Der Blick, der zurückschaut: Zur anderen Seite bei Sylvain Prudhomme
Sylvain Prudhommes Roman „De l’autre côté du lac“ (Minuit, 2026) erzählt von einer Fotografin, die auf einem Bergparkplatz einem namenlosen Wanderer begegnet, kurz mit ihm korrespondiert und Monate später in der Nähe eines für Menschen gesperrten Naturreservats verschwindet. Der Erzähler wird zum Ermittler wider Willen, befragt Weggefährtinnen und Weggefährten und rekonstruiert Paolas zwei Aufenthalte an einem See, hinter dem sich das Reservat erstreckt, sowie ihre wachsende Faszination für das, was sich jedem Zugriff entzieht, bis sie im Winter spurlos in der Wildnis aufgeht. Der Aufsatz liest diesen Stoff als Enquête, die ihre eigene Auflösung verweigert: Er zeigt, wie der Text auf mehreren Ebenen um dieselbe Volte kreist, den Moment, in dem aus der beobachtenden die beobachtete Position wird. Der Roman behauptet seine ökologische und poetologische Ethik nicht, sondern führt sie in der eigenen Erzählform, im Verzicht auf Aufklärung, konkret vor.
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