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Karsamstag ohne Auferstehung: Michel Houellebecq und das entzauberte Christentum
„Noël raté. Le christianisme désenchanté de Michel Houellebecq“, hrsg. von Stephan Leopold und Noëlle Miller versammelt zwölf Beiträge und eine Postface, die Houellebecqs Werk aus unterschiedlichen Perspektiven als Auseinandersetzung mit einem fortwirkenden, seiner Heilsgewissheit beraubten Christentum lesen. Ausgehend vom Weihnachtsmotiv als Chiffre des Scheiterns entfalten die Beiträge ein interpretatorisches Feld, das von Fragen der Autorschaft und Performativität über die religiöse Struktur des Konsumkapitalismus und die Problematik sozialer Kohäsion bis hin zu den Motiven von Liebe, Mitleid und Transzendenz reicht. Der Band verbindet literaturwissenschaftliche, religionsphilosophische und kultursoziologische Ansätze zu einer kohärenten Deutung des Œuvres als eines „Karsamstags ohne Auferstehung“, in dem christliche Formen und Symbole fortbestehen, ohne noch durch einen positiven Glaubensgehalt eingelöst zu werden. Trotz einzelner Redundanzen und einer mitunter weitgehenden christologischen Typologisierung eröffnet der Sammelband eine interpretatorisch ambitionierte und methodisch vielfältige Perspektive auf den religiösen Gehalt von Houellebecqs Werk und formuliert zugleich Fragestellungen, die über die Houellebecq-Forschung hinaus für die Analyse zeitgenössischer Formen literarischer Entzauberung von Bedeutung sind.
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