Von Mediana nach Saint-Sulpice: Bekehrung und Interreligiosität als Erzählprinzip bei Étienne de Montety
Étienne de Montetys Roman „Il y a une autre rive“ (2026) erzählt die Geschichte Rahmans, eines in Paris geborenen Sohnes algerischer Einwanderer, der nach dem Tod seines Vaters nach Algerien reist und dort eine religiöse Krise durchläuft, die ihn schließlich zur Bekehrung zum Christentum führt. Der Roman verwirklicht damit eine interreligiöse Poetik, die Islam und Christentum nicht hierarchisch gegeneinander ausspielt, sondern mit ethnografischer Genauigkeit in ihren rituellen, symbolischen und ethischen Dimensionen nebeneinanderstellt – von der symmetrischen Darstellung von Totenritual und Taufe bis zur unterirdischen Verflechtung von Gebetspraxen in einem einzigen Raum. Der Aufsatz untersucht, wie Montety diese plurale Erzählweise durch mehrere ineinandergreifende Verfahren realisiert: durch die personale Fokalisierung auf Rahmans wechselnde Perspektive, durch die Raumstruktur zwischen Mediana und Paris, durch die Figurenkonstellation von Ibrahim bis Jean-Marie Bazin, durch konkrete Szenen der Religionskonfronstation und schließlich durch eine Bildsprache von Licht, Wasser und Überfahrt, die Bekehrung nicht als Bruch, sondern als Übersetzung darstellt. Im Zentrum steht die Frage, wie ein Roman einer entkörperlichten digitalen Moderne durch die radikale Reklamation von Liebe – „Je l’ai fait par amour“ – widerspricht und was es bedeutet, dass es, wie der Titel sagt, immer noch „ein anderes Ufer“ gibt.
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