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	<title>Romans croisés &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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	<title>Romans croisés &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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		<title>Drieu la Rochelle als Antisemit auf dem Papier: Liebe und Kollaboration bei Jean-Noël Orengo</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 02:06:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71zQtdLX7PL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71zQtdLX7PL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71zQtdLX7PL._SL1500_-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71zQtdLX7PL._SL1500_-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71zQtdLX7PL._SL1500_.jpg 1025w" sizes="(max-width: 205px) 100vw, 205px" />Jean-Noël Orengos Roman "La Rédemption" (2026) erzählt, wie sich die großbürgerliche, jüdischstämmige Colette Jéramec und der mittellose Schriftsteller Pierre Drieu la Rochelle vor 1914 kennenlernen, heiraten, sich 1921 scheiden lassen und dennoch verbunden bleiben, bis Pierre, inzwischen Kollaborateur und Ideologe eines "faschistischen Sozialismus", 1943 über sein eigenes Netzwerk aus deutschen Funktionären die Freilassung Colettes und ihrer beiden Söhne aus Gestapo-Haft erwirkt, ihr bis zu seinem Suizid 1945 nahebleibt und am Ende selbst von ihr gepflegt und beerdigt wird. Der Aufsatz liest diesen Stoff nicht als moralisches Rechenexempel, sondern zeigt, wie der Roman auf jeder Ebene der Narration dieselbe Grundfigur durchspielt: die Unmöglichkeit, eine private Liebesgeschichte von der kollektiven Schuld ihrer Zeit zu trennen, ohne die eine der anderen zu opfern. Ausgehend von einer selbstkritischen Reflexion der eigenen, deutschen Leseposition verfolgt die Argumentation, wie sich diese Spannung in Orengos offener, quellenkritischer Erzählweise niederschlägt, in der Konfrontation von Colettes bürokratisch zugeschriebener und durch Pierre nie klar bestimmter Jüdischkeit, im ambivalenten Bild Deutschlands als Projektionsfläche und Vernichtungsapparat sowie im Kontrast zu Drieus eigenem Roman "Gilles", dessen ästhetisierter Opfertod im Spanischen Bürgerkrieg durch die medizinisch nüchternen, von Colette begleiteten Suizidversuche des realen Pierre bei Orengo gezielt entzaubert wird. Zuletzt zeigt der Aufsatz, gestützt auf Zeugnisse aus dem Cahier de l'Herne, wie sich Orengos Formel vom "Antisemiten auf dem Papier" in zeitgenössischen Quellen wiederfindet, und liest den Roman als bewusst offenes, politisch nach beiden Seiten lesbares Werk, das seine eigene Ambivalenz zum Erkenntnisverfahren erhebt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das Datum, das nicht vergeht: Generationengedächtnis von drei Frauen bei Maylis Besserie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 02:00:38 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Julie Héraclès]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71wnds8ITVL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71wnds8ITVL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71wnds8ITVL._SL1500_-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71wnds8ITVL._SL1500_-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/71wnds8ITVL._SL1500_.jpg 1025w" sizes="(max-width: 205px) 100vw, 205px" />Maylis Besseries Roman "Les Filles du 9 juin" (Grasset, 2026) erzählt, wie ein einziges Kriegsverbrechen, das Massaker der SS-Division "Das Reich" an neunundneunzig Männern in Tulle am 9. Juni 1944, über drei Generationen von Frauen hinweg weiterlebt: in Hortense, die an diesem Tag ihren Mann verliert und eine Tochter gebiert, in Louise, die genau an diesem Datum zur Welt kommt und das Trauma als Nachtangst und psychiatrische Krise austrägt, und in Zoé, die als Geschichtslehrerin sechzig Jahre später beginnt, die Zeugenaussagen der Überlebenden zu sammeln, bis der Roman im April 2002 endet, am Tag, an dem der Front National erstmals in die Stichwahl um die französische Präsidentschaft einzieht. Der vorliegende Aufsatz liest diesen dokumentarisch grundierten Familienroman als eine Poetik der Zeugenschaft: Er verfolgt, wie die Romanstrukturen eine Bewegung vom Schweigen zum Sprechen orchestrieren, wie der Roman reale Namen und Prozesse mit erfundenen Schicksalen verschränkt, um die Grenze zwischen Historie und Fiktion produktiv zu machen, und wie der Vergleich des Erzählrahmens vom jubelnden Balkon zum bangen Fernsehabend die zyklische, warnende Struktur des Buches offenlegt. In einem eigenen Kapitel wird diese Lektüre kontrastiv erweitert, durch den Vergleich mit Julie Héraclès' "Vous ne connaissez rien de moi" (JC Lattès, 2023), das im selben Kriegssommer spielt, aber die Perspektive einer wegen "horizontaler Kollaboration" öffentlich beschämten Frau einnimmt und damit zeigt, dass der Befreiungssommer 1944 in Frankreich nicht nur ein Kapitel des Heldentums, sondern auch eines der Scham bereithält.]]></description>
		
		
		
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		<title>Klaus Kellmann: Der Traum von der Großmacht. Frankreich: Deutschlands schwieriger Nachbar</title>
		<link>https://rentree.de/2026/09/20/klaus-kellmann-der-traum-von-der-grossmacht-frankreich-deutschlands-schwieriger-nachbar/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 14:58:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="200" height="282" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/09/37864.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" />Kai Nonnenmacher: Rezension von: Klaus Kellmann: Der Traum von der Großmacht. Frankreich: Deutschlands schwieriger Nachbar, Berlin: Metropol 2026, in: sehepunkte 26 (2026), Nr. 9 [15.09.2026], URL: https://www.sehepunkte.de/2026/09/41463.html Klaus Kellmanns Der Traum von der Großmacht deutet die französische Geschichte von der Dreyfus-Affäre bis zur Gegenwart als Geschichte eines nicht bewältigten Abstiegs von der Groß- zur Mittelmacht. Im ... <p class="read-more-container"><a title="Klaus Kellmann: Der Traum von der Großmacht. Frankreich: Deutschlands schwieriger Nachbar" class="read-more button" href="https://rentree.de/2026/09/20/klaus-kellmann-der-traum-von-der-grossmacht-frankreich-deutschlands-schwieriger-nachbar/#more-17690" aria-label="Mehr Informationen über Klaus Kellmann: Der Traum von der Großmacht. Frankreich: Deutschlands schwieriger Nachbar">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Der enteignete Dichter: Louis Aragon und Paul Nizan. Fiktion und Verleumdung bei François Weerts</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/28/der-enteignete-dichter-louis-aragon-und-paul-nizan-fiktion-und-verleumdung-bei-francois-weerts/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2026 12:22:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/61qkK2HWn4L-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/61qkK2HWn4L-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/61qkK2HWn4L-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/61qkK2HWn4L.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />François Weerts entführt in "On a tiré sur Aragon" (Rouergue, 2025) seine Leser in ein Brüssel des Kalten Krieges: Im Mai 1965 verfehlt ein Schuss auf den Dichter Louis Aragon nur knapp sein Ziel, und der Privatdetektiv Viktor Rousseau, Sohn kommunistischer Eltern und Kenner des amerikanischen Kriminalromans, wird beauftragt, den Vorfall aufzuklären. Seine Ermittlung führt ihn zurück in den Mai 1940 und zu einer bis heute belasteten literaturpolitischen Wunde: dem Bruch zwischen Aragon und Paul Nizan, der aus Protest gegen den deutsch-sowjetischen Pakt aus der Kommunistischen Partei austrat, kurz darauf fiel und postum als Verräter verleumdet wurde – mit Aragon unter den Verantwortlichen dieser Kampagne. Der vorliegende Aufsatz liest Weerts’ Roman als poetologisches Verfahren, nicht als bloße Kriminalhandlung: Er zeigt, wie der Text seine eigene Titelfigur systematisch der erzählerischen Subjektposition beraubt und zum Objekt fremder, interessengeleiteter Deutungen macht, und verfolgt dieses Verfahren durch Gattung, Erzählperspektive, Zeit- und Raumstruktur, Bildlichkeit und Geschlechterarrangement bis in seine autopoetologische Pointe hinein. Den Schlüssel dazu liefert ein Blick auf Aragons eigenen, weniger beachteten Kriegsroman "Les Communistes", in dem Nizan bereits einmal, unter dem Namen Patrice Orfilat, fiktional verurteilt wurde: Die Analyse macht sichtbar, dass Weerts’ Roman damit auch unausgesprochen jenes Verfahren an Aragon wiederholt, das dieser selbst an Nizan erprobt hatte, und dass am Ende ein Bild des Schriftstellers entsteht, das zwischen Denkmal und Angeklagtem schwankt, ohne sich je endgültig zu entscheiden.]]></description>
		
		
		
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		<title>Verrat als Erzählprinzip: Romain Slocombe über den Juli 1940</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/27/verrat-als-erzaehlprinzip-romain-slocombe-ueber-den-juli-1940/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Aug 2026 07:33:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="198" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/7115MmRVXVL._SL1500_-198x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/7115MmRVXVL._SL1500_-198x300.jpg 198w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/7115MmRVXVL._SL1500_-675x1024.jpg 675w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/7115MmRVXVL._SL1500_-768x1165.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/7115MmRVXVL._SL1500_.jpg 989w" sizes="auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px" />Romain Slocombes 2026 bei den Éditions du Seuil erschienener Roman "Un été de trahison" verdichtet acht Julitage des Jahres 1940, von der militärischen Niederlage bis zur Errichtung des Vichy-Regimes, zu einem Kammerspiel aus vier Frauenfiguren, die im Pariser Hôpital américain und in dessen Umkreis aufeinandertreffen: eine an ihr Gipskorsett gefesselte Fliegerin, verheiratet mit einem kollaborationistischen Journalisten; eine Krankenschwester, die im Auftrag der halblegalen Kommunistischen Partei spioniert; eine junge Kriegswitwe auf der Suche nach gesellschaftlichem Aufstieg im Kollaborationsmilieu; und eine Vierzehnjährige, die zwischen Kabelsabotage, einem mutmaßlichen Tötungsdelikt und einer heiklen Bekanntschaft mit einem deutschen Zensuroffizier ihre eigene, unfertige Form von Widerstand entwickelt. Der Aufsatz liest diesen dicht mit realen Dokumenten, Personen und Zeitungsauszügen durchwirkten Roman als eine Erzählung, die ihr Titelthema, den Verrat, nicht nur behauptet, sondern in der eigenen Form durchführt: Er zeigt, wie Slocombe Chronik und Fiktion so ineinandermontiert, dass Geschichtsschreibung selbst als Konstruktion sichtbar wird, wie mit der Nebenfigur Paul-Jean Husson ein Verweis auf den eigenen früheren Roman "Monsieur le Commandant" die Erzählung in eine größere, sich selbst kommentierende Werkwelt einbettet, und wie Körpermetaphorik, Raumaufteilung zwischen Paris und Vichy sowie eine minutiös getaktete Zeitstruktur einer schroffen Schlussthese zuarbeiten: Am Ende steht keine Gerechtigkeit zwischen Schuld und Widerstand, sondern ein Archiv aus Stimmen, das die Ironie eines Sommers festhält, in dem sich ein Land selbst verlor, ohne es zunächst zu bemerken.]]></description>
		
		
		
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		<title>Das Unwillkürliche bei Péter Nádas und Marcel Proust</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/26/das-unwillkuerliche-bei-peter-nadas-und-marcel-proust/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2026 19:06:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="189" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/Nadas_Peter_1984-189x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/Nadas_Peter_1984-189x300.jpg 189w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/Nadas_Peter_1984.jpg 572w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" />Anlässlich des Todes von Péter Nádas untersucht dieser Essay, was seinen Roman "Buch der Erinnerung" mit Marcel Prousts "Recherche" verbindet und was sie trennt. Ausgangspunkt ist eine sprachliche Auffälligkeit: Wo Proust von 'mémoire involontaire' spricht, verwendet auch Nádas auffällig oft das Wort 'unwillkürlich' – doch während es bei Proust aus der Gegenwart in eine gerettete, zeitlose Vergangenheit führt und im Entschluss zum Schreiben mündet, bleibt es bei Nádas meist an den Körper und den erzählten Augenblick gebunden und legt eher Verdrängtes und Beschämendes frei als eine Erlösung. Von diesem Kernbefund aus verfolgt der Essay weitere Linien: die zerfallende, "parallele" Erzählinstanz des ungarischen Romans gegenüber Prousts sich zur Einheit verdichtendem Ich, die gegensätzlichen Bilder für männliches Begehren jenseits der Norm – Hermaphroditos bei Nádas, die Orchideen-Metaphorik bei Proust –, die Funktion der Eifersucht sowie, in einem eigenen Kapitel, eine deutsch-französische Dimension: Nádas' Figur Melchior, Sohn eines hingerichteten französischen Kriegsgefangenen, findet ihr Gegenstück in Prousts Baron de Charlus, der sich, "durch seine Herkunft" den Deutschen verbunden, im Ersten Weltkrieg zu offener Kaisertreue bekennt. Der Essay endet mit der These, dass Proust dem Unwillkürlichen vertraut, weil es die verlorene Zeit rettet, während Nádas ihm misstraut, weil er weiß, wie viel der Körper preisgibt, ohne gefragt zu werden – ein Verfahren des Zweifels an sich selbst, nicht der Selbstvergewisserung.]]></description>
		
		
		
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		<title>Kreuzungen eines sefardischen Pikaro: Olivier Guez</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/23/kreuzungen-eines-sefardischen-pikaro-olivier-guez/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2026 04:09:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="212" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71XZvmaNe9L._UF10001000_QL80_-212x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71XZvmaNe9L._UF10001000_QL80_-212x300.jpg 212w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71XZvmaNe9L._UF10001000_QL80_.jpg 706w" sizes="auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px" />Olivier Guez' "Les révolutions de Jacques Koskas" (2014, dt. 2020) erzählt die pikareske Bildungsgeschichte eines sefardischen Journalisten aus dem als Straßburg erkennbaren „S.", der über Paris, Rio und Berlin bis nach Haifa taumelt und dabei eine erotisch-politische Theorie sexueller Befreiung entwickelt, die der Roman zugleich ernst nimmt und der Lächerlichkeit preisgibt; als roman croisé erweist sich der Text nicht durch eine versöhnliche Behandlung des deutsch-französischen Verhältnisses, sondern dadurch, dass dieses Verhältnis die Form von innen organisiert – in der gespiegelten Konstellation der sefardischen Koskas und der großbürgerlichen, NS-belasteten von Schwarzenbeck, in der eigenen mütterlichen Familie der Scholem, die selbst zwischen aschkenasischem Ursprung und Schoah-Erfahrung steht, in einer ständig zwischen Hebräisch, Deutsch und Business-Jargon wechselnden Sprache und in einer Erzähltechnik der wörtlichen Parallelführung, die im Epilog die Achse Frankreich–Deutschland auf den israelisch-palästinensischen Konflikt überträgt, wenn Jacques' letzte heimliche Versuchung im selben Satzrhythmus wie das Attentat des jungen Palästinensers Ziad erzählt wird. Berlin selbst erscheint dabei doppelt besetzt: als Ort der Selbstauslöschung und Neuerfindung, dessen Umbau-Baustellen und Retro-Futurismus Jacques' eigenen Versuch spiegeln, sein bisheriges Leben abzustreifen, und zugleich als Bühne zweier unversöhnter Milieus – des Post-Wende-Subkultur-Berlins um Ana und des großbürgerlich-hochkulturellen Berlins um Frauke –, wobei gerade diese Stadt, in der die leichte Ironie des Romans an ihre Grenze stößt, das Vergessen verspricht, das sie durch die Weihnachtsbegegnung der Familien und deren NS-Vergangenheit zugleich unterläuft.]]></description>
		
		
		
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		<title>Ein Besitz, der nicht mehr ausgesprochen wird: Catherine Clément</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/19/ein-besitz-der-nicht-mehr-ausgesprochen-wird-catherine-clement/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Aug 2026 04:38:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
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		<category><![CDATA[Catherine Clément]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-768x1125.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL-1398x2048.jpg 1398w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/61En31PO7iL.jpg 1653w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Catherine Cléments "L'Allemand de ma mère" (2023) erzählt, wie die junge jüdisch-ukrainische Apothekerin Raymonde Gornick 1937 den katholischen Yves Clément heiratet und wie ihre Familie – zwischen Paris und dem Loire-Dorf Le Thoureil, zwischen „Kristallnacht“ , Vichy-Gesetzen, Deportation und Befreiung – durch den Zweiten Weltkrieg kommt, begleitet von der janusköpfigen Figur des deutschen Arztes Samuel Schütz, der sich zunächst als verfolgter jüdischer Flüchtling ausgibt, dann aber als Stabsarzt der Abwehr im besetzten Paris auftaucht und, als „falscher Samuel“, Raymonde immer wieder warnt und schützt, ohne dass je ganz klar würde, ob er Retter oder Agent, Freund oder Werkzeug des Vernichtungsapparats ist; parallel dazu verfolgt der Roman in kurzen, vorsprachlichen Passagen, wie das ungeborene und dann kleine Kind Catherine – die Erzählerin, benannt wie die Autorin selbst – ein eigenes Ich entwickelt, bis sie am Ende, nach der Ermordung der Großeltern in Auschwitz und der Geburt eines Bruders im Mai 1945, die Geschichte selbst in der ersten Person weitererzählt. Der Aufsatz liest diesen Roman als „roman croisé“, weil er Deutschland und Frankreich nicht als benachbarte Räume, sondern als ineinander verschränkte, einander durchdringende Wirklichkeiten zeigt: Deutsch ist die Sprache, die Raymonde einst fließend sprach und nach dem Krieg für immer verstummen lässt, und zugleich der eine, gespaltene Mann, bei dem sich Rettung und Bedrohung nicht trennen lassen; formal spiegelt sich diese Verschränkung in einer datierten, fast annalistischen Kriegschronik, die immer wieder von einer ganz anderen, körperlich-kindlichen Zeitlichkeit unterbrochen wird, sodass der Roman am Ende weniger eine abgeschlossene Geschichte als eine unabschließbare Übersetzungsarbeit zwischen Sprachen, Generationen und Loyalitäten hinterlässt.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Die Verführung des Schönen: Alexandre Najjar und Lilian Auzas über Olympia 1936 und über Leni Riefenstahl</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/18/die-verfuehrung-des-schoenen-alexandre-najjar-und-lilian-auzas-ueber-olympia-1936-und-ueber-leni-riefenstahl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2026 09:09:48 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[Alexandre Najjar]]></category>
		<category><![CDATA[Lilian Auzas]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="187" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/617WF7C7ZJL._SL1284_-187x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/617WF7C7ZJL._SL1284_-187x300.jpg 187w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/617WF7C7ZJL._SL1284_-638x1024.jpg 638w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/617WF7C7ZJL._SL1284_-768x1233.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/617WF7C7ZJL._SL1284_.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px" />Wenn in Alexandre Najjars "Berlin 36" (2009) zwanzig Scheinwerfer sich über dem Berliner Olympiastadion zu einer immensen Lichtkuppel erheben, unter der hunderttausend Menschen mit erhobenen Armen das Kampflied der SS singen, während Mädchen in Weiß aus dem Dunkel treten und den scheidenden Fahnenträgern Andenken reichen, dann offenbart sich jene Verführungskraft, der sich auch in Lilian Auzas "Riefenstahl" (2012) ein Kinopublikum nicht zu entziehen vermag: Beim Anblick von "Triumph des Willens" erstarrt der Saal zunächst, dann will der Beifall nicht enden, denn niemand entzieht sich der Schönheit dieser Bilder. Wie lässt sich Literatur dieser ästhetischen Faszination gegenüber kritisch verhalten, ohne sie zu leugnen oder auf eine ferne Anklage zu reduzieren? Najjars Roman antwortet mit dokumentarischer Breite: Eine Vielzahl von Figuren (die Familie Owens, eine französische Journalistin, ein Jazzmusiker, ein libanesischer Sportfunktionär) widerstehen der nationalsozialistischen Inszenierung durch alltägliche Gesten der Zivilcourage. Auzas hingegen wagt den riskanten Akt, Leni Riefenstahls Innenperspektive nachzuvollziehen und dabei die eigene Anfälligkeit für ästhetische Verführung nicht zu verschweigen. Der Artikel zeigt, wie beide Romane trotz ihrer gegensätzlichen poetischen Verfahren gemeinsam demonstrieren: Widerstand gegen totalitäre Macht wird sowohl als gelebte Praxis alltäglicher Gesten erkennbar als auch dadurch, dass die kritische Reflexion ästhetischer Verführung selbst zur politischen Aufgabe der Literatur gehört.]]></description>
		
		
		
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		<title>Hundert Jahre „Esprit und Geist“ (1927) von Eduard Wechßler: eine kritische Lektüre</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/15/hundert-jahre-esprit-und-geist-1927-von-eduard-wechssler-eine-kritische-lekture/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Aug 2026 06:48:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Eduard Wechßler]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="164" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/esprit-geist-300x164.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/esprit-geist-300x164.jpeg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/esprit-geist-1024x559.jpeg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/esprit-geist-768x419.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/08/esprit-geist.jpeg 1408w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />2027 jährt sich das Erscheinen von Eduard Wechßlers "Esprit und Geist. Versuch einer Wesenskunde des Deutschen und des Franzosen" zum hundertsten Mal – Anlass genug, das 604 Seiten starke Werk, das 1927 mitten in der französischen Rheinlandbesetzung erschien, noch einmal genau zu lesen. Wechßler, damals Ordinarius für Romanistik in Berlin, stellt darin deutschen "Geist" und französischen "Esprit" in rund vierzig antithetischen Paaren gegenüber, gegliedert nach Dantes Jenseitsarchitektur in ein "Erstes Buch" der zu überwindenden "Erdgeister" (Inferno) und ein "Zweites Buch" der "helfenden Geister" (Purgatorio): Der Franzose fürchtet die Natur und sucht das Vergnügen der Gesellschaft, formt seinen Garten geometrisch und erweist in Voltaires Klage über das Erdbeben von Lissabon die Furcht vor der Natur; der Deutsche verehrt die Natur als Schöpfung und malt mit Caspar David Friedrich Berglandschaften, in denen der Mensch klein wird. Der Franzose hat horreur de l'infini, der Deutsche einen Drang ins Unendliche – wobei ausgerechnet die gotische Kathedrale, eine französische Erfindung, als Beleg deutscher Unendlichkeitssehnsucht herhalten muss, ein Widerspruch, den Wechßler nur auflöst, indem er den "schöpferischen Anteil" an der Gotik kurzerhand dem Germanenblut zuschreibt. Genau an solchen Stellen wird die Methode selbst zum Problem: Aus Stadtgründung hier und Einzelhof dort liest Wechßler Geselligkeit gegen Sonderwillen heraus, aus der Unübersetzbarkeit von Wörtern weltanschauliche Differenz, aus einem eigenen Kapitel über vier "Rassen" – mit unbelegten Prozentangaben nach Gobineau und Vacher de Lapouge – einen biologischen Unterbau für alles Übrige; wo ein Gegenbeispiel auftaucht, wird es auf fremdes Blut zurückgeführt oder als Ausnahme abgetan, sodass die These gegen jede Widerlegung immunisiert bleibt. Die Rezension zeichnet diese Verfahren im Einzelnen nach – von der Freiheitsidee Eckharts und Luthers, die gegen die französische Menschenrechtserklärung von 1789 ausgespielt wird, bis zum Frauendienst-Kapitel –, verortet das Buch im völkischen Nationalismus, der zeitgenössischen Rassenanthropologie und dem Revanchismus der Weimarer Republik, zeigt aber auch die Selbstwidersprüche: Wechßler rühmt Frankreichs Widerstand gegen kulturelle Nivellierung als Vorbild, zitiert André Gide zustimmend und mündet im Schlusswort in eine Versöhnungsgeste über das gemeinsame griechische Erbe – ohne den Rahmen ewiger Nationalwesen je zu verlassen. Susanne Dalstein-Paffs Dissertation von 2006 zitiert Victor Klemperer, der dem Buch "faschistische Methode" bescheinigte, dass Benedetto Croce ihm vorwarf, politische Gegensätze in vermeintlich geistige zu verwandeln, und sie zeigt auf, dass Wechßlers Vokabular 1940 direkt in NS-Propagandaschriften einfloss. Wer das Buch heute liest, sollte es also nicht als Auskunft über "die Franzosen" und "die Deutschen" lesen, sondern gegen sich selbst: als Archiv dafür, wie sich Gelehrsamkeit, Sprachgefühl und wissenschaftlicher Anspruch im Weimarer Deutschland in den Dienst einer Erzählung stellen ließen, die nationale Differenz nicht beschreibt, sondern herstellt – und gerade deshalb bleibt "Esprit und Geist" hundert Jahre später ein Lehrstück, nicht über Nationalcharaktere, sondern über die Mechanik ihrer Erfindung.]]></description>
		
		
		
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		<title>Berlin als Wartesaal der Erinnerung: Mathieu Trautmann</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/11/berlin-als-wartesaal-der-erinnerung-mathieu-trautmann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2026 04:19:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2012]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Mathieu Trautmann]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="196" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71oRAP3WRuL._UF10001000_QL80_-196x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71oRAP3WRuL._UF10001000_QL80_-196x300.jpg 196w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/71oRAP3WRuL._UF10001000_QL80_.jpg 652w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" />Mathieu Trautmanns Debütroman "Six mois, dix ans et un jour" (2012) erzählt von zwei Figuren, die auf unterschiedliche Weise versuchen, der Unzuverlässigkeit ihrer eigenen Erinnerung zu entkommen: Während der Berliner Übersetzer David den Gästen eines Kunsthotels aus der Distanz seines Fensters erfundene Biographien zuschreibt, reist die schwedische Ökonomin Elena nach zehn Jahren nach Berlin, um einem ehemaligen Geliebten unter falscher Identität zu begegnen und zu prüfen, ob Liebe auch ohne gemeinsame Erinnerung Bestand haben kann. In der parallel geführten Handlung verschränken sich Beobachtung und Teilnahme, Wahrheit und Inszenierung, bis sich beide Erzählstränge in Berlin kreuzen – einer Stadt, deren eigene Geschichte von Teilung, Überlagerung und Rekonstruktion geprägt ist. Der vorliegende Aufsatz liest den Roman als roman croisé, der die deutsch-französische Konstellation nicht auf die Begegnung zweier Nationen reduziert, sondern sie in transnationalen Biographien, mehrsprachigen Kommunikationsräumen und einer europäischen Erinnerungslandschaft entfaltet. Zugleich zeigt er, dass Trautmann das Kontrafaktische nicht als alternative Geschichtsschreibung, sondern als Verfahren individueller Selbstentwürfe einsetzt: Erfundenen Identitäten, manipulierten Fotografien und imaginären Biographien kommt die Funktion zu, die Konstruiertheit von Erinnerung sichtbar zu machen und den schmalen Übergang zwischen gelebtem Leben und erzählter Möglichkeit auszuloten. So verbindet der Roman eine Poetik der Fälschung mit einer Poetik Berlins als Erinnerungsraum, in dem sich Ost und West, Vergangenheit und Gegenwart, Original und Kopie sowie Beobachtung und Erfahrung fortwährend überlagern.]]></description>
		
		
		
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		<title>Nachbarschaft, Abgrund, Übersetzung: Deutschland bei Philippe Claudel</title>
		<link>https://rentree.de/2026/08/07/nachbarschaft-abgrund-uebersetzung-deutschland-bei-philippe-claudel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 00:16:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Claudel]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="188" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/91GPOFjtjlL._UF10001000_QL80_-188x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/91GPOFjtjlL._UF10001000_QL80_-188x300.jpg 188w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/07/91GPOFjtjlL._UF10001000_QL80_.jpg 628w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" />Ein französischer Autor aus Lothringen schreibt fünf Erzählungen über das Deutschland des 20. Jahrhunderts – und gibt ihnen ausschließlich deutsche Titel: Der Aufsatz nimmt diese Geste als Ausgangspunkt für eine These, die Philippe Claudels "Fantaisie allemande" als doppelte Übersetzungsbewegung liest, zum einen eines fremden Landes in eine fremde Sprache, zum anderen des Dokuments in die Fiktion. Anhand der geisterhaft wiederkehrenden Figur eines "Viktor", der in jeder der fünf Erzählungen eine andere, nie ganz greifbare Gestalt annimmt, verfolgt der Text, wie Schuld, Erinnerung und Zeugenschaft über ein Jahrhundert hinweg montiert werden – von der Flucht eines Lagerangestellten 1945 bis zur fiktiven Aktenlage über die Ermordung des Malers Franz Marc im Rahmen der "Aktion T4". Der Aufsatz zeigt, wie Claudel reale Kunsthistoriker fiktive Aussagen sprechen lässt und damit die Verlässlichkeit jeder Quelle, auch der eigenen, zur Disposition stellt. Ergänzt wird diese Analyse um einen Blick auf zwei weitere Romane Claudels, die Deutschland auf entgegengesetzte Weise behandeln: "Le rapport de Brodeck" löst Land und Sprache in einer erfundenen deutsch-französischen Zwischenidiom auf und verweigert dem Feind jeden Eigennamen, während "Les âmes grises" Deutschland ganz aus dem erzählten Raum heraushält und nur als fernes Kanonendonnern hinter der Front hörbar lässt, sodass die titelgebende moralische Grauzone allein unter Franzosen entsteht. Im Dreiervergleich wird sichtbar, dass Claudels immer wiederkehrende Frage nach Mitverantwortung und Gleichgültigkeit nicht an eine Nationalität gebunden ist, sondern je nach Werk benannt, verschlüsselt oder ausgelagert wird – und dass gerade diese Verschiebung den eigentlichen Ertrag der Lektüre von "Fantaisie allemande" ausmacht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Ein Mietshaus im Elsass und Gespenster der Geschichte: Michèle Audin</title>
		<link>https://rentree.de/2026/07/01/ein-mietshaus-im-elsass-und-gespenster-der-geschichte-michele-audin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 02:15:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Michèle Audin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="185" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-185x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-185x300.jpg 185w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-630x1024.jpg 630w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-768x1248.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-945x1536.jpg 945w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL-1260x2048.jpg 1260w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81LfniOsCL.jpg 1299w" sizes="auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px" />Der Artikel präsentiert Michèle Audins Roman "La Maison hantée" (2025) als eindrückliches Beispiel eines "roman croisé", in dem sich dokumentarische Recherche, erzählerische Imagination und multiple Zeitebenen überlagern: Ausgehend von ihrem Einzug in ein Straßburger Mietshaus im Jahr 1992 folgt eine Ich-Erzählerin den Spuren früherer Bewohner und entfaltet aus Archivmaterialien, Zufallsfunden und vorsichtigen Rekonstruktionen ein Geflecht von Lebensgeschichten, das besonders die Familie Caron-Fischbach in den Jahren 1930 bis 1946 in den Blick nimmt; im Schatten der nationalsozialistischen Annexion des Elsass werden dabei Fragen von Zugehörigkeit, Sprachzwang und administrativer Gewalt virulent, wobei insbesondere die jüdischen Bewohner des Hauses und ihr sukzessives Verschwinden aus den Registern als beklemmende Leerstelle hervortritt, die weder narrativ geschlossen noch historisch vollständig aufgeklärt werden kann. Die erzählerische Bewegung gleicht einem tastenden Durchqueren von Räumen und Zeiten – Treppenhaus, Wohnungen, Archive –, in denen sich Stimmen überlagern und Gegensätze nicht aufgelöst, sondern sichtbar gehalten werden. Vor diesem Hintergrund argumentiert der Aufsatz, dass Audin eine Poetik der Spurensicherung entwickelt, die das Nebeneinander von Fakt und Fiktion nicht nivelliert, sondern ausstellt: Erstens wird der historische Roman durch die konsequente Selbstreflexivität der Erzählinstanz als Konstrukt kenntlich gemacht, indem imaginative Ergänzungen ausdrücklich markiert und damit epistemologisch transparent werden; zweitens erscheint das Elsass als paradigmatischer Raum gekreuzter Identitäten, in dem nationale Zuschreibungen – insbesondere unter den Bedingungen der NS-Sprachpolitik – gewaltsam durchgesetzt und zugleich in ihrer Fragilität erfahrbar werden; drittens erweist sich das Schweigen der Quellen, etwa im Fall der ausgelöschten jüdischen Existenzen, nicht als bloßes Defizit, sondern als zentrales Bedeutungsträger, der die Grenzen historischer Erkenntnis markiert und eine ethisch reflektierte Form des Erinnerns einfordert. So macht der Aufsatz plausibel, dass "La Maison hantée" Geschichte nicht als lineare Erzählung, sondern als vielstimmiges, von Brüchen durchzogenes Gefüge begreift, in dem sich Vergangenheit nur im Modus der Annäherung und Überkreuzung erschließt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Impressionismus als Widerstand: Pedro Kadivar</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/19/impressionismus-als-widerstand-pedro-kadivar/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 22:35:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Pedro Kadivar]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71C12Vue3vL._SL1500_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71C12Vue3vL._SL1500_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71C12Vue3vL._SL1500_-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71C12Vue3vL._SL1500_-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/71C12Vue3vL._SL1500_.jpg 1025w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Pedro Kadivars Roman "Dernière année au pays natal" (Gallimard 2026) erzählt das letzte Schuljahr eines Jugendlichen im iranischen Schiras des Jahres 1982 – gegliedert in vier Jahreszeiten, vom melancholischen Herbst über den erstarrten Winter und einen gefährlichen Frühling bis zum Sommer des Abschieds – und verschränkt diese erlebte Vergangenheit mit der erinnernden Rückschau eines Exilanten im heutigen Berlin. Auslöser ist das Foto eines als Märtyrer inszenierten toten Schulkameraden, das im Schulkorridor hängt und den Erzähler Jahrzehnte später als Heimsuchung wieder einholt. Die Interpretation deutet den Impressionismus – als Wahrnehmungsweise wie als Kompositionsprinzip des Romans – als die eigentliche politische Haltung gegen ein totalitäres Regime. Diese These wird auf mehreren Ebenen plausibilisiert, die sich gegenseitig stützen: strukturell über die Jahreszeitengliederung, die innere Reifung statt politische Chronik artikuliert; bildtheoretisch über die zentrale Opposition zwischen dem Propagandafoto des Toten und der lebendigen Malerei über eine Galerie von Malern (Cézanne, Van Gogh, Mondrian, Hockney), die ein verstecktes Bildungsprogramm des Sehens bilden; und über das namenlose, sensorisch beschriebene Begehren zwischen dem Protagonisten und dem Bruder des Toten, das jeder ideologischen Klassifizierung entgeht. Die ästhetische Form wird dabei gegen die Ideologie gelesen – gegen Eindeutigkeit, Abstraktion, Teleologie und Lärm –, weil er die Einzelbeobachtungen zu einem Prinzip bündelt: Ein Roman, der die einheitliche Perspektive verweigert, öffnet einen Raum der Freiheit. Das unwillkürliche Erinnern wird als traumatische Variante der Proust'schen "mémoire involontaire" gefasst. So zeigt sich, wie kohärent der Roman seine ethische Grundfrage beantwortet: wie man seine Seele in einer zerfallenden Welt rettet, nicht philosophisch, sondern durch die Präzision des Sehens und die Verwandlung von Erfahrung in Form.]]></description>
		
		
		
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		<title>Phantome der Geschichte: Christophe Jamin und Lee Miller</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/16/phantome-der-geschichte-christophe-jamin-und-lee-miller/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 03:10:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Christophe Jamin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81guH1uLAZL._SL1500_-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81guH1uLAZL._SL1500_-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81guH1uLAZL._SL1500_-664x1024.jpg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81guH1uLAZL._SL1500_-768x1184.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81guH1uLAZL._SL1500_.jpg 973w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Christophe Jamins Roman "Lee fantôme" (Grasset, 2026) entfaltet zwei eng ineinander verschränkte Erzählbewegungen: Einerseits folgt er in freier, zeitspringender Rekonstruktion der Biografie Lee Millers von ihrer Ankunft im Paris der späten 1920er Jahre über ihre Einbindung in die surrealistische Szene bis zu ihrer Entwicklung zur Kriegsfotografin und ihren Aufnahmen im befreiten Deutschland 1945. Andererseits rekonstruiert er eine deutsch-französische Familiengeschichte des Erzählers, die von einer Emigration aus Konstanz nach Paris, von verschwiegenen Verwandtschaftslinien und der Figur Georg Elsers bis zu offenen Fragen von Schuld und Widerstand im Nationalsozialismus reicht. Beide Stränge werden aus der Perspektive eines kranken, zeitlich entgrenzten Ichs erzählt, das die historischen Episoden nicht chronologisch berichtet, sondern als visionäre Überblendungen einer einzigen Pariser Nacht erfahrbar macht. Der Aufsatz liest den Text als als roman croisé, dessen zentrales Strukturprinzip nicht die Synthese, sondern die produktive Instabilität des "Dazwischen" ist: zwischen Nationen (Deutschland/Frankreich), Medien (Fotografie/Schrift), Zeiten (Zwischenkriegszeit/Gegenwart) und Existenzformen (Leben/Tod). Ausgehend von der Konstellation eines sterbenden Ich-Erzählers, der die Fotografin Lee Miller als "Phantom" einer zugleich historischen und imaginär aufgeladenen Vergangenheit beschwört, wird gezeigt, wie der Text die narrativen Stränge in eine kontrapunktische Struktur überführt, die sich am Datum des 30. April 1945 verdichtet, ohne jemals in eine vollständige Begegnung oder Auflösung zu münden. Die Argumentation arbeitet dabei systematisch heraus, dass der Roman keine klassische Biografie entwirft, sondern ein epistemologisch reflektiertes Imaginieren inszeniert, in dem Erinnerung stets als spekulative Rekonstruktion und als Schwellenphänomen erscheint. Zentral ist die These, dass das Gespenstische nicht nur Figurenqualität (Lee als "fantôme"), sondern poetologisches Prinzip ist: Der Erzähler selbst agiert als mediales Durchgangsmedium zwischen Epochen, während die Fotografie als Leitmedium die Ambivalenz von Fixierung und Zerstörung sichtbar macht. Im weiteren Verlauf wird der Deutschlandbezug als Riss innerhalb einer Familie interpretiert, der Emigration und Täterschaft aus derselben Herkunft ableitet und damit das nationale Versöhnungsnarrativ unterläuft. Die Avantgarde erscheint zugleich als Raum intensiver ästhetischer Produktivität und latenter Gewaltverhältnisse, insbesondere im Verhältnis von männlichem Künstlergenie und weiblicher Muse. Insgesamt entwickelt der Aufsatz eine strikt kompositorische Lesart des Romans: Seine argumentative Pointe besteht darin, dass "Lee fantôme" Bedeutung nicht in der Auflösung historischer Widersprüche erzeugt, sondern im dauerhaften Offenhalten ihrer Überlagerungen – als ästhetisch strukturierte Schwelle, auf der Geschichte nicht erinnert, sondern als gegenwärtige Differenz erfahrbar wird.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Im Niemandsland der Identität: Antoine Rault</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/08/im-niemandsland-der-identitaet-antoine-rault/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2026 02:21:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2016]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Antoine Rault]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="206" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/91xmwrkZuWL._AC_UF8941000_QL80_-206x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/91xmwrkZuWL._AC_UF8941000_QL80_-206x300.jpg 206w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/91xmwrkZuWL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 688w" sizes="auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px" />Antoine Raults "La Danse des vivants" (Albin Michel, 2016) folgt einem französischen Soldaten, der 1918 ohne Gedächtnis erwacht, mühelos Französisch, Deutsch und Russisch spricht und unter der Identität des gefallenen deutschen Leutnants Gustav Lerner vom französischen Geheimdienst nach Berlin und ins Baltikum geschleust wird; zwischen Lazarett, Freikorps-Krieg und der Liebe zur russischen Tänzerin Tamara montiert der Roman ein breites Panorama des deutsch-französischen Verhältnisses von 1918/19 – Zusammenbruch des Kaiserreichs, Versailles, Berliner Bürgerkrieg –, an dessen Ende der Held jede nationale Bindung aufkündigt und eine erfundene deutsche Zugehörigkeit wählt. Der Aufsatz liest den Text als "roman croisé" und entfaltet die Leitthese – Rault erzähle die Amnesie eines Einzelnen als Allegorie eines Kontinents, der sein altes Selbst verloren hat, und mache die nationale Differenz nicht zum aufzulösenden Konflikt, sondern zum produktiven, bedeutungsstiftenden Medium – in einer Argumentation, die von der hybriden Gattungssignatur über das dokumentarische Geschichtspanorama, die Erzählarchitektur des "Dazwischen" und die drei Maßstäbe des Deutsch-Französischen (diplomatisches Kräftespiel, sprachliches Verrätselungsdrama, elsässische Grenzexistenz) bis zur autopoetologischen und intertextuellen Selbstreflexion führt; sie belegt dies an konkreten Szenen, etwa am verräterischen "Maurice"/"Moritz", an dem die ganze Tarnung hängt, oder an Klaus Kühns empörter Rückfrage "Quel camp?" –, sodass das wiederkehrende Bild der Grenze, die "nicht zwischen den Figuren, sondern durch sie hindurch" verläuft, aus dem Material entwickelt wird, während die Deutung das produktive Offenhalten der Differenz bis in den bewusst ambivalenten Schluss hinein verfolgt.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Boualem Sansals „Le Village de l&#8217;Allemand“ zwischen Erinnerungskultur und postkolonialem Text</title>
		<link>https://rentree.de/2026/06/03/boualem-sansals-le-village-de-lallemand-zwischen-erinnerungskultur-und-postkolonialem-text/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 15:21:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Boualem Sansal]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="179" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81DpgG5YDQL._SL1500_-179x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81DpgG5YDQL._SL1500_-179x300.jpg 179w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81DpgG5YDQL._SL1500_-612x1024.jpg 612w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81DpgG5YDQL._SL1500_-768x1284.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/06/81DpgG5YDQL._SL1500_.jpg 897w" sizes="auto, (max-width: 179px) 100vw, 179px" />Dieser Aufsatz ist ausdrücklich keine Besprechung von Sansals Gefängnisjournal "La Légende: libres méditations d'un prisonnier encombrant" (Grasset, 2026), und es soll kurz begründet werden, warum eine solche Besprechung vorerst an dieser Stelle unterbleibt. Das Buch ist ein autobiografischer Haftbericht, der sich selbst als "livre de combat" versteht und noch so dicht in tagesaktuelle Polemiken, Verlagskonflikte und Freund-Feind-Bilanzen verstrickt ist, dass sich seine literarische Eigengestalt kaum vom Lärm um ihn trennen lässt. Statt das Buch verfrüht zu zergliedern, nimmt der Text es zum Anlass, auf den älteren Roman "Le Village de l'Allemand" (Gallimard, 2008) zu verweisen – und vertagt so bis auf Weiteres eine interpretierende Auseinandersetzung mit "La Légende". Der Roman "Le Village de l'Allemand" ist ein „roman croisé", der das Dazwischen nicht nur thematisiert, sondern zum Schreibverfahren erhebt. Anhand der verschränkten Tagebücher der Brüder Schiller, der Isotopie des „village" über vier Todesräume hinweg, der Datumssymmetrie von Massaker und Suizid und der wandernden Lagermetaphorik zeigt er, wie der Roman drei Gedächtnisräume — Shoah, algerischer Bürgerkrieg, französische Banlieue — ineinanderfaltet und Schuld nie als feste Front, sondern als gestaffelt, übersetzbar und nie ganz entscheidbar denkt. Zwei Schlüsselstellen aus Rachels Tagebuch rahmen die Lektüre und werden zugleich zur nachdenklichen Kontrastfolie für "La Légende": Der Romancier, der die Differenz zwischen Bezeugen und Abrechnen einst literarisch durchdrungen hat, erinnert daran, wie fragil die Position des Gerechten bleibt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Bildstörung: deutsch-französische Interferenzen bei Alain Robbe-Grillet und Claude Ollier</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/25/bildstoerung-deutsch-franzoesische-interferenzen-bei-alain-robbe-grillet-und-claude-ollier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 May 2026 21:54:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Alain Robbe-Grillet]]></category>
		<category><![CDATA[Claude Ollier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="211" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/images-25-300x211.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/images-25-300x211.jpeg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/images-25.jpeg 532w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Der Aufsatz schlägt eine vielleicht überraschende Genealogie des Nouveau Roman vor, indem er dessen Entstehung nicht im Pariser Literaturbetrieb, sondern in der Extremsituation der Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Deutschland verortet. Ausgehend von der Begegnung Alain Robbe-Grillets und Claude Olliers in einer Nürnberger Fabrik rekonstruiert die Lektüre von vier Büchern der Autoren, wie sich unter Bedingungen von Fremdheit, Kontrolle und Entsubjektivierung eine neue Form der Wahrnehmung herausbildet: eine radikale Hinwendung zu Oberflächen, Dingen und räumlichen Strukturen, die psychologische Tiefenmodelle konsequent zurückweist. In Einzelanalysen zeigt der Text, wie diese Erfahrung in spezifische Erzählverfahren übersetzt wird – in fragmentierte Zeitordnungen, instabile Perspektiven und eine Sprache, die weniger deutet als registriert. So entsteht das Bild einer Poetik, die aus historischer Erschütterung hervorgeht, ohne sich je in expliziter Erinnerungsliteratur zu erschöpfen. Die behandelten Romane machen das Verhältnis beider Kulturen nicht zum Thema, sondern schreiben es in ihre formalen Strukturen ein. Das Deutsche erscheint als Erfahrungsraum von Macht und Fremdheit, das Französische als literarische Transformationsinstanz – doch beide sind untrennbar ineinander verschränkt. Diese Texte sind daher deutsch-französische Romane nicht aufgrund ihres Inhalts, sondern weil sie einen Zwischenraum entwerfen, in dem nationale Zuschreibungen instabil werden und Bedeutung erst aus ihrer Überlagerung hervorgeht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Verbergen und Zeigen: die Gewalt der Kunst bei Benjamin de Laforcade</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/21/verbergen-und-zeigen-die-gewalt-der-kunst-bei-benjamin-de-laforcade/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2026 03:59:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin de Laforcade]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/9782072961120_1_75-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/9782072961120_1_75-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/9782072961120_1_75.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Benjamin de Laforcades Roman "Rouge nu" (Gallimard, 2022) situiert sich um ein paradoxes Zentrum: ein berühmtes Gemälde, das gerade durch seine Unsichtbarkeit Wirkungsmacht entfaltet, indem es – verborgen in einem architektonisch inszenierten Schutzraum – zugleich Mythos und Marktwert steigert, während es eine gewaltsame Geschichte birgt; im Fokus steht die Figur des Malers Andreas Mauser und das Modell Izabela, deren Körper im Akt der künstlerischen Produktion zum Schauplatz von Gewalt wird, die im Diskurs des Geniekults systematisch verschwiegen wird. Die Rezension arbeitet diesen Zusammenhang als dialektisches Verhältnis von Zeigen und Verbergen heraus und liest die ästhetische Technik des Übermalens und Freilegens als Metapher für die kulturelle Logik des Kunstbetriebs: Sichtbarkeit ist selektiv produziert, Unsichtbarkeit nicht bloß Abwesenheit, sondern aktive Verdrängung. Nadeije Laneyrie-Dagens kunsthistorische Studie "Cacher/montrer: une histoire des œuvres invisibles en Occident" (Gallimard, 2024) zeichnet von der Prähistorie bis zur Gegenwart nach, dass Kunstwerke im Westen lange nicht auf permanente Sichtbarkeit angelegt waren, sondern ihre Wirkung gerade aus ritualisierten Praktiken des Verbergens und selektiven Zeigens bezogen, wodurch Sichtbarkeit als historisch regulierte Form von Macht, Begehren und sozialer Kontrolle erscheint. Der Aufsatz verschränkt die narrative Struktur des Romans mit solchen Überlegungen und zeigt so, dass das "unsichtbare" Kunstwerk weniger ein Objekt als ein Dispositiv ist, das Machtverhältnisse stabilisiert.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zwischen Zeiten und Ländern: Widerstand als Zeitreiseroman bei Martin Winckler</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/20/zwischen-zeiten-und-laendern-widerstand-als-zeitreiseroman-bei-martin-winckler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 00:54:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Winckler]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/amour-a-temps-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/amour-a-temps-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/amour-a-temps.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Ausgehend von Martin Wincklers eigener Biographie als in Algerien geborener jüdischer Arzt, der zwischen kolonialer Geschichte, französischer Erinnerungskultur und späterer Emigration steht, liest die Rezension seinen Roman "L’Amour à temps" (P.O.L., 2026) als literarische Verdichtung eben jener Erfahrung von Entwurzelung und historischer Überlagerung. Der Text verschränkt das populäre Zeitreise-Narrativ mit den historischen Tiefenschichten der deutschen Besatzung, des Widerstands marginalisierter Gruppen und den emanzipatorischen Impulsen von 1968: Bereits der Prolog setzt mit dem eindrücklichen Bild ein, wenn die Bibliothek von Tours in Flammen steht und der junge Arzt Maurice D’Alget inmitten von Rauch und einstürzenden Regalen einen verwundeten Soldaten aus dem Feuer zieht – eine Szene, die Zerstörung von Wissen und zugleich den Impuls zur Rettung paradigmatisch verbindet. Im Zentrum steht sodann die 83-jährige Erzählerin Rachel, die im Jahr 2026 ihre eigene Vergangenheit rekonstruiert und dabei über ein Zeitportal in das Jahr 1942 eingreift; besonders verdichtet erscheint dies in der Szene ihres Besuchs bei den Großeltern im besetzten Paris, wo sie, am ganzen Körper zitternd, vergeblich versucht, sie vor der bevorstehenden Verhaftungswelle zu warnen – ein Moment, in dem historisches Wissen zur existentiellen, aber begrenzten Handlungsmacht wird. Diese doppelte Bewegung – retrospektives Erzählen und körperlich erfahrene Vergangenheit – transformiert Zeitreise von einem spekulativen Motiv zu einem ethischen Verfahren der Vergegenwärtigung von Geschichte, das sich schließlich in der drastischen Tat zuspitzt, als Rachel einen Kollaborateur tötet und damit zwar ein individuelles Schicksal verändert, nicht aber die Logik der Verfolgung aufhebt. Der Aufsatz arbeitet heraus, dass Winckler das Genre hybridisiert – als "roman choral", der durch eine Vielzahl nicht attribuierter Stimmen kollektive Erinnerung gegen das Verstummen organisiert, und als autopoetologisches Projekt, in dem die Erzählerin selbst als Instanz der Archivierung, Kommentierung und Legitimation auftritt. Die Zeitstruktur wird ethische Aporie: Wissen um historische Katastrophen erzeugt Verantwortung, ohne notwendigerweise Handlungsmacht zu garantieren; die Zeitreise erlaubt lediglich "Eingriffe an der Oberfläche", die individuelle Schicksale verschieben, nicht aber die Geschichte als Ganze revidieren. In dieser Perspektive erscheint der Roman als dezidiert gegenwartsbezogenes Erinnerungsnarrativ, das – wie die Rezension pointiert herausstellt – die Sprache des Widerstands von 1942 in die politische Gegenwart überträgt und so die Kontinuität von Gewalt, Ideologie und Gegenwehr sichtbar macht. Insgesamt liest die Interpretation den Text als Verbindung von Körpergedächtnis, Mehrsprachigkeit und polyphoner Zeugenschaft, deren gemeinsamer Fluchtpunkt eine Poetik des Erzählens als Widerstand ist: Schreiben wird hier zur Praxis, die Vergangenheit nicht zu bewahren, sondern sie im Akt der Weitergabe immer wieder neu zu aktualisieren.]]></description>
		
		
		
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		<title>Demontage deutsch-französischer Geschichtsmythen in Eric Vuillards récits</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/14/demontage-deutsch-franzoesischer-geschichtsmythen-in-eric-vuillards-recits/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2026 10:34:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2012]]></category>
		<category><![CDATA[2017]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Vuillard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="181" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/81MWbTbRoL._UF10001000_QL80_-181x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/81MWbTbRoL._UF10001000_QL80_-181x300.jpg 181w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/81MWbTbRoL._UF10001000_QL80_.jpg 603w" sizes="auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px" />Éric Vuillards "La bataille d'Occident" (2012) und "L'ordre du jour" (2017) sind zwei Récits über den Krieg, die den Ersten und den Zweiten Weltkrieg nicht als Nationalgeschichten, sondern als Produkte wechselseitig verschränkter deutsch-französischer Mythologien erzählen: Der deutsch-französische Krieg von 1870/71 bildet dabei den strukturellen Horizont beider Texte, aus dem die komplementären Selbstbilder beider Nationen – die deutsche Rationalitätsmythologie des unaufhaltsamen Militärapparats und der französische "élan"-Mythos der glorreichen Offensive – als traumatische Spiegelreflexe voneinander hervorgehen. Der Aufsatz argumentiert, dass Vuillards literarisches Verfahren wesentlich in einer doppelten Demontage besteht: Er zeigt zum einen, dass die vermeintliche deutsche Effizienz ein Bluff ist – die Panzer der Wehrmacht stehen auf der Straße nach Linz im Stau, Schlieffen verschiebt Papierfiguren über eine vergilbte Landkarte –, und zum anderen, dass der französische Revanchismus in Joffres kulinarischen Elsass-Phantasien kollabiert, während die Soldaten in roten Uniformhosen ins Maschinengewehrfeuer marschieren. Verbindendes Erklärungsmodell ist dabei weder nationale Wesensart noch politischer Irrationalismus, sondern Kapitalinteresse und Klassenlogik: Die vierundzwanzig Industriellen, die 1933 Hitler finanzieren, erscheinen bei Vuillard als zivile Fortsetzung derselben buchhalterischen Rationalität, die Schlieffen seinen Vernichtungsplan als Gewinnspekulation entwerfen ließ. Als Gattung des Récit – einer Hybridform zwischen Essay, Historiographie und Roman – praktiziert Vuillard dabei eine autopoetologisch reflektierte Poetik des Gegen-Archivs, die die verdrängten Namen der Opfer, die kollabierten Mythen der Täter und die fortwirkende Amnesie der Konzerne gegen die Domestizierung der Geschichte zur folkloristischen "déesse raisonnable" einer erstarrten Geschichtspolitik stellt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Austausch und Unverständnis: Jacques Decour, Philisterburg</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/01/austausch-und-unverstaendnis-jacques-decour-philisterburg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2026 11:30:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Reserve]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Jacques Decour]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="253" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/decour-253x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/decour-253x300.jpg 253w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/decour.jpg 497w" sizes="auto, (max-width: 253px) 100vw, 253px" />Jacques Decours "Philisterburg" (1932, Éds. Allia, 2023) ist paradigmatisch als Text einer Poetik des „Dazwischen“: ein hybrides Werk zwischen Tagebuch, Essay, Reisebericht und politischer Diagnose, das aus der Perspektive eines jungen französischen Germanistikstudenten das Deutschland der späten Weimarer Republik erkundet und zugleich die epistemischen Bedingungen dieser Beobachtung reflektiert. Im Zentrum steht dabei nicht eine einseitige Darstellung des Fremden, sondern die produktive Spannung zwischen Nähe und Distanz, zwischen Teilnahme und kritischer Selbstbefragung, die sich sowohl formal – in der Verschränkung von narrativen und essayistischen Passagen – als auch inhaltlich manifestiert. Decours Text entfaltet ein dichtes Panorama gesellschaftlicher, politischer und kultureller Kräfte, in dem Figuren weniger als Individuen denn als Träger struktureller Positionen im deutsch-französischen Beziehungsgefüge erscheinen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle von Sprache und Übersetzung als Ort des Missverstehens wie der Erkenntnis, der Analyse von Stereotypen und Feindbildern sowie dem Vergleich unterschiedlicher Bildungssysteme als Ausdruck divergierender Weltverhältnisse. Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden politischen Lage um 1930 gewinnt die Darstellung eine prophetische Schärfe, ohne je in deterministische Eindeutigkeit zu verfallen. Die Rezension arbeitet heraus, wie Decour das „Dazwischen“ nicht als harmonische Synthese, sondern als konflikthaften, erkenntnisgenerierenden Raum begreift, in dem kulturelle Differenz sichtbar und denkbar wird – und wie gerade diese literarische Haltung dem Text seine anhaltende Aktualität und intellektuelle Dringlichkeit verleiht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Brücken bauen, Gräben vertiefen: Pauline Dreyfus</title>
		<link>https://rentree.de/2026/05/01/bruecken-bauen-graeben-vertiefen-pauline-dreyfus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2026 09:13:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Pauline Dreyfus]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71IXVsr24FL._AC_UF8941000_QL80_-190x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71IXVsr24FL._AC_UF8941000_QL80_-190x300.jpg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/05/71IXVsr24FL._AC_UF8941000_QL80_.jpg 634w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Pauline Dreyfus’ "Un pont sur la Seine" (2025) entfaltet, ausgehend von der Katastrophe eines Fährunglücks im Jahr 1828, die über Generationen gespannte Geschichte zweier durch die Seine getrennter Dorfgemeinschaften, deren Schicksale sich im Bau, der Zerstörung und dem Wiederaufbau einer Brücke verdichten: Anhand der Familie Vernet und ihrer genealogischen Verzweigungen verfolgt der Roman die Transformation vom agrarischen Milieu zur Industriegesellschaft und weiter in die postindustrielle Gedächtniskultur, wobei historische Einschnitte – Kriege, Volksfront, Okkupation, Deindustrialisierung – als strukturierende Kräfte in die Lebensläufe eingeschrieben werden. Zugleich insistiert die Erzählung auf ihrer eigenen Künstlichkeit: Figuren erscheinen weniger als psychologisch singuläre Individuen denn als typisierte Träger sozialer Positionen, deren Konflikte – etwa zwischen Winzer und Fabrikarbeiter, Résistance-Erbin und Erinnerungspolitiker – die Persistenz gesellschaftlicher Spaltungen sichtbar machen. Der Aufsatz arbeitet heraus, wie das zentrale poetische Prinzip des Romans in der mehrdimensionalen Konstruktion der Brücke liegt: als historisches Objekt, topographische Achse, soziales Diagnoseinstrument und philosophische Metapher, die im Sinne einer selbstreflexiven Geschichtspoetik gerade nicht Versöhnung stiftet, sondern Differenz produziert und sichtbar macht. In dieser Dialektik von Dokumentation und Fiktion, von historischer Genauigkeit und ironischer Distanz erweist sich Dreyfus’ Text als bewusste Fortschreibung und zugleich kritische Brechung der Tradition des historischen Gesellschaftsromans: Er demonstriert, dass die großen Narrative von Fortschritt und Verbindung an den mikrosozialen Realitäten scheitern und dass jede Form von Geschichtserzählung – im Roman wie im von ihm entworfenen Museumsprojekt – notwendig ihre eigene Konstruktionslogik mitreflektieren muss.]]></description>
		
		
		
			</item>
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		<title>Brückenschlag und Selbstkorrektur: Ernst Robert Curtius</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/27/brueckenschlag-und-selbstkorrektur-ernst-robert-curtius/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 07:50:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[André Gide]]></category>
		<category><![CDATA[André Suarès]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Péguy]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Robert Curtius]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Claudel]]></category>
		<category><![CDATA[Romain Rolland]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="250" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/William_Orpen_-_The_Signing_of_Peace_in_the_Hall_of_Mirrors-250x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/William_Orpen_-_The_Signing_of_Peace_in_the_Hall_of_Mirrors-250x300.jpg 250w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/William_Orpen_-_The_Signing_of_Peace_in_the_Hall_of_Mirrors-855x1024.jpg 855w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/William_Orpen_-_The_Signing_of_Peace_in_the_Hall_of_Mirrors-768x920.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/William_Orpen_-_The_Signing_of_Peace_in_the_Hall_of_Mirrors-1282x1536.jpg 1282w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/William_Orpen_-_The_Signing_of_Peace_in_the_Hall_of_Mirrors-1710x2048.jpg 1710w" sizes="auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px" />"Die literarischen Wegbereiter des neuen Frankreich" von Ernst Robert Curtius eröffnet als Produkt der unmittelbaren Nachkriegszeit aus der Erfahrung politischer Niederlage heraus einen bewusst gegenläufigen, europäisch orientierten Deutungsraum: Indem Curtius 1918/20 zentrale französische Autoren (Gide, Rolland, Claudel, Suarès, Péguy) als Träger einer geistigen Erneuerung präsentiert, betreibt er weniger neutrale Literaturvermittlung als eine kulturpolitische Intervention gegen nationale Ressentiments und stereotype Frankreichbilder. Die Rezension arbeitet heraus, dass Curtius’ Argumentation auf einer doppelten Bewegung beruht: einerseits der Dekonstruktion des deutschen Klischees vom rationalistischen, „lateinischen“ Frankreich durch den Nachweis transnationaler, insbesondere auch „germanischer“ Einflüsse; andererseits der Konstruktion eines „wahren Frankreichs“, das als pädagogische Projektionsfläche für ein erneuertes, europäisch gewendetes Deutschland stehen kann. Dabei wird die Spannung zwischen dokumentierter Feindschaft (etwa bei Suarès) und programmatischer Überblendung durch den Europagedanken nicht nivelliert, sondern als produktiver Widerspruch gelesen. Kritisch markiert die Rezension zugleich die selektive Anlage und die lebensphilosophische Wertungshierarchie des Buches, die bestimmte Strömungen ausblendet und andere normativ überhöht. Insgesamt erscheint Curtius’ Studie so als ein zugleich zeitgebundenes und methodisch wegweisendes Unternehmen: als rhetorisch gesteuerte Selbstkorrektur nationaler Wahrnehmung, die Literaturwissenschaft in den Dienst einer intellektuellen Verständigung stellt.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Mythos und Massenmord: deutsch-französische Romane im Zeichen des Dritten Reiches</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/16/zwischen-mythos-und-massenmord-deutsch-franzoesische-romane-im-zeichen-des-dritten-reiches/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 00:08:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Reserve]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Jonathan Littell]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Tournier]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-190x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-190x300.jpg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-648x1024.jpg 648w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-768x1214.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-971x1536.jpg 971w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-1295x2048.jpg 1295w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL.jpg 1619w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Michel Tourniers "Le Roi des Aulnes" (1970) und Jonathan Littells "Les Bienveillantes" (2006) sind, trotz des Abstands von 36 Jahren und zweier grundverschiedener literarischer Temperamente, beide deutsch-französische Romane im präzisesten Sinne: Tournier schickt seinen Pariser Garagisten Abel Tiffauges als Kriegsgefangenen nach Ostpreußen, wo er Deutschland als mythologisches Spiegelland erlebt – Hirschherden wie Wappentiere, Görings Jagdschloss als "palais sur rails", die Napola-Burg Kaltenborn als Erfüllung einer Erlkönig-Obsession –, bis das jüdische Kind Ephraïm am Ende alle seine Zeichen invertiert und sich im letzten Satz in den Davidstern verwandelt; Littell stattet seinen Ich-Erzähler Max Aue, SS-Offizier und Massenmörder, mit einer elsässischen Herkunft, einer französischen Mutter, einer Sciences-Po-Ausbildung und Pariser Kollaborationsfreunden aus, so dass die deutsch-französische Hybridität nicht als humanisierende Brücke, sondern als Voraussetzung der Komplizenschaft erscheint – wer Racine und Hölderlin gleich gut kennt, schreibt den Massenmord eben in besserem Französisch. Die vorliegende kontrastive Interpretation argumentiert, dass beide Romane exakt diese Gemeinsamkeit teilen: Sie verweigern die tröstliche Erzählung, wonach der Nationalsozialismus ein kulturell Fremdes war, das dem deutsch-französischen Erbe von außen aufgezwungen wurde, und zwingen stattdessen ihre Protagonisten – den faszinierten Franzosen wie den hybriden Täter – dazu, die eigene Bildung, Faszination und Sprachkenntnis als Einfallstor zu erkennen. Dabei unterscheidet die Rezension scharf zwischen Tourniers mythologischer Verfremdung – das Verbrechen wird in archaische Muster (Erlkönig, Christophoros, Inversion der Zeichen) sublimiert, um erst so sichtbar zu werden – und Littells hyperrealistischer Immanenz, die jeden mythologischen Schutzschirm verweigert und den Leser durch Aues kultivierten Berichtston in eine Komplizenschaft zieht, aus der er sich nicht heraushalten kann; die Rezension legt nahe, dass diese Differenz nicht nur ästhetisch, sondern historisch erklärbar ist: 1970 war Auschwitz noch unbeschreiblich, man sublimierte – 2006 war es akademisiert und musealisiert, und Littell insistierte auf der Unverarbeitbarkeit. Als deutsch-französische Texte werden beide Romane dabei auch auf ihre Sprachpolitik hin befragt: das Deutsche, das Tournier im Roman als ehrfürchtig unübersetztes Fremdkörper-Material stehen lässt (Napola, Reichsjägermeister, Jungmann), und das Französische, das Littell als Schreibsprache für den deutschen Massenmord wählt – ein literarisches Sakrileg, das die "clarté française" gegen sich selbst kehrt und damit die These der Rezension illustriert, dass die deutsch-französische Kulturgemeinschaft das schwarze Loch in ihrer Geschichte nicht schließen, sondern nur umkreisen kann.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zugehörigkeit als Ausschluss: die fremde Sprache und der Vater als Yekkes bei Dory Manor</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/08/zugehoerigkeit-als-ausschluss-die-fremde-sprache-und-der-vater-als-yekkes-bei-dory-manor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 02:14:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Manor Dory]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-699x1024.jpeg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/9782246841760-001-X.jpeg 780w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Roman zeigt, wie jüdische Identität zugleich als historischer Schutz und als normierende Einschreibung im Körper wirkt und den Einzelnen in ein unauflösbares Spannungsverhältnis zwischen Diaspora und israelischer Zugehörigkeit stellt. Ein Sohn schreibt seinem toten Vater in einer fremden Sprache und zeigt dabei, wie sich Geschichte, Herkunft und Macht unauslöschlich in Körper, Namen und Begehren einschreiben – und wie man ihnen nur entkommt, indem man sie neu erzählt. Manor Dorys "Le Gorille" (Grasset, 2026) untersucht, wie Identität durch historische, körperliche und sprachliche Einschreibungen hervorgebracht wird – und wie sich diese Einschreibungen nicht überwinden, sondern nur transformieren lassen. Ausgangspunkt ist die Konstellation eines autobiographisch grundierten Briefromans, in dem ein Sohn seinem toten Vater, um sich dessen Zugriff zu entziehen und ihn zugleich literarisch neu zu erzeugen. Von hier aus rekonstruiert der Aufsatz die zentralen Bewegungslinien des Textes: die Kindheitserfahrung eines körperlich und symbolisch abweichenden Vaters (Nicht-Beschneidung, Namenswechsel von Reinhard zu Ezer), die eigene Adoleszenz als Phase der gewaltsamen Annäherung an eben diesen Körper und der gleichzeitigen Abwehr (bis hin zur Psychiatrie-Episode und homoerotischen Regungen), sowie das Erwachsenenleben, in dem sich die genealogischen, politischen und erotischen Konflikte in einer transnationalen Existenz zwischen Tel Aviv, Berlin und Paris bündeln. Die Interpretation liest den Roman entlang der These, dass unterschiedliche Machtordnungen – Familie, Religion, Staat, Männlichkeit – homolog funktionieren, insofern sie den Körper markieren, disziplinieren und lesbar machen; die Beschneidung wirkt als paradigmatische Figur, wird jedoch durch Namen, Sprachen und institutionelle Praktiken erweitert. Besondere Aufmerksamkeit gilt den poetologischen Verfahren: der Wahl des Französischen als „privater“ Sprache des Schreibens, der Mosaikstruktur als Abbild eines nicht-linearen Gedächtnisses, der Figur des Deadnamings als Schnittstelle von zionistischer Namenspolitik und queer-theoretischem Denken. Zugleich arbeitet die Rezension die zentrale Paradoxie jüdischer Existenz heraus, die der Roman in eine prägnante Bildform bringt: Was in Europa Überleben sicherte (der unbeschnittene Körper), bedeutet in Israel Ausschluss – eine historische Verkehrung, die sich im Körper des Vaters realisiert und im Schreiben des Sohnes explizit gemacht wird. In dieser Perspektive erscheint das Schreiben selbst als ambivalente Praxis: nicht als Befreiung von Gewalt, sondern als deren Verlagerung in eine selbstbestimmte Form, als „Übersetzung“, die Treue nur durch Verrat ermöglicht. Der Schluss – die Ankündigung eines unbeschnittenen, mehrsprachigen Kindes – wird als bewusste Unterbrechung eines Einschreibungszusammenhangs gedeutet, dessen Fortwirken der Roman zugleich reflektiert und nicht aufhebt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Wo das Trauma beginnt: Camille de Toledo</title>
		<link>https://rentree.de/2026/04/02/wo-das-trauma-beginnt-camille-de-toledo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2026 03:01:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Camille de Toledo]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="191" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/313U6hMwt2L._AC_UF8941000_QL80_-191x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/313U6hMwt2L._AC_UF8941000_QL80_-191x300.jpg 191w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/313U6hMwt2L._AC_UF8941000_QL80_.jpg 636w" sizes="auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px" />Camille de Toledos "Thésée, sa vie nouvelle" (Verdier, 2020) erarbeitet aus einem Schockmoment – dem Fund des erhängten Bruders im Paris des Jahres 2005 – eine vielschichtige literarische Untersuchung, die Trauerarbeit, Familienchronik, Essay und poetische Beschwörung miteinander verschränkt. Der Roman folgt seinem Erzähler Thésée über Jahre hinweg in eine doppelte Bewegung: in die Gegenwart eines traumatisierten Körpers und zugleich rückwärts in die genealogischen Tiefenschichten einer von Verlusten, Schweigen und verdeckter jüdischer Herkunft geprägten Familie. Ausgehend von drei Kartons mit Fotografien, Briefen und dem Manuskript des Ururgroßvaters entwickelt sich eine „poème-enquête“, in der sich zeigt, wie sich historische Gewalt, Suizide und verdrängte Erinnerung nicht nur narrativ, sondern physisch im Körper der Nachkommen einschreiben. Die Rezension liest dieses formal hybride Werk als performative Poetik des Transgenerationalen: Die nicht-lineare Zeitstruktur, die Synchronien der Daten, der Wechsel der Pronomina und die Einlagerung dokumentarischer Stimmen realisieren genau jene Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart, die der Text behauptet. Im Zentrum steht dabei die Umdeutung des Theseus-Mythos: Das Labyrinth ist kein äußerer Ort mehr, sondern das Innere der Familiengeschichte, der „Ariadnefaden“ ein fragiles Geflecht aus Archivmaterial, das erst im Schreiben entsteht. Indem der Roman am Ende – in einer radikalen Inversion der Chronologie – zum Suizid des Ururgroßvaters im Jahr 1939 zurückkehrt, markiert er den Ursprungspunkt der Wunde und macht sichtbar, dass Erkenntnis nur im Rückkehren möglich ist: als Ankommen an dem Ort, von dem alles ausging. Der Aufsatz hebt hervor, dass Toledo damit weder eine psychologische noch eine soziologische Erklärung des Suizids liefert, sondern eine literarische Erkenntnisform etabliert, die das in der Materie sedimentierte Gedächtnis zur Sprache bringt. Literatur erscheint hier als Ort der „revivance“ – nicht als Auflösung des Traumas, sondern als Wiederverbindung mit den Toten, als vorsichtiges Verknüpfen eines zerrissenen Fadens, der eine „vie nouvelle“ überhaupt erst denkbar macht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Ödipus in Évreux: Deutsch-französische Nachkriegstragödie bei Denis Dercourt</title>
		<link>https://rentree.de/2026/03/01/oedipus-in-evreux-deutsch-franzoesische-nachkriegstragoedie-bei-denis-dercourt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Mar 2026 13:53:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Denis Dercourt]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="206" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/71VmOoK1o5L._AC_UF8941000_QL80_-206x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/71VmOoK1o5L._AC_UF8941000_QL80_-206x300.jpg 206w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/03/71VmOoK1o5L._AC_UF8941000_QL80_.jpg 688w" sizes="auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px" />Denis Dercourts Debütroman "Évreux" (Denoël, 2023) erzählt über sieben Jahrzehnte hinweg eine folgenreiche Familiensaga, die im Bombenhagel des Jahres 1944 beginnt. Léon, geboren als Sohn einer missbrauchten Französin und eines deutschen Kollaborateurs, wächst in einem Klima aus Scham, Schweigen und moralischer Kälte auf. Aus dem Kind der Trümmer wird ein skrupelloser Machtmensch, der die Schuldgeschichten seiner Mitbürger systematisch zur Erpressung nutzt und so ein Imperium aufbaut. Parallel dazu verfolgt der Roman die Schicksale seiner verleugneten Kinder sowie des Historikers Antoine, der versucht, die verborgenen Verbrechen der Vergangenheit aufzudecken – und dabei selbst in eine tödliche Spirale aus Rache und Selbstjustiz gerät. Die Stadt Évreux erscheint als moralisch kontaminierter Raum, in dem die deutsch-französische Besatzungsgeschichte nicht überwunden, sondern biografisch fortgeschrieben wird. Die Rezension liest den Roman konsequent als moderne Tragödie im Horizont von Ödipus Rex und argumentiert, dass Dercourt weniger eine historische Chronik als vielmehr ein deterministisches Schuldmodell entwirft. Zentral ist dabei die These einer „Ökonomie der Schuld“: Vergehen werden nicht gesühnt, sondern funktionalisiert und in neue Machtverhältnisse überführt. Stilistisch stützt die Rezension diese Deutung durch den Hinweis auf die parataktische, protokollarische Erzählweise, die Gewalt entemotionalisiert und als logische Folge historischer Verstrickungen erscheinen lässt. Zudem arbeitet sie heraus, dass die Figur des Historikers die Ambivalenz von Aufklärung verkörpert: Erkenntnis führt nicht zur Katharsis, sondern zur erneuten Tat. Die Argumentation der Rezension ist dabei klar strukturiert – von der Urszene 1944 über die intergenerationale Wiederholung bis zum finalen Akt der Selbstjustiz – und zielt auf die Diagnose einer Nachkriegsgesellschaft, deren offizielle Versöhnungsnarrative durch private Gewaltgeschichten radikal unterlaufen werden.]]></description>
		
		
		
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		<title>Hitlers Visite im leeren Paris: Michel Guénaire</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/24/hitlers-visite-im-leeren-paris-michel-guenaire/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jan 2026 11:31:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Guénaire]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-664x1024.jpg 664w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-768x1184.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-996x1536.jpg 996w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL-1328x2048.jpg 1328w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/81mVws2cijL.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Michel Guénaires "La visite" (Grasset, 2025) rekonstruiert Hitlers zweistündigen Paris-Besuch am 23. Juni 1940 nicht als historische Episode, sondern als hochkonzentrierten ästhetischen Akt. Der Text zeigt eine entvölkerte Stadt, die Hitler im Morgengrauen durchschreitet wie ein Museum ohne Publikum: Paris erscheint als „toter Stern“, als reine Architektur, losgelöst von sozialem Leben. Guénaire ersetzt Handlung durch Wahrnehmung und macht den Gang, den Blick und das Schweigen zum eigentlichen Stoff der Erzählung. Die Stadt wird zum Maßstab und zum Rivalen, an dem sich Hitlers ästhetische Ambitionen entzünden: Paris wird bewundert, taxiert und zugleich als Herausforderung für das nie realisierte Projekt „Germania“ gelesen. In der Begegnung mit Monumenten wie der Opéra, dem Trocadéro oder dem Invalidendom entfaltet sich der Récit als politisch-ästhetische Studie über Macht, Form und Aneignung, in der Architektur zur Sprache totalitärer Imagination wird. Die Rezension liest "La visite" als Modellfall autoritärer Herrschaft und analysiert Guénaires Argumentation über den historischen Rahmen hinaus. Sie zeigt, wie der Text Macht nicht psychologisch erklärt, sondern als Wahrnehmungs- und Inszenierungsform freilegt: Hitler erscheint nicht als denkendes Subjekt, sondern als sehende Instanz, umgeben von einem archetypischen Gefolge aus Technikern, Künstlern und Funktionären, die Macht ästhetisch absichern. Die menschenleere Stadt verweigert jedoch die erwartete Resonanz und entlarvt so die Leere totalitärer Gesten. Die Rezension betont besonders die Metapher des „Stummfilms“, mit der Guénaire die Visite als irrealen, nahezu unwirklichen Moment beschreibt – eine friedliche Inszenierung im Zentrum eines Vernichtungskrieges. Aus dieser Perspektive wird "La visite" zu einer universellen Reflexion über autoritäre Systeme: Nicht der einzelne Diktator steht im Mittelpunkt, sondern die wiederkehrenden Strukturen, Rollen und Bilder, durch die Macht sich selbst hervorbringt – und an einer Welt scheitert, die sich nicht vollständig aneignen lässt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Roman der franko-rumänischen Freundschaft: Cătălin Mihuleac</title>
		<link>https://rentree.de/2026/01/04/roman-der-franko-rumaenischen-freundschaft-catalin-mihuleac/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Jan 2026 12:57:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Cătălin Mihuleac]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="196" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-196x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-196x300.jpg 196w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-668x1024.jpg 668w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-768x1178.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-1002x1536.jpg 1002w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-1336x2048.jpg 1336w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/01/9782889831579-scaled.jpg 1670w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" />Cătălin Mihuleacs "Les Demoiselles de Fontaine" entfaltet vor dem Panorama der französisch-rumänischen Beziehungen vom Ersten Weltkrieg bis zur frühen kommunistischen Nachkriegszeit die Geschichte einer kulturellen Verbrüderung, die sich über Bildung, Sprache und persönliche Loyalitäten konstituiert und schließlich politisch zerschlagen wird: Im Zentrum stehen der französische Offizier und spätere Hochschullehrer Marcel Fontaine, seine rumänischen Weggefährten und insbesondere jene jungen Frauen, deren Frankophilie unter dem kommunistischen Regime zur Schuld erklärt wird. Die Rezension liest den Roman weniger als historischen Stoffroman denn als europäische Reflexion über die Fragilität kultureller Bindungen: Frankreich erscheint nicht primär als Staat, sondern als Projektionsfläche von Humanismus, Bildung und universalistischen Werten, Rumänien als Raum der Aneignung, Hoffnung und späteren Ernüchterung. Mihuleac zeigt, so das Argument der Besprechung, dass kultureller Transfer zwar Identitäten prägt und Generationen verbindet, jedoch ohne institutionellen Schutz extrem verwundbar bleibt; was in der Zwischenkriegszeit als moralisches Kapital galt, wird nach 1947 kriminalisiert. Ergänzend hebt die Rezension die Figur Petru Negru hervor, dessen lustvolle Hinwendung zur Volkskunde und Folklore nicht als regressiver Aberglaube, sondern als alternative Erkenntnisform erscheint, in der sich historische Erfahrung, kollektives Gedächtnis und ein widerständiges Wissen jenseits offizieller Ideologien bündeln. Indem der Roman Märchen, Folklore und historische Chronik verschränkt, entwirft er das Bild eines europäischen Versprechens, das nicht durch individuelles Versagen, sondern durch Systemwechsel zerbricht. Die Rezension betont daher den Text als literarisches Denkmal eines gescheiterten, aber schuldlosen Projekts: Nicht die Menschen scheitern, sondern die politischen Ordnungen, die kulturelle Loyalitäten nicht tragen können.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Nürnberger Prozesse ohne Schlussstrich: Alfred de Montesquiou</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/27/nuernberger-prozesse-ohne-schlussstrich-alfred-de-montesquiou/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Dec 2025 00:43:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Alfred de Montesquiou]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="195" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61rcfNDLuAL._AC_UF10001000_QL80_-195x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61rcfNDLuAL._AC_UF10001000_QL80_-195x300.jpg 195w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61rcfNDLuAL._AC_UF10001000_QL80_.jpg 651w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" />Der Artikel liest Alfred de Montesquious Roman "Le crépuscule des hommes" (2025, Prix Renaudot Essai) als Gegenentwurf zu popularisierenden Darstellungen der Nürnberger Prozesse, wie sie etwa James Vanderbilts Film "Nuremberg" (2025) bietet. Während der Film das Geschehen auf ein psychologisches Duell zwischen Hermann Göring und seinem amerikanischen Psychiater verengt und damit einem personalisierenden „Kino der großen Männer“ folgt, entfaltet Alfred de Montesquiou ein vielstimmiges Panorama. Sein Roman interessiert sich nicht für Urteile oder Täterpsychologie, sondern für die Peripherie des Tribunals: Journalisten, Fotografen, Übersetzer und Beobachter, die Nürnberg als Übergangsraum erfahren. Die Stadt erscheint als semantisch überladener Ort zwischen nationalsozialistischer Selbstinszenierung, juristischer Zäsur und moralischer Ungewissheit. Sprache, Übersetzung und mediale Vermittlung werden dabei als fragile Instrumente sichtbar, die an der Aufgabe, das Ungeheure erzählbar zu machen, notwendig scheitern. Argumentativ verortet die Rezension den Roman im Denkraum von Karl Jaspers und Hannah Arendt. Wie bei Jaspers verschiebt sich der Fokus weg von der rein juristischen Schuld hin zu einer moralischen Selbstprüfung der Beobachter, die sich ihrer eigenen Verstrickung bewusst werden. Arendts Skepsis gegenüber abschließenden Erklärungen spiegelt sich in der konsequenten Verweigerung eines narrativen oder moralischen Abschlusses. Der roman vrai erscheint dabei als epistemische Form, die dort ansetzt, wo Akten und Urteile an ihre Grenzen stoßen. Nürnberg wird nicht als Endpunkt der Geschichte erzählt, sondern als Schwebezustand: als „Menschendämmerung“, in der das Ende der Täter keine moralische Klarheit garantiert. Die Lektüre macht deutlich, dass de Montesquiou Nürnberg nicht abschließt, sondern offenhält – als Raum des Übergangs, in dem Recht, Erinnerung und Erzählen selbst auf dem Prüfstand stehen.]]></description>
		
		
		<enclosure url="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/Montesquiou.mp3" length="1305641" type="audio/mpeg" />

			</item>
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		<title>Globale Orte, geteilte Bedeutungen: Olivier Wieviorka und Michel Winock</title>
		<link>https://rentree.de/2025/12/21/globale-orte-geteilte-bedeutungen-olivier-wieviorka-und-michel-winock/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Dec 2025 12:01:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Winock]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Wieviorka]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="223" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61l27le483L._AC_UF8941000_QL80_-223x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61l27le483L._AC_UF8941000_QL80_-223x300.jpg 223w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/12/61l27le483L._AC_UF8941000_QL80_.jpg 743w" sizes="auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px" />Die Rezension widmet sich dem Sammelband "Les lieux mondiaux de l'Histoire de France" (Perrin, 2025), der sich mit der Frage auseinandersetzt, wie bestimmte Orte zu globalen Bezugspunkten werden und welche kulturellen, literarischen, historischen und politischen Bedeutungen sich an ihnen verdichten. Der Band versammelt interdisziplinäre Beiträge, die „Orte in der Welt“ nicht nur als geografische Fixpunkte, sondern als dynamische Räume der Erinnerung, der Macht, der Migration und der Imagination analysieren. Die Rezension arbeitet die zentralen theoretischen Prämissen des Bandes heraus, insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen lokaler Verankerung und globaler Zirkulation von Bedeutungen. Zugleich diskutiert sie die methodische Vielfalt der Beiträge sowie deren Ertrag für aktuelle raumtheoretische und kulturwissenschaftliche Debatten. Ein besonderes Augenmerk gilt der Frage, inwiefern "Les lieux mondiaux" neue Perspektiven auf die symbolische Konstruktion von Weltläufigkeit eröffnet und welche Impulse der Band für die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Raum, Globalisierung und kultureller Übersetzung liefert.]]></description>
		
		
		
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		<title>Zum Mut wie zur Feigheit: Jérôme Garcin über Literatur in der Zeit der Occupation</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/15/zum-mut-wie-zur-feigheit-jerome-garcin-ueber-literatur-in-der-zeit-der-occupation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Nov 2025 19:42:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Recht schaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Jérôme Garcin]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="184" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-184x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-184x300.jpeg 184w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-626x1024.jpeg 626w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-768x1255.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-940x1536.jpeg 940w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5-1253x2048.jpeg 1253w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/files-5.jpeg 1481w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" />Jérôme Garcin legt in "Des mots et des actes: les belles-lettres sous l’Occupation" (Gallimard, 2024) eine moralisch zugespitzte Analyse der französischen Literaturszene während der deutschen Besatzung vor und zeigt, wie Worte zu Werkzeugen der Unterwerfung oder des Widerstands werden konnten. In pointierten Porträts von Kollaborateuren wie Brasillach, Céline, Morand oder Chardonne sowie Widerstandsfiguren wie Prévost, Decour und Lusseyran demonstriert er, dass literarisches Genie moralische Schuld nicht relativiert, sondern verschärft. Leitend ist die von ihm entwickelte „échelle de Prévost“, ein Maßstab, der die Verbindung von ethischer Haltung und schriftstellerischer Praxis bewertet. Garcin zeigt, wie eine kulturelle Elite trotz Massenmord und Repression ein schillerndes Pariser Kulturleben pflegte und wie bis heute ein ästhetischer Kult um kollaborationistische Autoren besteht, während Widerstandsschriftsteller marginalisiert werden. Das Buch ist zugleich historische Abrechnung, moralischer Appell und intellektuelles Selbstporträt eines Lesers, der das „unschuldige Lesen“ aufgibt. Die Rezension hebt die doppelte Bewegung des Werks hervor: die historische Rekonstruktion des literarischen Feldes unter der Besatzung und Garcins selbstkritische Revision seiner eigenen Lektürehaltung. Sie betont, dass Garcin gegen die tradierte Trennung von Werk und Autor anschreibt und die Persistenz einer französischen „ästhetischen Amnesie“ sichtbar macht, die Kollaborateuren Bewunderung und Résistants nur pflichtschuldigen Respekt entgegenbringt. Die Besprechung arbeitet heraus, wie Garcin literarische Porträts mit strukturellen Argumenten (CNE, Generationenkonflikte, soziale Milieus) verbindet und damit eine moralische Re-Kanonisierung anstößt, die Verantwortung als unverzichtbare literaturkritische Kategorie rehabilitiert. Insgesamt liest die Rezension das Buch als dringlichen Beitrag gegen die Verharmlosung des kulturellen Verrats – und als Manifest gegen den fortwirkenden mythischen Glanz, der sich um die „Genies“ des Hasses spannt.]]></description>
		
		
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		<title>Neue Phase französischer Erinnerungsliteratur: Matthieu Niango und Benny Malapa</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/14/neue-phase-franzoesischer-erinnerungsliteratur-matthieu-niango-und-benny-malapa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 15:08:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Benny Malapa]]></category>
		<category><![CDATA[Matthieu Niango]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="244" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Screenshot_20251114_160436_Docs-300x244.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Screenshot_20251114_160436_Docs-300x244.jpg 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Screenshot_20251114_160436_Docs-1024x832.jpg 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Screenshot_20251114_160436_Docs-768x624.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/Screenshot_20251114_160436_Docs.jpg 1144w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />"Le Fardeau" von Matthieu Niango und "Un nègre qui parle yiddish" von Benny Malapa (beide 2025) zeichnen zwei Familiengeschichten, in denen das 20. Jahrhundert als genealogische Erschütterung sichtbar wird. Niangos Roman verfolgt die archivgestützte Spurensuche eines Sohnes, der die Lebensborn-Herkunft seiner Mutter und das paradoxe Erbe aus jüdischer Opferlinie und NS-Täterlinie freilegt. Malapas epochenumspannendes Familienepos erzählt die Liebes- und Überlebensgeschichte eines kamerunisch-deutschen Mannes und einer polnisch-jüdischen Frau als Widerlegung jedes ethnischen Reinheitsmythos. Beide Bücher zeigen, wie Kolonialismus, Rassismus und Antisemitismus ineinandergreifen und wie Hybridität zur Gegenfigur totalitärer Ideologien wird. In unterschiedlicher Ästhetik – dokumentarisch-analytisch bei Niango, mündlich-episch bei Malapa – demonstrieren sie, dass Identität ein offener Prozess der Erinnerung ist: ein Geflecht aus Brüchen, Weitergabe und Verantwortung. - Die Rezension argumentiert, dass beide Romane eine neue Phase der französischen Erinnerungsliteratur markieren, in der nationale Geschichte nicht mehr über große kollektive Narrative, sondern über intime Familienarchive, Minderheitenbiografien und transgenerationale Traumata erschlossen wird. Sie liest die beiden Werke als Gegenentwürfe zu identitären, ethnonationalen Deutungen von „französischer“ Herkunft. Niango und Malapa legen genealogische Assemblagen frei, die die Gewaltgeschichte Europas relational denken. Die Romanformen modellieren zwei Ethiken des Erinnerns: Verantwortung durch Analyse (Niango) und Verantwortung durch Weitergabe (Malapa).]]></description>
		
		
		
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		<title>Der Geist von Locarno. Europa hundert Jahre nach der Friedenskonferenz: Christine de Mazières</title>
		<link>https://rentree.de/2025/11/04/der-geist-von-locarno/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2025 08:14:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Christine de Mazières]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Valéry]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/11/157599_couverture_Hres_0.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Christine de Mazières hat mit "Locarno" (2025) einen ebenso historischen wie gegenwärtigen Roman geschrieben – ein europäisches Zeitstück über Diplomatie, Erinnerung und die Macht der Sprache. Ausgangspunkt ist die Friedenskonferenz von 1925 im Schweizer Locarno, wo Aristide Briand, Gustav Stresemann und Austen Chamberlain nach den Verwüstungen des Ersten Weltkriegs den Versuch einer moralischen Erneuerung Europas unternahmen. De Mazières erzählt die Ereignisse als vielstimmiges Tableau: Politiker, Journalisten und Künstler agieren auf einer Bühne, auf der politische Geste, rhetorische Form und symbolische Handlung unauflöslich ineinanderfließen. Eine Journalistin, Louise Lenfant, wird zur Zeugin dieser „Comédie humaine de la paix“, deren fragile Hoffnung sie zugleich privat wie politisch trägt. Das emblematische Bild des Romans – ein Adler, der auf die Friedenstauben herabstößt – fasst das Paradox dieser Epoche in einer einzigen Metapher zusammen. - Der Aufsatz "Der Geist von Locarno" liest de Mazières’ Roman nicht als bloße historische Rekonstruktion, sondern als literarische Reflexion über das Verhältnis von Geist und Politik. Im Zentrum steht die Frage, ob Frieden denkbar ist, solange Europa geistig zerspalten bleibt. Der Text zeigt, wie der Roman Valérys Diagnose aus "La Crise de l’esprit" (1919) fortschreibt: den Versuch, nach der Katastrophe eine „fédération de l’esprit“ – eine Föderation des Geistes – zu entwerfen. Die Besprechung deutet Locarno als narrative Antwort auf Valérys Frage „Et qu’est-ce que la paix?“ und als Echo auf Heinrich Manns Forderung nach einem „geistigen Locarno“. De Mazières verbindet die moralische Vision Briands mit der skeptischen Intelligenz Valérys und verwandelt die politische Bühne von 1925 in ein literarisches Labor für die Gegenwart: ein Jahrhundert später, im Jahr 2025, bleibt Locarno eine offene Frage an Europa selbst – ob es fähig ist, seine geistigen Kräfte zu erneuern, bevor der Adler wieder auf die Tauben herabstößt.]]></description>
		
		
		
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		<title>Versöhnung ist mitten im Streit: Christine de Mazières</title>
		<link>https://rentree.de/2025/10/22/versoehnung-ist-mitten-im-streit-christine-de-mazieres/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Oct 2025 21:58:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Reserve]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Christine de Mazières]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="230" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/trois_jours_a_berlin-2020-swediteur-230x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/trois_jours_a_berlin-2020-swediteur-230x300.jpg 230w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/trois_jours_a_berlin-2020-swediteur-784x1024.jpg 784w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/trois_jours_a_berlin-2020-swediteur-768x1003.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/trois_jours_a_berlin-2020-swediteur-1176x1536.jpg 1176w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/trois_jours_a_berlin-2020-swediteur-1568x2048.jpg 1568w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/10/trois_jours_a_berlin-2020-swediteur.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 230px) 100vw, 230px" />Christine de Mazières’ „Trois jours à Berlin“ (Wespieser, 2019, ich fand etwas ungläubig keine deutsche Übersetzung) verwandelt den 9. November 1989 in ein poetisches Mosaik aus Stimmen, Erinnerungen und Blicken. Eine Französin, Anna, reist in die geteilte Stadt, um den Mann wiederzufinden, dem sie einst begegnete – Micha, Sohn eines ostdeutschen Funktionärs. Zwischen Stasi-Protokollen, inneren Monologen und der überirdischen Perspektive des Engels Cassiel entfaltet der Roman eine polyphone Erzählung der Geschichte als ‘Faltung’: Berlin wird zur vibrierenden Metapher Europas, zur „plaine immense“ voller Ruinen, Sprachen und Sehnsüchte. Der Fall der Mauer erscheint nicht als heroischer Moment, sondern als zarter Augenblick der Durchlässigkeit, in dem Schweigen, Missverständnis und Poesie die Macht der Ideologien unterwandern. „Trois jours à Berlin“ ist als poetische Reflexion eines französischen Blicks auf Deutschland zu interpretieren – als Werk, das die Teilung nicht nur politisch, sondern existentiell erfahrbar macht. De Mazières’ wechselnde Erzählformen, ihr Spiel zwischen lyrischer Innenschau und bürokratischer Kälte, lassen das Ereignis selbst zur Sprache werden: die Versöhnung als ästhetische Bewegung, nicht als historischer Abschluss. In der Spannung zwischen Anna und Micha, zwischen dem Engel Cassiel und den Menschen, findet sich das Bild eines Europas, das seine „part manquante“ sucht – eine verlorene Zärtlichkeit, die sich im Moment der Öffnung wiederfindet.]]></description>
		
		
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		<title>Das vergessene Drama von 1940: Aurélien d’Avout</title>
		<link>https://rentree.de/2025/08/11/das-vergessene-drama-von-1940-aurelien-davout/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Aug 2025 07:46:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[France profonde]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="207" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/avout-207x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/avout-207x300.jpg 207w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/avout-707x1024.jpg 707w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/avout-768x1112.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/08/avout.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px" />Aurélien d’Avout, La France en éclats: écrire la débâcle de 1940, d’Aragon à Claude Simon (Brüssel: Les Impressions nouvelles, 2023), 390 S. Zäsur und Riss im französischen Selbstbild Aurélien d’Avouts Studie La France en éclats beleuchtet, warum das Jahr 1940, insbesondere der Juni, in Frankreich oft von einem „Schleier des Schweigens“ umgeben ist. Obwohl die ... <p class="read-more-container"><a title="Das vergessene Drama von 1940: Aurélien d’Avout" class="read-more button" href="https://rentree.de/2025/08/11/das-vergessene-drama-von-1940-aurelien-davout/#more-8992" aria-label="Mehr Informationen über Das vergessene Drama von 1940: Aurélien d’Avout">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Walzer der Ruinen: Jean-Jacques Schuhl</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/20/walzer-der-ruinen-jean-jacques-schuhl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Jul 2025 10:27:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2000]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Reserve]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Jacques Schuhl]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="182" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/81JAyCTJq-L._UF10001000_QL80_-182x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/81JAyCTJq-L._UF10001000_QL80_-182x300.jpg 182w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/81JAyCTJq-L._UF10001000_QL80_.jpg 607w" sizes="auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px" />Jean-Jacques Schuhls Roman "Ingrid Caven" (Gallimard, L'Infini, 2000), ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt, ist mehr als eine bloße biografische Annäherung an die Künstlerin und Partnerin des Autors. Er lässt sich als eine kulturgeschichtliche Diagnose einer Epoche, ihrer prägenden Themen und der Faszination an einer spezifischen deutschen Mythologie aus französischer Perspektive lesen. Dies umfasst zentrale historische Marker wie den Krieg und die „Stunde Null“, Figuren einer "deutschen Mythologie" wie Rainer Werner Fassbinder und die Rote Armee Fraktion, sowie das omnipräsente Motiv der „Sehnsucht“. Gleichzeitig ist der Roman in seiner Ästhetik Ausdruck eines dezidierten Literaturverständnisses von Jean-Jacques Schuhl selbst, der seine eigene Rolle und die des Verlegers Philippe Sollers in der literarischen Produktion und Rezeption reflektiert.]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Der Architekt und sein Führer, contre-fiction: Jean-Noël Orengo</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/17/der-architekt-und-sein-fuehrer-contre-fiction-jean-noel-orengo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Jul 2025 11:15:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Mannsein]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Noël Orengo]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71FjRqVMKeL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71FjRqVMKeL._UF10001000_QL80_-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/71FjRqVMKeL._UF10001000_QL80_.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In seinem Roman "Vous êtes l'amour malheureux du Führer" setzt sich Jean-Noël Orengo fiktional mit der Figur Albert Speers auseinander. Dabei beleuchtet er dessen komplexe Beziehung zu Adolf Hitler, seine strategische Selbstdarstellung nach dem Krieg und die Macht von Erzählungen im Umgang mit historischer Wahrheit kritisch. Der Roman dekonstruiert Speers eigenes Narrativ - als Versuch, die eigene Verantwortung zu negieren - und offenbart die Mechanismen seiner Apologie. So setzte beispielsweise Speers Ministerium Millionen von Sklavenarbeitern ein, darunter viele Juden, und war für den Ausbau von Auschwitz zur größten Todesfabrik mitverantwortlich. Orengos Roman ist jedoch mehr als eine bloße historische Nacherzählung: Er ist eine Untersuchung der Konstruktion von Wahrheit und Fiktion in der Geschichtsschreibung – insbesondere im Kontext von Verbrechen und Erinnerung. Orengo entlarvt Speers "Erinnerungen" als meisterhaft konstruierte Erzählung, die die Wahrheit manipuliert und Speer als „Star der deutschen Schuld“ etabliert, indem er sich als „verantwortlich, aber nicht schuldig“ darstellt. Diese „Autofiktion“ ist so wirkmächtig, dass sie selbst historische Fakten überstrahlen kann. Der Roman stellt die Geschichtsschreibung als einen Kampf von Erzählungen dar, in dem Speer durch seine narrative Geschicklichkeit oft die Oberhand behält, selbst gegenüber widerlegenden Dokumenten. Orengo zeigt, wie schwierig es ist, die „Wahrheit“ über eine so dunkle Periode zu finden, wenn die Hauptakteure ihre eigene Geschichte meisterhaft fiktionalisieren.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Kind der deutsch-französischen Geschichte: Sylvain Prudhomme</title>
		<link>https://rentree.de/2025/07/16/ein-kind-der-deutsch-franzoesischen-geschichte-sylvain-prudhomme/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Jul 2025 18:17:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Sylvain Prudhomme]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="219" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/61NrDtIX3UL._SL1500_-219x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/61NrDtIX3UL._SL1500_-219x300.jpg 219w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/61NrDtIX3UL._SL1500_-748x1024.jpg 748w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/61NrDtIX3UL._SL1500_-768x1052.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/07/61NrDtIX3UL._SL1500_.jpg 1095w" sizes="auto, (max-width: 219px) 100vw, 219px" />Der Roman "L’enfant dans le taxi" von Sylvain Prudhomme (2023, dt. "Der Junge im Taxi", Unionsverlag, Juli 2025) ist eine Auseinandersetzung mit den Schatten der deutsch-französischen Geschichte, insbesondere der Nachkriegszeit, und deren Auswirkungen auf individuelle Schicksale und Familienbeziehungen. Das Werk verwebt die persönliche Suche des Erzählers Simon nach einem verdrängten Familiengeheimnis mit der komplexen Historie der französischen Besatzung in Deutschland. Im Zentrum steht die Entdeckung der Existenz von M., dem deutschen Sohn des französischen Soldaten Malusci und der Deutschen Liselotte H., der während der Besatzung am Bodensee gezeugt wurde. Seine Existenz wurde über Jahrzehnte hinweg aktiv verleugnet, um idealisierte Familiennarrative aufrechtzuerhalten, deren Brüchigkeit durch Simons Recherchen offengelegt wird. Dabei wird der Bodensee selbst zu einem zentralen Symbol des Geheimnisses und der verborgenen Tiefen, während das Taxi, in dem M. als Teenager zu seinem Vater reist, seine verzweifelte, aber naive Hoffnung auf Verbindung symbolisiert. Die Geschichte zeigt, wie Kommunikation durch Schweigen und Missverständnisse blockiert wird, bis die Wahrheit schließlich durch Figuren wie Franz und Louis ans Licht kommt. Der Roman geht über eine bloße Familiengeschichte hinaus, indem er die kollektive Verdrängung als aktive, performative Praxis darstellt, in der „Frieden“ oft den „anderen Namen der Verleugnung“ trägt. Der Text betont, dass die Enthüllung der Wahrheit nicht zu einer objektiven Realität, sondern zu einer kontinuierlichen, durch Wünsche und Emotionen geformten Konstruktion von Wahrheit führt. Zudem ist der Roman eng mit der Kolonialgeschichte Algeriens verbunden, denn die erste Spur zu dem verborgenen Familiengeheimnis – M.s Existenz – kommt über Bahi ans Licht. Bahi ist ein algerischer Arbeiter auf Maluscis Farm in Oran. Letztlich deutet der Roman eine Möglichkeit zur Heilung historischer Traumata an, die auf Empathie und der Akzeptanz der komplexen menschlichen Geschichte beruht.]]></description>
		
		
		
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		<title>Himmlers Zuchtbefehl: Caroline de Mulder</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 May 2025 21:28:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Caroline de Mulder]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-205x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-205x300.jpeg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-700x1024.jpeg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-768x1124.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-1049x1536.jpeg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder-1399x2048.jpeg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/05/Mulder.jpeg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Caroline De Mulders Roman „La pouponnière d’Himmler“ erzählt das Lebensborn-Programm des Nationalsozialismus als Schrecken einer durchideologisierten Kindheit: Kindheit wird nicht als schützenswerte Lebensphase gezeigt, sondern als Produkt eines rassistischen Zuchtprogramms – verwaltet, vermessen, umbenannt und ihrer Herkunft beraubt. Die Körper von Frauen, Kindern und Männern erscheinen nicht als Subjekte, sondern als biopolitisches Material im Dienst einer totalitären Ideologie. Die Frau wird als „Gebärmaschine“ dargestellt, deren Wert sich ausschließlich aus ihrer Reproduktionsfähigkeit für die „Rasse“ ergibt. Renée, die als junge schwangere Französin im Lebensborn-Heim entrechtet wird, Helga, die als Oberschwester zwischen Pflichterfüllung und Schuld taumelt, und Marek, der als Zwangsarbeiter entmenschlicht wird, verkörpern drei Varianten existenzieller Ausgeliefertheit an ein System, das Körper zählt, aber Leben entwertet. Gleichzeitig deutet der Roman an, dass die völlige Indienstnahme der Körper nicht gelingt: In poetischen Momenten innerer Bilder, sinnlicher Erfahrung und zwischenmenschlicher Nähe blitzen Möglichkeiten von Subjektivität auf. Die Erzählerin des Romans versucht im Rückblick, das Schweigen der Vergangenheit zu durchbrechen, und begegnet der historischen Leerstelle mit Sprache, Imagination und dokumentarischen Fragmenten. Die vielstimmige Struktur des Romans – zwischen innerem Monolog, Archivtexten und Gegenwartserzählung – spiegelt die Fragmentierung traumatisierter Kindheiten wider und macht literarisch erfahrbar, was historisch mit dem Kriegsende am 8. Mai 1945 ausgelöscht werden sollte.]]></description>
		
		
		
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		<title>Wir Jungpioniere lieben unsere Deutsche Demokratische Republik: Benjamin de Laforcade</title>
		<link>https://rentree.de/2025/03/05/wir-jungpioniere-lieben-unsere-deutsche-demokratische-republik-benjamin-de-laforcade/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Mar 2025 11:48:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin de Laforcade]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/81yCoTjlbuL-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/81yCoTjlbuL-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/81yCoTjlbuL-700x1024.jpg 700w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/81yCoTjlbuL-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/81yCoTjlbuL-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/81yCoTjlbuL-1399x2048.jpg 1399w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/03/81yCoTjlbuL.jpg 1654w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />In „Berlin pour elles“ (2024), dem zweiten Roman von Benjamin de Laforcade, bildet die Freundschaft zwischen Hannah und Judith das Zentrum einer Erzählung, die zwischen individueller Nähe und staatlicher Kontrolle entlangführt. Durch die Perspektive zweier Mädchen in der DDR entwickelt der Roman ein anschauliches Bild der ostdeutschen Gesellschaft, das sich zwischen Anpassung, Widerstand und alltäglicher Solidarität bewegt. Laforcade, als französischer Autor mit Außenperspektive auf Ostberlin und als Wahlberliner, nutzt die Freundschaft nicht nur als Erzählmotiv, sondern auch als Mittel zur Untersuchung von Gesellschaftsstrukturen und menschlichen Werten.]]></description>
		
		
		
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		<title>Verwerfungslinien in uns: Mathias Énard, „Mélancolie des confins. Nord“</title>
		<link>https://rentree.de/2025/01/02/verwerfungslinien-in-uns-mathias-enard-melancolie-des-confins-nord/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jan 2025 12:17:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Mathias Enard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/9782330196950-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/9782330196950-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/9782330196950-701x1024.jpg 701w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2025/01/9782330196950.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Mathias Énard ist einer der deutschlandaffinen Autoren der französischen Gegenwartsliteratur; wir begleiten den Erzähler in ein Berlin, in dem persönliche Verluste, kollektive Traumata und die literarische Tradition in einem eindrucksvollen Narrativ miteinander verschmelzen. Sein jüngstes Werk "Mélancolie des confins. Nord" bildet den Auftakt einer Tetralogie über die Vergänglichkeit historischer Grenzen, verwebt erneut intime und historische Ebenen und verwischt in diesen einsamen Promenaden (denn das sind die Kapitel eher als Teile eines Romans) Literatur, Geschichte und Geografie.]]></description>
		
		
		
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		<title>Die Menschen gebären das Morgen: Régis Jauffret und Hitlers Mutter</title>
		<link>https://rentree.de/2024/08/16/die-menschen-gebaren-das-morgen-regis-jauffret-und-hitlers-mutter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Aug 2024 10:23:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Besprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Régis Jauffret]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/08/jauffretklara-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/08/jauffretklara-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/08/jauffretklara-701x1024.jpg 701w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2024/08/jauffretklara.jpg 758w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Das fiktive Tagebuch von Klara Hitler über ihre Schwangerschaft wirft Fragen auf über mögliche Poetiken des Holocaust und über die literarische Figur von Klaras Sohn Adolf Hitler im Werk von Régis Jauffret.]]></description>
		
		
		
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		<title>Jeder weiß, dass Adolf Hitler Selbstmord begangen hat</title>
		<link>https://rentree.de/2023/09/15/jeder-weiss-dass-adolf-hitler-selbstmord-begangen-hat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Sep 2023 10:18:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Probe]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Dominique Forma]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="210" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/forma-210x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/forma-210x300.jpg 210w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/forma-716x1024.jpg 716w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/forma-768x1098.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/forma-1075x1536.jpg 1075w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/forma.jpg 1102w" sizes="auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px" />Todd s’écarte, à regret, Solange s’engouffre dans la rue, et s’éloigne rapidement. Derrière elle, elle aperçoit Todd qui, de l’embrasure de la porte d’entrée du Mirando, la suit du regard. Il lui a fait un signe de salut de la main&#160;; un signe qu’elle prend pour une menace. Solange accélère le pas. Adolf Hitler ? L’incarnation du ... <p class="read-more-container"><a title="Jeder weiß, dass Adolf Hitler Selbstmord begangen hat" class="read-more button" href="https://rentree.de/2023/09/15/jeder-weiss-dass-adolf-hitler-selbstmord-begangen-hat/#more-4520" aria-label="Mehr Informationen über Jeder weiß, dass Adolf Hitler Selbstmord begangen hat">Weiterlesen</a></p>]]></description>
		
		
		
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		<title>Ein besseres Gedächtnis als wir: Mathias Énard, Déserter</title>
		<link>https://rentree.de/2023/09/12/ein-besseres-gedaechtnis-als-wir-mathias-enard-deserter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Sep 2023 19:00:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Mathias Enard]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="159" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/deserter-159x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/deserter-159x300.jpg 159w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/09/deserter.jpg 325w" sizes="auto, (max-width: 159px) 100vw, 159px" />Mathias Énard schreibt über einen fiktiven ostdeutschen Mathematiker, der seinen KZ-Aufenthalt in Buchenwald und seine Liebe dichtend bewältigt und über einen Kriegs-Deserteur, der durch die Wildnis aus seinem Land flieht: 1. Vibrationen aus Odessa - 2. Gespenster in Weimar - 3. Konjekturen und Metafiktion]]></description>
		
		
		
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		<title>Aufblitzen im Augenblick einer Gefahr: Walter Benjamin bei Aurélien Bellanger</title>
		<link>https://rentree.de/2023/02/26/aufblitzen-im-augenblick-einer-gefahr-walter-benjamin-bei-aurelien-bellanger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Feb 2023 15:42:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Aurélien Bellanger]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="206" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/02/Bellanger-206x300.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/02/Bellanger-206x300.png 206w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2023/02/Bellanger.png 400w" sizes="auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px" />"Als Scholem seinen Freund 1938 nach mehr als zehn Jahren wiedersah, stellte er fest, dass sein Haar weiß geworden war und er an Gewicht zugenommen hatte. Ich kann nicht anders, als mir die groteske Figur eines Benjamin vorzustellen, der überproportional gewachsen ist und das gesamte Volumen der Nationalbibliothek einnimmt – ein Benjamin aus Pappmaché oder Wachsschmelze, der den Negativabdruck der Bibliothek bildet, aber in extremis Notausgänge aus dem Albtraum von Babel gefunden hätte, ohne sie leider für sich selbst nutzen zu können."]]></description>
		
		
		
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		<title>Vél d’Hiv als Kinderantlitz: Cloé Korman</title>
		<link>https://rentree.de/2022/10/30/vel-dhiv-als-kinderantlitz-cloe-korman/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Oct 2022 19:23:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Cloé Korman]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-699x1024.jpg 699w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-768x1124.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-1049x1536.jpg 1049w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-400x586.jpg 400w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman-800x1171.jpg 800w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/10/korman.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Cloé Korman gibt drei Großcousinen ein Gesicht, die als jüdische Kinder in Auschwitz umkamen: Mireille, Jacqueline und Henriette. ]]></description>
		
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		<title>Action directe im Roman: Vanessa Schneider und Monica Sabolo</title>
		<link>https://rentree.de/2022/09/11/action-directe-im-roman-vanessa-schneider-und-monica-sabolo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Sep 2022 13:50:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Monica Sabolo]]></category>
		<category><![CDATA[Vanessa Schneider]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="300" height="222" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/09/sabolo-schneider-300x222.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/09/sabolo-schneider-300x222.png 300w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/09/sabolo-schneider-1024x758.png 1024w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/09/sabolo-schneider-768x569.png 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/09/sabolo-schneider-400x296.png 400w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/09/sabolo-schneider-800x593.png 800w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/09/sabolo-schneider.png 1072w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Mit Joëlle Aubron (1959–2006) in Vanessa Schneiders "La fille de Deauville" (Grasset) und mit Nathalie Ménigon (geb. 1957) in Monica Sabolos "La vie clandestine" (Gallimard) werden zwei Mitglieder der linksradikalen Action directe 2022 zu Romanfiguren. ]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Europa als Schicksalsgemeinschaft? Zur Anthologie von Olivier Guez</title>
		<link>https://rentree.de/2022/03/05/europa-als-schicksalsgemeinschaft-zur-anthologie-von-olivier-guez/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Mar 2022 22:48:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2022]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Guez]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="202" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/grandtour-202x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/grandtour-202x300.jpg 202w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/grandtour-400x595.jpg 400w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2022/03/grandtour.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 202px) 100vw, 202px" />Die Vielfalt Europas literarisch darzustellen hat sich die von Olivier Guez besorgte Anthologie Le Grand Tour: autoportrait de l'Europe par ses écrivains vorgenommen, ihrerseits ein Nebenprodukt der französischen Ratspräsidentschaft in der ersten Jahreshälfte 2022.]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Orpheus in Berlin, die Stadt der Seen als Super-8-Film</title>
		<link>https://rentree.de/2021/11/15/orpheus-in-berlin-die-stadt-der-seen-als-super-8-film/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Nov 2021 23:26:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekphrasis]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Sébastien Berlendis]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="158" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/11/Seize-lacs-et-une-seule-mer-158x300.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/11/Seize-lacs-et-une-seule-mer-158x300.jpeg 158w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/11/Seize-lacs-et-une-seule-mer-539x1024.jpeg 539w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/11/Seize-lacs-et-une-seule-mer-768x1459.jpeg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/11/Seize-lacs-et-une-seule-mer-808x1536.jpeg 808w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/11/Seize-lacs-et-une-seule-mer-400x760.jpeg 400w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/11/Seize-lacs-et-une-seule-mer-800x1520.jpeg 800w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/11/Seize-lacs-et-une-seule-mer.jpeg 850w" sizes="auto, (max-width: 158px) 100vw, 158px" />Sébastien Berlendis nimmt in „Seize lacs et une seule mer“ Berlins Geschichte im Spiegel seiner Landschaft zum Thema. Das Sommerbuch folgt den Spuren einer Frau von See zu See und zeichnet dabei ein geradezu bukolisches Berlin. Weißer See. Langer See. Müggelsee. Wannsee. Teufelssee. ]]></description>
		
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		<title>Das große Schweigen im Vater-Prozess, im Barbie-Prozess</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Sep 2021 11:08:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
		<category><![CDATA[Judéité]]></category>
		<category><![CDATA[Romans croisés]]></category>
		<category><![CDATA[Sorj Chalandon]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="205" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/Enfant-de-salaud-Sorj-Chalandon-205x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/Enfant-de-salaud-Sorj-Chalandon-205x300.jpg 205w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2021/09/Enfant-de-salaud-Sorj-Chalandon.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" />Der Roman „Enfant de salaud“ verknüpft Chalandons Auseinandersetzung mit der großen Geschichte – dem Schlächter von Lyon Klaus Barbie – und mit intimer Familiengeschichte – dem eigenen, 2014 verstorbenen Vater, der bereits 2015 Gegenstand des Romans „Profession du père“ war.]]></description>
		
		
		
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