Jüdisch-arabische Koexistenz als Familienchronik: Pierre Hazan

Pierre Hazans „Les Juifs, les Arabes, ma famille et moi“ (2026) entfaltet anhand einer weit verzweigten Familiengeschichte ein ebenso literarisches wie historiographisches Projekt: In sieben genealogisch organisierten Kapiteln rekonstruiert das Buch die untergegangene Realität jüdisch-arabischer Koexistenz im östlichen Mittelmeerraum und stellt sie den verhärteten Identitätslogiken des 20. Jahrhunderts entgegen. Ausgehend von Figuren wie einem sephardischen Rabbiner des 19. Jahrhunderts, einem zugleich ägyptischen Nationalisten und Zionisten oder den letzten jüdischen Stimmen Ägyptens verbindet Hazan Archivmaterial, Erinnerungsfragmente und zeitgenössische Begegnungen mit israelischen und palästinensischen Akteuren. Daraus entwickelt er drei zentrale Thesen: dass Koexistenz historisch gelebte Praxis war, dass ihre Zerstörung auf konkurrierende Nationalismen zurückgeht und dass die wechselseitig verdrängten Traumata – die Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern und die Nakba – untrennbar miteinander verschränkt sind. Das Buch versteht sich so als Intervention in die Erinnerungspolitik der Gegenwart und als Plädoyer dafür, Hybridität nicht als Ausnahme, sondern als verlorene historische Normalität neu zu denken.

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Wo die Jungs hinfahren: Alix Boirot

Die Studie der Anthropologin Alix Boirot zeigt, dass der sommerliche Partytourismus als verdichtetes soziales Labor fungiert, in dem Männlichkeit nicht einfach ausgelebt, sondern unter hohem Performanzdruck hergestellt wird: Ausgehend von einem medial geprägten „touristischen Imaginären“, das Frauen als verfügbare Objekte eines männlichen Blicks inszeniert, reisen die jungen Männer mit einem vorab internalisierten Skript an – sichtbar etwa in den frühen Abenden auf der Straße, wenn sie auf die Beschreibung eines Clubs fast reflexhaft mit der Frage reagieren, ob „da Mädchen“ seien, oder in den Schlafsälen, wo noch vor der ersten Nacht halb im Scherz, halb im Ernst ausgehandelt wird, wer im Fall einer „Eroberung“ das Zimmer räumt. In der Praxis erweist sich dieses Skript jedoch als widersprüchlich: Der scheinbar entgrenzte Hedonismus ist streng reguliert („kontrollierter Kontrollverlust“), und die Nächte folgen ritualisierten Abläufen – vom kollektiven Vorglühen mit billigem Alkohol über das dichte Gedränge vor den Clubs bis hin zur exzessiv choreografierten Ekstase auf der Tanzfläche, deren Spuren sich am Morgen in klebrigen Böden, leeren Flaschen und stolz präsentierten Erinnerungslücken materialisieren. Die eigentliche Bühne ist dabei weniger heterosexuell als homosozial organisiert: Wenn ein junger Mann seine Trinkfestigkeit demonstrativ überschreitet oder eine flüchtige Annäherung überzeichnet erzählt, richtet sich die entscheidende Anerkennung nicht an die anwesenden Frauen, sondern an die Blicke und Kommentare seiner Freunde. Im Anschluss an Konzepte wie „doing gender“ und „hegemoniale Männlichkeit“ wird sichtbar, dass Männlichkeit hier als prekäre, ständig zu erneuernde Leistung erscheint, deren Scheitern – etwa wenn die erwarteten sexuellen Begegnungen ausbleiben und sich stattdessen nur ein distanziertes Nebeneinander auf der Tanzfläche einstellt – in Selbstzweifel, aber auch in Schuldumkehr umschlagen kann, etwa wenn ein zurückgewiesenes Gespräch vor dem Club in spöttische oder aggressive Kommentare kippt. Zugleich legt die Untersuchung die strukturelle Einbettung dieser Performanzen offen – in ökonomisch gesteuerte Erlebnisindustrien, in denen Schlepperinnen draußen künstlich Fülle versprechen und Türsteher durch Preise selektieren –, sodass sich die sommerliche „Leichtigkeit“ als ritualisierte Praxis sozialer Differenzierung und Machtreproduktion erweist, die gerade in ihren scheinbar beiläufigen Szenen – dem Griff zur Kondompackung im Koffer, dem Anstoßen im Kreis der Freunde, dem kurzen, folgenlosen Flirt im Stroboskoplicht – ihre eigentliche soziale Dichte entfaltet.

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Zwischen Rückzug der Götter und Wiederkehr des Sinns: Jean-Luc Nancy

Die Rezension zeichnet Jean-Luc Nancys Band „Demande: philosophie, littérature“ als ein über Jahrzehnte gewachsenes, zugleich heterogenes und erstaunlich kohärentes Denkgeflecht, das die traditionelle Grenzziehung zwischen Philosophie und Literatur radikal neu bestimmt: Nicht Hierarchie oder Verschmelzung, sondern ein unabschließbares wechselseitiges „Verlangen“ (demande) strukturiert ihr Verhältnis. Im Zentrum steht die These, dass beide Diskurse einander um eine Wahrheit bitten, die keiner besitzen kann, und gerade in dieser unerfüllbaren Bewegung lebendig bleiben. Leitmotive wie der „Rückzug“ (retrait) als zugleich trennender und verbindender „Zug“ (trait), die Auffassung von Sinn als resonanter, pluraler Prozess jenseits bloßer Bedeutung sowie die Betonung von Stimme, Körper und Rhythmus im literarischen Vollzug entfalten ein Denken, das systematische Geschlossenheit bewusst verweigert. Die Sammlung verbindet theoretische Schärfe mit poetologischer Sensibilität und persönlicher Zwiesprache – insbesondere mit Philippe Lacoue-Labarthe – und gewinnt ihre bleibende Relevanz aus der insistierenden Offenheit ihrer Fragen: nach dem Sinn als Anruf, nach Literatur als Antwortgeschehen und nach einer Ethik des Lesens und Schreibens, die im Unabgeschlossenen ihre eigentliche Form findet.

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Asche und Saat, Transformation der Poesie: Yves Di Manno

Mit „Élagage“ (Flammarion, 2026) legt Yves di Manno eine pointierte Abschiedsbilanz seines jahrzehntelangen Nachdenkens über Dichtung vor: Der Band versammelt verstreute Texte – Rezensionen, Porträts, Essays –, die zu einer bewusst fragmentarischen Kartographie der Poesie seit dem späten 20. Jahrhundert montiert sind. Im Zentrum steht eine doppelte Bewegung des „Auslichtens“: einerseits die Freilegung verborgener Traditionslinien (insbesondere der nordamerikanischen Moderne und des belgischen Surrealismus), andererseits die Kritik an erstarrten Formen, modischen Diskursen und einer zur Selbstinszenierung verkommenen Gegenwartslyrik. So entsteht kein systematisches Panorama, sondern ein Gegenkanon, der die Ränder ins Zentrum verschiebt und Dichtung als präzise Spracharbeit verteidigt. Zugleich markiert das Buch einen historischen Einschnitt: Mit ihm endet die von di Manno über drei Jahrzehnte geprägte Reihe „Poésie/Flammarion“, die maßgeblich zur Sichtbarkeit zeitgenössischer Lyrik beigetragen hat. „Élagage“ erscheint damit nicht als nostalgischer Abgesang, sondern als kritische Übergabe – als Einladung, die „diskrete Wirksamkeit“ poetischer Formen unter veränderten kulturellen Bedingungen weiterzuführen. In der Verbindung von persönlicher Lektüregeschichte, editorischer Praxis und poetologischer Reflexion wird das Buch zu einem Instrument der Orientierung: Es bilanziert nicht nur, sondern öffnet Perspektiven auf eine zukünftige, widerständige Poetik jenseits etablierter literarischer Routinen.

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Jüdisches Denken gegen sich selbst: Verbergen, Assimilation und doppelte Existenz bei Nathan Devers

Nathan Devers’ „Penser contre soi-même“ (Albin Michel, 2024) verfolgt eine ebenso autobiografische wie philosophische Bewegung, in der das orthodox gelebte Judentum nicht als bloße Herkunft, sondern als dynamischer Denkraum erscheint, der seine eigene Überschreitung ermöglicht. Ausgehend von einem bürgerlich-assimilierten Milieu führt der Text über eine Phase intensiver religiöser Radikalisierung hin zu einem Bruch, der nicht von außen erzwungen wird, sondern aus der inneren Logik des Glaubens selbst hervorgeht – paradigmatisch verdichtet in der Lektüre des Kohelet und im Schwindel der eigenen Kontingenz. Zugleich rückt die Darstellung ein jüdisches Leben ins Zentrum, das sich unter Bedingungen latenter Bedrohung organisiert: Praktiken des Sich-Verbergens, der „marranischen“ Unsichtbarkeit und der situativen Anpassung erscheinen als alltägliche Strategien in einer von Antisemitismus durchzogenen Umwelt. Die Besprechung arbeitet diese Spannung als konstitutiv heraus und liest Jüdischkeit nicht als stabile Identität, sondern als Bewegung, die sich gerade der Verfestigung ins Identitäre entzieht. Sie erscheint vielmehr als eine offene, selbstkritische Praxis, die – in ihrer talmudischen Struktur – die Mittel zu ihrer eigenen Infragestellung bereitstellt. Devers’ Übergang zur Philosophie erweist sich folglich nicht als Abkehr, sondern als Transformation: als Fortsetzung einer existenziellen Suche unter veränderten epistemischen Bedingungen, in der die „zerbrochenen Götzen“ des Glaubens in veränderter Form weiterwirken.

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Wenn die Kraft das Recht ablöst: Bruno Le Maire

„Le temps d’une décision“ (Gallimard, 2026) ist zugleich Memoir und weltpolitische Diagnose: Aus fünfundzwanzig Jahren in höchsten französischen Regierungsämtern destilliert Bruno Le Maire die beunruhigte Frage, wer in der Gegenwart von 2025/2026 überhaupt noch entscheidet – und beantwortet sie pessimistisch. Vom verweigerten Handschlag eines Bürgers in Chamonix bis zu den Verhandlungstischen mit Trump, Putin und Xi zeichnet er den Übergang von einer regelbasierten Ordnung, für die das Frankreich des Jahres 2003 mit seinem Veto gegen den Irakkrieg steht, zu einer Welt danach, in der „la force a remplacé le droit“ und die Entscheidung aus Nationen und multilateralen Institutionen in die Hände von Autokraten, Tech-Oligarchen und Finanzgiganten abgewandert ist. Der vorliegende Artikel liest dieses Buch nicht allein als politische Streitschrift, sondern legt seine eigentliche Pointe in der Form frei: Le Maire behauptet seine These nicht, er inszeniert sie – durch novellistisch komponierte Szenen, mit dem Skalpell geschnittene Porträts und Leitsymbole wie die Starlink-Antenne über dem Dach seines Landhauses. Die Argumentation des Artikels verläuft in fünf einander durchdringenden Deutungsachsen, von der Anatomie des Entscheidungsverlusts über die Selbstrechtfertigung in der Schuldenfrage bis zum Weckruf an Europa, und mündet in eine zugespitzte These: Dass die literarische Form bei Le Maire selbst zur Antwort auf das diagnostizierte Problem wird – wo niemand mehr „wirklich“ entscheidet, verspricht das Erzählen jene Kohärenz, die der Politik abhandengekommen ist. So erweist sich das viel beschworene „livre de vérité“ als ein Werk, dessen Wahrheitsanspruch und fiktionale Mittel in einer produktiven, bewusst kalkulierten Spannung stehen.

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Das Intime als politische Technik: Thesen zu Édouard Louis

Dieser Artikel liest Édouard Louis‘ Werk als ein geschlossenes poetologisches Projekt und fragt danach, wie seine Texte die Grenzen zwischen autobiografischem Erzählen, soziologischer Analyse und politischer Intervention überschreiten. Ausgehend von den Begriffen der „Konfrontationsliteratur“ und des „Intimismus“, die Louis in seinem jüngsten Gesprächsband „Que faire de la littérature ?“ (2025) entwickelt, werden zehn Deutungsansätze vorgestellt, die die formalen Verfahren, thematischen Konstanten und strategischen Verschiebungen seines Schreibens sichtbar machen. Im Zentrum steht die Frage, ob sich im Verlauf des Werks eine Reifung des Autors oder vielmehr eine Verfeinerung seiner literarischen Mittel beobachten lässt – und wie Louis mit seinen Texten nicht nur erzählen, sondern seine Leserinnen und Leser dazu zwingen will, das zu sehen, was sie allzu leicht verdrängen.

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Vom Stigma zur Selbstermächtigung: Arabité bei Aïda Amara

Aïda Amaras Roman „Avec ma tête d’arabe“ erzählt die Geschichte einer jungen französisch-algerischen Journalistin, deren Identität durch die Pariser Terroranschläge vom 13. November 2015 erschüttert wird. Ausgehend von diesem traumatischen Ereignis entfaltet der Text eine vielschichtige Bewegung in die Familien- und Kolonialgeschichte, die von der Pariser Kindheit der Erzählerin bis in das Kabylien des algerischen Unabhängigkeitskriegs zurückreicht. Die Rezension zeigt, dass der Roman Identität nicht als stabile Gegebenheit, sondern als fragile und fortwährende Rekonstruktionsarbeit inszeniert: Das Trauma zerstört die bisherige Selbstgewissheit und zwingt die Erzählerin dazu, ihre Herkunft, ihre familiären Überlieferungen und ihre Stellung zwischen Frankreich und Algerien neu zu befragen. Im Mittelpunkt der Analyse stehen die raffinierte Verflechtung der drei Zeitebenen, die weibliche Genealogie des Widerstands, die Bedeutung von Sprache und Schlagfertigkeit als Formen der Selbstbehauptung sowie die Funktion des Humors als Strategie gegen Ohnmacht und Angst. So erscheint „Avec ma tête d’arabe“ als ebenso persönlicher wie politischer Roman, der individuelle Verletzung mit postkolonialer Erinnerung verbindet und das Schreiben selbst als Akt der Wiedergewinnung eines vielstimmigen, widersprüchlichen und dennoch handlungsfähigen Selbst begreift.

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Vom defekten Auge zur Poetik des genauen Blicks: Maylis de Kerangal

Ausgehend von Maylis de Kerangals poetologischem Vortrag „La lentille et le roman“ (Verdier, 2026), in dem die Autorin ihr defektes Auge – Schielen, Myopie, Hyperopie, kongenitaler Katarakt – zum Ausgangspunkt einer Theorie des Romans als optisches Instrument macht, untersucht der vorliegende Aufsatz das erzählerische Werk Kerangals auf die dort entwickelten und weitergeführten Sehpoetiken hin. Anhand von elf Texten – von „Sous la cendre“ (2006) bis „Jour de ressac“ (2024) – werden optische Metaphernfelder, semantische Felder des Visuellen sowie Szenen und Bilder des Sehens, Schauens, der Blindheit und der Unschärfe analysiert und in Bezug auf Kerangals zentrale Unterscheidung zwischen „voir“ und „regarder“, ihre Spinoza-Analogie des Linsenschleifens als handwerklicher Wahrheitssuche und ihr Schlussmodell der Fresnellinse als diskontinuierlicher, vielschichtiger Romanstruktur interpretiert. Der Aufsatz zeigt dabei, dass die im Manifest formulierte Poetik das Werk nicht eigentlich erklärt, vielmehr nachträglich konsolidiert: Die Romane sind uneindeutiger, politisch gefährlicher und emotional aufgewühlter als das Manifest eingesteht – sie zeigen Linsen als Machtinstrumente, Sehen als körperlichen Schmerz und Scheitern als produktive erzählerische Kraft –, und sie entwickeln mit der Synästhesie und der Ästhetik der Unschärfe Prinzipien, die über die optische Metapher des Manifests weit hinausreichen.

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François Mitterrand zwischen Mythos und Kritik: Annie Ernaux

Der Essay untersucht die Darstellung François Mitterrands in Annie Ernaux’ „Les années“ (2008) im Vergleich zu Mitterrands politischer Streitschrift gegen De Gaulle, „Le Coup d’État permanent“ (1964). Im Zentrum steht die Frage, wie beide Texte – trotz ihrer unterschiedlichen Gattungen als autobiografischer Erinnerungsroman und politisches Pamphlet – dasselbe Strukturmerkmal der Fünften Republik sichtbar machen: die Konzentration politischer Hoffnungen, Ängste und Legitimitätsvorstellungen auf eine einzelne charismatische Figur. Während Mitterrand in seiner Kritik an Charles de Gaulle die Gefahren eines personalisierten Präsidialsystems anprangert, beschreibt Ernaux aus der Perspektive eines kollektiven „on“ die Begeisterung, die Erwartungen und die spätere Ernüchterung, die seine eigene Präsidentschaft begleiten. Anhand zentraler Passagen aus „Les années“ wird gezeigt, wie Mitterrand von der Symbolfigur des politischen Aufbruchs 1981 über die Enttäuschung der „rigueur“-Jahre bis hin zur Verkörperung von Alter, Vergänglichkeit und historischer Erinnerung wird. Der Vergleich macht deutlich, dass Ernaux nicht nur die affektive Geschichte der französischen Linken erzählt, sondern zugleich das paradoxe Funktionieren eines politischen Systems offenlegt, das selbst seine Kritiker in monarchisch anmutende Erlöserfiguren verwandelt.

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Montaigne auf der Anklagebank: Philippe Desan

Der Roman des renommierten Montaigne-Forschers Philippe Desans, „Montaigne – La Boétie: une ténébreuse affaire“ (2024), erzählt die berühmteste Freundschaft der französischen Renaissance als literarischen Kriminalfall. Ausgehend von der Begegnung Montaignes und Étienne de La Boéties im Bordeaux des 16. Jahrhunderts entfaltet der Roman die provokante Hypothese, Montaigne selbst könnte für den frühen Tod seines Freundes verantwortlich gewesen sein. Über die Spur eines verschollenen Sonetts, verborgener Dokumente und einer modernen akademischen Untersuchung verfolgt Desan die Wege der Überlieferung bis in die Gegenwart und macht die Rekonstruktion der Vergangenheit zum eigentlichen Gegenstand seiner Erzählung. Der Aufsatz zeigt, dass dieser historische Kriminalroman weit mehr ist als ein gelehrtes Spiel: Er stellt eine fiktionale Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der Montaigne-Forschung dar und setzt sich dabei implizit mit der humanistischen Montaigne-Deutung Hugo Friedrichs auseinander. Während Friedrich in seiner klassischen Monographie von 1949 die Einheit eines „sehr organisierten Geistes“ und die Konsubstantialität von Leben und Werk betont, entwirft Desan einen Montaigne, dessen Identität, Texte und Erinnerungen von historischen Interessen, editorischen Eingriffen und sozialen Strategien geprägt sind. Der Aufsatz argumentiert, dass Desans Roman die Grenze zwischen Wissenschaft und Fiktion bewusst verwischt, um die grundsätzliche Erzählnatur jeder Interpretation offenzulegen: Lesen erscheint hier als Arbeit mit Indizien, Wahrscheinlichkeiten und Hypothesen, sodass die Geschichte eines möglichen Verbrechens zugleich zu einer Reflexion über die Bedingungen literaturwissenschaftlicher Erkenntnis wird.

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Huysmans als Seismograph der Moderne: Agnès Michaux

Agnès Michaux’ Romantrilogie „La fabrication des chiens“ und ihre spätere Biographie über Joris-Karl Huysmans bilden zusammen ein außergewöhnliches Doppelprojekt: eine literarische Rekonstruktion des fin de siècle und zugleich ein neuer Blick auf Huysmans als Seismograph der Moderne. Der erste Band der Trilogie (1889) folgt dem jungen Provinzjournalisten Louis Daumale durch das Paris der Exposition universelle, der Eiffelturm-Eröffnung und der Fortschrittsbegeisterung, während unter der glänzenden Oberfläche bereits Nationalismus, Eugenik, soziale Angst und kulturelle Erschöpfung sichtbar werden. Im Zentrum steht Daumales Begegnung mit Huysmans, der nicht als museale Décadence-Ikone erscheint, sondern als radikal aufrichtiger Diagnostiker seiner Zeit: „injuste, parfois seulement, mais en toute sincérité“. Michaux’ Argumentation besteht darin, die Décadence nicht als Pose, sondern als präzise Zivilisationsdiagnose zu lesen. Des Esseintes aus „À rebours“ wird nicht als ästhetisches Wunschbild verstanden, sondern als Symptom einer Gesellschaft, deren Reizüberflutung und Künstlichkeit den Menschen deformieren. Diese Idee spiegelt sich im titelgebenden Motiv der „Fabrikation“ von Hunden: Optimierung, Züchtung und gesellschaftliche Dressur werden zur Metapher einer Moderne, die alles Lebendige normiert. In der Biographie radikalisiert Michaux diesen Ansatz weiter, indem sie Huysmans nicht textimmanent, sondern körperlich und sozial situiert liest – als frierenden, nervösen Beamten, dessen Kunst aus physischer Überempfindlichkeit, Großstadtmüdigkeit und kompromissloser Wahrhaftigkeit hervorgeht. So entsteht kein nostalgisches Bild der Belle Époque, sondern eine Analyse der Moderne selbst: 1889 erscheint bei Michaux als jener historische Kipppunkt, an dem Fortschritt und Verfall, Rationalisierung und spirituelle Sehnsucht, Oberfläche und innere Zerrüttung untrennbar ineinander übergehen.

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Marc Bloch im Pantheon: Historiker, Widerstandskämpfer, Märtyrer der Republik

Am 23. Juni 2026 wird Marc Bloch ins Panthéon überführt – 82 Jahre nachdem die Gestapo ihn bei Lyon erschossen und seinen Leichnam im Graben liegen gelassen hatte. Dieser Text versucht zu verstehen, was diese Geste bedeutet: für Frankreich, das in Bloch einen Bürger ehrt, dem ein französischer Staat einmal die staatsbürgerlichen und akademischen Rechte beschnitten hatte; für Deutschland, das in ihm ein Opfer seiner eigenen Staatsgewalt wiedererkennen muss; und für die Geschichtswissenschaft, die mit ihm zum ersten Mal einen ihrer Eigenen in den Tempel der Nation einziehen sieht. Er war Mediävist und Offizier, Gründer der „Annales“ und Widerstandskämpfer, ein Mann, der das Selbstverständliche als erklärungsbedürftig behandelte und die Wahrheit auch dann nicht losließ, als sie ihn das Leben kostete. Was seine Werke zusammenhält, von den „Rois thaumaturges“ bis zur unvollendeten „Apologie“, ist weniger eine Methode als eine Haltung: die Weigerung, Geschichte von innen einer einzigen Gemeinschaft zu erzählen. Als Grabinschrift hatte er sich „dilexit veritatem“ gewählt – er liebte die Wahrheit. Die Republik gibt ihm jetzt die Antwort, die er 1940 nicht erhalten hat.

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Zwischen Leim und Leben: eine Phänomenologie des Buches

Michel Julliens „Le Format d’un livre“ (Verdier, 2026) blättert eine ebenso präzise wie sinnlich gesättigte Phänomenologie des Buches auf, die nicht vom Text, sondern vom Objekt ausgeht: vom Gewicht der Seiten, vom Geruch des Papiers, von der Haltung der lesenden Hände. In lose gefügten, erzählerisch grundierten Kapiteln verbindet Jullien buchhistorische Miniaturen – vom Dépôt légal der Renaissance bis zur Typografie der Pléiade – mit autobiografischen Szenen und ethnografisch genauen Beobachtungen des Lesens als körperlicher Praxis. Das Buch erscheint dabei als ein Zeitbehälter eigener Art: Es speichert nicht nur Texte, sondern Spuren gelebten Lebens – Fingerabdrücke, Fundstücke, Gebrauchsspuren – und gewinnt seine Bedeutung aus dem Zusammenspiel von Material, Form, Gebrauch und Erinnerung. Julliens Essay bewegt sich damit jenseits klassischer Gattungen zwischen Dingbeschreibung, Kulturgeschichte und Selbstnarration und macht anschaulich, dass das Buch bereits spricht, bevor es gelesen wird.

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Gesellschaft im Modus der Fragmentierung – Literatur als Antwort auf die Krise der Repräsentation: Robert Lukenda

Robert Lukendas Studie „Gesellschaftsdarstellung im Zeitalter der Singularitäten: narrative Antworten auf die zeitgenössische Repräsentationskrise Frankreichs“ ist eine umfassende Analyse der Frage, wie französische Gegenwartsliteratur auf die Erfahrung reagiert, dass „Gesellschaft“ als zusammenhängendes Ganzes zunehmend ungreifbar geworden ist. Ausgehend von Szenen wie Annie Ernaux’ ethnografischem Blick auf den Supermarkt oder Éric Vuillards Rekonstruktion namenloser Revolutionsakteure zeigt Lukenda, dass Literatur dort ansetzt, wo politische und mediale Diskurse soziale Wirklichkeit nur verzerrt oder gar nicht mehr erfassen. In einem ersten, breit angelegten Theorieteil entfaltet er die historische und gegenwärtige Repräsentationskrise Frankreichs – von der Spannung zwischen republikanischem Einheitsanspruch und sozialer Ungleichheit bis zur Fragmentierung in „France périphérique“ und Metropolen –, bevor er im zweiten Teil literarische Antworten analysiert: autosoziobiografische Selbstbefragungen (Ernaux, Eribon), dokumentarische Rekonstruktionen (Vuillard), kollektive Erzählprojekte („Raconter la vie“) und serielle Formate. Die Rezension argumentiert, dass Lukenda Literatur überzeugend als ein Medium der „Vermittlung“ bestimmt, das soziale Relationen sichtbar macht, wo klassische Repräsentationsformen versagen; zugleich betont sie kritisch, dass diese Literatur häufig die Perspektive der „Unsichtbaren“ privilegiert, während Eliten, politische Institutionen und ästhetische Eigenlogiken unterbelichtet bleiben. In diesen Werken entsteht das Bild eines Frankreichs, das sich selbst nur unzureichend beschreibt – und einer Literatur, die diese Lücke sichtbar macht, ohne sie vollständig schließen zu können.

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Krieg als Erbe: Zur Systematik transgenerationeller Prägung bei Julia Weidmann

Die Rezension stellt Julia Weidmanns Studie „Kontinuum der Kriege: intergenerationelles Erzählen der Weltkriege in der französischen Gegenwartsliteratur“ (Winter, 2025) als grundlegende, komparatistisch angelegte Untersuchung eines zentralen Phänomens der französischen Gegenwartsliteratur vor: des intergenerationellen Erzählens der Weltkriege. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Nachgeborene – von der „Wunde“- bis zur „Erbe“-Generation – familiale Kriegserfahrungen in literarischer Form rekonstruieren, indem sie zwischen archivalischer Recherche und Imagination vermitteln. Weidmann entwickelt hierfür ein eigenständiges Modell eines „Kriegskontinuums“, das die tradierten numerischen Generationenkategorien durch eine metaphorische, am Trauma orientierte Skalierung ersetzt, und operationalisiert dieses Konzept in einer vierstufigen Analysemethode, die sie auf ein breit gefächertes Korpus von Autorinnen und Autoren (u.a. Claude Simon, Patrick Modiano, Ivan Jablonka, Anne Berest) anwendet. Die Rezension würdigt insbesondere die methodische Klarheit, die differenzierten close readings und den Nachweis wiederkehrender Erzählstrukturen über Generationen hinweg, hebt aber auch begrenzte Schwächen hervor, etwa eine gewisse Schematisierung im komparatistischen Seitenblick und die vergleichsweise randständige Behandlung ästhetischer Detaildimensionen. Insgesamt erscheint die Studie als ein substantieller Beitrag zur literaturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung, der ein tragfähiges Instrumentarium zur Analyse transgenerationeller Erinnerung bereitstellt und zugleich neue Perspektiven für die Erforschung zukünftiger Erzählformen eröffnet.

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Francesco Petrarca und die Seinen: Étienne Anheim

Étienne Anheims „Pétrarque: portrait de famille“ (Minuit, 2026) rekonstruiert das literarische Projekt Francesco Petrarcas als Ergebnis dichter familiärer Verflechtungen und versteht dessen Werk als ein diskursives „Familienporträt“, in dem genealogische Konstruktion, soziale Einbettung und poetische Selbststilisierung untrennbar ineinandergreifen. Auf der Grundlage einer Verbindung von Textlektüre und Archivforschung zeigt Anheim, wie Petrarca seine Herkunft entlang einer patrilinearen Notarsgenealogie mythisiert, während er zugleich zentrale Figuren – insbesondere Mutter, Tochter und die Mütter seiner Kinder – systematisch marginalisiert oder zum Schweigen bringt. Die Konstellationen von Vater (als zu überwindendes Berufsmodell), Bruder (als spirituelles alter ego), Laura (als reale Leerstelle, imaginäre Geliebte und symbolische Chiffre der Dichtung) sowie Kindern und Freunden entfalten sich als strukturierende Relationen, in denen Petrarca seine Autoridentität formt. Dabei erscheint das Schreiben stets als adressierte, fragmentarische Praxis innerhalb einer erweiterten „familia“, die sich aus Verwandten, Korrespondenten und literarischen Nachfolgern zusammensetzt. Die Spannungen zwischen archivalisch rekonstruierbarer Sozialgeschichte und literarischer Selbstinszenierung werden von Anheim nicht aufgelöst, sondern als produktiver Ort begriffen, an dem Petrarca seine eigene Genealogie erfindet und zugleich das Modell moderner Autorenschaft begründet – ein Modell, das auf selektiver Erinnerung, symbolischer Überformung und der Transformation familiärer Bindungen in literarische Transmission beruht.

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Austausch und Unverständnis: Jacques Decour, Philisterburg

Jacques Decours „Philisterburg“ (1932, Éds. Allia, 2023) ist paradigmatisch als Text einer Poetik des „Dazwischen“: ein hybrides Werk zwischen Tagebuch, Essay, Reisebericht und politischer Diagnose, das aus der Perspektive eines jungen französischen Germanistikstudenten das Deutschland der späten Weimarer Republik erkundet und zugleich die epistemischen Bedingungen dieser Beobachtung reflektiert. Im Zentrum steht dabei nicht eine einseitige Darstellung des Fremden, sondern die produktive Spannung zwischen Nähe und Distanz, zwischen Teilnahme und kritischer Selbstbefragung, die sich sowohl formal – in der Verschränkung von narrativen und essayistischen Passagen – als auch inhaltlich manifestiert. Decours Text entfaltet ein dichtes Panorama gesellschaftlicher, politischer und kultureller Kräfte, in dem Figuren weniger als Individuen denn als Träger struktureller Positionen im deutsch-französischen Beziehungsgefüge erscheinen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle von Sprache und Übersetzung als Ort des Missverstehens wie der Erkenntnis, der Analyse von Stereotypen und Feindbildern sowie dem Vergleich unterschiedlicher Bildungssysteme als Ausdruck divergierender Weltverhältnisse. Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden politischen Lage um 1930 gewinnt die Darstellung eine prophetische Schärfe, ohne je in deterministische Eindeutigkeit zu verfallen. Die Rezension arbeitet heraus, wie Decour das „Dazwischen“ nicht als harmonische Synthese, sondern als konflikthaften, erkenntnisgenerierenden Raum begreift, in dem kulturelle Differenz sichtbar und denkbar wird – und wie gerade diese literarische Haltung dem Text seine anhaltende Aktualität und intellektuelle Dringlichkeit verleiht.

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Israel, Gaza und der französische Intellektuellendiskurs nach dem 7. Oktober: Deutungshoheiten bei Denis Sieffert

Die Rezension analysiert die französische Intellektuellendebatte nach dem 7. Oktober 2023 als ein zutiefst polarisiertes Diskursfeld, in dem sich drei zentrale Positionen herausgebildet haben: ein dominantes pro-israelisches Lager, ein marginalisiertes propalästinensisches Spektrum sowie eine fragile, lange kaum hörbare Zwischenposition. Im Zentrum steht Denis Siefferts Buch „La mauvaise cause“ (2026), das als engagierte Gegenrede gegen eine aus seiner Sicht hegemoniale, pro-israelische Diskursordnung gelesen wird. Die Rezension rekonstruiert detailliert Siefferts Argumentation – von der historischen Verflechtung Frankreichs mit Israel über die Analyse medialer und rhetorischer Mechanismen bis hin zur Kritik prominenter Intellektueller wie Gilles Kepel und Eva Illouz – und arbeitet heraus, dass sein zentraler Einsatzpunkt in der Re-Politisierung des Konflikts als Kolonialfrage liegt. Im Vergleich mit Kepels geopolitisch-religionswissenschaftlichem Ansatz und Illouz’ soziologischer Kritik an der westlichen Linken zeigt die Rezension die fundamentalen epistemischen Differenzen dieser Positionen auf: Während Kepel und Illouz die Reaktionen auf den 7. Oktober problematisieren, richtet Sieffert den Blick auf die Mechanismen der Diskursmacht und die Unsichtbarmachung palästinensischen Leids. Abschließend bewertet die Rezension das Buch als wichtige, wenn auch nicht unproblematische Intervention, die exemplarisch die politischen, medialen und moralischen Bruchlinien des gegenwärtigen Frankreich offenlegt.

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Brückenschlag und Selbstkorrektur: Ernst Robert Curtius

„Die literarischen Wegbereiter des neuen Frankreich“ von Ernst Robert Curtius eröffnet als Produkt der unmittelbaren Nachkriegszeit aus der Erfahrung politischer Niederlage heraus einen bewusst gegenläufigen, europäisch orientierten Deutungsraum: Indem Curtius 1918/20 zentrale französische Autoren (Gide, Rolland, Claudel, Suarès, Péguy) als Träger einer geistigen Erneuerung präsentiert, betreibt er weniger neutrale Literaturvermittlung als eine kulturpolitische Intervention gegen nationale Ressentiments und stereotype Frankreichbilder. Die Rezension arbeitet heraus, dass Curtius’ Argumentation auf einer doppelten Bewegung beruht: einerseits der Dekonstruktion des deutschen Klischees vom rationalistischen, „lateinischen“ Frankreich durch den Nachweis transnationaler, insbesondere auch „germanischer“ Einflüsse; andererseits der Konstruktion eines „wahren Frankreichs“, das als pädagogische Projektionsfläche für ein erneuertes, europäisch gewendetes Deutschland stehen kann. Dabei wird die Spannung zwischen dokumentierter Feindschaft (etwa bei Suarès) und programmatischer Überblendung durch den Europagedanken nicht nivelliert, sondern als produktiver Widerspruch gelesen. Kritisch markiert die Rezension zugleich die selektive Anlage und die lebensphilosophische Wertungshierarchie des Buches, die bestimmte Strömungen ausblendet und andere normativ überhöht. Insgesamt erscheint Curtius’ Studie so als ein zugleich zeitgebundenes und methodisch wegweisendes Unternehmen: als rhetorisch gesteuerte Selbstkorrektur nationaler Wahrnehmung, die Literaturwissenschaft in den Dienst einer intellektuellen Verständigung stellt.

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Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart
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