Lorenzo ist ein junger Renaissancemaler, der die Kunst revolutionieren will, während er seiner Suche nach Schönheit nachgeht und seine Leidenschaften auslebt. Was Baptiste betrifft, so gehört er einer geregelten Bourgeoisie an. Im Mai 1968 strebt er nach mehr Freiheit, vor allem aber nach mehr Exzessen. Tahar schließlich ist nach Frankreich geflüchtet und möchte eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. „Jeder versucht um jeden Preis, sein Ziel zu erreichen: Schönheit zu erreichen, die Welt auf den Kopf zu stellen oder dem Exil einen Sinn zu geben. Auch wenn Zeiten und Orte sie trennen, werden diese Wesen von der gleichen Erregung durchzogen: dem Feuer der Leidenschaft.“ (Verlagstext)
Der Sohn als Minotaurus: Herkunft, Mythos und Schreiben bei Boris Bergmann
Boris Bergmanns Roman „Minotaure“ (Albin Michel, 2026) erzählt, unter dem eigenen Namen des Autors, die jahrzehntelange Suche eines unehelichen Sohnes nach dem Psychiater Jean Creux, der ihn gezeugt und nie anerkannt hat. Statt eine einfache Vatersuche zu berichten, verwebt Bergmann diese autobiographische Handlung mit dem griechischen Mythos vom Minotaurus: Das unerwünschte Kind wird zum Ungeheuer im Labyrinth des Mangels, während die Mutter als die eigentlich begehrende, souveräne Kraft hervortritt und der Vater sich in juristische Begriffe flüchtet (»Gametenspender«). Als der biologische Vater sich endgültig entzieht, öffnet sich ein zweiter Erzählstrang um die lebensbedrohliche Erkrankung und die Nierenspende für die Geliebte Clé, wodurch sich das väterliche Muster von Gabe und Verlassen unverhofft wiederholt. Der vorliegende Aufsatz rekonstruiert diese komplexe Argumentationsbewegung nicht als gelungene Vatererinnerung, sondern als poetologisches Programm: Die Herkunftssuche wird zur Reflexion über die Bedingungen erzählerischer Sprache selbst, wobei die Vervielfachung konkurrierender Diskurse (Mythos, Zivilrecht, medizinisches Formular, Dialog) exakt das abbildet, was der Roman behauptet – dass ein Vater, der jede Sprache verweigert, nur in der Summe widersprüchlicher Stimmen überhaupt umkreist werden kann. Eine zentrale These lautet: Ursprung wird in „Minotaure“ nicht gefunden, sondern übersetzt, wobei das Schreiben selbst zur einzigen Vaterschaft wird, die der Erzähler sich selbst zu geben vermag, bis er sie am Schluss dialogisch mit einer anderen Stimme teilt.
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