Michel Butor zum 100. Geburtstag: Würdigung, die vier frühen Romane und der Übergang zu Mobile
Der Text verbindet drei eigenständige, aber aufeinander bezogene Annäherungen an Michel Butor: eine biografische Würdigung zu seinem hundertsten Geburtstag, eine vergleichende Interpretation der vier frühen Romane und ihrer Verfahren, sowie eine Lektüre von „Mobile“, jenem Buch, das 1962 den Übergang von der erzählenden Prosa zu Butors späterem, grenzüberschreitendem Werk markiert. Die drei Teile lassen sich einzeln lesen, ergeben zusammengelesen aber eine Bewegung vom Leben über die vier Romane bis zu jenem Werk, in dem Butor den Roman als Form endgültig hinter sich ließ. Wenn Butor 1962 Jeffersons Satz von der Gleichheit aller Menschen unmittelbar neben dessen eigene Zeilen über die notwendige Trennung der Rassen stellt, trifft er genau jenen Widerspruch, über den die USA bis heute in Streitigkeiten um Denkmäler, Südstaaten-Geschichte und rassische Gerechtigkeit verhandeln. Und die Technik, mit der das Buch Werbeslogans, Regierungszitate und private Wahrnehmungssplitter kommentarlos aneinanderreiht, liest sich, lange vor Internet und Feed, wie eine Vorwegnahme jenes ungefilterten Nebeneinanders von Nachricht, Reklame und Geschichtsdeutung, in dem sich auch heute ein Bild von Amerika zusammensetzt.
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