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	<title>Judéité &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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	<title>Judéité &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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		<title>Fluch und Auftrag: Jüdischkeit als Spannungsfeld bei Stéphane Giusti</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2026 22:57:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="224" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71TPy8opRL._SL1500_-224x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71TPy8opRL._SL1500_-224x300.jpg 224w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71TPy8opRL._SL1500_-765x1024.jpg 765w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71TPy8opRL._SL1500_-768x1028.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71TPy8opRL._SL1500_.jpg 1121w" sizes="(max-width: 224px) 100vw, 224px" />Stéphane Giustis Debütroman "Le Juif rouge" erzählt das Leben des Aaron Tamerlan Munteanu, eines rumänischen Juden von zwei Metern zwanzig mit feuerrotem Haar, der 1917 durch den Fluch eines Dybbuk zur Unsterblichkeit verurteilt wird und fortan als sogenannter roter Jude, eine Legendengestalt aus mittelalterlicher Überlieferung, durch das gewaltvolle 20. Jahrhundert Mitteleuropas wandert: von den Schützengräben der Karpaten über Odessa, Wien, Berlin und Prag bis nach Treblinka und schließlich Jerusalem, stets als Zeuge, der das Unheil vorausahnt, ohne es aufhalten zu können. Der Aufsatz liest diesen Roman als Verhandlung von Jüdischkeit selbst: nicht als feste Identität, sondern als Spannungsfeld aus Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Fremdbild und Selbstbild, Legende und Geschichte, das sich im überlebensgroßen, unverwundbaren Körper des Helden leiblich verdichtet. Die Argumentation zeigt, wie der Text die Gattungen des Schelmenromans, der jüdischen Legende, der Schauergeschichte und der historischen Chronik ineinanderschiebt, um ein Geschehen zu umkreisen, das sich realistischer Darstellung entzieht, und wie er zugleich seine eigene Poetik als Zeugenschaft reflektiert, als Pflicht, Buße und Gebet, die im Erzählen selbst ihre Form findet. Ein eigenes Gewicht erhält dabei die Beobachtung, dass der Roman sein Heldenmodell zuletzt unterläuft: Die Legende verspricht einen Retter, der Text liefert einen Zeugen ohne Wirkmacht, dessen Unsterblichkeit Strafe und Auftrag zugleich ist, und dessen Schluss, die Pflege des einstigen Gegners auf einem Jerusalemer Dach, die anfängliche Sehnsucht nach dem einfachen Hass in eine Ethik der Zuwendung verwandelt, ohne sie von aller Schuld zu befreien.]]></description>
		
		
		
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		<title>Drieu la Rochelle als Antisemit auf dem Papier: Liebe und Kollaboration bei Jean-Noël Orengo</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 02:06:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
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		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[Pierre Drieu la Rochelle]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71zQtdLX7PL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71zQtdLX7PL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71zQtdLX7PL._SL1500_-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71zQtdLX7PL._SL1500_-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71zQtdLX7PL._SL1500_.jpg 1025w" sizes="(max-width: 205px) 100vw, 205px" />Jean-Noël Orengos Roman "La Rédemption" (2026) erzählt, wie sich die großbürgerliche, jüdischstämmige Colette Jéramec und der mittellose Schriftsteller Pierre Drieu la Rochelle vor 1914 kennenlernen, heiraten, sich 1921 scheiden lassen und dennoch verbunden bleiben, bis Pierre, inzwischen Kollaborateur und Ideologe eines "faschistischen Sozialismus", 1943 über sein eigenes Netzwerk aus deutschen Funktionären die Freilassung Colettes und ihrer beiden Söhne aus Gestapo-Haft erwirkt, ihr bis zu seinem Suizid 1945 nahebleibt und am Ende selbst von ihr gepflegt und beerdigt wird. Der Aufsatz liest diesen Stoff nicht als moralisches Rechenexempel, sondern zeigt, wie der Roman auf jeder Ebene der Narration dieselbe Grundfigur durchspielt: die Unmöglichkeit, eine private Liebesgeschichte von der kollektiven Schuld ihrer Zeit zu trennen, ohne die eine der anderen zu opfern. Ausgehend von einer selbstkritischen Reflexion der eigenen, deutschen Leseposition verfolgt die Argumentation, wie sich diese Spannung in Orengos offener, quellenkritischer Erzählweise niederschlägt, in der Konfrontation von Colettes bürokratisch zugeschriebener und durch Pierre nie klar bestimmter Jüdischkeit, im ambivalenten Bild Deutschlands als Projektionsfläche und Vernichtungsapparat sowie im Kontrast zu Drieus eigenem Roman "Gilles", dessen ästhetisierter Opfertod im Spanischen Bürgerkrieg durch die medizinisch nüchternen, von Colette begleiteten Suizidversuche des realen Pierre bei Orengo gezielt entzaubert wird. Zuletzt zeigt der Aufsatz, gestützt auf Zeugnisse aus dem Cahier de l'Herne, wie sich Orengos Formel vom "Antisemiten auf dem Papier" in zeitgenössischen Quellen wiederfindet, und liest den Roman als bewusst offenes, politisch nach beiden Seiten lesbares Werk, das seine eigene Ambivalenz zum Erkenntnisverfahren erhebt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Kreuzungen eines sefardischen Pikaro: Olivier Guez</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/23/kreuzungen-eines-sefardischen-pikaro-olivier-guez/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2026 04:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2014]]></category>
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		<category><![CDATA[Olivier Guez]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="212" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71XZvmaNe9L._UF10001000_QL80_-212x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71XZvmaNe9L._UF10001000_QL80_-212x300.jpg 212w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71XZvmaNe9L._UF10001000_QL80_.jpg 706w" sizes="(max-width: 212px) 100vw, 212px" />Olivier Guez' "Les révolutions de Jacques Koskas" (2014, dt. 2020) erzählt die pikareske Bildungsgeschichte eines sefardischen Journalisten aus dem als Straßburg erkennbaren „S.", der über Paris, Rio und Berlin bis nach Haifa taumelt und dabei eine erotisch-politische Theorie sexueller Befreiung entwickelt, die der Roman zugleich ernst nimmt und der Lächerlichkeit preisgibt; als roman croisé erweist sich der Text nicht durch eine versöhnliche Behandlung des deutsch-französischen Verhältnisses, sondern dadurch, dass dieses Verhältnis die Form von innen organisiert – in der gespiegelten Konstellation der sefardischen Koskas und der großbürgerlichen, NS-belasteten von Schwarzenbeck, in der eigenen mütterlichen Familie der Scholem, die selbst zwischen aschkenasischem Ursprung und Schoah-Erfahrung steht, in einer ständig zwischen Hebräisch, Deutsch und Business-Jargon wechselnden Sprache und in einer Erzähltechnik der wörtlichen Parallelführung, die im Epilog die Achse Frankreich–Deutschland auf den israelisch-palästinensischen Konflikt überträgt, wenn Jacques' letzte heimliche Versuchung im selben Satzrhythmus wie das Attentat des jungen Palästinensers Ziad erzählt wird. Berlin selbst erscheint dabei doppelt besetzt: als Ort der Selbstauslöschung und Neuerfindung, dessen Umbau-Baustellen und Retro-Futurismus Jacques' eigenen Versuch spiegeln, sein bisheriges Leben abzustreifen, und zugleich als Bühne zweier unversöhnter Milieus – des Post-Wende-Subkultur-Berlins um Ana und des großbürgerlich-hochkulturellen Berlins um Frauke –, wobei gerade diese Stadt, in der die leichte Ironie des Romans an ihre Grenze stößt, das Vergessen verspricht, das sie durch die Weihnachtsbegegnung der Familien und deren NS-Vergangenheit zugleich unterläuft.]]></description>
		
		
		
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		<title>Ein Besitz, der nicht mehr ausgesprochen wird: Catherine Clément</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/19/ein-besitz-der-nicht-mehr-ausgesprochen-wird-catherine-clement/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Aug 2026 04:38:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-1398x2048.jpg 1398w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL.jpg 1653w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Catherine Cléments "L'Allemand de ma mère" (2023) erzählt, wie die junge jüdisch-ukrainische Apothekerin Raymonde Gornick 1937 den katholischen Yves Clément heiratet und wie ihre Familie – zwischen Paris und dem Loire-Dorf Le Thoureil, zwischen „Kristallnacht“ , Vichy-Gesetzen, Deportation und Befreiung – durch den Zweiten Weltkrieg kommt, begleitet von der janusköpfigen Figur des deutschen Arztes Samuel Schütz, der sich zunächst als verfolgter jüdischer Flüchtling ausgibt, dann aber als Stabsarzt der Abwehr im besetzten Paris auftaucht und, als „falscher Samuel“, Raymonde immer wieder warnt und schützt, ohne dass je ganz klar würde, ob er Retter oder Agent, Freund oder Werkzeug des Vernichtungsapparats ist; parallel dazu verfolgt der Roman in kurzen, vorsprachlichen Passagen, wie das ungeborene und dann kleine Kind Catherine – die Erzählerin, benannt wie die Autorin selbst – ein eigenes Ich entwickelt, bis sie am Ende, nach der Ermordung der Großeltern in Auschwitz und der Geburt eines Bruders im Mai 1945, die Geschichte selbst in der ersten Person weitererzählt. Der Aufsatz liest diesen Roman als „roman croisé“, weil er Deutschland und Frankreich nicht als benachbarte Räume, sondern als ineinander verschränkte, einander durchdringende Wirklichkeiten zeigt: Deutsch ist die Sprache, die Raymonde einst fließend sprach und nach dem Krieg für immer verstummen lässt, und zugleich der eine, gespaltene Mann, bei dem sich Rettung und Bedrohung nicht trennen lassen; formal spiegelt sich diese Verschränkung in einer datierten, fast annalistischen Kriegschronik, die immer wieder von einer ganz anderen, körperlich-kindlichen Zeitlichkeit unterbrochen wird, sodass der Roman am Ende weniger eine abgeschlossene Geschichte als eine unabschließbare Übersetzungsarbeit zwischen Sprachen, Generationen und Loyalitäten hinterlässt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Antisemitismus als Prüfstein politischer Selbstverortung</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/10/antisemitismus-als-pruefstein-politischer-selbstverortung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 03:36:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="187" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/61wZ2mWc95L-187x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/61wZ2mWc95L-187x300.jpg 187w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/61wZ2mWc95L-638x1024.jpg 638w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/61wZ2mWc95L-768x1234.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/61wZ2mWc95L.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px" />Ein Sammelband mit elf Historikerinnen und Historikern bzw. Publizisten unter Herausgeberschaft von Alexandre Bande, Pierre-Jérôme Biscarat und Rudy Reichstadt verfolgt in zwölf Kapiteln, wie sich die politischen Familien Frankreichs – vom Rassemblement National über die Regierungsrechte, Macrons Renaissance, Grüne, Sozialisten und Kommunisten bis zu La France insoumise, der außerparlamentarischen Linken und den Gelbwesten – seit dem Sechstagekrieg 1967 zum Antisemitismus verhalten haben. Ausgangspunkt ist die These, dass Antisemitismus von rechts historisch erwartbar sei, sein wiederholtes Auftauchen im linken Lager dagegen mehr über Verdrängungsmechanismen der französischen Gesellschaft verrate; als Scharnier dient dabei durchgehend das Verhältnis von legitimer Israelkritik und antisemitisch codiertem Antizionismus. Die Rezension würdigt den Band als dicht dokumentierte, quellennahe Bestandsaufnahme, die mit dem Reflex bricht, Judenhass allein der extremen Rechten zuzuschreiben, und die auch das eigene politische Lager der jeweiligen Autoren nicht schont. Zugleich benennt sie methodische Grenzen – eine „Sicht von oben" ohne Archiv- oder Basisforschung, uneinheitliche analytische Zugriffe, das Fehlen einer vergleichenden internationalen Perspektive und eines eigenständigen Kapitels zu islamistisch geprägtem Antisemitismus – sowie eine auffällige Leerstelle gegenüber Literatur und Kunst. Ein Ausblick zeigt schließlich, dass sich die im Buch beschriebenen Muster in der Vorwahlkampfphase zur Präsidentschaftswahl 2027 nahezu unverändert wiederholen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Cloé Kormans Prosa zwischen Verschweigen und Bezeugen</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/09/cloe-kormans-prosa-zwischen-verschweigen-und-bezeugen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 04:09:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/images-30-300x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/images-30-300x300.jpeg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/images-30-150x150.jpeg 150w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/images-30-50x50.jpeg 50w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/images-30-80x80.jpeg 80w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/images-30.jpeg 447w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Der Werküberblick stellt sechs bisher erschienene, nicht übersetzte Bücher der französischen Autorin Cloé Korman vor, von ihrem 2010 mit dem Prix du Livre Inter ausgezeichneten Debütroman "Les Hommes-couleurs" bis zu "Mettre au monde" (2025), und ordnet den für den Herbst angekündigten Roman "L'Acte" ein. Erzählt wird in den Texten von einem französisch-jüdischen Ingenieur, der sich unter neuem Namen ein zweites Leben beim U-Bahn-Bau in Mexiko-Stadt aufbaut; von einer jungen Algerierin, die in einer Pariser Hochhaussiedlung ein leeres Zimmer und ein Telefon vorfindet, das nachts klingelt, ohne dass sich jemand meldet; von einem Sommer im Marseille des Jahres 2000, in dem Kinder aus einfachen Verhältnissen Shakespeares „Sturm“ proben; von den 1942 in Montargis verhafteten, später deportierten Cousinen des eigenen Vaters, deren Spur die Autorin gemeinsam mit ihrer Schwester über Briefe und Aktenvermerke zurückverfolgt; und von einer Hebamme, die einem totgeborenen Kind mit offenen Augen gegenübersteht, während in einer zweiten Erzählspur eine Historikerin über die Geschichte der Abtreibung forscht. Zwischen diesen Bildern entfaltet sich ein Werk, das beständig zwischen Fiktion, Essay und dokumentarischem Bericht wechselt. Der Text fasst die Bücher zunächst einzeln zusammen, benennt jeweils Bezüge zu den übrigen Titeln und entwickelt daraus Thesen zu einem Werksvergleich – zu wiederkehrenden Orten, Erzählformen und Motiven, die Kormans Prosa von Buch zu Buch verbinden.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Kindheit, Jugend, Rückkehr: Hugo Lindenbergs Trilogie des verschwiegenen Verlusts</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/03/kindheit-jugend-rueckkehr-hugo-lindenbergs-trilogie-des-verschwiegenen-verlusts/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2026 03:10:03 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Hugo Lindenberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/71KCkVxWsZL._SL1240_-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/71KCkVxWsZL._SL1240_-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/71KCkVxWsZL._SL1240_-658x1024.jpg 658w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/71KCkVxWsZL._SL1240_-768x1195.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/71KCkVxWsZL._SL1240_.jpg 797w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Hugo Lindenbergs Trilogie erzählt in drei eigenständigen, aber eng aufeinander bezogenen Romanen von einem früh verschwiegenen Elternverlust und seinen Nachwirkungen über drei Lebensalter hinweg: In "Un jour ce sera vide" (2020, dt. 2023) verbringt ein namenloser Junge von zehn Jahren einen Sommer an der normannischen Küste bei seiner Großmutter, einer aus Polen stammenden Holocaust-Überlebenden, und einer von ihm gefürchteten Tante, und findet zwischen Quallen, die er mit einem Stock seziert, und der Scham über die eigene, auffällige Familie in der Freundschaft mit dem gleichaltrigen Baptiste, dessen unversehrte, "normale" Familie ihm wie ein Gegenbild der eigenen Herkunft erscheint, einen leisen, eindringlichen Ausweg aus früh verinnerlichter Andersheit, geschildert mit einer für ein Kind untypischen, an Nathalie Sarraute geschulten Beobachtungsgenauigkeit; in "La Nuit imaginaire" (2023, dt. 2025) erfährt ein junger Student bei einem herbstlichen Spaziergang mit seiner Tante, dass seine Mutter nicht durch einen Unfall starb, sondern sich durch Suizid das Leben nahm – fünfzehn Jahre lang als Unfall ausgegeben –, und reagiert auf diese Enthüllung mit einer Umkehrung seines Zeitgefühls, indem er aufhört, eine Uhr zu tragen, den Schlaf meidet und stattdessen die nächtlichen Straßen von Paris durchstreift, einen schwulen Nachtclub aufsucht und frühere Freundinnen der Mutter trifft, über die er nach und nach erfährt, wie diese als Feministin in der revolutionären Linken der siebziger und achtziger Jahre gelebt hat, bis der an Blaise Cendrars' modernistischem Poem Prose du Transsibérien orientierte Roman nach einem ganzen Winter der Nächte zu einer geordneten Zeitlichkeit zurückfindet; und in "Les Années souterraines" (2026) kehrt schließlich ein Architekt Anfang vierzig zehn Jahre nach dem Tod seines Vaters aus den Vereinigten Staaten nach Paris zurück, um dessen Wohnung im 15. Arrondissement zu verkaufen, jenen Ort, an dem er nach dem frühen Tod der Mutter mit einem gefühlskalten, zur Zuneigung unfähigen Vater aufwuchs, umkreist die Wohnung tagelang, erkundet Treppenhaus, Kellerräume und Dach, trifft Nachbarn und verbindet die eigentliche Konfrontation mit der Frage, ob er selbst Vater werden kann, ohne die erlittene Kälte weiterzugeben – eine erwachsene, bewusst gesuchte Rückkehr an den Ort des Traumas, die die kindliche Erfahrung des Debüts mit der Wahrheitsarbeit des zweiten Bandes zusammenführt. Der vorliegende Aufsatz liest diese drei Bücher nicht als lose Werkfolge, sondern als bewusst komponierte Trilogie, deren Kohärenz sich weniger aus wiederkehrenden Figuren als aus einem gemeinsamen thematischen Kern und aus einer durchgehenden Elementarmetaphorik ergibt – Wasser im Debütroman, Nacht im zweiten und ein titelgebendes Untergeschoss im dritten Roman fungieren als drei Spielarten desselben Verfahrens, das nicht direkt Erzählbare in einen Raum auszulagern. Die drei Romane bilden ein gemeinsames literarisches Projekt, das Sprachlosigkeit nicht auflöst, sondern in immer neuen räumlichen und zeitlichen Anordnungen genauer kartiert.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Vier Romane über das Komische: Karine Tuil, Camille Bordas, Fabio Viscogliosi, David Foenkinos</title>
		<link>https://rentree.de/2026/07/21/vier-romane-ueber-das-komische-karine-tuil-camille-bordas-fabio-viscogliosi-david-foenkinos/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2026 03:59:19 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Karine Tuil]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="158" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/41Dtd0Odr1L-158x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/41Dtd0Odr1L-158x300.jpg 158w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/41Dtd0Odr1L.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 158px) 100vw, 158px" />Die vier Romane entwerfen, bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Erzählformen, ein gemeinsames Panorama des Komischen als paradoxes Dispositiv zwischen Produktion, Verlust und Reflexion: Bei Fabio Viscogliosi erscheint es in "Harpo" (2020) zunächst als körperlich erlerntes, beinahe familiär vererbtes Handwerk, das jedoch an äußere Rahmungen (Bruderbindung, Dramaturgie, Produktionslogik) gebunden bleibt und im Moment der Amnesie vollständig suspendiert wird; Karine Tuil radikalisiert diese Ambivalenz, indem sie in "Quand j’étais drôle" (2005) das Komische zugleich als Zwang und als unabschüttelbare Sprachform inszeniert, sodass die Erzählinstanz ihr eigenes Scheitern im Modus der Pointe artikuliert und damit die These vom "verlorenen Humor“ performativ unterläuft; David Foenkinos kehrt in "Je suis drôle" (2026) die Ausgangsannahme um, indem er zeigt, dass nicht Komik, sondern deren Fehlen – genauer: eine als "tragisch“ lesbare Präsenz – sozialen und künstlerischen Erfolg generiert, wodurch das Komische als falsches Versprechen entlarvt wird, ohne dass die zugrunde liegende Logik (Geliebtwerden durch Affektproduktion) aufgegeben würde; Camille Bordas schließlich überführt in "Des inconnus à qui parler" (2025) das Komische in einen expliziten Diskursraum, in dem es als lehr- und analysierbares Verfahren erscheint, dessen methodische Durchdringung (Zerlegung, Variation, Theoretisierung) jedoch in Spannung zu seiner Wirkung steht. Der Aufsatz hierarchisiert diese vier Modelle nicht, sondern liest sie als komplementäre "Theorien in narrativer Form“: Komik ist einmal Praxis ohne Theorie (Viscogliosi), einmal Theorie im Modus der Selbstwidersprüchlichkeit (Tuil), einmal Negativfolie einer affektiven Ökonomie (Foenkinos) und einmal explizit epistemologisches System (Bordas). Die Argumentation macht wiederkehrende Strukturen sichtbar – etwa die Bindung des Komischen an biografische Defizite oder seine Abhängigkeit von institutionellen Kontexten – und verschränkt diese mit übergeordneten Modellen (Bergsons Mechanik, Girards Gleichgewicht, Le Bretons Körperlichkeit, Flandrins Soziologie), sodass die Einzelanalysen nicht additiv bleiben, sondern sich gegenseitig erhellen. Anschaulich wird dies vor allem in den Schlüsselszenen: Harpos Verlust der komischen Identität zeigt das Komische als Effekt von Rahmung; Sandres diagnostizierte "Doppelsicht“ macht die innere Spaltung sichtbar, die Komik ermöglicht und zerstört; Gustaves Zurückweisung als "nicht drôle“ markiert den Umschlagpunkt einer ganzen Wertordnung; Dorothys Reflexion über die Frage als Werkzeug führt das Komische als eigenständige Erkenntnisform vor. Insgesamt verfolgt der Aufsatz eine klare Linie: Er verschiebt die Frage "Was ist das Komische?“ hin zu "Unter welchen Bedingungen entsteht, funktioniert und scheitert es?“ – und gewinnt gerade daraus seine analytische Präzision, weil das Komische nicht als stabile Eigenschaft, sondern als fragile Relation zwischen Körper, Sprache, Publikum und Institution erscheint.]]></description>
		
		
		
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		<title>Max Jacob zwischen Verklärung und Aktenbefund: Philippe Douroux und Olivier Rasimi</title>
		<link>https://rentree.de/2026/07/17/max-jacob-zwischen-verklaerung-und-aktenbefund-philippe-douroux-und-olivier-rasimi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2026 00:03:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Max Jacob]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Rasimi]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Douroux]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="199" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/Modigliani_Amedeo_1884-1920_-_Ritratto_di_Max_Jacob_1876-1944-199x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Max Jacob von Modigliani, um 1916–1917." decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/Modigliani_Amedeo_1884-1920_-_Ritratto_di_Max_Jacob_1876-1944-199x300.jpg 199w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/Modigliani_Amedeo_1884-1920_-_Ritratto_di_Max_Jacob_1876-1944.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px" />Max Jacob (1876–1944) war Dichter, Maler und einer der zentralen Figuren der Pariser Bohème am Montmartre, wo er in existenzieller Armut und geistiger Nähe zu Picasso das Prosagedicht revolutionierte und mit Werken wie Le Cornet à dés eine Poetik des Traums, des Zufalls und der mystischen Vision zwischen Judentum und katholischer Konversion entwickelte. Die Rezension stellt zwei Bücher aus dem Jahr 2026 gegenüber, die vom selben historischen Ausgangspunkt – der Verhaftung und dem Tod Max Jacobs im Sammellager Drancy – ausgehen, jedoch radikal divergierende Darstellungsweisen entfalten: Olivier Rasimis "Saint Max" entwirft in einer achronologisch strukturierten, bewusstseinsnahen Erzählung eine hagiografisch grundierte Innenperspektive, die Jacobs Leben und Sterben als mystisch aufgeladenen Kreuzweg deutet, während Philippe Douroux’ "Max Jacob et le jeune SS" als dokumentarische Doppelbiografie die Biografie des Dichters mit der eines späteren SS-Freiwilligen verschränkt und mittels archivalischer Recherche, Brieffunden und administrativer Spuren eine historisch-politische Anklage formuliert; die Rezension arbeitet diese Opposition systematisch heraus und argumentiert, dass beide Texte dieselbe Grundfrage – wie ein Tod zwischen religiöser Sinnstiftung und industriellem Massenmord erzählbar ist – mit entgegengesetzten Mitteln beantworten, wobei Rasimis ästhetische Verklärung die Gewalt tendenziell spiritualisiert, Douroux’ aktenbasierte Rekonstruktion hingegen Erfahrung in Evidenz überführt, sodass erst im kontrastiven Nebeneinander die jeweiligen blinden Flecken sichtbar werden: hier die Gefahr der Theologisierung historischer Gewalt, dort die Reduktion existenzieller Dimensionen auf dokumentarische Faktizität; die Stärke der Rezension liegt folglich in der präzisen narratologischen und erkenntniskritischen Vermittlung dieser Differenz, durch die literarische Form selbst als epistemisches Instrument begreifbar wird. ]]></description>
		
		
		
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		<title>Ein Mietshaus im Elsass und Gespenster der Geschichte: Michèle Audin</title>
		<link>https://rentree.de/2026/07/01/ein-mietshaus-im-elsass-und-gespenster-der-geschichte-michele-audin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 02:15:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Michèle Audin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="185" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-185x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-185x300.jpg 185w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-630x1024.jpg 630w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-768x1248.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-945x1536.jpg 945w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-1260x2048.jpg 1260w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL.jpg 1299w" sizes="auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px" />Der Artikel präsentiert Michèle Audins Roman "La Maison hantée" (2025) als eindrückliches Beispiel eines "roman croisé", in dem sich dokumentarische Recherche, erzählerische Imagination und multiple Zeitebenen überlagern: Ausgehend von ihrem Einzug in ein Straßburger Mietshaus im Jahr 1992 folgt eine Ich-Erzählerin den Spuren früherer Bewohner und entfaltet aus Archivmaterialien, Zufallsfunden und vorsichtigen Rekonstruktionen ein Geflecht von Lebensgeschichten, das besonders die Familie Caron-Fischbach in den Jahren 1930 bis 1946 in den Blick nimmt; im Schatten der nationalsozialistischen Annexion des Elsass werden dabei Fragen von Zugehörigkeit, Sprachzwang und administrativer Gewalt virulent, wobei insbesondere die jüdischen Bewohner des Hauses und ihr sukzessives Verschwinden aus den Registern als beklemmende Leerstelle hervortritt, die weder narrativ geschlossen noch historisch vollständig aufgeklärt werden kann. Die erzählerische Bewegung gleicht einem tastenden Durchqueren von Räumen und Zeiten – Treppenhaus, Wohnungen, Archive –, in denen sich Stimmen überlagern und Gegensätze nicht aufgelöst, sondern sichtbar gehalten werden. Vor diesem Hintergrund argumentiert der Aufsatz, dass Audin eine Poetik der Spurensicherung entwickelt, die das Nebeneinander von Fakt und Fiktion nicht nivelliert, sondern ausstellt: Erstens wird der historische Roman durch die konsequente Selbstreflexivität der Erzählinstanz als Konstrukt kenntlich gemacht, indem imaginative Ergänzungen ausdrücklich markiert und damit epistemologisch transparent werden; zweitens erscheint das Elsass als paradigmatischer Raum gekreuzter Identitäten, in dem nationale Zuschreibungen – insbesondere unter den Bedingungen der NS-Sprachpolitik – gewaltsam durchgesetzt und zugleich in ihrer Fragilität erfahrbar werden; drittens erweist sich das Schweigen der Quellen, etwa im Fall der ausgelöschten jüdischen Existenzen, nicht als bloßes Defizit, sondern als zentrales Bedeutungsträger, der die Grenzen historischer Erkenntnis markiert und eine ethisch reflektierte Form des Erinnerns einfordert. So macht der Aufsatz plausibel, dass "La Maison hantée" Geschichte nicht als lineare Erzählung, sondern als vielstimmiges, von Brüchen durchzogenes Gefüge begreift, in dem sich Vergangenheit nur im Modus der Annäherung und Überkreuzung erschließt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Jüdisch-arabische Koexistenz als Familienchronik: Pierre Hazan</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/24/juedisch-arabische-koexistenz-als-familienchronik-pierre-hazan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jun 2026 04:33:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Hazan]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="191" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/book_1083_thumbnail_fr-191x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/book_1083_thumbnail_fr-191x300.jpg 191w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/book_1083_thumbnail_fr-652x1024.jpg 652w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/book_1083_thumbnail_fr.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px" />Pierre Hazans "Les Juifs, les Arabes, ma famille et moi" (2026) entfaltet anhand einer weit verzweigten Familiengeschichte ein ebenso literarisches wie historiographisches Projekt: In sieben genealogisch organisierten Kapiteln rekonstruiert das Buch die untergegangene Realität jüdisch-arabischer Koexistenz im östlichen Mittelmeerraum und stellt sie den verhärteten Identitätslogiken des 20. Jahrhunderts entgegen. Ausgehend von Figuren wie einem sephardischen Rabbiner des 19. Jahrhunderts, einem zugleich ägyptischen Nationalisten und Zionisten oder den letzten jüdischen Stimmen Ägyptens verbindet Hazan Archivmaterial, Erinnerungsfragmente und zeitgenössische Begegnungen mit israelischen und palästinensischen Akteuren. Daraus entwickelt er drei zentrale Thesen: dass Koexistenz historisch gelebte Praxis war, dass ihre Zerstörung auf konkurrierende Nationalismen zurückgeht und dass die wechselseitig verdrängten Traumata – die Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern und die Nakba – untrennbar miteinander verschränkt sind. Das Buch versteht sich so als Intervention in die Erinnerungspolitik der Gegenwart und als Plädoyer dafür, Hybridität nicht als Ausnahme, sondern als verlorene historische Normalität neu zu denken.]]></description>
		
		
		
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		<title>Jüdisches Denken gegen sich selbst: Verbergen, Assimilation und doppelte Existenz bei Nathan Devers</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/13/juedisches-denken-gegen-sich-selbst-verbergen-assimilation-und-doppelte-existenz-bei-nathan-devers/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Jun 2026 08:28:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Nathan Devers]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="185" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7110UJih4cL._AC_UF8941000_QL80_-185x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7110UJih4cL._AC_UF8941000_QL80_-185x300.jpg 185w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7110UJih4cL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 618w" sizes="auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px" />Nathan Devers’ "Penser contre soi-même" (Albin Michel, 2024) verfolgt eine ebenso autobiografische wie philosophische Bewegung, in der das orthodox gelebte Judentum nicht als bloße Herkunft, sondern als dynamischer Denkraum erscheint, der seine eigene Überschreitung ermöglicht. Ausgehend von einem bürgerlich-assimilierten Milieu führt der Text über eine Phase intensiver religiöser Radikalisierung hin zu einem Bruch, der nicht von außen erzwungen wird, sondern aus der inneren Logik des Glaubens selbst hervorgeht – paradigmatisch verdichtet in der Lektüre des Kohelet und im Schwindel der eigenen Kontingenz. Zugleich rückt die Darstellung ein jüdisches Leben ins Zentrum, das sich unter Bedingungen latenter Bedrohung organisiert: Praktiken des Sich-Verbergens, der „marranischen“ Unsichtbarkeit und der situativen Anpassung erscheinen als alltägliche Strategien in einer von Antisemitismus durchzogenen Umwelt. Die Besprechung arbeitet diese Spannung als konstitutiv heraus und liest Jüdischkeit nicht als stabile Identität, sondern als Bewegung, die sich gerade der Verfestigung ins Identitäre entzieht. Sie erscheint vielmehr als eine offene, selbstkritische Praxis, die – in ihrer talmudischen Struktur – die Mittel zu ihrer eigenen Infragestellung bereitstellt. Devers’ Übergang zur Philosophie erweist sich folglich nicht als Abkehr, sondern als Transformation: als Fortsetzung einer existenziellen Suche unter veränderten epistemischen Bedingungen, in der die „zerbrochenen Götzen“ des Glaubens in veränderter Form weiterwirken.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zwischen Zeiten und Ländern: Widerstand als Zeitreiseroman bei Martin Winckler</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/20/zwischen-zeiten-und-laendern-widerstand-als-zeitreiseroman-bei-martin-winckler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 00:54:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Winckler]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/amour-a-temps-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/amour-a-temps-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/amour-a-temps.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Ausgehend von Martin Wincklers eigener Biographie als in Algerien geborener jüdischer Arzt, der zwischen kolonialer Geschichte, französischer Erinnerungskultur und späterer Emigration steht, liest die Rezension seinen Roman "L’Amour à temps" (P.O.L., 2026) als literarische Verdichtung eben jener Erfahrung von Entwurzelung und historischer Überlagerung. Der Text verschränkt das populäre Zeitreise-Narrativ mit den historischen Tiefenschichten der deutschen Besatzung, des Widerstands marginalisierter Gruppen und den emanzipatorischen Impulsen von 1968: Bereits der Prolog setzt mit dem eindrücklichen Bild ein, wenn die Bibliothek von Tours in Flammen steht und der junge Arzt Maurice D’Alget inmitten von Rauch und einstürzenden Regalen einen verwundeten Soldaten aus dem Feuer zieht – eine Szene, die Zerstörung von Wissen und zugleich den Impuls zur Rettung paradigmatisch verbindet. Im Zentrum steht sodann die 83-jährige Erzählerin Rachel, die im Jahr 2026 ihre eigene Vergangenheit rekonstruiert und dabei über ein Zeitportal in das Jahr 1942 eingreift; besonders verdichtet erscheint dies in der Szene ihres Besuchs bei den Großeltern im besetzten Paris, wo sie, am ganzen Körper zitternd, vergeblich versucht, sie vor der bevorstehenden Verhaftungswelle zu warnen – ein Moment, in dem historisches Wissen zur existentiellen, aber begrenzten Handlungsmacht wird. Diese doppelte Bewegung – retrospektives Erzählen und körperlich erfahrene Vergangenheit – transformiert Zeitreise von einem spekulativen Motiv zu einem ethischen Verfahren der Vergegenwärtigung von Geschichte, das sich schließlich in der drastischen Tat zuspitzt, als Rachel einen Kollaborateur tötet und damit zwar ein individuelles Schicksal verändert, nicht aber die Logik der Verfolgung aufhebt. Der Aufsatz arbeitet heraus, dass Winckler das Genre hybridisiert – als "roman choral", der durch eine Vielzahl nicht attribuierter Stimmen kollektive Erinnerung gegen das Verstummen organisiert, und als autopoetologisches Projekt, in dem die Erzählerin selbst als Instanz der Archivierung, Kommentierung und Legitimation auftritt. Die Zeitstruktur wird ethische Aporie: Wissen um historische Katastrophen erzeugt Verantwortung, ohne notwendigerweise Handlungsmacht zu garantieren; die Zeitreise erlaubt lediglich "Eingriffe an der Oberfläche", die individuelle Schicksale verschieben, nicht aber die Geschichte als Ganze revidieren. In dieser Perspektive erscheint der Roman als dezidiert gegenwartsbezogenes Erinnerungsnarrativ, das – wie die Rezension pointiert herausstellt – die Sprache des Widerstands von 1942 in die politische Gegenwart überträgt und so die Kontinuität von Gewalt, Ideologie und Gegenwehr sichtbar macht. Insgesamt liest die Interpretation den Text als Verbindung von Körpergedächtnis, Mehrsprachigkeit und polyphoner Zeugenschaft, deren gemeinsamer Fluchtpunkt eine Poetik des Erzählens als Widerstand ist: Schreiben wird hier zur Praxis, die Vergangenheit nicht zu bewahren, sondern sie im Akt der Weitergabe immer wieder neu zu aktualisieren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Marc Bloch im Pantheon: Historiker, Widerstandskämpfer, Märtyrer der Republik</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/18/marc-bloch-im-pantheon-historiker-widerstandskaempfer-maertyrer-der-republik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 14:56:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Bloch]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="224" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/Bloch-224x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/Bloch-224x300.png 224w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/Bloch-766x1024.png 766w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/Bloch-768x1026.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/Bloch.png 1085w" sizes="auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px" />Am 23. Juni 2026 wird Marc Bloch ins Panthéon überführt – 82 Jahre nachdem die Gestapo ihn bei Lyon erschossen und seinen Leichnam im Graben liegen gelassen hatte. Dieser Text versucht zu verstehen, was diese Geste bedeutet: für Frankreich, das in Bloch einen Bürger ehrt, dem ein französischer Staat einmal die staatsbürgerlichen und akademischen Rechte beschnitten hatte; für Deutschland, das in ihm ein Opfer seiner eigenen Staatsgewalt wiedererkennen muss; und für die Geschichtswissenschaft, die mit ihm zum ersten Mal einen ihrer Eigenen in den Tempel der Nation einziehen sieht. Er war Mediävist und Offizier, Gründer der "Annales" und Widerstandskämpfer, ein Mann, der das Selbstverständliche als erklärungsbedürftig behandelte und die Wahrheit auch dann nicht losließ, als sie ihn das Leben kostete. Was seine Werke zusammenhält, von den "Rois thaumaturges" bis zur unvollendeten "Apologie", ist weniger eine Methode als eine Haltung: die Weigerung, Geschichte von innen einer einzigen Gemeinschaft zu erzählen. Als Grabinschrift hatte er sich "dilexit veritatem" gewählt – er liebte die Wahrheit. Die Republik gibt ihm jetzt die Antwort, die er 1940 nicht erhalten hat.]]></description>
		
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		<title>Odysseus in Paris: Epos ohne Zentrum mit James Joyce</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 May 2026 09:17:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/156990_couverture_Hres_0-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/156990_couverture_Hres_0-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/156990_couverture_Hres_0-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/156990_couverture_Hres_0-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/156990_couverture_Hres_0-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/156990_couverture_Hres_0.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Band "Ulysse à Paris" (Seuil, 2024) unternimmt eine Fortschreibung der homerisch-joyce'schen Traditionslinie, indem er die epische Struktur der Irrfahrt radikal pluralisiert und in das sozial, politisch und historisch aufgeladene Terrain des Pariser Nordens verlegt. Der kollektive Roman, gemeinsam mit der Zeitschrift Cockpit herausgegeben, ist nicht nur eine lose Anthologie, sondern ein ästhetisch wie theoretisch kohärentes Projekt, das literarische Vielstimmigkeit programmatisch als Gegenmodell zur epischen Einheit inszeniert. Statt eines souveränen Helden entfaltet sich ein Geflecht heterogener Stimmen, deren Figuren – von migrantischen Subjekten über feministische Neuformulierungen mythischer Rollen bis hin zu erinnerungspolitisch sensibilisierten Flaneuren – die Odyssee als Erfahrung von Entortung, Prekarität und fragmentierter Identität durchlaufen. Die Rezension arbeitet heraus, wie die einzelnen Beiträge jeweils spezifische homerische Episoden und Joycesche Verfahren transformieren: sei es durch die Entleerung des Heroischen (de Quatrebarbes), die Ironisierung genealogischer Autorität (Fiat), die Politisierung mythischer Gewalt im Kontext des Holocaustgedächtnis (Comment) oder die radikale Subjektivierung marginalisierter Perspektiven (Schavelzon, Noël).  Tiphaine Samoyault akzentuiert Erinnerung als Modus einer nie abgeschlossenen Heimkehr. Gabriela Vazquez verdichtet Migration zur epistemischen Perspektive, die das Zentrum konsequent aus der Peripherie heraus denkt. Die Analyse verfolgt die dichte intertextuelle Verschränkung und liest formale Verfahren (Polyphonie, Bewusstseinsstrom, Katalogtechnik) als Träger historischer und ideologischer Bedeutungen. Hierbei wird sichtbar, dass das zentrale Movens des Bandes die Dekonstruktion der Heimkehr ist: Ithaka erscheint nicht mehr als erreichbarer Ort, sondern als leere Signatur, ersetzt durch provisorische, oft prekäre Formen des Ankommens, die weder Identität stabilisieren noch Geschichte versöhnen. Die Rezension selbst folgt damit einer doppelten Bewegung – sie rekonstruiert die genealogische Tiefe des Projekts und insistiert zugleich auf dessen zeitdiagnostischer Schärfe –, wodurch "Ulysse à Paris" als ein Epos sichtbar wird, das seine eigene Möglichkeit permanent infrage stellt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Diaspora als Bewegung: Manuel Carcassonne</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/16/diaspora-als-bewegung-manuel-carcassonne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 16:07:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Carcassonne]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="204" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71AkK-mhdhL._UF10001000_QL80_-204x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71AkK-mhdhL._UF10001000_QL80_-204x300.jpg 204w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71AkK-mhdhL._UF10001000_QL80_.jpg 680w" sizes="auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px" />Manuel Carcassonnes "Le Retournement" (Grasset, 2022) setzt mit einem unscheinbaren Satz ein – „Souvent, Nour et moi, nous nous disputions“ – und entfaltet daraus die Geschichte eines Mannes, der erst spät, zwischen Pariser Verlagsbüros und einem Krankenhausbett im Hôpital Cochin, zwischen der Lektüre von Flavius Josephus und den Straßen des zerstörten Beirut, zu der Einsicht gelangt, dass „jüdische Herkunft“ kein neutraler Befund ist, sondern eine existenzielle Zuschreibung. Ausgelöst durch die Begegnung mit Nour, der libanesisch-christlichen Schriftstellerin aus Achrafieh, deren hartnäckige Verwechslung von „israélite“ und „israélien“ das Identitätsproblem exemplarisch zuspitzt, und durch eine persönliche Krise, unternimmt der Erzähler eine assoziative Reise durch die Geschichte der „Juden des Papstes“, durch Familienarchive, philosophische Lektüren und politische Gegenwarten. Die Rezension liest dieses bewusst hybride, zwischen Liebesgeschichte, Essay und historischer Archäologie changierende Buch als literarische Form eines „retournement“: nicht als Rückkehr zu einem Ursprung, sondern als Bewegung der Verschiebung und Überlagerung, in der Identität gerade dort entsteht, wo sie sich eindeutiger Festlegung entzieht. Vom wiederkehrenden Streit am Anfang bis zur erschöpften Schlafgeste am Ende – Nour, die nach der Explosion vom 4. August 2020 durch die Trümmer von Mar Mikhael geht, und der Erzähler, der sie küsst, ohne Antworten gefunden zu haben – zeigt der Text, so die These der Rezension, dass Jüdischsein in der späten Moderne weder Glauben noch Land noch Sprache meint, sondern eine bestimmte Erfahrung von Zeit, Erinnerung und Alterität: eine fortgesetzte Bewegung, die sich im Schreiben selbst vollzieht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Demontage deutsch-französischer Geschichtsmythen in Eric Vuillards récits</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/14/demontage-deutsch-franzoesischer-geschichtsmythen-in-eric-vuillards-recits/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2026 10:34:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2012]]></category>
		<category><![CDATA[2017]]></category>
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		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Vuillard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="181" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/81MWbTbRoL._UF10001000_QL80_-181x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/81MWbTbRoL._UF10001000_QL80_-181x300.jpg 181w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/81MWbTbRoL._UF10001000_QL80_.jpg 603w" sizes="auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px" />Éric Vuillards "La bataille d'Occident" (2012) und "L'ordre du jour" (2017) sind zwei Récits über den Krieg, die den Ersten und den Zweiten Weltkrieg nicht als Nationalgeschichten, sondern als Produkte wechselseitig verschränkter deutsch-französischer Mythologien erzählen: Der deutsch-französische Krieg von 1870/71 bildet dabei den strukturellen Horizont beider Texte, aus dem die komplementären Selbstbilder beider Nationen – die deutsche Rationalitätsmythologie des unaufhaltsamen Militärapparats und der französische "élan"-Mythos der glorreichen Offensive – als traumatische Spiegelreflexe voneinander hervorgehen. Der Aufsatz argumentiert, dass Vuillards literarisches Verfahren wesentlich in einer doppelten Demontage besteht: Er zeigt zum einen, dass die vermeintliche deutsche Effizienz ein Bluff ist – die Panzer der Wehrmacht stehen auf der Straße nach Linz im Stau, Schlieffen verschiebt Papierfiguren über eine vergilbte Landkarte –, und zum anderen, dass der französische Revanchismus in Joffres kulinarischen Elsass-Phantasien kollabiert, während die Soldaten in roten Uniformhosen ins Maschinengewehrfeuer marschieren. Verbindendes Erklärungsmodell ist dabei weder nationale Wesensart noch politischer Irrationalismus, sondern Kapitalinteresse und Klassenlogik: Die vierundzwanzig Industriellen, die 1933 Hitler finanzieren, erscheinen bei Vuillard als zivile Fortsetzung derselben buchhalterischen Rationalität, die Schlieffen seinen Vernichtungsplan als Gewinnspekulation entwerfen ließ. Als Gattung des Récit – einer Hybridform zwischen Essay, Historiographie und Roman – praktiziert Vuillard dabei eine autopoetologisch reflektierte Poetik des Gegen-Archivs, die die verdrängten Namen der Opfer, die kollabierten Mythen der Täter und die fortwirkende Amnesie der Konzerne gegen die Domestizierung der Geschichte zur folkloristischen "déesse raisonnable" einer erstarrten Geschichtspolitik stellt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die unerreichbare Stadt: Heiligkeit, Geschichte und Gewalt im französischen Jerusalemroman</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/10/die-unerreichbare-stadt-heiligkeit-geschichte-und-gewalt-im-franzoesischen-jerusalemroman/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2026 16:12:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[André Schwarz-Bart]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="200" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/sunrise-over-jerusalem-easter-morning-300x200.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/sunrise-over-jerusalem-easter-morning-300x200.png 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/sunrise-over-jerusalem-easter-morning-1024x683.png 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/sunrise-over-jerusalem-easter-morning-768x512.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/sunrise-over-jerusalem-easter-morning-272x182.png 272w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/sunrise-over-jerusalem-easter-morning.png 1536w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Welchen Ort nimmt Jerusalem in der französischen Gegenwartsliteratur ein – und was verrät dieser Ort über die Literatur selbst? Der vorliegende Aufsatz untersucht elf Romane und Erzähltexte von André Schwarz-Bart bis Nathan Devers, von Valérie Zenatti bis Justine Augier, von Élie Wiesel bis Mathias Énard, und zeigt, dass Jerusalem in diesen Werken nie bloße Kulisse ist, sondern strukturierendes Prinzip: eine Stadt, die den Figuren die Orientierung nimmt, Verdrängtes zurückbringt, Zugehörigkeiten aufzwingt und Formen sprengt. Aus dem Vergleich treten drei Funktionstypen hervor – Jerusalem als eschatologischer Raum, als politischer Brennpunkt und als existentieller Spiegel –, die sich quer durch die Texte verteilen und überlappen, ohne je zur Deckung zu kommen. Dabei erweist sich eine spezifisch französische Optik als konstitutiv: Der republikanische Laizismus, das Erbe der Aufklärung, die Erfahrung der Shoa als Teil der eigenen Geschichte – all das färbt die Wahrnehmung einer Stadt, die für Judentum, Christentum und Islam gleichermaßen heilig ist und deren dreifache Heiligkeit seit Jahrhunderten Kriege ebenso wie Sehnsüchte produziert hat. Einen eigenen Akzent setzen arabische und muslimische Autoren wie Karim Kattan, Amin Maalouf oder Adania Shibli, die Jerusalem nicht als Ankunftsort einer langen Sehnsucht beschreiben, sondern als Ausgangspunkt erzwungenen Exils – und die das Französische als strategisch gewähltes Medium nutzen, um palästinensische Begriffe und Erfahrungen in einen westlichen Diskurs einzuschreiben, der sie sonst nicht kennt. Was die untersuchten Werke jenseits aller Unterschiede verbindet, ist das Bewusstsein, dass Jerusalem sich dem souveränen Erzählerblick entzieht: Keiner dieser Texte triumphiert über seinen Gegenstand; alle tragen die Spuren des Ortes, an dem sie gescheitert sind.]]></description>
		
		
		
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		<title>Israel, Gaza und der französische Intellektuellendiskurs nach dem 7. Oktober: Deutungshoheiten bei Denis Sieffert</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/30/israel-gaza-und-der-franzoesische-intellektuellendiskurs-nach-dem-7-oktober-deutungshoheiten-bei-denis-sieffert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 10:27:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="194" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/C1_la-mauvaise-cause_web-663x1024-1-194x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/C1_la-mauvaise-cause_web-663x1024-1-194x300.jpg 194w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/C1_la-mauvaise-cause_web-663x1024-1.jpg 663w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Die Rezension analysiert die französische Intellektuellendebatte nach dem 7. Oktober 2023 als ein zutiefst polarisiertes Diskursfeld, in dem sich drei zentrale Positionen herausgebildet haben: ein dominantes pro-israelisches Lager, ein marginalisiertes propalästinensisches Spektrum sowie eine fragile, lange kaum hörbare Zwischenposition. Im Zentrum steht Denis Siefferts Buch "La mauvaise cause" (2026), das als engagierte Gegenrede gegen eine aus seiner Sicht hegemoniale, pro-israelische Diskursordnung gelesen wird. Die Rezension rekonstruiert detailliert Siefferts Argumentation – von der historischen Verflechtung Frankreichs mit Israel über die Analyse medialer und rhetorischer Mechanismen bis hin zur Kritik prominenter Intellektueller wie Gilles Kepel und Eva Illouz – und arbeitet heraus, dass sein zentraler Einsatzpunkt in der Re-Politisierung des Konflikts als Kolonialfrage liegt. Im Vergleich mit Kepels geopolitisch-religionswissenschaftlichem Ansatz und Illouz’ soziologischer Kritik an der westlichen Linken zeigt die Rezension die fundamentalen epistemischen Differenzen dieser Positionen auf: Während Kepel und Illouz die Reaktionen auf den 7. Oktober problematisieren, richtet Sieffert den Blick auf die Mechanismen der Diskursmacht und die Unsichtbarmachung palästinensischen Leids. Abschließend bewertet die Rezension das Buch als wichtige, wenn auch nicht unproblematische Intervention, die exemplarisch die politischen, medialen und moralischen Bruchlinien des gegenwärtigen Frankreich offenlegt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zwischen Mythos und Massenmord: deutsch-französische Romane im Zeichen des Dritten Reiches</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/16/zwischen-mythos-und-massenmord-deutsch-franzoesische-romane-im-zeichen-des-dritten-reiches/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 00:08:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Jonathan Littell]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Tournier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-190x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-190x300.jpg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-648x1024.jpg 648w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-768x1214.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-971x1536.jpg 971w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-1295x2048.jpg 1295w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL.jpg 1619w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Michel Tourniers "Le Roi des Aulnes" (1970) und Jonathan Littells "Les Bienveillantes" (2006) sind, trotz des Abstands von 36 Jahren und zweier grundverschiedener literarischer Temperamente, beide deutsch-französische Romane im präzisesten Sinne: Tournier schickt seinen Pariser Garagisten Abel Tiffauges als Kriegsgefangenen nach Ostpreußen, wo er Deutschland als mythologisches Spiegelland erlebt – Hirschherden wie Wappentiere, Görings Jagdschloss als "palais sur rails", die Napola-Burg Kaltenborn als Erfüllung einer Erlkönig-Obsession –, bis das jüdische Kind Ephraïm am Ende alle seine Zeichen invertiert und sich im letzten Satz in den Davidstern verwandelt; Littell stattet seinen Ich-Erzähler Max Aue, SS-Offizier und Massenmörder, mit einer elsässischen Herkunft, einer französischen Mutter, einer Sciences-Po-Ausbildung und Pariser Kollaborationsfreunden aus, so dass die deutsch-französische Hybridität nicht als humanisierende Brücke, sondern als Voraussetzung der Komplizenschaft erscheint – wer Racine und Hölderlin gleich gut kennt, schreibt den Massenmord eben in besserem Französisch. Die vorliegende kontrastive Interpretation argumentiert, dass beide Romane exakt diese Gemeinsamkeit teilen: Sie verweigern die tröstliche Erzählung, wonach der Nationalsozialismus ein kulturell Fremdes war, das dem deutsch-französischen Erbe von außen aufgezwungen wurde, und zwingen stattdessen ihre Protagonisten – den faszinierten Franzosen wie den hybriden Täter – dazu, die eigene Bildung, Faszination und Sprachkenntnis als Einfallstor zu erkennen. Dabei unterscheidet die Rezension scharf zwischen Tourniers mythologischer Verfremdung – das Verbrechen wird in archaische Muster (Erlkönig, Christophoros, Inversion der Zeichen) sublimiert, um erst so sichtbar zu werden – und Littells hyperrealistischer Immanenz, die jeden mythologischen Schutzschirm verweigert und den Leser durch Aues kultivierten Berichtston in eine Komplizenschaft zieht, aus der er sich nicht heraushalten kann; die Rezension legt nahe, dass diese Differenz nicht nur ästhetisch, sondern historisch erklärbar ist: 1970 war Auschwitz noch unbeschreiblich, man sublimierte – 2006 war es akademisiert und musealisiert, und Littell insistierte auf der Unverarbeitbarkeit. Als deutsch-französische Texte werden beide Romane dabei auch auf ihre Sprachpolitik hin befragt: das Deutsche, das Tournier im Roman als ehrfürchtig unübersetztes Fremdkörper-Material stehen lässt (Napola, Reichsjägermeister, Jungmann), und das Französische, das Littell als Schreibsprache für den deutschen Massenmord wählt – ein literarisches Sakrileg, das die "clarté française" gegen sich selbst kehrt und damit die These der Rezension illustriert, dass die deutsch-französische Kulturgemeinschaft das schwarze Loch in ihrer Geschichte nicht schließen, sondern nur umkreisen kann.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zugehörigkeit als Ausschluss: die fremde Sprache und der Vater als Yekkes bei Dory Manor</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/08/zugehoerigkeit-als-ausschluss-die-fremde-sprache-und-der-vater-als-yekkes-bei-dory-manor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 02:14:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Manor Dory]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Roman zeigt, wie jüdische Identität zugleich als historischer Schutz und als normierende Einschreibung im Körper wirkt und den Einzelnen in ein unauflösbares Spannungsverhältnis zwischen Diaspora und israelischer Zugehörigkeit stellt. Ein Sohn schreibt seinem toten Vater in einer fremden Sprache und zeigt dabei, wie sich Geschichte, Herkunft und Macht unauslöschlich in Körper, Namen und Begehren einschreiben – und wie man ihnen nur entkommt, indem man sie neu erzählt. Manor Dorys "Le Gorille" (Grasset, 2026) untersucht, wie Identität durch historische, körperliche und sprachliche Einschreibungen hervorgebracht wird – und wie sich diese Einschreibungen nicht überwinden, sondern nur transformieren lassen. Ausgangspunkt ist die Konstellation eines autobiographisch grundierten Briefromans, in dem ein Sohn seinem toten Vater, um sich dessen Zugriff zu entziehen und ihn zugleich literarisch neu zu erzeugen. Von hier aus rekonstruiert der Aufsatz die zentralen Bewegungslinien des Textes: die Kindheitserfahrung eines körperlich und symbolisch abweichenden Vaters (Nicht-Beschneidung, Namenswechsel von Reinhard zu Ezer), die eigene Adoleszenz als Phase der gewaltsamen Annäherung an eben diesen Körper und der gleichzeitigen Abwehr (bis hin zur Psychiatrie-Episode und homoerotischen Regungen), sowie das Erwachsenenleben, in dem sich die genealogischen, politischen und erotischen Konflikte in einer transnationalen Existenz zwischen Tel Aviv, Berlin und Paris bündeln. Die Interpretation liest den Roman entlang der These, dass unterschiedliche Machtordnungen – Familie, Religion, Staat, Männlichkeit – homolog funktionieren, insofern sie den Körper markieren, disziplinieren und lesbar machen; die Beschneidung wirkt als paradigmatische Figur, wird jedoch durch Namen, Sprachen und institutionelle Praktiken erweitert. Besondere Aufmerksamkeit gilt den poetologischen Verfahren: der Wahl des Französischen als „privater“ Sprache des Schreibens, der Mosaikstruktur als Abbild eines nicht-linearen Gedächtnisses, der Figur des Deadnamings als Schnittstelle von zionistischer Namenspolitik und queer-theoretischem Denken. Zugleich arbeitet die Rezension die zentrale Paradoxie jüdischer Existenz heraus, die der Roman in eine prägnante Bildform bringt: Was in Europa Überleben sicherte (der unbeschnittene Körper), bedeutet in Israel Ausschluss – eine historische Verkehrung, die sich im Körper des Vaters realisiert und im Schreiben des Sohnes explizit gemacht wird. In dieser Perspektive erscheint das Schreiben selbst als ambivalente Praxis: nicht als Befreiung von Gewalt, sondern als deren Verlagerung in eine selbstbestimmte Form, als „Übersetzung“, die Treue nur durch Verrat ermöglicht. Der Schluss – die Ankündigung eines unbeschnittenen, mehrsprachigen Kindes – wird als bewusste Unterbrechung eines Einschreibungszusammenhangs gedeutet, dessen Fortwirken der Roman zugleich reflektiert und nicht aufhebt.]]></description>
		
		
		
			</item>
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		<title>Genealogie des Hasses: Autobiographie, Antisemitismus und die Poetik der Geschichte bei Édouard Drumont und Christophe Donner</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/06/genealogie-des-hasses-autobiographie-antisemitismus-und-die-poetik-der-geschichte-bei-edouard-drumont-und-christophe-donner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Apr 2026 09:48:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
		<category><![CDATA[2022]]></category>
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		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Christophe Donner]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="182" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-182x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-182x300.jpg 182w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-622x1024.jpg 622w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-768x1265.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-932x1536.jpg 932w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0.jpg 1214w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" />Christophe Donners Roman "La France goy" breitet, wie der Aufsatz herausarbeitet, ein genealogisches Erzählprojekt aus, in dem individuelle Familiengeschichte und kollektive Ideologiegeschichte ineinandergreifen: Ausgangspunkt ist die archivalische Spurensuche des Ich-Erzählers nach seinem Urgroßvater Henri Gosset, die sich rasch zu einer weit ausgreifenden Rekonstruktion des französischen Antisemitismus seit dem späten 19. Jahrhundert erweitert. Über Gossets soziale Mobilität und seine Verstrickung in das Umfeld von Léon Daudet und Edgar Bérillon wird die Familie direkt in das ideologische Netzwerk der Zeit eingebunden, während parallel die Biographie Édouard Drumonts als „Anatomie des Hasses“ entfaltet wird, die zeigt, wie persönliches Scheitern, soziale Kränkung und mediale Strategien zu einer wirkungsmächtigen antisemitischen Erzählung kondensieren. Ergänzt wird dieses Geflecht durch Gegenfiguren wie die anarchistische Marcelle Bernard sowie durch die genealogische Perspektive auf den Großvater Jean Gosset, dessen Tod im Konzentrationslager die historischen Linien brutal kulminieren lässt. Die Interpretation argumentiert, dass Donners Verfahren weder rein autobiographisch noch klassisch historisch ist, sondern als „genealogische Archäologie“ eine reflexive Poetik des Archivs entwickelt, in der Dokumente, Fiktion und Selbstbeobachtung ineinandergreifen und die Grenzen zwischen Selbst- und Fremdbiographie systematisch unterlaufen werden. Zentral ist dabei die These einer strukturellen Kontinuität des Antisemitismus, die nicht diskursiv behauptet, sondern erzählerisch vorgeführt wird, indem der Roman ideologische, sprachliche und affektive Sedimente über Generationen hinweg sichtbar macht. Donners literarische Leistung wird darin gesehen, den Antisemitismus nicht nur moralisch zu verurteilen, sondern seine ästhetischen und narrativen Attraktionskräfte offenzulegen: Drumonts Erfolg wird als Resultat einer erzählerischen Logik verstanden, die diffuse Ressentiments in eine kohärente Geschichte überführt. Daraus ergibt sich ein anspruchsvoller kritischer Zugriff, der das Schreiben selbst als ambivalente Macht begreift – als Medium sowohl der ideologischen Verführung als auch der aufklärerischen Gegenarbeit – und der den Roman insgesamt als Versuch liest, durch die literarische Durchdringung genealogischer Verstrickungen eine Form von historischer Erkenntnis zu gewinnen, die über bloße Faktizität hinausgeht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Wo das Trauma beginnt: Camille de Toledo</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/02/wo-das-trauma-beginnt-camille-de-toledo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2026 03:01:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Camille de Toledo]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="191" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/313U6hMwt2L._AC_UF8941000_QL80_-191x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/313U6hMwt2L._AC_UF8941000_QL80_-191x300.jpg 191w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/313U6hMwt2L._AC_UF8941000_QL80_.jpg 636w" sizes="auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px" />Camille de Toledos "Thésée, sa vie nouvelle" (Verdier, 2020) erarbeitet aus einem Schockmoment – dem Fund des erhängten Bruders im Paris des Jahres 2005 – eine vielschichtige literarische Untersuchung, die Trauerarbeit, Familienchronik, Essay und poetische Beschwörung miteinander verschränkt. Der Roman folgt seinem Erzähler Thésée über Jahre hinweg in eine doppelte Bewegung: in die Gegenwart eines traumatisierten Körpers und zugleich rückwärts in die genealogischen Tiefenschichten einer von Verlusten, Schweigen und verdeckter jüdischer Herkunft geprägten Familie. Ausgehend von drei Kartons mit Fotografien, Briefen und dem Manuskript des Ururgroßvaters entwickelt sich eine „poème-enquête“, in der sich zeigt, wie sich historische Gewalt, Suizide und verdrängte Erinnerung nicht nur narrativ, sondern physisch im Körper der Nachkommen einschreiben. Die Rezension liest dieses formal hybride Werk als performative Poetik des Transgenerationalen: Die nicht-lineare Zeitstruktur, die Synchronien der Daten, der Wechsel der Pronomina und die Einlagerung dokumentarischer Stimmen realisieren genau jene Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart, die der Text behauptet. Im Zentrum steht dabei die Umdeutung des Theseus-Mythos: Das Labyrinth ist kein äußerer Ort mehr, sondern das Innere der Familiengeschichte, der „Ariadnefaden“ ein fragiles Geflecht aus Archivmaterial, das erst im Schreiben entsteht. Indem der Roman am Ende – in einer radikalen Inversion der Chronologie – zum Suizid des Ururgroßvaters im Jahr 1939 zurückkehrt, markiert er den Ursprungspunkt der Wunde und macht sichtbar, dass Erkenntnis nur im Rückkehren möglich ist: als Ankommen an dem Ort, von dem alles ausging. Der Aufsatz hebt hervor, dass Toledo damit weder eine psychologische noch eine soziologische Erklärung des Suizids liefert, sondern eine literarische Erkenntnisform etabliert, die das in der Materie sedimentierte Gedächtnis zur Sprache bringt. Literatur erscheint hier als Ort der „revivance“ – nicht als Auflösung des Traumas, sondern als Wiederverbindung mit den Toten, als vorsichtiges Verknüpfen eines zerrissenen Fadens, der eine „vie nouvelle“ überhaupt erst denkbar macht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Alain Finkielkraut zwischen Kulturkritik und politischer Reflexion</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/26/alain-finkielkraut-zwischen-kulturkritik-und-politischer-reflexion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 11:01:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Alain Finkielkraut]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/71szNbjpqiL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/71szNbjpqiL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/71szNbjpqiL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/71szNbjpqiL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/71szNbjpqiL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/71szNbjpqiL-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/71szNbjpqiL.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Alain Finkielkrauts "Le cœur lourd" (Gallimard, 2026) ist ein persönliches und zugleich diagnostisches Porträt des 1949 geborenen Intellektuellen, der sich als „Verwaister“ in einer Welt im Umbruch erlebt. Die Rezension hebt hervor, dass das Buch, geführt in Gesprächen mit Vincent Trémolet de Villers, nicht nur die Nachkriegsbiografie Finkielkrauts und seine Zugehörigkeit zur „post-Shoah“-Generation reflektiert, sondern auch die Bedrohungen von Sprache, Kultur und Identität in der Gegenwart kritisch analysiert. Zentrale Themen sind die Verantwortung gegenüber der eigenen historischen und jüdischen Identität, die Sorge um Frankreich und Israel, der Verlust der Hochkultur und der Bildung sowie die Nostalgie für eine vergangene, harmonische Welt. Finkielkraut präsentiert sich als melancholischer Chronist, der zugleich konkrete politische, ethische und ökologische Vorschläge macht – von der Rettung der Sprache über die integrale Ökologie bis hin zu einem Modell konservativ-liberal-sozialistischer Werte –, und zeigt damit, wie das persönliche Erleben, die philosophische Reflexion und die Sorge um die Zukunft untrennbar miteinander verbunden sind.]]></description>
		
		
		
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		<title>Negative Identität: Problematisierung französisch-jüdischer Literatur bei Bernard Vorms</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/23/negative-identitaet-problematisierung-franzoesisch-juedischer-literatur-bei-bernard-vorms/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Mar 2026 15:08:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Bernard Vorms]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/vorms-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/vorms-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/vorms.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Roman „Pas gentil“ (zit. als PG) von Bernard Vorms entfaltet in essayistischer Form die Selbstbefragung eines assimilierten französisch-jüdischen Intellektuellen, der angesichts von Alter, Herkunft und gesellschaftlicher Zuschreibung gezwungen ist, sich mit einer Identität auseinanderzusetzen, die er weder positiv bestimmen noch vollständig abstreifen kann. Ausgehend von einer banalen Alltagsszene – einem Schreiben zur Bestattungsvorsorge – entwickelt sich ein vielschichtiger Reflexionstext, der autobiographische Erinnerungen, Familiengeschichte, politische Analyse und literarische Intertexte miteinander verschränkt. Der Erzähler verfolgt die Spuren jüdischer Existenz zwischen Assimilation und Ausgrenzung, analysiert die Persistenz antisemitischer Stereotype und formuliert mit dem „Axiom der absoluten Fremdheit“ eine zentrale Einsicht: Jüdischkeit ist weder für Nichtjuden noch für Juden selbst vollständig begreifbar. Der Aufsatz argumentiert, dass der Text gerade darin seine literarische und theoretische Radikalität entfaltet: PG ist nicht als Beitrag zu einer bestehenden „französisch-jüdischen Literatur“ zu lesen, sondern als deren Problematisierung. Indem Vorms Identität konsequent negativ bestimmt – als etwas, das sich nur in seiner Unbestimmbarkeit zeigt –, entwirft er eine Poetik der „negativen Identität“, die sich durch Ironie (etwa im „shm“-Präfix), essayistische Offenheit und intertextuelle Vielstimmigkeit auszeichnet. Der Roman verzichtet auf klassische Handlung und heroische Narrative zugunsten einer Denkbewegung, die in einem nüchternen, nicht versöhnlichen, aber würdevollen Schluss mündet: einer selbstreflexiven Annahme der eigenen Zugehörigkeit ohne Illusion über deren Inhalt. Die Interpretation liest dieses Verfahren zugleich als Plädoyer für den Essay als adäquate Form moderner Identitätsreflexion – tastend, widersprüchlich und ohne Anspruch auf endgültige Antworten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Land der Kinderkönige: Palästina zwischen Gewalt und Gnade bei Yasmina Khadra</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/10/land-der-kinderkoenige-palaestina-zwischen-gewalt-und-gnade-bei-yasmina-khadra/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 20:01:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Yasmina Khadra]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="194" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/Khadra26-194x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/Khadra26-194x300.png 194w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/Khadra26.png 324w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Yasmina Khadras neuer Roman "Le prieur de Bethléem" (Flammarion, 2026, zit. als PB) knüpft thematisch an seine sogenannte „Trilogie des großen Missverständnisses“ an, die eine literarische Kartografie der Krisenregionen der frühen 2000er Jahre entwarf, Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban (mit "Die Schwalben von Kabul"), Israel und die palästinensischen Gebiete während der Zweiten Intifada (in "Die Attentäterin") und Irak im Kontext des Irakkriegs nach der amerikanischen Invasion 2003 (in "Die Sirenen von Bagdad"). Wie in diesen Romanen verbindet Khadra auch hier eine spannungsreiche Handlung mit einer moralischen Reflexion über Gewalt, Demütigung und Radikalisierung. Im Zentrum steht der französisch-israelische Verleger Alexandre Yakovlevoï, der ein Manuskript eines palästinensischen Mönchs erhält und kurz darauf von dessen Autor entführt wird. Während Alexandre gezwungen wird, die Lebensgeschichte des Priors Wahid anzuhören – eine Chronik von Vertreibung, familiären Verlusten und politischer Gewalt in Palästina –, enthüllt sich allmählich eine persönliche Verstrickung: Alexandre selbst war als junger Soldat in Israel an der Tötung von Wahids schwangeren Cousine beteiligt. Der Roman entwickelt daraus eine Konfrontation, die nicht auf Rache zielt, sondern auf moralische Einsicht. Parallel dazu öffnen visionäre und fast messianische Szenen – etwa geheimnisvolle Heilungen in Jordanien oder die Erscheinung eines Pilgers in den Ruinen von Gaza – eine spirituelle Perspektive, in der Khadra den Konflikt in einen universalen Horizont menschlicher Verantwortung stellt. - Der Aufsatz interpretiert den Roman als späte Weiterführung der Trilogie, die deren Diagnose des „großen Missverständnisses“ zwischen Orient und Okzident vertieft und zugleich transformiert. Während die früheren Werke vor allem die Entstehung von Gewalt aus Demütigung und politischer Ohnmacht analysierten, verschiebt sich hier der Fokus auf eine moralische Konfrontation zwischen Täter und Opfer. Die Argumentation des Aufsatzes arbeitet dabei mehrere Ebenen heraus: erstens die politische Dimension des Romans als Kritik an militärischer Gewalt und asymmetrischer Wahrnehmung des Nahostkonflikts; zweitens die psychologische Struktur der Schuld, die sich in der Figur des französisch-israelischen Verlegers verdichtet; und drittens eine religiös-symbolische Ebene, auf der Khadra eine Vision moralischer Wiedergeburt entwirft. Besonders betont wird, dass der Roman nicht im politischen Realismus stehen bleibt, sondern eine utopische Gegenbewegung formuliert: Wahrheit, Empathie und die „rettende Geste“ erscheinen als Möglichkeiten, den Kreislauf von Trauma und Vergeltung zu durchbrechen. Die Interpretation liest PB daher weniger als politischen Roman im engeren Sinn, sondern als literarischen Versuch des Dégagement, den Nahostkonflikt in eine universelle Ethik der Menschlichkeit zu überführen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Pascal Bruckner: der Philosoph als Sohn</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/05/pascal-bruckner-der-philosoph-als-sohn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Mar 2026 07:51:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Pascal Bruckner]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/81OKkQWqNTL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/81OKkQWqNTL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/81OKkQWqNTL._SL1500_-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/81OKkQWqNTL._SL1500_-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/81OKkQWqNTL._SL1500_.jpg 1025w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In "Un bon fils" (2014, zit. BF) und dem jüngsten Buch "De mère inconnue" (2026, zit. MI) unternimmt der nouveau philosophe Pascal Bruckner eine doppelte familiäre Selbstbefragung, die zugleich als intellektuelle Biografie gelesen werden kann. Während BF die gewaltvolle und ideologisch verhärtete Vaterfigur porträtiert – einen antisemitischen und autoritären Mann, dessen Weltbild den jungen Bruckner zugleich prägte und zur Abgrenzung zwang –, rekonstruiert MI die lange Zeit im Schatten stehende Geschichte der Mutter. Die beiden Bücher bilden damit ein komplementäres Diptychon: Auf der einen Seite steht der Vater als Symbol eines repressiven, ressentimentgeladenen Denkens, auf der anderen die rätselhafte, teilweise abwesende Mutter, deren Biografie Fragen nach Herkunft, Identität und emotionaler Überlieferung aufwirft. Zusammen entwerfen diese autobiografischen Texte eine Genealogie der intellektuellen Selbstpositionierung Bruckners. - Die Rezension zeigt, wie sich aus dieser familiären Konstellation zentrale Motive von Bruckners essayistischen Publikationen erklären lassen. Seine Kritik an westlicher Schuldideologie (in Werken wie "La tyrannie de la pénitence", "Le sanglot de l'homme blanc" oder "Je souffre donc je suis") erscheint vor dem Hintergrund der persönlichen Erfahrung von Schuld, Autorität und moralischer Selbstbefragung neu lesbar. Ebenso lässt sich seine Analyse moderner Opferdiskurse mit der Auseinandersetzung mit familiären Macht- und Opferrollen verbinden. Die Rezension argumentiert daher, dass BF und MI nicht nur autobiografische Dokumente sind, sondern Schlüsseltexte zum Verständnis von Bruckners ideologiekritischem Werk: In ihnen verschränken sich Familiengeschichte, moralische Reflexion und politische Essayistik zu einer intellektuellen Selbstdeutung.]]></description>
		
		
		
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		<title>Diaspora und Nationalismus: europäische Schwellenzeit 1913 bei François Sureau</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/18/diaspora-und-nationalismus-europaeische-schwellenzeit-1913-bei-francois-sureau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Feb 2026 09:34:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[François Sureau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/G10102-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/G10102-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/G10102-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/G10102-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/G10102.jpg 827w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Roman "Loin de Salonique" (Gallimard, 2026) von François Sureau verlegt seine Handlung in das Jahr 1913 nach Monastir (Bitola) und Thessaloniki und entfaltet an einem rätselhaften Mordfall ein Panorama des politisch überhitzten Balkanraums unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg: Die inoffiziellen Ermittlungen des französischen Thomas More und des jüdischen Unternehmers Paul Seligmann führen durch ein Geflecht aus Diplomatie, Handel und Geheimdienstaktivitäten und machen die tektonischen Spannungen sichtbar, die den osmanischen Vielvölkerraum erschüttern; dabei erscheint Thessaloniki als sephardisch geprägte, mehrsprachige Diasporastadt, deren fragile Pluralität im Kontrast zu den sich verhärtenden Nationalismen steht, während Frankreich zugleich als universalistische Referenzmacht und als machtpolitischer Akteur inszeniert wird. Die Rezension argumentiert, dass der Kriminalfall eine narrative Oberfläche bilde, um eine historische Diagnose zu leisten: Durch die doppelte Codierung der Figur Thomas More – als Anspielung auf den Humanisten und Autor von "Utopia" und als moderner, illusionsloser Beobachter – arbeite der Roman die Diskrepanz zwischen normativer Idee und politischer Wirklichkeit heraus; methodisch entfaltet die Besprechung ihre Deutung, indem sie zunächst den geopolitischen Schwellenraum konturiert, sodann die Symbolik der Namensgebung analysiert, die Darstellung jüdischer Diaspora als relationale Identitätsform herausarbeitet und schließlich die gattungspoetische Mischung zwischen Detektivroman, historischem Roman und politischem Essay bestimmt, wodurch sie zu dem Urteil gelangt, dass das Werk weniger eine kriminalistische Auflösung als eine melancholische Meditation über den Zerfall eines europäischen Ordnungsmodells bietet.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>1966 oder die Geburt unserer Gegenwart: Antoine Compagnon</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/09/1966-oder-die-geburt-unserer-gegenwart-antoine-compagnon/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Feb 2026 18:15:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Antoine Compagnon]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="177" height="285" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/images-2.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" />Antoine Compagnons "1966, année mirifique" (Gallimard, 2026) rekonstruiert das Jahr 1966 nicht als bloßen historischen Zeitpunkt, sondern als epistemologischen Wendepunkt der französischen Moderne. Ausgehend von Presse, Literatur, Theorie, Film, Alltagsobjekten und politischen Debatten zeigt Compagnon, wie sich in diesem Jahr langfristige Trends kreuzten: die Vermassung der Hochschulen, der Aufstieg der Jugend zur ökonomischen Klasse, der Durchbruch der Konsumgesellschaft, die Kanonisierung von Theorie und Strukturalismus sowie der Eintritt der Shoah in das französische kollektive Gedächtnis. Figuren wie Foucault, Barthes, Aragon, Malraux oder Sartre stehen dabei weniger als isolierte Genies im Zentrum, sondern als Symptomträger eines tiefgreifenden Wandels, in dem der Humanismus des 19. Jahrhunderts und der existenzialistische Sinnbegriff durch Systemdenken, Zeichenlogik und technokratische Rationalität ersetzt werden. 1966 erscheint so als eigentlicher Scheitelpunkt zwischen alter Ordnung und neuer Welt: Die Jugend wird über Konsum integriert, Kultur zur Ware, Theorie zur neuen Leitwährung der Intellektuellen, während die politischen Explosionen von 1968 bereits strukturell vorbereitet sind. Die Rezension liest Compagnons Buch als Genealogie unserer Gegenwart. Sie arbeitet seinen skeptischen Ton heraus, indem sie die von Compagnon beschriebene Massenexpansion der Bildung als Ursprung heutiger „Potemkin-Universitäten“ deutet, den Strukturalismus als ideologische Vorform einer algorithmisch verwalteten Welt interpretiert und die Jugendkultur von 1966 als Geburtsstunde des perfekten Konsumenten entlarvt. 1966 wird nicht nur erklärt, sondern moralisch befragt. Dabei arbeitet sie die innere Logik des Buches heraus – die Ersetzung von Sinn durch System, von Erfahrung durch Zeichen, mit einem Akzent auf Verlust, Entfremdung und Langzeitschäden. Kritisch reflektiert die Rezension zudem blinde Flecken des Buches, etwa die männlich dominierte Perspektive, die randständige Behandlung von Feminismus, Kolonialismus und Homosexuellenbewegung. Die Rezension macht deutlich, dass die „epistemologische Revolution“ von 1966 zwar brillant analysiert, aber sozial und politisch enger geführt wird, als es die Komplexität der Epoche erlauben sollte. Insgesamt liest die Rezension Compagnon weniger als Chronisten eines Wunderjahres denn als unbeabsichtigten Zeugen einer verhängnisvollen Weichenstellung.]]></description>
		
		
		
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		<title>Licht von toten Sternen: Georges Perecs Mutter bei Olivia Elkaim</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/05/licht-von-toten-sternen-georges-perecs-mutter-bei-olivia-elkaim/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Feb 2026 16:02:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Georges Perec]]></category>
		<category><![CDATA[Olivia Elkaim]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/images-1-188x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/images-1-188x300.png 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/images-1.png 354w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Für ihre Annäherung an Georges Perecs Mutter Cécile wählt Olivia Elkaim in "La disparition des choses" (2026) das von André Schwarz-Bart entlehnte Motto „Nos yeux reçoivent la lumière d’étoiles mortes“ als poetisches Programm: Das, was uns heute erhellt, stammt von längst erloschenen Leben. Elkaims Buch rekonstruiert Céciles Weg vom Alltag einer jüdisch-polnischen Immigrantin und Friseurin in Belleville über die Trennung von ihrem fünfjährigen Sohn am Gare de Lyon bis zu Verhaftung, Drancy und Deportation nach Auschwitz. Parallel dazu verfolgt die Erzählerin ihre eigene Recherche in Archiven, Gesprächen mit Perecs Freunden und in den Texten des Schriftstellers selbst, dessen gesamtes Werk von der Leerstelle der Mutter durchzogen ist. Wo historische Dokumente fehlen, greift Elkaim zur Imagination: Sie erfindet Szenen, Gesten, Stimmen, um der „ewig Abwesenden“ Körper und Alltag zurückzugeben. So entsteht weniger eine Biografie als ein literarisches Mausoleum – ein Buch, das Cécile nicht faktisch wiederherstellt, aber ihr Nachleuchten sichtbar macht. - Der Artikel liest Elkaims Roman als Ergänzung und zugleich Korrektur von Perecs „obliquer“ Erinnerungspoetik, wie Philippe Lejeune dies nennt. Während Perec den Verlust formal verschlüsselte – durch Anagramme, Listen, Lipogramme und das Schreiben um eine Abwesenheit herum –, rückt Elkaim das menschliche Schicksal der Mutter ins Zentrum und ersetzt die Ästhetik des Mangels durch eine Poetik der zärtlichen Rekonstruktion. Die Rezension zeigt, wie das Buch zwischen Dokument und Fiktion vermittelt und gerade im Eingeständnis der Ungewissheit – kein Grab, kein Datum, nur ein „acte de disparition“ – seine ethische Stärke gewinnt. Erinnerung erscheint nicht als Besitz von Wahrheit, sondern als fortgesetzte Arbeit am schmerzlich Fehlenden.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kontaminationen nach dem 7. Oktober: Amanda Sthers</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/27/kontaminationen-nach-dem-7-oktober-amanda-sthers/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jan 2026 00:10:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Amanda Sthers]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782246841692-001-X-190x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782246841692-001-X-190x300.jpeg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782246841692-001-X-649x1024.jpeg 649w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782246841692-001-X-768x1211.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782246841692-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Der Roman "C" (Grasset, 2025) von Amanda Sthers entwirft ein düsteres Panorama der französischen Gegenwart nach dem 7. Oktober 2023, in dem privates Leben, politische Diskurse und historisch sedimentierte Traumata ineinandergreifen. Es beginnt mit einem Pilzbefall in der Pariser Wohnung der jüdischen Lektorin Rebecca Vermusein und ihres Mannes Gilles, der sich rasch als zentrale Denkfigur erweist: Der Pilz wird nicht als bloßes Horrorelement erzählt, sondern als Materialisierung eines Antisemitismus, der unsichtbar zirkuliert, sich normalisiert und schließlich tödlich fruchtet. Parallel zur Zersetzung der Ehe zeichnet der Roman den Zerfall des französischen "vivre-ensemble": politische Radikalisierung, selektive Empathie nach dem 7. Oktober, die moralische Selbstentlastung westlicher Eliten und die Vereinsamung jüdischer Individuen bilden ein eng verschaltetes Szenario. In der Rückbindung an Sthers Roman "Les gestes" zeigt sich "C" zugleich als Kulminationspunkt eines länger angelegten Projekts, das jüdische Identität nicht als stabile Zugehörigkeit, sondern als historisch belasteten Erinnerungskörper entwirft. Die Rezension analysiert diese Konstellation, indem sie "C" als Fortschreibung und Radikalisierung der in "Les gestes" angelegten Motive liest: von der „Archäologie der Intimität“ zur „Biologie des Hasses“. Im Zentrum steht die Argumentation, dass Sthers den Antisemitismus nicht als Randphänomen, sondern als strukturelles Produkt eines moralischen Klimas darstellt, in dem Diskurse, Ästhetik und Affekt ineinandergreifen. Die Rezension zeigt, wie der Roman über die Pilzmetaphorik Normalisierung, Verführung und Gewalt zusammendenkt und wie er damit insbesondere den zeitgenössischen Feminismus, die Identitätspolitik und den Antizionismus einer scharfen Prüfung unterzieht. Dabei wird "C" nicht als Thesenroman verstanden, sondern als literarische Diagnose eines Zustands: ohne Katharsis, ohne versöhnenden Ausblick, aber mit der insistierenden Forderung, die Sporen zu erkennen, bevor sie erneut fruchten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Hohelied ohne Zeugen: Patrick Autréaux</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/30/hohelied-ohne-zeugen-patrick-autreaux/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2025 10:21:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Edmond Jabès]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Autréaux]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Couverture-699x1024-1-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Couverture-699x1024-1-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Couverture-699x1024-1.jpg 699w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Patrick Autréaux’ "L’Époux" (2025) ist ein leiser, existenziell verdichteter Roman, der von der standesamtlichen Trauung zweier Männer ausgeht. Ein Ritual, das als gesellschaftliche Anerkennung gedacht ist, wird zur Erfahrung radikaler Vereinzelung: durch die demonstrative Abwesenheit der Familien, die eine geografisch fern, die andere ideologisch und religiös sich verweigernd. Der Erzähler beobachtet die Tränen seines Partners; in diesem Moment brechen Jahre des Schweigens, der Anpassung und der erlittenen Zurückweisung auf. Ausgehend von diesem Moment entfaltet der Text eine vielschichtige Rückschau, in der sich eine homosexuelle Liebesgeschichte mit biografischen Verletzungen, Krankheit und einer tiefgreifenden spirituellen Suche verschränkt. Zentral ist dabei der jüdische Hintergrund der Familie des Partners, deren Geschichte von Shoah, Vertreibung und Exil geprägt ist und deren traumatische Erfahrung in eine religiöse Verhärtung und die Ablehnung der Beziehung mündet. Autréaux zeigt, wie diese kollektiven Wunden familiäre Bindungen vergiften und Schweigen, Tilgung und Ausschluss erzeugen. In der Auseinandersetzung mit dem Hohelied Salomos und dem Werk Edmond Jabès entwickelt der Roman eine Poetik der Abwesenheit, des Schweigens und des Exils, in der der Körper des Geliebten zum Ort des Heiligen wird. "L’Époux" liest sich so als modernes Hohelied, das die intime Geschichte einer homosexuellen Liebe mit der Last jüdischer Erinnerung verbindet und eine fragile, aber beharrliche Transzendenz entwirft – „aus der Wüste gekommen, wie man aus dem Jenseits der Erinnerung kommt“.]]></description>
		
		
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		<title>Ein Sieg der Lise Meitner gegen Otto Hahn: Cyril Gely</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/09/ein-sieg-der-lise-meitner-gegen-otto-hahn-cyril-gely/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 16:49:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
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		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Cyril Gely]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/gely-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/gely-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/gely-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/gely-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/gely-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/gely-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/gely.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Cyril Gelys Roman "Le Prix" (2019) inszeniert einen intensiven psychologischen Schlagabtausch zwischen Otto Hahn und Lise Meitner am Tag von Hahns Nobelpreisverleihung 1946. Auf engstem Raum, in einer Stockholmer Hotelsuite, entfaltet sich ein moralisches und intellektuelles Duell, das die ungleichen Machtverhältnisse, die Geschlechterdynamik in der Wissenschaft und die ethischen Verfehlungen des Nationalsozialismus verhandelt. Gelys dramatische Prosa verwandelt historische Tatsachen in ein huis clos, in dem Lise Meitner ihre unterdrückte wissenschaftliche Leistung einfordert und Hahn gezwungen wird, sich seiner moralischen Schuld zu stellen. Am Ende bleibt der Nobelpreis Hahns – doch die wahre Anerkennung gilt Meitner, deren stille Gerechtigkeit als unauslöschliches Echo die Geschichte neu schreibt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Christlich-jüdisches Frankreich und identitäre Zwangsassimilation: Eric Zemmour</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/06/christlich-juedisches-frankreich-und-identitaere-zwangsassimilation-eric-zemmour/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Dec 2025 18:36:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Zemmour]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-664x1024.jpg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-768x1184.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour.jpg 973w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Die Präsidenten der Französischen Republik suchten jeweils eigene Wege, um das Spannungsverhältnis zwischen dem Selbstverständnis Frankreichs als historisch christlich geprägte Nation und den Prinzipien der strikt laizistischen Republik politisch auszugleichen. „La messe n’est pas dite“ (2025) präsentiert Éric Zemmours rechtsextreme Vision einer zivilisatorischen Wiedergeburt Europas durch eine Rückkehr zu seinen christlichen Fundamenten. In seiner Darstellung bildet das Christentum das historische, kulturelle und politische Fundament Europas. Daraus leitet er allerdings die Forderung nach einer intensiven autoritären Rechristianisierung ab, die sowohl juristische Maßnahmen (z. B. Einschränkungen der Vornamenswahl, Remigration, Einschränkung richterlicher Befugnisse) als auch eine kulturelle und moralische Umformung der Gesellschaft umfasst. Diese Neuordnung verbindet er mit der Idee einer „großen Allianz“ zwischen traditionalistischen Katholiken und assimilierten Juden, die gemeinsam den kulturellen Bestand Europas sichern sollen. – Die Rezension zeichnet nach, wie Zemmours Argumentation auf einer selektiven Geschichts- und Religionsdeutung beruht, die komplexe kulturelle und politische Dynamiken auf ein dualistisches Bedrohungsszenario reduziert. Sie zeigt, dass Zemmour Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Universalismus – Werte, die er selbst als christliches Erbe beschreibt – im Namen einer identitären Selbstbehauptung zurückdrängen will. Die Rezension zeigt auf, wie Zemmour sowohl den Islam als auch den modernen Liberalismus als monolithische Feindbilder konstruiert und dabei mit Doppelstandards operiert, etwa durch selektive Lektüre religiöser Texte oder die Vereinfachung historischer Beispiele. Darüber hinaus zeigt sie, wie Zemmour den Laizismus funktionalisiert, um ihn von einem Prinzip staatlicher Neutralität in ein Instrument kultureller Dominanz zu verwandeln. Zemmours Programm stellt weniger eine Verteidigung des christlich geprägten Erbes dar als vielmehr eine autoritär-identitäre Revision der republikanischen Tradition, die die Grundlagen der Fünften Republik grundlegend infrage stellt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Rückkehr in die École normale supérieure: Éliette Abécassis</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/13/rueckkehr-in-die-ecole-normale-superieure-eliette-abecassis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Oct 2025 10:13:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782080474445-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782080474445-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/9782080474445.jpg 293w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Éliette Abécassis, selbst normalienne und agrégée der Philosophie, kehrt in 45 rue d’Ulm (Flammarion, 2025) im Rahmen der intimen literarischen Buchreihe „Retour chez soi“ in ihre ehemalige Studentenbude (thurne) der École normale supérieure (ENS) zurück. Das Buch ist ihr erstes autobiografisches Werk in der ersten Person und verdichtet die Erfahrung einer Nacht und eines Tages ... <p class="read-more-container"><a title="Rückkehr in die École normale supérieure: Éliette Abécassis" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/10/13/rueckkehr-in-die-ecole-normale-superieure-eliette-abecassis/#more-10037" aria-label="Mehr Informationen über Rückkehr in die École normale supérieure: Éliette Abécassis">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Ambivalenz der jüdischen Assimilation: Philip Roth und Marc Weitzmann</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/09/ambivalenz-der-juedischen-assimilation-philip-roth-und-marc-weitzmann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Oct 2025 08:17:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[Marc Weitzmann]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/712tFZBoWTL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/712tFZBoWTL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/712tFZBoWTL._UF10001000_QL80_.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Marc Weitzmann, La part sauvage: le monde de Philip Roth et le chaos américain. Retour sur vingt ans d&#8217;amitié. Grasset, 2025. Philip Roth und die Zerbrechlichkeit der amerikanischen Demokratie Marc Weitzmanns La part sauvage ist eine Hommage an den verstorbenen Schriftsteller Philip Roth; es ist aber auch eine literarische Untersuchung, die das Werk, das Leben ... <p class="read-more-container"><a title="Ambivalenz der jüdischen Assimilation: Philip Roth und Marc Weitzmann" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/10/09/ambivalenz-der-juedischen-assimilation-philip-roth-und-marc-weitzmann/#more-9994" aria-label="Mehr Informationen über Ambivalenz der jüdischen Assimilation: Philip Roth und Marc Weitzmann">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Dominique Fourcade: Dichten nach dem 7. Oktober 2023</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/07/dominique-fourcade-dichten-nach-dem-7-oktober-2023/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2025 13:30:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Dominique Fourcade]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/a-va-bien-dans-la-pluie-glacee-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/a-va-bien-dans-la-pluie-glacee-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/a-va-bien-dans-la-pluie-glacee.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In "Ça va bien dans la pluie glacée ?" (P.O.L., 2024) reagiert Dominique Fourcade literarisch auf den Nahostkonflikt, indem er die moralische Ohnmacht des Schreibenden zum ästhetischen Prinzip erhebt. Er verwandelt Scham, Fremdheit und Sprachskepsis in eine Poetik der Delikatesse und der Verantwortung. Durch fragmentierte Syntax, intertextuelle Ethik und Bildmotivik (Mauer, Javelot, Regen) wird der Konflikt nicht erklärt, sondern „durchlitten“ – als Erfahrung der Grenze, an der Sprache selbst zum Akt des Widerstands wird.]]></description>
		
		
		
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		<title>Shoalzheimer: Raphaël Sigal</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/24/shoalzheimer-raphael-sigal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 06:34:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Raphaël Sigal]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/Geographie-de-l-oubli-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/Geographie-de-l-oubli-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/Geographie-de-l-oubli.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Raphaël Sigals Roman "Géographie de l’oubli" (2025, Prix Méduse) kreist um das Schweigen und Vergessen der Großmutter, die zwischen Shoah-Trauma und Alzheimer-Erkrankung doppelt entzogen ist. Der Erzähler erbt nur Bruchstücke – Satzfetzen, Gesten, Objekte – und versucht daraus ein Buch zu machen, das die Leerstelle nicht verrät, sondern sichtbar macht. Statt dokumentarischer Recherche entscheidet er sich für ein poetisches Verfahren, das auf Fragmentierung, Wiederholung und Schweigen beruht. Der Neologismus "Shoalzheimer" bündelt das aktive, überlebensnotwendige Vergessen der Shoah mit dem passiven, zerstörerischen Vergessen der Krankheit. Das Buch versteht sich als "Ricercar à x + 1 voix": eine musikalische Suche nach den verlorenen Stimmen der Vorfahren (x) und der eigenen Stimme des Enkels (+1), deren Polyphonie sich zu einer brüchigen, fast unlesbaren Partitur verschränkt. So entsteht ein vielstimmiger, von Leere und Erinnerung durchdrungener Text, der die Grenzen von Zeugnis, Fiktion und literarischer Form neu auslotet.]]></description>
		
		
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		<title>Sarah Kofman und die französisch-jüdische Literatur: Esra Akkaya</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/07/sarah-kofman-und-die-franzoesisch-juedische-literatur-esra-akkaya/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Aug 2025 03:51:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
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		<category><![CDATA[Sarah Kofman]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="203" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Kofman-1-203x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Kofman-1-203x300.jpg 203w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Kofman-1-695x1024.jpg 695w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Kofman-1.jpg 738w" sizes="auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px" />Esra Akkaya, Sarah Kofmans literarisches Werk:&#160;Frankreichs verdrängte Gedächtnisse.&#160;Berlin: De Gruyter, 2025.&#160; Leben und Werk Sarah Kofman (1934–1994) war eine der französischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts – Philosophin, Literaturwissenschaftlerin, Nietzsche-Interpretin und Shoah-Überlebende. Geboren in Paris in eine jüdisch-orthodoxe Familie, erlebte sie als Kind die Verhaftung ihres Vaters durch die französische Polizei während der Razzia im Juli ... <p class="read-more-container"><a title="Sarah Kofman und die französisch-jüdische Literatur: Esra Akkaya" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/08/07/sarah-kofman-und-die-franzoesisch-juedische-literatur-esra-akkaya/#more-8725" aria-label="Mehr Informationen über Sarah Kofman und die französisch-jüdische Literatur: Esra Akkaya">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Choreografie der Erinnerung: Patrick Modiano zum 80.</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/30/choreografie-der-erinnerung-patrick-modiano-zum-80/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Jul 2025 09:55:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Reserve]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Modiano]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="182" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/la-danseuse-taschenbuch-patrick-modiano-franzoesisch-182x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/la-danseuse-taschenbuch-patrick-modiano-franzoesisch-182x300.jpeg 182w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/la-danseuse-taschenbuch-patrick-modiano-franzoesisch.jpeg 364w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" />Seit seinem Debütroman "La Place de l’Étoile" (1968) hat Patrick Modiano, der in diesem Jahr so alt wird "wie die Nachkriegszeit" (Andreas Platthaus), eine poetische Welt geschaffen, die von Erinnerungsschatten, verschobenen Identitäten und geheimnisvollen Abwesenheiten durchzogen ist. Seine Romane – melancholisch, elliptisch, durchzogen von Vergessen und Wiederkehr – kreisen um eine paradoxe Bewegung: das Erinnern durch das Verlieren, das Erleben durch das Verschwinden. In diesem ästhetischen Spannungsverhältnis gewinnt der Tanz eine besondere Rolle: als Motiv, als Bild, als Erzählform. Insbesondere in seinem jüngsten Roman "La danseuse" (2023, deutsch 2025) gerät dieses Motiv zur poetischen Metapher: Die Tänzerin wird zur Figur des Erinnerns, zur Projektionsfläche eines tastenden Ich-Erzählers und zur Allegorie eines kaum fassbaren Lebens. Der Tanz steht hier nicht im Zentrum einer Handlung, sondern inszeniert sich als schwebende Spur, als rhythmisches Prinzip des Erzählens, als flüchtige Figur, die das Erzählen selbst choreographiert.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Davids Stern zurückgeben: Nathacha Appanah</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/23/davids-stern-zurueckgeben-nathacha-appanah/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jul 2025 13:03:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2007]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Nathacha Appanah]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="180" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/dernierfrere-180x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/dernierfrere-180x300.jpg 180w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/dernierfrere-614x1024.jpg 614w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/dernierfrere-768x1281.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/dernierfrere.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px" />Der Roman "Le dernier frère" (Éditions de l’Olivier, 2007, deutsch: Unionsverlag, 2012) der mauritischen Autorin Nathacha Appanah ist ein Werk von großer poetischer Dichte und erzählerischer Komplexität. Im Zentrum steht eine kindliche Freundschaft zwischen Raj, dem Erzähler, und David, einem jüdischen Jungen, der mit dem Internierungsschiff „Atlantic“ nach Mauritius kam. Der Roman kreist um die Frage, wie sich individuelle Identität durch Erinnerung, Verlust und Erlebnisse von Gewalt herausbildet. Der Text ist dabei zugleich historische Aufarbeitung und intime Erzählung. Appanah verknüpft die individuelle Geschichte eines mauritischen Jungen mit dem größeren historischen Kontext der Internierung jüdischer Geflüchteter durch britische Kolonialbehörden auf Mauritius während des Zweiten Weltkriegs. Damit entsteht ein erzählerisches Gewebe aus historischen Fakten, psychologischer Innenschau und poetischer Reflexion, das für den Leser nicht nur eine literarische, sondern auch eine ethische Erfahrung darstellt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Erbe der Wunden: Traumata und ihre literarische Vermittlung</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/22/erbe-der-wunden-traumata-und-ihre-literarische-vermittlung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jul 2025 16:45:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="213" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/traumatisme-213x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/traumatisme-213x300.jpg 213w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/traumatisme-728x1024.jpg 728w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/traumatisme-768x1081.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/traumatisme.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px" />Zum Handbuch Traumatisme et mémoire culturelle von Silke Segler-Meßner und Isabella von Treskow Das französischsprachige Sammelwerk Traumatisme et mémoire culturelle: France et espaces francophones (herausgegeben von Silke Segler-Meßner und Isabella von Treskow, De Gruyter, 2024, 558 Seiten) widmet sich der Darstellung kollektiver Traumata in der französischsprachigen Literatur und Kultur des 20. und frühen 21. Jahrhunderts, ... <p class="read-more-container"><a title="Erbe der Wunden: Traumata und ihre literarische Vermittlung" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/07/22/erbe-der-wunden-traumata-und-ihre-literarische-vermittlung/#more-8444" aria-label="Mehr Informationen über Erbe der Wunden: Traumata und ihre literarische Vermittlung">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Architekt und sein Führer, contre-fiction: Jean-Noël Orengo</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/17/der-architekt-und-sein-fuehrer-contre-fiction-jean-noel-orengo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Jul 2025 11:15:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71FjRqVMKeL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71FjRqVMKeL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71FjRqVMKeL._UF10001000_QL80_.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In seinem Roman "Vous êtes l'amour malheureux du Führer" setzt sich Jean-Noël Orengo fiktional mit der Figur Albert Speers auseinander. Dabei beleuchtet er dessen komplexe Beziehung zu Adolf Hitler, seine strategische Selbstdarstellung nach dem Krieg und die Macht von Erzählungen im Umgang mit historischer Wahrheit kritisch. Der Roman dekonstruiert Speers eigenes Narrativ - als Versuch, die eigene Verantwortung zu negieren - und offenbart die Mechanismen seiner Apologie. So setzte beispielsweise Speers Ministerium Millionen von Sklavenarbeitern ein, darunter viele Juden, und war für den Ausbau von Auschwitz zur größten Todesfabrik mitverantwortlich. Orengos Roman ist jedoch mehr als eine bloße historische Nacherzählung: Er ist eine Untersuchung der Konstruktion von Wahrheit und Fiktion in der Geschichtsschreibung – insbesondere im Kontext von Verbrechen und Erinnerung. Orengo entlarvt Speers "Erinnerungen" als meisterhaft konstruierte Erzählung, die die Wahrheit manipuliert und Speer als „Star der deutschen Schuld“ etabliert, indem er sich als „verantwortlich, aber nicht schuldig“ darstellt. Diese „Autofiktion“ ist so wirkmächtig, dass sie selbst historische Fakten überstrahlen kann. Der Roman stellt die Geschichtsschreibung als einen Kampf von Erzählungen dar, in dem Speer durch seine narrative Geschicklichkeit oft die Oberhand behält, selbst gegenüber widerlegenden Dokumenten. Orengo zeigt, wie schwierig es ist, die „Wahrheit“ über eine so dunkle Periode zu finden, wenn die Hauptakteure ihre eigene Geschichte meisterhaft fiktionalisieren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zum Gedächtnis: Pierre Nora (1931–2025)</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/03/zum-gedaechtnis-pierre-nora-1931-2025/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Jun 2025 08:38:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="182" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/nora-182x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/nora-182x300.jpg 182w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/nora-622x1024.jpg 622w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/nora-768x1265.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/nora-932x1536.jpg 932w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/nora-1243x2048.jpg 1243w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/nora.jpg 1276w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" />Am 2. Juni 2025 ist der bedeutende französische Historiker Pierre Nora im Alter von 93 Jahren in Paris gestorben. Als Herausgeber der monumentalen siebenteiligen Werkreihe "Les Lieux de mémoire" (1984–1993) prägte er entscheidend das Verständnis der nationalen Erinnerungskultur und trug maßgeblich zur Reflexion über die französische Identität bei. Geboren 1931 in Paris, entkam Pierre Nora als Kind der Verfolgung durch die Gestapo. Diese frühe Erfahrung prägte sein Denken über Geschichte, Gedächtnis und Nation tiefgreifend. In zwei Büchern aus den letzten Jahren legte Nora Memoiren vor, "Jeunesse" (2022) und "Une étrange obstination" (2023), um frei über sein Leben als Verleger und Historiker zu berichten und insbesondere seinen Werdegang nachzuzeichnen. ]]></description>
		
		
		
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		<title>Himmlers Zuchtbefehl: Caroline de Mulder</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/08/himmlers-zuchtbefehl-caroline-de-mulder/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 May 2025 21:28:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Caroline De Mulders Roman „La pouponnière d’Himmler“ erzählt das Lebensborn-Programm des Nationalsozialismus als Schrecken einer durchideologisierten Kindheit: Kindheit wird nicht als schützenswerte Lebensphase gezeigt, sondern als Produkt eines rassistischen Zuchtprogramms – verwaltet, vermessen, umbenannt und ihrer Herkunft beraubt. Die Körper von Frauen, Kindern und Männern erscheinen nicht als Subjekte, sondern als biopolitisches Material im Dienst einer totalitären Ideologie. Die Frau wird als „Gebärmaschine“ dargestellt, deren Wert sich ausschließlich aus ihrer Reproduktionsfähigkeit für die „Rasse“ ergibt. Renée, die als junge schwangere Französin im Lebensborn-Heim entrechtet wird, Helga, die als Oberschwester zwischen Pflichterfüllung und Schuld taumelt, und Marek, der als Zwangsarbeiter entmenschlicht wird, verkörpern drei Varianten existenzieller Ausgeliefertheit an ein System, das Körper zählt, aber Leben entwertet. Gleichzeitig deutet der Roman an, dass die völlige Indienstnahme der Körper nicht gelingt: In poetischen Momenten innerer Bilder, sinnlicher Erfahrung und zwischenmenschlicher Nähe blitzen Möglichkeiten von Subjektivität auf. Die Erzählerin des Romans versucht im Rückblick, das Schweigen der Vergangenheit zu durchbrechen, und begegnet der historischen Leerstelle mit Sprache, Imagination und dokumentarischen Fragmenten. Die vielstimmige Struktur des Romans – zwischen innerem Monolog, Archivtexten und Gegenwartserzählung – spiegelt die Fragmentierung traumatisierter Kindheiten wider und macht literarisch erfahrbar, was historisch mit dem Kriegsende am 8. Mai 1945 ausgelöscht werden sollte.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Moment der Wahrheit: Karine Tuil</title>
		<link>https://rentree.de/2025/03/10/der-moment-der-wahrheit-karine-tuil/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Karine Tuil]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/files-1.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Karine Tuils „La Guerre par d’autres moyens“ seziert den Zerfall von Macht, Identität und öffentlicher Wahrnehmung: Im Mittelpunkt steht Dan Lehman, ein ehemaliger Präsident Frankreichs der Linken, der nach einer Wahlniederlage in Alkoholismus und Bedeutungslosigkeit versinkt, während seine Ex-Frau Marianne Bassani in der Literatur und seine zweite Frau Hilda Müller im Filmgeschäft neue Karrieren aufbauen. Der Artikel zeigt, wie Tuil subtil Fiktion und Realität verschränkt: Mariannes Roman „À la recherche du désastre“, der als Film adaptiert wird, reflektiert Lehmans Fall und entzieht ihm neben der medialisierten Öffentlichkeit auf andere Weise die Kontrolle über seine eigene Geschichte – eine raffinierte Spiegelung der Mechanismen öffentlicher Demontage. Die Analyse betont zudem die intertextuelle Verbindung zu Philip Roths „My Life as a Man“, die jüdische Identität Lehmans und die Frage nach toxischer Männlichkeit in Politik und Kultur. Tuils Roman erscheint so als eine kluge Reflexion über die Zerstörung öffentlicher Figuren in einer mediengesteuerten Gesellschaft – ein tragikomisches Drama über Macht, Narzissmus und den Kampf um die Deutungshoheit der eigenen Existenz.]]></description>
		
		
		
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		<title>Palästina, Wunde und Traum: Karim Kattan</title>
		<link>https://rentree.de/2025/02/18/palaestina-wunde-und-traum-karim-kattan/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2025 12:16:07 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="176" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-176x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-176x300.jpg 176w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-599x1024.jpg 599w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-768x1313.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-899x1536.jpg 899w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px" />Karim Kattans „L’Éden à l’aube“ erzählt eine Liebe in Palästina zwischen Isaac und Gabriel, die sich in einem von politischen, religiösen und gesellschaftlichen Konflikten durchzogenen Jerusalem entfaltet. Der Roman wechselt zwischen lyrischer Entrücktheit und politischer Realität, zwischen mythischer Überhöhung und der Brutalität des Alltags. Der Text entfaltet sich in einer traumhaften Erzählweise, während er zugleich die Spuren kolonialer Gewalt und territorialer Enge unübersehbar macht. Interessanterweise bleiben Utopie und Dystopie in „L’Éden à l’aube“ nicht klar getrennt. Vielmehr entsteht eine Hybridität, in der Hoffnung und Zerstörung ineinander übergehen. Isaac, der potenziell geopferte Sohn Abrahams, und Gabriel, der göttliche Bote, befinden sich in einer Welt, die am Rande des Paradieses steht.]]></description>
		
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		<title>Neue Wege für eine französisch-jüdische Literatur: Nathalie Azoulai</title>
		<link>https://rentree.de/2025/02/04/neue-wege-fuer-eine-franzoesisch-juedische-literatur-nathalie-azoulai/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Feb 2025 06:19:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Nathalie Azoulai]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/toutes-les-vies-de-theo1-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/toutes-les-vies-de-theo1-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/toutes-les-vies-de-theo1.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In „Toutes les vies de Théo“ erzählt Nathalie Azoulai die Geschichte von Théo, einem Bretonen mit deutscher Mutter, der sich in die jüdische Léa verliebt. Ihre Beziehung, zunächst geprägt von gegenseitigem Verständnis, gerät durch politische Ereignisse wie die Anschläge vom 7. Oktober und den Nahostkonflikt ins Wanken, was zu einer Entfremdung führt. Azoulai beleuchtet die Herausforderungen gemischter Partnerschaften und die komplexen Verflechtungen von persönlicher Identität und kollektiver Geschichte. Damit eröffnet sie neue Wege für eine französisch-jüdische Literatur, die nicht nur retrospektiv bleibt, sondern auch aktuelle Herausforderungen der Identitätsfindung und interkulturellen Begegnung verhandelt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der goldene Mann des französischen Chansons</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Sep 2023 07:42:18 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Probe]]></category>
		<category><![CDATA[Ivan Jablonka]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="187" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/jablonka-187x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/jablonka-187x300.jpg 187w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/jablonka-637x1024.jpg 637w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/jablonka-768x1234.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/jablonka-956x1536.jpg 956w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/jablonka-1274x2048.jpg 1274w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/jablonka.jpg 1369w" sizes="auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px" />Jean-Jacques Goldman tient beaucoup à son nom. Il n’a jamais envisagé d’en changer, même lorsque ses producteurs le lui ont suggéré au début de sa carrière. Au micro de NRJ, dans les années 1980, il déclare avec simplicité : « Je m’appelle Jean-Jacques Goldman. C’est le nom que mes parents m’ont donné, alors je l’ai ... <p class="read-more-container"><a title="Der goldene Mann des französischen Chansons" class="read-more button" href="https://rentree.de/2023/09/11/der-goldene-mann-des-franzoesischen-chansons/#more-4409" aria-label="Mehr Informationen über Der goldene Mann des französischen Chansons">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
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		<title>Es hat mich nie interessiert, Jüdin zu sein</title>
		<link>https://rentree.de/2023/06/02/es-hat-mich-nie-interessiert-juedin-zu-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Jun 2023 06:34:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Probe]]></category>
		<category><![CDATA[Sonia Devillers]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/06/devillers-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/06/devillers-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/06/devillers-658x1024.jpg 658w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/06/devillers-768x1195.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/06/devillers.jpg 797w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Leur pays sur la carte J’ai bien connu Harry et Gabriela. Après leur arrivée, ils n’ont plus quitté Paris où je suis la première de la famille à être née. J’allais dormir chez eux le samedi soir, dans un modeste appartement de la porte de Bagnolet, quartier populaire et délaissé. Ils avaient été des gens ... <p class="read-more-container"><a title="Es hat mich nie interessiert, Jüdin zu sein" class="read-more button" href="https://rentree.de/2023/06/02/es-hat-mich-nie-interessiert-juedin-zu-sein/#more-4051" aria-label="Mehr Informationen über Es hat mich nie interessiert, Jüdin zu sein">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Vél d’Hiv als Kinderantlitz: Cloé Korman</title>
		<link>https://rentree.de/2022/10/30/vel-dhiv-als-kinderantlitz-cloe-korman/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Oct 2022 19:23:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Cloé Korman]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-400x586.jpg 400w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-800x1171.jpg 800w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Cloé Korman gibt drei Großcousinen ein Gesicht, die als jüdische Kinder in Auschwitz umkamen: Mireille, Jacqueline und Henriette. ]]></description>
		
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		<title>Kindheit zwischen den Sprachen</title>
		<link>https://rentree.de/2022/08/27/kindheit-zwischen-den-sprachen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Aug 2022 12:10:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Polina Panassenko]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="215" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/panassenko-215x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/panassenko-215x300.jpg 215w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/panassenko-734x1024.jpg 734w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/panassenko-768x1071.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/panassenko-1101x1536.jpg 1101w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/panassenko-1468x2048.jpg 1468w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/panassenko-400x558.jpg 400w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/panassenko-800x1116.jpg 800w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/08/panassenko.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px" />Aus kindlicher Perspektive ein Leben zwischen zwei Sprachen zu erzählen, diese per se poetische Erfahrung bietet uns Polina Panassenko in ihrem autofiktional grundierten Text Tenir sa langue.]]></description>
		
		
		
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		<title>Poesie der Körpertechniken: Aby Warburg tanzt</title>
		<link>https://rentree.de/2022/03/31/poesie-der-koerpertechniken-aby-warburg-tanzt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2022 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
		<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Marie de Quatrebarbes]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/quatrebarbes-aby-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/quatrebarbes-aby-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/quatrebarbes-aby-400x586.jpg 400w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/quatrebarbes-aby.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Die beiden Bücher "Voguer" (2019) und „Aby“ (2022) von Marie de Quatrebarbes lesen den Tanz der Körper poetisch. Der Beitrag deutet insbesondere den Roman über Aby Warburg als Poetisierung seiner theoretischen Arbeit als Kunstgeschichtler und Kulturwissenschaftler.]]></description>
		
		
		
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		<title>Autofiktion im Irrealis</title>
		<link>https://rentree.de/2022/02/12/autofiktion-im-irrealis/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Feb 2022 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Constance Debré]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/02/debre-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/02/debre-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/02/debre-658x1024.jpg 658w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/02/debre-768x1195.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/02/debre-400x622.jpg 400w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/02/debre.jpg 797w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Constance Debrés „Nom“ formuliert ein politisches Programm, die radikale Moderne einer Welt ohne Abstammung, Familiennamen, ohne Kindheit und elterliche Autorität, ohne Erbschaft, Vermögen oder Staatsangehörigkeit.]]></description>
		
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		<title>Das große Schweigen im Vater-Prozess, im Barbie-Prozess</title>
		<link>https://rentree.de/2021/09/29/das-grosse-schweigen-im-vater-prozess-im-barbie-prozess/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Sep 2021 11:08:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Sorj Chalandon]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/Enfant-de-salaud-Sorj-Chalandon-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/Enfant-de-salaud-Sorj-Chalandon-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/Enfant-de-salaud-Sorj-Chalandon.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Roman „Enfant de salaud“ verknüpft Chalandons Auseinandersetzung mit der großen Geschichte – dem Schlächter von Lyon Klaus Barbie – und mit intimer Familiengeschichte – dem eigenen, 2014 verstorbenen Vater, der bereits 2015 Gegenstand des Romans „Profession du père“ war.]]></description>
		
		
		
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		<title>Photoautomat und Schlemihl</title>
		<link>https://rentree.de/2021/09/15/photoautomat-und-schlemihl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Sep 2021 09:29:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Christophe Boltanski]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/vies-de-Jacob-Les-Christophe-Boltanski-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/vies-de-Jacob-Les-Christophe-Boltanski-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/vies-de-Jacob-Les-Christophe-Boltanski-643x1024.jpg 643w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/vies-de-Jacob-Les-Christophe-Boltanski-768x1223.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/vies-de-Jacob-Les-Christophe-Boltanski-964x1536.jpg 964w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/vies-de-Jacob-Les-Christophe-Boltanski-1286x2048.jpg 1286w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/vies-de-Jacob-Les-Christophe-Boltanski.jpg 1381w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Und Dich, mein lieber Chamisso, hab ich zum Bewahrer meiner wundersamen Geschichte erkoren, auf daß sie vielleicht, wenn ich von der Erde verschwunden bin, manchen ihrer Bewohner zur nützlichen Lehre gereichen könne. Du aber, mein Freund, willst Du unter den Menschen leben, so lerne verehren zuvörderst den Schatten, sodann das Geld. Willst Du nur Dir ... <p class="read-more-container"><a title="Photoautomat und Schlemihl" class="read-more button" href="https://rentree.de/2021/09/15/photoautomat-und-schlemihl/#more-530" aria-label="Mehr Informationen über Photoautomat und Schlemihl">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Schnappschüsse eines jüdischen Exils in Frankreich</title>
		<link>https://rentree.de/2020/11/06/schnappschuesse-eines-juedischen-exils/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Nov 2020 10:05:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Sarah Chiche]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="206" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2020/11/chiche-206x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2020/11/chiche-206x300.jpg 206w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2020/11/chiche.jpg 342w" sizes="auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px" />Die Romanschriftstellerin und Psychoanalytikerin Sarah Chiche erzählt ihre Depression und das französische Exil der jüdischen Familie aus Algerien.]]></description>
		
		
		
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