Der Umzugskarton als Erzählform: Clémentine Mélois

Clémentine Mélois‘ Roman „Choses que je croyais perdues“ (L’Arbalète/Gallimard, 2026) lässt eine Gravurlehrerin, die erst im Mittelteil als Émilie benannt wird, am Tag vor dem Eintreffen der Möbelpacker ihre Wohnung in Kartons packen, nachdem die siebenjährige Beziehung zu dem Softwareprojektleiter Tristan zu Ende gegangen ist. Jeder Gegenstand, vom zerbrochenen Senfglas über den goldgeflickten Dessertteller der Großmutter bis zur bedruckten Küchenpapierrolle, setzt eine Erinnerungsschleife in Gang, in der Kindheit in der Meuse, Barjahre im Süden, Liebe, Entfremdung und eine Nacht mit dem Kollegen Sam erzählt werden. Der Aufsatz liest dieses Verfahren als Poetik der Haltbarmachung: Erzählen verwandelt Dinge in Reliquien, indem es ihnen die Geschichten zurückgibt, die Konsum und Zeit ihnen nehmen. Die Argumentation geht von der Gattungsmischung aus Trennungsroman, Dingroman und Essay aus, zeigt an der Du-Anrede und am Schweigen Tristans, wie gestörte Kommunikation und ungleich verteiltes Gedächtnis das Paar bestimmen, und verfolgt in der Zeitund Raumstruktur die Entleerung der Wohnung als Gegenbewegung zur Fülle des Erzählten. Die Geschlechterperspektive macht sichtbar, wie Tristans Weiblichkeitsnorm die Erzählerin sich selbst entfremdet und wie ihre Komik zur Gegenwehr wird. Intertextuelle und intermediale Bezüge belegen die Autopoetik, und der Vergleich von Anfang und Schluss führt vom „Ich wollte dir sagen“ zum „Ich werde es dir nicht sagen“.

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