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	<title>Michel Tournier &#8211; Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart</title>
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		<title>Zwischen Mythos und Massenmord: deutsch-französische Romane im Zeichen des Dritten Reiches</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Nonnenmacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 00:08:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="190" height="300" src="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-190x300.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-190x300.jpg 190w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-648x1024.jpg 648w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-768x1214.jpg 768w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-971x1536.jpg 971w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL-1295x2048.jpg 1295w, https://rentree.de/wp-content/uploads/2026/04/71VTTjmXfKL.jpg 1619w" sizes="(max-width: 190px) 100vw, 190px" />Michel Tourniers "Le Roi des Aulnes" (1970) und Jonathan Littells "Les Bienveillantes" (2006) sind, trotz des Abstands von 36 Jahren und zweier grundverschiedener literarischer Temperamente, beide deutsch-französische Romane im präzisesten Sinne: Tournier schickt seinen Pariser Garagisten Abel Tiffauges als Kriegsgefangenen nach Ostpreußen, wo er Deutschland als mythologisches Spiegelland erlebt – Hirschherden wie Wappentiere, Görings Jagdschloss als "palais sur rails", die Napola-Burg Kaltenborn als Erfüllung einer Erlkönig-Obsession –, bis das jüdische Kind Ephraïm am Ende alle seine Zeichen invertiert und sich im letzten Satz in den Davidstern verwandelt; Littell stattet seinen Ich-Erzähler Max Aue, SS-Offizier und Massenmörder, mit einer elsässischen Herkunft, einer französischen Mutter, einer Sciences-Po-Ausbildung und Pariser Kollaborationsfreunden aus, so dass die deutsch-französische Hybridität nicht als humanisierende Brücke, sondern als Voraussetzung der Komplizenschaft erscheint – wer Racine und Hölderlin gleich gut kennt, schreibt den Massenmord eben in besserem Französisch. Die vorliegende kontrastive Interpretation argumentiert, dass beide Romane exakt diese Gemeinsamkeit teilen: Sie verweigern die tröstliche Erzählung, wonach der Nationalsozialismus ein kulturell Fremdes war, das dem deutsch-französischen Erbe von außen aufgezwungen wurde, und zwingen stattdessen ihre Protagonisten – den faszinierten Franzosen wie den hybriden Täter – dazu, die eigene Bildung, Faszination und Sprachkenntnis als Einfallstor zu erkennen. Dabei unterscheidet die Rezension scharf zwischen Tourniers mythologischer Verfremdung – das Verbrechen wird in archaische Muster (Erlkönig, Christophoros, Inversion der Zeichen) sublimiert, um erst so sichtbar zu werden – und Littells hyperrealistischer Immanenz, die jeden mythologischen Schutzschirm verweigert und den Leser durch Aues kultivierten Berichtston in eine Komplizenschaft zieht, aus der er sich nicht heraushalten kann; die Rezension legt nahe, dass diese Differenz nicht nur ästhetisch, sondern historisch erklärbar ist: 1970 war Auschwitz noch unbeschreiblich, man sublimierte – 2006 war es akademisiert und musealisiert, und Littell insistierte auf der Unverarbeitbarkeit. Als deutsch-französische Texte werden beide Romane dabei auch auf ihre Sprachpolitik hin befragt: das Deutsche, das Tournier im Roman als ehrfürchtig unübersetztes Fremdkörper-Material stehen lässt (Napola, Reichsjägermeister, Jungmann), und das Französische, das Littell als Schreibsprache für den deutschen Massenmord wählt – ein literarisches Sakrileg, das die "clarté française" gegen sich selbst kehrt und damit die These der Rezension illustriert, dass die deutsch-französische Kulturgemeinschaft das schwarze Loch in ihrer Geschichte nicht schließen, sondern nur umkreisen kann.]]></description>
		
		
		
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