Prix Renaudot 2026, dritte Auswahl: Désérable, Djaïz, Lewat, Percin
Der Überblicksartikel stellt vier Romane der dritten Auswahl des Prix Renaudot vor, die in der Reihe der bereits besprochenen Titel noch fehlten. In „Le Palais“ von François-Henri Désérable wird der aus einem Müllhaldenslum in Delhi nach Burgund verkaufte Arun Kumar mit seinem absoluten Gaumen zum Weinkenner, Rächer und Fälscher. David Djaïz begleitet in „La méthode“ den Arzt Paul Remlinger, der im Konstantinopel von 1910 einen Plan zur Tötung der streunenden Hunde entwirft, und zeigt, wie aus der Hygienemaßnahme ein Muster für spätere Vernichtungspolitik wird. In „Un corps indocile“ von Osvalde Lewat kämpft der kamerunische Schneider Deffo Deffo mit einem Körper, der ihm nicht gehorcht, und gerät in die Textilindustrie zwischen Kamerun und China, wo ein Fabrikbrand und ein Tötungsdelikt seine Geschichte rahmen. Anne Percin rekonstruiert in „Eugénie sous les bombes“ aus dem Heft ihres Urgroßvaters die Reise der kranken Eugénie durch das bombardierte Paris vom März 1918. Die Argumentation folgt einem festen Raster: Jede Besprechung verbindet eine knappe Inhaltswiedergabe mit einer Deutung, die Form und Thema aufeinander bezieht, und endet in einer begründeten Bestimmung dessen, was am Text preiswürdig ist. So liest der Artikel Désérables Roman als Schelmenstück über die Frage, wem Kennerschaft gehört, Djaïz‘ Buch als Ideenroman über eine Methode, die ihren Zweck vergisst, Lewats Text als Sozialdrama, dessen Näh- und Körpermotive die Ökonomie dahinter sichtbar machen, und Percins Buch als Beschwörung, die dem Wissen um das Ende die Hoffnung als eigentliche Hauptfigur entgegensetzt. Die Einleitung stellt dazu in je einem Satz den Charme der Bücher heraus und bindet sie an die zwei bereits ausführlich besprochenen Titel der Auswahl zurück, „Stay Free“ und „Heures sauvages“. Das gemeinsame Thema, was ein Mensch von seiner Herkunft mitträgt und wofür er einstehen muss, ergibt einen Zusammenhang, der die vier Porträts als Vergleich lesbar macht.
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