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	<title>Dystopie &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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	<title>Dystopie &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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		<title>Reaktionäre Männlichkeit als leere Provokation: Côme Martin-Karl</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/01/reaktionaere-maennlichkeit-als-leere-provokation-come-martin-karl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 12:04:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
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		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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		<category><![CDATA[Côme Martin-Karl]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71ibPSeZ-nL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71ibPSeZ-nL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71ibPSeZ-nL._SL1500_-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71ibPSeZ-nL._SL1500_-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71ibPSeZ-nL._SL1500_.jpg 1024w" sizes="(max-width: 205px) 100vw, 205px" />Côme Martin-Karls Roman "La réaction" (2019) führt seine Leserinnen und Leser in die bizarre Welt französischer Reaktionäre, Online-Trolle, katholischer Integralisten und monarchistischer Splittergruppen, deren politischer Radikalismus zunehmend ins Komische kippt. Im Mittelpunkt steht Matthieu Richard, ein junger Mann ohne festen Halt, der sich weniger aus Überzeugung als aus Lust an Provokation und Außenseitertum in dieses Milieu treiben lässt. Der Aufsatz zeigt, wie der Roman mit satirischer Schärfe die Rituale, Sprachformen und Selbstbilder einer Szene offenlegt, die ständig von Größe, Tradition und Untergang spricht, dabei jedoch von inneren Widersprüchen und politischer Inhaltsleere geprägt ist. Im Zentrum der Argumentation steht die These, dass Martin-Karl nicht in erster Linie rechte Ideologien karikiert, sondern eine Form männlicher Selbstinszenierung, in der politische Positionen zu Requisiten einer Pose werden. Anhand der Erzählweise, der Figurenbeziehungen und der spannungsreichen Verbindung von politischer Radikalität und homosexuellem Begehren arbeitet die Interpretation heraus, wie der Roman die vermeintliche Härte seiner Protagonisten als Ausdruck eines tiefen Bedürfnisses nach Anerkennung und Besonderheit entlarvt. So erscheint "La réaction" letztlich weniger als politischer Roman denn als brillante Satire auf Männlichkeit, Distinktionssucht und die Verwandlung von Politik in ein Spiel der Selbstdarstellung.]]></description>
		
		
		
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		<title>Aufrechtstehen im Untergang: New Orleans bei Laurent Gaudé</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/31/aufrechtstehen-im-untergang-new-orleans-bei-laurent-gaude/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 17:20:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Laurent Gaudé]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="159" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/619Wm-OqHxL._SL1500_-159x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/619Wm-OqHxL._SL1500_-159x300.jpg 159w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/619Wm-OqHxL._SL1500_-543x1024.jpg 543w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/619Wm-OqHxL._SL1500_-768x1449.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/619Wm-OqHxL._SL1500_.jpg 795w" sizes="(max-width: 159px) 100vw, 159px" />Laurent Gaudés Roman "Ouragan" (Actes Sud, 2010) schildert die Verwüstung von New Orleans durch den Hurrikan Katrina und folgt dabei mehreren Figuren, deren Lebenswege sich im Ausnahmezustand der Katastrophe kreuzen. Im Mittelpunkt stehen die fast hundertjährige Josephine, die sich weigert, ihr Viertel zu verlassen, der von seiner Arbeit auf einer Ölplattform traumatisierte Keanu, seine frühere Geliebte Rose sowie ein Geistlicher, dessen Glaube unter dem Druck der Ereignisse zerbricht. Während der Sturm die Deiche sprengt und die Stadt in den Fluten versinkt, werden soziale Unterschiede, persönliche Traumata und verdrängte Konflikte schonungslos sichtbar. Der Roman erzählt die Naturkatastrophe dabei nicht als realistische Chronik, sondern als vielstimmiges Drama über Verlust, Schuld, Liebe und Überleben. Der Aufsatz untersucht, wie Gaudé den historischen Hurrikan in einen mythisch aufgeladenen Erfahrungsraum verwandelt. Ausgangspunkt ist die These, dass der Sturm als „Offenbarungsinstanz“ fungiert: Er zerstört nicht nur Häuser und soziale Ordnungen, sondern legt zugleich den innersten Kern der Figuren frei. Analysiert werden die polyphone Erzählstruktur, die deutliche Nähe zur Form der antiken Tragödie sowie der lyrisch-epische Stil, der das Geschehen über das Dokumentarische hinaushebt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Zusammenspiel von Stimme und Schweigen, der symbolischen Bedeutung von Raum, Wasser und Körperlichkeit sowie den wiederkehrenden Motiven von Scham, Widerstand und Aufrechtsein. Der Aufsatz argumentiert, dass "Ouragan" soziale Anklage und poetische Verdichtung miteinander verbindet und die Katastrophe als Moment der Wahrheit inszeniert, in dem Untergang und Neubeginn, Verlust und Würde miteinander verbunden werden.]]></description>
		
		
		
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		<title>Gesang im Chaos: Apokalypse, Nomadentum und Widerstand bei Mathieu Belezi</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/22/gesang-im-chaos-apokalypse-nomadentum-und-widerstand-bei-mathieu-belezi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2026 07:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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		<category><![CDATA[Mathieu Belezi]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="209" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/images-21-209x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/images-21-209x300.jpeg 209w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/images-21.jpeg 373w" sizes="(max-width: 209px) 100vw, 209px" />Mathieu Belezis "Cantique du chaos" entwirft eine nachapokalyptische Welt, die aus einem biblisch überhöhten Sintflutereignis hervorgegangen ist und deren politische wie existenzielle Ordnung von Gewalt, Leere und Entwurzelung geprägt ist: Im Zentrum steht der alternde Desperado Théo Gracques, der nach einem gescheiterten Rückzug als Eremit mit Chloé und deren Kindern quer durch das zerstörte Europa und Amerika flieht, während sich seine Gegenwart unablässig mit den lyrisch verdichteten Erinnerungen an die verlorene Liebe Léonore und den Tod des gemeinsamen Kindes verschränkt; nach weiteren Verlusten und zunehmendem körperlichen Verfall endet seine Bewegung im Stillstand am Orinoco, wo er stirbt und sein letztes Gedicht einer jungen Frau überlässt, die es memorierend bewahrt. Der Aufsatz liest diesen Handlungsbogen als dreifach strukturierte Poetik – zwischen Road Novel, Epos und Lyrikzyklus –, in der das Unterwegssein zugleich räumliche Bewegung, Erinnerungsarbeit und Sterbeprozess ist, und arbeitet präzise heraus, wie Belezi durch die Verschränkung eines mythischen Eingangsgesangs, prosaischer Fluchtkapitel und poetischer Tagebucheinträge eine „Poetik des Endes“ etabliert: Schreiben erscheint hier nicht als Repräsentation von Welt, sondern als letzte autonome Handlung in einer Welt ohne Alternativen. Die gattungshybride Form wird hierbei als Antwort auf die dargestellte Katastrophe gedeutet – die barocke Sprachfülle gegen die Leere der verwüsteten Welt, die lyrische Zeitenthobenheit gegen die Linearität des Verfalls, die weiblichen Figuren als Trägerinnen von Handlung und Überlieferung gegen den erschöpften männlichen Erzähler. Indem sie diese formalen und thematischen Linien engführt, zeigt die Rezension den Roman nicht nur als dystopische Erzählung, sondern als Reflexion über die Bedingungen von Literatur selbst: Das „Cantique“ wird zur letzten, prekär fortbestehenden Form von Sinnstiftung im Angesicht totaler Desintegration.
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		<title>Die reparative Wende: warum Literatur heute mehr tun soll als erzählen</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/30/die-reparative-wende-warum-literatur-heute-mehr-tun-soll-als-erzaehlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 13:07:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2017]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Alexandre Gefen]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/reparer-le-monde-gefen-800x-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/reparer-le-monde-gefen-800x-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/reparer-le-monde-gefen-800x-643x1024.jpg 643w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/reparer-le-monde-gefen-800x-768x1223.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/reparer-le-monde-gefen-800x.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Die Rezension stellt Alexandre Gefens Essay "Réparer le monde: la littérature française face au XXIe siècle" (2017, engl. 2024) als ebenso ambitionierte wie symptomatische Diagnose der Gegenwartsliteratur vor: An die Stelle der ästhetischen Autonomie des 20. Jahrhunderts tritt ein „reparatives“ Paradigma, in dem Literatur als therapeutische, soziale und ethische Praxis begriffen wird. Gefen kartografiert anhand eines bewusst offenen Korpus – von Annie Ernaux bis zu klinischen Fallberichten – eine Literatur, die Identität stiftet, Traumata bearbeitet, Empathie schult und kollektives Gedächtnis sichert; gestützt auf Denker wie Paul Ricœur oder die Care-Ethik beschreibt er das Erzählen als Technologie des Selbst und als Instrument symbolischer Wiedergutmachung. Die Rezension arbeitet diese Leitthese pointiert heraus, würdigt die analytische Breite und den theoretischen Eklektizismus, problematisiert jedoch zugleich die normative Engführung: Indem Gefen Literatur primär als „Heilmittel“ liest, droht ihre ästhetische Eigenlogik zugunsten eines ethischen Utilitarismus zu verschwinden. So erscheint das Buch selbst als exemplarischer Ausdruck jener Tendenz, die es beschreibt – eine engagierte, wirkungsorientierte Literaturtheorie, die zwischen Diagnose und Programmatik wechselt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zartes Vernichten: Michel Houellebecq</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/27/zartes-vernichten-michel-houellebecq/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 10:49:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/61VAu8VSZtL._UF10001000_QL80_-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/61VAu8VSZtL._UF10001000_QL80_-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/61VAu8VSZtL._UF10001000_QL80_.jpg 643w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Michel Houellebecqs Roman "Anéantir" (2022) breitet das Panorama einer erschöpften Gegenwart aus: Im Zentrum steht Paul Raison, ein hoher Beamter im Umfeld eines französischen Ministers, dessen Alltag von rätselhaften Cyberangriffen, politischer Nervosität und schleichender persönlicher Entfremdung durchzogen ist. Parallel dazu zerfällt sein familiäres Umfeld – der Vater nach einem Schlaganfall, die Geschwister in ihren je eigenen Sackgassen –, bis sich der Fokus zunehmend auf Pauls eigene Erkrankung verlagert. Die Diagnose eines unheilbaren Krebsleidens verschiebt die Perspektive radikal: Was zunächst als politischer Roman beginnt, verdichtet sich zu einer Erzählung des Sterbens, in der überraschend eine fragile Form von Nähe wiederkehrt – insbesondere in der vorsichtigen Wiederannäherung an seine Frau Prudence. Der Roman zeichnet diesen Prozess in langsamer, fast protokollarischer Zeitlichkeit nach und hält die Vernichtung in erzählerischer Schwebe: als etwas, das geschieht, aber durch Beziehungen, Routinen und minimale Hoffnungsschimmer noch aufgehalten scheint. - Der Gedichtband "Combat toujours perdant" (2026) wirkt demgegenüber wie eine radikale Kontraktion desselben Materials. Hier gibt es keine Handlung, keine Figurenentwicklung, keine Vermittlung durch soziale Kontexte: Die Texte bestehen aus kurzen, scharf geschnittenen Beobachtungen, die den körperlichen und existenziellen Verfall unmittelbar ausstellen. Krankheit erscheint nicht als Verlauf, sondern als Zustand; der Körper nicht als erzähltes Schicksal, sondern als defektes System. Auch die Motive des Romans – Einsamkeit, Sexualität, Altern, Todesnähe – kehren wieder, doch in einer Sprache, die jede Illusion von Kontinuität oder Sinn verweigert. Wo der Roman noch Beziehungen rekonstruiert, kennt der Gedichtband nur deren Abwesenheit oder ihr Echo; wo der Roman Zeit entfaltet, reduziert die Lyrik sie auf abrupte Gegenwartspunkte. Die Rezension liest beide Bücher als komplementäre Formen eines einzigen Projekts, um die allmähliche Vernichtung von Individuum und Gesellschaft darstellbar zu machen. Der Roman agiert dabei als eine Art „Schutzraum“: Er verteilt das Unerträgliche auf Handlung, Figuren und Zeit und macht es dadurch überhaupt erst wahrnehmbar. Der Gedichtband hingegen hebt diese Schutzmechanismen systematisch auf und konfrontiert den Leser mit einer Sprache, die das Ende nicht mehr erzählt, sondern voraussetzt. Im Unterschied zu den kalkulierten Provokationen früherer Texte, die auf Skandal, Überzeichnung und polemische Zuspitzung setzten, operiert dieses Spätwerk mit einer demonstrativen Entleerung: Nicht mehr der Tabubruch erzeugt Reibung, sondern die fast schon protokollarische Nüchternheit eines Schreibens, das jede Pointe verweigert. Ob darin ein Rückschritt oder eine Reifung liegt, entscheidet sich daran, wie man diese Geste liest: als Verlust an Angriffslust – oder als Form von Selbstkritik, die erkannt hat, dass Provokation angesichts der dargestellten Erschöpfung ins Leere läuft und daher durch radikale Verknappung ersetzt werden muss. In dieser Bewegung werden sowohl das Individuelle als auch das Gesellschaftliche gleichsam ausradiert: Das Subjekt schrumpft auf einen funktionierenden oder versagenden Körper, während die Gesellschaft nur noch als diffuse Hintergrundstruktur erscheint, sodass beide Ebenen im selben Prozess der Auslöschung ununterscheidbar werden. So bleibt am Ende eine eigentümliche Schönheit: im gedämpften Licht des Krankenzimmers, wenn Paul und Prudence wortlos nebeneinander liegen, in der langsamen Geste, mit der sie ihm das Essen reicht, im leisen Weiterlaufen der alltäglichen Dinge – Kaffeedampf am Morgen, das Rascheln von Bettwäsche –, während der Körper unaufhaltsam zerfällt und gerade diese unscheinbaren Szenen wie letzte, fragile Inseln im Strom der Auslöschung aufleuchten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Rückkehr aus dem Tal der digitalen Simulation zur Poesie des Staubs: Arnaud Sagnard</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/21/rueckkehr-aus-dem-tal-der-digitalen-simulation-zur-poesie-des-staubs-arnaud-sagnard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Mar 2026 04:36:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Arnaud Sagnard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/41MQJwJtyL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/41MQJwJtyL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/41MQJwJtyL.jpg 341w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Arnaud Sagnards "La Vallée" (2025, zit. als LV) verfolgt mit der Geschichte des Bauernsohns und Programmierers Thomas Hèvre eine Bewegung von der materiellen Welt des Morvan über die entkörperlichte Tech-Sphäre von Paris und dem Silicon Valley, wo sich die zentrale These des Romans erfüllt, dass das „Tal“ weniger ein Ort als ein geistiger Aggregatzustand ist, der die Wirklichkeit absorbiert und als Simulation zurückgibt, bis in die radikale Leere der Wüste von Amargosa; im Zentrum steht dabei ein neuronales Implantat, das Fiktion und Realität verschmilzt und so die letzte Grenze menschlicher Erfahrung aufhebt, während Thomas – zunächst als genialer „Cheat Code“ der Maschine – allmählich erkennt, dass er an der Entstehung einer unsichtbaren Ideologie der Entmaterialisierung beteiligt ist, die den Menschen in ein körperloses Phantom verwandelt, bis er sich dieser Logik entzieht und in der Wüste eine fragile Gegenwelt aus Präsenz, Stille und unvermittelter Erfahrung sucht. Der Aufsatz argumentiert, dass der Roman nicht nur eine kulturkritische Dystopie, sondern zugleich ein Text ist, der die Bedingungen des Erzählens im Zeitalter digitaler Totalintegration reflektiert, indem er die Oppositionen von Code und Mythos, Kommunikation und Schweigen, Innen- und Außenwelt systematisch in Figurenkonstellation, Raumstruktur und Metaphorik durcharbeitet; aufschlussreich ist dabei die Deutung des Silicon Valley als „Depression“ im geologischen, psychologischen und ökonomischen Sinn, wodurch die Kritik an der Tech-Industrie eine existentielle Tiefendimension erhält, während die Analyse zugleich plausibel macht, dass der Roman seine eigene Antwort performativ gibt: als literarischer Raum, der gerade durch Distanz, Unschärfe und Nicht-Totalität eine Erfahrung ermöglicht, die kein Implantat simulieren kann.]]></description>
		
		
		
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		<title>Land der Kinderkönige: Palästina zwischen Gewalt und Gnade bei Yasmina Khadra</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/10/land-der-kinderkoenige-palaestina-zwischen-gewalt-und-gnade-bei-yasmina-khadra/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 20:01:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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		<category><![CDATA[Yasmina Khadra]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="194" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/Khadra26-194x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/Khadra26-194x300.png 194w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/Khadra26.png 324w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Yasmina Khadras neuer Roman "Le prieur de Bethléem" (Flammarion, 2026, zit. als PB) knüpft thematisch an seine sogenannte „Trilogie des großen Missverständnisses“ an, die eine literarische Kartografie der Krisenregionen der frühen 2000er Jahre entwarf, Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban (mit "Die Schwalben von Kabul"), Israel und die palästinensischen Gebiete während der Zweiten Intifada (in "Die Attentäterin") und Irak im Kontext des Irakkriegs nach der amerikanischen Invasion 2003 (in "Die Sirenen von Bagdad"). Wie in diesen Romanen verbindet Khadra auch hier eine spannungsreiche Handlung mit einer moralischen Reflexion über Gewalt, Demütigung und Radikalisierung. Im Zentrum steht der französisch-israelische Verleger Alexandre Yakovlevoï, der ein Manuskript eines palästinensischen Mönchs erhält und kurz darauf von dessen Autor entführt wird. Während Alexandre gezwungen wird, die Lebensgeschichte des Priors Wahid anzuhören – eine Chronik von Vertreibung, familiären Verlusten und politischer Gewalt in Palästina –, enthüllt sich allmählich eine persönliche Verstrickung: Alexandre selbst war als junger Soldat in Israel an der Tötung von Wahids schwangeren Cousine beteiligt. Der Roman entwickelt daraus eine Konfrontation, die nicht auf Rache zielt, sondern auf moralische Einsicht. Parallel dazu öffnen visionäre und fast messianische Szenen – etwa geheimnisvolle Heilungen in Jordanien oder die Erscheinung eines Pilgers in den Ruinen von Gaza – eine spirituelle Perspektive, in der Khadra den Konflikt in einen universalen Horizont menschlicher Verantwortung stellt. - Der Aufsatz interpretiert den Roman als späte Weiterführung der Trilogie, die deren Diagnose des „großen Missverständnisses“ zwischen Orient und Okzident vertieft und zugleich transformiert. Während die früheren Werke vor allem die Entstehung von Gewalt aus Demütigung und politischer Ohnmacht analysierten, verschiebt sich hier der Fokus auf eine moralische Konfrontation zwischen Täter und Opfer. Die Argumentation des Aufsatzes arbeitet dabei mehrere Ebenen heraus: erstens die politische Dimension des Romans als Kritik an militärischer Gewalt und asymmetrischer Wahrnehmung des Nahostkonflikts; zweitens die psychologische Struktur der Schuld, die sich in der Figur des französisch-israelischen Verlegers verdichtet; und drittens eine religiös-symbolische Ebene, auf der Khadra eine Vision moralischer Wiedergeburt entwirft. Besonders betont wird, dass der Roman nicht im politischen Realismus stehen bleibt, sondern eine utopische Gegenbewegung formuliert: Wahrheit, Empathie und die „rettende Geste“ erscheinen als Möglichkeiten, den Kreislauf von Trauma und Vergeltung zu durchbrechen. Die Interpretation liest PB daher weniger als politischen Roman im engeren Sinn, sondern als literarischen Versuch des Dégagement, den Nahostkonflikt in eine universelle Ethik der Menschlichkeit zu überführen.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Im Zustand permanenter Jagd: Éric Vuillards Erstlingsroman</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/25/im-zustand-permanenter-jagd-eric-vuillards-erstlingsroman/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Feb 2026 08:34:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1999]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Vuillard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/332008-gf-190x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/332008-gf-190x300.jpg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/332008-gf.jpg 301w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Mit "Le Chasseur" (Éditions Michalon, 1999) legt Éric Vuillard seinen Erstlingsroman vor – einen schmalen, formal streng komponierten Text, der in 48 kurzen Kapiteln die Erfahrung des Gejagtseins als existenziellen Totalzustand entfaltet. In der Form eines radikal subjektiven Ich-Monologs variiert der Roman die Grundsituation einer „ein für alle Mal“ eröffneten Jagd, in der es keine Schonzeiten, keine Schutzräume und keine rechtlich gesicherten Grenzen mehr gibt. Der Erzähler, zwischen Tier und Mensch changierend, imaginiert sich als letztes Exemplar einer Art, als Objekt obsessiver Verfolgung und zugleich als einziges Ziel eines Jägers, dessen Drohung ebenso vernichtend wie sinnstiftend wirkt. Handlung im klassischen Sinn existiert kaum; stattdessen entfaltet sich eine Folge von Gedankenschüben, Hypothesen und Selbstdeutungen, die Jagd als Metapher für Angst, Anerkennungssehnsucht, Macht und Sterblichkeit lesbar machen. – Die Rezension arbeitet heraus, dass dieser Erstling bereits jene Obsessionen vorformuliert, die Vuillards spätere historische Récits – etwa "Conquistadors", "Congo" oder "L’ordre du jour" – politisch konkretisieren: das Interesse an asymmetrischen Machtverhältnissen, an der Inszenierung von Gewalt und an der Komplizenschaft der Bedrohten. Während die späteren Texte reale historische Akteure und archivalisches Material in den Mittelpunkt stellen, erscheint "Le Chasseur" als poetologisches Labor, in dem Verfolgung noch allegorisch verdichtet wird. Die Argumentation der Rezension folgt dabei einer klaren Bewegung: von der formalen Analyse (Fragmentierung, Monologstruktur, Ambivalenz zwischen Realität und Wahn) über die psychologische Deutung der Jäger-Beute-Bindung bis hin zur politischen und metaphysischen Lesart der Jagd als Ausnahmezustand. So wird der Roman nicht nur als existentialistische Parabel, sondern als Keimzelle eines Gesamtwerks verständlich, das später die „coulisses“ der Geschichte freilegt, hier jedoch die Bedrohung als Struktur des Bewusstseins selbst untersucht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zwischen Kunstinstallation und Nicht-Dystopie: Théo Cascianis radikale Gegenwartsdiagnose</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/24/zwischen-kunstinstallation-und-nicht-dystopie-theo-cascianis-radikale-gegenwartsdiagnose/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Feb 2026 23:26:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
		<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Théo Casciani]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/1000051732-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/1000051732-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/1000051732.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Théo Casciani entwirft in seinen Romanen "Rétine" (2019) und "Insula" (2026, beide bei P.O.L.) zwei aufeinander bezogene Versuchsanordnungen zur digitalen Gegenwart. Während "Rétine" den Zerfall einer Fernbeziehung in einer Welt aus Kunstinstallationen, Skype-Fenstern und global zirkulierenden Bildern seziert, verschärft "Insula" diese Ästhetik der Distanz zu einer existenziellen Dystopie: Eine illegale VR-Pille, politische Radikalisierung und der tumorbedingte Tod des Vaters verschränken sich zu einer Erzählung über Unberührbarkeit, Trauer und algorithmische Kälte. Beide Romane kreisen um die Frage, wie Wahrnehmung, Körper und Intimität unter den Bedingungen permanenter Medialität transformiert werden. - Die Doppelinterpretation liest diese Texte als Entwicklung von einer ästhetischen „Poetik der Oberfläche“ hin zu einer moralisch aufgeladenen Nicht-Dystopie. Sie argumentiert entlang zentraler Kategorien – Blick, Raum, Zeit, Intertextualität, Männlichkeit – und zeigt, wie Casciani das Motiv des Auges zur poetologischen Matrix erhebt: von der Netzhaut als Speicher visueller Reize bis zur Insula als neuronaler Metapher für Isolation. Beide Romane kulminieren im „Schrei“ – einem Moment, in dem der Körper die Herrschaft der Bilder unterbricht und sich gegen die glatte Simulation der Welt behauptet.]]></description>
		
		
		
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		<title>Drei letzte Menschen: Bildung nach der Zivilisation bei Sacha Bertrand</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/29/drei-letzte-menschen-bildung-nach-der-zivilisation-bei-sacha-bertrand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Jan 2026 22:53:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Sacha Bertrand]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="201" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/bertrand-201x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/bertrand-201x300.png 201w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/bertrand-687x1024.png 687w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/bertrand-768x1145.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/bertrand.png 770w" sizes="auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px" />Sacha Bertrands Roman „11:02h, le vent se lève“ entwirft das Bild einer Welt, in der die Zivilisation als „erstickter Kadaver“ unter dem giftigen Nebel des „Amer“ begraben liegt. Inmitten eines unerbittlichen Bergmassivs, das als „gigantische Insel“ aus scharfen Felsen isoliert ist, führt die ehemalige Bibliothekarin Myriam ein Leben in absoluter Erstarrung, symbolisiert durch eine Uhr, die dauerhaft 11:02 Uhr anzeigt. Diese Einsamkeit endet, als sie Jonas einfängt, ein „erdiges“ Wesen purer Instinkte, das sie mit Gewalt und Sprache nach ihrem Ebenbild zu formen versucht, um das Tier in ihm einzuschläfern. Die mühsam konstruierte Sicherheit ihres „geordneten Gartens“ kollidiert jedoch mit dem Auftauchen eines Unbekannten, dessen gewaltsamer Tod Jonas die Augen für Myriams paranoiden Kontrollzwang öffnet und ihn schließlich zur Flucht in ein unkartiertes „Anderswo“ bewegt. Die Rezension argumentiert, dass Bertrands Erstlingswerk die Grenzen der klassischen Dystopie sprengt, indem es das Grauen nicht in einem totalitären System, sondern im „Verschwinden gemeinsamer Bedeutungshorizonte“ ansiedelt. Der Text wird als kritische Variation der Robinsonade gedeutet, in der technisches Geschick und Disziplin nicht zur Freiheit, sondern in ein beklemmendes Machtgefüge aus Abhängigkeit und psychischer Enge führen. Ein wesentliches Argument der Analyse betrifft die Landschaft, die nicht als romantische Kulisse, sondern als „widerständige Instanz“ fungiert, die dem Menschen jegliche metaphysische Deutung verweigert und ihn auf seine nackte Körperlichkeit zurückwirft. Letztlich zeigt die Kritik auf, dass Menschlichkeit in dieser Welt nur durch eine „Ethik ohne Hoffnung“ bewahrt werden kann.]]></description>
		
		
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		<title>Nach dem Ende: Frankreich ohne Zukunft bei Jean Rolin</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/23/nach-dem-ende-frankreich-ohne-zukunft-bei-jean-rolin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 12:44:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2015]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Jean Rolin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="182" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-182x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-182x300.jpg 182w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-621x1024.jpg 621w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-768x1266.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-932x1536.jpg 932w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-1242x2048.jpg 1242w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L.jpg 1275w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" />Jean Rolins Roman „Les événements“ (2015) entwirft das Bild eines Frankreichs, in dem die staatliche Ordnung zusammengebrochen ist, ohne durch eine neue Ordnung ersetzt zu werden. In einer Folge von Fahrten, Beobachtungen und episodischen Begegnungen durchquert der Erzähler ein Land, das von bewaffneten Gruppen, provisorischen Kontrollpunkten und zerstörter Infrastruktur geprägt ist. Der Bürgerkrieg bleibt dabei seltsam unspektakulär: Gewalt ist allgegenwärtig, aber selten eruptiv; sie äußert sich in blockierten Straßen, verwaisten Gebäuden und einer permanenten Unsicherheit, die den Alltag strukturiert. Rolin verzichtet auf eine klare zeitliche Verortung oder eine erklärende politische Hintergrundgeschichte. Stattdessen entsteht ein Panorama der Gegenwart als Dauerzustand des Ausnahmezustands, in dem frühere staatliche Strukturen nur noch als Ruinen oder leere Gesten fortexistieren. Die Rezension argumentiert, dass „Les événements“ weniger als klassische Dystopie denn als „dokumentarischer Dystopismus“ zu lesen ist. Sie zeigt, wie Rolin mit einer nüchternen, präzise beobachtenden Sprache das Katastrophische in die Alltäglichkeit einsickern lässt und damit eine neue Form politischer Literatur entwirft, die ohne totalitäre Zukunftsvisionen auskommt. Analysiert werden insbesondere die Topographie des Zerfalls, die Mikropolitik der Gewalt, die gestörten Kommunikationsformen und der offene Schluss des Romans, der jede Erlösungs- oder Wiederaufbauphantasie verweigert. Die Rezension versteht Rolins Text als literarische Diagnose einer Gegenwart, in der das Ende nicht bevorsteht, sondern bereits stattgefunden hat.]]></description>
		
		
		
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		<title>Niemand tötet: Constance Debré</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/17/niemand-toetet-constance-debre/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Jan 2026 15:23:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Albert Camus]]></category>
		<category><![CDATA[Constance Debré]]></category>
		<category><![CDATA[Victor Hugo]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/1000048372-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/1000048372-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/1000048372.jpg 293w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Constance Debrés „Protocoles“ (Flammarion, 2026) ersetzt eine „Literatur der Todesstrafe“ durch die literarische Reproduktion ihrer Verwaltung: Das Buch verfolgt den Countdown der letzten 35 Tage eines Verurteilten und rekonstruiert in kalter, prosaischer Präzision die technischen, bürokratischen und logistischen Abläufe der Hinrichtung in den USA. Der Mensch erscheint nicht mehr als moralisches Subjekt, sondern als „corps du sujet“, als Körper, dessen Gewicht, Haut, Venen, Widerstand und Zersetzung durch Protokolle geregelt werden. Die Arbeitsteilung der Hinrichtungsteams weist auf ein System, das Gewalt anonymisiert, fragmentiert und entpersonalisiert, bis „niemand tötet“. Parallel dazu entwirft Debré eine Topographie der USA als Landschaft der Regelhaftigkeit, Überwachung und moralischen Erosion – von „We buy souls“-Schildern über schulische Kontrollsoftware bis zu einer allgegenwärtigen Katastrophenstimmung. – Die Rezension liest „Protocoles“ als Bruch mit der Tradition von Hugo und Camus: Statt Pathos, moralischem Appell oder existenzieller Reflexion setzt Debré auf formale Mimikry der juristischen Protokolle und entzieht der Literatur ihre hermeneutische Funktion. Debrés Poetik der Entsubjektivierung, der „Reinheit“ und der Selbstreferenzialität der Regel wird untersucht. „Protocoles“ macht die moderne Logik von Recht, Technik und Verwaltung der Todesstrafe als totalisierende Ordnung sichtbar, in der Literatur nur noch als Kopie der Macht existieren kann.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das Recht als Geräusch: Constance Debré</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/06/das-recht-als-geraeusch-constance-debre/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Jan 2026 04:01:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Constance Debré]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782080286147-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782080286147-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782080286147.jpg 293w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />In seiner Auseinandersetzung mit Constance Debrés Romanen "Offenses" (2023) und "Protocoles" (2026) verdeutlicht der Aufsatz die kontinuierliche Transformation ihres Schreibens von der Autofiktion zur gesellschaftlich-politischen Analyse. "Offenses" erzählt die Geschichte eines namenlosen Jugendlichen aus der Pariser Banlieue, der eine ältere Nachbarin ermordet. Dabei wird die Tat nicht psychologisch ausgeschlachtet, sondern als Ausgangspunkt genutzt, um die strukturelle Gewalt des Justizsystems und die soziale Ungerechtigkeit der Gesellschaft sichtbar zu machen. Debré verlagert das Interesse vom individuellen Verbrechen auf das institutionelle „Rauschen“ des Gerichts und die ritualisierte Ordnung, in der der Einzelne auf Körperlichkeit und Schweigen reduziert wird. Die Rezeption hebt hervor, dass die radikale Reduktion von Handlung und Subjektivität – der Täter wie das Opfer bleiben namenlos, ihre Biographien spielen keine Rolle – bewusst gewählt ist, um die Hierarchie und Willkür der gesellschaftlichen und juristischen Prozeduren zu entlarven. Kritiker vergleichen Debrés Ansatz mit Dostojewski, weisen jedoch auf die fehlende moralische Läuterung und die ästhetische Kälte hin, die Offenses zu einem „muskelbepackten“ literarischen Werk macht, das die Leserinnen und Leser herausfordert und gleichzeitig eine philosophische Reflexion über Schuld, Macht und strukturelle Gewalt eröffnet. - Mit "Protocoles" verschiebt Debré den Fokus auf institutionalisierte Gewalt auf einer anderen Ebene: Die bürokratische Organisation der Todesstrafe in den USA wird präzise und fast dokumentarisch beschrieben, wobei ihr fragmentarischer Stil weiterhin persönliche Beobachtungen und poetische Momente einschließt. Während in "Offenses" das Subjektive dominiert, tritt in "Protocoles" das Du in die bürokratischen Abläufe ein und erzeugt eine paradoxe Nähe und Distanz zugleich. Die Interpretation analysiert, wie Debré durch diese Verschiebung die strukturelle Dimension von Gewalt und Kontrolle betont und die poetische Wirkung weniger aus introspektiver Reflexion als aus der Konfrontation mit ritualisierter Macht gewinnt. Beide Romane demonstrieren, dass Debré konsequent die Bedingungen literarischer Subjektivität und menschlicher Autonomie in Kontexten untersucht, in denen Recht, Macht und gesellschaftliche Normen das Individuum reduzieren, und die Rezeption lobt ihre Fähigkeit, ästhetisch und argumentativ die Mechanismen von Unterwerfung und struktureller Gewalt sichtbar zu machen.]]></description>
		
		
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		<title>Eine leuchtende Postapokalypse: Céline Minard</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/28/eine-leuchtende-postapokalypse-celine-minard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 2025 23:21:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Céline Minard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/tovaangar-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/tovaangar-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/tovaangar-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/tovaangar.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Céline Minards Roman „Tovaangar“ (Rivages, 2025) entwirft eine radikal andere Postapokalypse: Nicht Mangel, Gewalt und Überleben bestimmen die Welt nach dem Ende der menschlichen Zivilisation, sondern Emergenz, Kooperation und eine leuchtende Vielfalt von Beziehungen zwischen allen Spezies. Auf den Ruinen des heutigen Los Angeles – nun wieder unter seinem vorkolonialen Namen Tovaangar – hat sich lange nach dem Zusammenbruch eine stabile, vielstimmige Weltordnung herausgebildet, in der Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine und bewusste technische Wesen als „Verwandte“ koexistieren. Die Expedition der Protagonistin Amaryllis führt nicht durch eine Landschaft der Verwüstung, sondern durch ein funktionierendes Ökosystem, in dem Konflikte nicht eskalieren, sondern rituell verhandelt werden. Im Vergleich zu Minards früheren Romanen – „Le Dernier Monde“ (Isolation nach dem Verschwinden der Menschheit), „Le Grand Jeu“ (stoische Autarkie im technischen Gehäuse) und „Plasmas“ (kosmische Fragmentierung des Seins) – markiert „Tovaangar“ den Endpunkt einer poetischen Bewegung: von der Vereinzelung des Menschen hin zu einer radikalen Dezentrierung zugunsten eines hybriden, posthumanen Kollektivs. – Der Aufsatz entwickelt seine Argumentation ausgehend vom Genrevergleich zur Poetologie: Zunächst grenzt er „Tovaangar“ von der klassischen, affektgetriebenen Postapokalypse ab und zeigt, wie Minard Angst, Schuld und Nostalgie systematisch durch Neugier und Aufmerksamkeit ersetzt. Darauf aufbauend wird der Roman als Denkraum gelesen, der aktuelle Diskurse zu Anthropozän, Posthumanismus und New Materialism nicht illustriert, sondern transformiert. Im Werkvergleich wird diese Verschiebung als langfristige Entwicklung in Minards Schreiben ausgewiesen: von der melancholischen Leere („Le Dernier Monde“) über technische Schutzräume („Le Grand Jeu“) und kosmische Auflösung („Plasmas“) hin zu einer „Werkstatt des Realen“, die Welt aktiv neu zusammensetzt. Das Fazit pointiert diese Lesart: Tovaangar ist weniger Warnung als Herausforderung – ein Roman, der zeigt, dass Zukunft nicht zwangsläufig aus Katastrophenangst entsteht, sondern aus der Imagination anderer, nicht-anthropozentrischer Formen des Zusammenlebens. Damit verschiebt Minard nicht nur ein Genre, sondern stellt die Frage nach der politischen und ontologischen Möglichkeit von Literatur selbst neu.]]></description>
		
		
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		<title>Was aus Texten wird, wenn der Mensch verschwunden ist: François Gagey</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/01/was-aus-texten-wird-wenn-der-mensch-verschwunden-ist-francois-gagey/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 12:05:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[François Gagey]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61LXNAzPPwL.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />François Gageys Erstlingsroman "Combustions" (2025) erzählt von drei Freunden, die nach der Explosion des Atomkraftwerks Flamanville in einer verstrahlten Zone ums Überleben kämpfen und dabei mit den Trümmern ihres eigenen Lebens konfrontiert werden. Zwischen Rückblenden in die Pariser Haute Finance, gescheiterten Beziehungen und existenziellen Verlusten entfaltet der Roman ein vielschichtiges Panorama gesellschaftlicher und individueller Erschöpfung: Paul, der dekadente Investmentbanker, Darko, der desillusionierte Suchende, und Baptiste, dessen private Katastrophe die äußere überlagert. Während die Katastrophe das Land physisch verwüstet, legt der Roman zugleich die geistige und moralische Auszehrung einer ganzen Zivilisation offen. Am Ende schreibt Baptiste, isoliert auf dem Mont Saint-Michel, die Geschichte seiner Gefährten nieder – im Bewusstsein, dass vielleicht niemand sie je lesen wird –, und findet in der Geste des Erzählens den letzten möglichen Widerstand gegen Sinnverlust und Vergessen. - Der Artikel deutet Combustions als Gesellschaftsroman, der die nukleare Katastrophe als radikale Offenlegung eines bereits im Inneren kollabierten Systems einsetzt. Seine Argumentation folgt der These, dass physische Zerstörung und moralische Dekadenz miteinander verschränkt sind: Die Explosion erscheint als sichtbare Manifestation eines lange schwelenden inneren Abbrennens von Elite, Staat und sozialen Bindungen. Die Rezension arbeitet heraus, wie der Roman über existenzielle Motive – Isolation, ungelebte Authentizität, die Erosion des Sinns von Literatur und Kommunikation – eine Diagnose der Gegenwart formuliert, die zugleich poetologisch ist: Schreiben wird zur letzten menschlichen Geste, die sich dem Nichts entgegensetzt. So erzählt der Roman weniger von der Katastrophe, als davon, was von Menschen, Beziehungen und Geschichten bleibt, wenn die Welt um sie herum verbrennt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Schönheit durch Bedrohung: Camille Goudeau</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/20/schoenheit-durch-bedrohung-camille-goudeau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2025 21:51:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Camille Goudeau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="187" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/61M-xYnFZnL._SL1286_-187x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/61M-xYnFZnL._SL1286_-187x300.jpg 187w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/61M-xYnFZnL._SL1286_-637x1024.jpg 637w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/61M-xYnFZnL._SL1286_-768x1235.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/61M-xYnFZnL._SL1286_.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px" />Camille Goudeaus "Crache le soleil" entwirft ein Paris am Rand des Zusammenbruchs: eine Stadt aus Kälte, Wut und erstarrter Infrastruktur, in der Menschenmassen zu drängenden Körpern werden und das Individuum in Angst, Atemlosigkeit und Fluchtimpulsen zerrieben wird. Éléonore, aus einer gewaltsamen Beziehung geflohen, versucht in diesem urbanen Chaos ein neues Gleichgewicht zu finden. Félix bewegt sich zugleich durch dieselbe Stadt wie durch ein deformiertes Farblabyrinth, tastend, verletzlich, aber empfänglich für jedes Leuchten. Das Street-Art-Porträt von Éléonore, geschaffen von der jungen Künstlerin Vérité, wird zum zentralen Signum dieser Welt: ein flüchtiges Bild, das im brüchigen Stadtraum aufscheint, überschrieben wird, wiederkehrt – und die Möglichkeit eröffnet, inmitten der Erschöpfung ein anderes Selbst sichtbar zu machen. So formt der Roman eine Anti-Dystopie, die nicht mit totalitären Schreckensbildern arbeitet, sondern mit den Mikroverletzungen des Alltags, den psychischen Erschütterungen und der ästhetischen Durchlässigkeit einer Stadt im Zustand schleichender Desintegration. - Die Rezension betont diese doppelte Bewegung: einerseits die zeichnerische Härte, mit der der Roman den urbanen Druck sichtbar macht, andererseits das poetische Aufleuchten, das den Figuren einen Raum der Reorientierung schenkt. Sie hebt die körpernahe Sprache hervor, die Kälte, Erschöpfung und innere Zersetzung unmittelbar erfahrbar macht, und unterstreicht die Bedeutung der Licht- und Farbsymbolik, die Éléonore, Félix und Vérité miteinander verbindet. Die soziale Dimension der Street-Art-Motivik erweist Sichtbarkeit als Machtressource, die im übermalten, verwischten, wiedererscheinenden Porträt verhandelt wird. Schließlich zeigt die Besprechung, wie der Roman ästhetische Intensität in eine fragile Hoffnung verwandelt: Die Begegnung der beiden beschädigten Existenzen am Ende wirkt nicht wie ein Happy End, sondern wie ein Aufglimmen von Möglichkeit – ein kurzer Moment, in dem eine erfrorene Welt Wärme freisetzt.]]></description>
		
		
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		<title>Jenseits der Zivilisation: Fabrice Humbert</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/03/jenseits-der-zivilisation-fabrice-humbert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Nov 2025 11:30:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Albert Camus]]></category>
		<category><![CDATA[Fabrice Humbert]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="192" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782702194379-001-X-192x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782702194379-001-X-192x300.jpeg 192w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782702194379-001-X-657x1024.jpeg 657w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782702194379-001-X-768x1197.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782702194379-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px" />Fabrice Humberts Roman "De l’autre côté de la vie" (2025) entfaltet eine apokalyptische Fluchtgeschichte, in der der Ich-Erzähler – ein Pariser Anwalt – mit seinen Kindern einer in Bürgerkrieg versinkenden Hauptstadt entkommt. Die Reise in Richtung einer halbmythischen „République du Jura“ wird zur moralischen Abwärtsbewegung: Was als Schutzversuch beginnt, verwandelt sich in eine phänomenologische Studie der Verrohung. Sprache selbst wird als Trägerin des Giftes sichtbar – „die Worte bereiteten den Boden“ –, während Gewalt aus Angst und Anpassung erwächst. Der Roman verbindet dystopische Gesellschaftsanalyse mit einer existenziell aufgeladenen Poetik: Kindheit erscheint als letzter Rest des Humanen, Natur als trügerischer Trost, Utopie als fragiles Wunschbild, das im Feuer vergeht. Die Parabel zeigt nicht primär äußere Katastrophen, sondern die Erosion des Menschlichen durch den Zerfall gemeinsamer Werte und des sozialen „Flüssigen“ früherer Höflichkeit. - Die Besprechung interpretiert diesen Roman als Fortschreibung von Humberts Gesamtwerk und stellt ihn in einen systematischen, thematisch wie poetologisch kohärenten Kontext. Sie argumentiert doppelt: einerseits wird der Roman als literarische Verdichtung aller bisher entwickelten Motive gelesen – Zerfall sozialer Bindungen, mediale Vergiftung der Realität, die Illusion von Utopien –, andererseits als radikalisierte Selbstkorrektur des Autors, die frühere moralische Hoffnungen skeptisch bricht. Die Kritik macht sichtbar, wie der Erzähler als Jurist seine eigene Sprache einer „Reinigung“ unterzieht und das Werk als Gegenrede zur Gewalt formuliert, obwohl es zugleich die Grenzen solcher Rede demonstriert. Die Rezension macht deutlich, dass Humbert sein zentrales Thema – die Selbstgefährdung des zivilisierten Menschen – in diesem Roman zu einer kompromisslosen literarischen Konsequenz führt.]]></description>
		
		
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		<title>Semionaut des Untergangs: Mathieu Larnaudie</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/31/semionaut-des-untergangs-mathieu-larnaudie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Aug 2025 10:50:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mathieu Larnaudie]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="181" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/61BzImJi3hL._UF10001000_QL80_-181x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/61BzImJi3hL._UF10001000_QL80_-181x300.jpg 181w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/61BzImJi3hL._UF10001000_QL80_.jpg 604w" sizes="auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px" />Mathieu Larnaudies "Trash Vortex" (2024) erzählt in scharfer Satire vom Niedergang einer globalen Elite, die sich angesichts ökologischer und politischer Krisen in Bunkerträume, libertäre Fantasien und zynische Profitstrategien flüchtet. Im Zentrum steht Eugénie Valier (alias Liliane Bettencourt), Erbin eines Industrieimperiums, die ihr Erbe nicht an ihren Sohn weitergibt, sondern einer Stiftung zur Reinigung der ozeanischen Müllstrudel vermacht – ein Akt zwischen utopischem Gestus und familiärem Rachefeldzug. Der Roman entfaltet so ein Panorama von Macht, Gier und Verfall, in dem die Faszination für den eigenen Untergang das letzte verbindende Narrativ einer erschöpften Zivilisation bildet.]]></description>
		
		
		
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		<title>Rückkehr nach Athen: Laurent Gaudé</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/23/rueckkehr-nach-athen-laurent-gaude/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 14:21:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Laurent Gaudé]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="159" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1-159x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1-159x300.jpg 159w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1-543x1024.jpg 543w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1-768x1448.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1-815x1536.jpg 815w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/1000023488-1.jpg 955w" sizes="auto, (max-width: 159px) 100vw, 159px" />Laurent Gaudés „Zem“ (Actes Sud, 2025), die direkte Fortsetzung zu „Chien 51“ (2022), führt in die dystopische Megalopolis Magnapole zurück, wo das globale GoldTex-Konsortium die radikale soziale Spaltung zwischen den Zonen 1, 2 und 3 verschärft, und erzählt die Wandlung des desillusionierten Ex-Polizisten Zem Sparak. Dieser Band enthüllt die Existenz einer „Zone 4“ in Kreta, die auf Ausbeutung und Sucht beruht, und verdeutlicht, wie globale Konzerne angesichts globaler Klimaprobleme ganze Nationen zur Rohstoffgewinnung und menschlichen Ressource degradieren. Diese Besprechung analysiert, wie Gaudé mit seiner analytisch kühlen und liturgisch verdichteten Sprache universelle Fragen nach Erinnerung, moralischer Integrität und individueller Handlungsmacht in einer konzern-dominierten Welt verhandelt, während Zems Rückkehr nach Athen seine persönliche Suche nach Identität und Widerstand gegen das Vergessen symbolisiert.]]></description>
		
		
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		<title>Tyrannei der Imagination: Julien de Kerviler</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/21/tyrannei-der-imagination-julien-de-kerviler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Aug 2025 07:55:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Julien de Kerviler]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="185" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/51ClqIn9qoL-185x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/51ClqIn9qoL-185x300.jpg 185w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/51ClqIn9qoL-631x1024.jpg 631w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/51ClqIn9qoL-768x1246.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/51ClqIn9qoL-947x1536.jpg 947w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/51ClqIn9qoL.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px" />Julien de Kervilers "Les Tyrans sont éternels" (2003) erzählt die US-Invasion Bagdads aus der Perspektive einer Favoritin Saddam Husseins, die zugleich Double, Medium und Erzählerin ist. Der Roman webt ein labyrinthisches Geflecht aus Täuschung, Doppelgängertum und mythischer Überblendung, in dem Realität, Fiktion und Geschichte ununterscheidbar werden. Bagdad erscheint als Neuauflage von Babel, Saddam als Wiederkehr mesopotamischer Herrscher und die Tyrannei als unzerstörbare, sich ewig wiederholende Macht. Der weibliche Körper dient als Schauplatz der Unterwerfung, zugleich aber auch als Ort narrativer Gegenmacht. In einer apokalyptischen Vision konservieren sich die Tyrannen im Untergrund, um nach dem Untergang der Menschheit wiederzukehren. Der Roman selbst inszeniert sich als „Zeitbombe“ und Waffe, die den Leser in das Spiel der Täuschung hineinzieht und so demonstriert, dass Sprache und Erzählung die ultimative Form der Machtausübung sind. - Der Aufsatz zeigt, dass Kervilers Roman nicht nur ein politischer Text über den Irakkrieg ist, sondern eine poetologische Reflexion über die Unausweichlichkeit von Täuschung, die Macht der Sprache und das ewige Wiederkehren der Tyrannei. Er arbeitet die zentralen Motive – Doppelgänger, Babel-Mythos, Körperpolitik, Metafiktion – heraus, verknüpft sie mit der mesopotamischen Mythographie und vergleicht sie mit anderen literarischen Kontexten wie Olivier Guez’ "Mesopotamia" (2024) und de Kervilers "Les mouvements de l’Armée rouge en 1945" (2025). Der Aufsatz interpretiert "Les Tyrans sont éternels" letztlich als literarisches „Wahrnehmungsexperiment“, das zeigt, dass die radikalste Form der Tyrannei nicht physische Gewalt, sondern die Kolonisierung der Imagination durch Sprache ist.]]></description>
		
		
		
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		<title>Frankreichs Kontamination 2036: Robert Merle und Emmanuel Ruben</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/19/frankreichs-kontamination-2036-robert-merle-und-emmanuel-ruben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Aug 2025 05:24:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Emmanuel Ruben]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Merle]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Ruben-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Ruben-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Ruben.jpg 628w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Emmanuel Rubens Roman "Malville" (Stock, 2024) fügt sich in eine lange Reihe apokalyptischer Literatur ein, die von biblischen Prophetien bis zu Robert Merles "Malevil" bzw. "Malevil oder die Bombe ist gefallen" (1972, dt. 1975) reicht, dessen Titel hier bewusst als intertextuelle Folie aufgerufen wird: Auf der Ebene der Gesellschaftskritik ist "Malville" eine Abrechnung mit der französischen Nuklearpolitik seit den 1970er Jahren. Heute zeichnet Ruben minutiös nach, wie politische Entscheidungen – von Macrons Renaissance des Atomprogramms über den Aufstieg der extremen Rechten bis zur Auflösung der Europäischen Union – in die Katastrophe führten. Robert Merles "Malevil" erzählt aus der Ich-Perspektive des Landwirts Emmanuel Comte, der nach einem plötzlichen Atomschlag gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Freunden und Nachbarn in der abgeschiedenen Burg Malevil überlebt. Schon vor Beginn der eigentlichen Handlung wird klar, dass Rubens "Malville" als intertextueller Dialog mit Merle gelesen werden will – Fortführung, Variation und zugleich kritische Umkehrung seines Endzeitromans.]]></description>
		
		
		
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		<title>Gärten der Verwandlung: Marivaux und Emmanuelle Bayamack-Tam</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/26/gaerten-der-verwandlung-marivaux-und-emmanuelle-bayamack-tam/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 11:36:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2018]]></category>
		<category><![CDATA[2021]]></category>
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		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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		<category><![CDATA[Emmanuelle Bayamack-Tam]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="214" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Shotgun-Players-Triumph-of-Love-Veronica-Renner-Edward-1536x1097-1-300x214.webp" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Shotgun-Players-Triumph-of-Love-Veronica-Renner-Edward-1536x1097-1-300x214.webp 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Shotgun-Players-Triumph-of-Love-Veronica-Renner-Edward-1536x1097-1-1024x731.webp 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Shotgun-Players-Triumph-of-Love-Veronica-Renner-Edward-1536x1097-1-768x549.webp 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Shotgun-Players-Triumph-of-Love-Veronica-Renner-Edward-1536x1097-1.webp 1536w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Der Artikel verbindet Pierre de Marivaux’ "Le Triomphe de l’amour" (1732) mit zwei zeitgenössischen Werken von Emmanuelle Bayamack-Tam, der Theateradaption "À l’abordage!" (2021) und dem Roman "Arcadie" (2018). Gemeinsamer Kern ist eine dramaturgische Grundkonstellation: Eine junge Figur dringt in eine abgeschottete Welt ein – sei es die philosophische Enklave Hermocrates, die sektenhafte Gemeinschaft Kinbotes oder die utopische Kommune Arcadys. In allen Fällen wird die Ordnung durch Liebe, Begehren und Verwandlung herausgefordert. Dabei variiert der Modus: Marivaux’ Komödie inszeniert eine strategische Maskerade zur Wiederherstellung der Ordnung; Bayamack-Tam transformiert dieses Modell in "À l’abordage!" zur queeren Farce und in "Arcadie" zur melancholischen Selbstsuche. Die Maske wird zur Identität, das theatrale Spiel zur existenziellen Transformation. Der Artikel zeigt, wie Bayamack-Tam Marivaux nicht nur aktualisiert, sondern auch radikal umcodiert: Statt einer binären Welt aus Vernunft und Gefühl entwirft sie fluide Identitäten, deren Begehren nicht normativ gezähmt, sondern politisch befreit ist. Während Marivaux die Liebe als Mittel der Restauration inszeniert, wird sie in "À l’abordage!" zur lustvollen Destabilisierung und in "Arcadie" zum Prüfstein utopischer Heilsversprechen. Farah ist dabei nicht mehr nur Subjekt der Verkleidung, sondern der Verwandlung selbst. Der Aufsatz liest Bayamack-Tams Werke als Hommage an Marivaux durch subversive Fortschreibung – ein queerer Humanismus, der Masken nicht fallen lässt, um Wahrheit freizulegen, sondern um Identität als offenes Werden zu behaupten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Geplante Obsolenz: Guillaume Poix</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/18/geplante-obsolenz-guillaume-poix/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Jul 2025 17:06:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2017]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Guillaume Poix]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="203" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/G00831-203x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/G00831-203x300.jpg 203w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/G00831-693x1024.jpg 693w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/G00831-768x1135.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/G00831-1039x1536.jpg 1039w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/G00831-1386x2048.jpg 1386w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/G00831.jpg 1632w" sizes="auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px" />Im Roman "Les fils conducteurs" (2017), ausgezeichnet mit dem Prix Wepler-Fondation La Poste, konfrontiert uns Guillaume Poix mit den Widersprüchen des westlichen Idealismus, den verheerenden Folgen der globalen Konsumgesellschaft und der moralischen Korruption, die sich einstellt, wenn wohlmeinende Absichten auf komplexe Realitäten der Ausbeutung treffen. Der Roman, der uns in die gefährliche Welt der Elektroschrottdeponie Agbogbloshie in Ghana entführt, erzählt die parallelen Geschichten des französisch-schweizerischen Fotojournalisten Thomas und des jungen ghanaischen Jungen Jacob. Die zentrale Problemstellung des Romans ist die Demontage westlicher Überheblichkeit und Naivität, die sich in der Figur Thomas' manifestiert. Der Fotograf Thomas, getrieben von seinem Idealismus und dem Wunsch nach Relevanz, will die ökologische Katastrophe und illegale Recyclingpraktiken in Agbogbloshie aufdecken. Doch seine Reise wird zu einem moralischen Abstieg, der ihn zur Mitschuld an einer Tragödie werden lässt. Die Erzählung problematisiert, wie der westliche Blick, der zwischen Dokumentation und Voyeurismus schwankt, letztlich zur Komplizenschaft beiträgt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Umzäunte Gärten: Karim Kattan</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/13/umzaeunte-gaerten-karim-kattan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Jul 2025 12:55:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Karim Kattan]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="197" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/hortus-197x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/hortus-197x300.jpg 197w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/hortus-673x1024.jpg 673w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/hortus-768x1168.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/hortus.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px" />Karim Kattans Gedichtband "Hortus conclusus" ist eine poetische Erkundung des Gartens als Ort der Erinnerung, des Begehrens und der kolonialen Überformung. Zwischen Bethlehem und Babylon, Knossos und Glastonbury entfaltet sich eine dichte Topographie aus mythischen und geopolitisch aufgeladenen Motiven. Der titelgebende „eingeschlossene Garten“ – ein reales Kloster in Artas bei Bethlehem – wird zum verdichteten Bild eines poetischen Raums, in dem sich Schönheit und Ausschluss, Heilung und Trauma überlagern. Die Gedichte sind durchzogen von lyrischer Sinnlichkeit und historischer Schwere; sie sprechen von Checkpoints, Körpern, Märtyrerinnen, Hexen und Göttern, und sie kreisen immer wieder um die Frage: Wo ist ein Ort, an dem man atmen, lieben, überleben darf? Zentral ist dabei das wiederkehrende Bild des Tals der Rosen – Wadi al-Ward, einer historischen Landschaft nahe Jerusalem, in der einst Frauen Rosen pflückten, um daraus Konfitüre zu machen. In Kattans Lyrik wird dieses Tal zur verschwundenen Utopie, zum versunkenen Gedächtnisraum und zugleich zur poetischen Chiffre für eine andere Palästina-Erzählung: nicht als bloßer Ort der Gewalt, sondern als Garten der möglichen Rückkehr, der sanften Magie und der widerständigen Zärtlichkeit. "Hortus conclusus" ist so ein Buch der Durchlässigkeit – zwischen Erde und Mythos, zwischen Sarha (dem ziellosen Umhergehen) und Verwurzelung –, das sich der gängigen Opferästhetik verweigert und stattdessen ein palästinensisches Imaginarium von großer Dichte schafft.]]></description>
		
		
		
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		<title>Reise und Revolution: Che Guevara bei Désérable und Femen bei de Villeneuve</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/05/reise-und-revolution-che-guevara-bei-deserable-und-femen-bei-de-villeneuve/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Jul 2025 13:09:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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		<category><![CDATA[Camille de Villeneuve]]></category>
		<category><![CDATA[François-Henri Désérable]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="217" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-300x217.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-300x217.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-1024x741.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-768x556.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable.jpg 1047w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />François-Henri Désérables "Chagrin d'un chant inachevé" und Camille de Villeneuves "Lis Lénine !" (beide Gallimard, 2025) verbindet auf den ersten Blick wenig: der eine ein Reisebericht auf den Spuren Che Guevaras in Südamerika, getragen von literarischem Witz und romantischem Abenteuergeist; der andere ein schonungsloses Kriegs- und Körperdrama aus der Gegenwart, ein apokalyptisches Panoptikum von Aktivismus, Kunst, Trauma und Krieg im Osten Europas. Beide Romane beschäftigen sich mit zentralen Themen wie Freiheit, politischen Utopien und dem Scheitern von Revolutionen, die sie jedoch in sehr unterschiedlichen Kontexten entfalten. In beiden Texten steht das Reisen im Zentrum, verstanden als existenzielle Grenzerfahrung: François-Henri Désérables Erzähler folgt den Spuren des jungen Ernesto Guevara, noch bevor dieser zur Revolutionsikone wurde, und erkundet dabei die ambivalente Beziehung zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlichen Zwängen. Camille de Villeneuve wiederum erzählt von einer Reise zurück in den Krieg, in der persönliche Freiheit zur Illusion gerät und die politische Ideologie, hier in Form von feministischer Militanz und sowjetischen Mythen, als zerstörerische Kraft erscheint.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das neue Athen: Laurent Gaudé</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/30/das-neue-athen-laurent-gaude/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Jun 2025 18:12:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Laurent Gaudé]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="159" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/chiens51-159x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/chiens51-159x300.jpg 159w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/chiens51-542x1024.jpg 542w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/chiens51-768x1451.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/chiens51-813x1536.jpg 813w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/chiens51-1084x2048.jpg 1084w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/chiens51.jpg 1355w" sizes="auto, (max-width: 159px) 100vw, 159px" />Gaudé inszeniert in "Chien 51" (2022) eine düstere Parabel über die Degradierung des Menschen zur Ressource, über das Vergessen kollektiver Geschichte, über die Verlagerung staatlicher Gewalt in privatwirtschaftliche Hände – und über das letzte Aufflackern von Menschlichkeit in einem entseelten System. Der Roman thematisiert nicht nur soziale Ungleichheit, sondern geht weit darüber hinaus: Er stellt Fragen nach moralischer Integrität, individueller Handlungsmacht, Erinnerung, Rache und Erlösung – mit einer eindrucksvollen Sprache, die zugleich analytisch kühl und liturgisch verdichtet wirkt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Anthropologie der Angst: Éric Chauvier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/01/anthropologie-der-angst-eric-chauvier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 15:26:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Chauvier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="176" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-176x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-176x300.jpg 176w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-602x1024.jpg 602w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-768x1306.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-903x1536.jpg 903w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover.jpg 1181w" sizes="auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px" />Die Wissensbezüge des Buches sind tief in Chauviers anthropologischem Hintergrund verwurzelt, werden aber stets literarisch transformiert. Das gesamte Narrativ wird von einer zentralen, anthropologischen These getragen: Der Motor der Geschichte der Menschheit ist die Todesangst. Die Zivilisation ist für Chauvier ein stets gescheiterter, immer wieder neu begonnener Versuch, die Todesangst zu beschwören oder zu bannen. Diese Grundprämisse durchzieht das Buch wie ein Leitmotiv und liefert den Deutungsrahmen für die gesamte menschliche Entwicklung. Éric Chauviers "Un lac inconnu" (2025), bei den Editions Allia erschienen, präsentiert sich dem Leser als ein Werk von geringem Umfang – gerade mal hundert Seiten stark – dessen Ambition und intellektuelle Tiefe jedoch weit über diese physische Größe hinausreicht. Der Autor, der sowohl als Anthropologe als auch als Schriftsteller tätig ist, verbindet in diesem Text wissenschaftliche Analyse mit literarischer Form. Das Buch ist kein traditioneller Essay, sondern, wie Chauvier selbst es nennt, eine "poetische Metaerzählung" ("métarécit poétique"). Dieser hybride Ansatz ermöglicht eine longue durée literarischer Untersuchung von Menschheitsgeschichte, ihrer Triebkräfte und ihrer letztendlichen Entwicklungsrichtung. Chauviers Buchvorhaben ist ein faszinierendes Beispiel für die Überschreitung disziplinärer Grenzen und die Nutzung literarischer Mittel zur Darstellung komplexer anthropologischer Thesen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Trump, Musk, Putin: politische Farce bei Philippe Claudel</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/31/trump-musk-putin-politische-farce-bei-philippe-claudel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 May 2025 05:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Claudel]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-195x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-195x300.jpeg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-664x1024.jpeg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-768x1184.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />„Wanted“ (2025) von Philippe Claudel ist eine politische Satire, die zeitgenössische Personen und Machthaber wie Elon Musk, Donald Trump und Wladimir Putin in einer extrem überzeichneten Fabel inszeniert. Der Roman beginnt mit Musks absurd übersteigerter Ankündigung, ein Kopfgeld auf Putin auszusetzen, um das reale politische Spektakel der Gegenwart zu übertreffen und dadurch zu entlarven. Claudel nutzt dabei einen direkten, burlesken und komisch-tragischen Stil, der z.B. Elemente des Westerns aufgreift, um die Akteure als narzisstische "Clowns" und "Fous" darzustellen, die alle diplomatischen Usancen sprengen. Unter der Oberfläche von Klamauk und Parodie verbirgt sich eine scharfe Kritik am Einfluss des Geldes auf die Politik, der Erosion von Moral und Dialog in einer Ära der "wild diplomacy" und der zunehmenden Verbreitung von Ignoranz und Dummheit. Aus einer spezifisch französischen Perspektive, die das Eindringen dieser Figuren in den Alltag empfindet, bietet der Roman eine dystopische Sicht auf eine Welt, in der Fiktion und Realität ununterscheidbar werden und die Macht des Kapitals über Leben und Tod entscheidet. Philippe Claudel, der als Präsident der Académie Goncourt eine wichtige Stimme im französischen Literaturbetrieb ist, setzt Humor als "Waffe" ein, um dem "allgemeinen Durcheinander" der Welt entgegenzutreten und den Leser zum Lachen statt zum Verzweifeln einzuladen. Ein Kernthema der Satire ist die Aufhebung der Grenze zwischen bizarrer Realität und plausibler Fiktion, die zeigt, wie Wahnsinn zur glaubwürdigen Realität werden kann. Unter der satirischen Oberfläche transportiert der Roman eine düstere und beunruhigende Botschaft über das kollektive Versagen, das solchen Figuren an die Macht verholfen hat, und die Gefahr einer Welt, die von "cinglés" (Verrückten) beherrscht wird. Die knappe Form des Romans (ca. 140 Seiten), der begrenzte Personenkreis und die lineare Erzählweise unterstreichen die Direktheit des Angriffs auf die dargestellten Machtfiguren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Transgression bei Guillaume Lebrun: Jeanne d&#8217;Arc und Héliogabale</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/26/transgression-bei-guillaume-lebrun-jeanne-darc-und-heliogabale/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 May 2025 08:21:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Antonin Artaud]]></category>
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		<category><![CDATA[Stéphanie Hochet]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="242" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-300x242.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-300x242.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-1024x825.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-768x618.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Guillaume Lebruns Romane „Fantaisies guérillères“ (2022) und „Ravagés de splendeur“ (2025) erzählen Geschichte als Produkt von Fiktion, Macht und Inszenierung. Der Artikel analysiert, wie Lebrun Jeanne d’Arc zur feministischen Medienfigur umcodiert und den römischen Kaiser Héliogabale als transidente Mystikerin der Dekadenz stilisiert. Mittelalter und römische Antike dienen als ästhetischer und ideologischer Resonanzraum für Fragen von Identität und Fiktion: In „Fantaisies guérillères“ wird Jeanne von einer Frauenclique erfunden und strategisch in Szene gesetzt als Symbol weiblicher Gegenmacht. In „Ravagés de splendeur“ führt die Überschreitung in Anlehnung an Antonin Artauds „Héliogabale“ in einen brutalen Tod, dieser Tod markiert die Unvereinbarkeit von Héliogabales Existenz mit einer Ordnung, die das Andere auslöschen muss. Lebrun versteht Literatur als Affektmaschine und Störinstanz – seine Sprache will nicht abbilden, sondern destabilisieren und befreien, in diesen queeren, mythopoetischen Transgressionen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Himmlers Zuchtbefehl: Caroline de Mulder</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/08/himmlers-zuchtbefehl-caroline-de-mulder/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 May 2025 21:28:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
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		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Caroline De Mulders Roman „La pouponnière d’Himmler“ erzählt das Lebensborn-Programm des Nationalsozialismus als Schrecken einer durchideologisierten Kindheit: Kindheit wird nicht als schützenswerte Lebensphase gezeigt, sondern als Produkt eines rassistischen Zuchtprogramms – verwaltet, vermessen, umbenannt und ihrer Herkunft beraubt. Die Körper von Frauen, Kindern und Männern erscheinen nicht als Subjekte, sondern als biopolitisches Material im Dienst einer totalitären Ideologie. Die Frau wird als „Gebärmaschine“ dargestellt, deren Wert sich ausschließlich aus ihrer Reproduktionsfähigkeit für die „Rasse“ ergibt. Renée, die als junge schwangere Französin im Lebensborn-Heim entrechtet wird, Helga, die als Oberschwester zwischen Pflichterfüllung und Schuld taumelt, und Marek, der als Zwangsarbeiter entmenschlicht wird, verkörpern drei Varianten existenzieller Ausgeliefertheit an ein System, das Körper zählt, aber Leben entwertet. Gleichzeitig deutet der Roman an, dass die völlige Indienstnahme der Körper nicht gelingt: In poetischen Momenten innerer Bilder, sinnlicher Erfahrung und zwischenmenschlicher Nähe blitzen Möglichkeiten von Subjektivität auf. Die Erzählerin des Romans versucht im Rückblick, das Schweigen der Vergangenheit zu durchbrechen, und begegnet der historischen Leerstelle mit Sprache, Imagination und dokumentarischen Fragmenten. Die vielstimmige Struktur des Romans – zwischen innerem Monolog, Archivtexten und Gegenwartserzählung – spiegelt die Fragmentierung traumatisierter Kindheiten wider und macht literarisch erfahrbar, was historisch mit dem Kriegsende am 8. Mai 1945 ausgelöscht werden sollte.]]></description>
		
		
		
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		<title>Uchronie und Heil: Emmanuel Carrère</title>
		<link>https://rentree.de/2025/04/07/uchronie-und-heil-emmanuel-carrere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2025 14:12:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Reserve]]></category>
		<category><![CDATA[Emmanuel Carrère]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/uchronie-bande-carrere-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/uchronie-bande-carrere-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/uchronie-bande-carrere.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Emmanuel Carrère beschreibt Jahrzehnte nach der Publikation seines Buchs „Le Détroit de Behring“ (1986, dt. „Kleopatras Nase: kleine Geschichte der Uchronie“, 1993.) in seiner Wiederveröffentlichung von 2025, „Uchronie“, mit eigenem Vorwort, seine Bewegung als eine von der Imagination zur Akzeptanz, vom Spiel zur Verantwortung, vom uchronischen Möglichkeitsüberschuss zur gelebten Realität. Die Uchronie bei Carrère ist nicht nur Gattungsbezeichnung, sondern auch ein poetologischer Kommentar: Der Text selbst ist eine Uchronie, reflektiert aber zugleich, was eine Uchronie leisten kann – und wo ihre Grenzen liegen, etwa in seinen Büchern „La Moustache“ oder „Le Royaume“.]]></description>
		
		
		
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		<title>Etwas Unsichtbares streicheln: Debora Levyh</title>
		<link>https://rentree.de/2025/03/16/etwas-unsichtbares-streicheln-debora-levyh/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Mar 2025 13:02:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Debora Levyh]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="186" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/book_977_image_cover-186x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/book_977_image_cover-186x300.jpg 186w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/book_977_image_cover-636x1024.jpg 636w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/book_977_image_cover-768x1236.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/book_977_image_cover-955x1536.jpg 955w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/book_977_image_cover-1273x2048.jpg 1273w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/book_977_image_cover.jpg 1358w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" />Debora Levyhs Erstlingsroman "La version" (2023) erforscht die radikale Fremdheit einer Welt, deren Sprache, Zeitverständnis und soziale Organisation sich grundlegend von der unseren unterscheiden. Dieser Artikel zeigt, wie der Text eine literarische Reflexion über die Grenzen der Sprache unternimmt: Die Erzählerin kann die fremde Kultur zwar beobachten und ihre Muster erkennen, doch die Übersetzung in ihre eigene Sprache bleibt unzureichend. Durch das Fehlen fester Identitäten, konstanter Objekte und linearer Erzählstrukturen der fremden Welt erzeugt der Roman eine Atmosphäre der Desorientierung, die Leser dazu zwingt, ihre gewohnten Denkweisen zu hinterfragen. Levyhs Werk wird in den Kontext literarischer Traditionen der poetischen Anthropologie gestellt und mit Werken wie Henri Michaux’ "Voyage en Grande Garabagne" oder Julio Cortázars "Historias de Cronopios y de Famas" verglichen, die ebenfalls mit surrealen Gesellschaftsentwürfen experimentieren. Levyhs Poetik der Periphrase bewirkt eine immer leicht verfehlte Annäherung an die Konzepte, wodurch die Sprache nicht als festes System der Bedeutung, sondern als ein fluides Medium erscheint, das der Erfahrung des Unübersetzbaren gerecht wird. Während etwa Dantes Paradiso XXXIII die Unzulänglichkeit menschlicher Sprache angesichts des Göttlichen thematisiert, Edwin Abbotts "Flatland" anhand eines mathematischen Gedankenexperiments über die verschiedenen Dimensionen veranschaulicht, wie begrenzte Wahrnehmungskategorien die Vorstellungskraft einschränken, verknüpft der Film "Arrival" von Denis Villeneuve die Entzifferung einer nicht-linearen Schrift von Außerirdischen mit der Erfahrung einer veränderten Zeitwahrnehmung. Das Besondere an "La version" von Debora Levyh liegt in seiner radikalen Erkundung sprachlicher und kultureller Fremdheit, die den Leser nicht nur inhaltlich, sondern auch ästhetisch herausfordert. Die Schönheit dieses Schreibens liegt in einer dichten, fast meditativen Atmosphäre, aus der Unmöglichkeit heraus, das völlig Fremde vollständig zu begreifen. Ein Buch für Leser, die sich auf eine intellektuelle und sinnliche Erkundung der Grenzen des Übersetzbaren einlassen möchten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Palästina, Wunde und Traum: Karim Kattan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2025 12:16:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Karim Kattan]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="176" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-176x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-176x300.jpg 176w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-599x1024.jpg 599w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-768x1313.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-899x1536.jpg 899w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px" />Karim Kattans „L’Éden à l’aube“ erzählt eine Liebe in Palästina zwischen Isaac und Gabriel, die sich in einem von politischen, religiösen und gesellschaftlichen Konflikten durchzogenen Jerusalem entfaltet. Der Roman wechselt zwischen lyrischer Entrücktheit und politischer Realität, zwischen mythischer Überhöhung und der Brutalität des Alltags. Der Text entfaltet sich in einer traumhaften Erzählweise, während er zugleich die Spuren kolonialer Gewalt und territorialer Enge unübersehbar macht. Interessanterweise bleiben Utopie und Dystopie in „L’Éden à l’aube“ nicht klar getrennt. Vielmehr entsteht eine Hybridität, in der Hoffnung und Zerstörung ineinander übergehen. Isaac, der potenziell geopferte Sohn Abrahams, und Gabriel, der göttliche Bote, befinden sich in einer Welt, die am Rande des Paradieses steht.]]></description>
		
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		<title>Boualem Sansals Festnahme und ein Raumschiff</title>
		<link>https://rentree.de/2024/11/23/boualem-sansals-festnahme-und-ein-raumschiff/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Nov 2024 09:58:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Boualem Sansal]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/11/vivre-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/11/vivre-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/11/vivre-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/11/vivre-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/11/vivre-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/11/vivre-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/11/vivre.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Boualem Sansals jüngster Roman „Vivre: le compte à rebours“ („Leben: der Countdown“, Gallimard, 2024) erzählt eine dystopische Geschichte in einer apokalyptischen Welt. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass der Text voller Anspielungen auf die politischen, sozialen und kulturellen Realitäten Algeriens ist. Durch seine metaphorische Erzählweise übt Sansal nicht nur Kritik an globalen Phänomenen wie Totalitarismus und Umweltzerstörung, sondern auch an spezifischen Missständen in seinem Heimatland. Angesichts der Verhaftung des Schriftstellers Boualem Sansal lesen wir den Roman „Vivre“ anders: Hier werden indirekt Themen wie Festnahmen und staatliche Repression angesprochen, jedoch oft in einem metaphorischen oder dystopischen Kontext.]]></description>
		
		
		
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		<title>Aurélien Bellanger als Lorenzaccio: Les derniers jours du Parti socialiste</title>
		<link>https://rentree.de/2024/10/04/aurelien-bellanger-als-lorenzaccio-les-derniers-jours-du-parti-socialiste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Oct 2024 07:29:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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		<category><![CDATA[Aurélien Bellanger]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Aurélien Bellanger bewegt sich mit dem jüngsten Roman „Les derniers jours du Parti socialiste“ in diesem Herbst 2024 zwischen politischer Fiktion, Schlüsselroman und gesellschaftlicher Satire, mit Elementen der Utopie, aber auch der Dystopie einer zunehmend autoritären Republik, in der die laizistischen Ideale instrumentalisiert werden, um eine islamophobe Politik durchzusetzen. Der Roman zeichnet ein Gesellschaftsbild, in dem die traditionellen politischen Lager der Republik bzw. die Grenzen zwischen links und rechts verschwimmen und in der nationalistische und identitäre Bewegungen das politische Spektrum dominieren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Brachland und Raumordnung: Jean Rolin</title>
		<link>https://rentree.de/2023/07/18/brachland-und-raumordnung-jean-rolin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Jul 2023 07:48:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="219" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/Rolin-300x219.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/Rolin-300x219.png 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/Rolin-1024x747.png 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/Rolin-768x560.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/Rolin.png 1088w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Jean Rolins Projekt, mit einer "littérature de terrain" eine andere Topographie der Lebensräume zu erschreiben, im scheinbar heimischen Kontext um die Pariser Brücke von Bezons und an den Grenzen von Stadt und Umland, macht vernachlässigte, übersehene Bereiche (terrain vague) sichtbar.]]></description>
		
		
		
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		<title>Perlmutt und Bataille: Yannick Haenel</title>
		<link>https://rentree.de/2022/10/05/perlmutt-und-bataille-yannick-haenel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Oct 2022 06:32:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/yannick-haenel-2022-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/yannick-haenel-2022-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/yannick-haenel-2022.jpg 344w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />"Le Trésorier-payeur" (2022) von Yannick Haenel lässt einen Philosophen mit Namen Georges Bataille Bankier werden. Eine Ökonomie der Verschwendung und der Verausgabung, auch für die Kunst.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zur Gattung des Präsidialromans</title>
		<link>https://rentree.de/2022/02/24/zur-gattung-des-praesidialromans/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Feb 2022 18:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="229" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/Macron-DOrmesson-1-300x229.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/Macron-DOrmesson-1-300x229.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/Macron-DOrmesson-1-400x305.jpg 400w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/Macron-DOrmesson-1.jpg 752w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Eine beiderseitige Verquickung gilt es zu untersuchen zwischen politischer Macht und kulturell-ästhetischer, hier fiktionaler Repräsentation in Form von Dichterlob, Mäzenatentum, copinage oder eben eines französischen Präsidialromans der letzten Amtszeiten und bereits für 2027 (in Houellebecqs neuestem Roman „Anéantir“).]]></description>
		
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		<title>Ende der Welt, Klimafiktion, Götterdämmerung</title>
		<link>https://rentree.de/2021/10/19/ende-der-welt-klimafiktion-goetterdaemmerung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Oct 2021 08:30:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
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		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas B. Reverdy]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/reverdy-climax-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/reverdy-climax-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/reverdy-climax-400x623.jpg 400w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/reverdy-climax.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Reverdys „Climax“ führt im Norden Norwegens zerstörte Natur bei einem Fischerdorf vor, mit sterbenden Bären und Fischen, schmelzenden Gletschern und einem Unfall auf der Ölplattform. Wie in der nordischen Legende findet ein Kampf zweier Prinzipien statt. Das Ende der Welt wird in dem so düsteren wie schönen dystopischen Roman eingeläutet.]]></description>
		
		
		
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		<title>Provinz im Niedergang: eine Art Inventar der Tiefen unseres Landes</title>
		<link>https://rentree.de/2021/10/05/provinz-im-niedergang-eine-art-inventar-der-tiefen-unseres-landes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Oct 2021 14:39:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
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		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
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		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Rondeau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="207" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau-207x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau-207x300.jpg 207w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau-705x1024.jpg 705w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau-768x1115.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau-1058x1536.jpg 1058w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px" />„Arrière-pays“, der zweite Band 2021 einer Trilogie, nimmt die Form eines Thrillers an, räumlich wird das „Hinterland“, die trostlose Provinz Frankreichs beschworen. Hier wird ein polnischer Lastwagenfahrer tot aufgefunden, und aus diesem Mord entwickelt sich eine Schockwelle in die französische Provinzgesellschaft.]]></description>
		
		
		
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