Männlichkeit als Konstruktionsprojekt: Victor Malzac
Victor Malzacs Debütroman „Créatine“ (Gallimard, 2023) erzählt in einem atemlosen, sich selbst überbietenden Monolog die Geschichte eines namenlosen Jungen, der sich von einem übergewichtigen, isolierten Teenager in einen muskelbepackten Bodybuilder verwandelt – angetrieben von einem gewalttätigen Vater, einem Schwarzenegger-Film und schließlich von Steroiden, die ihm sein Mentor Pedro spritzt. Der Aufsatz liest diese Verwandlung als Konstruktionsprojekt: Der Erzähler übernimmt sein gesamtes Vokabular von Kraft und Begehren aus Werbung, Kino und der Gewaltsprache des Vaters, weil ihm für Zärtlichkeit keine eigene Sprache zur Verfügung steht, und die Prosa selbst – hypertroph, sich wiederholend, aus den Fugen geratend – vollzieht auf der Ebene des Satzbaus dieselbe Logik, die der Erzähler an seinem Körper betreibt. Dass der Roman ausgerechnet in dem Moment abbricht, in dem beide Oberschenkel des Erzählers unter der eigenen Muskelmasse reißen, macht aus der vermeintlichen Erfolgsgeschichte eine Diagnose: einen Männlichkeitsentwurf, der keine andere Sprache kennt als den eigenen Körper, trägt die Bestrafung für sein Scheitern bereits in sich selbst.
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