Georges Bataille und der Gerichtssaal als Gedächtnisraum: Form und Grenzüberschreitung bei Patrice Trigano
Patrice Triganos Roman „Bataille au procès“ (Maurice Nadeau, 2026) verlegt den historischen Sade-Prozess von 1956 in das Bewusstsein des Zeugen Georges Bataille, der auf der Bank der Pariser Strafkammer sitzt, während sein Denken fünfzig Jahre eigener Biografie durchmisst, Kindheit, Liebschaften, den lebenslangen Streit mit André Breton, die eigene Theorie des Bösen, und dabei mit dem Fall des Angeklagten Pauvert wie mit dem toten, gleichfalls verhandelten Sade in ein Gespräch tritt, das das Gericht selbst nicht führen kann. Der vorliegende Aufsatz liest diesen Roman nicht als Illustration bekannter Ideen, sondern zeigt an zahlreichen konkreten Textstellen, wie Gattung, Erzählperspektive, Raum- und Zeitstruktur, Metaphorik, Figurenkonstellation und die eigene Schreibweise des Textes eine gemeinsame Bewegung vollziehen: Die Erzählung durchbricht immer wieder die Ordnung, die sie beschreibt, ebenso wie das Böse, von dem sie handelt, sich jeder endgültigen Feststellung entzieht, sodass am Ende weniger ein Urteil über Sade, Bataille oder die Institution steht als die Einsicht, dass ein solcher Stoff gar nicht anders enden kann als offen.
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