Poetiken der Kindheit: Emmanuel Carrère, La classe de neige (1995)

Emmanuel Carrères 1995 erschienener Roman „La classe de neige“ ist ein psychologischer Roman, der in einem scheinbar harmlosen Setting – einer Klassenfahrt in ein Skilager – die existenzielle Angst eines Kindes entblößt. Was wie eine einfache Kindheitsgeschichte beginnt, entpuppt sich als düsterer Trip durch die Innenwelt eines Jungen, der sich mehr und mehr vom realen Geschehen entfernt und in einem Albtraum aus Schuld, Furcht, Fremdheit und Gewalt versinkt. Carrères Roman entwirft eine dunkle Poetik der Kindheit: Keine verlorene Unschuld, sondern ein permanenter Ausnahmezustand, in dem das Kind mit Erfahrungen konfrontiert ist, die es kaum zu verarbeiten vermag.

Der Beginn des Neuen Staats: Jérôme Leroy

„La petite fasciste“ von Jérôme Leroy setzt sich mit der ideologischen Prägung, der sozialen Determination und der persönlichen Emanzipation der Protagonistin Francesca Crommelynck auseinander: Der Roman entwirft das Porträt einer jungen Frau, die in einem extrem rechten Milieu aufwächst und sich zunächst mit dessen Ideologie identifiziert, bevor sie durch persönliche Erfahrungen und Verluste zunehmend in einen kritischen Reflexionsprozess gerät. Inwieweit kann „La petite fasciste“ als Dekonstruktion extremistischer Denkmuster gelesen werden? Der Roman zeichnet ein düsteres Bild eines polarisierten Frankreichs, in dem soziale Spannungen, politische Radikalisierung und kulturelle Konflikte eskalieren. Leroy beschreibt eine Gesellschaft, die von latenter Gewalt und ideologischen Kämpfen geprägt ist. Damit reiht sich „La petite fasciste“ in das literarische Schaffen des Autors ein, der in Werken wie „Le Bloc“ ähnliche Themen behandelt.

Wir Jungpioniere lieben unsere Deutsche Demokratische Republik: Benjamin de Laforcade

In „Berlin pour elles“ (2024), dem zweiten Roman von Benjamin de Laforcade, bildet die Freundschaft zwischen Hannah und Judith das Zentrum einer Erzählung, die zwischen individueller Nähe und staatlicher Kontrolle entlangführt. Durch die Perspektive zweier Mädchen in der DDR entwickelt der Roman ein anschauliches Bild der ostdeutschen Gesellschaft, das sich zwischen Anpassung, Widerstand und alltäglicher Solidarität bewegt. Laforcade, als französischer Autor mit Außenperspektive auf Ostberlin und als Wahlberliner, nutzt die Freundschaft nicht nur als Erzählmotiv, sondern auch als Mittel zur Untersuchung von Gesellschaftsstrukturen und menschlichen Werten.

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