Giacomo Leopardi zwischen Projektion und Zitat: Fragment, Intimität und intertextuelles Verfahren bei René de Ceccatty

René de Ceccattys „Noir souci“ (Flammarion, 2011) entfaltet in einer fragmentarischen Erzählweise das Leben Giacomo Leopardis als Geflecht aus historischer Biographie, literarischer Konstruktion und autobiographischer Spiegelung des Erzählers: Im Zentrum steht die intensive, schwer kategorisierbare Beziehung zwischen Leopardi und Antonio Ranieri, die weder eindeutig als Freundschaft noch als Liebesverhältnis gefasst werden kann, sondern gerade in ihrer sprachlich überhöhten, körperlich uneindeutigen Form eine „Intimität ohne Namen“ bildet. Parallel dazu durchzieht die Figur des verstorbenen Geliebten Hervé den Text als Störung und Echo, sodass die Beschäftigung mit Leopardi weniger historische Rekonstruktion als vielmehr eine Arbeit an eigener Trauer und Begehren wird; Ceccattys Verfahren orientiert sich dabei am assoziativen, nicht-linearen Denken des Zibaldone, indem es Zitate, Träume und Reflexionen montiert, ohne sie zu glätten. Die Rezension hebt hervor, wie diese drei Ebenen – Biographie, Theorie der Bindung und Selbstporträt – ineinander verschränkt sind und sich gegenseitig beleuchten, sodass Leopardi nicht als abgeschlossene historische Figur erscheint, sondern als Projektionsfläche einer Schreibweise, die Fragment, Wiederholung und intertextuelle Überlagerung zum eigentlichen Modus der Erkenntnis erhebt.

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