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	<title>France profonde &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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	<title>France profonde &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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		<title>Der Bauer als Seismograph der Katastrophe: France profonde bei Serge Joncour</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 05:06:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="198" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71wtFQNX6tL._SL1299_-198x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71wtFQNX6tL._SL1299_-198x300.jpg 198w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71wtFQNX6tL._SL1299_-675x1024.jpg 675w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71wtFQNX6tL._SL1299_-768x1165.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71wtFQNX6tL._SL1299_.jpg 856w" sizes="(max-width: 198px) 100vw, 198px" />"Nature humaine" (2020) und "Chaleur humaine" (2023) bilden ein zusammenhängendes Roman-Diptychon, in dessen Zentrum der Bauer Alexandre Fabrier und der Hof „Les Bertranges“ im Département Lot stehen. "Nature humaine" erzählt in einer großen Rückblende den Zeitraum von der Dürre des Sommers 1976 bis zu den Orkanen von 1999 und verfolgt Alexandres Entwicklung vom Erben eines bäuerlichen Familienbetriebs über seine Politisierung im Umfeld der Anti-Atomkraft-Bewegung bis zur Sabotage eines Autobahnprojekts, während zugleich der Niedergang der traditionellen Landwirtschaft, die Auflösung familiärer Bindungen und seine Beziehung zur deutschen Naturschützerin Constanze entfaltet werden. "Chaleur humaine" setzt zwanzig Jahre später unmittelbar vor dem ersten Corona-Lockdown ein und zeigt denselben Hof unter den Bedingungen von Klimawandel, Artensterben und Pandemie, während die Familie erneut zusammenfindet und Alexandre nach Wegen sucht, Landwirtschaft, Naturschutz und familiäre Versöhnung miteinander zu verbinden. Die Interpretation argumentiert, dass Serge Joncour beide Romane nicht als ökologischen Thesenroman, sondern als literarische „Poetik der Verspätung und des Nachhalls“ gestaltet: Historische Großereignisse wie Tschernobyl, Globalisierung, Stürme oder Pandemie werden konsequent mit den unscheinbaren Veränderungen der Landschaft, der Tierwelt und des bäuerlichen Alltags verschränkt, sodass sich die globale Klimakrise erst in lokalen, körperlich erfahrbaren Zeichen erkennen lässt. Aus dieser Verbindung von Familienroman, historischem Roman und "roman du terroir" entwickelt Joncour eine Erzählweise, die den ländlichen Raum der "France profonde" als empfindlichen Seismographen gesellschaftlicher und ökologischer Umbrüche sichtbar macht und den langen, oft kaum wahrnehmbaren Wandel der Natur zum eigentlichen Gegenstand des Erzählens erhebt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Im Schatten der Helden: Marc Biancarellis Antwort auf den korsischen Nationalmythos</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/30/im-schatten-der-helden-marc-biancarellis-antwort-auf-den-korsischen-nationalmythos/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 05:27:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Biancarelli]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="159" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/Roman_national_Titelbild-159x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/Roman_national_Titelbild-159x300.jpg 159w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/Roman_national_Titelbild-543x1024.jpg 543w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/Roman_national_Titelbild-768x1449.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/Roman_national_Titelbild-814x1536.jpg 814w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/Roman_national_Titelbild-1085x2048.jpg 1085w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/Roman_national_Titelbild.jpg 1166w" sizes="(max-width: 159px) 100vw, 159px" />Marc Biancarellis "Roman national" (Actes Sud, 2026) entwirft im Gewand des historischen Romans ein komplexes Bild Korsikas als „doppelte Insel“, die zugleich durch äußere Herrschaft unterworfen und durch innere kulturelle Ressourcen behauptet wird: Vor dem Hintergrund des Aufstands Sampieru Corsos im Jahr 1564 verfolgt der Text die Lebenswege Fioravantes und Catalinas, die zwei gegensätzliche Antworten auf eine Gesellschaft ohne stabile politische Institutionen verkörpern – Bindung an lokale Loyalitäten und Rachelogiken einerseits, radikale Ablösung und Selbstentwurf andererseits; in drei erzählerischen Bögen (Kindheit, Kriegsgeschehen, Nachklang) verbindet Biancarelli dokumentierte Ereignisse mit subjektiven Perspektiven und unterläuft dabei systematisch die Erwartung eines heroischen Nationalepos, indem er zeigt, dass der vermeintliche Befreiungskampf weniger von kollektiven Idealen als von privaten Motiven getragen wird und letztlich an innerer Zerrissenheit scheitert; die Argumentation des Romans zielt damit auf eine Dekonstruktion des „roman national“ als Gattung, indem nationale Identität als nachträgliche, selektive Konstruktion sichtbar wird, die insbesondere die Gewalt an Frauen ausblendet – ein blinder Fleck, den die zentrale Figur Catalinas explizit macht –, während zugleich die Sprache, konkret das Korsische, als eigentlicher Träger von Kontinuität und Widerstand herausgestellt wird, der sich staatlicher Kontrolle entzieht; formal entspricht dieser These eine polyphone Erzählstruktur ohne privilegierte Instanz, die Geschichte als Feld konkurrierender Stimmen präsentiert, während inhaltlich eine Anthropologie der Gewalt entfaltet wird, die diese nicht als Ausnahme, sondern als zirkulierendes Prinzip sozialer Ordnung begreift; in dieser Perspektive erscheint Catalinas Bewegung der Ablösung als einzige nicht destruktive Handlungsform, sodass der Roman insgesamt als paradoxer Nationalroman lesbar wird, der die Bedingungen kollektiver Identitätsbildung freilegt, indem er sie zugleich erzählerisch unterläuft.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das Intime als politische Technik: Thesen zu Édouard Louis</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/11/das-intime-als-politische-technik-thesen-zu-edouard-louis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 09:36:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
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		<category><![CDATA[Edouard Louis]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/9782080431738-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/9782080431738-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/9782080431738.jpg 293w" sizes="(max-width: 193px) 100vw, 193px" />Dieser Artikel liest Édouard Louis' Werk als ein geschlossenes poetologisches Projekt und fragt danach, wie seine Texte die Grenzen zwischen autobiografischem Erzählen, soziologischer Analyse und politischer Intervention überschreiten. Ausgehend von den Begriffen der „Konfrontationsliteratur“ und des „Intimismus“, die Louis in seinem jüngsten Gesprächsband "Que faire de la littérature ?" (2025) entwickelt, werden zehn Deutungsansätze vorgestellt, die die formalen Verfahren, thematischen Konstanten und strategischen Verschiebungen seines Schreibens sichtbar machen. Im Zentrum steht die Frage, ob sich im Verlauf des Werks eine Reifung des Autors oder vielmehr eine Verfeinerung seiner literarischen Mittel beobachten lässt – und wie Louis mit seinen Texten nicht nur erzählen, sondern seine Leserinnen und Leser dazu zwingen will, das zu sehen, was sie allzu leicht verdrängen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Gesellschaft im Modus der Fragmentierung &#8211; Literatur als Antwort auf die Krise der Repräsentation: Robert Lukenda</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/12/gesellschaft-im-modus-der-fragmentierung-literatur-als-antwort-auf-die-krise-der-repraesentation-robert-lukenda/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 May 2026 14:13:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="199" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/gesellschaftsdarstellung-im-zeitalter-der-singularitaeten-gebundene-ausgabe-robert-lukenda-199x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/gesellschaftsdarstellung-im-zeitalter-der-singularitaeten-gebundene-ausgabe-robert-lukenda-199x300.jpeg 199w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/gesellschaftsdarstellung-im-zeitalter-der-singularitaeten-gebundene-ausgabe-robert-lukenda-679x1024.jpeg 679w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/gesellschaftsdarstellung-im-zeitalter-der-singularitaeten-gebundene-ausgabe-robert-lukenda-768x1158.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/gesellschaftsdarstellung-im-zeitalter-der-singularitaeten-gebundene-ausgabe-robert-lukenda.jpeg 796w" sizes="auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px" />Robert Lukendas Studie "Gesellschaftsdarstellung im Zeitalter der Singularitäten: narrative Antworten auf die zeitgenössische Repräsentationskrise Frankreichs" ist eine umfassende Analyse der Frage, wie französische Gegenwartsliteratur auf die Erfahrung reagiert, dass „Gesellschaft“ als zusammenhängendes Ganzes zunehmend ungreifbar geworden ist. Ausgehend von Szenen wie Annie Ernaux’ ethnografischem Blick auf den Supermarkt oder Éric Vuillards Rekonstruktion namenloser Revolutionsakteure zeigt Lukenda, dass Literatur dort ansetzt, wo politische und mediale Diskurse soziale Wirklichkeit nur verzerrt oder gar nicht mehr erfassen. In einem ersten, breit angelegten Theorieteil entfaltet er die historische und gegenwärtige Repräsentationskrise Frankreichs – von der Spannung zwischen republikanischem Einheitsanspruch und sozialer Ungleichheit bis zur Fragmentierung in „France périphérique“ und Metropolen –, bevor er im zweiten Teil literarische Antworten analysiert: autosoziobiografische Selbstbefragungen (Ernaux, Eribon), dokumentarische Rekonstruktionen (Vuillard), kollektive Erzählprojekte ("Raconter la vie") und serielle Formate. Die Rezension argumentiert, dass Lukenda Literatur überzeugend als ein Medium der „Vermittlung“ bestimmt, das soziale Relationen sichtbar macht, wo klassische Repräsentationsformen versagen; zugleich betont sie kritisch, dass diese Literatur häufig die Perspektive der „Unsichtbaren“ privilegiert, während Eliten, politische Institutionen und ästhetische Eigenlogiken unterbelichtet bleiben. In diesen Werken entsteht das Bild eines Frankreichs, das sich selbst nur unzureichend beschreibt – und einer Literatur, die diese Lücke sichtbar macht, ohne sie vollständig schließen zu können.]]></description>
		
		
		
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		<title>Brücken bauen, Gräben vertiefen: Pauline Dreyfus</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/01/bruecken-bauen-graeben-vertiefen-pauline-dreyfus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2026 09:13:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Pauline Dreyfus]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71IXVsr24FL._AC_UF8941000_QL80_-190x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71IXVsr24FL._AC_UF8941000_QL80_-190x300.jpg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71IXVsr24FL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 634w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Pauline Dreyfus’ "Un pont sur la Seine" (2025) entfaltet, ausgehend von der Katastrophe eines Fährunglücks im Jahr 1828, die über Generationen gespannte Geschichte zweier durch die Seine getrennter Dorfgemeinschaften, deren Schicksale sich im Bau, der Zerstörung und dem Wiederaufbau einer Brücke verdichten: Anhand der Familie Vernet und ihrer genealogischen Verzweigungen verfolgt der Roman die Transformation vom agrarischen Milieu zur Industriegesellschaft und weiter in die postindustrielle Gedächtniskultur, wobei historische Einschnitte – Kriege, Volksfront, Okkupation, Deindustrialisierung – als strukturierende Kräfte in die Lebensläufe eingeschrieben werden. Zugleich insistiert die Erzählung auf ihrer eigenen Künstlichkeit: Figuren erscheinen weniger als psychologisch singuläre Individuen denn als typisierte Träger sozialer Positionen, deren Konflikte – etwa zwischen Winzer und Fabrikarbeiter, Résistance-Erbin und Erinnerungspolitiker – die Persistenz gesellschaftlicher Spaltungen sichtbar machen. Der Aufsatz arbeitet heraus, wie das zentrale poetische Prinzip des Romans in der mehrdimensionalen Konstruktion der Brücke liegt: als historisches Objekt, topographische Achse, soziales Diagnoseinstrument und philosophische Metapher, die im Sinne einer selbstreflexiven Geschichtspoetik gerade nicht Versöhnung stiftet, sondern Differenz produziert und sichtbar macht. In dieser Dialektik von Dokumentation und Fiktion, von historischer Genauigkeit und ironischer Distanz erweist sich Dreyfus’ Text als bewusste Fortschreibung und zugleich kritische Brechung der Tradition des historischen Gesellschaftsromans: Er demonstriert, dass die großen Narrative von Fortschritt und Verbindung an den mikrosozialen Realitäten scheitern und dass jede Form von Geschichtserzählung – im Roman wie im von ihm entworfenen Museumsprojekt – notwendig ihre eigene Konstruktionslogik mitreflektieren muss.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Die Bretagne beginnt im Kopf: Hommage an Jack Kerouac von Pierre Adrian</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/26/die-bretagne-beginnt-im-kopf-hommage-an-jack-kerouac-von-pierre-adrian/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2026 17:57:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Adrian]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="197" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/512BICRYVkL._SL1094_-197x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/512BICRYVkL._SL1094_-197x300.jpg 197w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/512BICRYVkL._SL1094_-674x1024.jpg 674w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/512BICRYVkL._SL1094_.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px" />Pierre Adrians "Le rêve inachevé de Jack Kerouac" (2026) rekonstruiert und überformt die gescheiterte Bretagne-Reise von Jack Kerouac (1965) zu einem doppelten Bewegungsmodell aus literarischer Pilgerschaft und Selbstsuche: Ausgehend von Kerouacs genealogischer Obsession – der Rückkehr zu einem bretonischen Ursprung, der sich als unerreichbar erweist – konstruiert Adrian eine assoziativ strukturierte, intertextuell dichte Reiseerzählung, die Brest als melancholischen Resonanzraum zwischen amerikanischer Beat-Ästhetik und bretonischer Kultur imaginiert; das „unvollendete“ Satori fungiert dabei als Leitmotiv einer Poetik des Scheiterns, in der gerade die verfehlte Erleuchtung produktiv wird. Der Aufsatz arbeitet heraus, dass Adrians Text weniger dokumentarische Rekonstruktion als Fortschreibung von Kerouacs "Satori à Paris" ist: Während Kerouacs spontane Prosa ein unmittelbares, desorientiertes Erleben protokolliert, erscheint Adrians Schreiben als reflektierter, zentripetaler Zugriff, der das historische Scheitern semantisch auflädt und in ein elegisches Narrativ überführt. So wird die strukturelle Parallelität von genealogischer Suche und existenzieller Entwurzelung herausgearbeitet und Brest als Topos einer „wartenden Möglichkeit“ gelesen; die Interpretation verfolgt die These, dass Identität hier nicht genealogisch, sondern literarisch erzeugt wird („terre sans aïeux“). Eine gewisse Tendenz zur Mythisierung bleibt jedoch erkennbar: Die Deutung affirmiert Adrians Lesart, was freilich die Brüche und Ironien bei Kerouac zugunsten einer kohärenten Sinnfigur des Scheiterns pointiert. Insgesamt zeigt die Interpretation von Adrians Transformation eines biografischen Fehlschlags in einen literarischen Mythos und macht plausibel, dass Adrian weniger Kerouac erklärt als dessen Unabschließbarkeit produktiv weiterschreibt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Genealogie des Hasses: Autobiographie, Antisemitismus und die Poetik der Geschichte bei Édouard Drumont und Christophe Donner</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/06/genealogie-des-hasses-autobiographie-antisemitismus-und-die-poetik-der-geschichte-bei-edouard-drumont-und-christophe-donner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Apr 2026 09:48:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
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		<category><![CDATA[Christophe Donner]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="182" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-182x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-182x300.jpg 182w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-622x1024.jpg 622w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-768x1265.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-932x1536.jpg 932w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0.jpg 1214w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" />Christophe Donners Roman "La France goy" breitet, wie der Aufsatz herausarbeitet, ein genealogisches Erzählprojekt aus, in dem individuelle Familiengeschichte und kollektive Ideologiegeschichte ineinandergreifen: Ausgangspunkt ist die archivalische Spurensuche des Ich-Erzählers nach seinem Urgroßvater Henri Gosset, die sich rasch zu einer weit ausgreifenden Rekonstruktion des französischen Antisemitismus seit dem späten 19. Jahrhundert erweitert. Über Gossets soziale Mobilität und seine Verstrickung in das Umfeld von Léon Daudet und Edgar Bérillon wird die Familie direkt in das ideologische Netzwerk der Zeit eingebunden, während parallel die Biographie Édouard Drumonts als „Anatomie des Hasses“ entfaltet wird, die zeigt, wie persönliches Scheitern, soziale Kränkung und mediale Strategien zu einer wirkungsmächtigen antisemitischen Erzählung kondensieren. Ergänzt wird dieses Geflecht durch Gegenfiguren wie die anarchistische Marcelle Bernard sowie durch die genealogische Perspektive auf den Großvater Jean Gosset, dessen Tod im Konzentrationslager die historischen Linien brutal kulminieren lässt. Die Interpretation argumentiert, dass Donners Verfahren weder rein autobiographisch noch klassisch historisch ist, sondern als „genealogische Archäologie“ eine reflexive Poetik des Archivs entwickelt, in der Dokumente, Fiktion und Selbstbeobachtung ineinandergreifen und die Grenzen zwischen Selbst- und Fremdbiographie systematisch unterlaufen werden. Zentral ist dabei die These einer strukturellen Kontinuität des Antisemitismus, die nicht diskursiv behauptet, sondern erzählerisch vorgeführt wird, indem der Roman ideologische, sprachliche und affektive Sedimente über Generationen hinweg sichtbar macht. Donners literarische Leistung wird darin gesehen, den Antisemitismus nicht nur moralisch zu verurteilen, sondern seine ästhetischen und narrativen Attraktionskräfte offenzulegen: Drumonts Erfolg wird als Resultat einer erzählerischen Logik verstanden, die diffuse Ressentiments in eine kohärente Geschichte überführt. Daraus ergibt sich ein anspruchsvoller kritischer Zugriff, der das Schreiben selbst als ambivalente Macht begreift – als Medium sowohl der ideologischen Verführung als auch der aufklärerischen Gegenarbeit – und der den Roman insgesamt als Versuch liest, durch die literarische Durchdringung genealogischer Verstrickungen eine Form von historischer Erkenntnis zu gewinnen, die über bloße Faktizität hinausgeht.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Würde des Verharrens: literarische Rehabilitation der France périphérique bei Nicolas Mathieu</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/29/die-wuerde-des-verharrens-literarische-rehabilitation-der-france-peripherique-bei-nicolas-mathieu/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 10:32:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2018]]></category>
		<category><![CDATA[2022]]></category>
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		<category><![CDATA[Jeanne Rivière]]></category>
		<category><![CDATA[Nicolas Mathieu]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="179" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/leurs-enfants-apres-eux-2-300x179.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Aus dem Film &quot;Leurs enfants après eux&quot;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/leurs-enfants-apres-eux-2-300x179.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/leurs-enfants-apres-eux-2-1024x609.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/leurs-enfants-apres-eux-2-768x457.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/leurs-enfants-apres-eux-2-1536x914.jpg 1536w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/leurs-enfants-apres-eux-2.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />In "Leurs enfants après eux" (Actes Sud, 2018) erzählt Nicolas Mathieu über vier Sommer hinweg das Heranwachsen einer Generation im sterbenden Industrieraum Lothringens: Im fiktiven Heillange treiben Anthony, Hacine und Stéphanie zwischen Baggersee, stillgelegten Hochöfen und familiären Bruchlinien durch eine Jugend, deren Versprechen – Aufstieg, Freiheit, Selbstentwurf – sich als strukturell blockiert erweisen, sodass selbst ihre intensivsten Erfahrungen von Liebe, Gewalt oder Freundschaft stets an die Schwerkraft eines Raums gebunden bleiben, der keine Zukunft mehr produziert; der Roman verdichtet diese Erfahrung zu einem choralen Panorama, in dem individuelle Biographien weniger als autonome Lebensläufe erscheinen denn als Variationen eines kollektiven Schicksals der Unsichtbarkeit. Demgegenüber verschiebt "Connemara" (Actes Sud, 2022) die Perspektive in die Gegenwart und in eine andere Lebensphase: Anhand von Hélène, der scheinbar erfolgreichen Aufsteigerin, und Christophe, dem im Herkunftsmilieu Verbliebenen, erzählt Mathieu von der Illusion sozialer Mobilität selbst – Hélènes Rückkehr aus der Pariser Leistungselite in die Provinz offenbart den Aufstieg als Entfremdungsgeschichte, während Christophe die Kehrseite verkörpert, ein Leben der Kontinuität ohne Aufbruch, sodass ihre flüchtige Wiederbegegnung die Unmöglichkeit einer kohärenten Identität zwischen Herkunft und Selbstentwurf sichtbar macht; der titelgebende Sehnsuchtsort bleibt dabei reine Projektion, ein Name für das nicht gelebte Leben. Der Aufsatz liest beide Romane als Diptychon, das den geographischen Raum der France périphérique von der Kulisse zum epistemischen Zentrum erhebt: Raum erscheint hier als Erkenntnisinstrument, in dem sich die Widersprüche der französischen Meritokratie materialisieren, und die Figuren agieren als Träger sozialer Positionen, deren Handlungsspielräume durch Herkunft, Klassenlage und symbolische Ordnungen vorgezeichnet sind. Dabei wird Mathieus Poetik als Spannung zwischen sozialrealistischer Präzision und literarischer Ökonomie beschrieben – als ein Schreiben der Ellipse, das durch chorale Struktur, freien indirekten Stil und die Aufladung von Landschaft, Körper und Alltagsdetails eine universelle Resonanz erzeugt, ohne je ins Abstrakte zu kippen; zugleich insistiert dieses Schreiben darauf, dass die implizite Sozialkritik gerade nicht in expliziten Thesen liegt, sondern in der narrativen Form selbst, in der Konvergenz ohne Katharsis, im „malgré tout“ eines prekären Glücks oder im „cœur en miettes“ einer unerfüllten Existenz. So entsteht das Bild eines Werks, das weder Aufstieg noch Verharren moralisch privilegiert, sondern beide als Varianten desselben double bind begreift – und hierin die politische Kraft seiner Literatur entfaltet.]]></description>
		
		
		
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		<title>Brennende Ränder oder Warum Jeanne Rivière mit Nicolas Mathieu schläft</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/28/brennende-raender-oder-warum-jeanne-riviere-mit-nicolas-mathieu-schlaeft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Mar 2026 22:08:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Jeanne Rivière]]></category>
		<category><![CDATA[Nicolas Mathieu]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/91Vz37nejxL._AC_UF8941000_QL80_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/91Vz37nejxL._AC_UF8941000_QL80_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/91Vz37nejxL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Jeanne Rivières „Lorraine brûle“ (Gallimard, 2025, zit. als LOB) zeichnet das Bild einer namenlosen Ich-Erzählerin Anfang vierzig, die im nachindustriellen Lothringen zwischen Metz und Nancy ein unsicheres, von Körpererfahrungen, Mutterschaft und subkulturellen Praktiken geprägtes Leben führt: Als alleinerziehende Mutter des zwölfjährigen Tarzan, Büroangestellte und Schlagzeugerin in Punkbands bewegt sie sich durch eine Landschaft aus stillgelegten Hochöfen, Supermärkten, Schwimmbädern und illegalen Konzerten, während Freundinnen wie die radikal selbstbestimmte Lynn, die anarchische Nora und vor allem die todkranke Baya ein weibliches Gegenbild zur bürgerlichen Ordnung bilden; Bayas Sterben an Bauchspeicheldrüsenkrebs bildet den gefühlsmäßigen Mittelpunkt einer locker gefügten Jahreschronik, die von Januar bis Sommer reicht und deren episodische Struktur durch wiederkehrende Schwimm-Passagen rhythmisiert wird, sodass sich Tod (körperlicher Verfall) und Bewegung (Körper im Wasser) als unterschwellige Achse überlagern. Vor diesem Hintergrund liest der Aufsatz den Roman als programmatische „Poetik der Zersplitterung“: Die formale Aufsplitterung – abrupte Kapitel, Wechsel der Tonlagen, Mischung aus Autofiktion, Essay, Reportage und Lyrik – erscheint nicht als künstlerischer Mangel, sondern als passende Antwort auf eine durch Deindustrialisierung, Unsicherheit und Verlust zerrissene Wirklichkeit, in der Zusammenhalt selbst zur Fiktion geworden ist; besonders hervorzuheben ist dabei die These, dass die Gleichwertigkeit unterschiedlicher Elemente (Alltag und Katastrophe, Komik und Trauer, Körperdetail und Gesellschaftsanalyse) eine unausgesprochene politische Haltung formuliert, die Hierarchien ablehnt und das Randständige ins Zentrum rückt. Indem die Argumentation konsequent Form und Inhalt kurzschließt – die Zersplitterung des Lebens spiegelt sich in der Zersplitterung des Erzählens –, gewinnt sie ihre größte Überzeugungskraft dort, wo sie das ästhetische Aufeinandertreffen der Tonlagen, die Körperlichkeit (Blut, Krankheit, Sexualität) und die raumbildende Funktion Lothringens als miteinander verflochtene Ebenen liest; zugleich zeigt sie, dass das Schreiben selbst im Roman als Mittel zum Überleben und zur Trauerbewältigung wirkt, das die Zersplitterung nicht überwindet, sondern nutzbar macht. So erscheint LOB in der Deutung der Rezension weniger als Darstellung eines sozialen Umfelds denn als radikal gegenwärtige Suche nach Formen, in der die Zersplitterung zu einer widerständigen Lebensweise und zur eigentlichen dichterischen Einheit wird.]]></description>
		
		
		
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		<title>Rückkehr aus dem Tal der digitalen Simulation zur Poesie des Staubs: Arnaud Sagnard</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/21/rueckkehr-aus-dem-tal-der-digitalen-simulation-zur-poesie-des-staubs-arnaud-sagnard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Mar 2026 04:36:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Naturfiktionen]]></category>
		<category><![CDATA[Arnaud Sagnard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/41MQJwJtyL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/41MQJwJtyL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/41MQJwJtyL.jpg 341w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Arnaud Sagnards "La Vallée" (2025, zit. als LV) verfolgt mit der Geschichte des Bauernsohns und Programmierers Thomas Hèvre eine Bewegung von der materiellen Welt des Morvan über die entkörperlichte Tech-Sphäre von Paris und dem Silicon Valley, wo sich die zentrale These des Romans erfüllt, dass das „Tal“ weniger ein Ort als ein geistiger Aggregatzustand ist, der die Wirklichkeit absorbiert und als Simulation zurückgibt, bis in die radikale Leere der Wüste von Amargosa; im Zentrum steht dabei ein neuronales Implantat, das Fiktion und Realität verschmilzt und so die letzte Grenze menschlicher Erfahrung aufhebt, während Thomas – zunächst als genialer „Cheat Code“ der Maschine – allmählich erkennt, dass er an der Entstehung einer unsichtbaren Ideologie der Entmaterialisierung beteiligt ist, die den Menschen in ein körperloses Phantom verwandelt, bis er sich dieser Logik entzieht und in der Wüste eine fragile Gegenwelt aus Präsenz, Stille und unvermittelter Erfahrung sucht. Der Aufsatz argumentiert, dass der Roman nicht nur eine kulturkritische Dystopie, sondern zugleich ein Text ist, der die Bedingungen des Erzählens im Zeitalter digitaler Totalintegration reflektiert, indem er die Oppositionen von Code und Mythos, Kommunikation und Schweigen, Innen- und Außenwelt systematisch in Figurenkonstellation, Raumstruktur und Metaphorik durcharbeitet; aufschlussreich ist dabei die Deutung des Silicon Valley als „Depression“ im geologischen, psychologischen und ökonomischen Sinn, wodurch die Kritik an der Tech-Industrie eine existentielle Tiefendimension erhält, während die Analyse zugleich plausibel macht, dass der Roman seine eigene Antwort performativ gibt: als literarischer Raum, der gerade durch Distanz, Unschärfe und Nicht-Totalität eine Erfahrung ermöglicht, die kein Implantat simulieren kann.]]></description>
		
		
		
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		<title>Hydrologische Metaphern und soziale Aushandlungsprozesse: zur politischen Ökologie des Wassers bei Gaspard Kœnig</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/11/hydrologische-metaphern-und-soziale-aushandlungsprozesse-zur-politischen-oekologie-des-wassers-bei-gaspard-koenig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 20:39:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Naturfiktionen]]></category>
		<category><![CDATA[Gaspard Kœnig]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="210" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/koenig-aqua-210x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/koenig-aqua-210x300.jpg 210w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/koenig-aqua-717x1024.jpg 717w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/koenig-aqua-768x1096.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/koenig-aqua.jpg 1051w" sizes="auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px" />Gaspard Kœnigs „Aqua“ (L’Observatoire, 2026) spielt in Saint-Firmin-sur-Orne und entfaltet die Geschichte eines Dorfs in der Normandie, das zwischen Naturgewalt und menschlicher Planung steht. Der Roman beginnt programmatisch mit einem einzelnen fallenden Regentropfen, der als eigenständiger Akteur das Wassersystem, seine Zyklizität und seine Unberechenbarkeit einführt. Aus dieser Perspektive entwickelt sich die Handlung: Überschwemmungen, Dürre und der Konflikt um die „source des anciens“ setzen die Dorfgesellschaft unter Druck. Die narrative Struktur ist zyklisch und elementar: Naturereignisse, historische Erinnerungen und soziale Interaktionen verschränken sich zu einer Bewegung, in der kein lineares Ende, sondern fortwährende Anpassung und Verschiebung dominiert. Figuren wie Martin Jobard, der technokratische Modernisierung verkörpert, und Maria, Hüterin lokaler Erfahrung und situativer Fürsorge, strukturieren das Geschehen als Kontrastpole, deren Konflikt über polyzentrische Entscheidungen und Allmende-Modelle entfaltet wird. Der Roman verknüpft hydrologische, geologische und soziale Ebenen, sodass Landschaft, Flüsse und Quellen selbst zu politischen und metaphorischen Akteuren werden. – Der Aufsatz betont, dass „Aqua“ nicht nur Ökologie oder Dorfpolitik erzählt, sondern die Erzählstruktur selbst die Spannung zwischen Chaos und Ordnung spiegelt. Die Kapitel sind so arrangiert, dass Naturereignisse die sozialen und politischen Prozesse rhythmisieren: Hochwasser, Pegelschwankungen und die Erinnerung an frühere Überschwemmungen lassen zentrale Konflikte sukzessive eskalieren und transformieren zugleich Machtverhältnisse und Handlungsmöglichkeiten. Die narrative Gestaltung – von der prosopopöischen Darstellung des fallenden Tropfens bis zu zyklischen Fluss- und Landschaftsbildern – macht sichtbar, wie menschliche Kontrolle immer vorläufig bleibt. Figurenhandlungen, Ortsbilder und hydrologische Details verschränken sich zu einem relationalen Gefüge, in dem Wasser als Lebensnerv der Gemeinschaft fungiert. Der Aufsatz argumentiert, dass Kœnig die anti-teleologische Struktur des Romans nutzt, um die Unabschließbarkeit ökologischer und sozialer Konflikte literarisch zu verdeutlichen: Politik, Technik und Natur erscheinen nicht als souveräne Instanzen, sondern als ineinandergreifende Dynamiken, die nur situativ ausgehandelt werden können.]]></description>
		
		
		
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		<title>Vom Wilden Denken zum Ackerbauern: Das Rad im Sumpf bei Mathias Énard</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/20/vom-wilden-denken-zum-ackerbauern-das-rad-im-sumpf-bei-mathias-enard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 01:45:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Naturfiktionen]]></category>
		<category><![CDATA[Mathias Enard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="181" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/enard-3-article-181x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/enard-3-article-181x300.jpg 181w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/enard-3-article-619x1024.jpg 619w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/enard-3-article.jpg 650w" sizes="auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px" />"Le Banquet annuel de la Confrérie des fossoyeurs" (Actes Sud, 2020, ins Deutsche von Holger Fock und Sabine Müller, Hanser, 2021) von Mathias Énard folgt dem Pariser Ethnologiestudenten David Mazon in das abgelegene La Pierre-Saint-Christophe im Poitou. Was als Feldforschung beginnt, entfaltet sich zu einer Initiationsgeschichte: David versucht, das Dorf mit den Instrumenten von Claude Lévi-Strauss und Bronisław Malinowski zu vermessen, führt Kategorien, Transkriptionen und Tabellen, während um ihn herum eine Wirklichkeit pulsiert, die sich nicht in Begriffe bannen lässt. Parallel dazu öffnet sich eine zweite, metaphysische Ebene: Die Seelen der Toten kehren in immer neuen Gestalten zurück, durchwandern Schlachten, Religionskriege, Revolutionen und Weltkriege, bis sie im heutigen Ackerboden als Würmer, Wildschweine oder Bauern wiedererscheinen. Im Zentrum steht das grotesk-opulente Bankett der Totengräberbruderschaft in der Abtei von Maillezais – eine Rabelais'sche Orgie aus Speisen, Schnaps und Debatten, in der der Tod nicht verdrängt, sondern gefeiert wird. Am Ende gibt der Feldforscher David seine Dissertation auf und gründet mit Lucie einen Biohof: Die Theorie weicht der Arbeit, die Beobachtung der Teilhabe. - Der Aufsatz arbeitet heraus, dass dieser Handlungsbogen keine idyllische Rückkehr zur Natur inszeniert, sondern eine systematische Entmachtung des akademischen Blicks. Zunächst erscheint das Dorf als „Neuer Kontinent“, die Bewohner als Untersuchungsobjekte – ein ironisch gebrochener Nachvollzug kolonialer Ethnographie. Doch Methode und Wirklichkeit geraten auseinander: Dialekt, Körperlichkeit, Tod und Arbeit unterlaufen jede begriffliche Ordnung. Die Intertextualität – von François Rabelais bis François Villon – wirkt hier als poetologisches Instrument: Sie relativiert die Autorität der Theorie, indem sie sie in Überfülle, Groteske und (buchstäblich!) in Stoffwechsel auflöst. Die Interpretation deutet den ländlichen Raum im Roman als Palimpsest aus Weltgeschichte, bäuerlicher Praxis und ökologischer Gegenwart, in dem Tod und Fruchtbarkeit, Verrotten und Zukunft untrennbar verschränkt sind. Erkenntnis entsteht hier nicht aus Distanz, sondern aus Erdverbundenheit – als radikale, politische Umwertung dessen, was Wissen heißen kann.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zwischen Herkunft und Aufstieg: Romane des Klassenwechsels bei Moraton, Robin und Sizun</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/12/zwischen-herkunft-und-aufstieg-romane-des-klassenwechsels-bei-moraton-robin-und-sizun/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 00:08:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gilles Moraton]]></category>
		<category><![CDATA[Marie Sizun]]></category>
		<category><![CDATA[Patrice Robin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-300x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-300x300.png 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-150x150.png 150w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-768x768.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-50x50.png 50w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0-80x80.png 80w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/Gemini_Generated_Image_izo0zbizo0zbizo0.png 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Der Artikel stellt drei französische Romane ins Zentrum, die soziale Mobilität aus unterschiedlichen Perspektiven literarisch gestalten: Gilles Moratons „Transfuge“ (Nadeau, 2025), Patrice Robins „Le Visage tout bleu“ (P.O.L., 2022) und Marie Sizuns „10, villa Gagliardini“ (Arléa, 2024). Robin erzählt aus autobiographischer Nähe den Bildungsaufstieg eines Jungen aus einem ländlich-handwerklichen Milieu, dessen beinahe tödliche Geburt und die harte Arbeitswelt der Eltern die soziale Ausgangslage prägen; der Weg in die intellektuelle Sphäre bleibt dabei von Schuldgefühl und körperlich eingeschriebener Herkunft begleitet. Moraton schildert den Werdegang eines Protagonisten aus kleinbürgerlichen oder proletarischen Verhältnissen, der sich über schulische Institutionen Zugang zur kulturellen Elite verschafft, jedoch als „Überläufer“ zwischen den Klassen verharrt und die eigene Metamorphose schonungslos analysiert. Sizun wiederum rekonstruiert die Kindheit eines Mädchens im Nachkriegsparis, das aus der Enge der „villa Gagliardini“ durch Bildung und Selbstdisziplin allmählich in eine andere soziale Sphäre hineinwächst; der Klassenwechsel erscheint hier als leise, innerfamiliäre Verschiebung, die eng mit weiblicher Selbstermächtigung verbunden ist. - Der Aufsatz argumentiert, dass diese drei Romane den Klassenwechsel nicht nur thematisch behandeln, sondern ihn als strukturelles Problem der Narration ausstellen. Im Zentrum steht die Figur des „transfuge“ als doppelt positioniertes Subjekt, das retrospektiv von einer Herkunft erzählt, die es verlassen hat, ohne sie je vollständig abstreifen zu können. Analysiert werden insbesondere die Spannung zwischen erzählendem und erzähltem Ich, das Sprachproblem des sozialen Registerwechsels, die Inszenierung von Bruch oder Kontinuität in der Zeitstruktur sowie die ethische Dimension der Figurenzeichnung. In der vergleichenden Lektüre der Romanschlüsse arbeitet die Rezension heraus, dass Robin auf eine versöhnliche Integration der Herkunft zielt, Moraton die dauerhafte Zwischenstellung betont und Sizun eine stille Form der inneren Kontinuität entwirft. So zeigt die Besprechung, dass Klassenwechsel als literarisches Motiv eine ästhetische und ethische Herausforderung darstellt, weil er Identität, Sprache und Erzählperspektive gleichermaßen in Bewegung versetzt.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der schleichende Einzug des Faschismus in Frankreich: Nathalie Quintane</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/10/der-schleichende-einzug-des-faschismus-in-frankreich-nathalie-quintane/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Feb 2026 21:40:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Nathalie Quintane]]></category>
		<category><![CDATA[Victor Hugo]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="196" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/FAB_24_11x16_8_QUINTANE_fantomes_2-1006x1536-1-196x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/FAB_24_11x16_8_QUINTANE_fantomes_2-1006x1536-1-196x300.jpg 196w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/FAB_24_11x16_8_QUINTANE_fantomes_2-1006x1536-1-671x1024.jpg 671w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/FAB_24_11x16_8_QUINTANE_fantomes_2-1006x1536-1-768x1173.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/FAB_24_11x16_8_QUINTANE_fantomes_2-1006x1536-1.jpg 1006w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" />Nathalie Quintanes "Soixante-dix fantômes (choses vues)" (La fabrique éditions, 2025) ist eine literarische Momentaufnahme des heutigen Frankreich, das sich – kaum merklich und doch unaufhaltsam – von demokratischer Normalität zu autoritären Routinen verschiebt. In 61 pointierten Miniaturen zeigt Quintane, wie sich rechtsextreme Einstellungen im Alltag einnisten: in beiläufigen Gesten, im Sprachgebrauch, in der Entmenschlichung der Schwächsten und in ästhetischen Rückgriffen, die reaktionäre Vergangenheit in die Gegenwart zurückholen. Der Untertitel verweist auf Victor Hugos "Choses vues", dessen republikanisches Aufstiegsnarrativ hier in sein Gegenteil verkehrt wird: Während Hugo politische Emanzipation protokollierte, registriert Quintane den demokratischen Verfall. Die Rezension betont diese bewusste Gegenlektüre zu Hugo und hebt hervor, wie Quintane Alltagsdetails als politische Frühwarnsignale liest, deren „Geister“ – historische und gegenwärtige – ein Klima der Angst, Lähmung und sozialen Kälte erzeugen. Damit erscheint das Buch als ein ebenso poetisches wie alarmierendes Protokoll einer Gesellschaft im Kippen, das den Leser auffordert, die unscheinbaren Zeichen einer autoritären Normalisierung nicht zu übersehen.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Rüstung und Riss: Virilität als Mythos, Männlichkeit als Erfahrung</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/07/zwischen-ruestung-und-riss-virilitaet-als-mythos-maennlichkeit-als-erfahrung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Feb 2026 17:13:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Dantzig]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="181" height="279" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/images-14.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" />Der Band "Masculinité" (Grasset, 2025) versammelt literarische Texte, Essays und Reflexionen, die Männlichkeit nicht als feste Identität, sondern als historisch belastetes und gegenwärtig brüchiges Feld sichtbar machen. Ausgangspunkt ist die Unterscheidung zwischen virilité und masculinité: Während Virilität das enge, normierende Ideal des harten, dominanten, unverwundbaren Mannes bezeichnet, zeigen die Beiträge die widersprüchlichen Erfahrungen realer Männer, die an diesen Erwartungen leiden oder an ihnen scheitern. Die Texte erzählen von Jungen, die früh in Rituale der Härte gezwungen werden, von Vätern, die Stärke weitergeben wollen und dabei Gewalt reproduzieren, von Körpern, die durch Arbeit, Sport, Beschneidung oder Migration geformt und gezeichnet sind, und von Männern, die zwischen kulturellen Modellen der Männlichkeit zerrieben werden. In der Einleitung diagnostiziert Dantzig Männlichkeit als historisch überladenes Machtkonstrukt, das zugleich privilegiert und deformiert und dessen dunkle Seiten – Dominanz, Gewalt, Zerstörung – nicht ausgeblendet werden dürfen. Die Präsentation von Habib-Rubinstein verschiebt diesen Befund in die literarische Praxis und liest den Band als Labor pluraler Stimmen, in dem keine neue Norm gesetzt, sondern Fragilität, Zweifel und Suchbewegungen sichtbar gemacht werden. So entsteht ein vielstimmiges Panorama einer Männlichkeit im Übergang: erschöpft vom Mythos der Virilität, offen für neue, unsichere und erzählbare Formen des Mannseins.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nach dem Ende: Frankreich ohne Zukunft bei Jean Rolin</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/23/nach-dem-ende-frankreich-ohne-zukunft-bei-jean-rolin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 12:44:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2015]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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		<category><![CDATA[Jean Rolin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="182" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-182x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-182x300.jpg 182w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-621x1024.jpg 621w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-768x1266.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-932x1536.jpg 932w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L-1242x2048.jpg 1242w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/813zjJrgx4L.jpg 1275w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" />Jean Rolins Roman „Les événements“ (2015) entwirft das Bild eines Frankreichs, in dem die staatliche Ordnung zusammengebrochen ist, ohne durch eine neue Ordnung ersetzt zu werden. In einer Folge von Fahrten, Beobachtungen und episodischen Begegnungen durchquert der Erzähler ein Land, das von bewaffneten Gruppen, provisorischen Kontrollpunkten und zerstörter Infrastruktur geprägt ist. Der Bürgerkrieg bleibt dabei seltsam unspektakulär: Gewalt ist allgegenwärtig, aber selten eruptiv; sie äußert sich in blockierten Straßen, verwaisten Gebäuden und einer permanenten Unsicherheit, die den Alltag strukturiert. Rolin verzichtet auf eine klare zeitliche Verortung oder eine erklärende politische Hintergrundgeschichte. Stattdessen entsteht ein Panorama der Gegenwart als Dauerzustand des Ausnahmezustands, in dem frühere staatliche Strukturen nur noch als Ruinen oder leere Gesten fortexistieren. Die Rezension argumentiert, dass „Les événements“ weniger als klassische Dystopie denn als „dokumentarischer Dystopismus“ zu lesen ist. Sie zeigt, wie Rolin mit einer nüchternen, präzise beobachtenden Sprache das Katastrophische in die Alltäglichkeit einsickern lässt und damit eine neue Form politischer Literatur entwirft, die ohne totalitäre Zukunftsvisionen auskommt. Analysiert werden insbesondere die Topographie des Zerfalls, die Mikropolitik der Gewalt, die gestörten Kommunikationsformen und der offene Schluss des Romans, der jede Erlösungs- oder Wiederaufbauphantasie verweigert. Die Rezension versteht Rolins Text als literarische Diagnose einer Gegenwart, in der das Ende nicht bevorsteht, sondern bereits stattgefunden hat.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die Republik funktioniert: François Bégaudeau</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/18/die-republik-funktioniert-francois-begaudeau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jan 2026 14:05:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[François Bégaudeau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-8-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-8-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-8-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-8-768x1125.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-8.jpeg 827w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />François Bégaudeaus "Désertion" (2026) erzählt die leise, aber unumkehrbare Erosion des Lebens von Steve, einem Jugendlichen aus der Provinz der Normandie. Aufgewachsen in einer intakten Familie, geprägt von Schule, Medienkonsum und popkulturellen Obsessionen, driftet er nach und nach aus allen sozialen Bindungen heraus. Kleine Kränkungen, sprachliche Unsichtbarkeit und institutionelle Gleichgültigkeit summieren sich über Jahre, bis er schließlich nach Syrien geht und sich den kurdischen YPG anschließt. Der Roman verzichtet bewusst auf dramatische Wendepunkte oder psychologische Erklärung und zeigt Steves Weg nicht als logische Folge von Radikalisierung, sondern als strukturelle Konsequenz eines Lebens, das nirgends mehr gesehen oder adressiert wird. Desertion wird hier weniger als Bruch, sondern als fortschreitender Prozess gesellschaftlicher Blindstellen dargestellt. Die Rezension argumentiert, dass Bégaudeau die Erwartungen an eine lineare, politisch-kausale Erzählung unterläuft. Der Roman entfaltet eine Poetik der Verschiebung, der Parallelität und der affektiven Subjektivität, in der kleine Alltagsereignisse, Schule, Familie und Medien den Rahmen für das Leben Steves bilden. Der Syrien-Abschnitt sabotiert dabei die erwartete Radikalisierung: Statt ideologischer Verführung stehen Gespräche, Alltag und widersprüchliche Diskurse. Diese Struktur erlaubt es, "Désertion" als literarische Darstellung einer „anarchischen“ Sinnverweigerung zu lesen, in der die formale Funktionsfähigkeit gesellschaftlicher Institutionen die existenziellen Leerstellen offenlegt, die Steves Verschwindung überhaupt erst ermöglichen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Années glorieuses: zum Abschluss der Saga von Pierre Lemaitre</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/08/annees-glorieuses-zum-abschluss-der-saga-von-pierre-lemaitre/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jan 2026 23:19:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Lemaitre]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="198" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782702191477-001-X-198x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782702191477-001-X-198x300.jpeg 198w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782702191477-001-X-675x1024.jpeg 675w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782702191477-001-X-768x1165.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782702191477-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px" />Die vierbändige Saga "Les Années glorieuses" verfolgt am Beispiel der Familie Pelletier den französischen Nachkriegsaufstieg von 1948 bis an die Schwelle von 1968. Beginnend im kolonialen Saigon ("Le Grand Monde"), wo der Piaster-Skandal den moralischen Bankrott des Empire offenlegt, verlagert sich das Panorama über den Wiederaufbau und die technokratische Moderne der frühen 1950er Jahre ("Le Silence et la Colère") hin zum Atomzeitalter und Kalten Krieg ("Un avenir radieux"). Infrastrukturprojekte, Konsumgesellschaft, Medienöffentlichkeit und politische Mythen erscheinen dabei stets doppelt: als Versprechen von Fortschritt und als Mechanismen der Verdrängung sozialer Gewalt. Der abschließende Band ("Les belles promesses") bündelt diese Linien im Paris der frühen 1960er Jahre, wo der Bau des Boulevard Périphérique zum steinernen Symbol einer Moderne wird, die auf Enteignung, Korruption und Schweigen basiert. Mit dem Tod zentraler Figuren und der Auflösung familiärer Machtverhältnisse wird der Wohlstand der „glorreichen Jahre“ als Produkt aufgestauter Schuld sichtbar. - Der Aufsatz liest diese Tetralogie konsequent als rückblickende Autopsie einer Epoche. Das zentrale Argument lautet, dass die Années glorieuses nicht den Beginn der Moderne markieren, sondern deren verspäteten Nachhall – die „letzte Seite des 19. Jahrhunderts“. Entscheidend ist dabei das Schlussdatum: Der Roman endet am 21. März 1968, einen Tag vor Beginn der Unruhen, im Moment eines Noch-Nicht. Lemaitre erklärt nicht den Aufbruch von 1968, sondern dessen Notwendigkeit. Zugleich vollzieht sich eine poetologische Wende: Mit der Enthüllung von François Pelletier als fiktivem Autor der Saga verabschiedet sich das Werk vom journalistischen Wahrheitsanspruch und behauptet den Roman als einzig angemessene Form, um diese Epoche zu begreifen. Erzählen wird zur Analyse, Fiktion zur historischen Erkenntnis. Die Tetralogie endet daher nicht mit Hoffnung, sondern mit Klarheit: Sie zeigt, warum das Alte erschöpft war – und warum das Neue kommen musste.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zerstörung als Möglichkeit: Mannsein und Gewalt bei Bernard Bourrit</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/02/zerstoerung-als-moeglichkeit-mannsein-und-gewalt-bei-bernard-bourrit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Jan 2026 11:35:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
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		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
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		<category><![CDATA[Bernard Bourrit]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="220" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/images-1-220x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/images-1-220x300.jpeg 220w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/images-1.jpeg 383w" sizes="auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px" />Bernard Bourrits Roman “Détruire tout” (2025) rekonstruiert einen realen Feminizid in der Schweiz der 1960er-Jahre, verweigert jedoch konsequent eine lineare Täterpsychologie oder moralische Auflösung: Anhand von Archiven, Beobachtungen und essayistischen Fragmenten erscheint der Täter Alain weniger als individuelles Monster denn als Symptom eines patriarchalen, ländlichen und autoritär organisierten sozialen Gefüges, das Gewalt strukturell ermöglicht. Die Rezension zeigt, wie Bourrit bäuerliche Enge, männliche Normierung, sprachlose Affekte und asymmetrische Geschlechterverhältnisse freilegt und insbesondere Männlichkeit als brüchige, überforderte Konstruktion analysiert, deren Anspruch auf Kontrolle in destruktive Gewalt umschlägt. Der männliche Körper wird dabei zum Austragungsort sozialer Zumutungen, während Carmen als Projektionsfläche gesellschaftlicher Erwartungen sichtbar wird, ohne zur bloßen Figur zu verflachen. Formal wie ethisch verweigert der Text den Mord als erzählerischen Höhepunkt und belässt ihn als Leerstelle, wodurch die Aufmerksamkeit auf Bedingungen statt auf Sensation gelenkt wird. So versteht die Rezension “Détruire tout” als literarische Untersuchung gesellschaftlicher Gewalt, die gerade im Scheitern von Erklärung und Katharsis ihre politische und ästhetische Kraft entfaltet.]]></description>
		
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		<title>Québecs großer Moment im Spiegel der Desillusionierung: Carl Leblanc</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/18/quebecs-grosser-moment-im-spiegel-der-desillusionierung-carl-leblanc/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2025 12:25:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="194" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/large-L97828977258911-194x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/large-L97828977258911-194x300.jpg 194w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/large-L97828977258911-662x1024.jpg 662w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/large-L97828977258911.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Carl Leblancs Roman "Le printemps en novembre" (2025) entwickelt seine Handlung zwischen dem euphorischen Wahlsieg des Parti québécois am 15. November 1976 und der desillusionierten Gegenwart des Jahres 2006. Im Zentrum steht Étienne Vallières, der an der Premiere eines Dokumentarfilms über den historischen Wahlsieg teilnimmt. Diese äußere Rahmenhandlung führt Étienne in seine Jugend in der Gaspésie zurück, wo sich politische Erweckung und private Initiation überlagern: Der kollektive Triumph der Unabhängigkeitsbewegung fällt mit seiner Liebe zu Julianne zusammen, deren plötzliche Abreise den politischen Aufbruch bereits im Moment seines Entstehens unterminiert. Der Roman verschränkt kollektive Geschichte und individuelles Begehren, indem er den „einzigen großen Sieg“ Québecs zugleich als Höhepunkt und Verlust markiert. Die zeitliche Struktur – der ständige Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart – macht sichtbar, dass das nationale Projekt nur noch in der Erinnerung fortlebt, während es politisch gescheitert ist. Die Rezension liest den Roman als eine poetische Neubewertung des québécoischen Autonomiekampfs darstellt. Der Dokumentarfilm wird als ästhetisches Widerstandsmedium gelesen, das der „Barbarei des Vergessens“ entgegentreten soll, indem es dem historischen Moment eine emotionale Evidenz verleiht, die der nüchternen Gegenwart fehlt. Zugleich dekonstruiert der Text jede triumphale nationale Narration: Die Autonomie erscheint als unerfülltes Versprechen, das sich in Nostalgie, Ironie und Zynismus verflüchtigt. Étiennes persönliches Scheitern – seine emotionale Immobilität, sein Verharren im Diskursiven – wird dabei zur Allegorie eines postnationalen Québecs, das zwischen individuellem Liberalismus und dem Verlust eines kollektiven „nous“ schwankt. Die Rezension liest den Roman somit als melancholische, aber notwendige Selbstvergewisserung: nicht als Verteidigung eines souveränistischen Programms, sondern als literarischen Akt der Erinnerung, der die emotionale Wahrheit des Aufbruchs bewahrt, selbst wenn das politische Projekt gescheitert ist.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Naive und die Spießer bei Voltaire und Dominique Fernandez</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/23/der-naive-und-die-spiesser-bei-voltaire-und-dominique-fernandez/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Nov 2025 18:26:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246831792-001-X-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246831792-001-X-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246831792-001-X-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246831792-001-X-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246831792-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In "Un jeune homme simple" (2024) zeichnet Dominique Fernandez den Weg des jungen Auvergnaten Arthur nach, der als unverbildeter Provinzler in das hyperideologisierte Paris gerät. Seine Begegnungen u.a. mit radikal-feministischen, ökologischen und literarischen Milieus machen die Gegenwartsgesellschaft als von Moralismus, Woke-Dogmen und kulturellem Konformismus durchdrungen sichtbar. Die Naivität des Helden fungiert dabei als Prüfstein moderner Eliten: Gerade weil Arthur die „Codes“ der Hauptstadt nicht versteht, legt er deren Heuchelei frei und entscheidet sich am Ende für die Rückkehr in die Auvergne, wo „valeurs sûres, éprouvées“ und eine einfache Liebe auf ihn warten. - Die Rezension ordnet den Roman explizit in eine intertextuelle Linie zu Voltaires "L’Ingénu" ein und deutet Arthur als gegenwärtige Reinkarnation des aufgeklärten Außenseiters. Wie Voltaires Hurone entlarvt auch Arthur durch sein unverstelltes Urteil die Absurditäten der jeweiligen Epoche – einst der religiösen Riten, heute der ideologischen Orthodoxien. Dabei kehrt sich Voltaires Impuls jedoch um: Wo der Ingénu zum Widerstand in der Welt gezwungen wird, erscheint bei Fernandez der Rückzug als einzige verbleibende Form von Integrität. Die Argumentation der Rezension arbeitet folglich mit einem doppelten Vergleich: Sie liest Fernandez’ Satire als moderne Fortsetzung voltairischer Kritik – und zugleich als ironische Antithese, in der der naive Held nicht mehr kämpft, sondern die korrumpierte Zivilisation hinter sich lässt. - Zentral für die Rezension ist zudem die Beobachtung, dass Fernandez die sexuelle Befreiung der Gegenwart nicht als Fortschritt, sondern als neue Form des Konformismus zeichnet: Was einst transgressiv war, erscheint im Pariser Milieu als kommerzialisiertes Ritual, das seine rebellische Energie verloren hat. Die Werkgeschichte der Homosexualität bei Fernandez zeigt diesen Verlust der „gloire du paria“ als wiederkehrendes Motiv: Seit "L’Étoile rose" (1978) und "La Gloire du Paria" (1987) über den Doppelroman "L'homme de trop" (2021/2022) beschreibt er die Assimilation der einst widerständigen Minderheit als kulturelle Nivellierung, die Wünsche nach einer neuen radikalen Differenz - zuletzt im Transgender - hervorbringt.]]></description>
		
		
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		<title>Okzitanische Transgression: Alain Guiraudie</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/21/okzitanische-transgression-alain-guiraudie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Nov 2025 11:14:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
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		<category><![CDATA[Alain Guiraudie]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-12-195x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-12-195x300.jpeg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-12.jpeg 360w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Die vier Romane des Filmemachers und Schriftstellers Alain Guiraudie bilden eine zusammenhängende Saga, in der sich die Logik des Roman-Flux entfaltet: "Ici commence la nuit" (2014) eröffnet das Universum mit einem düsteren Dreieck aus Gewalt, Begehren und okzitanisch grundierter Außenseiterexistenz; "Rabalaïre" (2021) radikalisiert dies zu einer tausendseitigen, delirierenden Odyssee, die den ländlichen Süden Frankreichs in ein zugleich realistisches und mythisches Terrain verwandelt, in dem sexuelle, kriminelle und fantastische Energien ineinanderströmen; "Pour les siècles des siècles" (2024) verschiebt das Projekt ins Metaphysische, indem die Fusion von Jacques und dem Priester Jean-Marie zu einer theologischen, erotischen und philosophischen Reflexion über Identität, Körper und Koexistenz wird; "Persona non grata" (2025) schließlich zeigt die Konsequenzen dieser Fusion auf institutioneller Ebene und vertieft das Motiv der Ausgrenzung, während es den paranoid-politischen Resonanzraum der Reihe erweitert. Als Werkganzes bilden die Bände einen immer weiter mäandrierenden Fluss, in dem Genregrenzen, moralische Kategorien und ontologische Fixpunkte systematisch aufgelöst werden. - Die Rezension argumentiert, dass Guiraudies Werk aus dem Prinzip der radikalen Entgrenzung heraus zu deuten ist: Die poétique du flux wirkt als ästhetischer, politischer und anthropologischer Schlüssel, der die Verschmelzung von Oralität, okzitanischer Sprachsubversion, sexueller Transgression und philosophischer Spekulation glaubwürdig macht. Ihre Argumentation setzt auf die konsequente Rückbindung der erzählerischen Exzesse an ein strukturelles Programm – die Aufhebung von Identität als stabiler Kategorie, die erzählerische Durchlässigkeit zwischen Realem und Fantastischem sowie die Verbindung von ländlichem Terroir und utopischer Sehnsucht. Durch diese Perspektive erscheinen selbst die extremsten Motive nicht als Provokationen um ihrer selbst willen, sondern als Bausteine einer literarischen Utopie, die das Begehren als verbindende, politisch wirksame Kraft begreift. Vor diesem Hintergrund lässt sich auch der Zusammenhang von Trobadors und Sade fassen: Guiraudie aktualisiert die mittelalterliche Dichtung des Begehrens, die bei den Trobadors als kultivierte, oft unerfüllte und zugleich transzendierende Kraft erscheint, und verschränkt sie mit de Sades Erforschung der Körpergrenzen, der Ambivalenz von Lust und Grausamkeit und der radikalen Freiheit jenseits moralischer Kodifikationen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Jordan Bardellas Wunschfrankreich: Schönheit und Größe des Ersatzkandidaten</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/01/jordan-bardellas-wunschfrankreich-schoenheit-und-groesse-des-ersatzkandidaten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Nov 2025 10:23:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Jordan Bardella]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="226" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Bardella-300x226.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Bardella-300x226.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Bardella-1024x773.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Bardella-768x580.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Bardella.jpg 1370w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Jordan Bardellas beide Bücher – "Ce que je cherche" (2024) und "Ce que veulent les Français" (2025) – bilden eine strategische Doppelfigur aus Selbstmythos und Selbstlegitimierung. Das erste Werk stilisiert Bardellas Aufstieg vom Banlieue-Kind zum „republikanischen Erfolgsmodell“ im Rassemblement National und verbindet dies mit einer Pathetik nationaler Größe, die an Bonaparte und De Gaulle anknüpft. Die Suche nach „Grandeur“ wird zum Selbstrechtfertigungsnarrativ eines Erlösers der „vergessenen Franzosen“. Das zweite Buch transformiert diesen Erlösungsanspruch in eine Galerie scheinbar authentischer Bürgerporträts, die freilich nur die Stimmen eines homogenen, arbeitsethisch moralisierten „Volkes“ repräsentieren, das er selbst verkörpert. Bardella verschmilzt so Erzähljournalismus, politische Mythologie und Wahlkampfrhetorik zu einer ästhetischen Form des populistischen Pathos, in der „Empathie“ zur Bühne ideologischer Vereinfachung wird. Die Nation erscheint als Sakralgemeinschaft gegen Eliten, Migration und Europa; Differenz wird moralisch entwertet. - Der Artikel liest diese Werke als Zwillingsakte politischer Selbstvermarktung: Literatur als Kandidatur. Er zeigt, wie beide Bände den Bolloré-Medienkomplex und dessen rechtspopulistische Agenda stützen: das erste als Biographie eines „designierten Ersatzkandidaten“ für Marine Le Pen, das zweite als emotionalisierter Wahlkampf unter dem Deckmantel volksnaher Authentizität. Die Analyse deutet Bardellas Pathos vom „wahren Frankreich“ als projektive Selbstvergöttlichung und macht sichtbar, dass sein Wunschfrankreich nicht auf Pluralität, sondern auf Symbolmacht zielt: Schönheit und Größe eines Kandidaten – ästhetisch präzise, politisch gefährlich.]]></description>
		
		
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		<title>Die unauffindbare Medaille: Laurent Mauvignier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/14/die-unauffindbare-medaille-laurent-mauvignier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Sep 2025 12:24:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Emile Zola]]></category>
		<category><![CDATA[Laurent Mauvignier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="220" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/livre_galerie_9782707356741-220x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/livre_galerie_9782707356741-220x300.jpg 220w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/livre_galerie_9782707356741.jpg 477w" sizes="auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px" />Laurent Mauvigniers monumentaler Roman "La maison vide" (2025) ist seine Familiensaga und eine Archäologie des Schweigens. Ausgangspunkt ist eine Kommode voller Relikte – Fotos mit ausgeschnittenen Gesichtern, verschwundene Briefe, eine unauffindbare Medaille. Aus diesen Lücken rekonstruiert der Erzähler fünf Generationen seit napoleonischer Zeit, voller Kriege, Scham, Mythen und verschwiegener Traumata. Der Aufsatz zeigt, dass Mauvignier Erfindung nicht als Lüge, sondern als einzige poetologische Möglichkeit begreift, Vergangenheit vor dem Verschwinden zu retten. Familienmythen werden demontiert, verdrängte Geschichten – besonders die von Frauen wie Marguerite – wieder hörbar gemacht. "La maison vide" erweist sich als Metaroman, der zugleich intime Familiengeschichte, kritische Reflexion über Erinnerungspolitik, poetologisches Manifest und Summa des eigenen Werks ist.]]></description>
		
		
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		<title>Brand, Meer, Sandkorn, Stein: Antoine Wauters</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/04/brand-meer-sandkorn-stein-antoine-wauters/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Sep 2025 04:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
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		<category><![CDATA[Antoine Wauters]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/wauters-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/wauters-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/wauters.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Antoine Wauters’ Roman "Haute-Folie" (Gallimard, 2025) erzählt die Geschichte von Josef, der in eine bäuerliche Familie voller Brüche, Schweigen und Tragödien hineingeboren wird und sein Leben lang gegen die unsichtbaren Lasten seiner Herkunft kämpft. Ausgangspunkt ist ein verheerender Brand, der Hof und Tiere zerstört und eine Kette von Verlusten, Verrat und Tod auslöst, die schließlich in Gewalt, Selbstmord und Schuld mündet. Josef wächst im Schatten dieser Katastrophen auf, zwischen stummen Erwachsenen, zerstörerischen Wiederholungen und dem Zwang, die verdrängte Familiengeschichte mit sich zu tragen – womit sich die Frage verbindet, ob das Aufschreiben eine Form von Befreiung oder eine Wiederholung des Schmerzes darstellt. Wauters’ Prosa arbeitet dabei immer wieder mit lyrisch verdichteten Passagen, die Erinnerungen, Stimmen und Orte ineinanderfließen lassen und die Erfahrung von Verrücktheit (folie) als poetische wie existentielle Grenzerfahrung erfahrbar machen.
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		<title>Nachtgeschichten: Laurent Mauvignier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/02/nachtgeschichten-laurent-mauvignier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Sep 2025 06:15:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
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		<category><![CDATA[Laurent Mauvignier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="183" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/519ezXoBoiL._UF10001000_QL80_-183x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/519ezXoBoiL._UF10001000_QL80_-183x300.jpg 183w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/519ezXoBoiL._UF10001000_QL80_.jpg 610w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" />Laurent Mauvignier lässt viele seiner Bücher im fiktiven La Bassée spielen, so auch das für diesen Bücher-Herbst 2025 angekündigte und für die französischen Literaturpreise hoch gehandelte "La maison vide" (2025). Zur Vorbereitung lesen wir seine Nachtgeschichten aus dem Jahr 2020, an dessen Tatort Mauvignier mit seinem neuen Buch zurückkehrt. Laurent Mauvigniers Roman "Histoires de la nuit" (2020) entfaltet sich in dem isolierten Weiler "L'écart des Trois Filles Seules", wo die Malerin Christine als Nachbarin des Bauern Patrice, seiner Frau Marion und ihrer Tochter Ida lebt, deren vermeintlich idyllisches Landleben durch die Vorbereitungen zu Marions 40. Geburtstag eine trügerische Fassade erhält. Diese Ruhe wird jäh zerstört, als Marions Ex-Partner Denis, frisch aus dem Gefängnis entlassen und von jahrelanger Rachsucht getrieben, mit seinen Brüdern Christophe und Bègue auftaucht, um Marion für ihren vermeintlichen Verrat und die vorenthaltene Tochter zu bestrafen, was in der brutalen Tötung von Christines Hund Radjah und der Geiselnahme der beiden Frauen gipfelt. Im Verlauf des Abends enthüllt sich Marions gewaltvolle Vergangenheit, während Patrice, der die Wahrheit über seine Frau lange verdrängt hat, zusammen mit Marion einen verzweifelten Kampf um das Überleben ihrer Familie und die Bewahrung ihrer Tochter in einer Nacht blutiger Konfrontationen führt, die tief sitzende Traumata und familiäre Abgründe offenbart.]]></description>
		
		
		
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		<title>Roman choral eines Tals im Périgord: Renaud de Chaumaray</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/26/roman-choral-eines-tals-im-perigord-renaud-de-chaumaray/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Aug 2025 05:12:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Naturfiktionen]]></category>
		<category><![CDATA[Renaud de Chaumaray]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="204" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Quitter-204x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Quitter-204x300.png 204w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Quitter.png 322w" sizes="auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px" />Renaud de Chaumarays Roman "Quitter la vallée" (Gallimard, 2025) fügt sich in eine Tradition ein, die man im Französischen „roman choral“ oder als „polyphonen Realismus“ bezeichnen könnte: ein literarisches Projekt, das mehrere Stimmen, Lebensläufe und Perspektiven miteinander verschränkt, um daraus ein überindividuelles Bild einer Region, eines Milieus oder einer Epoche zu gewinnen. Mitten im Périgord, genauer in der Vallée de la Vézère, entfaltet Chaumaray drei zunächst voneinander unabhängige Erzählstränge, die sich allmählich berühren, verschränken und überlagern. Der Roman evoziert Landschaft, Geschichte und Gewalt, Erinnerung, Liebe und Flucht, sodass er nicht allein als Ensemble von Einzelschicksalen gelesen werden kann, sondern als eine Art Fresko, in dem sich individuelle Existenz und kollektive Erfahrung untrennbar verbinden.]]></description>
		
		
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		<title>Frankreichs Kontamination 2036: Robert Merle und Emmanuel Ruben</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/19/frankreichs-kontamination-2036-robert-merle-und-emmanuel-ruben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Aug 2025 05:24:18 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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		<category><![CDATA[Naturfiktionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Ruben-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Ruben-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/Ruben.jpg 628w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Emmanuel Rubens Roman "Malville" (Stock, 2024) fügt sich in eine lange Reihe apokalyptischer Literatur ein, die von biblischen Prophetien bis zu Robert Merles "Malevil" bzw. "Malevil oder die Bombe ist gefallen" (1972, dt. 1975) reicht, dessen Titel hier bewusst als intertextuelle Folie aufgerufen wird: Auf der Ebene der Gesellschaftskritik ist "Malville" eine Abrechnung mit der französischen Nuklearpolitik seit den 1970er Jahren. Heute zeichnet Ruben minutiös nach, wie politische Entscheidungen – von Macrons Renaissance des Atomprogramms über den Aufstieg der extremen Rechten bis zur Auflösung der Europäischen Union – in die Katastrophe führten. Robert Merles "Malevil" erzählt aus der Ich-Perspektive des Landwirts Emmanuel Comte, der nach einem plötzlichen Atomschlag gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Freunden und Nachbarn in der abgeschiedenen Burg Malevil überlebt. Schon vor Beginn der eigentlichen Handlung wird klar, dass Rubens "Malville" als intertextueller Dialog mit Merle gelesen werden will – Fortführung, Variation und zugleich kritische Umkehrung seines Endzeitromans.]]></description>
		
		
		
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		<title>Pflüger der Erde: Gaspard Kœnig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 07:21:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="210" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/koenig-210x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/koenig-210x300.jpg 210w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/koenig-717x1024.jpg 717w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/koenig-768x1097.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/koenig-1075x1536.jpg 1075w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/koenig.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px" />Gaspard Kœnigs "Humus" (2023, deutsch 2025), das sich der großen Tradition der realistischen Literatur verpflichtet fühlt, gräbt sich tief in die Materie des Bodens und seiner Bewohner, der Regenwürmer, ein, um existenzielle Fragen nach dem Verhältnis von Mensch und Natur, Idealismus und Pragmatismus, Scheitern und Neuanfang zu verhandeln. Es ist eine Geschichte von zwei jungen Agronomie-Studenten, Arthur und Kevin, deren Wege sich anfänglich kreuzen, um dann in radikal unterschiedliche Richtungen zu führen und die Komplexität heutiger Umweltkonflikte widerzuspiegeln. Der Roman entscheidet nicht zwischen den beiden großen Optionen der Protagonisten, sondern analysiert sowohl die Fehler als auch die Vorzüge beider Entwürfe.]]></description>
		
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		<title>Das vergessene Drama von 1940: Aurélien d’Avout</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/11/das-vergessene-drama-von-1940-aurelien-davout/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Aug 2025 07:46:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="207" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/avout-207x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/avout-207x300.jpg 207w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/avout-707x1024.jpg 707w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/avout-768x1112.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/avout.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px" />Aurélien d’Avout, La France en éclats: écrire la débâcle de 1940, d’Aragon à Claude Simon (Brüssel: Les Impressions nouvelles, 2023), 390 S. Zäsur und Riss im französischen Selbstbild Aurélien d’Avouts Studie La France en éclats beleuchtet, warum das Jahr 1940, insbesondere der Juni, in Frankreich oft von einem „Schleier des Schweigens“ umgeben ist. Obwohl die ... <p class="read-more-container"><a title="Das vergessene Drama von 1940: Aurélien d’Avout" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/08/11/das-vergessene-drama-von-1940-aurelien-davout/#more-8992" aria-label="Mehr Informationen über Das vergessene Drama von 1940: Aurélien d’Avout">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetiken der Kindheit: Clothilde Salelles, Nos insomnies (2025)</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/16/poetiken-der-kindheit-clothilde-salelles-nos-insomnies-2025/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Jul 2025 06:25:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
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		<category><![CDATA[Clothilde Salelles]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="221" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/a19c5a690781a03c72d48752f617809a0508fb74383c55a11d28628591a6909f-221x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/a19c5a690781a03c72d48752f617809a0508fb74383c55a11d28628591a6909f-221x300.jpg 221w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/a19c5a690781a03c72d48752f617809a0508fb74383c55a11d28628591a6909f.jpg 350w" sizes="auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px" />Der Roman "Nos insomnies" (2025) erzählt die Geschichte einer namenlosen Ich-Erzählerin, die Ende der 1990er Jahre in einem ländlichen Vorort aufwächst. Das zentrale und streng gehütete Familiengeheimnis ist die chronische Schlaflosigkeit, die „wie ein böser Zauber“ von einem Familienmitglied zum nächsten gleitet. Die Protagonistin ist eine aufmerksame Beobachterin, die ihren Vater, seine mysteriöse Arbeit im Labor und seine Reaktionen auf die Außenwelt (insbesondere Lärm und die Bedrohung durch die sich ausbreitende „Lotissement“-Bebauung) mit Argwohn und Misstrauen betrachtet. Sie führt „sehr ernsthafte Ermittlungen“ durch, um die unausgesprochenen Wahrheiten zu entschlüsseln, empfindet dabei aber Neid auf die „Probleme“ ihrer Freundin Julie, die benennbar sind und ihrer Existenz eine „Konsistenz“ verleihen. Sommerurlaube auf einem Campingplatz bieten eine temporäre Auszeit von der heimischen Beklemmung; hier scheint der Vater aufzublühen, und die Insomnie tritt in den Hintergrund, auch wenn der Sommer schließlich selbst von ihr „kontaminiert“ wird.]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetiken der Kindheit: Annie Ernaux</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/06/poetiken-der-kindheit-annie-ernaux/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Jul 2025 09:06:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
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		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
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		<category><![CDATA[Annie Ernaux]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="223" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/annie-eraux-super-8-300x223.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/annie-eraux-super-8-300x223.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/annie-eraux-super-8-768x572.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/annie-eraux-super-8.jpg 850w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Annie Ernaux' Poetik der Kindheit ist eine sich entwickelnde, zentrale Dimension ihres Werks, die persönliche Erinnerung untrennbar mit kollektiven, sozialen und historischen Dimensionen verknüpft. Ihre Kindheit im elterlichen Café-Lebensmittelgeschäft in Yvetot prägte ein tiefes Gefühl des „Dazwischenseins“ und der „Zerrissenheit“ – entstanden durch fehlende Privatsphäre, frühe Konfrontation mit Armut und sozialen Unterschieden, die sich in ihrer Privatschulzeit verstärkten und einen Bruch mit dem Herkunftsmilieu bewirkten. Anstatt eine lineare, traditionelle Erzählung der Kindheit zu präsentieren, zerlegt Ernaux ihre Erinnerungen, analysiert die prägenden Einflüsse von Sprache, sozialer Herkunft, Geschlechterrollen und kulturellen Normen und beleuchtet, wie diese Faktoren ihre Identität als Kind und junge Frau formten. Sie ist bemüht, die "unsagbare Szene" ihrer Kindheit aufzulösen und sie in die Allgemeinheit von Gesetzen und Sprache einzubetten, oft indem sie sich selbst als "Ethnologin ihrer selbst" präsentiert. Ihre Kindheitsdarstellungen sind daher keine idealisierten oder nostalgischen Rückblicke, sondern scharfe, oft schmerzhafte Untersuchungen, die die Ambivalenz und die sozialen Spannungen ihrer Herkunft offenlegen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Neuer Raum, neuer Mensch: Agnès Riva</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/03/neuer-raum-neuer-mensch-agnes-riva/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Jul 2025 09:40:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Agnès Riva]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="221" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-221x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-221x300.jpeg 221w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-755x1024.jpeg 755w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-768x1042.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-1132x1536.jpeg 1132w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs-1510x2048.jpeg 1510w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/ailleurs.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px" />Welche Spannung entsteht zwischen visionären Entwürfen und der komplexen urbanen Realität? Agnès Rivas jüngstes Buch, „Un autre ailleurs“ (2025), widmet sich der Entstehungsgeschichte von Neu-Créteil im Jahr 1973 und fokussiert dabei auf die Perspektive des 23-jährigen „Animateurs“ Gilles. Er ist anfangs zutiefst fasziniert von der Modernität und dem revolutionären Potenzial Créteils, das für ihn „gerade aus dem Boden entsteht“ und eine „nagelneue Landschaft, Inkarnation der Zukunft“ ist, in der „alles möglich schien, einschließlich eines neuen Lebens“. Agnès Riva versteht die Stadt Créteil als „Erinnerungs- und Imaginationsraum“ sowie „laboratoire romanesque“, um die Geschichte der „neuen Stadt“ zu beleuchten. Die Untersuchung beginnt mit der Darstellung der anfänglichen, modernistisch-utopischen Visionen für solche geplanten Städte, die stark von Le Corbusiers Ideen einer radikalen Neugestaltung und Funktionalität beeinflusst waren. Diese anfängliche Begeisterung wird durch den Romanprotagonisten Gilles veranschaulicht, der Créteil als „nagelneue Landschaft, Inkarnation der Zukunft“ sieht und mit dem Slogan „Neuer Raum, neuer Mensch!“ die Idee eines Neuanfangs unterstreicht. Der Kern der Argumentation liegt dann in der schrittweisen Desillusionierung: Der Artikel zeigt auf, wie die hochfliegenden utopischen Versprechen in der realen Erfahrung der Bewohner, geprägt von „generischer und austauschbarer Architektur“, Gefühlen des „Eingesperrtseins“ und sozialen Problemen, Risse bekommen. Diese Ernüchterung wird durch die fundierte theoretische Kritik Henri Lefebvres am modernen Urbanismus vertieft, insbesondere durch seine Konzepte des „Rechts auf Stadt“ und die Unterscheidung zwischen dem gelebten „habiter“ und dem geplanten „habitat“ sowie dem Verlust des „Werks“ zugunsten des „Produkts“. Abschließend argumentiert der Artikel, dass trotz dieser dominanten Tendenzen des geplanten Urbanismus Elemente des Widerstands und der Aneignung existieren, die eine „urbane Revolution“ als „reale Entwicklung“ aufgreifen und somit eine Neudefinition utopischer Hoffnungen andeuten, anstatt ein einfaches Scheitern der Utopie zu konstatieren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Soziale Verachtung in Frankreich: Rose Lamy</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/21/soziale-verachtung-in-frankreich-rose-lamy/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Jun 2025 14:25:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Rose Lamy]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/61SM3jFyaVL.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Rose Lamys Buch "Ascendant beauf" (Aszendent Spießer, Seuil, 2025) befasst sich mit der sozialen Verachtung und Klassendominanz in Frankreich, insbesondere durch die Analyse der abfälligen Figur des "Beauf", Inbegriff des Spießertums. Der Begriff "Beauf" ist höchstwahrscheinlich eine Kurzform von "beau-frère" (Schwager). Er wurde 1972 vom Comiczeichner Cabu als Comicfigur erfunden. Der Begriff "Beauf" wird als Werkzeug der Dominanz beschrieben, das von den dominierenden Klassen verwendet wird, um die populären Klassen zu stigmatisieren und zu "entmenschlichen". Der "Beauf" wird im Gegensatz zum "Grand Duduche" beschrieben, einer Figur, die der Comiczeichner Cabu als sein Selbstporträt schuf. Der Duduche ist idealistisch, humanistisch, gebildet, nicht gewalttätig, offen, feministisch, antirassistisch, wählt links oder extrem links. Dies verdeutlicht die dichotome Sichtweise.]]></description>
		
		
		
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		<title>Kindheit und Selbsttransformation: Edouard Louis und Didier Eribon</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/11/kindheit-und-selbsttransformation-edouard-louis-und-didier-eribon/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jun 2025 12:46:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Didier Eribon]]></category>
		<category><![CDATA[Edouard Louis]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/changer-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/changer-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/changer.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Edouard Louis stellt in "Changer : méthode" (Seuil, 2021) die Kindheit als fundamentales Ursprungsmilieu des Schmerzes, der Ausgrenzung und des unaufhaltsamen Drangs nach Flucht dar; die Erfahrungen von Armut, die Rauheit des sozialen Umfelds und insbesondere die ständige Demütigung und Schmähung aufgrund wahrgenommener Weiblichkeit und Homosexualität schaffen beim Erzähler eine tiefe Wunde und das Bewusstsein für ein vorbestimmtes, zu meidendes Schicksal. Dieser existenzielle Zwang zur Flucht wird zum Motor einer lebenslangen und radikalen Selbsttransformation, die nicht als natürliche Entwicklung, sondern als bewusste, disziplinierte und methodische „Arbeit“ am eigenen Körper und Sein begriffen wird, die oft durch Rollenspiel und Nachahmung erlernt wird. Die Kindheit liefert nicht nur die Motivation für den Wandel, sondern auch – durch frühe Überlebensstrategien – die ersten Ansätze dieser „Methode“, während spätere kindliche und jugendliche Begegnungen (z.B. mit Bibliothekaren und Elena) als Katalysatoren und Wegbereiter für den Bruch mit der Herkunftswelt dienen. Auch im Erwachsenenalter bleibt die Kindheit eine ständige, oft schmerzhafte Referenz, die die fortlaufende Notwendigkeit der Veränderung antreibt und das Ringen um Identität und Zugehörigkeit prägt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Anthropologie der Angst: Éric Chauvier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/01/anthropologie-der-angst-eric-chauvier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 15:26:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Chauvier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="176" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-176x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-176x300.jpg 176w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-602x1024.jpg 602w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-768x1306.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover-903x1536.jpg 903w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/book_1059_image_cover.jpg 1181w" sizes="auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px" />Die Wissensbezüge des Buches sind tief in Chauviers anthropologischem Hintergrund verwurzelt, werden aber stets literarisch transformiert. Das gesamte Narrativ wird von einer zentralen, anthropologischen These getragen: Der Motor der Geschichte der Menschheit ist die Todesangst. Die Zivilisation ist für Chauvier ein stets gescheiterter, immer wieder neu begonnener Versuch, die Todesangst zu beschwören oder zu bannen. Diese Grundprämisse durchzieht das Buch wie ein Leitmotiv und liefert den Deutungsrahmen für die gesamte menschliche Entwicklung. Éric Chauviers "Un lac inconnu" (2025), bei den Editions Allia erschienen, präsentiert sich dem Leser als ein Werk von geringem Umfang – gerade mal hundert Seiten stark – dessen Ambition und intellektuelle Tiefe jedoch weit über diese physische Größe hinausreicht. Der Autor, der sowohl als Anthropologe als auch als Schriftsteller tätig ist, verbindet in diesem Text wissenschaftliche Analyse mit literarischer Form. Das Buch ist kein traditioneller Essay, sondern, wie Chauvier selbst es nennt, eine "poetische Metaerzählung" ("métarécit poétique"). Dieser hybride Ansatz ermöglicht eine longue durée literarischer Untersuchung von Menschheitsgeschichte, ihrer Triebkräfte und ihrer letztendlichen Entwicklungsrichtung. Chauviers Buchvorhaben ist ein faszinierendes Beispiel für die Überschreitung disziplinärer Grenzen und die Nutzung literarischer Mittel zur Darstellung komplexer anthropologischer Thesen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Schnitt ins Fleisch: Claire Berest über den Prozess Gisèle Pelicot</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/28/schnitt-ins-fleisch-claire-berest-ueber-den-prozess-gisele-pelicot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 May 2025 14:17:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Claire Berest]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782226503572-j-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782226503572-j-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782226503572-j.jpg 547w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Claire Berests „La Chair des autres“ (2025) geht aus ihrer Beobachtung des Prozesses gegen Dominique Pelicot im Herbst 2024 hervor, den sie zunächst als Reporterin begleitete. Der Ehemann hat über Jahre hinweg Männer in sein Haus eingeladen, um seine mit Medikamenten sedierte Ehefrau, Gisèle Pelicot, ohne deren Wissen sexuell zu missbrauchen. Die Autorin verbindet juristische Protokollierung mit literarischer und philosophischer Reflexion und stellt grundlegende Fragen nach dem Wesen des Bösen, nach der Möglichkeit von Zeugenschaft und nach den kulturellen Voraussetzungen sexueller Gewalt. Dabei bezieht sie sich auf Theoretikerinnen wie Camille Froidevaux-Metterie und Simone Weil, ebenso wie auf Hannah Arendts Konzept der „Banalität des Bösen“ und Roland Barthes' Analyse des fait divers. Ein zentraler Vergleich gilt der Leerstelle des Bildes bei KZ-Überlebenden, denen Berest das „wiederhergestellte Bild“ der Vergewaltigungsvideos gegenüberstellt – als Medium der Anerkennung und Sichtbarmachung. Der Text ist keine lineare Reportage, sondern eine vielschichtige Untersuchung darüber, wie Recht, Körper und Sprache in einem kulturellen Kontext verhandelt werden, in dem das Bewusstsein für den Anderen erschreckend lückenhaft erscheint.]]></description>
		
		
		
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		<title>Aurélien Bellanger als Lorenzaccio: Les derniers jours du Parti socialiste</title>
		<link>https://rentree.de/2024/10/04/aurelien-bellanger-als-lorenzaccio-les-derniers-jours-du-parti-socialiste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Oct 2024 07:29:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Aurélien Bellanger]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/10/157116_couverture_Hres_0.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Aurélien Bellanger bewegt sich mit dem jüngsten Roman „Les derniers jours du Parti socialiste“ in diesem Herbst 2024 zwischen politischer Fiktion, Schlüsselroman und gesellschaftlicher Satire, mit Elementen der Utopie, aber auch der Dystopie einer zunehmend autoritären Republik, in der die laizistischen Ideale instrumentalisiert werden, um eine islamophobe Politik durchzusetzen. Der Roman zeichnet ein Gesellschaftsbild, in dem die traditionellen politischen Lager der Republik bzw. die Grenzen zwischen links und rechts verschwimmen und in der nationalistische und identitäre Bewegungen das politische Spektrum dominieren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Brachland und Raumordnung: Jean Rolin</title>
		<link>https://rentree.de/2023/07/18/brachland-und-raumordnung-jean-rolin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Jul 2023 07:48:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Aurélien Bellanger]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="219" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/Rolin-300x219.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/Rolin-300x219.png 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/Rolin-1024x747.png 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/Rolin-768x560.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/Rolin.png 1088w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Jean Rolins Projekt, mit einer "littérature de terrain" eine andere Topographie der Lebensräume zu erschreiben, im scheinbar heimischen Kontext um die Pariser Brücke von Bezons und an den Grenzen von Stadt und Umland, macht vernachlässigte, übersehene Bereiche (terrain vague) sichtbar.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die Öffnung der Höhle: Pierre Michon</title>
		<link>https://rentree.de/2023/03/31/die-oeffnung-der-hoehle-pierre-michon/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Mar 2023 12:49:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Reserve]]></category>
		<category><![CDATA[Jean Rouaud]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Michon]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/les_deux_beune-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/les_deux_beune-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/les_deux_beune-667x1024.jpg 667w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/les_deux_beune-768x1179.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/03/les_deux_beune.jpg 827w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Nach einem Vierteljahrhundert veröffentlicht Pierre Michon auf Basis des viel gelobten Textes „La Grande Beune“ 2023 nun ein Diptychon, den Roman „Les deux Beune“, mit einem zweiten Teil des obsessiven Begehrens eines jungen Lehrers in einer Welt vorzeitlicher Höhlen der Dordogne.]]></description>
		
		
		
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		<title>Provinz im Niedergang: eine Art Inventar der Tiefen unseres Landes</title>
		<link>https://rentree.de/2021/10/05/provinz-im-niedergang-eine-art-inventar-der-tiefen-unseres-landes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Oct 2021 14:39:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Rondeau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="207" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau-207x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau-207x300.jpg 207w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau-705x1024.jpg 705w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau-768x1115.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau-1058x1536.jpg 1058w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/10/Arriere-pays-Daniel-Rondeau.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px" />„Arrière-pays“, der zweite Band 2021 einer Trilogie, nimmt die Form eines Thrillers an, räumlich wird das „Hinterland“, die trostlose Provinz Frankreichs beschworen. Hier wird ein polnischer Lastwagenfahrer tot aufgefunden, und aus diesem Mord entwickelt sich eine Schockwelle in die französische Provinzgesellschaft.]]></description>
		
		
		
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