Die Einsamkeit der Lehrer als Offenbarungsraum: Yannick Haenel

Yannick Haenels Roman „La solitude des professeurs est infinie“ (Gallimard, 2026) erzählt, ausgelöst durch die Ermordung der Lehrer Samuel Paty und Dominique Bernard, die dreißig Jahre zurückliegende Geschichte des jungen Referendars Jean Deichel, der in den Vorstadtcollèges von Mantes-la-Jolie seinen Dienst antritt: Zwischen einer zerbrochenen Vase, die sein Leben in Schuld und Amnesie stürzt, neun Wanderjahren durch wechselnde Schulen und Beziehungen sowie einer erst in den etruskischen Gräbern von Tarquinia gelösten Liebesgeschichte mit der Kunstlehrerin Judith Chatel entfaltet sich ein Bildungsroman, der die administrative Härte der Institution Schule gegen einen inneren, mystisch aufgeladenen „Garten Eden“ des Lesens setzt. Der Aufsatz argumentiert, dass dieser scheinbar disparate Stoff einer verdeckten Kompositionslogik folgt, und liest den Roman auf mehreren, einander ergänzenden Ebenen – als Initiationsgeschichte, als Gesellschaftskritik an einer Lehrkräfte im Stich lassenden Verwaltung, als verkapptes ökonomisches Tauschsystem, als Bestiarium stellvertretender Pädagogik, als verweigerte Männlichkeit und selbst als säkularisierte Liturgie –, ohne diese Zugriffe gegeneinander auszuspielen. Sein eigentliches Argument zielt jedoch auf eine grundsätzlichere Frage: Ob aus dem Buch für Lehrkräfte mehr zu gewinnen ist als ein Protest ex negativo gegen einen zermürbenden Schulalltag. Die Antwort, die der Aufsatz entwickelt, liegt in einer paradoxen Volte: Nicht die professionelle Distanz, sondern gerade die vom Text unablässig beschworene Verwundbarkeit und Einsamkeit des Lehrenden erweist sich als Bedingung echter „transmission“ von Poesie und Geist, sodass Institutionenkritik und mystische Erlösungserzählung sich im Roman nicht ausschließen, sondern wechselseitig tragen: Am Ende steht weniger eine Methode des Unterrichtens als eine Theorie der Übertragung durch Erschütterung, die Haenels wiederkehrendes Bild vom Kintsugi, dem golden nachgezeichneten Bruch, zur eigentlichen Denkfigur des ganzen Buches macht.

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Yannick Haenel und Francis Bacon

Die Kunst Francis Bacons ist ein Schrei: Seine Bilder, geprägt von Fleischlichkeit, verzerrten Gesichtern und schattenhaften Existenzen, drücken das Menschliche in einer fragilen, aber auch gewaltträchtigen Form aus. Yannick Haenels literarische Annäherung an Bacons Werk in „Bleu Bacon“ ist ein kompromissloses Eintauchen in die Grundlagen dieser Bilder. Der Text selbst wird zu einer Art performativer Kunst, einer sprachlichen Spiegelung der Bacon’schen Deformationen, Verzerrungen und existenziellen Dringlichkeiten.

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Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart
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