Schuld und Abfall: Verschütten als Formgesetz bei Elsa Jonquet-Kornberg

In Elsa Jonquet-Kornbergs Roman „L’Enfouissement“ verwandelt sich das französische Provinznest Etrenon, unverkennbar dem atomaren Endlagerstandort Bure in Lothringen nachgebildet, in den Schauplatz einer doppelten Verschüttung: Während die Agentur Andra tief im Dorfuntergrund radioaktiven Müll für hunderttausend Jahre vergräbt und die Bevölkerung mit einem Fördertopf und einer lächelnden Werbefigur bei Laune hält, plant der Tischler Joseph Plouche gemeinsam mit seiner Geliebten Ita Kroyn den Mord an seiner Frau Pauline, um mit dem gemeinsamen Sohn Noah und dem aus Niger adoptierten Éric ein neues Leben zu beginnen, ein Plan, der sich am Ende durch einen DNA-Test selbst ad absurdum führt. Der Aufsatz liest diese Konstellation als Beleg dafür, dass der Titel nicht nur das nukleare Sujet benennt, sondern das Formgesetz des gesamten Buches bezeichnet, und verfolgt diese These auf mehreren, ineinandergreifenden Ebenen einer autopoetologisch reflektierten Poetik des Findens und Wiederverwendens. Hierbei zeigt er, wie der Roman zugleich als politische Erzählung funktioniert, die käufliche Zustimmung, xenophobe Untertöne im Umweltprotest und die koloniale Verflechtung von Uranabbau in Niger und Endlagerung in Frankreich sichtbar macht, und als Ökofiktion, die geologische Tiefenzeit und private Alltagszeit systematisch ineinanderschiebt, ohne je in eine explizite ökologische Botschaft zu münden. Anhand konkreter Szenen, vom Sturz eines Vogels auf glänzende Bahnschienen über das rosa Kinderzimmer der toten Sterka bis zum abschließenden Geständnis im Verhörzimmer, führt die Interpretation vor, wie die Verschüttungslogik des Buches zugespitzt wird und wie eng private Schuld, politische Legitimation und nukleare Zukunftsangst im Text verwoben sind.

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