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Zwischen Rückzug der Götter und Wiederkehr des Sinns: Jean-Luc Nancy
Die Rezension zeichnet Jean-Luc Nancys Band „Demande: philosophie, littérature“ als ein über Jahrzehnte gewachsenes, zugleich heterogenes und erstaunlich kohärentes Denkgeflecht, das die traditionelle Grenzziehung zwischen Philosophie und Literatur radikal neu bestimmt: Nicht Hierarchie oder Verschmelzung, sondern ein unabschließbares wechselseitiges „Verlangen“ (demande) strukturiert ihr Verhältnis. Im Zentrum steht die These, dass beide Diskurse einander um eine Wahrheit bitten, die keiner besitzen kann, und gerade in dieser unerfüllbaren Bewegung lebendig bleiben. Leitmotive wie der „Rückzug“ (retrait) als zugleich trennender und verbindender „Zug“ (trait), die Auffassung von Sinn als resonanter, pluraler Prozess jenseits bloßer Bedeutung sowie die Betonung von Stimme, Körper und Rhythmus im literarischen Vollzug entfalten ein Denken, das systematische Geschlossenheit bewusst verweigert. Die Sammlung verbindet theoretische Schärfe mit poetologischer Sensibilität und persönlicher Zwiesprache – insbesondere mit Philippe Lacoue-Labarthe – und gewinnt ihre bleibende Relevanz aus der insistierenden Offenheit ihrer Fragen: nach dem Sinn als Anruf, nach Literatur als Antwortgeschehen und nach einer Ethik des Lesens und Schreibens, die im Unabgeschlossenen ihre eigentliche Form findet.
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