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	<title>Mannsein &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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	<title>Mannsein &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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		<title>Max Jacob zwischen Verklärung und Aktenbefund: Philippe Douroux und Olivier Rasimi</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2026 00:03:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="199" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/Modigliani_Amedeo_1884-1920_-_Ritratto_di_Max_Jacob_1876-1944-199x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Max Jacob von Modigliani, um 1916–1917." decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/Modigliani_Amedeo_1884-1920_-_Ritratto_di_Max_Jacob_1876-1944-199x300.jpg 199w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/Modigliani_Amedeo_1884-1920_-_Ritratto_di_Max_Jacob_1876-1944.jpg 500w" sizes="(max-width: 199px) 100vw, 199px" />Max Jacob (1876–1944) war Dichter, Maler und einer der zentralen Figuren der Pariser Bohème am Montmartre, wo er in existenzieller Armut und geistiger Nähe zu Picasso das Prosagedicht revolutionierte und mit Werken wie Le Cornet à dés eine Poetik des Traums, des Zufalls und der mystischen Vision zwischen Judentum und katholischer Konversion entwickelte. Die Rezension stellt zwei Bücher aus dem Jahr 2026 gegenüber, die vom selben historischen Ausgangspunkt – der Verhaftung und dem Tod Max Jacobs im Sammellager Drancy – ausgehen, jedoch radikal divergierende Darstellungsweisen entfalten: Olivier Rasimis "Saint Max" entwirft in einer achronologisch strukturierten, bewusstseinsnahen Erzählung eine hagiografisch grundierte Innenperspektive, die Jacobs Leben und Sterben als mystisch aufgeladenen Kreuzweg deutet, während Philippe Douroux’ "Max Jacob et le jeune SS" als dokumentarische Doppelbiografie die Biografie des Dichters mit der eines späteren SS-Freiwilligen verschränkt und mittels archivalischer Recherche, Brieffunden und administrativer Spuren eine historisch-politische Anklage formuliert; die Rezension arbeitet diese Opposition systematisch heraus und argumentiert, dass beide Texte dieselbe Grundfrage – wie ein Tod zwischen religiöser Sinnstiftung und industriellem Massenmord erzählbar ist – mit entgegengesetzten Mitteln beantworten, wobei Rasimis ästhetische Verklärung die Gewalt tendenziell spiritualisiert, Douroux’ aktenbasierte Rekonstruktion hingegen Erfahrung in Evidenz überführt, sodass erst im kontrastiven Nebeneinander die jeweiligen blinden Flecken sichtbar werden: hier die Gefahr der Theologisierung historischer Gewalt, dort die Reduktion existenzieller Dimensionen auf dokumentarische Faktizität; die Stärke der Rezension liegt folglich in der präzisen narratologischen und erkenntniskritischen Vermittlung dieser Differenz, durch die literarische Form selbst als epistemisches Instrument begreifbar wird. ]]></description>
		
		
		
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		<title>Kosmogonie und Sommersonnenwende auf dem Supermarktparkplatz: Célestin de Meeûs</title>
		<link>https://rentree.de/2026/07/11/kosmogonie-und-sommersonnenwende-auf-dem-supermarktparkplatz-celestin-de-meeus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jul 2026 02:07:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Célestin de Meeûs]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="191" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/719LsPy6jZL._UF10001000_QL80_-1-191x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/719LsPy6jZL._UF10001000_QL80_-1-191x300.jpg 191w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/719LsPy6jZL._UF10001000_QL80_-1.jpg 635w" sizes="(max-width: 191px) 100vw, 191px" />In Célestin de Meeûs, "Mythologie du .12" (2024) treffen an einem einzigen Sommersonnenwendabend in der belgischen Provinz zwei Welten aufeinander, die sich sonst nie begegnen: Théo, gerade volljährig und mit den letzten Prüfungen fertig, vertreibt sich mit seinem Freund Max die Zeit auf dem Parkplatz einer Einkaufszone, zwischen Bier, Joints und der Erinnerung an eine gescheiterte Beziehung, während der Chefarzt Rombouts nach einem langen Arbeitstag in seine Villa am Waldrand zurückkehrt, wo Ehe und Vaterrolle bereits zerbrochen sind. Als Théo und Max am Abend in genau jenes kürzlich erworbene Waldstück ziehen, das an Rombouts' Grundstück grenzt, registriert dieser von seiner Terrasse aus Stimmen und Lichtschein, hält die beiden für Einbrecher und erschießt Théo mit seiner Flinte vom Kaliber .12 – ein Akt aus Furcht, den der Roman nicht als plötzlichen Ausbruch, sondern als Endpunkt eines längst angelegten Gefälles aus Besitzdenken, verletzter Männlichkeit und familiärer Weitergabe von Gewalt erzählt. Der Aufsatz liest diese Erzählung als Auseinandersetzung mit dem im Titel angekündigten Mythos: Kurz vor dem Schuss ruft sich Théo den antiken Sukzessionsmythos von Uranos und dem Sohn Kronos ins Gedächtnis, in dem der Sohn den übermächtigen Vater entmannt, um eine neue Ordnung freizusetzen – doch der Roman kehrt dieses Muster um, denn hier tötet eine Vaterfigur einen fremden jungen Mann, um den eigenen Status zu verteidigen, sodass aus befreiender Ablösung sterile Wiederholung wird. Eigentum, Männlichkeitsideal und koloniales Erbe verdichten sich dabei, wie der Text zeigt, zu einer selbstgemachten Mythologie im Sinne Roland Barthes', die eine Tötung als Notwehr erscheinen lässt, während Form und Syntax des Romans – die endlosen, kaum von Punkten unterbrochenen Sätze, die Parallelführung der Schauplätze, das wiederkehrende Bild des „Nirgendwo" – diese Sinnverweigerung auf der Ebene der Sprache selbst vollziehen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Bauer als Seismograph der Katastrophe: France profonde bei Serge Joncour</title>
		<link>https://rentree.de/2026/07/04/der-bauer-als-seismograph-der-katastrophe-france-profonde-bei-serge-joncour/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 05:06:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="198" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71wtFQNX6tL._SL1299_-198x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71wtFQNX6tL._SL1299_-198x300.jpg 198w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71wtFQNX6tL._SL1299_-675x1024.jpg 675w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71wtFQNX6tL._SL1299_-768x1165.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71wtFQNX6tL._SL1299_.jpg 856w" sizes="(max-width: 198px) 100vw, 198px" />"Nature humaine" (2020) und "Chaleur humaine" (2023) bilden ein zusammenhängendes Roman-Diptychon, in dessen Zentrum der Bauer Alexandre Fabrier und der Hof „Les Bertranges“ im Département Lot stehen. "Nature humaine" erzählt in einer großen Rückblende den Zeitraum von der Dürre des Sommers 1976 bis zu den Orkanen von 1999 und verfolgt Alexandres Entwicklung vom Erben eines bäuerlichen Familienbetriebs über seine Politisierung im Umfeld der Anti-Atomkraft-Bewegung bis zur Sabotage eines Autobahnprojekts, während zugleich der Niedergang der traditionellen Landwirtschaft, die Auflösung familiärer Bindungen und seine Beziehung zur deutschen Naturschützerin Constanze entfaltet werden. "Chaleur humaine" setzt zwanzig Jahre später unmittelbar vor dem ersten Corona-Lockdown ein und zeigt denselben Hof unter den Bedingungen von Klimawandel, Artensterben und Pandemie, während die Familie erneut zusammenfindet und Alexandre nach Wegen sucht, Landwirtschaft, Naturschutz und familiäre Versöhnung miteinander zu verbinden. Die Interpretation argumentiert, dass Serge Joncour beide Romane nicht als ökologischen Thesenroman, sondern als literarische „Poetik der Verspätung und des Nachhalls“ gestaltet: Historische Großereignisse wie Tschernobyl, Globalisierung, Stürme oder Pandemie werden konsequent mit den unscheinbaren Veränderungen der Landschaft, der Tierwelt und des bäuerlichen Alltags verschränkt, sodass sich die globale Klimakrise erst in lokalen, körperlich erfahrbaren Zeichen erkennen lässt. Aus dieser Verbindung von Familienroman, historischem Roman und "roman du terroir" entwickelt Joncour eine Erzählweise, die den ländlichen Raum der "France profonde" als empfindlichen Seismographen gesellschaftlicher und ökologischer Umbrüche sichtbar macht und den langen, oft kaum wahrnehmbaren Wandel der Natur zum eigentlichen Gegenstand des Erzählens erhebt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der verzögerte Übertritt: Olivier Bleys</title>
		<link>https://rentree.de/2026/07/03/der-verzoegerte-uebertritt-olivier-bleys/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jul 2026 03:22:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2018]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Olivier Bleys]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/bleys-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/bleys-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/bleys.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Roman "Nous, les vivants" von Olivier Bleys (Albin Michel, 2018) erzählt die Geschichte des Hubschrauberpiloten Jonas Muñoz, der nach einem Schneesturm in einer Berghütte in den Anden eingeschlossen wird und gemeinsam mit dem geheimnisvollen Grenzhüter Jésus eine scheinbar reale Reise entlang der argentinisch-chilenischen Grenze unternimmt. Erst am Ende wird deutlich, dass Jonas bereits beim Hubschrauberabsturz gestorben ist und die gesamte Handlung seinen verzögerten Übergang vom Leben in den Tod darstellt. Die Interpretation argumentiert, dass Bleys diesen Übergang nicht durch einen überraschenden Schluss, sondern durch zahlreiche subtile Hinweise vorbereitet: Von da an entgleitet die Wirklichkeit in unauffälligen Zeichen: Die Uhr geht falsch, Stunden vergehen zwischen zwei Sätzen, der Alkohol in der Flasche wird nicht weniger, und Jésus, dessen Fußspuren im Schnee unmöglich leicht sind, spricht in Zukunftsformen über Jonas' Verbleib. Zeit und Raum verlieren ihre Ordnung, die Grenze wird zur Metapher für die Trennung von Leben und Tod, und das Verblassen von Erinnerungen und Fotografien symbolisiert das Loslassen der eigenen Existenz. Zur Begründung verweist die Interpretation auf Motive, Erzähltechnik, Figurenkonstellation und sprachliche Gestaltung. So konzentriert sie sich auf die allegorische Deutung des Romans. Bleys gestaltet literarisch mit seinem Roman weniger den Tod selbst als vielmehr den schwierigen Prozess des Abschieds und der Selbstaufgabe.]]></description>
		
		
		
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		<title>Férocité, Klasse, Körper: Female Gaze bei Caroline Laurent, Benoîte Groult, Éric Holder und D. H. Lawrence</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/29/ferocite-klasse-koerper-female-gaze-bei-caroline-laurent-benoite-groult-eric-holder-und-d-h-lawrence/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jun 2026 10:08:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Annie Ernaux]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="225" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71SyuJm-k1L._SL1500_-225x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71SyuJm-k1L._SL1500_-225x300.jpg 225w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71SyuJm-k1L._SL1500_-768x1024.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71SyuJm-k1L._SL1500_.jpg 1125w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" />Der Artikel nimmt vier Liebesgeschichten in den Blick, in denen Frauen Männer aus deutlich niedrigeren sozialen Klassen bzw. Milieus begehren, und macht daran eine präzise Verschiebung sichtbar: Frauen schauen auf Männer. Im Zentrum stehen dabei die Romane von Caroline Laurent (2026), Benoîte Groult, D. H. Lawrence und Éric Holder, mit einem Seitenblick auf Annie Ernaux. Ihr Begehren ist jedoch nie abstrakt, sondern stets an den Körper gebunden: an Arme, Hände, Rücken, an Haut, Arbeit, Bewegung. Während Lawrence den Körper des Wildhüters noch als beinahe mythische Quelle von Vitalität und Erlösung stilisiert und Groult ihn in eine lange, letztlich unüberbrückbare Klassendifferenz einbettet, zeigt Holder ihn in seiner stillen Materialität – als gezeichneten, arbeitenden Körper, der kaum Worte für sich hat. Laurents Roman geht darüber hinaus: Hier wird der männliche Körper mit einer Genauigkeit betrachtet, die weder verklärt noch entschuldigt, sondern zugleich begehrt und analysiert. Gerade darin liegt die argumentative Pointe des Artikels: Der „weibliche Blick“ ist keine einfache Umkehr des traditionellen Blickregimes, sondern eine widersprüchliche Praxis, in der sich Begehren, soziale Prägung und Selbstreflexion überlagern. Die Liebe überschreitet zwar die Grenze zwischen den Klassen, hebt sie aber nicht auf; sie macht sie vielmehr am Körper selbst sichtbar. Am Ende verschiebt sich der Fokus noch einmal: Entscheidend ist nicht die Erfüllung der Beziehung, sondern das Schreiben darüber – als Akt, der das Erlebte festhält, zuspitzt und dem weiblichen Blick eine eigene, souveräne Form gibt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Wo die Jungs hinfahren: Alix Boirot</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/21/wo-die-jungs-hinfahren-alix-boirot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 05:34:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="198" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/69d4b7128932dce6d1673026_BOIROT_OuVontGarcons-198x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/69d4b7128932dce6d1673026_BOIROT_OuVontGarcons-198x300.jpg 198w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/69d4b7128932dce6d1673026_BOIROT_OuVontGarcons-674x1024.jpg 674w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/69d4b7128932dce6d1673026_BOIROT_OuVontGarcons-768x1166.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/69d4b7128932dce6d1673026_BOIROT_OuVontGarcons-1011x1536.jpg 1011w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/69d4b7128932dce6d1673026_BOIROT_OuVontGarcons-1348x2048.jpg 1348w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/69d4b7128932dce6d1673026_BOIROT_OuVontGarcons.jpg 1594w" sizes="auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px" />Die Studie der Anthropologin Alix Boirot zeigt, dass der sommerliche Partytourismus als verdichtetes soziales Labor fungiert, in dem Männlichkeit nicht einfach ausgelebt, sondern unter hohem Performanzdruck hergestellt wird: Ausgehend von einem medial geprägten „touristischen Imaginären“, das Frauen als verfügbare Objekte eines männlichen Blicks inszeniert, reisen die jungen Männer mit einem vorab internalisierten Skript an – sichtbar etwa in den frühen Abenden auf der Straße, wenn sie auf die Beschreibung eines Clubs fast reflexhaft mit der Frage reagieren, ob „da Mädchen“ seien, oder in den Schlafsälen, wo noch vor der ersten Nacht halb im Scherz, halb im Ernst ausgehandelt wird, wer im Fall einer „Eroberung“ das Zimmer räumt. In der Praxis erweist sich dieses Skript jedoch als widersprüchlich: Der scheinbar entgrenzte Hedonismus ist streng reguliert („kontrollierter Kontrollverlust“), und die Nächte folgen ritualisierten Abläufen – vom kollektiven Vorglühen mit billigem Alkohol über das dichte Gedränge vor den Clubs bis hin zur exzessiv choreografierten Ekstase auf der Tanzfläche, deren Spuren sich am Morgen in klebrigen Böden, leeren Flaschen und stolz präsentierten Erinnerungslücken materialisieren. Die eigentliche Bühne ist dabei weniger heterosexuell als homosozial organisiert: Wenn ein junger Mann seine Trinkfestigkeit demonstrativ überschreitet oder eine flüchtige Annäherung überzeichnet erzählt, richtet sich die entscheidende Anerkennung nicht an die anwesenden Frauen, sondern an die Blicke und Kommentare seiner Freunde. Im Anschluss an Konzepte wie „doing gender“ und „hegemoniale Männlichkeit“ wird sichtbar, dass Männlichkeit hier als prekäre, ständig zu erneuernde Leistung erscheint, deren Scheitern – etwa wenn die erwarteten sexuellen Begegnungen ausbleiben und sich stattdessen nur ein distanziertes Nebeneinander auf der Tanzfläche einstellt – in Selbstzweifel, aber auch in Schuldumkehr umschlagen kann, etwa wenn ein zurückgewiesenes Gespräch vor dem Club in spöttische oder aggressive Kommentare kippt. Zugleich legt die Untersuchung die strukturelle Einbettung dieser Performanzen offen – in ökonomisch gesteuerte Erlebnisindustrien, in denen Schlepperinnen draußen künstlich Fülle versprechen und Türsteher durch Preise selektieren –, sodass sich die sommerliche „Leichtigkeit“ als ritualisierte Praxis sozialer Differenzierung und Machtreproduktion erweist, die gerade in ihren scheinbar beiläufigen Szenen – dem Griff zur Kondompackung im Koffer, dem Anstoßen im Kreis der Freunde, dem kurzen, folgenlosen Flirt im Stroboskoplicht – ihre eigentliche soziale Dichte entfaltet.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Putins Russland, Homophobie und Papierfranzosen bei Sergueï Shikalov</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/15/putins-russland-homophobie-und-papierfranzosen-bei-serguei-shikalov/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 04:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Sergueï Shikalov]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL-1398x2048.jpg 1398w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/7144-A7WomL.jpg 1653w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Aufsatz liest Sergueï Shikalovs "Espèces dangereuses" (Seuil, 2024) als poetologisch hochreflexiven Text über Homophobie im postsowjetischen Russland, in dem eine ganze Generation schwuler Männer zwischen einem kurzen historischen "Frühling“ und einer erneuten autoritären Eiszeit sichtbar wird. Im Zentrum steht dabei weniger eine lineare Handlung als eine kollektive Erfahrungsform, die sich im unbestimmten "on“ artikuliert: eine litaneiartige, fragmentierte Rede, die individuelle Biographie zugunsten eines geteilten, von Gewalt, Scham und prekärem Begehren gezeichneten Daseins suspendiert. Gerade diese Verweigerung des Ichs wird zur ästhetischen Strategie, die das Verschwinden dokumentiert und zugleich konterkariert, indem sie aus Anonymisierung ein Verfahren der Zeugenschaft macht. Die Thematisierung von Homophobie erscheint dabei nicht nur als soziale Realität – in Gestalt von Übergriffen, institutioneller Gleichgültigkeit und politischer Repression –, sondern als diskursive Ordnung, die Körper klassifiziert, entwertet und aus dem Sagbaren verdrängt. Entscheidend ist, dass der Roman diese Erfahrung in der erlernten französischen Sprache formuliert, die als Medium des Exils einen paradoxen Raum eröffnet: Distanz und Artikulationsmöglichkeit fallen zusammen, sodass das Unsagbare überhaupt erst sagbar wird. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Frage der französischen Staatsbürgerschaft Kontur: Sie markiert zwar einen juristischen und existentiellen Bruch, bleibt jedoch – wie Shikalovs Essay "Français de papier" (2025) zeigt – ambivalent, insofern Zugehörigkeit weiterhin unter Vorbehalt steht und sich die Logiken der Ausgrenzung in neuer Form fortschreiben.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zwei Blicke auf David Hockney: Catherine Cusset und Fabrice Gaignault</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/13/zwei-blicke-auf-david-hockney-catherine-cusset-und-fabrice-gaignault/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Jun 2026 04:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
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		<category><![CDATA[Fabrice Gaignault]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="182" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81x28gfhwCL._SL1500_-182x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81x28gfhwCL._SL1500_-182x300.jpg 182w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81x28gfhwCL._SL1500_-622x1024.jpg 622w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81x28gfhwCL._SL1500_-768x1265.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81x28gfhwCL._SL1500_.jpg 911w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" />Beide Bücher umkreisen David Hockney und treffen ihn doch von entgegengesetzten Seiten: Catherine Cussets "Vie de David Hockney" (Gallimard, 2018) erzählt als biografischer Roman das Leben des Malers von innen – von der Bradforder Kindheit, in der unter dem Pinsel des Vaters rostiges Metall leuchtend rot wird und "die Welt die Farbe wechselt", bis zur späten Meisterschaft –, getragen von freier indirekter Rede, die den Erzähler hinter der Figur verschwinden lässt und Hockneys Begehren, Trotz und Lebensfreude zur eigentlichen Substanz macht; Fabrice Gaignaults "Patrick Procktor, le secret de David Hockney" (Séguier, 2022) dagegen nähert sich ihm vom Rand, als essayistische Ermittlung über den vergessenen Freund, Rivalen und "Zwilling" Patrick Procktor, der einst voraus war und schließlich mittellos und vergessen starb, während Hockney zum teuersten lebenden Maler der Welt aufstieg. Die vorliegende Interpretation führt die beiden Bücher kontrastiv gegeneinander – durch Erzählhaltung, Figurenkonstruktion, das Verhältnis von Erfolg und Scheitern, die Darstellung von Schöpfung und Homosexualität, die Ekphrasis und schließlich die Tatsache, dass beide dieselben Schlüsselwerke besprechen, "A Bigger Splash" und "Portrait of an Artist". An diesen identischen Bildern lässt sich verfolgen, wie zwei unvereinbare Wahrheiten entstehen: die des Lebens, von innen erlebt, und die des Nachruhms, von außen vermessen. Mit der Frage, warum von zwei eng verwandten Begabungen die eine in den Auktionshimmel aufsteigt und die andere im Anonymen versinkt – und was es über das Schreiben selbst aussagt, wenn eine Apologie der Freude und eine Elegie des Vergessens auf denselben Maler blicken –, ist der Einsatz des Vergleichs umrissen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das Intime als politische Technik: Thesen zu Édouard Louis</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/11/das-intime-als-politische-technik-thesen-zu-edouard-louis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 09:36:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Edouard Louis]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/9782080431738-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/9782080431738-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/9782080431738.jpg 293w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Dieser Artikel liest Édouard Louis' Werk als ein geschlossenes poetologisches Projekt und fragt danach, wie seine Texte die Grenzen zwischen autobiografischem Erzählen, soziologischer Analyse und politischer Intervention überschreiten. Ausgehend von den Begriffen der „Konfrontationsliteratur“ und des „Intimismus“, die Louis in seinem jüngsten Gesprächsband "Que faire de la littérature ?" (2025) entwickelt, werden zehn Deutungsansätze vorgestellt, die die formalen Verfahren, thematischen Konstanten und strategischen Verschiebungen seines Schreibens sichtbar machen. Im Zentrum steht die Frage, ob sich im Verlauf des Werks eine Reifung des Autors oder vielmehr eine Verfeinerung seiner literarischen Mittel beobachten lässt – und wie Louis mit seinen Texten nicht nur erzählen, sondern seine Leserinnen und Leser dazu zwingen will, das zu sehen, was sie allzu leicht verdrängen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Reaktionäre Männlichkeit als leere Provokation: Côme Martin-Karl</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/01/reaktionaere-maennlichkeit-als-leere-provokation-come-martin-karl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 12:04:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Côme Martin-Karl]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71ibPSeZ-nL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71ibPSeZ-nL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71ibPSeZ-nL._SL1500_-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71ibPSeZ-nL._SL1500_-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71ibPSeZ-nL._SL1500_.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Côme Martin-Karls Roman "La réaction" (2019) führt seine Leserinnen und Leser in die bizarre Welt französischer Reaktionäre, Online-Trolle, katholischer Integralisten und monarchistischer Splittergruppen, deren politischer Radikalismus zunehmend ins Komische kippt. Im Mittelpunkt steht Matthieu Richard, ein junger Mann ohne festen Halt, der sich weniger aus Überzeugung als aus Lust an Provokation und Außenseitertum in dieses Milieu treiben lässt. Der Aufsatz zeigt, wie der Roman mit satirischer Schärfe die Rituale, Sprachformen und Selbstbilder einer Szene offenlegt, die ständig von Größe, Tradition und Untergang spricht, dabei jedoch von inneren Widersprüchen und politischer Inhaltsleere geprägt ist. Im Zentrum der Argumentation steht die These, dass Martin-Karl nicht in erster Linie rechte Ideologien karikiert, sondern eine Form männlicher Selbstinszenierung, in der politische Positionen zu Requisiten einer Pose werden. Anhand der Erzählweise, der Figurenbeziehungen und der spannungsreichen Verbindung von politischer Radikalität und homosexuellem Begehren arbeitet die Interpretation heraus, wie der Roman die vermeintliche Härte seiner Protagonisten als Ausdruck eines tiefen Bedürfnisses nach Anerkennung und Besonderheit entlarvt. So erscheint "La réaction" letztlich weniger als politischer Roman denn als brillante Satire auf Männlichkeit, Distinktionssucht und die Verwandlung von Politik in ein Spiel der Selbstdarstellung.]]></description>
		
		
		
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		<title>Trilogie der Männlichkeit: Franck Mignot</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/29/trilogie-der-maennlichkeit-franck-mignot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 13:14:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Franck Mignot]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/faire-avec-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/faire-avec-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/faire-avec.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Aufsatz liest Franck Mignots drei Romane "Mollesse" (2023), "Les Viandards" (2025) und "Faire avec" (2026) als zusammenhängendes erzählerisches Projekt, das eine Genealogie erschöpfter Männlichkeit entwirft. Ausgehend von den programmatischen Titeln, die Erschlaffung, Raubtierhaftigkeit und resignatives Arrangement meinen, arbeitet die Analyse heraus, wie Mignot die Krise männlicher Rollenbilder nicht als spektakulären Zusammenbruch, sondern als langsamen Prozess der Entkräftung beschreibt. Im Zentrum steht die These, dass die drei Romane eine Bewegung vom eruptiven Gewaltakt zur erschöpften Dauerexistenz nachzeichnen: vom mordenden Samuel in "Mollesse" über den kindlichen Beobachter in "Les Viandards" bis zum müden, bleibenden Bertrand in "Faire avec". Der Aufsatz verfolgt diese Entwicklung nicht werkchronologisch, sondern entlang wiederkehrender Strukturmomente – Sprachlosigkeit, Begehren, Vaterschaft, Geschlechterasymmetrie, Raumpoetik und Schreibpraxis – und zeigt, wie sich die Bücher gegenseitig hin auf eine narrative Studie zum Mannsein kommentieren und erhellen. Besonderes Gewicht erhält dabei die Analyse von Mignots Lakonik: Die nüchterne, parataktische Prosa erscheint nicht bloß als Stilmittel, sondern als ethische Haltung einer Welt, in der den Figuren jede stabile Werteordnung abhandengekommen ist. Der Aufsatz argumentiert, dass Mignots Romane den klassischen Bildungsroman systematisch verweigern und stattdessen eine „Chronik des Unveränderlichen“ entwerfen, in der Entwicklung durch Wiederholung ersetzt wird. Gerade darin liegt eine Radikalität der Trilogie: Nicht Katharsis oder Heilung, sondern das erschöpfte „Weiterleben mit dem, was übrig bleibt“ bilde den Horizont dieser Texte. Indem die Studie Mignots Werk zugleich als Milieuchronik, Poetik des Verstummens und Reflexion moderner Männlichkeit liest, macht sie sichtbar, wie eng Form, Sprache und Thema in dieser Trilogie miteinander verschränkt sind.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die Niederlage der Sieger: Laurent Gaudé</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/24/die-niederlage-der-sieger-laurent-gaude/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 May 2026 17:17:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2016]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Laurent Gaudé]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="159" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/61uuo7r2AUL._AC_UF8941000_QL80_-159x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/61uuo7r2AUL._AC_UF8941000_QL80_-159x300.jpg 159w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/61uuo7r2AUL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 530w" sizes="auto, (max-width: 159px) 100vw, 159px" />Laurent Gaudés bislang unübersetzter Roman "Écoutez nos défaites" (2016) ist ein polyphon komponierter Text, der fünf Erzählstränge – vom zeitgenössischen Geheimdienstmilieu bis zu historischen Kriegsschauplätzen (u. a. Hannibal, Grant, Hailé Sélassié) – zu einem dichten Geflecht existenzieller Erfahrungen verbindet, in dessen Zentrum nicht der Sieg, sondern die Niederlage als universale Kategorie steht: militärisch, moralisch und psychisch. Anschauliche, eindringliche Szenen – etwa Grants kalkulierende Kälte nach dem Massaker, Hannibals Konfrontation mit dem Tod des Bruders oder die traumatische Wahrnehmung des Soldaten Sicoh – illustrieren eine Poetik der Stille im Kern der Gewalt, in der Figuren nicht handeln, um zu überwinden, sondern von ihren Erfahrungen belagert werden. Die Rezension liest den Roman als radikale Absage an die Idee des „sauberen Sieges“ und als Kritik gegenwärtiger Remilitarisierung, indem sie die historischen und gegenwärtigen Ebenen systematisch verschränkt. Methodisch arbeitet sie mit paradigmatischen Szenen, die exemplarisch eine Ethik der Niederlage entfalten, und steigert diese zu einer normativen These: Würde entsteht nicht im Triumph, sondern im Umgang mit Verlust. Die Montage der Zeiten und Perspektiven erzeugt keine lineare Entwicklung, sondern eine Bewegung des fortwährenden Übergangs, in der sich Innen- und Außenwelt unauflöslich durchdringen. Die modernen Figuren fungieren als existentielle Resonanzräume der historischen Kriegerfiguren: Assem und Sullivan verkörpern das „Schwanken“ moderner Gewaltakteure, deren Handeln sich im Nachhinein als sinnentleert erweist und die an der Frage nach dem Sinn ihrer Einsätze zerbrechen. Mariam hingegen bildet das entscheidende Gegengewicht, indem sie als Archäologin und Hüterin des kulturellen Gedächtnisses eine Praxis der Bewahrung und Weitergabe verkörpert, die sich jener Logik von Zerstörung und Niederlage entzieht. Während die Agenten im Verschwinden begriffen sind, insistiert Mariam auf der Möglichkeit von Kontinuität – nicht durch Sieg, sondern durch Erinnerung. Der Roman verweigert einen abschließenden Sinn – es gibt weder kathartische Auflösung noch heroische Überhöhung – und erreicht eine seltene Verbindung von erzählerischer Intensität und ethisch-politischer Reflexion.]]></description>
		
		
		
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		<title>Verbergen und Zeigen: die Gewalt der Kunst bei Benjamin de Laforcade</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/21/verbergen-und-zeigen-die-gewalt-der-kunst-bei-benjamin-de-laforcade/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2026 03:59:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin de Laforcade]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/9782072961120_1_75-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/9782072961120_1_75-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/9782072961120_1_75.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Benjamin de Laforcades Roman "Rouge nu" (Gallimard, 2022) situiert sich um ein paradoxes Zentrum: ein berühmtes Gemälde, das gerade durch seine Unsichtbarkeit Wirkungsmacht entfaltet, indem es – verborgen in einem architektonisch inszenierten Schutzraum – zugleich Mythos und Marktwert steigert, während es eine gewaltsame Geschichte birgt; im Fokus steht die Figur des Malers Andreas Mauser und das Modell Izabela, deren Körper im Akt der künstlerischen Produktion zum Schauplatz von Gewalt wird, die im Diskurs des Geniekults systematisch verschwiegen wird. Die Rezension arbeitet diesen Zusammenhang als dialektisches Verhältnis von Zeigen und Verbergen heraus und liest die ästhetische Technik des Übermalens und Freilegens als Metapher für die kulturelle Logik des Kunstbetriebs: Sichtbarkeit ist selektiv produziert, Unsichtbarkeit nicht bloß Abwesenheit, sondern aktive Verdrängung. Nadeije Laneyrie-Dagens kunsthistorische Studie "Cacher/montrer: une histoire des œuvres invisibles en Occident" (Gallimard, 2024) zeichnet von der Prähistorie bis zur Gegenwart nach, dass Kunstwerke im Westen lange nicht auf permanente Sichtbarkeit angelegt waren, sondern ihre Wirkung gerade aus ritualisierten Praktiken des Verbergens und selektiven Zeigens bezogen, wodurch Sichtbarkeit als historisch regulierte Form von Macht, Begehren und sozialer Kontrolle erscheint. Der Aufsatz verschränkt die narrative Struktur des Romans mit solchen Überlegungen und zeigt so, dass das "unsichtbare" Kunstwerk weniger ein Objekt als ein Dispositiv ist, das Machtverhältnisse stabilisiert.]]></description>
		
		
		
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		<title>Körper als Schlachtfeld: Boris Bergmann</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/19/koerper-als-schlachtfeld-boris-bergmann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 04:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Bergmann]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/cover-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/cover-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/cover-643x1024.jpg 643w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/cover-768x1223.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/cover-964x1536.jpg 964w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/cover-1286x2048.jpg 1286w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/cover.jpg 1381w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Boris Bergmanns "Les Corps insurgés" (2020) entwirft in einer kunstvoll verschränkten Triptychonstruktur die Lebenslinien dreier Figuren – des Renaissancekünstlers Lorenzo, des Pariser 68ers Baptiste und des gegenwärtigen Migranten Tahar –, deren Erfahrungen jeweils entlang einzelner Körperteile organisiert sind und so eine Poetik des Körpers als historischem Speicher und politischem Austragungsort entfalten: Wangen, Speiseröhre, Leber oder Herz fungieren nicht nur als anatomische Marker, sondern als semantische Verdichtungen von Scham, Begehren, Gewalt und Widerstand, wodurch individuelle Biographien in größere Macht- und Diskurszusammenhänge eingebettet werden. Dabei greift die formale Anlage erkennbar auf die Tradition der "Blasons" zurück, also jener frühneuzeitlichen Gattung, die einzelne Körperteile rhetorisch isoliert und poetisch überhöht, und transformiert sie in eine moderne, gebrochene Ästhetik, in der Fragmentierung nicht mehr der Feier, sondern der Problematisierung des Körpers dient. Die Argumentation des Romans – und dies ist zugleich seine ästhetische Pointe – vollzieht sich weniger diskursiv als strukturell, indem die Parallelmontage der drei Zeitebenen Analogien und Kontraste erzeugt: Während Lorenzo den Körper als Ort künstlerischer Transgression gegen kirchliche Autorität erprobt, zeigt sich bei Baptiste die schleichende Erstarrung eines einst politisierten Körpers, und Tahars Geschichte radikalisiert diese Linie zur existentiellen Zuspitzung im Zeichen von Migration, Prekarität und möglicher Selbstvernichtung. Gerade in der konsequenten Rückbindung sozialer und ideologischer Prozesse an körperliche Erfahrung liegt die argumentative Schärfe des Textes, der Gewalt nicht abstrakt verhandelt, sondern als Einschreibung in den Körper begreift und im finalen Umschlag – Tahars Entscheidung für das Leben im Moment der möglichen Detonation – eine fragile, aber insistente Gegenfigur zur Logik der Zerstörung entwirft.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Gesang im Chaos: Apokalypse, Nomadentum und Widerstand bei Mathieu Belezi</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/22/gesang-im-chaos-apokalypse-nomadentum-und-widerstand-bei-mathieu-belezi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2026 07:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Mathieu Belezi]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="209" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/images-21-209x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/images-21-209x300.jpeg 209w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/images-21.jpeg 373w" sizes="auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px" />Mathieu Belezis "Cantique du chaos" entwirft eine nachapokalyptische Welt, die aus einem biblisch überhöhten Sintflutereignis hervorgegangen ist und deren politische wie existenzielle Ordnung von Gewalt, Leere und Entwurzelung geprägt ist: Im Zentrum steht der alternde Desperado Théo Gracques, der nach einem gescheiterten Rückzug als Eremit mit Chloé und deren Kindern quer durch das zerstörte Europa und Amerika flieht, während sich seine Gegenwart unablässig mit den lyrisch verdichteten Erinnerungen an die verlorene Liebe Léonore und den Tod des gemeinsamen Kindes verschränkt; nach weiteren Verlusten und zunehmendem körperlichen Verfall endet seine Bewegung im Stillstand am Orinoco, wo er stirbt und sein letztes Gedicht einer jungen Frau überlässt, die es memorierend bewahrt. Der Aufsatz liest diesen Handlungsbogen als dreifach strukturierte Poetik – zwischen Road Novel, Epos und Lyrikzyklus –, in der das Unterwegssein zugleich räumliche Bewegung, Erinnerungsarbeit und Sterbeprozess ist, und arbeitet präzise heraus, wie Belezi durch die Verschränkung eines mythischen Eingangsgesangs, prosaischer Fluchtkapitel und poetischer Tagebucheinträge eine „Poetik des Endes“ etabliert: Schreiben erscheint hier nicht als Repräsentation von Welt, sondern als letzte autonome Handlung in einer Welt ohne Alternativen. Die gattungshybride Form wird hierbei als Antwort auf die dargestellte Katastrophe gedeutet – die barocke Sprachfülle gegen die Leere der verwüsteten Welt, die lyrische Zeitenthobenheit gegen die Linearität des Verfalls, die weiblichen Figuren als Trägerinnen von Handlung und Überlieferung gegen den erschöpften männlichen Erzähler. Indem sie diese formalen und thematischen Linien engführt, zeigt die Rezension den Roman nicht nur als dystopische Erzählung, sondern als Reflexion über die Bedingungen von Literatur selbst: Das „Cantique“ wird zur letzten, prekär fortbestehenden Form von Sinnstiftung im Angesicht totaler Desintegration.
]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tous coupables: der Pelicot-Prozess als Dokumentartheater von Milo Rau und Servane Dècle</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/21/tous-coupables-der-pelicot-prozess-als-dokumentartheater-von-milo-rau-und-servane-decle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 14:53:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Milo Rau]]></category>
		<category><![CDATA[Servane Dècle]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="193" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782080153494_1_75-193x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782080153494_1_75-193x300.jpg 193w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782080153494_1_75.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Milo Rau und Servane Dècle haben aus dem Prozessmaterial der Vergewaltigungen von Mazan ein Oratorium in 40 Fragmenten geschaffen, "Le Procès Pelicot", das den historischen Strafprozess gegen Dominique Pelicot und seine 50 Mitangeklagten in ein vielstimmiges Theaterdokument verwandelt: Anklageschriften, Zeugenaussagen, Straßeninterviews, psychiatrische Expertisen, feministische Manifeste, Täterbiographien und SMS-Dialoge werden zu einem Panorama montiert, das nicht die juristische Wahrheit, sondern die gesellschaftliche Tiefenstruktur der Gewalt sichtbar machen will. Die vorliegende Interpretation verfolgt, wie Rau dabei auf mehreren Ebenen zugleich operiert: poetologisch durch die Wahl des Oratoriums als Form der meditativen Vergegenwärtigung ohne szenische Handlung, intertextuell durch die Rahmung mit Petrarcas "Ascension du mont Ventoux" als Kritik des male gaze, und dramaturgisch durch eine Anordnung der 40 Fragmente, die vom äußeren Rechtsrahmen über Täterbiographien und soziologische Analyse bis zu feministischer Gegenrede führt. Dabei zeigt die Interpretation, dass Raus stärkste Entscheidungen oft Entscheidungen der Auslassung sind: kein Pathos, keine politische Klasse, keine Synthese der offenen Gerechtigkeitsfragen. Im Zentrum steht Gisèle Pelicot selbst – nicht als Heilige oder Ikone, sondern als politische Akteurin, deren Weigerung, den Huis-clos zu akzeptieren, zur Grundgeste des gesamten Stücks wird und die im Epilog, jenseits der 40 nummerierten Fragmente, das letzte Wort behält.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zugehörigkeit als Ausschluss: die fremde Sprache und der Vater als Yekkes bei Dory Manor</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/08/zugehoerigkeit-als-ausschluss-die-fremde-sprache-und-der-vater-als-yekkes-bei-dory-manor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 02:14:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Manor Dory]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Roman zeigt, wie jüdische Identität zugleich als historischer Schutz und als normierende Einschreibung im Körper wirkt und den Einzelnen in ein unauflösbares Spannungsverhältnis zwischen Diaspora und israelischer Zugehörigkeit stellt. Ein Sohn schreibt seinem toten Vater in einer fremden Sprache und zeigt dabei, wie sich Geschichte, Herkunft und Macht unauslöschlich in Körper, Namen und Begehren einschreiben – und wie man ihnen nur entkommt, indem man sie neu erzählt. Manor Dorys "Le Gorille" (Grasset, 2026) untersucht, wie Identität durch historische, körperliche und sprachliche Einschreibungen hervorgebracht wird – und wie sich diese Einschreibungen nicht überwinden, sondern nur transformieren lassen. Ausgangspunkt ist die Konstellation eines autobiographisch grundierten Briefromans, in dem ein Sohn seinem toten Vater, um sich dessen Zugriff zu entziehen und ihn zugleich literarisch neu zu erzeugen. Von hier aus rekonstruiert der Aufsatz die zentralen Bewegungslinien des Textes: die Kindheitserfahrung eines körperlich und symbolisch abweichenden Vaters (Nicht-Beschneidung, Namenswechsel von Reinhard zu Ezer), die eigene Adoleszenz als Phase der gewaltsamen Annäherung an eben diesen Körper und der gleichzeitigen Abwehr (bis hin zur Psychiatrie-Episode und homoerotischen Regungen), sowie das Erwachsenenleben, in dem sich die genealogischen, politischen und erotischen Konflikte in einer transnationalen Existenz zwischen Tel Aviv, Berlin und Paris bündeln. Die Interpretation liest den Roman entlang der These, dass unterschiedliche Machtordnungen – Familie, Religion, Staat, Männlichkeit – homolog funktionieren, insofern sie den Körper markieren, disziplinieren und lesbar machen; die Beschneidung wirkt als paradigmatische Figur, wird jedoch durch Namen, Sprachen und institutionelle Praktiken erweitert. Besondere Aufmerksamkeit gilt den poetologischen Verfahren: der Wahl des Französischen als „privater“ Sprache des Schreibens, der Mosaikstruktur als Abbild eines nicht-linearen Gedächtnisses, der Figur des Deadnamings als Schnittstelle von zionistischer Namenspolitik und queer-theoretischem Denken. Zugleich arbeitet die Rezension die zentrale Paradoxie jüdischer Existenz heraus, die der Roman in eine prägnante Bildform bringt: Was in Europa Überleben sicherte (der unbeschnittene Körper), bedeutet in Israel Ausschluss – eine historische Verkehrung, die sich im Körper des Vaters realisiert und im Schreiben des Sohnes explizit gemacht wird. In dieser Perspektive erscheint das Schreiben selbst als ambivalente Praxis: nicht als Befreiung von Gewalt, sondern als deren Verlagerung in eine selbstbestimmte Form, als „Übersetzung“, die Treue nur durch Verrat ermöglicht. Der Schluss – die Ankündigung eines unbeschnittenen, mehrsprachigen Kindes – wird als bewusste Unterbrechung eines Einschreibungszusammenhangs gedeutet, dessen Fortwirken der Roman zugleich reflektiert und nicht aufhebt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Francia als neue Marianne: Allegorie eines kaleidoskopischen Frankreich bei Nancy Huston</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/07/francia-als-neue-marianne-allegorie-eines-kaleidoskopischen-frankreich-bei-nancy-huston/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2026 05:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Nancy Huston]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="159" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/huston-159x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/huston-159x300.jpg 159w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/huston.jpg 530w" sizes="auto, (max-width: 159px) 100vw, 159px" />"Francia" (Actes Sud, 2024) von Nancy Huston ist ein zugleich erzählerisch konzentrierter und thematisch weit ausgreifender Roman: Im Zentrum steht die transgeschlechtliche Protagonistin Francia, die aus Kolumbien stammt und die der Roman an einem Maitag im Pariser Bois de Boulogne als Sexarbeiterin begleitet; dieser streng eingegrenzte Zeitrahmen bildet die Bühne für ein vielstimmiges Panorama, in dem siebzehn männliche Kunden – aus unterschiedlichen sozialen, kulturellen und biographischen Kontexten – nacheinander auftreten und ihre verborgenen Bedürfnisse, Traumata und Selbsttäuschungen offenbaren. Durch Rückblenden entfaltet sich zugleich Francias eigene Geschichte vom als Rubén geborenen Kind über die Transition bis hin zur selbstgewählten Identität, die sich im Namen „Francia“ programmatisch mit dem Land Frankreich verschränkt. Der Roman konstruiert so ein „kaleidoskopisches Porträt“ der französischen Gegenwartsgesellschaft, in dem Fragen von Migration, Geschlecht, Männlichkeit und sozialer Ungleichheit ineinandergreifen. Die Interpretation deutet, dass Francia als eine „neue Marianne“ gelesen werden kann, also als moderne Allegorie der französischen Republik selbst: Ihr Körper, ihre hybride Identität und ihre soziale Position bündeln die Widersprüche eines Landes, das von postkolonialer Vielfalt, sozialen Spannungen und kollektiven Traumata geprägt ist. Entsprechend argumentiert der Aufsatz, dass Francia nicht nur individuelle Figur, sondern symbolische Projektionsfläche nationaler Selbstverständigung ist. Dabei wird besonders die doppelte Perspektivstruktur herausgestellt – die expansive Innensicht der Männer versus Francias nüchterne, professionelle Außenwahrnehmung –, aus der sich eine implizite Kritik männlicher Selbstdeutung ergibt: Die Männer erscheinen weniger als autonome Subjekte denn als von Begehren, Angst und gesellschaftlichen Erwartungen Getriebene. Zentral ist ferner die These der Universalisierung von „Prostitution“ als sozialem Prinzip („tout le monde est pute“), die die moralische Sonderstellung der Sexarbeit aufhebt und stattdessen Austausch, Bedürftigkeit und Inszenierung als allgemeine menschliche Praktiken deutet. Die Interpretation liest Hustons Verfahren des Multiperspektivismus, der Polyphonie und der metafiktionalen Selbstreflexion (Figur der „Griffonne“) als poetologisches Programm: Literatur erscheint selbst als Akt der Einfühlung und Aneignung, der ethisch riskant, aber erkenntnisproduktiv ist. Insgesamt zeichnet sie den Roman als zugleich politischen und zutiefst empathischen Text, der gesellschaftliche Konfliktlinien nicht didaktisch auflöst, sondern in der Figur Francias – als „neuer Marianne“ – verdichtet und sichtbar macht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Genealogie des Hasses: Autobiographie, Antisemitismus und die Poetik der Geschichte bei Édouard Drumont und Christophe Donner</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/06/genealogie-des-hasses-autobiographie-antisemitismus-und-die-poetik-der-geschichte-bei-edouard-drumont-und-christophe-donner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Apr 2026 09:48:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
		<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Christophe Donner]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="182" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-182x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-182x300.jpg 182w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-622x1024.jpg 622w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-768x1265.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0-932x1536.jpg 932w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/150854_couverture_Hres_0.jpg 1214w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" />Christophe Donners Roman "La France goy" breitet, wie der Aufsatz herausarbeitet, ein genealogisches Erzählprojekt aus, in dem individuelle Familiengeschichte und kollektive Ideologiegeschichte ineinandergreifen: Ausgangspunkt ist die archivalische Spurensuche des Ich-Erzählers nach seinem Urgroßvater Henri Gosset, die sich rasch zu einer weit ausgreifenden Rekonstruktion des französischen Antisemitismus seit dem späten 19. Jahrhundert erweitert. Über Gossets soziale Mobilität und seine Verstrickung in das Umfeld von Léon Daudet und Edgar Bérillon wird die Familie direkt in das ideologische Netzwerk der Zeit eingebunden, während parallel die Biographie Édouard Drumonts als „Anatomie des Hasses“ entfaltet wird, die zeigt, wie persönliches Scheitern, soziale Kränkung und mediale Strategien zu einer wirkungsmächtigen antisemitischen Erzählung kondensieren. Ergänzt wird dieses Geflecht durch Gegenfiguren wie die anarchistische Marcelle Bernard sowie durch die genealogische Perspektive auf den Großvater Jean Gosset, dessen Tod im Konzentrationslager die historischen Linien brutal kulminieren lässt. Die Interpretation argumentiert, dass Donners Verfahren weder rein autobiographisch noch klassisch historisch ist, sondern als „genealogische Archäologie“ eine reflexive Poetik des Archivs entwickelt, in der Dokumente, Fiktion und Selbstbeobachtung ineinandergreifen und die Grenzen zwischen Selbst- und Fremdbiographie systematisch unterlaufen werden. Zentral ist dabei die These einer strukturellen Kontinuität des Antisemitismus, die nicht diskursiv behauptet, sondern erzählerisch vorgeführt wird, indem der Roman ideologische, sprachliche und affektive Sedimente über Generationen hinweg sichtbar macht. Donners literarische Leistung wird darin gesehen, den Antisemitismus nicht nur moralisch zu verurteilen, sondern seine ästhetischen und narrativen Attraktionskräfte offenzulegen: Drumonts Erfolg wird als Resultat einer erzählerischen Logik verstanden, die diffuse Ressentiments in eine kohärente Geschichte überführt. Daraus ergibt sich ein anspruchsvoller kritischer Zugriff, der das Schreiben selbst als ambivalente Macht begreift – als Medium sowohl der ideologischen Verführung als auch der aufklärerischen Gegenarbeit – und der den Roman insgesamt als Versuch liest, durch die literarische Durchdringung genealogischer Verstrickungen eine Form von historischer Erkenntnis zu gewinnen, die über bloße Faktizität hinausgeht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das Monster und sein Doppel: Pierre Rivière bei Michel Foucault und Ismaël Jude</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/01/das-monster-und-sein-doppel-pierre-riviere-bei-michel-foucault-und-ismael-jude/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2026 01:07:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
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		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Ismaël Jude]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Foucault]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="194" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/grief-194x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/grief-194x300.jpg 194w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/grief-661x1024.jpg 661w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/grief-768x1190.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/grief.jpg 968w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Die Rezension stellt zwei radikal unterschiedliche, aber untrennbar miteinander verschränkte Bücher ins Zentrum: den von Michel Foucault herausgegebenen Dokumentarband "Moi, Pierre Rivière, ayant égorgé ma mère, ma sœur et mon frère", der den historischen Dreifachmörder Pierre Rivière als Knotenpunkt konkurrierender Diskurse sichtbar macht, und Ismaël Judes "grief" (éditions verticales, 2022), das genau diese diskursive Einhegung performativ angreift. Während Foucaults Band das im Gefängnis verfasste Memoire Rivières in ein vielstimmiges Archiv einbettet – juristische Akten, medizinische Gutachten, historische Kommentare – und so demonstriert, wie ein Leben durch institutionelle Sprache zum „Fall“ wird, treibt Jude diese Konstellation in die Gegenwart und zerlegt sie von innen: Seine Erzählerin liest Foucault, überschreibt dessen Begriffe (parricide wird zu matricide, sororicide, fratricide) und macht sich selbst zur verdrängten weiblichen Doppelgängerin des Mörders. Die Rezension arbeitet diesen Gegensatz nicht bloß als Differenz zweier Methoden heraus – hier die analytische Distanz der Genealogie, dort die wütende, körperliche, sprachzerstörende Gegenrede –, sondern als eine Art dialektische Bewegung: Foucault zeigt, wie Diskurse sich eines Textes bemächtigen, Jude zeigt, dass auch diese Kritik selbst eine Form der Aneignung bleibt. Dabei verschiebt sich der Fokus entscheidend: Wo Foucault den Text als Kampfplatz zwischen Justiz und Psychiatrie liest und dessen „seltsame Schönheit“ betont, insistiert Jude auf dem, was dabei verschwindet – die geschlechtsspezifische Gewalt, die Körper der Opfer, die Möglichkeit einer anderen, nicht-männlichen Stimme. Die Argumentation der Rezension gewinnt ihre Stärke gerade daraus, dass sie diese beiden Perspektiven nicht gegeneinander ausspielt, sondern als notwendige Spannung begreift: Sie zeigt, wie Foucaults Projekt die Bedingungen schafft, unter denen Jude überhaupt schreiben kann, und zugleich, wie Jude diese Bedingungen sprengt, indem er das Schreiben selbst zur Tat radikalisiert. So entsteht das Bild einer literarisch-theoretischen Konstellation, in der sich eine zentrale Frage immer weiter zuspitzt: Wenn – wie bei Rivière – Text und Tat ineinanderfallen, wer kontrolliert dann ihre Bedeutung? Und wer wird dabei gehört – oder zum Schweigen gebracht?
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		<item>
		<title>Bourdieus Narr: Theorieparodie und Gesellschaftsdiagnose bei Fabrice Pliskin</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/20/bourdieus-narr-theorieparodie-und-gesellschaftsdiagnose-bei-fabrice-pliskin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Mar 2026 13:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Fabrice Pliskin]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Bourdieu]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="200" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/le-fou-de-bourdieu-taschenbuch-fabrice-pliskin-franzoesisch-200x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/le-fou-de-bourdieu-taschenbuch-fabrice-pliskin-franzoesisch-200x300.jpeg 200w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/le-fou-de-bourdieu-taschenbuch-fabrice-pliskin-franzoesisch-683x1024.jpeg 683w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/le-fou-de-bourdieu-taschenbuch-fabrice-pliskin-franzoesisch-768x1152.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/le-fou-de-bourdieu-taschenbuch-fabrice-pliskin-franzoesisch.jpeg 800w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" />Der Juwelier Antonin Firminy erschießt nach einem Überfall einen der fliehenden Täter und wird nach seiner Haftentlassung unter neuer Identität in Paris zum selbsternannten Rächer der „Beherrschten“, der seine Taten aus einer radikalisierten Lektüre der Soziologie legitimiert. Parallel dazu verfolgt der Journalist Mandrillon seinen Fall, verstrickt sich in eigene moralische Widersprüche und verwandelt Suburres Geschichte schließlich in ein erfolgreiches Buch, das mehr Deutung als Aufklärung bietet. Fabrice Pliskins Roman "Le fou de Bourdieu" (2025, Le Cherche Midi) lässt sich als eine ebenso erzählerisch dichte wie intellektuell zugespitzte Fallstudie über die gefährliche Aneignung von Theorie zusammenfassen: Im Zentrum steht mit Firminy einer, der nach einem tödlichen Gewaltakt und einer traumatischen Haftzeit unter dem Namen Suburre eine radikale Selbstneuerfindung vollzieht, indem er die Soziologie Pierre Bourdieus nicht als analytisches Instrument, sondern als existenzielles Deutungssystem übernimmt; aus der Lektüre erwächst ihm eine Weltanschauung, die soziale Determination in moralische Entlastung und schließlich in ein Programm der Gegengewalt übersetzt, das sich in kleinkriminellen Aktionen, symbolischen Zerstörungen und ideologischen Manifesten erschöpft, während parallel der Journalist Mandrillon die Ereignisse beobachtet, verarbeitet und literarisch verwertet, ohne je einen festen Standpunkt zu gewinnen. Der Roman unternimmt weniger eine Widerlegung soziologischer Theorie, vielmehr führt er deren performative Verzerrung vor: Begriffe wie Habitus, Domination oder symbolische Gewalt werden im Modus des Ressentiments verabsolutiert und in Handlung übersetzt, wodurch eine dialektische Struktur entsteht, in der aus Erklärung Rechtfertigung wird; besonders stark ist dabei die Analyse der Figurenkonstellation als Spiegelung zweier Formen der Verantwortungsvermeidung – Suburres ideologische Radikalisierung und Mandrillons rhetorische Selbstrelativierung –, die den Roman als Parabel auf eine diskursiv überhitzte Gesellschaft lesbar macht, in der Sprache Handlung ersetzt und Theorie zur Projektionsfläche wird. Indem der Artikel zudem die formale Anlage des Textes als „Versuchsanordnung“ deutet, erweist der Roman seine Wirkung nicht primär durch Plot, sondern durch die konsequente Eskalation eines Denkens, das sich von der Wirklichkeit ablöst und diese zugleich deformiert.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Land der Kinderkönige: Palästina zwischen Gewalt und Gnade bei Yasmina Khadra</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/10/land-der-kinderkoenige-palaestina-zwischen-gewalt-und-gnade-bei-yasmina-khadra/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 20:01:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Yasmina Khadra]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="194" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/Khadra26-194x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/Khadra26-194x300.png 194w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/Khadra26.png 324w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Yasmina Khadras neuer Roman "Le prieur de Bethléem" (Flammarion, 2026, zit. als PB) knüpft thematisch an seine sogenannte „Trilogie des großen Missverständnisses“ an, die eine literarische Kartografie der Krisenregionen der frühen 2000er Jahre entwarf, Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban (mit "Die Schwalben von Kabul"), Israel und die palästinensischen Gebiete während der Zweiten Intifada (in "Die Attentäterin") und Irak im Kontext des Irakkriegs nach der amerikanischen Invasion 2003 (in "Die Sirenen von Bagdad"). Wie in diesen Romanen verbindet Khadra auch hier eine spannungsreiche Handlung mit einer moralischen Reflexion über Gewalt, Demütigung und Radikalisierung. Im Zentrum steht der französisch-israelische Verleger Alexandre Yakovlevoï, der ein Manuskript eines palästinensischen Mönchs erhält und kurz darauf von dessen Autor entführt wird. Während Alexandre gezwungen wird, die Lebensgeschichte des Priors Wahid anzuhören – eine Chronik von Vertreibung, familiären Verlusten und politischer Gewalt in Palästina –, enthüllt sich allmählich eine persönliche Verstrickung: Alexandre selbst war als junger Soldat in Israel an der Tötung von Wahids schwangeren Cousine beteiligt. Der Roman entwickelt daraus eine Konfrontation, die nicht auf Rache zielt, sondern auf moralische Einsicht. Parallel dazu öffnen visionäre und fast messianische Szenen – etwa geheimnisvolle Heilungen in Jordanien oder die Erscheinung eines Pilgers in den Ruinen von Gaza – eine spirituelle Perspektive, in der Khadra den Konflikt in einen universalen Horizont menschlicher Verantwortung stellt. - Der Aufsatz interpretiert den Roman als späte Weiterführung der Trilogie, die deren Diagnose des „großen Missverständnisses“ zwischen Orient und Okzident vertieft und zugleich transformiert. Während die früheren Werke vor allem die Entstehung von Gewalt aus Demütigung und politischer Ohnmacht analysierten, verschiebt sich hier der Fokus auf eine moralische Konfrontation zwischen Täter und Opfer. Die Argumentation des Aufsatzes arbeitet dabei mehrere Ebenen heraus: erstens die politische Dimension des Romans als Kritik an militärischer Gewalt und asymmetrischer Wahrnehmung des Nahostkonflikts; zweitens die psychologische Struktur der Schuld, die sich in der Figur des französisch-israelischen Verlegers verdichtet; und drittens eine religiös-symbolische Ebene, auf der Khadra eine Vision moralischer Wiedergeburt entwirft. Besonders betont wird, dass der Roman nicht im politischen Realismus stehen bleibt, sondern eine utopische Gegenbewegung formuliert: Wahrheit, Empathie und die „rettende Geste“ erscheinen als Möglichkeiten, den Kreislauf von Trauma und Vergeltung zu durchbrechen. Die Interpretation liest PB daher weniger als politischen Roman im engeren Sinn, sondern als literarischen Versuch des Dégagement, den Nahostkonflikt in eine universelle Ethik der Menschlichkeit zu überführen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Von den Mods zum Dichter: kalkuliertes Verschwinden bei Charles Baudelaire und Cyrille Martinez</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/03/vom-mod-zum-dichter-kalkuliertes-verschwinden-bei-charles-baudelaire-und-cyrille-martinez/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Mar 2026 00:13:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Baudelaire]]></category>
		<category><![CDATA[Cyrille Martinez]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="196" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/G11340-196x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/G11340-196x300.jpg 196w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/G11340-670x1024.jpg 670w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/G11340-768x1175.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/G11340-1004x1536.jpg 1004w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/G11340-1339x2048.jpg 1339w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/G11340.jpg 1483w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" />Cyrille Martinez’ Roman "Comment habiller un garçon" (éds. verticales, 2026) erzählt die Geschichte eines namenlosen Erzählers, der nach einer depressiven Phase, in der er apathisch im Bett liegt und seinen anwachsenden Kleiderhaufen als Sinnbild seines inneren Zerfalls betrachtet, langsam in die Gesellschaft zurückkehrt. Eine Stelle als Bibliotheksassistent in Avignon markiert den ersten Schritt aus der Isolation; zunächst versucht er, sich durch schlichte, „anständige“ Kleidung sozial kompatibel zu machen. Doch erst die Begegnung mit der Mod-Subkultur um Joe auf der Place des Corps-Saints eröffnet ihm eine radikalere Perspektive: Kleidung erscheint nun nicht mehr als Anpassung, sondern als Instrument geistiger Disziplin, sozialer Distinktion und ästhetischer Selbsterschaffung. Durch Rituale – die Rasur der „French Line“, den Erwerb eines M51-Parka, die Perfektion maßgeschneiderter Hosen – wird er in einen Kodex eingeführt, der maximale Anstrengung und absolute Formstrenge verlangt. Parallel dazu verankert der Roman diese Stilpraxis intertextuell: Figuren wie George Brummell und Charles Baudelaire liefern Modelle einer asketischen, auf Unsichtbarkeit zielenden Eleganz. Der symbolische Höhepunkt ist der Tausch einer seltenen Soul-Platte gegen einen mythisch aufgeladenen „Habit noir“, der Baudelaire gehört haben soll. Mit diesem schwarzen Frack vollzieht der Erzähler seine Metamorphose vom modischen Adepten zum Dichter: Mode wird zur Vorstufe der Poesie, Identität zur bewusst getragenen Form. – Die Interpretation liest den Roman als Studie der Identitätskonstruktion durch äußere Zeichen und ordnet ihn in Martinez’ Gesamtwerk ein, das wiederholt subkulturelle Räume als Laboratorien der Selbsterschaffung untersucht. Argumentativ verbindet sie Motivanalyse (Kleiderhaufen, Parka, Hosenaufschlag, Frack) mit poetologischer Kontextualisierung: Die dokumentarische „Infralangue“, das popliterarische Arbeiten mit Listen und Katalogen sowie die dichte Intertextualität erscheinen als formale Entsprechungen des thematischen Projekts. Männlichkeit wird hier nicht biologisch, sondern ästhetisch definiert – als Disziplin, als Widerstand gegen militärisch-virile Stereotype und als symbolische Umkehr sozialer Hierarchien („besser gekleidet als der Chef“). Die Mod-Ästhetik wird von Martinez mit Baudelaires Modernebegriff kurzgeschlossen: Künstlichkeit wird zur Rettung vor formloser „Natur“, der schwarze Frack zur paradoxen Signatur einer Identität, die sich im Verschwinden vollendet. So deutet die Interpretation den Roman nicht als nostalgische Jugenderzählung, sondern als poetologisches Manifest, in dem die Reflexion der Kleidung selbst zum Schreibakt führt.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Kunstinstallation und Nicht-Dystopie: Théo Cascianis radikale Gegenwartsdiagnose</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/24/zwischen-kunstinstallation-und-nicht-dystopie-theo-cascianis-radikale-gegenwartsdiagnose/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Feb 2026 23:26:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
		<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Théo Casciani]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/1000051732-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/1000051732-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/1000051732.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Théo Casciani entwirft in seinen Romanen "Rétine" (2019) und "Insula" (2026, beide bei P.O.L.) zwei aufeinander bezogene Versuchsanordnungen zur digitalen Gegenwart. Während "Rétine" den Zerfall einer Fernbeziehung in einer Welt aus Kunstinstallationen, Skype-Fenstern und global zirkulierenden Bildern seziert, verschärft "Insula" diese Ästhetik der Distanz zu einer existenziellen Dystopie: Eine illegale VR-Pille, politische Radikalisierung und der tumorbedingte Tod des Vaters verschränken sich zu einer Erzählung über Unberührbarkeit, Trauer und algorithmische Kälte. Beide Romane kreisen um die Frage, wie Wahrnehmung, Körper und Intimität unter den Bedingungen permanenter Medialität transformiert werden. - Die Doppelinterpretation liest diese Texte als Entwicklung von einer ästhetischen „Poetik der Oberfläche“ hin zu einer moralisch aufgeladenen Nicht-Dystopie. Sie argumentiert entlang zentraler Kategorien – Blick, Raum, Zeit, Intertextualität, Männlichkeit – und zeigt, wie Casciani das Motiv des Auges zur poetologischen Matrix erhebt: von der Netzhaut als Speicher visueller Reize bis zur Insula als neuronaler Metapher für Isolation. Beide Romane kulminieren im „Schrei“ – einem Moment, in dem der Körper die Herrschaft der Bilder unterbricht und sich gegen die glatte Simulation der Welt behauptet.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die kalte Sprache der Akten. Wie Frankreich seine Homosexuellen verwaltete: David Alliot</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/18/die-kalte-sprache-der-akten-wie-frankreich-seine-homosexuellen-verwaltete-david-alliot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Feb 2026 20:51:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="187" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/61i9FIfdd4L._SL1285_-187x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/61i9FIfdd4L._SL1285_-187x300.jpg 187w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/61i9FIfdd4L._SL1285_-638x1024.jpg 638w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/61i9FIfdd4L._SL1285_-768x1234.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/61i9FIfdd4L._SL1285_.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px" />In "Les secrets de Sodome: un siècle et demi d’homosexualité clandestine" (Plon, 2025) rekonstruiert David Alliot auf der Grundlage der Archive der Pariser Polizeipräfektur den klandestinen Alltag homosexueller Männer zwischen 1830 und 1981. Sein Zugriff ist explizit nicht apologetisch, sondern analytisch: Aus der „administrativen Kälte“ von Registern, Observationsberichten und Razzia-Protokollen arbeitet er heraus, wie Staat und Gesellschaft eine formal seit 1791 nicht mehr strafbare, kulturell jedoch geächtete Minderheit überwachten, klassifizierten und moralisch pathologisierten. Treffpunkte wie hôtels garnis, Bälle im Magic City oder die Vespasiennes erscheinen dabei als soziale Mikroräume, in denen sich Begehren, Angst und Kontrolle kreuzten; zugleich werden individuelle Biografien – vom Aristokraten bis zum Stricher, vom Chansonnier bis zum Aktivisten – aus der Anonymität der Akten befreit. Das Ergebnis ist eine weitgespannte Sittengeschichte, die den Wandel der Repression von monarchischer Ächtung über die biopolitische Moral der Dritten Republik und die diskriminierende Gesetzgebung von 1942 und der Fortführung unter De Gaulle bis zur Zäsur von 1981 nachzeichnet. Alliot zeigt, dass die Abschaffung der Kriminalisierung für „Sodomie“ keineswegs gesellschaftliche Akzeptanz bedeutete, sondern einer Epoche subtiler Überwachung wich, in der Identitäten katalogisiert statt Taten verfolgt wurden. Erst mit dem politischen Umbruch unter François Mitterrand endete die systematische polizeiliche Erfassung; 1982 folgte die rechtliche Gleichstellung. Doch das Buch schließt mit einer ernüchternden Einsicht: Rechte sind historisch kontingent – jede Krise kann die alten Reflexe moralischer Ausgrenzung reaktivieren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Hermaphroditisches Schreiben: eine Nacht im Museum mit Éric Reinhardt</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/16/hermaphroditisches-schreiben-eine-nacht-im-museum-mit-eric-reinhardt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 15:26:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Reinhardt]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="194" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/713v72EzgpL._AC_CR0000_SY315_-194x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/713v72EzgpL._AC_CR0000_SY315_-194x300.jpg 194w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/713v72EzgpL._AC_CR0000_SY315_.jpg 204w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Éric Reinhardts "L’imparfait" (Stock, 2026) der Buchreihe „Ma nuit au musée“ beginnt mit einer scheinbar einfachen Prämisse: eine Nacht allein in der Galleria Borghese. Doch aus diesem institutionell gerahmten Experiment entwickelt sich ein vielschichtiger Text, der Selbstbefragung, Kunstbetrachtung, Mythos und Liebesfantasie ineinander verschiebt. Im Zentrum steht der Schlafende Hermaphrodit, dessen doppelte Körperlichkeit zur Leitfigur des ganzen Buches wird: Identität erscheint nicht als festgelegte Form, sondern als perspektivabhängige Erscheinung. Die Nacht im Museum löst die gewohnte Zeitordnung auf; Erinnerungen, frühere Rom-Aufenthalte, imaginierte Szenen und gegenwärtige Wahrnehmung überblenden sich. Kunstwerke werden nicht kunsthistorisch erklärt, sondern als Gegenüber erfahren – als stille, widerständige Körper, die Nähe erlauben und zugleich Distanz wahren. Parallel dazu entfaltet sich die Geschichte von Gloria und Bruno, die den antiken Mythos von Salmacis und Hermaphroditos bei Ovid in eine moderne Transformations- und Liebeserzählung überführt. Am Ende bleibt weniger eine abgeschlossene Handlung als ein atmosphärischer Zustand: das Bewusstsein, dass Schönheit, Identität und Erinnerung nur im Modus des Unvollendeten existieren – im Imperfekt. Die Rezension macht deutlich, dass dieses Buch nicht als Museumsreportage zu lesen ist, sondern als poetologisches Experiment. Sie zeigt, wie Reinhardt den Hermaphroditen, Berninis plastische Hybridität und die mythische Metamorphose als Modelle seines eigenen Schreibens nutzt: Der Text selbst wird „hermaphroditisch“, indem er Essay, Roman und Autobiographie verschmilzt. Besonders eindrücklich arbeitet die Besprechung die Spannung zwischen Nähe und Unverfügbarkeit heraus: Der Erzähler kann neben der Statue liegen, sie imaginär zudecken – doch besitzen kann er sie nicht. Auch der Schluss wird als bewusst ernüchternd gedeutet: Mit dem Morgen kehrt die Welt zurück, laut und prosaisch, während die Kunst wieder in ihre marmorne Innerlichkeit versinkt. Die Erfahrung der Nacht bleibt als Nachhall, nicht als Verwandlung.]]></description>
		
		
		
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		<title>Jean-Luc Lagarce, der Abwesende: biographische Fiktion als Metatheater bei Charles Salles</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/14/jean-luc-lagarce-der-abwesende-biographische-fiktion-als-metatheater-bei-charles-salles/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Feb 2026 04:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Salles]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Luc Lagarce]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/811aj4zf2ZL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/811aj4zf2ZL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/811aj4zf2ZL._SL1500_-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/811aj4zf2ZL._SL1500_-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/811aj4zf2ZL._SL1500_.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Die zeitgenössische französische Literatur und das Theater haben in Jean-Luc Lagarce eine Figur gefunden, deren Bedeutung weit über ihren frühen Tod im Jahr 1995 hinausgewachsen ist. Lagarce, der zu Lebzeiten oft am Rande des etablierten Kulturbetriebs agierte und sich zeitlebens mit finanziellen sowie institutionellen Hürden konfrontiert sah, hat sich postum zu einem der meistgespielten Dramatiker Frankreichs entwickelt. Dreißig Jahre nach seinem Ableben unternimmt der Autor Charles Salles mit seinem Roman "Lagarce, fiction", erschienen im August 2025 bei der Table Ronde in der Kollektion Vermillon, den Versuch, diese vielschichtige Persönlichkeit fiktional zu rekonstruieren. Salles, der zuvor mit seinem vielbeachteten Erstling "Alain Pacadis, Face B" (2023) einen anderen "Meteoriten" der Pariser Kulturlandschaft porträtierte, wechselt in seinem zweiten Werk die Perspektive vom Sozialen zum Intimen, ohne dabei den scharfen Blick für die soziopolitischen Koordinaten der Epoche zu verlieren. Der vorliegende Bericht analysiert das Leben und Werk von Jean-Luc Lagarce, bettet es in den narrativen Rahmen von Charles Salles ein und stellt die wesentlichen Bezüge zwischen dem Dramatiker und dem Werk seines Biografen her.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zwischen Rüstung und Riss: Virilität als Mythos, Männlichkeit als Erfahrung</title>
		<link>https://rentree.de/2026/02/07/zwischen-ruestung-und-riss-virilitaet-als-mythos-maennlichkeit-als-erfahrung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Feb 2026 17:13:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Dantzig]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="181" height="279" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/02/images-14.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" />Der Band "Masculinité" (Grasset, 2025) versammelt literarische Texte, Essays und Reflexionen, die Männlichkeit nicht als feste Identität, sondern als historisch belastetes und gegenwärtig brüchiges Feld sichtbar machen. Ausgangspunkt ist die Unterscheidung zwischen virilité und masculinité: Während Virilität das enge, normierende Ideal des harten, dominanten, unverwundbaren Mannes bezeichnet, zeigen die Beiträge die widersprüchlichen Erfahrungen realer Männer, die an diesen Erwartungen leiden oder an ihnen scheitern. Die Texte erzählen von Jungen, die früh in Rituale der Härte gezwungen werden, von Vätern, die Stärke weitergeben wollen und dabei Gewalt reproduzieren, von Körpern, die durch Arbeit, Sport, Beschneidung oder Migration geformt und gezeichnet sind, und von Männern, die zwischen kulturellen Modellen der Männlichkeit zerrieben werden. In der Einleitung diagnostiziert Dantzig Männlichkeit als historisch überladenes Machtkonstrukt, das zugleich privilegiert und deformiert und dessen dunkle Seiten – Dominanz, Gewalt, Zerstörung – nicht ausgeblendet werden dürfen. Die Präsentation von Habib-Rubinstein verschiebt diesen Befund in die literarische Praxis und liest den Band als Labor pluraler Stimmen, in dem keine neue Norm gesetzt, sondern Fragilität, Zweifel und Suchbewegungen sichtbar gemacht werden. So entsteht ein vielstimmiges Panorama einer Männlichkeit im Übergang: erschöpft vom Mythos der Virilität, offen für neue, unsichere und erzählbare Formen des Mannseins.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das Spätwerk als Laboratorium: Jean-Jacques Schuhl und Simon Liberati</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/20/das-spaetwerk-als-laboratorium-jean-jacques-schuhl-und-simon-liberati/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Jan 2026 15:10:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Jacques Schuhl]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Liberati]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="228" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/schuhl-liberati-300x228.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/schuhl-liberati-300x228.png 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/schuhl-liberati-768x582.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/schuhl-liberati.png 956w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Jean-Jacques Schuhls „Les apparitions“ und Simon Liberatis „Performance“ (beide 2022) kreisen um alternde Schriftstellerfiguren, deren körperlicher Verfall zum Ausgangspunkt einer radikal erneuerten literarischen Erfahrung wird. In „Les apparitions“ schildert Schuhl einen Erzähler, der nach einer schweren inneren Blutung und zerebralen Hypoxie von sogenannten „Erscheinungen“ heimgesucht wird: autonome, hochpräsente Bildereignisse, die weder Traum noch Halluzination sein wollen. Der Text entfaltet eine Poetik der Montage, der Zitation und der Entsubjektivierung, in der das Ich zunehmend hinter fremden Bildern, Stimmen und Fragmenten zurücktritt. „Performance“ hingegen erzählt von einem 71-jährigen Autor, der nach einem Schlaganfall durch einen Auftrag über die Rolling Stones zu neuer schöpferischer Energie findet. Diese wird jedoch maßgeblich durch eine skandalöse Beziehung zu seiner jungen Stieftochter gespeist, die als Projektionsfläche eines exzessiven Begehrens wirkt. Liberatis Roman verbindet Krankheit, Dekadenz, Popkultur und Transgression zu einer provokanten Inszenierung des Alterns als ästhetische Grenzerfahrung. – Die Rezension liest beide Romane als paradigmatische Alterswerke, die das Altern nicht als Phase der Bilanz oder Mäßigung, sondern als ästhetisches Extrem begreifen. Sie argumentiert, dass Schuhl und Liberati zwei gegensätzliche, aber komplementäre Modelle des „vieillir créateur“ entwerfen: eine rezeptive, entmächtigende Imagination bei Schuhl, die das Ich im Schreiben nahezu auflöst, und eine aggressive, transgressive Imagination bei Liberati, die gerade im moralischen und körperlichen Niedergang eine letzte Form künstlerischer Souveränität behauptet. Im Zentrum der Analyse steht die These, dass Pathologie, Krankheit und Nähe zum Tod in beiden Texten zur „Denkmaterie“ werden, aus der neue Formen literarischer Intensität hervorgehen. Die Rezension zeigt damit, wie das Spätwerk hier nicht als Abgesang, sondern als Laboratorium fungiert, in dem Literatur ihre eigenen Grenzen im Angesicht der Endlichkeit radikal neu vermisst.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die Republik funktioniert: François Bégaudeau</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/18/die-republik-funktioniert-francois-begaudeau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jan 2026 14:05:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[François Bégaudeau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-8-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-8-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-8-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-8-768x1125.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/files-8.jpeg 827w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />François Bégaudeaus "Désertion" (2026) erzählt die leise, aber unumkehrbare Erosion des Lebens von Steve, einem Jugendlichen aus der Provinz der Normandie. Aufgewachsen in einer intakten Familie, geprägt von Schule, Medienkonsum und popkulturellen Obsessionen, driftet er nach und nach aus allen sozialen Bindungen heraus. Kleine Kränkungen, sprachliche Unsichtbarkeit und institutionelle Gleichgültigkeit summieren sich über Jahre, bis er schließlich nach Syrien geht und sich den kurdischen YPG anschließt. Der Roman verzichtet bewusst auf dramatische Wendepunkte oder psychologische Erklärung und zeigt Steves Weg nicht als logische Folge von Radikalisierung, sondern als strukturelle Konsequenz eines Lebens, das nirgends mehr gesehen oder adressiert wird. Desertion wird hier weniger als Bruch, sondern als fortschreitender Prozess gesellschaftlicher Blindstellen dargestellt. Die Rezension argumentiert, dass Bégaudeau die Erwartungen an eine lineare, politisch-kausale Erzählung unterläuft. Der Roman entfaltet eine Poetik der Verschiebung, der Parallelität und der affektiven Subjektivität, in der kleine Alltagsereignisse, Schule, Familie und Medien den Rahmen für das Leben Steves bilden. Der Syrien-Abschnitt sabotiert dabei die erwartete Radikalisierung: Statt ideologischer Verführung stehen Gespräche, Alltag und widersprüchliche Diskurse. Diese Struktur erlaubt es, "Désertion" als literarische Darstellung einer „anarchischen“ Sinnverweigerung zu lesen, in der die formale Funktionsfähigkeit gesellschaftlicher Institutionen die existenziellen Leerstellen offenlegt, die Steves Verschwindung überhaupt erst ermöglichen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zerstörung als Möglichkeit: Mannsein und Gewalt bei Bernard Bourrit</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/02/zerstoerung-als-moeglichkeit-mannsein-und-gewalt-bei-bernard-bourrit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Jan 2026 11:35:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Bernard Bourrit]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="220" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/images-1-220x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/images-1-220x300.jpeg 220w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/images-1.jpeg 383w" sizes="auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px" />Bernard Bourrits Roman “Détruire tout” (2025) rekonstruiert einen realen Feminizid in der Schweiz der 1960er-Jahre, verweigert jedoch konsequent eine lineare Täterpsychologie oder moralische Auflösung: Anhand von Archiven, Beobachtungen und essayistischen Fragmenten erscheint der Täter Alain weniger als individuelles Monster denn als Symptom eines patriarchalen, ländlichen und autoritär organisierten sozialen Gefüges, das Gewalt strukturell ermöglicht. Die Rezension zeigt, wie Bourrit bäuerliche Enge, männliche Normierung, sprachlose Affekte und asymmetrische Geschlechterverhältnisse freilegt und insbesondere Männlichkeit als brüchige, überforderte Konstruktion analysiert, deren Anspruch auf Kontrolle in destruktive Gewalt umschlägt. Der männliche Körper wird dabei zum Austragungsort sozialer Zumutungen, während Carmen als Projektionsfläche gesellschaftlicher Erwartungen sichtbar wird, ohne zur bloßen Figur zu verflachen. Formal wie ethisch verweigert der Text den Mord als erzählerischen Höhepunkt und belässt ihn als Leerstelle, wodurch die Aufmerksamkeit auf Bedingungen statt auf Sensation gelenkt wird. So versteht die Rezension “Détruire tout” als literarische Untersuchung gesellschaftlicher Gewalt, die gerade im Scheitern von Erklärung und Katharsis ihre politische und ästhetische Kraft entfaltet.]]></description>
		
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		<title>Hohelied ohne Zeugen: Patrick Autréaux</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/30/hohelied-ohne-zeugen-patrick-autreaux/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2025 10:21:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
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		<category><![CDATA[Edmond Jabès]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Autréaux]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Couverture-699x1024-1-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Couverture-699x1024-1-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Couverture-699x1024-1.jpg 699w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Patrick Autréaux’ "L’Époux" (2025) ist ein leiser, existenziell verdichteter Roman, der von der standesamtlichen Trauung zweier Männer ausgeht. Ein Ritual, das als gesellschaftliche Anerkennung gedacht ist, wird zur Erfahrung radikaler Vereinzelung: durch die demonstrative Abwesenheit der Familien, die eine geografisch fern, die andere ideologisch und religiös sich verweigernd. Der Erzähler beobachtet die Tränen seines Partners; in diesem Moment brechen Jahre des Schweigens, der Anpassung und der erlittenen Zurückweisung auf. Ausgehend von diesem Moment entfaltet der Text eine vielschichtige Rückschau, in der sich eine homosexuelle Liebesgeschichte mit biografischen Verletzungen, Krankheit und einer tiefgreifenden spirituellen Suche verschränkt. Zentral ist dabei der jüdische Hintergrund der Familie des Partners, deren Geschichte von Shoah, Vertreibung und Exil geprägt ist und deren traumatische Erfahrung in eine religiöse Verhärtung und die Ablehnung der Beziehung mündet. Autréaux zeigt, wie diese kollektiven Wunden familiäre Bindungen vergiften und Schweigen, Tilgung und Ausschluss erzeugen. In der Auseinandersetzung mit dem Hohelied Salomos und dem Werk Edmond Jabès entwickelt der Roman eine Poetik der Abwesenheit, des Schweigens und des Exils, in der der Körper des Geliebten zum Ort des Heiligen wird. "L’Époux" liest sich so als modernes Hohelied, das die intime Geschichte einer homosexuellen Liebe mit der Last jüdischer Erinnerung verbindet und eine fragile, aber beharrliche Transzendenz entwirft – „aus der Wüste gekommen, wie man aus dem Jenseits der Erinnerung kommt“.]]></description>
		
		
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		<title>Exponierter Körper und Melancholie der Spur: Joy Majdalani und Robert Mapplethorpe</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/30/exponierter-koerper-und-melancholie-der-spur-joy-majdalani-und-robert-mapplethorpe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2025 04:19:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Joy Majdalani]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="201" height="251" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/mapplethorpe.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" />Die Rezension liest Joy Majdalanis Roman „Le goût des garçons“ (2021) und Essay „Jimmy Freeman“ (2025) als zwei komplementäre Stationen eines konsequenten literarischen Projekts. Der Roman „Le goût des garçons“ ist eine subjektive Erkundung weiblichen Begehrens, das sich im Spannungsfeld von religiöser Erziehung, Schuld und Selbstermächtigung formt. Männliche Figuren erscheinen darin weniger als psychologisch ausgearbeitete Charaktere denn als Projektionsflächen, an denen sich Macht, Fantasie und Transgression erproben lassen. „Jimmy Freeman“ führt diese Motive weiter, verschiebt sie jedoch vom narrativen Risiko des Romans in eine poetisch-essayistische Reflexion: Ausgehend von Robert Mapplethorpes Fotografie von Jimmy Freeman denkt Majdalani Begehren, Objektivierung und Gewalt der Form kunsttheoretisch und existenziell weiter. Der Essay wirkt wie eine Verdichtung und Kommentierung des Romans, in dem sich autobiographische Erfahrung, ästhetische Analyse und ethische Selbstbefragung überlagern. Zentral für den Artikel ist die homoerotische Kunst Robert Mapplethorpes, dessen Werk als Scharnier zwischen klassischer Schönheit und radikaler Körperpolitik gelesen wird, als perfekt geformtes, diszipliniertes Objekt des Begehrens. Zugleich zeigt die Lektüre, dass diese ästhetische Objektifizierung des Körpers immer von einer Melancholie der Spur begleitet ist, denn die Fotografie bewahrt nur den Abdruck eines lebendigen, sterblichen Körpers. In der Spannung zwischen formaler Ewigkeit und körperlicher Vergänglichkeit entfaltet sich bei Mapplethorpe ein Begehren, das ebenso monumental wie tief verletzlich ist. Seine Fotografien stehen für eine Kunst, die den männlichen – insbesondere den schwarzen – Körper zugleich kanonisiert und exponiert und dabei Fragen von Macht, Blick und Unterwerfung unausweichlich macht. Überschattet wird diese Spannung vom Wissen um AIDS und den frühen Tod Mapplethorpes und vieler seiner Modelle, wodurch die Bilder im Rückblick den Charakter eines letzten Aufleuchtens annehmen – verewigt schön, sterblich und unwiederbringlich.]]></description>
		
		
		
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		<title>Gegenarchiv der Kinderkolonie: Simon Johannin</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/07/gegenarchiv-der-kinderkolonie-simon-johannin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Dec 2025 15:48:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Johannin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="209" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-209x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-209x300.jpg 209w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-713x1024.jpg 713w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-768x1102.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-1070x1536.jpg 1070w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin-1427x2048.jpg 1427w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Johannin.jpg 1481w" sizes="auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px" />Simon Johannins "Le Fin Chemin des anges" (2025) rekonstruiert das Schicksal der Jungen, die in der Kinderkolonie auf der Île du Levant – einer von Isolation, Gewalt und Zwangsarbeit geprägten Einrichtung – lebten und starben. Im Mittelpunkt steht Louis, ein sensibler, homoerotisch empfindender Junge, dessen „Abweichung“ im 19. Jahrhundert zur moralischen und juristischen Verurteilung führt und ihn in das System der Kolonie schleudert. Dort werden die Kinder entkräftet, gedemütigt und zu Arbeit gezwungen; viele sterben an Hunger, Krankheit oder Misshandlung. Louis’ Leben wird aus Fragmenten, Erinnerungsflashs und Archivresten rekonstruiert, während die Ruinen des Ortes als Resonanzraum der ausgelöschten Stimmen erscheinen. Der Roman zeigt die Kolonie nicht als pädagogische Einrichtung, sondern als Maschine der systematischen Zerstörung junger Körper und Biografien – und macht die gewaltvolle Geschichte eines Ortes hörbar, den das Archiv weitgehend zum Schweigen gebracht hat. – Johannins Roman ist exemplarisch für die neue Buchreihe "Locus", indem er einen verlassenen Ort als palimpsestartigen Speicher traumatischer Geschichte lesbar macht. Der Artikel zeigt, wie Johannin räumliche, archivische und poetische Ebenen miteinander verschränkt, um jenen Kindern eine Stimme zurückzugeben, die in den offiziellen Dokumenten entindividualisiert und ausgelöscht wurden. Besonders hervorgehoben wird die doppelte Bewegung des Texts: Einerseits die präzise Analyse der Architektur der Kolonie als Disziplinarapparat, andererseits die imaginative Rekonstruktion einer einzelnen Biographie, die stellvertretend für eine Vielzahl verloren gegangener Leben steht. Die Rezension arbeitet heraus, wie Johannin Sexualität, Körperlichkeit und Erinnerung politisch auflädt, indem er die Pathologisierung von Louis’ Homosexualität als gesellschaftlichen Gewaltmechanismus offenlegt und die Poetik der Berührung – die „flashs“, die aus den Ruinen hervorgehen – als Form literarischer Zeugenschaft interpretiert. Insgesamt weist der Aufsatz den Roman als ein Gegenarchiv aus, das die Stille eines gewaltsam vergessenen Ortes in erzählerische Präsenz verwandelt und damit die ethische Dimension von Literatur sichtbar macht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Christlich-jüdisches Frankreich und identitäre Zwangsassimilation: Eric Zemmour</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/06/christlich-juedisches-frankreich-und-identitaere-zwangsassimilation-eric-zemmour/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Dec 2025 18:36:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Zemmour]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-664x1024.jpg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour-768x1184.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/zemmour.jpg 973w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Die Präsidenten der Französischen Republik suchten jeweils eigene Wege, um das Spannungsverhältnis zwischen dem Selbstverständnis Frankreichs als historisch christlich geprägte Nation und den Prinzipien der strikt laizistischen Republik politisch auszugleichen. „La messe n’est pas dite“ (2025) präsentiert Éric Zemmours rechtsextreme Vision einer zivilisatorischen Wiedergeburt Europas durch eine Rückkehr zu seinen christlichen Fundamenten. In seiner Darstellung bildet das Christentum das historische, kulturelle und politische Fundament Europas. Daraus leitet er allerdings die Forderung nach einer intensiven autoritären Rechristianisierung ab, die sowohl juristische Maßnahmen (z. B. Einschränkungen der Vornamenswahl, Remigration, Einschränkung richterlicher Befugnisse) als auch eine kulturelle und moralische Umformung der Gesellschaft umfasst. Diese Neuordnung verbindet er mit der Idee einer „großen Allianz“ zwischen traditionalistischen Katholiken und assimilierten Juden, die gemeinsam den kulturellen Bestand Europas sichern sollen. – Die Rezension zeichnet nach, wie Zemmours Argumentation auf einer selektiven Geschichts- und Religionsdeutung beruht, die komplexe kulturelle und politische Dynamiken auf ein dualistisches Bedrohungsszenario reduziert. Sie zeigt, dass Zemmour Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Universalismus – Werte, die er selbst als christliches Erbe beschreibt – im Namen einer identitären Selbstbehauptung zurückdrängen will. Die Rezension zeigt auf, wie Zemmour sowohl den Islam als auch den modernen Liberalismus als monolithische Feindbilder konstruiert und dabei mit Doppelstandards operiert, etwa durch selektive Lektüre religiöser Texte oder die Vereinfachung historischer Beispiele. Darüber hinaus zeigt sie, wie Zemmour den Laizismus funktionalisiert, um ihn von einem Prinzip staatlicher Neutralität in ein Instrument kultureller Dominanz zu verwandeln. Zemmours Programm stellt weniger eine Verteidigung des christlich geprägten Erbes dar als vielmehr eine autoritär-identitäre Revision der republikanischen Tradition, die die Grundlagen der Fünften Republik grundlegend infrage stellt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Naive und die Spießer bei Voltaire und Dominique Fernandez</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/23/der-naive-und-die-spiesser-bei-voltaire-und-dominique-fernandez/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Nov 2025 18:26:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Dominique Fernandez]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246831792-001-X-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246831792-001-X-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246831792-001-X-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246831792-001-X-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/9782246831792-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In "Un jeune homme simple" (2024) zeichnet Dominique Fernandez den Weg des jungen Auvergnaten Arthur nach, der als unverbildeter Provinzler in das hyperideologisierte Paris gerät. Seine Begegnungen u.a. mit radikal-feministischen, ökologischen und literarischen Milieus machen die Gegenwartsgesellschaft als von Moralismus, Woke-Dogmen und kulturellem Konformismus durchdrungen sichtbar. Die Naivität des Helden fungiert dabei als Prüfstein moderner Eliten: Gerade weil Arthur die „Codes“ der Hauptstadt nicht versteht, legt er deren Heuchelei frei und entscheidet sich am Ende für die Rückkehr in die Auvergne, wo „valeurs sûres, éprouvées“ und eine einfache Liebe auf ihn warten. - Die Rezension ordnet den Roman explizit in eine intertextuelle Linie zu Voltaires "L’Ingénu" ein und deutet Arthur als gegenwärtige Reinkarnation des aufgeklärten Außenseiters. Wie Voltaires Hurone entlarvt auch Arthur durch sein unverstelltes Urteil die Absurditäten der jeweiligen Epoche – einst der religiösen Riten, heute der ideologischen Orthodoxien. Dabei kehrt sich Voltaires Impuls jedoch um: Wo der Ingénu zum Widerstand in der Welt gezwungen wird, erscheint bei Fernandez der Rückzug als einzige verbleibende Form von Integrität. Die Argumentation der Rezension arbeitet folglich mit einem doppelten Vergleich: Sie liest Fernandez’ Satire als moderne Fortsetzung voltairischer Kritik – und zugleich als ironische Antithese, in der der naive Held nicht mehr kämpft, sondern die korrumpierte Zivilisation hinter sich lässt. - Zentral für die Rezension ist zudem die Beobachtung, dass Fernandez die sexuelle Befreiung der Gegenwart nicht als Fortschritt, sondern als neue Form des Konformismus zeichnet: Was einst transgressiv war, erscheint im Pariser Milieu als kommerzialisiertes Ritual, das seine rebellische Energie verloren hat. Die Werkgeschichte der Homosexualität bei Fernandez zeigt diesen Verlust der „gloire du paria“ als wiederkehrendes Motiv: Seit "L’Étoile rose" (1978) und "La Gloire du Paria" (1987) über den Doppelroman "L'homme de trop" (2021/2022) beschreibt er die Assimilation der einst widerständigen Minderheit als kulturelle Nivellierung, die Wünsche nach einer neuen radikalen Differenz - zuletzt im Transgender - hervorbringt.]]></description>
		
		
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		<title>Okzitanische Transgression: Alain Guiraudie</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/21/okzitanische-transgression-alain-guiraudie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Nov 2025 11:14:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Alain Guiraudie]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-12-195x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-12-195x300.jpeg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-12.jpeg 360w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Die vier Romane des Filmemachers und Schriftstellers Alain Guiraudie bilden eine zusammenhängende Saga, in der sich die Logik des Roman-Flux entfaltet: "Ici commence la nuit" (2014) eröffnet das Universum mit einem düsteren Dreieck aus Gewalt, Begehren und okzitanisch grundierter Außenseiterexistenz; "Rabalaïre" (2021) radikalisiert dies zu einer tausendseitigen, delirierenden Odyssee, die den ländlichen Süden Frankreichs in ein zugleich realistisches und mythisches Terrain verwandelt, in dem sexuelle, kriminelle und fantastische Energien ineinanderströmen; "Pour les siècles des siècles" (2024) verschiebt das Projekt ins Metaphysische, indem die Fusion von Jacques und dem Priester Jean-Marie zu einer theologischen, erotischen und philosophischen Reflexion über Identität, Körper und Koexistenz wird; "Persona non grata" (2025) schließlich zeigt die Konsequenzen dieser Fusion auf institutioneller Ebene und vertieft das Motiv der Ausgrenzung, während es den paranoid-politischen Resonanzraum der Reihe erweitert. Als Werkganzes bilden die Bände einen immer weiter mäandrierenden Fluss, in dem Genregrenzen, moralische Kategorien und ontologische Fixpunkte systematisch aufgelöst werden. - Die Rezension argumentiert, dass Guiraudies Werk aus dem Prinzip der radikalen Entgrenzung heraus zu deuten ist: Die poétique du flux wirkt als ästhetischer, politischer und anthropologischer Schlüssel, der die Verschmelzung von Oralität, okzitanischer Sprachsubversion, sexueller Transgression und philosophischer Spekulation glaubwürdig macht. Ihre Argumentation setzt auf die konsequente Rückbindung der erzählerischen Exzesse an ein strukturelles Programm – die Aufhebung von Identität als stabiler Kategorie, die erzählerische Durchlässigkeit zwischen Realem und Fantastischem sowie die Verbindung von ländlichem Terroir und utopischer Sehnsucht. Durch diese Perspektive erscheinen selbst die extremsten Motive nicht als Provokationen um ihrer selbst willen, sondern als Bausteine einer literarischen Utopie, die das Begehren als verbindende, politisch wirksame Kraft begreift. Vor diesem Hintergrund lässt sich auch der Zusammenhang von Trobadors und Sade fassen: Guiraudie aktualisiert die mittelalterliche Dichtung des Begehrens, die bei den Trobadors als kultivierte, oft unerfüllte und zugleich transzendierende Kraft erscheint, und verschränkt sie mit de Sades Erforschung der Körpergrenzen, der Ambivalenz von Lust und Grausamkeit und der radikalen Freiheit jenseits moralischer Kodifikationen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Guillaume Dustans Abdriften und Christophe Beaux’ literarische Befreiung</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/10/guillaume-dustans-abdriften-und-christophe-beaux-literarische-befreiung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2025 08:56:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Christophe Beaux]]></category>
		<category><![CDATA[Frédéric Huet]]></category>
		<category><![CDATA[Guillaume Dustan]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Clerc]]></category>
		<category><![CDATA[Tristan Garcia]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-8-188x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-8-188x300.jpeg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/images-8.jpeg 354w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Christophe Beaux’ "Un tombeau pour Dustan" ist eine autobiografische Liebeserinnerung und zugleich ein literarischer Nachruf auf Guillaume Dustan, der einst William Baranès hieß. Beaux schildert ihre Beziehung im Paris der späten 1980er Jahre, gezeichnet von Faszination, Dominanz und Schuld, vor dem Hintergrund der AIDS-Krise. Aus dem intellektuellen und sexuellen Einfluss Williams auf den jüngeren Christophe entsteht eine ungleiche Beziehung, die zugleich prägte und zerstörte. Nach der Trennung und Williams HIV-Diagnose verwandelt sich dieser in den provokativen Schriftsteller Guillaume Dustan, der mit radikaler Offenheit über Sexualität, Krankheit und gesellschaftliche Doppelmoral schreibt. Das Buch dient Beaux als „Grabmal“ und Exorzismus zugleich: Er versucht, die jahrzehntelange Schuld und Faszination zu bannen, indem er die gemeinsame Vergangenheit mit literarischer Klarheit neu erzählt und sich so symbolisch von dem Geliebten befreit, der sein Leben beherrschte. - Die Rezension deutet Beaux’ Text als doppelte Befreiung – biografisch wie literarisch. Sie liest "Un tombeau pour Dustan" nicht bloß als private Beichte, sondern als dialogischen Gegenentwurf zu Dustans radikalem Werk: Beaux übernimmt dessen Poetik der Wahrhaftigkeit („véracité“), aber verwandelt sie von einer destruktiven zu einer heilenden Kraft. Der Rezensent betont die Spannung zwischen Bewunderung und Abrechnung, zwischen Liebe und Rache, die das Buch strukturiert. Beaux’ Schreiben wird als Akt der Parrhesia – einer mutigen, schonungslosen Rede – gedeutet, der zugleich psychoanalytische und ästhetische Funktion erfüllt. Die Rezension verknüpft das Werk mit den historischen Diskursen über AIDS, Sexualität und gesellschaftliche Rebellion, um es als literarische Antwort auf Dustans Skandalästhetik zu positionieren: Wo Dustan provozierte, reflektiert Beaux; wo jener den Tabubruch suchte, sucht dieser Versöhnung. Das „Tombeau“ erscheint so als Requiem für eine Epoche und als Selbsttherapie eines Überlebenden, der seine Stimme durch das Schreiben wiederfindet.]]></description>
		
		
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		<title>Frauenmord als Denkstruktur: Ivan Jablonka</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/17/frauenmord-als-denkstruktur-ivan-jablonka/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 08:14:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[Ivan Jablonka]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/Jablonka-Feminicide.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Ivan Jablonka, La culture du féminicide: histoire d’une structure de pensée (Traverse, 2025). Systemisches Phänomen: sexuelle Gewalt, Verstümmelung und Tötung Ivan Jablonkas La culture du féminicide: histoire d’une structure de pensée (2025) präsentiert eine literaturwissenschaftliche und soziohistorische Analyse, die die kulturelle Zentralität des sexualisierten Frauenmordes in der westlichen Zivilisation freilegt. Jablonka, bekannt für seine Werke ... <p class="read-more-container"><a title="Frauenmord als Denkstruktur: Ivan Jablonka" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/10/17/frauenmord-als-denkstruktur-ivan-jablonka/#more-10089" aria-label="Mehr Informationen über Frauenmord als Denkstruktur: Ivan Jablonka">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Geschlecht, Macht und Computerspiel: Pauline Gonthier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/12/geschlecht-macht-und-computerspiel-pauline-gonthier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Oct 2025 10:29:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Pauline Gonthier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="197" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71BzDsQ4MML._UF10001000_QL80_-197x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71BzDsQ4MML._UF10001000_QL80_-197x300.jpg 197w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/71BzDsQ4MML._UF10001000_QL80_.jpg 658w" sizes="auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px" />Polis, Maskulinismus und politischer Opportunismus Pauline Gonthiers&#160;Parthenia&#160;ist ein seltenes Beispiel zeitgenössischer Literatur, das Soziologie des Digitalen, Geschlechtersemiotik und politische Psychologie in eine ästhetische Form bringt, die zugleich analytisch und poetisch ist. Der Roman beschreibt parabelartig eine Zeit, in der Sprache selbst zu Code wird und Geschlecht zu Interface. In diesem Sinn ist Parthenia nicht nur ... <p class="read-more-container"><a title="Geschlecht, Macht und Computerspiel: Pauline Gonthier" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/10/12/geschlecht-macht-und-computerspiel-pauline-gonthier/#more-10020" aria-label="Mehr Informationen über Geschlecht, Macht und Computerspiel: Pauline Gonthier">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Autosoziobiographie als französische Gattung</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/29/autosoziobiographie-als-franzoesische-gattung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Sep 2025 06:43:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Annie Ernaux]]></category>
		<category><![CDATA[Didier Eribon]]></category>
		<category><![CDATA[Edouard Louis]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="198" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/978-3-662-64367-9-198x300.webp" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/978-3-662-64367-9-198x300.webp 198w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/978-3-662-64367-9-675x1024.webp 675w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/978-3-662-64367-9-768x1165.webp 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/978-3-662-64367-9.webp 827w" sizes="auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px" />Autosoziobiographie: Poetik und Politik, hrsg. von Eva Blome, Philipp Lammers und Sarah Seidel, Abhandlungen zur Literaturwissenschaft, Metzler, 2022. Der Sammelband „Autosoziobiographie: Poetik und Politik“, herausgegeben von Eva Blome, Philipp Lammers und Sarah Seidel, widmet sich der Untersuchung einer literarischen Textform, die seit Didier Eribons Rückkehr nach Reims (Retour à Reims, 2009/2016) eine unübersehbare Konjunktur erlebt. ... <p class="read-more-container"><a title="Autosoziobiographie als französische Gattung" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/09/29/autosoziobiographie-als-franzoesische-gattung/#more-9898" aria-label="Mehr Informationen über Autosoziobiographie als französische Gattung">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Fragmente eines Werks: Roland Barthes Handbuch von Angela Oster</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/28/fragmente-eines-werks-roland-barthes-handbuch-von-angela-oster/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Sep 2025 20:47:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="210" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-210x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-210x300.jpg 210w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-718x1024.jpg 718w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-768x1096.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-1076x1536.jpg 1076w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL-1435x2048.jpg 1435w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/71oHoFfe5RL.jpg 1794w" sizes="auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px" />Barthes-Handbuch: Leben – Werk – Wirkung, hrsg. von Angela Oster, Metzler, 2025. Dritte Form des Schreibens Roland Barthes’ Position konsolidierte sich erst im Laufe der Zeit. Im 21. Jahrhundert ist dieser Rang unumstritten, aber die Universitäten der Gegenwart und ihre Geistes- und Kulturwissenschaften sind nicht mehr die der 1960er und 1970er Jahre. Durch die radikale ... <p class="read-more-container"><a title="Fragmente eines Werks: Roland Barthes Handbuch von Angela Oster" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/09/28/fragmente-eines-werks-roland-barthes-handbuch-von-angela-oster/#more-9873" aria-label="Mehr Informationen über Fragmente eines Werks: Roland Barthes Handbuch von Angela Oster">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Vom Prix Goncourt zur Bibliothèque de Babel: Mohamed Mbougar Sarr</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/27/vom-prix-goncourt-zur-bibliotheque-de-babel-mohamed-mbougar-sarr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Sep 2025 11:26:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="197" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-197x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-197x300.jpg 197w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-671x1024.jpg 671w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-768x1171.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-1007x1536.jpg 1007w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-1343x2048.jpg 1343w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/9789004710894-scaled.jpg 1678w" sizes="auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px" />Sarah Burnautzki, Abdoulaye Imorou und Cornelia Ruhe, Hrsg. Le Labyrinthe littéraire de Mohamed Mbougar Sarr. Francopolyphonies 36. Leiden; Boston: Brill, 2024. Eine zirkuläre Route Mohamed Mbougar Sarr gilt als literarische Sensation. Bereits als junger Autor greift er mit intellektueller Reife und stilistischer Brillanz Themen von weltliterarischem Rang auf. Sein Schreiben verbindet die Erfahrung senegalesischer Herkunft ... <p class="read-more-container"><a title="Vom Prix Goncourt zur Bibliothèque de Babel: Mohamed Mbougar Sarr" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/09/27/vom-prix-goncourt-zur-bibliotheque-de-babel-mohamed-mbougar-sarr/#more-9862" aria-label="Mehr Informationen über Vom Prix Goncourt zur Bibliothèque de Babel: Mohamed Mbougar Sarr">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Invasive Pflanzen und drittes Geschlecht: Caroline Lamarche</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/10/invasive-pflanzen-und-drittes-geschlecht-caroline-lamarche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Sep 2025 22:11:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/09/160343_couverture_Hres_0.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Caroline Lamarches Roman "Le bel obscur" (2025, Auswahlliste für den Prix Goncourt) ist eine Erkundung von Liebe, Erinnerung und Geschlechteridentitäten, in der eine Erzählerin nach dem Zerbrechen ihrer Ehe ihre eigene Identität und genealogische Vergangenheit ergründet. Der zentrale Titel „Le bel obscur“ ist eng mit dem verborgenen, queeren Leben ihres Vorfahren Edmond verbunden, dessen Auslöschung aus dem Stammbaum die Unterdrückung seiner irritierende Zwischenstellung repräsentiert. Der Roman dekonstruiert binäre Geschlechterordnungen, indem er Liebe als fluides, unsichtbares Band neu definiert, wobei die Erzählerin die Notwendigkeit des „Dritten“ gegenüber der exklusiven Zweierkonstellation auch für sich selbst als Ehefrau eines homosexuellen Mannes betont. In seiner hybriden Form aus Roman, Essay und Traumprosa transformiert "Le bel obscur" persönliches Leid in eine universelle poetische Erfahrung, die die Fragilität menschlicher Beziehungen, die Unsichtbarkeit bestimmter Identitäten und die schöpferische Kraft des Erzählens bekräftigt.]]></description>
		
		
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		<title>Silikonimplantat und Kriegsprothese: Arno Bertina</title>
		<link>https://rentree.de/2025/09/01/silikonimplantat-und-kriegsprothese-arno-bertina/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Sep 2025 05:57:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Arno Bertina]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087-1398x2048.jpg 1398w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/G10087.jpg 1653w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Arno Bertinas Roman "Des obus, des fesses et des prothèses" ("Granaten, Hintern und Prothesen", éd. Verticales, 2025) entwirft ein ebenso groteskes wie aufschlussreiches Panorama menschlichen Leidens und Überlebens an einem unwahrscheinlichen Ort: einem luxuriösen Hotelpalast in Gammarth, unweit von Tunis, angesiedelt ein bis zwei Jahre nach dem Sturz Ben Alis und inmitten des libyschen Bürgerkriegs. Auf der einen Seite beherbergt das Hotel schwer verstümmelte Männer, Überlebende des brutalen Libyen-Krieges, deren Körper von Granaten und Kugeln gezeichnet sind. Auf der anderen Seite finden sich Frauen ein, die sich ästhetischen Operationen unterzogen haben und nun, von Verbänden und Hämatomen gezeichnet, ihre Genesung abwarten. Diese beiden Gruppen, deren Körper auf unterschiedliche Weisen „beschädigt“ oder „modifiziert“ wurden, begegnen sich am Rande eines stillgelegten Swimmingpools, was eine Atmosphäre des Unbehagens, der Absurdität und einer stillen Konfrontation schafft, die über die gesamte Erzählung hinweg schwebt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Partnerschaft und Gewalt im Roman: Nathacha Appanah</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/29/partnerschaft-und-gewalt-im-roman-nathacha-appanah/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Aug 2025 08:02:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
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		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
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		<category><![CDATA[Nathacha Appanah]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782073080028_1_75-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782073080028_1_75-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782073080028_1_75.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Titel "La nuit au cœur" (2025) des neuen Romans von Nathacha Appanah spiegelt die zentralen Themen: Gewalt, Angst, Isolation, Trauma, aber auch Widerstand und die Suche nach Sinn und Erinnerung. Die Struktur des Romans gliedert sich in fünf Teile, die zwischen der persönlichen, autofiktionalen Erzählung der Autorin und den rekonstruierten Schicksalen von Emma und Chahinez wechseln, wobei eine "imaginäre Kammer" als Ort der Begegnung und Reflexion dient. Der Roman dekonstruiert Feminizide nicht als isolierte Vorfälle, sondern als Ausdruck eines tief verwurzelten patriarchalen Systems, das sich über Kulturen und Zeiten erstreckt. Der Roman kritisiert scharf die patriarchalen Gesellschaften, insbesondere in Algerien und auf Mauritius, wo Frauen mit Scheidung stigmatisiert werden und ihre Autonomie eingeschränkt ist. Die parallele Erzählung der drei Frauen – einer Überlebenden und zwei Opfern – unterstreicht die universelle Gefahr, der Frauen ausgesetzt sind, und die erschreckende Ähnlichkeit der Täterprofile und Gewaltmuster (Kontrolle, Eifersucht, Isolation, physische und psychische Misshandlung).]]></description>
		
		
		
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		<title>Alain Pacadis als Ikone der Pariser Underground-Szene: Charles Salles</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/23/9289/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 05:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
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		<category><![CDATA[Charles Salles]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="227" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/71uMlgCI0L._AC_UF8941000_QL80_-227x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/71uMlgCI0L._AC_UF8941000_QL80_-227x300.jpg 227w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/71uMlgCI0L._AC_UF8941000_QL80_.jpg 757w" sizes="auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px" />Charles Salles' Roman "Alain Pacadis, Face B", veröffentlicht im Jahr 2023, zeichnet ein vielschichtiges Porträt des französischen Journalisten und der „Glam-Punk-Ikone“ Alain Pacadis. Das Buch beleuchtet Pacadis' Leben, das exemplarisch für die radikalen gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche der Nachkriegszeit in Paris steht. Es begleitet ihn von seiner Jugend in ärmlichen Verhältnissen und seiner ersten politischen Manifestation im Jahr 1968, die seine Desorientierung und Suche nach Identität offenbart, über seine prägenden Erfahrungen mit Drogen, Sexualität und der Pariser Underground-Szene der 1970er Jahre, bis hin zu seinem tragischen Tod im Jahr 1986. Der Roman erforscht die tiefere, komplexere Persönlichkeit jenseits der Oberfläche: seine Familiengeschichte, seine jüdischen und griechischen Wurzeln, persönliche Traumata wie den Tod des Vaters und den Suizid der Mutter sowie seine tiefen Unsicherheiten. Diese weniger sichtbaren, intimen Schichten seines Wesens bilden seine „B-Seite“.]]></description>
		
		
		
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		<title>Übersehenes Interieur: Partikel, Zeichen und Kratzer bei Thomas Clerc</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/15/uebersehenes-interieur-partikel-zeichen-und-kratzer-bei-thomas-clerc/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Aug 2025 13:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2013]]></category>
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		<category><![CDATA[Guillaume Dustan]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Clerc]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="219" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/interieur-219x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/interieur-219x300.jpg 219w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/interieur-748x1024.jpg 748w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/interieur-768x1051.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/interieur.jpg 1096w" sizes="auto, (max-width: 219px) 100vw, 219px" />Thomas Clercs Bücher "Intérieur" und "Cave" sind eng miteinander verbunden und bilden eine kohärente, doch sich entwickelnde Erkundung des Raums, des Selbsts und des Schreibakts. Während "Intérieur" eine akribische Bestandsaufnahme des eigenen Wohnraums darstellt, erweitert "Cave" diese topografische Obsession zu einer Reise in das Verborgene, das Unausgesprochene und das Begehren. Die Bewegung vom sichtbaren, oberirdischen Leben zum unsichtbaren, unterirdischen Reich der Höhle symbolisiert dabei einen doppelten Prozess: die Fortführung einer bereits etablierten literarischen Methode und ihre radikale Vertiefung in die Komplexität menschlicher Innerlichkeit und seines Begehrens.]]></description>
		
		
		
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		<title>Burlesk und unheimlich: zwei Lesarten des Monströsen bei Arthur Dreyfus</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/10/burlesk-und-unheimlich-zwei-lesarten-des-monstroesen-bei-arthur-dreyfus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Aug 2025 19:54:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Dreyfus]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782818058619-475x500-1-205x300.webp" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782818058619-475x500-1-205x300.webp 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/9782818058619-475x500-1.webp 342w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Arthur Dreyfus’ "La troisième main" (P.O.L., 2023) erzählt in der Form eines „journal en désordre“ die Lebensgeschichte des jungen Paul Marchand, die vom Ersten Weltkrieg und einer grotesken medizinischen Grenzüberschreitung geprägt wird. Die erste Hälfte des Romans skizziert eine Kindheit in Besançon, deren Kontinuität mit dem Tod des Vaters und der fortschreitenden Verwahrlosung der Mutter zerbricht. Als Paul schwer verwundet wird, erwacht er nicht im Krankenhaus, sondern im Keller des androgyn inszenierten Camille Gottschalk, der an Menschen und Tieren bizarre Transplantationen vornimmt. Aus Pauls Bauch wächst fortan eine „dritte Hand“ des Deutschen Hans – ein lebendiger, fremder Arm, der sein Überleben sichert und ihn zugleich zum Monstrum macht. Der Text verwebt Krieg, Körperhorror und Identitätssuche und lässt offen, ob sein Protagonist Opfer, Täter oder Komplize des eigenen Überlebens ist. - Der Artikel liest Dreyfus’ Roman doppelt: als unheimliche Parabel über Entfremdung und als grotesk-burleske Körperfantasie. In der einen Lesart ist Gottschalks Labor ein Ort des wissenschaftlichen Grauens, die dritte Hand ein unheimlicher Fremdkörper, der Autonomie und Identität untergräbt. In der anderen erscheint dasselbe Szenario als schillerndes, libertines Spektakel, in dem ein Candide-ähnlicher Erzähler durch ein anatomisches Kuriositätenkabinett taumelt, in dem Geschlechtergrenzen, Moral und Körperformen lustvoll überschritten werden. Zwischen Horror und Überschuss changierend, wird das Monströse zur Bühne des Überlebens – und die „dritte Hand“ zum Symbol für die Ambiguität zwischen Fremdheit und Zugehörigkeit, Abscheu und Lust.]]></description>
		
		
		
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		<title>Schöne Lüge: Philippe Mezescaze</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/05/schoene-luege-philippe-mezescaze/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Aug 2025 17:06:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
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		<category><![CDATA[Philippe Mezescaze]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-768x1126.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-1048x1536.jpg 1048w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738-1397x2048.jpg 1397w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/D23738.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Philippe Mezescazes scheinbar autofiktionaler Roman "Mercurio" (Mercure de France, 2025) ist eine Meditation über Erinnerung, Begehren, Freundschaft und die Unmöglichkeit, die Wahrheit eines Menschen festzuhalten, als mentir vrai, als bella menzogna. Erzählt wird die Geschichte einer langjährigen Dreierbeziehung zwischen dem Ich-Erzähler, seinem Lebenspartner Almano und dem titelgebenden Mercurio, einer ebenso charismatischen wie widersprüchlichen Figur. Der Roman beginnt mit Mercurios plötzlicher Wiederkehr nach Jahren der Abwesenheit, gefolgt von einer vagen Andeutung einer schweren Krankheit. Doch was als dokumentarischer Erzählbericht beginnt, entfaltet sich rasch zu einem vielschichtigen poetischen Text, der mit Fiktion und Erinnerung, Mythos und Lüge spielt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Gärten der Verwandlung: Marivaux und Emmanuelle Bayamack-Tam</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/26/gaerten-der-verwandlung-marivaux-und-emmanuelle-bayamack-tam/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 11:36:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2018]]></category>
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		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Emmanuelle Bayamack-Tam]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="214" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Shotgun-Players-Triumph-of-Love-Veronica-Renner-Edward-1536x1097-1-300x214.webp" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Shotgun-Players-Triumph-of-Love-Veronica-Renner-Edward-1536x1097-1-300x214.webp 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Shotgun-Players-Triumph-of-Love-Veronica-Renner-Edward-1536x1097-1-1024x731.webp 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Shotgun-Players-Triumph-of-Love-Veronica-Renner-Edward-1536x1097-1-768x549.webp 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/Shotgun-Players-Triumph-of-Love-Veronica-Renner-Edward-1536x1097-1.webp 1536w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Der Artikel verbindet Pierre de Marivaux’ "Le Triomphe de l’amour" (1732) mit zwei zeitgenössischen Werken von Emmanuelle Bayamack-Tam, der Theateradaption "À l’abordage!" (2021) und dem Roman "Arcadie" (2018). Gemeinsamer Kern ist eine dramaturgische Grundkonstellation: Eine junge Figur dringt in eine abgeschottete Welt ein – sei es die philosophische Enklave Hermocrates, die sektenhafte Gemeinschaft Kinbotes oder die utopische Kommune Arcadys. In allen Fällen wird die Ordnung durch Liebe, Begehren und Verwandlung herausgefordert. Dabei variiert der Modus: Marivaux’ Komödie inszeniert eine strategische Maskerade zur Wiederherstellung der Ordnung; Bayamack-Tam transformiert dieses Modell in "À l’abordage!" zur queeren Farce und in "Arcadie" zur melancholischen Selbstsuche. Die Maske wird zur Identität, das theatrale Spiel zur existenziellen Transformation. Der Artikel zeigt, wie Bayamack-Tam Marivaux nicht nur aktualisiert, sondern auch radikal umcodiert: Statt einer binären Welt aus Vernunft und Gefühl entwirft sie fluide Identitäten, deren Begehren nicht normativ gezähmt, sondern politisch befreit ist. Während Marivaux die Liebe als Mittel der Restauration inszeniert, wird sie in "À l’abordage!" zur lustvollen Destabilisierung und in "Arcadie" zum Prüfstein utopischer Heilsversprechen. Farah ist dabei nicht mehr nur Subjekt der Verkleidung, sondern der Verwandlung selbst. Der Aufsatz liest Bayamack-Tams Werke als Hommage an Marivaux durch subversive Fortschreibung – ein queerer Humanismus, der Masken nicht fallen lässt, um Wahrheit freizulegen, sondern um Identität als offenes Werden zu behaupten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Hommage erweisen: Julien Perez</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/20/hommage-erweisen-thesen-zu-julien-perez/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Jul 2025 07:15:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Julien Perez]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71woEFn-fpL.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Julien Perez’ Roman "Hommages" (P.O.L, 2025) ist ein auf den ersten Blick fragmentarisches, in Wahrheit aber äußerst konsistentes Werk, das aus einer Vielzahl von Stimmen besteht – Briefe, Reden, Erinnerungen, Innenschauen –, die sich allesamt auf die in den Bergen verschwundene (mutmaßlich verstorbene) Künstlerfigur Gobain Machín beziehen. Der Leser erfährt nichts direkt aus dessen Perspektive, sondern erhält Informationen ausschließlich über die Erinnerungen von Angehörigen, Freunden, Mitstreitern, Kritikerinnen und Familienmitgliedern. Die literarische Konstruktion bedient sich der rhetorischen Form des Nachrufs – daher der Titel Hommages –, um über das Leben, die Persönlichkeit und das Werk eines fiktiven Künstlers zu sprechen, der offenbar nicht zuletzt durch seine Ambivalenzen so stark nachwirkt. - Was wie ein kollektives Erinnerungsprojekt erscheint, ist zugleich ein poetologisch raffiniertes Vexierspiel über Wahrheit und Fiktion, Nähe und Distanz, über das Ich und den Anderen. Die Vielzahl der Stimmen verschmilzt zu einem Chor, der sich weniger durch faktische Konsistenz als vielmehr durch emotionale und metaphorische Verdichtungen auszeichnet. Die Erzählung entsteht dabei durch Differenz: Aus dem Nebeneinander von Widersprüchen, sich überlagernden Perspektiven, Leerstellen und Brüchen ergibt sich ein Bild von Gobain – und zugleich ein poetologisches Selbstporträt des Romans.]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Architekt und sein Führer, contre-fiction: Jean-Noël Orengo</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/17/der-architekt-und-sein-fuehrer-contre-fiction-jean-noel-orengo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Jul 2025 11:15:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Noël Orengo]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71FjRqVMKeL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71FjRqVMKeL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71FjRqVMKeL._UF10001000_QL80_.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In seinem Roman "Vous êtes l'amour malheureux du Führer" setzt sich Jean-Noël Orengo fiktional mit der Figur Albert Speers auseinander. Dabei beleuchtet er dessen komplexe Beziehung zu Adolf Hitler, seine strategische Selbstdarstellung nach dem Krieg und die Macht von Erzählungen im Umgang mit historischer Wahrheit kritisch. Der Roman dekonstruiert Speers eigenes Narrativ - als Versuch, die eigene Verantwortung zu negieren - und offenbart die Mechanismen seiner Apologie. So setzte beispielsweise Speers Ministerium Millionen von Sklavenarbeitern ein, darunter viele Juden, und war für den Ausbau von Auschwitz zur größten Todesfabrik mitverantwortlich. Orengos Roman ist jedoch mehr als eine bloße historische Nacherzählung: Er ist eine Untersuchung der Konstruktion von Wahrheit und Fiktion in der Geschichtsschreibung – insbesondere im Kontext von Verbrechen und Erinnerung. Orengo entlarvt Speers "Erinnerungen" als meisterhaft konstruierte Erzählung, die die Wahrheit manipuliert und Speer als „Star der deutschen Schuld“ etabliert, indem er sich als „verantwortlich, aber nicht schuldig“ darstellt. Diese „Autofiktion“ ist so wirkmächtig, dass sie selbst historische Fakten überstrahlen kann. Der Roman stellt die Geschichtsschreibung als einen Kampf von Erzählungen dar, in dem Speer durch seine narrative Geschicklichkeit oft die Oberhand behält, selbst gegenüber widerlegenden Dokumenten. Orengo zeigt, wie schwierig es ist, die „Wahrheit“ über eine so dunkle Periode zu finden, wenn die Hauptakteure ihre eigene Geschichte meisterhaft fiktionalisieren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Er ist es, der mich hält: Simon Chevrier</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/10/er-ist-es-der-mich-haelt-simon-chevrier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Jul 2025 00:41:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Chevrier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="186" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/chevrier-186x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/chevrier-186x300.jpg 186w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/chevrier.jpg 306w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" />"Photo sur demande" (Stock, 2025) von Simon Chevrier ist ein autofiktionaler Roman, der das Leben eines jungen Mannes über ein Jahr hinweg beleuchtet. Der Roman wurde mit dem Prix Goncourt du Premier Roman 2025 ausgezeichnet, war auch Finalist für andere Preise. Das Buch zeichnet die prekäre Lebenswelt eines jungen Mannes nach, der zwischen abgebrochenen Studien, Escort-Diensten und einer belastenden familiären Situation taumelt. Diese Existenz mündet in eine tiefe persönliche Krise, ausgelöst durch den fortschreitenden Krankheitsverlauf und Tod seines Vaters während der COVID-Pandemie, was eine intensive Sinnsuche und eine fast obsessive Auseinandersetzung mit der "gelöschten" Geschichte eines Mannes auf einer Fotografie auslöst.]]></description>
		
		
		
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		<title>Frankreichs Topologie der Gewalt. Narrative Modellierungen im extrême contemporain: Markus Alexander Lenz</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/06/frankreichs-topologie-der-gewalt-narrative-modellierungen-im-extreme-contemporain-markus-alexander-lenz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Jul 2025 11:55:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="204" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/die-verletzte-republik-taschenbuch-markus-alexander-lenz-204x300.webp" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/die-verletzte-republik-taschenbuch-markus-alexander-lenz-204x300.webp 204w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/die-verletzte-republik-taschenbuch-markus-alexander-lenz-696x1024.webp 696w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/die-verletzte-republik-taschenbuch-markus-alexander-lenz-768x1129.webp 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/die-verletzte-republik-taschenbuch-markus-alexander-lenz.webp 816w" sizes="auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px" />Die vorliegende Studie Die verletzte Republik: erzählte Gewalt im Frankreich des 21. Jahrhunderts (Mimesis 101, Berlin: De Gruyter Brill, 2022) widmet sich einer hochaktuellen und gesellschaftlich drängenden Thematik: der Darstellung und Reflexion von Gewalt in der französischen Gegenwartsliteratur. Der Autor, Markus Alexander Lenz, bietet eine tiefgehende Analyse aktueller Erzähltexte, die größtenteils in der zweiten Dekade ... <p class="read-more-container"><a title="Frankreichs Topologie der Gewalt. Narrative Modellierungen im extrême contemporain: Markus Alexander Lenz" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/07/06/frankreichs-topologie-der-gewalt-narrative-modellierungen-im-extreme-contemporain-markus-alexander-lenz/#more-7929" aria-label="Mehr Informationen über Frankreichs Topologie der Gewalt. Narrative Modellierungen im extrême contemporain: Markus Alexander Lenz">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Reise und Revolution: Che Guevara bei Désérable und Femen bei de Villeneuve</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/05/reise-und-revolution-che-guevara-bei-deserable-und-femen-bei-de-villeneuve/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Jul 2025 13:09:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Camille de Villeneuve]]></category>
		<category><![CDATA[François-Henri Désérable]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="217" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-300x217.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-300x217.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-1024x741.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable-768x556.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/villeneuve-deserable.jpg 1047w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />François-Henri Désérables "Chagrin d'un chant inachevé" und Camille de Villeneuves "Lis Lénine !" (beide Gallimard, 2025) verbindet auf den ersten Blick wenig: der eine ein Reisebericht auf den Spuren Che Guevaras in Südamerika, getragen von literarischem Witz und romantischem Abenteuergeist; der andere ein schonungsloses Kriegs- und Körperdrama aus der Gegenwart, ein apokalyptisches Panoptikum von Aktivismus, Kunst, Trauma und Krieg im Osten Europas. Beide Romane beschäftigen sich mit zentralen Themen wie Freiheit, politischen Utopien und dem Scheitern von Revolutionen, die sie jedoch in sehr unterschiedlichen Kontexten entfalten. In beiden Texten steht das Reisen im Zentrum, verstanden als existenzielle Grenzerfahrung: François-Henri Désérables Erzähler folgt den Spuren des jungen Ernesto Guevara, noch bevor dieser zur Revolutionsikone wurde, und erkundet dabei die ambivalente Beziehung zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlichen Zwängen. Camille de Villeneuve wiederum erzählt von einer Reise zurück in den Krieg, in der persönliche Freiheit zur Illusion gerät und die politische Ideologie, hier in Form von feministischer Militanz und sowjetischen Mythen, als zerstörerische Kraft erscheint.]]></description>
		
		
		
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		<title>Kindheit und Selbsttransformation: Edouard Louis und Didier Eribon</title>
		<link>https://rentree.de/2025/06/11/kindheit-und-selbsttransformation-edouard-louis-und-didier-eribon/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jun 2025 12:46:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Didier Eribon]]></category>
		<category><![CDATA[Edouard Louis]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/changer-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/changer-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/06/changer.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Edouard Louis stellt in "Changer : méthode" (Seuil, 2021) die Kindheit als fundamentales Ursprungsmilieu des Schmerzes, der Ausgrenzung und des unaufhaltsamen Drangs nach Flucht dar; die Erfahrungen von Armut, die Rauheit des sozialen Umfelds und insbesondere die ständige Demütigung und Schmähung aufgrund wahrgenommener Weiblichkeit und Homosexualität schaffen beim Erzähler eine tiefe Wunde und das Bewusstsein für ein vorbestimmtes, zu meidendes Schicksal. Dieser existenzielle Zwang zur Flucht wird zum Motor einer lebenslangen und radikalen Selbsttransformation, die nicht als natürliche Entwicklung, sondern als bewusste, disziplinierte und methodische „Arbeit“ am eigenen Körper und Sein begriffen wird, die oft durch Rollenspiel und Nachahmung erlernt wird. Die Kindheit liefert nicht nur die Motivation für den Wandel, sondern auch – durch frühe Überlebensstrategien – die ersten Ansätze dieser „Methode“, während spätere kindliche und jugendliche Begegnungen (z.B. mit Bibliothekaren und Elena) als Katalysatoren und Wegbereiter für den Bruch mit der Herkunftswelt dienen. Auch im Erwachsenenalter bleibt die Kindheit eine ständige, oft schmerzhafte Referenz, die die fortlaufende Notwendigkeit der Veränderung antreibt und das Ringen um Identität und Zugehörigkeit prägt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Trump, Musk, Putin: politische Farce bei Philippe Claudel</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/31/trump-musk-putin-politische-farce-bei-philippe-claudel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 May 2025 05:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Claudel]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-195x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-195x300.jpeg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-664x1024.jpeg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X-768x1184.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782234099913-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />„Wanted“ (2025) von Philippe Claudel ist eine politische Satire, die zeitgenössische Personen und Machthaber wie Elon Musk, Donald Trump und Wladimir Putin in einer extrem überzeichneten Fabel inszeniert. Der Roman beginnt mit Musks absurd übersteigerter Ankündigung, ein Kopfgeld auf Putin auszusetzen, um das reale politische Spektakel der Gegenwart zu übertreffen und dadurch zu entlarven. Claudel nutzt dabei einen direkten, burlesken und komisch-tragischen Stil, der z.B. Elemente des Westerns aufgreift, um die Akteure als narzisstische "Clowns" und "Fous" darzustellen, die alle diplomatischen Usancen sprengen. Unter der Oberfläche von Klamauk und Parodie verbirgt sich eine scharfe Kritik am Einfluss des Geldes auf die Politik, der Erosion von Moral und Dialog in einer Ära der "wild diplomacy" und der zunehmenden Verbreitung von Ignoranz und Dummheit. Aus einer spezifisch französischen Perspektive, die das Eindringen dieser Figuren in den Alltag empfindet, bietet der Roman eine dystopische Sicht auf eine Welt, in der Fiktion und Realität ununterscheidbar werden und die Macht des Kapitals über Leben und Tod entscheidet. Philippe Claudel, der als Präsident der Académie Goncourt eine wichtige Stimme im französischen Literaturbetrieb ist, setzt Humor als "Waffe" ein, um dem "allgemeinen Durcheinander" der Welt entgegenzutreten und den Leser zum Lachen statt zum Verzweifeln einzuladen. Ein Kernthema der Satire ist die Aufhebung der Grenze zwischen bizarrer Realität und plausibler Fiktion, die zeigt, wie Wahnsinn zur glaubwürdigen Realität werden kann. Unter der satirischen Oberfläche transportiert der Roman eine düstere und beunruhigende Botschaft über das kollektive Versagen, das solchen Figuren an die Macht verholfen hat, und die Gefahr einer Welt, die von "cinglés" (Verrückten) beherrscht wird. Die knappe Form des Romans (ca. 140 Seiten), der begrenzte Personenkreis und die lineare Erzählweise unterstreichen die Direktheit des Angriffs auf die dargestellten Machtfiguren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Schnitt ins Fleisch: Claire Berest über den Prozess Gisèle Pelicot</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/28/schnitt-ins-fleisch-claire-berest-ueber-den-prozess-gisele-pelicot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 May 2025 14:17:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Claire Berest]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782226503572-j-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782226503572-j-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/9782226503572-j.jpg 547w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Claire Berests „La Chair des autres“ (2025) geht aus ihrer Beobachtung des Prozesses gegen Dominique Pelicot im Herbst 2024 hervor, den sie zunächst als Reporterin begleitete. Der Ehemann hat über Jahre hinweg Männer in sein Haus eingeladen, um seine mit Medikamenten sedierte Ehefrau, Gisèle Pelicot, ohne deren Wissen sexuell zu missbrauchen. Die Autorin verbindet juristische Protokollierung mit literarischer und philosophischer Reflexion und stellt grundlegende Fragen nach dem Wesen des Bösen, nach der Möglichkeit von Zeugenschaft und nach den kulturellen Voraussetzungen sexueller Gewalt. Dabei bezieht sie sich auf Theoretikerinnen wie Camille Froidevaux-Metterie und Simone Weil, ebenso wie auf Hannah Arendts Konzept der „Banalität des Bösen“ und Roland Barthes' Analyse des fait divers. Ein zentraler Vergleich gilt der Leerstelle des Bildes bei KZ-Überlebenden, denen Berest das „wiederhergestellte Bild“ der Vergewaltigungsvideos gegenüberstellt – als Medium der Anerkennung und Sichtbarmachung. Der Text ist keine lineare Reportage, sondern eine vielschichtige Untersuchung darüber, wie Recht, Körper und Sprache in einem kulturellen Kontext verhandelt werden, in dem das Bewusstsein für den Anderen erschreckend lückenhaft erscheint.]]></description>
		
		
		
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		<title>Transgression bei Guillaume Lebrun: Jeanne d&#8217;Arc und Héliogabale</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/26/transgression-bei-guillaume-lebrun-jeanne-darc-und-heliogabale/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 May 2025 08:21:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Antonin Artaud]]></category>
		<category><![CDATA[Céline Minard]]></category>
		<category><![CDATA[Guillaume Lebrun]]></category>
		<category><![CDATA[Stéphanie Hochet]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="242" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-300x242.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-300x242.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-1024x825.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides-768x618.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250519_171827_Slides.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Guillaume Lebruns Romane „Fantaisies guérillères“ (2022) und „Ravagés de splendeur“ (2025) erzählen Geschichte als Produkt von Fiktion, Macht und Inszenierung. Der Artikel analysiert, wie Lebrun Jeanne d’Arc zur feministischen Medienfigur umcodiert und den römischen Kaiser Héliogabale als transidente Mystikerin der Dekadenz stilisiert. Mittelalter und römische Antike dienen als ästhetischer und ideologischer Resonanzraum für Fragen von Identität und Fiktion: In „Fantaisies guérillères“ wird Jeanne von einer Frauenclique erfunden und strategisch in Szene gesetzt als Symbol weiblicher Gegenmacht. In „Ravagés de splendeur“ führt die Überschreitung in Anlehnung an Antonin Artauds „Héliogabale“ in einen brutalen Tod, dieser Tod markiert die Unvereinbarkeit von Héliogabales Existenz mit einer Ordnung, die das Andere auslöschen muss. Lebrun versteht Literatur als Affektmaschine und Störinstanz – seine Sprache will nicht abbilden, sondern destabilisieren und befreien, in diesen queeren, mythopoetischen Transgressionen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetiken der Kindheit: Jean-Baptiste Del Amo, Le Fils de l&#8217;homme (2021)</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/03/poetiken-der-kindheit-jean-baptiste-del-amo-le-fils-de-lhomme-2021/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 May 2025 18:44:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Baptiste Del Amo]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/71WsBaUNrgL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/71WsBaUNrgL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/71WsBaUNrgL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/71WsBaUNrgL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/71WsBaUNrgL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/71WsBaUNrgL-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/71WsBaUNrgL.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Jean-Baptiste Del Amos Roman „Le Fils de l'homme“ (Gallimard, 2021, deutsch von Karin Uttendörfer: „Der Menschensohn“, Matthes und Seitz, 2025) entwirft eine Kindheitserfahrung im Grenzbereich zwischen Trauma, Naturgewalt und archaischer Initiation. In einer Sprache von minimalistischer poetischer Verdichtung und biblischer Wucht wird geformt, deformiert und gebrochen: Die Kindheit erscheint hier nicht als Ort der Unschuld, sondern als Durchgangsstadium des Werdens, geprägt von Schweigen, Körperlichkeit und unauflöslicher Ambivalenz zwischen Nähe und Entfremdung. Im Zentrum des Romans steht das Verhältnis zwischen einem Vater und seinem Sohn – ein Verhältnis, das nicht durch Dialog oder gegenseitiges Verständnis geprägt ist, sondern durch körperliche Präsenz, Sprachlosigkeit und archaische Rituale. In einer Prosa von dichter Schönheit und unerbittlicher Genauigkeit erkundet Del Amo die Dynamik zwischen einem Mann, der aus der Geschichte gefallen zu sein scheint, und einem Kind, das in dieser Geschichte aufwächst, ohne sie begreifen oder benennen zu können.]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetiken der Kindheit: Marouane Bakhti, Comment sortir du monde (2023)</title>
		<link>https://rentree.de/2025/05/01/poetiken-der-kindheit-marouane-bakhti-comment-sortir-du-monde-2023/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 May 2025 15:48:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Marouane Bakhti]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="217" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/51afr14kx7L._AC_UF8941000_QL80_-217x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/51afr14kx7L._AC_UF8941000_QL80_-217x300.jpg 217w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/51afr14kx7L._AC_UF8941000_QL80_.jpg 722w" sizes="auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px" />Marouane Bakhtis „Comment sortir du monde“ (2023) erzählt den Versuch eines jungen Mannes mit migrantischem Hintergrund, sich durch Erinnerung, Sprache und Spiritualität aus familiärer Gewalt, kultureller Entfremdung und innerer Zersplitterung zu befreien – nicht um die Welt zu verlassen, sondern um in ihr einen eigenen, verletzlichen und zugleich standhaften Ort des Daseins zu schaffen. Dies ist ein Selbstermächtigungstext, der in poetisch verdichteten Kapiteln die Kindheit, Jugend und frühe Selbstfindung eines queeren Ich-Erzählers mit französisch-arabischem Hintergrund schildert. Hierbei entwickelt er eine Poetik der Kindheit, in der Erinnerung nicht retrospektiv geordnet, sondern als sinnlich-fragiles Erleben rekonstruiert wird. Der Erzähler schreibt aus der Perspektive des verletzten, staunenden Kindes, dessen Wahrnehmung von Natur, Sprache und Körperlichkeit zugleich magisch und bedroht ist. Die fragmentarische Form, durchsetzt mit Bildern, Gerüchen, Geräuschen und poetischen Assoziationen, spiegelt die Zerrissenheit und Offenheit des kindlichen Bewusstseins. Kindheit erscheint dabei nicht als verlorene Unschuld, sondern als Ursprung von Differenz, von Scham, Begehren und Sprachlosigkeit – aber auch als Quelle einer Widerstandskraft, die sich dem Vergessen widersetzt. Der Roman macht spürbar, dass Schreiben hier nicht nur Erinnern ist, sondern ein behutsames Wiedererschaffen jener inneren Welt, die „aus der Welt“ gefallen war.]]></description>
		
		
		
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		<title>Poetiken der Kindheit: Sébastien Dulude, Amiante (2024)</title>
		<link>https://rentree.de/2025/04/28/poetiken-der-kindheit-sebastien-dulude-amiante-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Apr 2025 12:25:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Naturfiktionen]]></category>
		<category><![CDATA[Sébastien Dulude]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="200" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/dulude-200x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/dulude-200x300.jpg 200w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/dulude.jpg 667w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" />Sébastien Duludes Roman "Amiante" (2024) erzählt die Kindheit von Steve Dubois in der kanadischen Bergbaustadt Thetford Mines – einem Ort, der vom Asbestabbau ökologisch und sozial verseucht ist. In einer Welt aus Gewalt, Krankheit und schwelender Resignation findet Steve im gleichaltrigen Charlélie Poulin eine existentielle Freundschaft: gemeinsam bauen sie Baumhäuser, streifen durch verwüstete Landschaften und teilen erste, zarte Erfahrungen körperlicher Nähe. Die episodische, fragmentarische Struktur von "Amiante" spiegelt die poetische Arbeit der Erinnerung: Dulude zeigt die Kindheit als durchdrungen von Verletzlichkeit, Schönheit, Gefahr und Sinnlichkeit. Körperliche Erfahrungen – Hitze und Staub, Verletzungen, Berührungen – prägen das Erleben und formen eine frühe Wahrnehmungsintensität, die der Ursprung poetischer Sprache wird. Der Artikel untersucht, wie Dulude die Kindheit nicht nostalgisch verklärt, sondern sie als dynamischen Ursprungsraum des Erzählens darstellt – als eine Erfahrungsform, in der die ersten Impulse von Sprache, Imagination und Verlust ineinander greifen. "Amiante" ist ein melancholisches, kraftvolles Buch über Kindheit im Angesicht einer toxischen Welt – und über die Möglichkeit, durch Sprache das Flüchtige zu bewahren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Paris, Stadt in Ruinen: Philippe Bordas</title>
		<link>https://rentree.de/2025/04/25/paris-stadt-in-ruinen-philippe-bordas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Apr 2025 05:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Bordas]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-3-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-3-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-3-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-3-768x1125.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/04/files-3.jpeg 827w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Philippe Bordas’ Roman "Les Parrhésiens" (2025) ist eine Hommage an die alten „Parrhésiens“ – jene Pariser, die Rabelais zufolge die Gabe der freien Rede (parrhêsia) mit dem Mut verbanden, alles auszusprechen. Bordas’ Erzähler entdeckt diese ausgestorben geglaubte Spezies in einer verlassenen Turnhalle am Boulevard Montparnasse wieder. Die Begegnung mit diesen wortgewaltigen, körperlich deformierten, aber heroisch auftretenden Männern wird zur literarischen Urszene: Ein sozialer Abstieg, ein körperlicher Aufstieg, eine poetische Wiedergeburt. In der Konfrontation mit der Pariser Marginalität inszeniert Bordas eine Poetik der „parrhêsia“ – widerständig, archaisch, körperlich, ekstatisch. Von der ersten Seite an ist Paris kein Hintergrund, sondern ein Organismus: atmend, schwitzend, alternd. Der Erzähler lebt über dem Friedhof Montparnasse, in einem „belvédère à vertiges“, und blickt auf ein Paris, das sich seiner Auflösung entgegen neigt. Diese Stadt lebt – aber anders als das klischeehafte Paris der Romane, Filme und Reiseführer. Sie lebt als corps malade, als Körper, der von Gentrifizierung, Sprachverfall und sozialer Entwurzelung befallen ist. Dennoch trägt sie Spuren eines alten Lebens, das wieder aufflackert: in den Stimmen der „Parrhésiens“, in den Bewegungen der Körper, in der Gewalt der Rede.]]></description>
		
		
		
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		<title>Yannick Haenel und Francis Bacon</title>
		<link>https://rentree.de/2025/03/09/yannick-haenel-und-francis-bacon/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Mar 2025 05:18:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Yannick Haenel]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="196" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/bacon-196x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/bacon-196x300.jpeg 196w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/bacon-671x1024.jpeg 671w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/bacon-768x1173.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/bacon.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" />Die Kunst Francis Bacons ist ein Schrei: Seine Bilder, geprägt von Fleischlichkeit, verzerrten Gesichtern und schattenhaften Existenzen, drücken das Menschliche in einer fragilen, aber auch gewaltträchtigen Form aus. Yannick Haenels literarische Annäherung an Bacons Werk in "Bleu Bacon" ist ein kompromissloses Eintauchen in die Grundlagen dieser Bilder. Der Text selbst wird zu einer Art performativer Kunst, einer sprachlichen Spiegelung der Bacon’schen Deformationen, Verzerrungen und existenziellen Dringlichkeiten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Ich will alles geschrieben haben und alles zerstören: Pierre Michon</title>
		<link>https://rentree.de/2025/02/27/ich-will-alles-geschrieben-haben-und-alles-zerstoeren-pierre-michon/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2025 20:13:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
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		<category><![CDATA[Pierre Michon]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/Iliade.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Artikel verfolgt exemplarische Interpretationslinien von Pierre Michons „J’écris l’Iliade“, das Homers „Ilias“ nicht nur nacherzählt, sondern mit wuchtiger, bildgewaltiger Sprache neu erschafft, indem es epische Gewalt, mythisches Begehren und Fragmente des antiken Epos in die Zerrissenheit der Moderne überführt. In 14 relativ autonomen Episoden verdichten sich poetische Halluzination und historische Reflexion zu einer fiebrigen Auseinandersetzung mit dem Erbe des blinden Homer, während Figuren wie Achilles, Helena oder Alexander nicht als starre Mythen, sondern als lebendige Obsessionen erscheinen. Michon verbindet anthropologische Perspektiven – etwa Descolas Analogismus oder Heideggers Idee des Tempels als Wahrheitsraum – mit einer archaisch-modernen Spannung, die Schönheit und Schrecken gleichermaßen beschwört und entgrenzt. Besonders provokant sind Szenen, in denen Erotik und Gewalt, Kunst und Zerstörung in eine fiebrige Spannung geraten, etwa bei Persephones Entführung, oder wenn die abschließende Bücherverbrennung den Mythos gleichzeitig tilgt und fortschreibt. Die besondere Leistung des Buchs liegt darin, die „Ilias“ nicht als literarisches Monument zu feiern, sondern als ein unablässiges Ringen mit Sprache und Geschichte zu zeigen – eine atemlose, schmerzhafte, hypnotische Beschwörung, die das Epos neu erfindet und zugleich radikal infrage stellt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Palästina, Wunde und Traum: Karim Kattan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2025 12:16:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
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		<category><![CDATA[Karim Kattan]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="176" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-176x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-176x300.jpg 176w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-599x1024.jpg 599w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-768x1313.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL-899x1536.jpg 899w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/02/612N7EXZLL.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px" />Karim Kattans „L’Éden à l’aube“ erzählt eine Liebe in Palästina zwischen Isaac und Gabriel, die sich in einem von politischen, religiösen und gesellschaftlichen Konflikten durchzogenen Jerusalem entfaltet. Der Roman wechselt zwischen lyrischer Entrücktheit und politischer Realität, zwischen mythischer Überhöhung und der Brutalität des Alltags. Der Text entfaltet sich in einer traumhaften Erzählweise, während er zugleich die Spuren kolonialer Gewalt und territorialer Enge unübersehbar macht. Interessanterweise bleiben Utopie und Dystopie in „L’Éden à l’aube“ nicht klar getrennt. Vielmehr entsteht eine Hybridität, in der Hoffnung und Zerstörung ineinander übergehen. Isaac, der potenziell geopferte Sohn Abrahams, und Gabriel, der göttliche Bote, befinden sich in einer Welt, die am Rande des Paradieses steht.]]></description>
		
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		<title>Simon Liberati, Dämonen in Rom</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jan 2025 13:47:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Liberati]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/Capitole-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/Capitole-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/Capitole.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Simon Liberatis Roman „La hyène du Capitole“ aus dem Jahr 2024 (Band zwei einer Trilogie über die Auflösung der 60er Jahre) ist eine Synthese aus dekadentem Stil, literarischer Reflexion und soziokultureller Analyse. Der Roman spielt im Jahr 1970 und folgt Alexis Tcherepakine, einem jungen Mann in Rom, dessen Leben von einer Mischung aus Exzentrik, intellektueller Suche und sozialem Abstieg geprägt ist. Alexis, der sich in der dekadenten High Society der Stadt bewegt, arbeitet als Assistent eines Fotografen und gerät in die Anziehungskraft von Persönlichkeiten wie dem Schauspieler Helmut Berger und seiner eigenen Schwester Taïné. Während Alexis durch die Straßen Roms wandert, begegnet er der Schönheit und dem Verfall der Stadt gleichermaßen.]]></description>
		
		
		
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		<title>Anderes Alphabet: William Marx</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jul 2024 22:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2018]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[William Marx]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="184" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/9782707344137_large-184x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/9782707344137_large-184x300.jpg 184w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/9782707344137_large-629x1024.jpg 629w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/9782707344137_large-768x1251.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/9782707344137_large.jpg 920w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" />William Marx’ 2018 erschienenes Werk Un Savoir Gai ist nicht nur eine persönliche Reflexion über die homosexuelle Erfahrung; es stellt einen theoretischen Entwurf dar, der die Art und Weise, wie Wissen generiert und Weltwahrnehmung geformt wird, fundamental hinterfragt. Basierend auf der spezifischen „schwulen“ Existenzperspektive entwickelt Marx ein „schwules Wissen“, das etablierte heteronormative Erzählungen und gesellschaftliche ... <p class="read-more-container"><a title="Anderes Alphabet: William Marx" class="read-more button" href="https://rentree.de/2024/07/21/anderes-alphabet-william-marx/#more-8426" aria-label="Mehr Informationen über Anderes Alphabet: William Marx">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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