vor dem Verschwinden zu retten. Familienmythen werden demontiert, verdrängte Geschichten – besonders die von Frauen wie Marguerite – wieder hörbar gemacht. "La maison vide" erweist sich als Metaroman, der zugleich intime Familiengeschichte, kritische Reflexion über Erinnerungspolitik, poetologisches Manifest und Summa des eigenen Werks ist.]]></description>
		
		
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		<title>Überwachen und Erschöpfen: Guillaume Poix nach Michel Foucault</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/11/ueberwachen-und-erschoepfen-guillaume-poix-nach-michel-foucault/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Sep 2025 10:38:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Guillaume Poix]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/perpetuite-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/perpetuite-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/perpetuite-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/perpetuite-768x1125.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/perpetuite-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/perpetuite-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/perpetuite.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Guillaume Poix' Roman "Perpétuité" (2025, Auswahlliste für den Prix Goncourt) erweitert den Begriff der lebenslangen Haft über das Strafrecht hinaus zu einer existenziellen Dauer, die nicht nur Insassen, sondern auch das Gefängnispersonal erfasst, gefangen in einem System aus Routine, Traumata und unentrinnbarer Zeit. Der Aufseher Pierre hört das metallische "clac" des Tors in Albträumen. Der alte Pförtner Abraham verbringt seine Nachtwachen gefangen in Erinnerungen an die Vergewaltigung seiner Tochter durch Ex-Häftlinge, wobei Vergangenheit und Gegenwart in einer quälenden Endlosschleife verschmelzen. Selbst Gefängnisleiterin Bianca Mariani, obwohl eine "Kriegerin" gegen die Überbelegung, ist durch den Suizidversuch ihrer Tochter und die manipulative Konfrontation mit dem Serienmörder Duquesne zutiefst verletzlich. Das Gefängnis, das der Roman als ein überlastetes und dysfunktionales System zeigt, in dem Überwachung zu einem Kaleidoskop individueller Erschöpfung und institutionellen Zerfalls führt, wird in der Aufsatzargumentation als Gesellschaftsdiagnose gedeutet, die es als Brennspiegel einer überlasteten und strukturell ungerechten Spätmoderne darstellt. Dabei wird insbesondere herausgearbeitet, wie Poix Michel Foucaults Konzeption der Disziplinargesellschaft aktualisiert und überwindet, indem er Figuren wie die psychisch zerrütteten Aufseherinnen Houda und Maëva, oder die von Schuldgefühlen geplagte Stellvertreterin Émilie Lavorel in den Mittelpunkt rückt, die alle zeigen, wie das Personal selbst zu Objekten der Macht wird. Der Roman zeigt das Gefängnis somit nicht als Modell disziplinierender Macht, sondern als Symbol für gesellschaftlichen Zerfall, die Unfähigkeit zur Resozialisierung und die teilprivatisierte Verwaltung von Leid, welche alle Beteiligten in einer „Perpétuité“ gefangen hält.]]></description>
		
		
		
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		<title>Invasive Pflanzen und drittes Geschlecht: Caroline Lamarche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Sep 2025 22:11:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Caroline Lamarche]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Caroline Lamarches Roman "Le bel obscur" (2025, Auswahlliste für den Prix Goncourt) ist eine Erkundung von Liebe, Erinnerung und Geschlechteridentitäten, in der eine Erzählerin nach dem Zerbrechen ihrer Ehe ihre eigene Identität und genealogische Vergangenheit ergründet. Der zentrale Titel „Le bel obscur“ ist eng mit dem verborgenen, queeren Leben ihres Vorfahren Edmond verbunden, dessen Auslöschung aus dem Stammbaum die Unterdrückung seiner irritierende Zwischenstellung repräsentiert. Der Roman dekonstruiert binäre Geschlechterordnungen, indem er Liebe als fluides, unsichtbares Band neu definiert, wobei die Erzählerin die Notwendigkeit des „Dritten“ gegenüber der exklusiven Zweierkonstellation auch für sich selbst als Ehefrau eines homosexuellen Mannes betont. In seiner hybriden Form aus Roman, Essay und Traumprosa transformiert "Le bel obscur" persönliches Leid in eine universelle poetische Erfahrung, die die Fragilität menschlicher Beziehungen, die Unsichtbarkeit bestimmter Identitäten und die schöpferische Kraft des Erzählens bekräftigt.]]></description>
		
		
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		<title>Stille nach dem Sturm: Cécile Guilbert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Sep 2025 08:37:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2017]]></category>
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		<category><![CDATA[Cécile Guilbert]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9782246814832-001-X-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9782246814832-001-X-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9782246814832-001-X-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9782246814832-001-X-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9782246814832-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Cécile Guilbert hat sich in früheren Werken wie dem Roman "Les Républicains" (2017) und der Chroniksammlung "Roue libre" (2020) als scharfsinnige Diagnostikerin des politischen, intellektuellen und stilistischen Niedergangs Frankreichs und der Gesellschaft etabliert. Ihr jüngstes Buch "Feux sacrés" (2025) stellt jedoch eine bemerkenswerte Verschiebung dar, indem es sich einer autobiografischen und spirituellen Selbstreflexion zuwendet, die durch persönliche Verluste und die Suche nach Sinn in indischer Philosophie ausgelöst wird. Dieser Aufsatz untersucht, wie diese Hinwendung zu einer "radikalen Innerlichkeit" in "Feux sacrés" nicht als Resignation, sondern als eine fortgesetzte, wenn auch andersartige Form des Widerstands gegen die diagnostizierten Dekadenzerscheinungen der modernen Welt verstanden werden kann.]]></description>
		
		
		
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		<title>1968 &#8211; das Ende der Utopie und der Beginn des Selbst: Bernard Pellegrin und Maren Sell</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Sep 2025 13:31:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Bernard Pellegrin]]></category>
		<category><![CDATA[Maren Sell]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="226" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/sellpellerin-300x226.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/sellpellerin-300x226.png 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/sellpellerin-1024x771.png 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/sellpellerin-768x578.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/sellpellerin.png 1122w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Bernard Pellegrins Roman "Printemps fragile" (2025) und Maren Sells memoirenartige Erzählung "Tout est là" (2025) inszenieren je eine persönliche Geschichtsschreibung von 1968, die grundlegend unterschiedliche Interpretationen des "Mai 68" zutage fördert: Pellegrins "Printemps fragile" ist ein fiktionales Werk, das die Lebenswege mehrerer Charaktere über ein halbes Jahrhundert hinweg verfolgt und 1968 als einen kollektiven, aber schließlich desillusionierenden Aufbruch zeichnet. Demgegenüber interpretiert Maren Sell, deutsche Journalistin, Schriftstellerin und Verlegerin, die seit den 1960er Jahren in Paris lebt, die Zeit nach 1968 als eine persönliche Befreiung von der Last des deutschen Schweigens über den Holocaust und eine Abkehr von der "revolutionären Hysterie" des Terrorismus.]]></description>
		
		
		
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		<title>Hinter der Maske: David Thomas</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/08/hinter-der-maske-david-thomas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Sep 2025 09:34:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[David Thomas]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71GPexJjMBL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71GPexJjMBL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71GPexJjMBL._SL1500_-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71GPexJjMBL._SL1500_-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71GPexJjMBL._SL1500_.jpg 1025w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />David Thomas’ "Un frère" (2025, Auswahlliste prix Goncourt) stellt sich einer doppelten Herausforderung: einerseits erzählt der Autor vom Leben und Sterben seines Bruders Édouard, der vier Jahrzehnte an Schizophrenie litt; andererseits reflektiert er zugleich die Schwierigkeit, über psychische Krankheit literarisch zu schreiben, ohne das Subjekt auf seine Diagnose zu reduzieren. Wie kann ein fiktionaler oder literarisch verarbeiteter Text der Erfahrung psychischer Krankheit gerecht werden? Wie lassen sich Leid, Fremdheit und die fragmentierte Wahrnehmung, die Schizophrenie mit sich bringt, in narrative Formen übersetzen, ohne voyeuristisch oder vereinfachend zu wirken?]]></description>
		
		
		
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		<title>Brand, Meer, Sandkorn, Stein: Antoine Wauters</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/04/brand-meer-sandkorn-stein-antoine-wauters/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Sep 2025 04:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Antoine Wauters]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/wauters-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/wauters-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/wauters.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Antoine Wauters’ Roman "Haute-Folie" (Gallimard, 2025) erzählt die Geschichte von Josef, der in eine bäuerliche Familie voller Brüche, Schweigen und Tragödien hineingeboren wird und sein Leben lang gegen die unsichtbaren Lasten seiner Herkunft kämpft. Ausgangspunkt ist ein verheerender Brand, der Hof und Tiere zerstört und eine Kette von Verlusten, Verrat und Tod auslöst, die schließlich in Gewalt, Selbstmord und Schuld mündet. Josef wächst im Schatten dieser Katastrophen auf, zwischen stummen Erwachsenen, zerstörerischen Wiederholungen und dem Zwang, die verdrängte Familiengeschichte mit sich zu tragen – womit sich die Frage verbindet, ob das Aufschreiben eine Form von Befreiung oder eine Wiederholung des Schmerzes darstellt. Wauters’ Prosa arbeitet dabei immer wieder mit lyrisch verdichteten Passagen, die Erinnerungen, Stimmen und Orte ineinanderfließen lassen und die Erfahrung von Verrücktheit (folie) als poetische wie existentielle Grenzerfahrung erfahrbar machen.
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		<title>Welt im Taumel: Emmanuel Carrère</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/03/welt-im-taumel-emmanuel-carrere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Sep 2025 22:09:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Emmanuel Carrère]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71E-nf8ZSdL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71E-nf8ZSdL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71E-nf8ZSdL._UF10001000_QL80_.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Emmanuel Carrères "Kolkhoze" (P.O.L., 2025) ist ein Familien- und Geschichtsepos, das sich über vier Generationen erstreckt. Es verbindet die russisch-georgischen Wurzeln des Autors mit seiner französischen Identität und stellt persönliche Schicksale in den Kontext großer politischer Umbrüche: von stalinistischer Gewalt und Kollaboration im Zweiten Weltkrieg bis zum Angriffskrieg gegen die Ukraine. Carrère verwebt autobiographische Reflexion, Genealogie, politische Philosophie und Geschichtsschreibung, wobei er die Spannung zwischen Erinnern und Verschweigen, Wahrheitssuche und Mythos, privater Intimität und historischer Katastrophe zum literarischen Verfahren erhebt. - Im Zentrum steht die Metapher der Kolchose – historisch Symbol für stalinistische Zwangskollektivierung, im Roman aber zugleich Bild für die Familie als Kollektiv, in dem Wahrheit, Identität und individuelle Freiheit unter kollektive Narrative von Herkunft und Geschichte gedrängt werden. So wird die Familiengeschichte, insbesondere das Schweigen um den kollaborierenden Großvater von Carrère, zum Spiegel für die Mechanismen von Verdrängung und Uchronie in totalitären Systemen. - Die Interpretation arbeitet heraus, wie Carrère die sowjetische Praxis der Geschichtsverfälschung und das Fortleben solcher Mechanismen in Putins Russland thematisiert. Der Roman bindet die Realität des Ukrainekriegs direkt ein und zeigt, dass die Auseinandersetzung mit der sowjetischen Vergangenheit heute militärisch wie symbolisch fortgeführt wird. Carrère schildert Putins Regime als „gigantische Dystopie“, in der die Propaganda eine perverse Umkehrung der Realität betreibt. Damit verbindet sich auch ein Bruch mit der Nachsicht gegenüber seiner Mutter, Hélène Carrère d’Encausse, die lange glaubte, Putin sei brutal, aber rational: Der Roman insistiert auf einer klaren moralischen Position, die Aggression und Imperialismus als solche benennt. Schließlich betont der Aufsatz, dass "Kolkhoze" über die Familienchronik hinaus ein Buch über die Fragilität europäischer Identität ist. Frankreich wird als Gegenpol eingeführt – Ort offizieller Ehrung und Integration –, während Georgien durch Carrères Cousine Salomé als Hoffnung auf Selbstbestimmung gegen imperiale Ansprüche erscheint. "Kolkhoze" ist eine doppelte Erkundung: genealogisch und politisch, intim und historisch, ein Plädoyer für die Suche nach Wahrheit und moralischer Klarheit im Angesicht einer von Mythen und Gewalt geprägten Vergangenheit.]]></description>
		
		
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		<title>Koloniale Schatten Indochinas und eine entzweite Familie: Adrien Genoudet</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/03/koloniale-schatten-indochinas-und-eine-entzweite-familie-adrien-genoudet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Sep 2025 12:17:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Adrien Genoudet]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/genoudet-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/genoudet-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/genoudet-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/genoudet-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/genoudet-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/genoudet-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/genoudet.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Adrien Genoudets Roman "Nancy-Saïgon“ (Seuil, 2025) beginnt mit der Entdeckung eines traditionellen indochinesischen Gewandes und eines Kartons voller Briefe, die nach der Einäscherung seiner Großmutter Simone Sanzach die Verbindung zwischen Nancy und Saïgon offenbaren. Der Erzähler taucht in die Korrespondenz seiner Großeltern, Simone und des Offiziers Paul Sanzach, ein, die ein „jeu de dupes“ voller Lügen und Ungesagtem enthüllt und durch die rätselhafte Figur Tilleul, dessen Rolle Verlangen und Verbrechen verknüpft, noch komplexer wird. Diese Suche deckt eine tief gespaltene Familiengeschichte auf, geprägt von Pauls moralischem Verfall und Simones zunehmender Einsamkeit, sowie der tragischen Marginalisierung ihrer Tochter Édithe, die als „la fille de trop“ missverstanden und abgelehnt wird. Hiermit entfaltet Genoudet eine vielschichtige Interpretation kolonialer Vergangenheit und persönlicher Traumata, im Verlauf dessen der Erzähler die verborgenen Wahrheiten seiner Familie entschlüsselt und das Gewicht des Schweigens und der Geschichte beleuchtet.]]></description>
		
		
		
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		<title>Silikonimplantat und Kriegsprothese: Arno Bertina</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/01/silikonimplantat-und-kriegsprothese-arno-bertina/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Sep 2025 05:57:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Arno Bertina]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-1398x2048.jpg 1398w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087.jpg 1653w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Arno Bertinas Roman "Des obus, des fesses et des prothèses" ("Granaten, Hintern und Prothesen", éd. Verticales, 2025) entwirft ein ebenso groteskes wie aufschlussreiches Panorama menschlichen Leidens und Überlebens an einem unwahrscheinlichen Ort: einem luxuriösen Hotelpalast in Gammarth, unweit von Tunis, angesiedelt ein bis zwei Jahre nach dem Sturz Ben Alis und inmitten des libyschen Bürgerkriegs. Auf der einen Seite beherbergt das Hotel schwer verstümmelte Männer, Überlebende des brutalen Libyen-Krieges, deren Körper von Granaten und Kugeln gezeichnet sind. Auf der anderen Seite finden sich Frauen ein, die sich ästhetischen Operationen unterzogen haben und nun, von Verbänden und Hämatomen gezeichnet, ihre Genesung abwarten. Diese beiden Gruppen, deren Körper auf unterschiedliche Weisen „beschädigt“ oder „modifiziert“ wurden, begegnen sich am Rande eines stillgelegten Swimmingpools, was eine Atmosphäre des Unbehagens, der Absurdität und einer stillen Konfrontation schafft, die über die gesamte Erzählung hinweg schwebt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Partnerschaft und Gewalt im Roman: Nathacha Appanah</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/29/partnerschaft-und-gewalt-im-roman-nathacha-appanah/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Aug 2025 08:02:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Nathacha Appanah]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782073080028_1_75-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782073080028_1_75-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782073080028_1_75.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Titel "La nuit au cœur" (2025) des neuen Romans von Nathacha Appanah spiegelt die zentralen Themen: Gewalt, Angst, Isolation, Trauma, aber auch Widerstand und die Suche nach Sinn und Erinnerung. Die Struktur des Romans gliedert sich in fünf Teile, die zwischen der persönlichen, autofiktionalen Erzählung der Autorin und den rekonstruierten Schicksalen von Emma und Chahinez wechseln, wobei eine "imaginäre Kammer" als Ort der Begegnung und Reflexion dient. Der Roman dekonstruiert Feminizide nicht als isolierte Vorfälle, sondern als Ausdruck eines tief verwurzelten patriarchalen Systems, das sich über Kulturen und Zeiten erstreckt. Der Roman kritisiert scharf die patriarchalen Gesellschaften, insbesondere in Algerien und auf Mauritius, wo Frauen mit Scheidung stigmatisiert werden und ihre Autonomie eingeschränkt ist. Die parallele Erzählung der drei Frauen – einer Überlebenden und zwei Opfern – unterstreicht die universelle Gefahr, der Frauen ausgesetzt sind, und die erschreckende Ähnlichkeit der Täterprofile und Gewaltmuster (Kontrolle, Eifersucht, Isolation, physische und psychische Misshandlung).]]></description>
		
		
		
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		<title>Was wirklich neu war in Literatur, Malerei und Musik: Jacques Rivière</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/26/was-wirklich-neu-war-in-literatur-malerei-und-musik-jacques-riviere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Aug 2025 14:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rimbaud]]></category>
		<category><![CDATA[Jacques Rivière]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="200" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782382926437-200x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782382926437-200x300.jpg 200w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782382926437-683x1024.jpg 683w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782382926437-768x1152.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782382926437.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" />Anlässlich seines hundertsten Todestages wird Jacques Rivière in die Sammlung Bouquins aufgenommen, mit einem Band, der sein Werk als Schriftsteller, Kritiker und Essayist beleuchtet, herausgegeben von Robert Kopp in Zusammenarbeit mit Ariane Charton, mit Vorwort von Jean-Yves Tadié. Jacques Rivière (1886–1925), oft als ein „Kritiker von Genie“ beschrieben, der „durch andere lebte“, war eine zentrale ... <p class="read-more-container"><a title="Was wirklich neu war in Literatur, Malerei und Musik: Jacques Rivière" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/08/26/was-wirklich-neu-war-in-literatur-malerei-und-musik-jacques-riviere/#more-9430" aria-label="Mehr Informationen über Was wirklich neu war in Literatur, Malerei und Musik: Jacques Rivière">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Roman choral eines Tals im Périgord: Renaud de Chaumaray</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/26/roman-choral-eines-tals-im-perigord-renaud-de-chaumaray/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Aug 2025 05:12:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Renaud de Chaumaray]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="204" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Quitter-204x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Quitter-204x300.png 204w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Quitter.png 322w" sizes="auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px" />Renaud de Chaumarays Roman "Quitter la vallée" (Gallimard, 2025) fügt sich in eine Tradition ein, die man im Französischen „roman choral“ oder als „polyphonen Realismus“ bezeichnen könnte: ein literarisches Projekt, das mehrere Stimmen, Lebensläufe und Perspektiven miteinander verschränkt, um daraus ein überindividuelles Bild einer Region, eines Milieus oder einer Epoche zu gewinnen. Mitten im Périgord, genauer in der Vallée de la Vézère, entfaltet Chaumaray drei zunächst voneinander unabhängige Erzählstränge, die sich allmählich berühren, verschränken und überlagern. Der Roman evoziert Landschaft, Geschichte und Gewalt, Erinnerung, Liebe und Flucht, sodass er nicht allein als Ensemble von Einzelschicksalen gelesen werden kann, sondern als eine Art Fresko, in dem sich individuelle Existenz und kollektive Erfahrung untrennbar verbinden.]]></description>
		
		
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		<title>Jetzt werden wir Marokko machen: Gilbert Sinoué</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/24/jetzt-werden-wir-marokko-machen-gilbert-sinoue/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Aug 2025 10:50:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Gilbert Sinoué]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/sinoue-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/sinoue-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/sinoue-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/sinoue-768x1125.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/sinoue.jpeg 827w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Gilbert Sinoués "Au couchant, l’espérance" (Gallimard, 2025) inszeniert die Entstehung nationaler Unabhängigkeit als Spiegel und Gegenfolie eines individuellen Freiheitskampfs. Der Roman koppelt die politische Befreiung Marokkos an die innere Rekonstruktion seines Protagonisten Hussein Chaoui: Was sich politisch am 16. November 1955 mit der Rückkehr des Sultans Mohammed V und am Ende mit der Unabhängigkeit erfüllt, erscheint erzählstrategisch als späte Antwort auf eine biografische Kette von Verlusten, Verwundungen und Sprachlosigkeiten. Der Roman verschränkt zwei Semantiken der Erlösung: nationale Souveränität und personale Entlastung aus Trauma und Schuld. Die Poetik des Romans besteht darin, diese beiden Linien nicht zu harmonisieren, sondern sie als spannungsvolle Parallelbewegung zu montieren, die von Diskontinuitäten, asymmetrischen Zeiterfahrungen und gebrochener Kommunikation gezeichnet ist.]]></description>
		
		
		
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		<title>Rückkehr nach Athen: Laurent Gaudé</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/23/rueckkehr-nach-athen-laurent-gaude/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 14:21:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Laurent Gaudé]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="159" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1-159x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1-159x300.jpg 159w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1-543x1024.jpg 543w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1-768x1448.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1-815x1536.jpg 815w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1.jpg 955w" sizes="auto, (max-width: 159px) 100vw, 159px" />Laurent Gaudés „Zem“ (Actes Sud, 2025), die direkte Fortsetzung zu „Chien 51“ (2022), führt in die dystopische Megalopolis Magnapole zurück, wo das globale GoldTex-Konsortium die radikale soziale Spaltung zwischen den Zonen 1, 2 und 3 verschärft, und erzählt die Wandlung des desillusionierten Ex-Polizisten Zem Sparak. Dieser Band enthüllt die Existenz einer „Zone 4“ in Kreta, die auf Ausbeutung und Sucht beruht, und verdeutlicht, wie globale Konzerne angesichts globaler Klimaprobleme ganze Nationen zur Rohstoffgewinnung und menschlichen Ressource degradieren. Diese Besprechung analysiert, wie Gaudé mit seiner analytisch kühlen und liturgisch verdichteten Sprache universelle Fragen nach Erinnerung, moralischer Integrität und individueller Handlungsmacht in einer konzern-dominierten Welt verhandelt, während Zems Rückkehr nach Athen seine persönliche Suche nach Identität und Widerstand gegen das Vergessen symbolisiert.]]></description>
		
		
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		<title>Ambivalenz der Sensibilität: Éric Fottorino</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/22/ambivalenz-der-sensibilitaet-eric-fottorino/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Aug 2025 05:37:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Fottorino]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/71nIQNaYiyL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/71nIQNaYiyL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/71nIQNaYiyL-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/71nIQNaYiyL-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/71nIQNaYiyL.jpg 827w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Éric Fottorinos Roman "Des gens sensibles" ist ein Werk der Erinnerung, aber nicht im Sinne nostalgischer Rückschau, sondern als poetische Erforschung einer existenziellen Kategorie. Sensibilität ist im Roman doppelgesichtig: Sie bedeutet Offenheit, eine übersteigerte Empfänglichkeit für Schönheit, Wahrheit, Mitgefühl – zugleich aber macht sie verletzlich, exponiert, bedroht von der Gewalt der Geschichte, der Härte des Literaturbetriebs und der eigenen Selbstzerstörung. Fottorino stellt diese Ambivalenz im Dreiecksverhältnis zwischen Fosco, Clara und Saïd exemplarisch dar. Der Erzähler Jean Foscolani, genannt Fosco, blickt aus zeitlicher Distanz auf seine ersten Jahre in der Pariser Literaturszene der frühen 1990er zurück. Dabei, wird er von der Presseagentin Clara entdeckt und protegiert. Gleichzeitig tritt er in eine intensive Freundschaft mit Saïd, einem algerischen Schriftsteller, der in Frankreich im Exil lebt und zugleich von den Schatten des Bürgerkriegs verfolgt wird. Drei Figuren – drei Modi der Sensibilität: Clara als exzentrische Vermittlerin, die alles für die Literatur gibt; Saïd als politisch Verfolgter, der die Literatur als Zeugenschaft versteht; Fosco als junger Autor, der zwischen Faszination und Unsicherheit seine Stimme sucht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Afrikanischer Klassizismus: alternative Geschichtlichkeit bei David Diop</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/18/afrikanischer-klassizismus-alternative-geschichtlichkeit-bei-david-diop/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Aug 2025 11:25:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[David Diop]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782260057307-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782260057307-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782260057307-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782260057307-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782260057307.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />David Diop gehört seit seinem preisgekrönten Roman "Frère d’âme" (2018) zu den wichtigsten Stimmen der franko-senegalesischen Literatur. In "Où s’adosse le ciel" (2025) führt er eine poetische und zugleich historiographische Suche fort, die bereits in seinen früheren Büchern sichtbar wurde: das Bestreben, afrikanische Geschichte jenseits kolonialer Narrative zu rekonstruieren. Das Neue an diesem Roman ist, dass er die Verbindungslinien nicht nur zwischen Kolonialzeit und Gegenwart zieht, sondern zwischen einer mythischen Vergangenheit – dem Ägypten der Ptolemäer – und dem Senegal des 19. Jahrhunderts. Der Roman entwirft eine alternative Geschichtlichkeit, die nicht auf Schrift, Monument oder Archiv basiert, sondern auf mündlicher Überlieferung und Erinnerung.]]></description>
		
		
		
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		<title>Apologie einer Wiederentdeckung: Célines verschollene Manuskripte und Véronique Chovin</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/14/apologie-einer-wiederentdeckung-celines-verschollene-manuskripte-und-veronique-chovin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Aug 2025 09:32:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Louis-Ferdinand Céline]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="191" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/D23736-191x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/D23736-191x300.jpg 191w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/D23736-653x1024.jpg 653w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/D23736-768x1204.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/D23736-980x1536.jpg 980w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/D23736-1307x2048.jpg 1307w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/D23736.jpg 1394w" sizes="auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px" />Lucettes Erbe Die literaturwissenschaftliche Forschung zum Werk Louis-Ferdinand Célines erfuhr jüngst eine signifikante Erweiterung durch eine Reihe unerwarteter Entdeckungen. Im Zentrum dieser „wundersamen Wiederauferstehung“ steht die Gestalt Véronique Chovins, deren persönliche Erzählung sich auf untrennbare Weise mit der des „verfluchten“ Schriftstellers und seiner Witwe, Lucette Almansor, verbindet. Chovin, die in den 1970er Jahren als Siebzehnjährige ... <p class="read-more-container"><a title="Apologie einer Wiederentdeckung: Célines verschollene Manuskripte und Véronique Chovin" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/08/14/apologie-einer-wiederentdeckung-celines-verschollene-manuskripte-und-veronique-chovin/#more-9100" aria-label="Mehr Informationen über Apologie einer Wiederentdeckung: Célines verschollene Manuskripte und Véronique Chovin">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Kunst als Pharmakon: Schmerzpoetik bei Rose Vidal</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/07/kunst-als-pharmakon-schmerzpoetik-bei-rose-vidal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Aug 2025 11:25:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Rose Vidal]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/vidal-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/vidal-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/vidal-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/vidal-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/vidal-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/vidal-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/vidal.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Rose Vidals Roman "Drama doll" (2025) eröffnet die neue Buchreihe "Aventures" von Yannick Haenel bei Gallimard und stellt Schmerz ins Zentrum einer Erzählung, die nicht als linearer Bericht funktioniert, sondern als vielstimmige Montage: Gespräche, medizinische Details, Erinnerungen, mythische Analogien, kunsthistorische Referenzen. Schmerz erscheint hier nicht nur als Thema, sondern als formbestimmendes Prinzip. Die Erzählbewegung ist durchzogen von Pausen, Abschweifungen, Wiederholungen – Strukturen, die dem Rhythmus chronischer Schmerzen ähneln: sie kehren wieder, sie lassen sich nicht abschließen, sie modulieren Intensität und Wahrnehmung. Im Zentrum der Handlung stehen Emmanuelles jahrelange chronische Schmerzen, verursacht durch eine fehlgeschlagene Epiduralanästhesie während der Geburt ihrer Zwillingssöhne in Kalifornien, bei der einer der Zwillinge, Clément, verstarb. Diese traumatische Erfahrung führt Emmanuelle in eine Morphiumabhängigkeit, die sie über zwei Jahrzehnte begleitet. Die Erzählerin verbindet Emmanuelles Geschichte mit eigenen Erfahrungen, insbesondere ihrer chronischen Kälteempfindlichkeit, die sie als eine Form des Leidens begreift. ]]></description>
		
		
		
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		<title>Sarah Kofman und die französisch-jüdische Literatur: Esra Akkaya</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/07/sarah-kofman-und-die-franzoesisch-juedische-literatur-esra-akkaya/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Aug 2025 03:51:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Sarah Kofman]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="203" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Kofman-1-203x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Kofman-1-203x300.jpg 203w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Kofman-1-695x1024.jpg 695w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Kofman-1.jpg 738w" sizes="auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px" />Esra Akkaya, Sarah Kofmans literarisches Werk:&#160;Frankreichs verdrängte Gedächtnisse.&#160;Berlin: De Gruyter, 2025.&#160; Leben und Werk Sarah Kofman (1934–1994) war eine der französischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts – Philosophin, Literaturwissenschaftlerin, Nietzsche-Interpretin und Shoah-Überlebende. Geboren in Paris in eine jüdisch-orthodoxe Familie, erlebte sie als Kind die Verhaftung ihres Vaters durch die französische Polizei während der Razzia im Juli ... <p class="read-more-container"><a title="Sarah Kofman und die französisch-jüdische Literatur: Esra Akkaya" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/08/07/sarah-kofman-und-die-franzoesisch-juedische-literatur-esra-akkaya/#more-8725" aria-label="Mehr Informationen über Sarah Kofman und die französisch-jüdische Literatur: Esra Akkaya">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Schöne Lüge: Philippe Mezescaze</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/05/schoene-luege-philippe-mezescaze/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Aug 2025 17:06:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Mezescaze]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-768x1126.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-1048x1536.jpg 1048w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-1397x2048.jpg 1397w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Philippe Mezescazes scheinbar autofiktionaler Roman "Mercurio" (Mercure de France, 2025) ist eine Meditation über Erinnerung, Begehren, Freundschaft und die Unmöglichkeit, die Wahrheit eines Menschen festzuhalten, als mentir vrai, als bella menzogna. Erzählt wird die Geschichte einer langjährigen Dreierbeziehung zwischen dem Ich-Erzähler, seinem Lebenspartner Almano und dem titelgebenden Mercurio, einer ebenso charismatischen wie widersprüchlichen Figur. Der Roman beginnt mit Mercurios plötzlicher Wiederkehr nach Jahren der Abwesenheit, gefolgt von einer vagen Andeutung einer schweren Krankheit. Doch was als dokumentarischer Erzählbericht beginnt, entfaltet sich rasch zu einem vielschichtigen poetischen Text, der mit Fiktion und Erinnerung, Mythos und Lüge spielt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Kindheit als Bühne, Theater als Heilung: Axel Auriant</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/03/kindheit-als-buehne-theater-als-heilung-axel-auriant/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Aug 2025 06:34:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Auriant]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/61klfp4BVbL._UF10001000_QL80_-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/61klfp4BVbL._UF10001000_QL80_-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/61klfp4BVbL._UF10001000_QL80_.jpg 628w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Axel Auriants Roman "Rue de la Gaîté" (2025) verfolgt die Entwicklung eines jungen Mannes namens Baptiste, der in der Welt des Theaters nicht nur eine berufliche Bestimmung, sondern vor allem ein Vehikel zur Bewältigung seiner Kindheitstraumata und zur Neubewertung seines Ichs findet. Der Roman verwebt die inneren Kämpfe des Protagonisten mit den äußeren Erfahrungen im Cours Florent und im Théâtre Montparnasse.]]></description>
		
		
		
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		<title>Aus Lügen sprudelt die Wahrheit hervor: Adrien Bosc</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/01/aus-luegen-sprudelt-die-wahrheit-hervor-adrien-bosc/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Aug 2025 03:57:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Adrien Bosc]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Bosc-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Bosc-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Bosc-643x1024.jpg 643w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Bosc-768x1223.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Bosc-964x1536.jpg 964w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Bosc-1286x2048.jpg 1286w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Bosc.jpg 1607w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Adrien Boscs Roman "L'invention de Tristan" (2025) ist eine Erkundung der Grenzen zwischen Fakt und Fiktion in der literarischen Biografik, verpackt in die Form eines modernen Detektivromans. Der Roman erzählt die Geschichte des fiktiven amerikanischen Journalisten Zachary Crane, der nach Paris fliegt, um ein Porträt des rätselhaften und tragisch verstorbenen amerikanischen Schriftstellers Tristan Egolf zu verfassen. Was als journalistische Recherche beginnt, entwickelt sich zu einer metatextuellen Reise, auf der Zachary Egolfs Leben – von seiner Ablehnung durch amerikanische Verleger über seine wundersame Entdeckung in Paris bis zu seinem frühen Tod – rekonstruiert.]]></description>
		
		
		
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		<title>Schuld, Scham, Freiheit: Marie-Ève Lacasse</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/31/schuld-scham-freiheit-marie-eve-lacasse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Jul 2025 05:52:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Marie-Ève Lacasse]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/158318_couverture_Hres_0-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/158318_couverture_Hres_0-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/158318_couverture_Hres_0-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/158318_couverture_Hres_0-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/158318_couverture_Hres_0-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/158318_couverture_Hres_0.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Marie-Ève Lacasses Roman "La vie des gens libres" (Seuil, 2025) ist ein so stilles wie hochkomplexes Erzählwerk über das Nachleben der Schuld, die Erfahrung von Stigmatisierung und das Ringen um ein neues Selbstbild. Im Zentrum stehen zwei Frauen, Clémence Thévenin – vormals Clémence Robert, Ärztin, Straftäterin, Häftling – und Laura Rolin, alleinerziehende Mutter, Medizinerin im prekären Übergang. Beide verbindet weder biografisch noch sozial ein direkter Kontakt, und doch legt Lacasse durch subtile narrative Parallelführung und symbolische Spiegelungen eine Art doppelter Frauenbiografie vor, die sich zu einer kollektiven Reflexion über die Möglichkeit weiblicher Freiheit verdichtet. Der Roman ist vieles zugleich: ein gesellschaftskritischer Text über Klassenverhältnisse, ein psychologisches Kammerspiel über Schuld und Einsamkeit, ein poetisches Mosaik aus inneren Monologen und konkreten Beobachtungen. In seiner politischen Tiefenstruktur lässt sich "La vie des gens libres" auch als kritische Untersuchung des französischen Justiz- und Gesundheitssystems lesen. Dabei treten Fragen nach sozialer Teilhabe, nach Solidarität unter Frauen und nach der symbolischen Ordnung von Reinheit und Makel ins Zentrum. Was bedeutet es, „frei“ zu sein – und wer gehört zur „vie des gens libres“?]]></description>
		
		
		
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		<title>Vergil und der erste Mäzen zwischen Politik und Poesie: Pascale Roze</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/28/der-erste-maezen-zwischen-politik-und-poesie-pascale-roze/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Jul 2025 10:19:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Pascale Roze]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/81hhtCk2lgL._UF10001000_QL80_-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/81hhtCk2lgL._UF10001000_QL80_-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/81hhtCk2lgL._UF10001000_QL80_.jpg 628w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Pascale Rozes Roman "Le roman de Mécène" (2025) ist eine Auseinandersetzung mit der Antike als lebendiger Quelle, der Rolle der Kunst in der Gesellschaft und der komplexen Persönlichkeit Mécènes. Der Text bricht bewusst mit konventionellen Erzählstrukturen und verwebt Gelehrsamkeit mit persönlicher Reflexion, um ein Bild des Mäzenatentums und seiner Zeit zu zeichnen. Als Freund Kaiser Augusts und Förderer von Dichtern wie Vergil, Horaz und Properz wurde Maecenas zum Namensgeber des Mäzenatentums. Mécène wird als komplexer Charakter dargestellt: ein etruskischer Ritter, Dichter, Dandy und zugleich ein von Ängsten geplagter Mann, der in einer Zeit gewaltsamer Umbrüche lebt und dennoch die Liebe zur Kunst und den Wunsch nach Frieden in sich trägt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Hommage erweisen: Julien Perez</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/20/hommage-erweisen-thesen-zu-julien-perez/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Jul 2025 07:15:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Julien Perez]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Julien Perez’ Roman "Hommages" (P.O.L, 2025) ist ein auf den ersten Blick fragmentarisches, in Wahrheit aber äußerst konsistentes Werk, das aus einer Vielzahl von Stimmen besteht – Briefe, Reden, Erinnerungen, Innenschauen –, die sich allesamt auf die in den Bergen verschwundene (mutmaßlich verstorbene) Künstlerfigur Gobain Machín beziehen. Der Leser erfährt nichts direkt aus dessen Perspektive, sondern erhält Informationen ausschließlich über die Erinnerungen von Angehörigen, Freunden, Mitstreitern, Kritikerinnen und Familienmitgliedern. Die literarische Konstruktion bedient sich der rhetorischen Form des Nachrufs – daher der Titel Hommages –, um über das Leben, die Persönlichkeit und das Werk eines fiktiven Künstlers zu sprechen, der offenbar nicht zuletzt durch seine Ambivalenzen so stark nachwirkt. - Was wie ein kollektives Erinnerungsprojekt erscheint, ist zugleich ein poetologisch raffiniertes Vexierspiel über Wahrheit und Fiktion, Nähe und Distanz, über das Ich und den Anderen. Die Vielzahl der Stimmen verschmilzt zu einem Chor, der sich weniger durch faktische Konsistenz als vielmehr durch emotionale und metaphorische Verdichtungen auszeichnet. Die Erzählung entsteht dabei durch Differenz: Aus dem Nebeneinander von Widersprüchen, sich überlagernden Perspektiven, Leerstellen und Brüchen ergibt sich ein Bild von Gobain – und zugleich ein poetologisches Selbstporträt des Romans.]]></description>
		
		
		
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		<title>Gegen die Empathiemode: Dominique Rabaté</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/20/gegen-die-empathiemode-dominique-rabate/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Jul 2025 06:30:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/127715_3dcbdba3c2e752eed195c588b328c33c.png-195x300.webp" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/127715_3dcbdba3c2e752eed195c588b328c33c.png-195x300.webp 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/127715_3dcbdba3c2e752eed195c588b328c33c.png.webp 508w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Der Pariser Literaturwissenschaftler Dominique Rabaté, durch zahlreiche Arbeiten zur französischen Gegenwartsliteratur ausgewiesen, bietet mit Limites de l&#8217;empathie eine kritische Auseinandersetzung mit der heutigen, oft unreflektierten Verherrlichung von Empathie und Identifikation. Rabaté, selbst als Professor auch Lehrender an der Universität, stellte fest, dass seine Studenten Identifikation häufig als die primäre Qualität eines Textes ansehen und sogar ... <p class="read-more-container"><a title="Gegen die Empathiemode: Dominique Rabaté" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/07/20/gegen-die-empathiemode-dominique-rabate/#more-8349" aria-label="Mehr Informationen über Gegen die Empathiemode: Dominique Rabaté">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetiken der Kindheit: Clothilde Salelles, Nos insomnies (2025)</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/16/poetiken-der-kindheit-clothilde-salelles-nos-insomnies-2025/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Jul 2025 06:25:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Clothilde Salelles]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="221" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/a19c5a690781a03c72d48752f617809a0508fb74383c55a11d28628591a6909f-221x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/a19c5a690781a03c72d48752f617809a0508fb74383c55a11d28628591a6909f-221x300.jpg 221w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/a19c5a690781a03c72d48752f617809a0508fb74383c55a11d28628591a6909f.jpg 350w" sizes="auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px" />Der Roman "Nos insomnies" (2025) erzählt die Geschichte einer namenlosen Ich-Erzählerin, die Ende der 1990er Jahre in einem ländlichen Vorort aufwächst. Das zentrale und streng gehütete Familiengeheimnis ist die chronische Schlaflosigkeit, die „wie ein böser Zauber“ von einem Familienmitglied zum nächsten gleitet. Die Protagonistin ist eine aufmerksame Beobachterin, die ihren Vater, seine mysteriöse Arbeit im Labor und seine Reaktionen auf die Außenwelt (insbesondere Lärm und die Bedrohung durch die sich ausbreitende „Lotissement“-Bebauung) mit Argwohn und Misstrauen betrachtet. Sie führt „sehr ernsthafte Ermittlungen“ durch, um die unausgesprochenen Wahrheiten zu entschlüsseln, empfindet dabei aber Neid auf die „Probleme“ ihrer Freundin Julie, die benennbar sind und ihrer Existenz eine „Konsistenz“ verleihen. Sommerurlaube auf einem Campingplatz bieten eine temporäre Auszeit von der heimischen Beklemmung; hier scheint der Vater aufzublühen, und die Insomnie tritt in den Hintergrund, auch wenn der Sommer schließlich selbst von ihr „kontaminiert“ wird.]]></description>
		
		
		
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		<title>Sohn der Toten: Asya Djoulaït</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/15/sohn-der-toten-asya-djoulait/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jul 2025 18:35:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Asya Djoulaït]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/611fvXIOGUL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/611fvXIOGUL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/611fvXIOGUL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/611fvXIOGUL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/611fvXIOGUL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/611fvXIOGUL.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Roman "Ibn" erzählt die erschütternde Geschichte des fünfzehnjährigen Issa, dessen Welt zusammenbricht, als seine Mutter Leïla während des Nachmittagsgebets stirbt. Die fünf täglichen Gebete – Fajr, Dhuhr, ’Asr, Maghrib und ’Icha – strukturieren dabei nicht nur die Zeit, sondern spiegeln auch Issas emotionale Odyssee wider und markieren die zunehmende Verzweiflung und Entschlossenheit des Protagonisten. Getrieben von seiner Trauer und der Ablehnung, seine Mutter (nach dem Tod seines Vaters) erneut in die Hände fremder Bestattungsrituale zu geben, unternimmt Issa den mutigen, aber aussichtslosen Versuch, die Bestattungsrituale selbst zu inszenieren. Er plant, für seine Mutter ein persönliches Mausoleum zu bauen und die rituelle Waschung sowie die Totengebete eigenhändig durchzuführen, selbst wenn er dabei gegen traditionelle Normen verstößt. Diese eigenmächtigen Handlungen stehen im starken Kontrast zu den Erwartungen und der Sorge seiner Mutter Leïla, die sich stets bemüht hatte, ihm ein Ankommen und eine stabile Position in Frankreich zu ermöglichen, sei es durch Bildung, die bewusste Wahl des Wohnorts in Montreuil, um Ghettobildung zu vermeiden, oder die Teilnahme an der Koran-Schule, um ihn in der muslimischen Gemeinschaft zu verankern und zu verhindern, dass er sich „verloren“ fühlt. Issa navigiert dabei zwischen religiösen Regeln, persönlichen Überzeugungen und der harten Realität des Todes, der ihn mit seiner eigenen Identität als "Sohn der Toten" konfrontiert.]]></description>
		
		
		
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		<title>Umzäunte Gärten: Karim Kattan</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/13/umzaeunte-gaerten-karim-kattan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Jul 2025 12:55:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Karim Kattan]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="197" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/hortus-197x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/hortus-197x300.jpg 197w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/hortus-673x1024.jpg 673w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/hortus-768x1168.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/hortus.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px" />Karim Kattans Gedichtband "Hortus conclusus" ist eine poetische Erkundung des Gartens als Ort der Erinnerung, des Begehrens und der kolonialen Überformung. Zwischen Bethlehem und Babylon, Knossos und Glastonbury entfaltet sich eine dichte Topographie aus mythischen und geopolitisch aufgeladenen Motiven. Der titelgebende „eingeschlossene Garten“ – ein reales Kloster in Artas bei Bethlehem – wird zum verdichteten Bild eines poetischen Raums, in dem sich Schönheit und Ausschluss, Heilung und Trauma überlagern. Die Gedichte sind durchzogen von lyrischer Sinnlichkeit und historischer Schwere; sie sprechen von Checkpoints, Körpern, Märtyrerinnen, Hexen und Göttern, und sie kreisen immer wieder um die Frage: Wo ist ein Ort, an dem man atmen, lieben, überleben darf? Zentral ist dabei das wiederkehrende Bild des Tals der Rosen – Wadi al-Ward, einer historischen Landschaft nahe Jerusalem, in der einst Frauen Rosen pflückten, um daraus Konfitüre zu machen. In Kattans Lyrik wird dieses Tal zur verschwundenen Utopie, zum versunkenen Gedächtnisraum und zugleich zur poetischen Chiffre für eine andere Palästina-Erzählung: nicht als bloßer Ort der Gewalt, sondern als Garten der möglichen Rückkehr, der sanften Magie und der widerständigen Zärtlichkeit. "Hortus conclusus" ist so ein Buch der Durchlässigkeit – zwischen Erde und Mythos, zwischen Sarha (dem ziellosen Umhergehen) und Verwurzelung –, das sich der gängigen Opferästhetik verweigert und stattdessen ein palästinensisches Imaginarium von großer Dichte schafft.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das verletzte Recht: Nelly Alard</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/11/das-verletzte-recht-nelly-alard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Jul 2025 13:25:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Nelly Alard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/alard-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/alard-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/alard-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/alard-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/alard.jpg 1025w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Nelly Alards Roman "La manif" (Gallimard, 2025), inspiriert von realen Ereignissen, beleuchtet die verheerenden Auswirkungen staatlicher Gewalt und institutioneller Ungerechtigkeit auf eine Familie. Alards Erzählweise ist dezentral, vielstimmig, von intimer Nähe zu den Figuren geprägt. Es ist eine Poetik der Verlangsamung und des psychologischen Tiefenblicks, die der juristischen wie politischen Verhärtung die Weichheit der Subjektivität entgegensetzt. Die Kapitel springen zwischen Angehörigen, erzeugen eine zersplitterte, aber kohärente Erzählung familiären Schmerzes. Der Roman zeigt, wie politisches Unrecht sich in privaten Biografien einnistet, wie der Körper des Opfers (Romain) zum stummen Archiv einer gesellschaftlichen Verwerfung wird. In dieser Vielstimmigkeit liegt das ethisch-ästhetische Engagement des Textes: Er schreibt sich nicht auf die Seite einer simplen Anklage, sondern erzeugt – durch genaue Recherchen, detailreiche medizinische und juristische Szenen sowie psychologisch glaubwürdige Innenwelten – ein literarisches Verfahren der Wahrheitsproduktion. "La Manif" ist kein Traktat, sondern ein Verfahren: Literatur als Anhörung, als Untersuchung, als Prozessform, die Gerechtigkeit als offene, noch zu erreichende Größe behandelt. [Ein Beitrag in der Rubrik "Recht schaffen".]]]></description>
		
		
		
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		<title>Er ist es, der mich hält: Simon Chevrier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/10/er-ist-es-der-mich-haelt-simon-chevrier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Jul 2025 00:41:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Chevrier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="186" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/chevrier-186x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/chevrier-186x300.jpg 186w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/chevrier.jpg 306w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" />"Photo sur demande" (Stock, 2025) von Simon Chevrier ist ein autofiktionaler Roman, der das Leben eines jungen Mannes über ein Jahr hinweg beleuchtet. Der Roman wurde mit dem Prix Goncourt du Premier Roman 2025 ausgezeichnet, war auch Finalist für andere Preise. Das Buch zeichnet die prekäre Lebenswelt eines jungen Mannes nach, der zwischen abgebrochenen Studien, Escort-Diensten und einer belastenden familiären Situation taumelt. Diese Existenz mündet in eine tiefe persönliche Krise, ausgelöst durch den fortschreitenden Krankheitsverlauf und Tod seines Vaters während der COVID-Pandemie, was eine intensive Sinnsuche und eine fast obsessive Auseinandersetzung mit der "gelöschten" Geschichte eines Mannes auf einer Fotografie auslöst.]]></description>
		
		
		
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		<title>Reise und Revolution: Che Guevara bei Désérable und Femen bei de Villeneuve</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Jul 2025 13:09:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Camille de Villeneuve]]></category>
		<category><![CDATA[François-Henri Désérable]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="217" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-300x217.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-300x217.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-1024x741.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-768x556.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable.jpg 1047w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />François-Henri Désérables "Chagrin d'un chant inachevé" und Camille de Villeneuves "Lis Lénine !" (beide Gallimard, 2025) verbindet auf den ersten Blick wenig: der eine ein Reisebericht auf den Spuren Che Guevaras in Südamerika, getragen von literarischem Witz und romantischem Abenteuergeist; der andere ein schonungsloses Kriegs- und Körperdrama aus der Gegenwart, ein apokalyptisches Panoptikum von Aktivismus, Kunst, Trauma und Krieg im Osten Europas. Beide Romane beschäftigen sich mit zentralen Themen wie Freiheit, politischen Utopien und dem Scheitern von Revolutionen, die sie jedoch in sehr unterschiedlichen Kontexten entfalten. In beiden Texten steht das Reisen im Zentrum, verstanden als existenzielle Grenzerfahrung: François-Henri Désérables Erzähler folgt den Spuren des jungen Ernesto Guevara, noch bevor dieser zur Revolutionsikone wurde, und erkundet dabei die ambivalente Beziehung zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlichen Zwängen. Camille de Villeneuve wiederum erzählt von einer Reise zurück in den Krieg, in der persönliche Freiheit zur Illusion gerät und die politische Ideologie, hier in Form von feministischer Militanz und sowjetischen Mythen, als zerstörerische Kraft erscheint.]]></description>
		
		
		
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		<title>Transformationen der Verwandlung: Kafka und Leclair</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/05/transformationen-der-verwandlung-kafka-und-leclair/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Jul 2025 08:05:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Bertrand Leclair]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="158" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/leclair-158x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/leclair-158x300.jpg 158w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/leclair-539x1024.jpg 539w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/leclair.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 158px) 100vw, 158px" />Bertrand Leclairs Buch "Transformations" ist eine grundlegende Auseinandersetzung mit Franz Kafkas Erzählung "Die Verwandlung", die durch die persönlichen Erfahrungen des Autors mit der psychischen Krise seiner Tochter R. und dem Umgang seiner Familie damit gefiltert wird. Leclair verschmilzt autobiografische Reflexionen mit literaturwissenschaftlicher Analyse und bietet eine vielschichtige Interpretation von Kafkas Werk und seiner Relevanz für das Verständnis familiärer Dynamiken.]]></description>
		
		
		
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		<title>Neuer Raum, neuer Mensch: Agnès Riva</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/03/neuer-raum-neuer-mensch-agnes-riva/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Jul 2025 09:40:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Agnès Riva]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="221" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-221x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-221x300.jpeg 221w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-755x1024.jpeg 755w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-768x1042.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-1132x1536.jpeg 1132w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-1510x2048.jpeg 1510w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px" />Welche Spannung entsteht zwischen visionären Entwürfen und der komplexen urbanen Realität? Agnès Rivas jüngstes Buch, „Un autre ailleurs“ (2025), widmet sich der Entstehungsgeschichte von Neu-Créteil im Jahr 1973 und fokussiert dabei auf die Perspektive des 23-jährigen „Animateurs“ Gilles. Er ist anfangs zutiefst fasziniert von der Modernität und dem revolutionären Potenzial Créteils, das für ihn „gerade aus dem Boden entsteht“ und eine „nagelneue Landschaft, Inkarnation der Zukunft“ ist, in der „alles möglich schien, einschließlich eines neuen Lebens“. Agnès Riva versteht die Stadt Créteil als „Erinnerungs- und Imaginationsraum“ sowie „laboratoire romanesque“, um die Geschichte der „neuen Stadt“ zu beleuchten. Die Untersuchung beginnt mit der Darstellung der anfänglichen, modernistisch-utopischen Visionen für solche geplanten Städte, die stark von Le Corbusiers Ideen einer radikalen Neugestaltung und Funktionalität beeinflusst waren. Diese anfängliche Begeisterung wird durch den Romanprotagonisten Gilles veranschaulicht, der Créteil als „nagelneue Landschaft, Inkarnation der Zukunft“ sieht und mit dem Slogan „Neuer Raum, neuer Mensch!“ die Idee eines Neuanfangs unterstreicht. Der Kern der Argumentation liegt dann in der schrittweisen Desillusionierung: Der Artikel zeigt auf, wie die hochfliegenden utopischen Versprechen in der realen Erfahrung der Bewohner, geprägt von „generischer und austauschbarer Architektur“, Gefühlen des „Eingesperrtseins“ und sozialen Problemen, Risse bekommen. Diese Ernüchterung wird durch die fundierte theoretische Kritik Henri Lefebvres am modernen Urbanismus vertieft, insbesondere durch seine Konzepte des „Rechts auf Stadt“ und die Unterscheidung zwischen dem gelebten „habiter“ und dem geplanten „habitat“ sowie dem Verlust des „Werks“ zugunsten des „Produkts“. Abschließend argumentiert der Artikel, dass trotz dieser dominanten Tendenzen des geplanten Urbanismus Elemente des Widerstands und der Aneignung existieren, die eine „urbane Revolution“ als „reale Entwicklung“ aufgreifen und somit eine Neudefinition utopischer Hoffnungen andeuten, anstatt ein einfaches Scheitern der Utopie zu konstatieren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Bestie Mensch: Emile Zola und Stéphanie Artarit</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/27/bestie-mensch-emile-zola-und-stephanie-artarit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Jun 2025 11:49:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Stéphanie Artarit]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/9782714404855-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/9782714404855-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/9782714404855-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/9782714404855-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/9782714404855.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Sowohl Émile Zolas "La Bête humaine" als auch Stéphanie Artarits "On ne mange pas les cannibales" erforschen das Verhältnis zwischen dem Bestialischen und dem Menschlichen, obwohl sie dies aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Schwerpunkten tun. Artarits Roman insgesamt spielt mit der Idee, wer die „Bestie“ ist. "On ne mange pas les cannibales" (Belfond, 2025) ist eine düstere Geschichte, die die Grenzen zwischen menschlicher Bestialität und tierischer Humanität verwischt und dabei existenzielle Fragen nach Trauma, Rache, Liebe und Identität aufwirft. Der Zoo ist mehr als nur ein Schauplatz; er ist ein symbolischer Raum, in dem die menschliche Gesellschaft mit ihren Hierarchien, ihrer Gewalt, ihrem Elend und ihren Versuchen der Kontrolle abgebildet wird. Die Tiere werden zu Projektionsflächen für menschliche Ängste und Wünsche, während die "zivilisierte" Welt außerhalb oft wilder und unbarmherziger erscheint als die "Bestien" im Käfig. Menschliche Verhaltensweisen (Rache, Besitzgier, Gewalt) werden als „bestialisch“ und tierische Reaktionen (Schutzinstinkt, Anpassungsfähigkeit, die „Philosophie“ eines Schimpansen) als „menschlich“ darstellt. Dies gipfelt in der Figur des „Kannibalen“ Martin, der die ultimative Grenzüberschreitung verkörpert, und Rivières endgültiger Aussage, dass man „keine Kannibalen isst“, was die Frage aufwirft, ob dies eine moralische Grenze ist oder eine Anerkennung der inhärenten, nicht verdaulichen Wildheit.]]></description>
		
		
		
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		<title>Soziale Verachtung in Frankreich: Rose Lamy</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/21/soziale-verachtung-in-frankreich-rose-lamy/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Jun 2025 14:25:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Rose Lamy]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Rose Lamys Buch "Ascendant beauf" (Aszendent Spießer, Seuil, 2025) befasst sich mit der sozialen Verachtung und Klassendominanz in Frankreich, insbesondere durch die Analyse der abfälligen Figur des "Beauf", Inbegriff des Spießertums. Der Begriff "Beauf" ist höchstwahrscheinlich eine Kurzform von "beau-frère" (Schwager). Er wurde 1972 vom Comiczeichner Cabu als Comicfigur erfunden. Der Begriff "Beauf" wird als Werkzeug der Dominanz beschrieben, das von den dominierenden Klassen verwendet wird, um die populären Klassen zu stigmatisieren und zu "entmenschlichen". Der "Beauf" wird im Gegensatz zum "Grand Duduche" beschrieben, einer Figur, die der Comiczeichner Cabu als sein Selbstporträt schuf. Der Duduche ist idealistisch, humanistisch, gebildet, nicht gewalttätig, offen, feministisch, antirassistisch, wählt links oder extrem links. Dies verdeutlicht die dichotome Sichtweise.]]></description>
		
		
		
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		<title>Denn es ist ernst: Omar Youssef Souleimane</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/14/denn-es-ist-ernst-omar-youssef-souleimane/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Jun 2025 09:25:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Omar Youssef Souleimane]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/souleimane-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/souleimane-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/souleimane-658x1024.jpg 658w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/souleimane-768x1195.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/souleimane.jpg 797w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Omar Youssef Souleimanes Werk ist eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit seiner syrischen Herkunft, den traumatischen Erfahrungen des Krieges und des Exils sowie seiner neuen Identität in Frankreich. Seine Perspektiven auf Syrien und die arabische Welt sind geprägt von einer anfänglichen Hoffnung auf Freiheit, die sich in tiefe Enttäuschung über das Scheitern der Revolution und die anhaltende Tyrannei verwandelt. Gleichzeitig entwickelt er eine tiefe Verbundenheit mit Frankreich, der Sprache und den Werten der Republik, was seinen Blick auf den Nahen Osten durch eine kritische, aber auch sehnsüchtige Linse prägt. Souleimanes literarisches Schaffen ist eine existentielle, mutige Auseinandersetzung mit der syrischen Tragödie, den Herausforderungen des Exils und der Komplexität der Identität im 21. Jahrhundert. Von seiner Befreiung vom Salafismus in "Le Petit Terroriste" über die zerbrochenen Hoffnungen der syrischen Revolution in "Le Dernier Syrien", die schwierige Integration in "Une chambre en exil", bis hin zur schmerzhaften Rückkehr in das fremd gewordene Land und der intellektuellen Selbstfindung in "L'Arabe qui sourit" bietet er einen schonungslosen und doch poetischen Blick.]]></description>
		
		
		
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		<title>Anthropologie der Angst: Éric Chauvier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/01/anthropologie-der-angst-eric-chauvier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 15:26:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Chauvier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="176" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-176x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-176x300.jpg 176w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-602x1024.jpg 602w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-768x1306.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-903x1536.jpg 903w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover.jpg 1181w" sizes="auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px" />Die Wissensbezüge des Buches sind tief in Chauviers anthropologischem Hintergrund verwurzelt, werden aber stets literarisch transformiert. Das gesamte Narrativ wird von einer zentralen, anthropologischen These getragen: Der Motor der Geschichte der Menschheit ist die Todesangst. Die Zivilisation ist für Chauvier ein stets gescheiterter, immer wieder neu begonnener Versuch, die Todesangst zu beschwören oder zu bannen. Diese Grundprämisse durchzieht das Buch wie ein Leitmotiv und liefert den Deutungsrahmen für die gesamte menschliche Entwicklung. Éric Chauviers "Un lac inconnu" (2025), bei den Editions Allia erschienen, präsentiert sich dem Leser als ein Werk von geringem Umfang – gerade mal hundert Seiten stark – dessen Ambition und intellektuelle Tiefe jedoch weit über diese physische Größe hinausreicht. Der Autor, der sowohl als Anthropologe als auch als Schriftsteller tätig ist, verbindet in diesem Text wissenschaftliche Analyse mit literarischer Form. Das Buch ist kein traditioneller Essay, sondern, wie Chauvier selbst es nennt, eine "poetische Metaerzählung" ("métarécit poétique"). Dieser hybride Ansatz ermöglicht eine longue durée literarischer Untersuchung von Menschheitsgeschichte, ihrer Triebkräfte und ihrer letztendlichen Entwicklungsrichtung. Chauviers Buchvorhaben ist ein faszinierendes Beispiel für die Überschreitung disziplinärer Grenzen und die Nutzung literarischer Mittel zur Darstellung komplexer anthropologischer Thesen.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Trump, Musk, Putin: politische Farce bei Philippe Claudel</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/31/trump-musk-putin-politische-farce-bei-philippe-claudel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 May 2025 05:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Claudel]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-195x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-195x300.jpeg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-664x1024.jpeg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-768x1184.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />„Wanted“ (2025) von Philippe Claudel ist eine politische Satire, die zeitgenössische Personen und Machthaber wie Elon Musk, Donald Trump und Wladimir Putin in einer extrem überzeichneten Fabel inszeniert. Der Roman beginnt mit Musks absurd übersteigerter Ankündigung, ein Kopfgeld auf Putin auszusetzen, um das reale politische Spektakel der Gegenwart zu übertreffen und dadurch zu entlarven. Claudel nutzt dabei einen direkten, burlesken und komisch-tragischen Stil, der z.B. Elemente des Westerns aufgreift, um die Akteure als narzisstische "Clowns" und "Fous" darzustellen, die alle diplomatischen Usancen sprengen. Unter der Oberfläche von Klamauk und Parodie verbirgt sich eine scharfe Kritik am Einfluss des Geldes auf die Politik, der Erosion von Moral und Dialog in einer Ära der "wild diplomacy" und der zunehmenden Verbreitung von Ignoranz und Dummheit. Aus einer spezifisch französischen Perspektive, die das Eindringen dieser Figuren in den Alltag empfindet, bietet der Roman eine dystopische Sicht auf eine Welt, in der Fiktion und Realität ununterscheidbar werden und die Macht des Kapitals über Leben und Tod entscheidet. Philippe Claudel, der als Präsident der Académie Goncourt eine wichtige Stimme im französischen Literaturbetrieb ist, setzt Humor als "Waffe" ein, um dem "allgemeinen Durcheinander" der Welt entgegenzutreten und den Leser zum Lachen statt zum Verzweifeln einzuladen. Ein Kernthema der Satire ist die Aufhebung der Grenze zwischen bizarrer Realität und plausibler Fiktion, die zeigt, wie Wahnsinn zur glaubwürdigen Realität werden kann. Unter der satirischen Oberfläche transportiert der Roman eine düstere und beunruhigende Botschaft über das kollektive Versagen, das solchen Figuren an die Macht verholfen hat, und die Gefahr einer Welt, die von "cinglés" (Verrückten) beherrscht wird. Die knappe Form des Romans (ca. 140 Seiten), der begrenzte Personenkreis und die lineare Erzählweise unterstreichen die Direktheit des Angriffs auf die dargestellten Machtfiguren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Schnitt ins Fleisch: Claire Berest über den Prozess Gisèle Pelicot</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/28/schnitt-ins-fleisch-claire-berest-ueber-den-prozess-gisele-pelicot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 May 2025 14:17:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Claire Berest]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782226503572-j-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782226503572-j-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782226503572-j.jpg 547w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Claire Berests „La Chair des autres“ (2025) geht aus ihrer Beobachtung des Prozesses gegen Dominique Pelicot im Herbst 2024 hervor, den sie zunächst als Reporterin begleitete. Der Ehemann hat über Jahre hinweg Männer in sein Haus eingeladen, um seine mit Medikamenten sedierte Ehefrau, Gisèle Pelicot, ohne deren Wissen sexuell zu missbrauchen. Die Autorin verbindet juristische Protokollierung mit literarischer und philosophischer Reflexion und stellt grundlegende Fragen nach dem Wesen des Bösen, nach der Möglichkeit von Zeugenschaft und nach den kulturellen Voraussetzungen sexueller Gewalt. Dabei bezieht sie sich auf Theoretikerinnen wie Camille Froidevaux-Metterie und Simone Weil, ebenso wie auf Hannah Arendts Konzept der „Banalität des Bösen“ und Roland Barthes' Analyse des fait divers. Ein zentraler Vergleich gilt der Leerstelle des Bildes bei KZ-Überlebenden, denen Berest das „wiederhergestellte Bild“ der Vergewaltigungsvideos gegenüberstellt – als Medium der Anerkennung und Sichtbarmachung. Der Text ist keine lineare Reportage, sondern eine vielschichtige Untersuchung darüber, wie Recht, Körper und Sprache in einem kulturellen Kontext verhandelt werden, in dem das Bewusstsein für den Anderen erschreckend lückenhaft erscheint.]]></description>
		
		
		
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		<title>Transgression bei Guillaume Lebrun: Jeanne d&#8217;Arc und Héliogabale</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/26/transgression-bei-guillaume-lebrun-jeanne-darc-und-heliogabale/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 May 2025 08:21:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Antonin Artaud]]></category>
		<category><![CDATA[Céline Minard]]></category>
		<category><![CDATA[Guillaume Lebrun]]></category>
		<category><![CDATA[Stéphanie Hochet]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="242" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-300x242.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-300x242.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-1024x825.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-768x618.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Guillaume Lebruns Romane „Fantaisies guérillères“ (2022) und „Ravagés de splendeur“ (2025) erzählen Geschichte als Produkt von Fiktion, Macht und Inszenierung. Der Artikel analysiert, wie Lebrun Jeanne d’Arc zur feministischen Medienfigur umcodiert und den römischen Kaiser Héliogabale als transidente Mystikerin der Dekadenz stilisiert. Mittelalter und römische Antike dienen als ästhetischer und ideologischer Resonanzraum für Fragen von Identität und Fiktion: In „Fantaisies guérillères“ wird Jeanne von einer Frauenclique erfunden und strategisch in Szene gesetzt als Symbol weiblicher Gegenmacht. In „Ravagés de splendeur“ führt die Überschreitung in Anlehnung an Antonin Artauds „Héliogabale“ in einen brutalen Tod, dieser Tod markiert die Unvereinbarkeit von Héliogabales Existenz mit einer Ordnung, die das Andere auslöschen muss. Lebrun versteht Literatur als Affektmaschine und Störinstanz – seine Sprache will nicht abbilden, sondern destabilisieren und befreien, in diesen queeren, mythopoetischen Transgressionen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Postkolonialer Pikaroroman: Zied Bakir</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/14/postkolonialer-pikaroroman-zied-bakir/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 May 2025 20:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Zied Bakir]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/bakir-190x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/bakir-190x300.jpg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/bakir-649x1024.jpg 649w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/bakir-768x1211.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/bakir.jpg 780w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />„La naturalisation“ ist ein Roman über den Akt der Einbürgerung, der für den Erzähler nicht den Eintritt in die nationale Gemeinschaft Frankreichs bedeutet, er legt deren groteske Kulissen frei. Elyas Z’Beybi, der Ich-Erzähler des Textes, berichtet in einem dichten, episch-atmenden, satirisch-ernsten Ton von seinem Weg aus einem tunesischen Dorf nach Paris, von seiner Kindheit im Schatten des autoritären Regimes Bourguibas, von gescheiterten Bildungsprojekten, sexueller Frustration, dem Versuch, ein Dichter zu werden, und seinem allmählichen Abrutschen in die Prekarität. Der vorliegende Artikel versteht den Text als Geschichte einer scheiternden Akkulturation und als Reaktivierung und Transformation eines literarischen Modells: des Pikaro, jenes illusionslosen Erzählers von unten, der sich durch eine fragmentierte Welt laviert, ohne je heimisch zu werden. Der Pikaro hat sich als äußerst anschlussfähig für postkoloniale, migrantische Erzählungen erwiesen. „La naturalisation“ verbindet die Elemente dieses Modells mit einer radikalen Gegenwartsanalyse: Der moderne Pikaro trägt ein Smartphone in der Tasche und rezitiert dennoch Victor Hugo. Statt in die französische Gesellschaft aufgenommen zu werden, erfährt der Erzähler immer wieder Ausschluss, Entfremdung und symbolische Erniedrigung. Seine Erzählung ist weder eine klassische Erfolgsgeschichte noch ein lineares Bildungsnarrativ. Vielmehr folgt sie den Umwegen, Sprüngen und Umständen eines postkolonialen Schelms, eines Pikaros in der Migrationsgesellschaft.]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetiken der Kindheit: Anouk Grinberg, Respect (2025)</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/13/poetiken-der-kindheit-anouk-grinberg-respect-2025/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 May 2025 09:03:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Anouk Grinberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/61QuKkzJFwL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/61QuKkzJFwL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/61QuKkzJFwL-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/61QuKkzJFwL-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/61QuKkzJFwL.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Am 13. Mai 2025 wurde Gérard Depardieu vom Pariser Strafgericht wegen sexueller Übergriffe auf zwei Frauen während eines Filmdrehs im Sommer 2021 zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem wird er in das Register für Sexualstraftäter aufgenommen. Die Lektüre von Anouk Grinbergs Buch "Respect" ist von diesem Prozess nicht zu lösen, die Schauspielerin hat sich während der Verhandlungen mehrfach öffentlich dazu geäußert. Anouk Grinbergs autobiografisches Werk "Respect" (2025)  konfrontiert Leserinnen und Leser mit einer Kindheit, die von Gewalt, Vernachlässigung und der systematischen Zerstörung des Selbst geprägt ist. Die Kindheit ist in diesem Text nicht nur Thema, sondern Ursprung und Motivationsquelle der literarischen Bewegung selbst. Grinberg geht über eine bloße Darstellung von Leid hinaus: Sie untersucht die Mechanismen des Schweigens, der Scham und des Überlebens und entwickelt daraus eine radikale Erzählform, die private Traumata in ein politisches Zeugnis verwandelt. Ausgangspunkt ihres öffentlichen Sprechens war die Unterstützung der Schauspielerin Charlotte Arnould im Verfahren gegen Gérard Depardieu, was schließlich dazu führte, dass Grinberg sich auch ihrer eigenen Geschichte stellte.]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetiken der Kindheit: Marie NDiaye, Le bon Denis (2025)</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/04/poetiken-der-kindheit-marie-ndiaye-le-bon-denis-2025/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 May 2025 10:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Marie NDiaye]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/ndiaye-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/ndiaye-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/ndiaye-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/ndiaye-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/ndiaye.jpg 1025w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Im Rahmen der autobiografischen Reihe „Traits et portraits“ des Mercure de France, die seit Jahren hybride Selbstentwürfe zwischen Bild und Text fördert, fügt NDiaye ihrer eigenen literarischen Untersuchung familiärer Konstellationen ein weiteres Kaleidoskop hinzu – diesmal im Zeichen der Vaterschaft. Marie NDiayes „Le bon Denis“ (2025) ist ein Werk von nur 136 Seiten, das sich dennoch in die autobiografische Spurensuche der Autorin einreiht – und diese weiter verkompliziert. Bereits mit ihrem „Autoportrait en vert“ (2005) hatte NDiaye in derselben Reihe das Porträt ihrer Mutter vorgelegt – ein Text, der weniger enthüllte als verwischte, der autobiografisches Erzählen nicht als Akt der Erinnerung oder als Bekenntnis darstellte, sondern als poetisch-performative Praxis, als ein Spiel mit Erscheinung, mit Verschiebung und Verunsicherung inszenierte. "Le bon Denis" steht in dieser Tradition und steigert zugleich den poetischen Gestus des Nichtwissens und der Konstruktion im Angesicht der biografischen Leerstelle des Vaters. Der in vier Prosastücke gegliederte Band umkreist die Abwesenheit und Abgründigkeit des Vaters, der einst die Familie verließ – ohne diesen Verlust psychologisch zu erklären oder aufzulösen. Stattdessen legt NDiaye ein literarisches Kaleidoskop vor, das mit Perspektivverschiebungen, ironischem Sprachgebrauch, dem Spiel mit Fakt und Fiktion sowie intermedialen Einschüben operiert.]]></description>
		
		
		
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		<title>Entwicklung im Negativ: Audrey Jarre</title>
		<link>https://rentree.de/2025/04/29/entwicklung-im-negativ-audrey-jarre/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Apr 2025 20:50:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Audrey Jarre]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-4-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-4-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-4-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-4-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-4-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-4-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-4.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Audrey Jarres Debütroman "Les négatifs" (2025) ist nicht nur ein Großstadtroman und eine Erkundung weiblicher Subjektivität, sondern zugleich ein Beitrag zur gegenwärtigen Literatur über das Sehen, Gesehenwerden und die Rolle der Bilder. Die fotografische Metaphorik durchzieht den gesamten Roman. Bereits im Motto – einem Zitat aus Roland Barthes' "La Chambre claire" über die Fotografie als "micro-expérience de la mort" – deutet Jarre an, dass ihr Text in engem Dialog mit der Bildtheorie steht. Die Fotografie wird nicht nur thematisch verhandelt, sondern strukturell implementiert. Erzählt wird die Geschichte der jungen Französin Alice, die ein Auslandspraktikum in New York absolviert und dort in eine intensive und zunehmend toxische Beziehung mit dem Fotografiestudenten Nathan gerät. Das narrative Grundmotiv des Romans ist das Sichtbar-Werden und zugleich das Sich-Entziehen. Zwischen dem Wunsch, sichtbar zu werden, Teil einer urbanen Bohème zu sein, und der Angst, sich selbst zu verlieren, schwankt Alice in einer Welt aus Kunst, Oberfläche, Emotionalität und Bildlichkeit. Die Beziehung zu Nathan, aber auch zu dessen charismatischer Freundin Léonore, wird zur Projektionsfläche für Alices Unsicherheiten und Sehnsüchte.]]></description>
		
		
		
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		<title>Paris, Stadt in Ruinen: Philippe Bordas</title>
		<link>https://rentree.de/2025/04/25/paris-stadt-in-ruinen-philippe-bordas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Apr 2025 05:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Bordas]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-3-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-3-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-3-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-3-768x1125.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-3.jpeg 827w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Philippe Bordas’ Roman "Les Parrhésiens" (2025) ist eine Hommage an die alten „Parrhésiens“ – jene Pariser, die Rabelais zufolge die Gabe der freien Rede (parrhêsia) mit dem Mut verbanden, alles auszusprechen. Bordas’ Erzähler entdeckt diese ausgestorben geglaubte Spezies in einer verlassenen Turnhalle am Boulevard Montparnasse wieder. Die Begegnung mit diesen wortgewaltigen, körperlich deformierten, aber heroisch auftretenden Männern wird zur literarischen Urszene: Ein sozialer Abstieg, ein körperlicher Aufstieg, eine poetische Wiedergeburt. In der Konfrontation mit der Pariser Marginalität inszeniert Bordas eine Poetik der „parrhêsia“ – widerständig, archaisch, körperlich, ekstatisch. Von der ersten Seite an ist Paris kein Hintergrund, sondern ein Organismus: atmend, schwitzend, alternd. Der Erzähler lebt über dem Friedhof Montparnasse, in einem „belvédère à vertiges“, und blickt auf ein Paris, das sich seiner Auflösung entgegen neigt. Diese Stadt lebt – aber anders als das klischeehafte Paris der Romane, Filme und Reiseführer. Sie lebt als corps malade, als Körper, der von Gentrifizierung, Sprachverfall und sozialer Entwurzelung befallen ist. Dennoch trägt sie Spuren eines alten Lebens, das wieder aufflackert: in den Stimmen der „Parrhésiens“, in den Bewegungen der Körper, in der Gewalt der Rede.]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetiken der Kindheit: Maylis Adhémar, L’école est finie (2025)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Apr 2025 12:14:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Maylis Adhémar]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/adhemar-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/adhemar-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/adhemar-643x1024.jpg 643w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/adhemar-768x1223.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/adhemar.jpg 780w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />"L’école est finie" von Maylis Adhémar (Stock, 2025) erzählt die Geschichte des neunjährigen Al, der sich im südfranzösischen Dorf Cos gegen die Härte und Gängelung des Schulsystems zur Wehr setzt. Gemeinsam mit seiner Freundin Adeline gründet er die geheime „ACE“ – die Association Contre École – und erschafft sich im verlassenen Fort Barbaresque eine eigene, poetische Gegenwelt. Dort erleben die Kinder Abenteuer, pflegen Rituale, begraben einen Vogel und schreiben ihre Geschichten in die Wände – fern von den Erwartungen der Erwachsenen. Al beobachtet die Welt der Erwachsenen mit kritischem Blick: Schule, Familie, Geschichte und Politik erscheinen als Zonen der Disziplin, der Entfremdung, aber auch der Erinnerung. Der Roman ist eine poetische Hommage an die rebellische Kraft der Kindheit und die Sehnsucht nach Freiheit, Zugehörigkeit und eigener Wahrheit. Maylis Adhémars "L’école est finie" entfaltet auf fesselnde und zugleich poetisch intensive Weise eine Kindheit in den 1990er Jahren in einem südfranzösischen Dorf. In der Gestalt des neunjährigen Protagonisten Al zeichnet die Autorin nicht nur eine Kindheit voller Abenteuer und Widerstände, sondern auch ein komplexes Bild vom Verhältnis zwischen individueller Freiheit, institutioneller Gewalt und poetischer Imagination.]]></description>
		
		
		
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		<title>Alchimie des Worts: Hugues Jallon</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Apr 2025 11:04:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Hugues Jallon]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/jallon-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/jallon-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/jallon-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/jallon-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/jallon-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/jallon-1398x2048.jpg 1398w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/jallon.jpg 1653w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In „Le cours secret du monde“ (2025) widmet sich Hugues Jallon einer radikalen Revision dessen, was als „geheim“ oder „verborgen“ gilt – nicht aus esoterischem Interesse, sondern als kontrapunktische Suchbewegung gegen das hegemoniale, rationale Weltwissen. Das „Geheime“ ist bei Jallon keine fixe Kategorie, kein abgeschlossener Inhalt oder dogmatisches System. Es ist vielmehr ein Denkraum, eine Öffnung, eine Leerstelle, aus der sich alternative Formen von Geschichte, Wahrnehmung und Weltdeutung ergeben. Die Zuschreibungen an das „Geheime“ im Roman sind vielfältig und bewusst widersprüchlich. Sie zielen darauf, das Verhältnis zwischen Sichtbarkeit, Wahrheit, Wissen und Macht neu zu justieren. Mit einer Einordnung in Bezug auf seine bisherigen Romane.]]></description>
		
		
		
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		<title>Tonino Benacquista: Der letzte Verleger</title>
		<link>https://rentree.de/2025/04/13/tonino-benacquista-der-letzte-verleger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Apr 2025 11:20:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Tonino Benacquista]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-2-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-2-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-2-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-2-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-2-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-2-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-2.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Seine Verlagsfirma ist bankrott, die letzten Mittel sind verbraucht. Die Handlung setzt an einem Wendepunkt ein – dem letzten Tag vor dem Gerichtstermin zur offiziellen Liquidation. Rückblickend erzählt der Protagonist von seiner Verlagsgeschichte, von Autorinnen und Autoren, die er entdeckte oder ablehnte, von Erfolgen und Niederlagen, aber vor allem von seinem Glauben an die Kraft der Literatur. Tonino Benacquistas 2025 erschienener Roman "Tiré de faits irréels" ist eine tiefmelancholische und zugleich ironisch gebrochene Auseinandersetzung mit der Frage, was Literatur heute noch vermag. Der Text erzählt vom Ende eines unabhängigen Literaturverlags in Paris. Benoît Clerc ist ein egomanischer Autor, der seine banalen Lebenskrisen zu Literatur verklärt und damit den Verfall der literarischen Substanz exemplarisch spiegelt. Die Figur Pierre-Antoine Réa erhält im Verlauf des Romans eine emblematische Bedeutung. Sie steht für das Ideal des wahren Schriftstellers und verkörpert in der Perspektive des Ich-Erzählers – des Verlegers Bertrand Dumas – die Hoffnung auf ein literarisches Wunder, das seine kriselnde Verlagswelt vielleicht noch retten könnte. Wie lässt sich angesichts eines beschleunigten, digitalisierten, ökonomisierten Alltags noch erzählen? Die Antworten, die der Roman gibt, sind fragil, tastend – aber gerade dadurch literarisch glaubwürdig. Der Text ist ein würdiger, stiller, nachdenklicher Beitrag zur späten Moderne, der das Erzählen als kulturellen Überrest und ethische Möglichkeit verteidigt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Uchronie und Heil: Emmanuel Carrère</title>
		<link>https://rentree.de/2025/04/07/uchronie-und-heil-emmanuel-carrere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2025 14:12:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Reserve]]></category>
		<category><![CDATA[Emmanuel Carrère]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/uchronie-bande-carrere-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/uchronie-bande-carrere-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/uchronie-bande-carrere.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Emmanuel Carrère beschreibt Jahrzehnte nach der Publikation seines Buchs „Le Détroit de Behring“ (1986, dt. „Kleopatras Nase: kleine Geschichte der Uchronie“, 1993.) in seiner Wiederveröffentlichung von 2025, „Uchronie“, mit eigenem Vorwort, seine Bewegung als eine von der Imagination zur Akzeptanz, vom Spiel zur Verantwortung, vom uchronischen Möglichkeitsüberschuss zur gelebten Realität. Die Uchronie bei Carrère ist nicht nur Gattungsbezeichnung, sondern auch ein poetologischer Kommentar: Der Text selbst ist eine Uchronie, reflektiert aber zugleich, was eine Uchronie leisten kann – und wo ihre Grenzen liegen, etwa in seinen Büchern „La Moustache“ oder „Le Royaume“.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Beginn des Neuen Staats: Jérôme Leroy</title>
		<link>https://rentree.de/2025/03/26/der-beginn-des-neuen-staats-jerome-leroy/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Mar 2025 08:29:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Jérôme Leroy]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="189" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/La-petite-fasciste-189x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/La-petite-fasciste-189x300.png 189w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/La-petite-fasciste-647x1024.png 647w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/La-petite-fasciste-768x1216.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/La-petite-fasciste.png 900w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" />„La petite fasciste“ von Jérôme Leroy setzt sich mit der ideologischen Prägung, der sozialen Determination und der persönlichen Emanzipation der Protagonistin Francesca Crommelynck auseinander: Der Roman entwirft das Porträt einer jungen Frau, die in einem extrem rechten Milieu aufwächst und sich zunächst mit dessen Ideologie identifiziert, bevor sie durch persönliche Erfahrungen und Verluste zunehmend in einen kritischen Reflexionsprozess gerät. Inwieweit kann „La petite fasciste“ als Dekonstruktion extremistischer Denkmuster gelesen werden? Der Roman zeichnet ein düsteres Bild eines polarisierten Frankreichs, in dem soziale Spannungen, politische Radikalisierung und kulturelle Konflikte eskalieren. Leroy beschreibt eine Gesellschaft, die von latenter Gewalt und ideologischen Kämpfen geprägt ist. Damit reiht sich „La petite fasciste“ in das literarische Schaffen des Autors ein, der in Werken wie „Le Bloc“ ähnliche Themen behandelt. ]]></description>
		
		
		
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		<title>Patrick Chamoiseau in der neuen Weltordnung</title>
		<link>https://rentree.de/2025/03/23/patrick-chamoiseau-in-der-neuen-weltordnung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Mar 2025 11:54:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Chamoiseau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="221" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/158892_couverture_Hres_0-221x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/158892_couverture_Hres_0-221x300.jpg 221w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/158892_couverture_Hres_0-753x1024.jpg 753w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/158892_couverture_Hres_0-768x1045.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/158892_couverture_Hres_0-1129x1536.jpg 1129w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/158892_couverture_Hres_0.jpg 1470w" sizes="auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px" />Während Patrick Chamoiseau in seinem neuesten Buch "Que peut Littérature quand elle ne peut" (2025) sein Werk und seine Thesen einerseits bekräftigt, stellt er sie in einer Reflexion über die veränderten politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen der Gegenwart zugleich neu zur Debatte. Patrick Chamoiseau bleibt vielen seiner Grundüberzeugungen treu, doch die Art und Weise, wie er die Welt betrachtet und interpretiert, hat sich deutlich verändert. Während er früher vor allem postkoloniale Fragen der Identität, der Kreolisierung und der kulturellen Hybridität in den Mittelpunkt stellte, erweitert er nun seinen Blick auf globale Herausforderungen wie Digitalisierung, algorithmische Steuerung von Wissen, ökologische Krisen und die Bedrohung durch totalisierende politische Narrative.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Moment der Wahrheit: Karine Tuil</title>
		<link>https://rentree.de/2025/03/10/der-moment-der-wahrheit-karine-tuil/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Karine Tuil]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Karine Tuils „La Guerre par d’autres moyens“ seziert den Zerfall von Macht, Identität und öffentlicher Wahrnehmung: Im Mittelpunkt steht Dan Lehman, ein ehemaliger Präsident Frankreichs der Linken, der nach einer Wahlniederlage in Alkoholismus und Bedeutungslosigkeit versinkt, während seine Ex-Frau Marianne Bassani in der Literatur und seine zweite Frau Hilda Müller im Filmgeschäft neue Karrieren aufbauen. Der Artikel zeigt, wie Tuil subtil Fiktion und Realität verschränkt: Mariannes Roman „À la recherche du désastre“, der als Film adaptiert wird, reflektiert Lehmans Fall und entzieht ihm neben der medialisierten Öffentlichkeit auf andere Weise die Kontrolle über seine eigene Geschichte – eine raffinierte Spiegelung der Mechanismen öffentlicher Demontage. Die Analyse betont zudem die intertextuelle Verbindung zu Philip Roths „My Life as a Man“, die jüdische Identität Lehmans und die Frage nach toxischer Männlichkeit in Politik und Kultur. Tuils Roman erscheint so als eine kluge Reflexion über die Zerstörung öffentlicher Figuren in einer mediengesteuerten Gesellschaft – ein tragikomisches Drama über Macht, Narzissmus und den Kampf um die Deutungshoheit der eigenen Existenz.]]></description>
		
		
		
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		<title>Ich will alles geschrieben haben und alles zerstören: Pierre Michon</title>
		<link>https://rentree.de/2025/02/27/ich-will-alles-geschrieben-haben-und-alles-zerstoeren-pierre-michon/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2025 20:13:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Michon]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Artikel verfolgt exemplarische Interpretationslinien von Pierre Michons „J’écris l’Iliade“, das Homers „Ilias“ nicht nur nacherzählt, sondern mit wuchtiger, bildgewaltiger Sprache neu erschafft, indem es epische Gewalt, mythisches Begehren und Fragmente des antiken Epos in die Zerrissenheit der Moderne überführt. In 14 relativ autonomen Episoden verdichten sich poetische Halluzination und historische Reflexion zu einer fiebrigen Auseinandersetzung mit dem Erbe des blinden Homer, während Figuren wie Achilles, Helena oder Alexander nicht als starre Mythen, sondern als lebendige Obsessionen erscheinen. Michon verbindet anthropologische Perspektiven – etwa Descolas Analogismus oder Heideggers Idee des Tempels als Wahrheitsraum – mit einer archaisch-modernen Spannung, die Schönheit und Schrecken gleichermaßen beschwört und entgrenzt. Besonders provokant sind Szenen, in denen Erotik und Gewalt, Kunst und Zerstörung in eine fiebrige Spannung geraten, etwa bei Persephones Entführung, oder wenn die abschließende Bücherverbrennung den Mythos gleichzeitig tilgt und fortschreibt. Die besondere Leistung des Buchs liegt darin, die „Ilias“ nicht als literarisches Monument zu feiern, sondern als ein unablässiges Ringen mit Sprache und Geschichte zu zeigen – eine atemlose, schmerzhafte, hypnotische Beschwörung, die das Epos neu erfindet und zugleich radikal infrage stellt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Über die Pyrenäen, in umgekehrter Richtung: Jean Rolin</title>
		<link>https://rentree.de/2025/02/13/ueber-die-pyrenaeen-in-umgekehrter-richtung-jean-rolin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Feb 2025 15:26:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Jean Rolin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/tous-passaient-sans-effroi-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/tous-passaient-sans-effroi-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/tous-passaient-sans-effroi.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Jean Rolins „Tous passaient sans effroi" der Winter-Rentrée 2024/25 ist weit mehr als eine bloße historische Rekonstruktion der Fluchtbewegungen über die Pyrenäen während der deutschen Besatzung Frankreichs. Es ist ein literarischer Streifzug durch Landschaften, Erinnerungen und individuelle Schicksale, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt. Rolin nähert sich der Thematik auf seine typische, fast beiläufige Weise – nicht als Historiker, sondern als literarischer Flaneur, der sich von den Spuren der Geschichte treiben lässt. Rolin sucht die Orte auf, durchstreift die Landschaften und rekonstruiert einzelne Fluchten, jedoch ohne den Pathos eines klassischen Erinnerungswerks. Seine Erzählweise ist geprägt von einer Mischung aus Neugier, ironischer Distanz und tiefem Respekt für die Menschen, deren Wege er nachvollzieht. Dabei sind es vor allem einzelne Schicksale, die das Buch durchziehen und ihm emotionale Tiefe verleihen. Walter Benjamin, der sich in Portbou das Leben nahm, Jean-Pierre Melvilles Bruder Jacques Grumbach, der von seinem eigenen Fluchthelfer ermordet wurde, oder der amerikanische Pilot Bud Owens, der erschöpft im Schnee starb – ihre Geschichten zeigen die existenzielle Dramatik dieser Fluchtversuche. Doch Rolin bleibt kein distanzierter Beobachter: Indem er selbst die Berge besteigt, sich mit der körperlichen Herausforderung des Aufstiegs konfrontiert, wird er zum stillen Zeugen dieser vergangenen Fluchten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Neue Wege für eine französisch-jüdische Literatur: Nathalie Azoulai</title>
		<link>https://rentree.de/2025/02/04/neue-wege-fuer-eine-franzoesisch-juedische-literatur-nathalie-azoulai/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Feb 2025 06:19:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Nathalie Azoulai]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/toutes-les-vies-de-theo1-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/toutes-les-vies-de-theo1-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/toutes-les-vies-de-theo1.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In „Toutes les vies de Théo“ erzählt Nathalie Azoulai die Geschichte von Théo, einem Bretonen mit deutscher Mutter, der sich in die jüdische Léa verliebt. Ihre Beziehung, zunächst geprägt von gegenseitigem Verständnis, gerät durch politische Ereignisse wie die Anschläge vom 7. Oktober und den Nahostkonflikt ins Wanken, was zu einer Entfremdung führt. Azoulai beleuchtet die Herausforderungen gemischter Partnerschaften und die komplexen Verflechtungen von persönlicher Identität und kollektiver Geschichte. Damit eröffnet sie neue Wege für eine französisch-jüdische Literatur, die nicht nur retrospektiv bleibt, sondern auch aktuelle Herausforderungen der Identitätsfindung und interkulturellen Begegnung verhandelt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Leïla Slimani: die Wahrheit den fantasielosen Familien</title>
		<link>https://rentree.de/2025/02/01/leila-slimani-die-wahrheit-den-fantasielosen-familien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Feb 2025 15:32:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Leïla Slimani]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/files-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/files-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/files-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/files-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/files-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/files-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/files.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Leïla Slimanis Romantrilogie „Le pays des autres“ mit dem gleichnamigen ersten Band, (2020), mit „Regardez-nous danser“ (2022) und „J’emporterai le feu“ (2024) zeichnet die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen hinweg nach und spiegelt zugleich die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche Marokkos wider. Im Zentrum stehen die Mitglieder der Familie Belhaj, deren Schicksale eng mit der wechselvollen Geschichte des Landes verbunden sind. Der erste Band, „Le pays des autres“, beginnt in der Zeit der französischen Kolonialherrschaft und endet mit der Unabhängigkeit Marokkos. Der zweite Band, „Regardez-nous danser“, setzt die Geschichte in den 1960er und 1970er Jahren fort, einer Periode der Modernisierung, aber auch politischer Repression. „J’emporterai le feu“, der abschließende dritte Teil, spielt in den 1980er bis 2000er Jahren und thematisiert die Herausforderungen zwischen Tradition und Globalisierung: Leïla Slimani begleitet die dritte Generation der Familie Belhaj-Daoud, insbesondere Mia, die zwischen Marokko und Frankreich nach ihrer Identität sucht. Während ihr Vater Mehdi durch einen politischen Skandal stürzt und ihre Mutter Aïcha um den Erhalt der Familie kämpft, erlebt Mia in Paris Exil, Ausgrenzung und den inneren Konflikt zwischen familiärer Loyalität und persönlicher Freiheit. Der Roman thematisiert gesellschaftliche Zwänge, die Bürde der Vergangenheit und die Schwierigkeit, in einem „anderen Land“ ganz man selbst zu sein.]]></description>
		
		
		
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		<title>Parataxe und Labyrinth: Traumapoetik bei Olivia Rosenthal</title>
		<link>https://rentree.de/2025/01/29/parataxe-und-labyrinth-traumapoetik-bei-olivia-rosenthal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jan 2025 15:06:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Olivia Rosenthal]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/fil-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/fil-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/fil-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/fil-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/fil-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/fil-1398x2048.jpg 1398w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/fil.jpg 1653w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Olivia Rosenthals „Une femme sur le fil“ ist eine radikale literarische Reflexion über die Sprache, in der die Fragmentierung von Erinnerung, das Wiederholungsprinzip und die Unmöglichkeit eines linearen Erzählens die Zerrissenheit traumatischer Erfahrung erfahrbar machen. Zoés Geschichte wird in nummerierten Fragmenten erzählt, die oft abrupt abbrechen und keine klare narrative Kontinuität aufweisen. Dies spiegelt nicht nur ihre innere Zerrissenheit wider, sondern thematisiert auch die Grenzen der Sprache selbst. Zoé wird in ihrer Kindheit von ihrem Onkel missbraucht, was sie in ein Leben der Unsicherheit und Angst stürzt. Ihr Alltag ist geprägt von dem Versuch, der bedrängenden Erinnerung zu entkommen, indem sie sich Strategien des Vermeidens aneignet: Während Zoé versucht, ihre Vergangenheit zu verarbeiten, reflektiert sie über die Mechanismen von Erinnerung und Erzählung. Sie erkennt, dass Sprache eine begrenzte Möglichkeit bietet, Traumata auszudrücken, und bewegt sich zwischen Fragmenten von Mythen, Literatur und persönlichen Erfahrungen. Durch Wiederholung und Variation ihrer eigenen Geschichte versucht Zoé, ihr Trauma erzählbar zu machen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Gaslighting und Autofiktion: Camille Laurens</title>
		<link>https://rentree.de/2025/01/21/gaslighting-und-autofiktion-camille-laurens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jan 2025 07:44:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Camille Laurens]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/cover-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/cover-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/cover-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/cover-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/cover-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/cover-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/cover.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Camille Laurens’ Roman „Ta promesse“ greift auf ihre Erfahrung im Bereich der Autofiktion zurück, um eine packende Geschichte von Liebe, Verrat und toxischen Abhängigkeiten zu entfalten. Der Roman schildert nicht nur eine leidenschaftliche Beziehung, sondern seziert auch die Dynamiken von Macht und Manipulation und bietet schlussendlich eine Reflexion über die kreative Schaffenskraft. Im Zentrum der Handlung stehen Claire, eine gefeierte Schriftstellerin, und der charismatische Gilles. Gilles entpuppt sich zunehmend als manipulativer Narzisst, der Claire emotional isoliert und zermürbt. Die Protagonistin Claire steht im Mittelpunkt einer Geschichte, die von Manipulationen und Lügen geprägt ist, was sie schließlich vor Gericht bringt. Die Suche nach der Wahrheit wird zur Hauptmotivation ihres Schreibens und ihrer Reflexionen. Die Eskalation gipfelt in einem Gerichtsdrama, das Laurens mit der Präzision einer Thriller-Autorin entfaltet. ]]></description>
		
		
		
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