Roman der franko-rumänischen Freundschaft: Cătălin Mihuleac

Cătălin Mihuleacs „Les Demoiselles de Fontaine“ entfaltet vor dem Panorama der französisch-rumänischen Beziehungen vom Ersten Weltkrieg bis zur frühen kommunistischen Nachkriegszeit die Geschichte einer kulturellen Verbrüderung, die sich über Bildung, Sprache und persönliche Loyalitäten konstituiert und schließlich politisch zerschlagen wird: Im Zentrum stehen der französische Offizier und spätere Hochschullehrer Marcel Fontaine, seine rumänischen Weggefährten und insbesondere jene jungen Frauen, deren Frankophilie unter dem kommunistischen Regime zur Schuld erklärt wird. Die Rezension liest den Roman weniger als historischen Stoffroman denn als europäische Reflexion über die Fragilität kultureller Bindungen: Frankreich erscheint nicht primär als Staat, sondern als Projektionsfläche von Humanismus, Bildung und universalistischen Werten, Rumänien als Raum der Aneignung, Hoffnung und späteren Ernüchterung. Mihuleac zeigt, so das Argument der Besprechung, dass kultureller Transfer zwar Identitäten prägt und Generationen verbindet, jedoch ohne institutionellen Schutz extrem verwundbar bleibt; was in der Zwischenkriegszeit als moralisches Kapital galt, wird nach 1947 kriminalisiert. Ergänzend hebt die Rezension die Figur Petru Negru hervor, dessen lustvolle Hinwendung zur Volkskunde und Folklore nicht als regressiver Aberglaube, sondern als alternative Erkenntnisform erscheint, in der sich historische Erfahrung, kollektives Gedächtnis und ein widerständiges Wissen jenseits offizieller Ideologien bündeln. Indem der Roman Märchen, Folklore und historische Chronik verschränkt, entwirft er das Bild eines europäischen Versprechens, das nicht durch individuelles Versagen, sondern durch Systemwechsel zerbricht. Die Rezension betont daher den Text als literarisches Denkmal eines gescheiterten, aber schuldlosen Projekts: Nicht die Menschen scheitern, sondern die politischen Ordnungen, die kulturelle Loyalitäten nicht tragen können.

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