1966 oder die Geburt unserer Gegenwart: Antoine Compagnon

Antoine Compagnons „1966, année mirifique“ (Gallimard, 2026) rekonstruiert das Jahr 1966 nicht als bloßen historischen Zeitpunkt, sondern als epistemologischen Wendepunkt der französischen Moderne. Ausgehend von Presse, Literatur, Theorie, Film, Alltagsobjekten und politischen Debatten zeigt Compagnon, wie sich in diesem Jahr langfristige Trends kreuzten: die Vermassung der Hochschulen, der Aufstieg der Jugend zur ökonomischen Klasse, der Durchbruch der Konsumgesellschaft, die Kanonisierung von Theorie und Strukturalismus sowie der Eintritt der Shoah in das französische kollektive Gedächtnis. Figuren wie Foucault, Barthes, Aragon, Malraux oder Sartre stehen dabei weniger als isolierte Genies im Zentrum, sondern als Symptomträger eines tiefgreifenden Wandels, in dem der Humanismus des 19. Jahrhunderts und der existenzialistische Sinnbegriff durch Systemdenken, Zeichenlogik und technokratische Rationalität ersetzt werden. 1966 erscheint so als eigentlicher Scheitelpunkt zwischen alter Ordnung und neuer Welt: Die Jugend wird über Konsum integriert, Kultur zur Ware, Theorie zur neuen Leitwährung der Intellektuellen, während die politischen Explosionen von 1968 bereits strukturell vorbereitet sind. Die Rezension liest Compagnons Buch als Genealogie unserer Gegenwart. Sie arbeitet seinen skeptischen Ton heraus, indem sie die von Compagnon beschriebene Massenexpansion der Bildung als Ursprung heutiger „Potemkin-Universitäten“ deutet, den Strukturalismus als ideologische Vorform einer algorithmisch verwalteten Welt interpretiert und die Jugendkultur von 1966 als Geburtsstunde des perfekten Konsumenten entlarvt. 1966 wird nicht nur erklärt, sondern moralisch befragt. Dabei arbeitet sie die innere Logik des Buches heraus – die Ersetzung von Sinn durch System, von Erfahrung durch Zeichen, mit einem Akzent auf Verlust, Entfremdung und Langzeitschäden. Kritisch reflektiert die Rezension zudem blinde Flecken des Buches, etwa die männlich dominierte Perspektive, die randständige Behandlung von Feminismus, Kolonialismus und Homosexuellenbewegung. Die Rezension macht deutlich, dass die „epistemologische Revolution“ von 1966 zwar brillant analysiert, aber sozial und politisch enger geführt wird, als es die Komplexität der Epoche erlauben sollte. Insgesamt liest die Rezension Compagnon weniger als Chronisten eines Wunderjahres denn als unbeabsichtigten Zeugen einer verhängnisvollen Weichenstellung.

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Zwischen Rüstung und Riss: Virilität als Mythos, Männlichkeit als Erfahrung

Der Band „Masculinité“ (Grasset, 2025) versammelt literarische Texte, Essays und Reflexionen, die Männlichkeit nicht als feste Identität, sondern als historisch belastetes und gegenwärtig brüchiges Feld sichtbar machen. Ausgangspunkt ist die Unterscheidung zwischen virilité und masculinité: Während Virilität das enge, normierende Ideal des harten, dominanten, unverwundbaren Mannes bezeichnet, zeigen die Beiträge die widersprüchlichen Erfahrungen realer Männer, die an diesen Erwartungen leiden oder an ihnen scheitern. Die Texte erzählen von Jungen, die früh in Rituale der Härte gezwungen werden, von Vätern, die Stärke weitergeben wollen und dabei Gewalt reproduzieren, von Körpern, die durch Arbeit, Sport, Beschneidung oder Migration geformt und gezeichnet sind, und von Männern, die zwischen kulturellen Modellen der Männlichkeit zerrieben werden. In der Einleitung diagnostiziert Dantzig Männlichkeit als historisch überladenes Machtkonstrukt, das zugleich privilegiert und deformiert und dessen dunkle Seiten – Dominanz, Gewalt, Zerstörung – nicht ausgeblendet werden dürfen. Die Präsentation von Habib-Rubinstein verschiebt diesen Befund in die literarische Praxis und liest den Band als Labor pluraler Stimmen, in dem keine neue Norm gesetzt, sondern Fragilität, Zweifel und Suchbewegungen sichtbar gemacht werden. So entsteht ein vielstimmiges Panorama einer Männlichkeit im Übergang: erschöpft vom Mythos der Virilität, offen für neue, unsichere und erzählbare Formen des Mannseins.

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Einsamkeit des Freien Mitarbeiters: Tahar Ben Jelloun

Tahar Ben Jellouns „Pigiste au Monde“ (Gallimard, 2026) liest sich wie ein Gang durch die Korridore einer mächtigen Zeitung – und zugleich wie das Protokoll einer langen, nie ganz gesicherten Zugehörigkeit. Aus fast vier Jahrzehnten freier Mitarbeit bei Le Monde formt Ben Jelloun kein Heldennarrativ, sondern das Bild eines Lebens „à la pige“, geprägt von Anerkennung und Austauschbarkeit zugleich. Der Pigist wird zur emblematischen Figur struktureller Prekarität: präsent im Zentrum kultureller Macht, aber ohne festen Ort darin. Le Monde erscheint dabei als ambivalentes Gebilde – demokratische Institution und soziales Mikrosystem zugleich –, durchzogen von Ritualen, Rivalitäten und stillen Hierarchien. Anschaulich schildert Ben Jelloun Redaktionsszenen, literarische Mittagessen, Machtspiele und Loyalitäten, während er seinen eigenen Weg vom Alphabetisierungslehrer zum publizierenden Intellektuellen nachzeichnet, stets begleitet von körperlicher Anspannung und existenzieller Unsicherheit. Seine Reportagen führen in Grenzräume: zu nordafrikanischen Arbeitern in den Banlieues, nach Mekka, in den Nahen Osten kurz vor politischen Verhärtungen. Dort schreibt er nicht als distanzierter Beobachter, sondern als Beteiligter und Zeuge – mit einer Haltung, die Objektivität als Genauigkeit und Ehrlichkeit versteht, nicht als Neutralisierung. Im letzten Drittel verdichtet sich das Buch zur Reflexion über Zugehörigkeit und Verrat: Ben Jellouns arabisch-muslimische Herkunft öffnet ihm Türen, macht ihn aber zugleich angreifbar. Diffamierungen nach der Mekka-Reportage, politische Interventionen, innerredaktionelle Abwehr und Konkurrenz unter maghrebinischen Autoren zeigen, wie brüchig seine Position bleibt. Immer wieder wird er gebraucht, selten vollständig anerkannt. Aus dieser Spannung entwickelt Ben Jelloun sein zentrales Argument: Schreiben ist für ihn der einzige verlässliche Ort der Zugehörigkeit – ein Raum zwischen Journalismus und Literatur, in dem Erfahrung, Empathie und Kritik zusammenkommen. „Pigiste au Monde“ ist so ein eindringliches Porträt intellektueller Einsamkeit und ein Plädoyer für einen Journalismus, der sich seiner Macht bewusst ist und sie nicht verleugnet.

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Globale Orte, geteilte Bedeutungen: Olivier Wieviorka und Michel Winock

Die Rezension widmet sich dem Sammelband „Les lieux mondiaux de l’Histoire de France“ (Perrin, 2025), der sich mit der Frage auseinandersetzt, wie bestimmte Orte zu globalen Bezugspunkten werden und welche kulturellen, literarischen, historischen und politischen Bedeutungen sich an ihnen verdichten. Der Band versammelt interdisziplinäre Beiträge, die „Orte in der Welt“ nicht nur als geografische Fixpunkte, sondern als dynamische Räume der Erinnerung, der Macht, der Migration und der Imagination analysieren. Die Rezension arbeitet die zentralen theoretischen Prämissen des Bandes heraus, insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen lokaler Verankerung und globaler Zirkulation von Bedeutungen. Zugleich diskutiert sie die methodische Vielfalt der Beiträge sowie deren Ertrag für aktuelle raumtheoretische und kulturwissenschaftliche Debatten. Ein besonderes Augenmerk gilt der Frage, inwiefern „Les lieux mondiaux“ neue Perspektiven auf die symbolische Konstruktion von Weltläufigkeit eröffnet und welche Impulse der Band für die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Raum, Globalisierung und kultureller Übersetzung liefert.

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Doukipudonktan: Die Geschichte des Französisch-Schreibens bei Gabriella Parussa

In ihrer Studie „Écrire le français“ (2025) zeichnet die historische Linguistin Gabriella Parussa die Geschichte des Französisch-Schreibens als komplexen, sozialen und kulturellen Prozess nach. Das Buch zeigt, wie das gesprochene Französisch über Jahrhunderte hinweg seinen Weg in die Schrift fand, welche politischen, institutionellen und technischen Entscheidungen die Orthographie prägten und warum das lateinische Alphabet trotz seiner Unzulänglichkeiten übernommen wurde. Parussa verbindet historische Detailkenntnis mit einer kritischen Gegenwartsdiagnose und macht deutlich, dass das französische Schriftsystem historisch kontingent, sozial umkämpft und funktional vielschichtig ist – von der ersten Fixierung im 9. Jahrhundert bis zu den digitalen Schreibpraktiken der Gegenwart. Die Rezension zeigt, wie Parussa nicht nur die Entstehung der Norm, sondern auch literarische und spielerische Nutzungsmöglichkeiten historisch einordnet. Anhand von Fallbeispielen wie Jacques Peletier du Mans und Raymond Queneau zeigt die Besprechung, dass Reform und ästhetische Reflexion zwei komplementäre Perspektiven auf dasselbe Phänomen bieten: Die französische Orthographie als kulturelles Reservoir und soziales Instrument. Die Rezension beleuchtet zudem die Anschlussfähigkeit des Buches an Literaturgeschichte, Poetik und Literatursoziologie und macht deutlich, wie Parussas Arbeit das Schreiben selbst als historisch gewachsene, reflexive Praxis sichtbar macht.

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Literatur als eigenständige Denkform: François Jullien

In „Puissance du pensif ou comment pense la littérature“ (2025) entwickelt der Sinologe François Jullien eine Meditation über die Literatur als eigenständigen Denkmodus, der sich grundlegend vom begrifflichen Denken der westlichen Philosophie unterscheidet. Literatur „denkt“, so Jullien, nicht durch Definition, Argumentation oder Abschluss, sondern durch Indirektheit, Dauer, Offenheit und Affektivität: Sie evoziert, erzählt, verzögert und lässt Sinn in Schwebe, wodurch sie einen Zustand der Nachdenklichkeit (pensivité) erzeugt, der das Leben in seiner prozessualen, unbestimmten Existenz erfahrbar macht. Die Rezension arbeitet heraus, wie Jullien diese literarische Denkform historisch an der Schwelle zur Moderne verortet, systematisch von der westlichen Ontologie des Seins abgrenzt und in ein produktives Spannungsverhältnis zum chinesischen Denken von Prozess, Wirksamkeit und Umweg stellt. Sie diskutiert Julliens zentrale Begriffe für eine Literatur der Nachdenklichkeit (Indirektheit, Ambiguität, Indexikalität, Affektivität) und die Verbindung von theoretischer Argumentation und exemplarischer Lektüre (Balzac, Poesie). Zugleich wird deutlich, dass Julliens Buch nicht nur eine Theorie der Literatur, sondern auch eine implizite Kritik der Philosophie formuliert.

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Der Schriftsteller zu Pferde und die Krise der Dialektik: Pierre Drieu la Rochelle

Années noires

Pierre Drieu la Rochelle ist eine zutiefst widersprüchliche Figur der Literaturgeschichte, dessen Werk oft ideologisch blockiert rezipiert wurde. Er war ein produktiver Autor von Theaterstücken, Novellen, Gedichten, Romanen, Essays und journalistischen Beiträgen. Biografisch ist festzuhalten, dass Drieu einerseits ab den 1930er Jahren zu einem einflussreichen Fürsprecher des französischen Faschismus sowie einem Protagonisten der intellektuellen Kollaboration wurde. Andererseits heiratete er in erster Ehe eine jüdische Frau, liebäugelte nie aufhörend mit dem Kommunismus und nutzte seine Verbindungen zur Deutschen Botschaft, um nahestehende Freunde wie Jean Paulhan vor Verfolgung zu schützen. Seine ästhetische Qualität ist unumstritten, wobei die Beurteilung seines Schaffens stets eng mit seiner politischen und moralischen Kompromittierung verbunden ist. In Drieus Werk zeigt sich eine tiefe Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit, die von alternierendem Selbst- und Fremdhass sowie Kriegsphantasien geprägt ist.

Andreas Geislers wissenschaftliches Vorhaben, festgehalten in der Monographie L’écrivain à cheval: das Erzählwerk Pierre Drieu la Rochelles zwischen Moderne, Antimoderne und Postmoderne (Brill Fink, 2024), zielt auf eine umfassende Neulektüre von Pierre Drieu la Rochelles Prosa. Das Kernanliegen der Arbeit ist es, das Werk und den Menschen Drieu la Rochelle in ein sorgfältig abgewogenes Verhältnis zu bringen und so diejenigen Schichten sichtbar zu machen, die bisher hinter der Dominanz der biografischen und politischen Verortung des Autors verborgen blieben. Geislers Arbeit wurde an der Universität Bonn angefertigt. Der Anstoß für die Arbeit entstand in einem Seminar an der Universität Heidelberg, wo Catherine Péant Geislers Interesse für die widersprüchliche Literaturproduktion der années noires weckte. Paul Geyer, der Betreuer der Arbeit in Bonn, stellte auch den Kontakt zu Jean-François Louette an der Sorbonne her.

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Christlich-jüdisches Frankreich und identitäre Zwangsassimilation: Eric Zemmour

Die Präsidenten der Französischen Republik suchten jeweils eigene Wege, um das Spannungsverhältnis zwischen dem Selbstverständnis Frankreichs als historisch christlich geprägte Nation und den Prinzipien der strikt laizistischen Republik politisch auszugleichen. „La messe n’est pas dite“ (2025) präsentiert Éric Zemmours rechtsextreme Vision einer zivilisatorischen Wiedergeburt Europas durch eine Rückkehr zu seinen christlichen Fundamenten. In seiner Darstellung bildet das Christentum das historische, kulturelle und politische Fundament Europas. Daraus leitet er allerdings die Forderung nach einer intensiven autoritären Rechristianisierung ab, die sowohl juristische Maßnahmen (z. B. Einschränkungen der Vornamenswahl, Remigration, Einschränkung richterlicher Befugnisse) als auch eine kulturelle und moralische Umformung der Gesellschaft umfasst. Diese Neuordnung verbindet er mit der Idee einer „großen Allianz“ zwischen traditionalistischen Katholiken und assimilierten Juden, die gemeinsam den kulturellen Bestand Europas sichern sollen. – Die Rezension zeichnet nach, wie Zemmours Argumentation auf einer selektiven Geschichts- und Religionsdeutung beruht, die komplexe kulturelle und politische Dynamiken auf ein dualistisches Bedrohungsszenario reduziert. Sie zeigt, dass Zemmour Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Universalismus – Werte, die er selbst als christliches Erbe beschreibt – im Namen einer identitären Selbstbehauptung zurückdrängen will. Die Rezension zeigt auf, wie Zemmour sowohl den Islam als auch den modernen Liberalismus als monolithische Feindbilder konstruiert und dabei mit Doppelstandards operiert, etwa durch selektive Lektüre religiöser Texte oder die Vereinfachung historischer Beispiele. Darüber hinaus zeigt sie, wie Zemmour den Laizismus funktionalisiert, um ihn von einem Prinzip staatlicher Neutralität in ein Instrument kultureller Dominanz zu verwandeln. Zemmours Programm stellt weniger eine Verteidigung des christlich geprägten Erbes dar als vielmehr eine autoritär-identitäre Revision der republikanischen Tradition, die die Grundlagen der Fünften Republik grundlegend infrage stellt.

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Tiefenstrukturen des Antiliberalismus: die alternative Moderne der französischen Rechten

Baptiste Roger-Lacans Sammelband „Nouvelle histoire de l’extrême droite (France, 1780–2025)“ erzählt die Geschichte der französischen extremen Rechten als langlebige kulturelle Formation, die sich seit dem späten 18. Jahrhundert immer wieder an Modernisierungsschüben, republikanischen Selbstbildern und gesellschaftlichen Konflikten reibt. Anstatt einzelne Organisationen oder Epochen isoliert zu betrachten, entwirft das Buch ein Panorama ideologischer Tiefenstrukturen – Antiliberalismus, ethnokulturelle Nationsvorstellungen, ästhetisierte Politik –, die sich über zweieinhalb Jahrhunderte hinweg erneuern, ohne zu verschwinden. Die extreme Rechte erscheint so nicht als Randphänomen, sondern als produktive Gegenbewegung zur französischen Moderne, die deren Versprechen und Brüche widerspiegelt. Die Rezension würdigt diesen Ansatz als präzise genealogische Arbeit, die zeigt, wie rechte Ideologeme sich an veränderte Medien, Akteure und politische Situationen anpassen und daraus ihre historische Beständigkeit beziehen. Zugleich deutet der Band die Gegenwart nicht als Ausnahmezustand, sondern als Kulminationspunkt eines langen Transformationsprozesses: Durch metapolitische Strategien, kulturelle Verschiebungen und digitale Beschleunigung ist die extreme Rechte zu einem dauerhaft anschlussfähigen Akteur geworden. Ihre Normalisierung erklärt sich aus langfristigen Kontinuitäten, in denen alte Diskurse – Bedrohungsnarrative, Identitätspolitik, Krisensensibilitäten – in neuen Formen wiederkehren. Damit zeigt das Buch, dass die politische Stärke der extremen Rechten im Frankreich des 21. Jahrhunderts nur vor dem Hintergrund einer longue durée verständlich wird, in der kulturelle Unruhe, Modernitätskritik und nationale Imaginationen fortwährend neu konfiguriert werden.

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Zum Mut wie zur Feigheit: Jérôme Garcin über Literatur in der Zeit der Occupation

Jérôme Garcin legt in „Des mots et des actes: les belles-lettres sous l’Occupation“ (Gallimard, 2024) eine moralisch zugespitzte Analyse der französischen Literaturszene während der deutschen Besatzung vor und zeigt, wie Worte zu Werkzeugen der Unterwerfung oder des Widerstands werden konnten. In pointierten Porträts von Kollaborateuren wie Brasillach, Céline, Morand oder Chardonne sowie Widerstandsfiguren wie Prévost, Decour und Lusseyran demonstriert er, dass literarisches Genie moralische Schuld nicht relativiert, sondern verschärft. Leitend ist die von ihm entwickelte „échelle de Prévost“, ein Maßstab, der die Verbindung von ethischer Haltung und schriftstellerischer Praxis bewertet. Garcin zeigt, wie eine kulturelle Elite trotz Massenmord und Repression ein schillerndes Pariser Kulturleben pflegte und wie bis heute ein ästhetischer Kult um kollaborationistische Autoren besteht, während Widerstandsschriftsteller marginalisiert werden. Das Buch ist zugleich historische Abrechnung, moralischer Appell und intellektuelles Selbstporträt eines Lesers, der das „unschuldige Lesen“ aufgibt. Die Rezension hebt die doppelte Bewegung des Werks hervor: die historische Rekonstruktion des literarischen Feldes unter der Besatzung und Garcins selbstkritische Revision seiner eigenen Lektürehaltung. Sie betont, dass Garcin gegen die tradierte Trennung von Werk und Autor anschreibt und die Persistenz einer französischen „ästhetischen Amnesie“ sichtbar macht, die Kollaborateuren Bewunderung und Résistants nur pflichtschuldigen Respekt entgegenbringt. Die Besprechung arbeitet heraus, wie Garcin literarische Porträts mit strukturellen Argumenten (CNE, Generationenkonflikte, soziale Milieus) verbindet und damit eine moralische Re-Kanonisierung anstößt, die Verantwortung als unverzichtbare literaturkritische Kategorie rehabilitiert. Insgesamt liest die Rezension das Buch als dringlichen Beitrag gegen die Verharmlosung des kulturellen Verrats – und als Manifest gegen den fortwirkenden mythischen Glanz, der sich um die „Genies“ des Hasses spannt.

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Boualem Sansal begnadigt und freigelassen

Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune hat Boualem Sansal begnadigt (vgl. die vorangegangenen Artikel zu Sansal auf diesem Blog). Die Begnadigung erfolgte auf eine ausdrückliche Bitte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hin, der sich persönlich für den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels (2011) eingesetzt hatte.

Sansal ist 81 Jahre alt und leidet an Prostatakrebs. Steinmeier hatte in seiner Bitte den „fragilen Gesundheitszustand“ Sansals betont. Nach seiner Begnadigung traf Boualem Sansal am Abend des 12. November 2025 in Deutschland ein und befindet sich auf dem Weg zur medizinischen Versorgung in einem Krankenhaus. Die Freilassung wird international, insbesondere in Deutschland und Frankreich, als wichtige humanitäre Geste und Erfolg diplomatischer Bemühungen gewertet, nachdem frühere Bitten aus Frankreich abgelehnt worden waren.

Eine Analyse der medialen Narrative zeigt jedoch eine deutliche Spaltung zwischen einer primär humanitären Perspektive und einer geopolitischen Interpretation des Ereignisses.  

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Terrorismusfiktionen

Themenheft „Récits et fictions du terrorisme“, Revue des sciences humaines 359 (2025).

Narrative Verarbeitung der Terroranschläge von 2015

Das vorliegende Themenheft der Revue des sciences humaines versammelt Beiträge, die aus einem Kolloquium vom 15. bis 17. November 2023 in Paris hervorgegangen sind. Die zentrale Fragestellung ist, wie die französische Gesellschaft die Terroranschläge von 2015 durch Erzählungen – seien es Zeugnisse oder fiktive Werke – verarbeitet. Das Heft bietet eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit den narrativen, ethischen und psychologischen Herausforderungen, die der Terrorismus für die Literatur und die Gesellschaft darstellt.

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Guillaume Dustans Abdriften und Christophe Beaux’ literarische Befreiung

Christophe Beaux’ „Un tombeau pour Dustan“ ist eine autobiografische Liebeserinnerung und zugleich ein literarischer Nachruf auf Guillaume Dustan, der einst William Baranès hieß. Beaux schildert ihre Beziehung im Paris der späten 1980er Jahre, gezeichnet von Faszination, Dominanz und Schuld, vor dem Hintergrund der AIDS-Krise. Aus dem intellektuellen und sexuellen Einfluss Williams auf den jüngeren Christophe entsteht eine ungleiche Beziehung, die zugleich prägte und zerstörte. Nach der Trennung und Williams HIV-Diagnose verwandelt sich dieser in den provokativen Schriftsteller Guillaume Dustan, der mit radikaler Offenheit über Sexualität, Krankheit und gesellschaftliche Doppelmoral schreibt. Das Buch dient Beaux als „Grabmal“ und Exorzismus zugleich: Er versucht, die jahrzehntelange Schuld und Faszination zu bannen, indem er die gemeinsame Vergangenheit mit literarischer Klarheit neu erzählt und sich so symbolisch von dem Geliebten befreit, der sein Leben beherrschte. – Die Rezension deutet Beaux’ Text als doppelte Befreiung – biografisch wie literarisch. Sie liest „Un tombeau pour Dustan“ nicht bloß als private Beichte, sondern als dialogischen Gegenentwurf zu Dustans radikalem Werk: Beaux übernimmt dessen Poetik der Wahrhaftigkeit („véracité“), aber verwandelt sie von einer destruktiven zu einer heilenden Kraft. Der Rezensent betont die Spannung zwischen Bewunderung und Abrechnung, zwischen Liebe und Rache, die das Buch strukturiert. Beaux’ Schreiben wird als Akt der Parrhesia – einer mutigen, schonungslosen Rede – gedeutet, der zugleich psychoanalytische und ästhetische Funktion erfüllt. Die Rezension verknüpft das Werk mit den historischen Diskursen über AIDS, Sexualität und gesellschaftliche Rebellion, um es als literarische Antwort auf Dustans Skandalästhetik zu positionieren: Wo Dustan provozierte, reflektiert Beaux; wo jener den Tabubruch suchte, sucht dieser Versöhnung. Das „Tombeau“ erscheint so als Requiem für eine Epoche und als Selbsttherapie eines Überlebenden, der seine Stimme durch das Schreiben wiederfindet.

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Literatur als Ressource? Der kommende Frankoromanistikkongress und Patrice Jean

Patrice Jean, Kafka au candy-shop: la littérature face au militantisme, Editions Léo Scheer, 2024.

Literatur am Scheideweg: eine nötige Debatte

Tout livre, tout texte vivant doit être une déclaration de guerre. (Patrice Jean)

Patrice Jeans Kafka au Candy-shop zeichnet wie seine eigenen Künstlerromane das Bild einer Literatur, die sich unter dem süßlichen Druck politischer Moral zum gefügigen Konsumgut wandelt, während zugleich – wie bei Kafka – das Rätselhafte, die Erfahrung des Unverfügbaren, in ihr erstickt werden soll; der Titel selbst bringt diese absurde Kollision in ein Bild: Kafka, Inbegriff der existenziellen Düsternis und ästhetischen Radikalität, steht plötzlich zwischen Bonbonregalen, umgeben von wohlfeilen Empörungswaren, und soll dort seine surreale Verzweiflung in ein gefälliges Produkt verwandeln; genau in dieser grotesken Verschiebung verortet Jean die Krise der Gegenwartsliteratur, die das Dunkle, Ambivalente und Ungefügige zugunsten sofort verständlicher Haltungszuckerwaren aus dem Regal räumt – und damit die Literatur ihrer gefährlichen Kraft beraubt, dem Leser nicht Bestätigung, sondern Bewusstsein zu geben.

Wenn die Ausschreibung des kommenden Frankoromanistikkongresses das Leitmotiv res:sources entfaltet, markiert sie damit jenen Punkt, den Jean zur Problemzone erklärt: die Literatur als Rohstoff, als verwertbares Gut. Die Frage, die sich aus seiner Perspektive sofort stellt, lautet in wohlwollender, aber unmissverständlicher Zuspitzung: Wie soll die Literatur frei bleiben, wenn sie von vornherein als Ressource gedacht wird, als Mittel für gesellschaftliche Zielbestimmungen? Jean hätte in diesem Kontext nachgefragt, ob die dort beschworene „Quelle des Wissens“ nicht Gefahr läuft, alles Literarische auf seinen Informationsgehalt zu reduzieren, auf das, was messbar und vermittelbar ist, während das, was sich entzieht – Ambivalenz, Stil, existentielle Unschärfe – unbeachtet bleibt.

Die Leitfrage nach „Narrativen der Nachhaltigkeit“ berührt bei Jean eine tiefe Skepsis: Wie kann man verhindern, dass sich hinter dieser Erzählung eine neue Moraltheologie verbirgt, die Literatur als Werkzeug der Bewusstseinsproduktion vereinnahmt? Darf der Roman noch verletzen, zweifeln, scheitern, wenn sein Wert sich daran bemisst, ob er Verantwortung übernimmt und Lösungen anbietet? Jean würde hier wohl die feine, aber entscheidende Differenz anmahnen zwischen einer Literatur, die politisch denkbar macht, und einer Literatur, die politisch vorschreibt.

Die Ausschreibung spricht von Zugängen, Verteilungen, Kontrollmechanismen – Kategorien, die Jean notwendig machen würden, darauf hinzuweisen, dass gerade das Ungeregelte, das Unkontrollierbare zum Wesenskern der Kunst gehört. Welche Räume werden für jene Werke geöffnet, die sich durch ihre Nutzlosigkeit auszeichnen, durch ihren Eigensinn, ihre Weigerung, eine Ressource zu sein? Wer schützt die literarische Freiheit, wenn Wissenschaft und Politik sich einig sind, Literatur möge zur „Transformation“ beitragen?

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Jordan Bardellas Wunschfrankreich: Schönheit und Größe des Ersatzkandidaten

Jordan Bardellas beide Bücher – „Ce que je cherche“ (2024) und „Ce que veulent les Français“ (2025) – bilden eine strategische Doppelfigur aus Selbstmythos und Selbstlegitimierung. Das erste Werk stilisiert Bardellas Aufstieg vom Banlieue-Kind zum „republikanischen Erfolgsmodell“ im Rassemblement National und verbindet dies mit einer Pathetik nationaler Größe, die an Bonaparte und De Gaulle anknüpft. Die Suche nach „Grandeur“ wird zum Selbstrechtfertigungsnarrativ eines Erlösers der „vergessenen Franzosen“. Das zweite Buch transformiert diesen Erlösungsanspruch in eine Galerie scheinbar authentischer Bürgerporträts, die freilich nur die Stimmen eines homogenen, arbeitsethisch moralisierten „Volkes“ repräsentieren, das er selbst verkörpert. Bardella verschmilzt so Erzähljournalismus, politische Mythologie und Wahlkampfrhetorik zu einer ästhetischen Form des populistischen Pathos, in der „Empathie“ zur Bühne ideologischer Vereinfachung wird. Die Nation erscheint als Sakralgemeinschaft gegen Eliten, Migration und Europa; Differenz wird moralisch entwertet. – Der Artikel liest diese Werke als Zwillingsakte politischer Selbstvermarktung: Literatur als Kandidatur. Er zeigt, wie beide Bände den Bolloré-Medienkomplex und dessen rechtspopulistische Agenda stützen: das erste als Biographie eines „designierten Ersatzkandidaten“ für Marine Le Pen, das zweite als emotionalisierter Wahlkampf unter dem Deckmantel volksnaher Authentizität. Die Analyse deutet Bardellas Pathos vom „wahren Frankreich“ als projektive Selbstvergöttlichung und macht sichtbar, dass sein Wunschfrankreich nicht auf Pluralität, sondern auf Symbolmacht zielt: Schönheit und Größe eines Kandidaten – ästhetisch präzise, politisch gefährlich.

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Zolas Erbe Bourdieu: Lars Thorben Henk

Lars Thorben Henk, Zola vor Bourdieu: eine Studie zur Protosoziologie in Émile Zolas «Les Rougon-Macquart» (1871–1893), Mimesis 125 (Berlin; Boston: de Gruyter, 2025).

Die Rekonstruktion einer impliziten Soziologie

Die Dissertation Zola vor Bourdieu von Lars Thorben Henk, erschienen in der Reihe Mimesis: romanische Literaturen der Welt, liefert eine literaturwissenschaftliche Neulektüre von Émile Zolas Arbeiterroman-Trilogie, indem sie dessen implizite Soziologie durch die Brille der Ethnosoziologie Pierre Bourdieus entschlüsselt. Die Studie setzt bei der historischen Feststellung an, dass Émile Zola zeitlebens mit seinen Romanen, insbesondere durch die kompromisslose Darstellung des französischen Volks (le peuple), Anstoß erregte. Basierend auf der Einsicht Jacques Dubois’, dass Zolas Erklärung sozialen Handelns mittels der Kategorien hérédité und milieu Parallelen zu Bourdieus Habitus- und Feldkonzept aufweist, formuliert Henk die zentrale Forschungsfrage: die systematische Rekonstruktion von Zolas impliziter Soziologie, fokussiert auf das französische Volk, aus der Perspektive von Bourdieus ökonomischer Ethnosoziologie. Die Notwendigkeit dieser Perspektivierung ergibt sich aus der Beobachtung, dass Zolas Kategorien hérédité und milieu Ähnlichkeiten mit Bourdieus Konzepten von Habitus und Feld aufweisen, eine systematische Verhältnisbestimmung zwischen Zolas Romanen und Bourdieus Soziologie jedoch bislang eine Forschungslücke darstellt. Zola wird dabei als Pionier innerhalb des sich konstituierenden Forschungsfelds der Sozialwissenschaften verstanden, dessen literarische Werke protosoziologische Erkenntnisse enthalten.

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Frauenmord als Denkstruktur: Ivan Jablonka

Ivan Jablonka, La culture du féminicide: histoire d’une structure de pensée (Traverse, 2025).

Systemisches Phänomen: sexuelle Gewalt, Verstümmelung und Tötung

Ivan Jablonkas La culture du féminicide: histoire d’une structure de pensée (2025) präsentiert eine literaturwissenschaftliche und soziohistorische Analyse, die die kulturelle Zentralität des sexualisierten Frauenmordes in der westlichen Zivilisation freilegt. Jablonka, bekannt für seine Werke über Gewalt und soziale Strukturen, stellt die gynozidale Kultur oder Feminizid-Kultur („culture du féminicide“) 1 als eine universelle Denkstruktur dar, die die Gesellschaft durchdringt und das Vergnügen am weiblichen Terror vorbereitet. Die grundlegende Problemstellung ist das Ambivalente der gesellschaftlichen Obsession: Wir sind kulturell nach sexualisierten Morden „süchtig“, während wir diese Taten als abscheulich verurteilen. Jablonka definiert den Feminizid als „meurtre d’une femme en tant que femme“ (Mord an einer Frau als Frau), ein vorsätzliches und systemisches Verbrechen, das in sozialen Ungleichheiten wurzelt. Er segmentiert diesen Akt theoretisch in drei „items gynocidaires“: (1) sexualisierte Gewalt (Vergewaltigung, Prostitution), (2) Verstümmelung (Folter, Zerstückelung) und (3) die eigentliche Tötung. Die zentrale These ist, dass diese gynozidale Kultur durch die „idéologie gynocidaire“ – die Rechtfertigung dieser Darstellung – den Feminizid von der Mythologie bis zur Gegenwart als „logique qui traverse la société tout entière“ legitimiert und normalisiert.

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Anmerkungen
  1. „Der Begriff ‚Femizid‘ wurde in den 1990er Jahren von Feministinnen in den USA geprägt, um die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts zu bezeichnen. Feministinnen in Mexiko entwickelten den Begriff weiter und fügten die Silbe „ni” an Feminizid an, um auszudrücken, dass es sich nicht um die Ermordung von Frauen als individualisierte Fälle, sondern um ein Massenverbrechen handelt.“ https://contre-les-feminicides.ch/femizid-oder-feminizid/, 21. Dezember 2023.>>>

Ambivalenz der jüdischen Assimilation: Philip Roth und Marc Weitzmann

Marc Weitzmann, La part sauvage: le monde de Philip Roth et le chaos américain. Retour sur vingt ans d’amitié. Grasset, 2025.

Philip Roth und die Zerbrechlichkeit der amerikanischen Demokratie

Marc Weitzmanns La part sauvage ist eine Hommage an den verstorbenen Schriftsteller Philip Roth; es ist aber auch eine literarische Untersuchung, die das Werk, das Leben und die Freundschaft zu Roth nutzt, um die Zerbrechlichkeit der amerikanischen Demokratie und den Wandel der literarischen Kultur im Angesicht des Chaos zu analysieren.

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Das Französische als Selbst-Dekolonisierung: Kamel Daoud

Die Verleihung des Prix Goncourt im Jahr 2024 für seinen Roman Houris führte zu heftigen Angriffen gegen Kamel Daoud. Der Autor schreibt, dass dieser Preis die Wiederbelebung des Verräter-Stereotyps mit „beispielloser Gewalt“ („violence inouïe“) in der islamistisch-konservativen Presse zur Folge hatte. Die Presse verwendete sogar die unvollkommene Homonymie seines Namens (Daoud) mit dem des mythischen Verräters Colonel Bendaoud bis zur Übertreibung, um ihn zu diskreditieren. Die Attacken dienten dazu, ihm erneut das Etikett des Abtrünnigen („renégat“), Dissidenten und Deserteurs anzuheften, weil er das „Wir“ für das ewig französische „sie“ („eux“) verlassen habe. Die polemische Verteidigung der Freiheit und Pluralität in Il faut parfois trahir kann als direkte und tiefgreifende intellektuelle Reaktion auf diese erneuten Diffamierungen und die damit verbundene identitäre Orthodoxie verstanden werden.

Kamel Daouds Abhandlung Il faut parfois trahir (Gallimard, 2025) stellt eine leidenschaftliche thesenhafte Verteidigung des Universalismus und der individuellen Freiheit dar und rechnet scharf mit jenen Kräften ab, die er als Hüter der nationalen Erstarrung und des Identitätskults ansieht. Die Argumentation entwickelt sich um die paradoxe Umkehrung des Begriffes „Verrat“, der zum Vehikel der Befreiung wird.

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Autosoziobiographie als französische Gattung

Autosoziobiographie: Poetik und Politik, hrsg. von Eva Blome, Philipp Lammers und Sarah Seidel, Abhandlungen zur Literaturwissenschaft, Metzler, 2022.

Der Sammelband „Autosoziobiographie: Poetik und Politik“, herausgegeben von Eva Blome, Philipp Lammers und Sarah Seidel, widmet sich der Untersuchung einer literarischen Textform, die seit Didier Eribons Rückkehr nach Reims (Retour à Reims, 2009/2016) eine unübersehbare Konjunktur erlebt. Die Herausgeber verfolgen die Intention, dieses „noch junge Genre“ zu sichten, zu systematisieren und zu reflektieren, um es als relevantes literaturwissenschaftliches Forschungsobjekt zu etablieren und die literarische Form (Poetik) im Kontext ihrer politischen und gesellschaftsanalytischen Ansprüche zu untersuchen. Die Beiträge diskutieren aktuelle autosoziobiographische Texte und ihre literarhistorischen Kontexte unter den drei Schwerpunkten ‚Literarische Epistemologie des Sozialen‘, ‚Zum Politischen der Form‘ und ‚Transition und Narration‘.

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Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart
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