Dieser Beitrag ist auf Deutsch verfasst. Automatische Übersetzungen:
Inhalt
- Gertrude Bell und die Gründung des modernen Irak
- Das Zweistromland als mythischer Urgrund: Zeitschichten und Superposition der Geschichten
- Der koloniale Blick und seine archäologische Fundierung
- Frankreich im Roman: der abwesende Rivale
- Die postkoloniale Geschichtsperspektive: Temporalität des Versagens
- Der Erinnerungsroman als postkoloniale Form
- Schluss: Mesopotamien als Spiegel der Gegenwart
Gertrude Bell und die Gründung des modernen Irak
Olivier Guez, Mesopotamia (Paris: Grasset, 2024, zit. als MPO).
Deutsch: Olivier Guez, Die Welt in ihren Händen, aus dem Französischen von Nicola Denis (Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2026). 1
Olivier Guez‘ Roman MPO ist eine historiografische Erzählung, die das Leben der britischen Archäologin, Geheimdienstlerin und Kolonialbeamtin Gertrude Bell (1868–1926) in den Mittelpunkt rückt. 2 Guez folgt Bell von ihren frühen Reisen durch den Orient bis zu ihrer zentralen Rolle bei der Gründung des modernen Irak nach dem Ersten Weltkrieg. Die Erzählung beginnt im Jahr 1916, als Bell nach Basra beordert wird, um der britischen Kolonialmacht in Mesopotamien – dem Land zwischen Tigris und Euphrat – als politische Expertin und Geheimdienstoffizierin zu dienen. Mit ihrer seltenen Kombination aus arabischer und persischer Sprachkenntnis, umfangreicher archäologischer Feldarbeit und einem breiten Netzwerk unter Stammesführern und Scheichs wird sie zur wertvollsten zivilen Beraterin des Empire im Nahen Osten.

Das Buch entwirft eine Doppelgeschichte: einerseits die Biografie einer außergewöhnlichen Frau im viktorianischen und edwardianischen England, die gegen alle gesellschaftlichen Konventionen ihres Geschlechts anläuft; andererseits die epische Geschichte des britischen Imperialismus in der arabischen Welt, des Ersten Weltkriegs im Orient und der kolonialen Neugründung des Nahen Ostens. Neben Bell treten historische Figuren wie T.E. Lawrence (Lawrence von Arabien), Winston Churchill und der arabische Prinz Faysal auf. Die Handlung folgt Bell durch ihre Liebesgeschichten – besonders die unerfüllte, tragische Leidenschaft für den verheirateten Major Dick Doughty-Wylie –, durch ihre archäologischen Expeditionen in der syrischen Wüste und durch die großen politischen Verhandlungen der Nachkriegszeit in Paris und Kairo, die schließlich in der Zeichnung der irakischen Grenzen kulminieren.
Ein strukturierendes Motiv des Romans ist das Verhältnis zwischen den archaischen Zivilisationen Mesopotamiens – Sumer, Akkad, Babylon, Assyrien – und dem modernen imperialen Projekt, das sich auf denselben Boden auflagert. Gertrude Bell ist zugleich Archäologin und Kolonisatorin: Sie gräbt die Vergangenheit aus und fabriziert die Zukunft. Guez zeigt, wie die Rhetorik der Zivilisationsmission des britischen Empires sich direkt auf den Mythos des Zweistromlandes als „berceau des civilisations“ beruft – als Wiege der Menschheit, als Garten Eden, als Land Abrahams und Babels. Diese mythische Dimension dient gleichzeitig als Legitimationsgrundlage imperialer Gewalt und als Spiegel, der die Hybris der Kolonisatoren reflektiert.
Das letzte Drittel des Romans und der umfangreiche Epilog vollziehen einen Zeitraffer durch die postkoloniale Katastrophe: den coup d’état von 1958, der die von Bell und Lawrence entworfene hachimitische Monarchie zerstört, die Ölnationalisierungen, Saddam Husseins Terrorherrschaft, den irakisch-iranischen Krieg, die amerikanischen Invasionen von 1991 und 2003, den Aufstieg des Islamischen Staates und die Plünderung des Nationalmuseums in Bagdad – jenes Museums, das Gertrude Bell selbst gegründet hatte. Das letzte Bild ist symbolisch verdichtet: Die Bronzebüste Gertrude Bells wurde aus dem Museum gestohlen und nie wiedergefunden. Der Roman schließt mit einer apokalyptischen Inventur der Trümmer des kolonialen Projekts, das Bell ihr Leben gewidmet hatte.
Das Zweistromland als mythischer Urgrund: Zeitschichten und Superposition der Geschichten
Die archaische Zeit als Palimpsest
Eines der literarisch aufschlussreichsten Verfahren in MPO ist die konsequente Überblendung historischer Zeitschichten. Guez konstruiert Mesopotamien nicht nur als geographischen Ort, sondern als zeitliches Palimpsest – eine Schreibfläche, auf der Jahrtausende der menschlichen Geschichte übereinanderliegen und durchscheinen. Bereits im Prolog formuliert der Erzähler dieses Programm mit einer Art epischer Weitwinkelperspektive:
Au cours de la seconde partie du dix-neuvième siècle, l’économie s’est mondialisée pour la première fois dans l’histoire de l’humanité. […] une région redevient le nombril du monde, comme au temps d’Alexandre le Grand et de César, des premiers califats arabes, des routes de la soie.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts globalisierte sich die Wirtschaft zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit. […] Eine Region rückt wieder in den Mittelpunkt der Welt, wie zu Zeiten Alexanders des Großen und Cäsars, der ersten arabischen Kalifate und der Seidenstraßen.
Das Wort „redevient“ ist hier entscheidend: Die Region wird wieder zum Nabel der Welt – sie war es schon unter Alexander dem Großen, unter Cäsar, unter den frühen Kalifaten. Guez setzt damit einen Rhythmus der Geschichte in Gang, der nicht linear verläuft, sondern zyklisch: Mächte kommen und gehen, alle begehren dieselbe Erde, alle berufen sich auf dieselbe Symbolik. Diese Struktur hat Konsequenzen für die Interpretation des imperialen Projekts: Das britische Empire erscheint nicht als historischer Ausnahmefall, sondern als jüngste Verkörperung eines archetypischen Musters.
Diese Superposition wird auf der Ebene der Alltagssprache der Figuren manifest. Als Bell in Basra ankommt, vermerkt der Erzähler beiläufig: „Wie zu Abrahams Zeiten gibt es im Süden Mesopotamiens weder befahrbare Straßen noch Eisenbahnlinien.“ 3 Der Vergleich mit der Zeit Abrahams verschiebt die britische Militärlogistik in eine mythische Zeitebene, auf der die Urväter der abrahamitischen Religionen durch dieselbe Landschaft zogen. Bell bewegt sich durch einen sakralen Raum, in dem jedes Schrittspur sich über die Spuren der mythischen Urzeit legt.
Besonders ausgeprägt ist dieses Verfahren in der Beschreibung der archäologischen Stätten. Als Bell und Lawrence die Ausgrabungen von Karkemisch besuchen – der alten hittitischen Hauptstadt –, offenbart der Erzähler eine Szene aus tiefster prähistorischer Zeit:
Les fondations d’un palais émergeaient, découvrant des bas-reliefs décorés de monstres ailés et de démons, de prêtres à barbes frisottées et de prêtresses charriant des épis de blé, des corbeilles de fruits, une procession, et des gazelles, des chasses aux lions.
Die Fundamente eines Palastes kamen zum Vorschein und legten Reliefs frei, die mit geflügelten Ungeheuern und Dämonen, Priestern mit krausen Bärten und Priesterinnen verziert waren, die Weizenähren und Obstkörbe trugen, sowie eine Prozession, Gazellen und Löwenjagden.
Diese archäologische Ekphrasis entfaltet eine Welt, die Jahrtausende vor Bell und Lawrence existierte und ihnen dennoch durch das Medium der Ausgrabung unmittelbar präsent wird. Die „Welt der Wunder“, von der Guez spricht – „un pays des Merveilles surgi de la mythologie et des Écritures“ –, ist zugleich realer historischer Befund und imaginäre Konstruktion, in der die Expeditionsteilnehmer ihre eigenen romantischen Projektionen auf die Vergangenheit überlagern.
Die mythische Topografie: Babylon, Babel, Eden
Im Zentrum der mythischen Imagination des Romans steht Babylon. Für die britischen Kolonialbeamten ist das moderne Mesopotamien untrennbar mit seiner mythischen Topografie verbunden: Das Zweistromland ist gleichzeitig der Garten Eden, das Land Abrahams, die Geburtsstätte der Schrift, der Ort der Sintflut und des Turmbaus zu Babel. Diese Überlagerung sakraler und historischer Bedeutungen verleiht dem kolonialen Projekt eine eschatologische Dimension.
Dieser Aspekt tritt besonders deutlich in der Figur des A.T. Wilson zutage, des überzeugten Kolonialisten, der die Annexion Mesopotamiens an das britische Empire befürwortet. Für Wilson ist das Projekt der Kolonisierung eine Art zivilisatorische Erlösung:
L’Éden, Sumer, Babylone : régénérer le berceau des civilisations, n’est pas une aventure coloniale comme une autre. C’est une entreprise de rédemption, prométhéenne et sacrée, l’apothéose du projet impérial, qui justifie la guerre, les morts, les sacrifices consentis.
Eden, Sumer, Babylon: Die Wiederbelebung der Wiege der Zivilisationen ist kein koloniales Abenteuer wie jedes andere. Es ist ein prometheisches und heiliges Unterfangen der Erlösung, die Krönung des imperialen Projekts, das den Krieg, die Toten und die erbrachten Opfer rechtfertigt.
Die rhetorische Struktur dieser Passage ist verräterisch: Der Kolonialismus als „prométhéenne et sacrée“ – prometheisch und heilig – instrumentalisiert die Mythologie unmittelbar für die Legitimation imperialer Gewalt. Die Verwendung der Namen Eden, Sumer, Babylon in einer einzigen Klimax verschmilzt heilsgeschichtliche und althistorische Referenzen zu einem einzigen Argument: Wer Mesopotamien kolonisiert, führt das zivilisatorische Erbe der gesamten Menschheit fort.
Guez lässt Bell selbst diese Mythologie internalisieren und mit ihr sprechen: „Il faudra patienter un siècle ou deux, peut-être un millénaire“, denkt sie über das koloniale Projekt nach – eine Bemessung in mythischer Zeit. Doch der Autor distanziert sich ironisch von dieser Logik: Die Figur Bell, die sich fühlt „wie der Schöpfer in der Mitte der Woche“ 4, die „sage-femme“ (Geburtshelferin) eines neuen Landes, erweist sich am Ende als Schöpferin eines Monsters.
Der koloniale Blick und seine archäologische Fundierung
Archäologie als epistemische Aneignung
Ein zentrales Argument des Romans ist, dass Archäologie und Kolonialismus bei Bell und Lawrence nicht zwei getrennte Tätigkeiten sind, sondern strukturell verbunden. Beide Praktiken beruhen auf einem Akt der epistemischen Aneignung: Die Archäologin gräbt fremde Kulturen aus und macht sie zum Objekt westlicher Wissenschaft; die Kolonisatorin kartiert und verwaltet fremde Territorien und macht sie zum Objekt westlicher Politik.
Diese Verschränkung zeigt sich besonders in der charakteristischen Haltung Bells gegenüber den arabischen Stämmen, die sie einerseits tief bewundert und deren Sprachen und Kulturen sie beherrscht, andererseits mit der gleichen Distanz betrachtet wie die archäologischen Objekte. Bereits die Art und Weise, wie sie ihre Geheimdienstarbeit beschreibt, ist bezeichnend:
À Miss Bell de sonder, filtrer, séduire, enrôler éventuellement.
Es ist an Miss Bell, die Lage auszuloten, zu filtern, zu verführen und gegebenenfalls zu rekrutieren.
Das Verb „sonder“ – ausleuchten, ergründen – trägt eine archäologische Konnotation: Man sondiert das Terrain nach verborgenen Schichten. Das Sondieren der Menschen durch Bell folgt derselben Logik wie das Sondieren des Bodens nach antiken Artefakten: Das Objekt des Wissens – sei es ein hittitischer Palast oder ein arabischer Stammesführer – wird vermessen, katalogisiert, für imperiale Zwecke verwertbar gemacht.
Guez zeigt zudem, wie die archäologische Expertise der Protagonisten direkt in ihre politische Arbeit einfließt. Bell und Lawrence besitzen durch ihre Ausgrabungstätigkeit Kenntnisse über Stammesstrukturen, Wasserrechte, Handelsrouten und religiöse Praktiken, die über Jahrhunderte unverändert geblieben sind. Diese Kenntnisse verschaffen ihnen einen strukturellen Vorteil gegenüber den lokalen Machteliten und den osmanischen Beamten, die das Land verwaltet hatten. Das archäologische Wissen wird zum Herrschaftswissen.
Die Deutschen als Konkurrenten: Archäologie als Geopolitik
Besonders aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang der Vergleich zwischen der britischen und der deutschen Ausgrabungstätigkeit, den Guez in die Karkemisch-Episode einflicht. Bell lobt zunächst die deutschen Archäologen, die sie gerade von Assur kannte:
Elle revenait d’Assur, l’ancienne capitale assyrienne, que la Société allemande d’Orient était en train d’excaver, et dont les fouilles l’avaient impressionnée. Elle leur signifia qu’ils travaillaient de manière rudimentaire et que leur expertise laissait à désirer comparée à celle des archéologues allemands.
Sie kam gerade aus Assur, der ehemaligen assyrischen Hauptstadt, wo die Deutsche Orientgesellschaft Ausgrabungen durchführte, und deren Ausgrabungsarbeiten sie beeindruckt hatten. Sie wies sie darauf hin, dass sie auf rudimentäre Weise arbeiteten und dass ihre Fachkenntnisse im Vergleich zu denen der deutschen Archäologen zu wünschen übrig ließen.
Diese Passage ist ironisch gebrochen: Bell kritisiert Lawrence und seinen Kollegen für ihre handwerkliche Unterlegenheit gegenüber den Deutschen – ausgerechnet jenen Deutschen, gegen die das British Empire wenige Jahre später Krieg führen wird. Die archäologische Konkurrenz zwischen Briten und Deutschen in Mesopotamien ist keine zufällige wissenschaftliche Rivalität; sie spiegelt den geopolitischen Wettbewerb um das Erbe des zerfallenden Osmanischen Reiches wider. Die Bagdadbahn, das deutsch-osmanische Bahnprojekt, das an mehreren Stellen des Romans als strategische Bedrohung für britische Interessen erwähnt wird, ist der infrastrukturelle Ausdruck dieser Konkurrenz.
Frankreich im Roman: der abwesende Rivale
Die britisch-französische Antipathie als Strukturprinzip
Die Rolle Frankreichs in MPO ist eine der literarisch interessantesten Dimensionen des Romans, gerade weil sie vielschichtig und ambivalent gestaltet ist. Frankreich ist im Roman nie eine neutrale Macht: Es ist Rivale, Feind, Hindernis und, im Epilog, implizites Warnsignal.
Die Antipathie gegenüber Frankreich ist bereits bei der ersten Begegnung zwischen Bell und Lawrence virulent. Beim gemeinsamen Gespräch in Karkemisch finden sie sofort einen gemeinsamen Nenner in ihrer Abneigung:
Des Français, que Lawrence et Gertrude abhorraient l’un comme l’autre. Il avait parcouru jeune homme la France à bicyclette, sur les traces de Richard Cœur de Lion. Les châteaux l’avaient enchanté mais il avait gardé des Français une image de boutiquiers et d’avocats, des petits bourgeois blasés terre à terre. Elle les trouvait arrogants et obscènes […].
Franzosen, die Lawrence und Gertrude beide verabscheuten. Als junger Mann war er mit dem Fahrrad durch Frankreich gereist, auf den Spuren von Richard Löwenherz. Die Schlösser hatten ihn verzaubert, doch von den Franzosen war ihm das Bild von Ladenbesitzern und Anwälten im Gedächtnis geblieben – von abgestumpften, bodenständigen Kleinbürgern. Sie fand sie arrogant und unanständig […].
Guez gibt hier den Stereotypen des britischen Frankreich-Bildes literarische Gestalt: Die Franzosen als „boutiquiers“, als „petits bourgeois“, als Schaufenster moralischer Verkommenheit. Diese Haltung ist nicht nur persönlich: Bell und Lawrence teilen „le point de vue de Burke sur la révolution de 1789“, jenen konservativen Antirevolutionismus, der die englische politische Tradition von der französischen trennt. Die Abneigung gegenüber Frankreich ist also epistemologisch fundiert: Frankreich steht für einen anderen, inkompatiblen Begriff von Politik und Gesellschaft.
Besonders erhellend ist in diesem Zusammenhang die Bemerkung Lawrences, die er während einer Besprechung mit Bell in Basra fallen lässt:
Il faut enflammer l’imagination des Arabes, et leur faire valoir qu’ils pourront se débarrasser des Turcs et renouer avec leur passé prestigieux grâce à l’Angleterre. Telle est notre mission, Gertie, et certainement pas celle des Français. Ils transformeraient la région en pétaudière. L’Entente cordiale n’est qu’une pause, nous demeurerons rivaux : à terme, l’ennemi en Syrie c’est la France.
Wir müssen die Fantasie der Araber beflügeln und ihnen klarmachen, dass sie sich dank England von den Türken befreien und an ihre glorreiche Vergangenheit anknüpfen können. Das ist unsere Aufgabe, Gertie, und ganz sicher nicht die der Franzosen. Die würden die Region in ein Chaos stürzen. Die Entente cordiale ist nur eine Pause, wir bleiben Rivalen: Letztendlich ist Frankreich der Feind in Syrien.
Diese Aussage verdient sorgfältige Analyse. Lawrence formuliert hier die implizite These des gesamten Romans: Das eigentliche strategische Ziel der britischen Nahost-Politik ist nicht nur die Niederlage der Osmanen, sondern die Eindämmung des französischen Einflusses. Die britisch-arabische Allianz, die Lawrence und Bell anstreben, ist von Anfang an auch gegen Frankreich gerichtet. Dabei berufen sie sich auf den Diskurs der „Mission“ – nur England, nicht Frankreich, könne den Arabern beim Wiederanknüpfen an ihr „passé prestigieux“ helfen.
Sykes-Picot und die Pariser Konferenz
Die Spannungen zwischen Großbritannien und Frankreich erreichen ihren Höhepunkt während der Pariser Friedenskonferenz, der Guez ein ganzes Kapitel widmet. Clemenceau, Lloyd George und Wilson erscheinen als drei grundlegend inkompatible Temperamente, die trotz gemeinsamer Siegesrhetorik vollkommen unterschiedliche Ziele verfolgen:
Pour Wilson et Lloyd George, Clemenceau est un nain hargneux obnubilé par la revanche. Pour Clemenceau et Wilson, Lloyd George est une girouette cynique, et pour Lloyd George et Clemenceau, Wilson un raseur arrogant qui veut les priver des dividendes de la victoire.
Für Wilson und Lloyd George ist Clemenceau ein mürrischer Zwerg, der von Rache besessen ist. Für Clemenceau und Wilson ist Lloyd George ein zynischer Wendehals, und für Lloyd George und Clemenceau ist Wilson ein arroganter Langweiler, der ihnen die Früchte des Sieges vorenthalten will.
Diese Charakterisierungen, die Guez aus Memoiren und historischen Quellen destilliert, haben den Charakter einer Dreieckskomödie mit katastrophalen Folgen. Clemenceaus bekannte Replik auf Wilsons Vierzehn Punkte – „Gott war so bescheiden, nur zehn Gebote zu erlassen“ 5 – erscheint im Roman als treffender Ausdruck des sardischen Realismus des Tigre, der die idealistischen Phrasen Wilsons mit der kalten Logik der Machtpolitik konfrontiert.
Die Forderungen Frankreichs werden von Guez mit einer gewissen Ambivalenz geschildert. Einerseits werden sie als imperialistisch und hegemonial dargestellt: Frankreich will die „grande Syrie“ auf der Grundlage des Sykes-Picot-Abkommens und beruft sich dabei auf seine „mission civilisatrice au Levant“. Andererseits ist Frankreich das Land, das am stärksten unter dem Ersten Weltkrieg gelitten hat:
La France est, de tous les belligérants, celui qui a le plus souffert. Un jeune Français sur quatre a été fauché, le Nord-Est, industrieux et agricole, ravagé par quatre ans de combat.
Von allen Kriegführenden hat Frankreich am meisten gelitten. Jeder vierte junge Franzose kam ums Leben, und der industriell und landwirtschaftlich geprägte Nordosten wurde durch vier Jahre Krieg verwüstet.
Diese Formulierung zwingt den Leser zu einer moralischen Differenzierung: Frankreichs Ansprüche sind nicht nur Imperialismus, sie sind auch Entschädigung, sie sind Blutschuld der anderen Alliierten gegenüber dem verwundeten Kriegsteilnehmer. Guez erlaubt sich keine simplistische Verurteilung.
Der französische Orientalismus als kolonialer Diskurs
Wenn es um den arabischen Nationalismus geht, zeichnet Guez ein vernichtendes Bild des französischen Orientalismus. Die Einschätzung des Quai d’Orsay gegenüber dem arabischen Nationalismus wird durch den Erzähler mit kalter Ironie zitiert:
on ne transforme pas une myriade de tribus en un tout cohérent […] une révolte de forçats, unie par un désir désespéré d’évasion impossible hors du bagne, du cancer inguérissable de la chair, par le moyen d’une technique guerrière de bandit, sans aucun idéal spirituel commun, menée par un être étranger à toute compréhension de la foi musulmane.
man verwandelt nicht eine Vielzahl von Stämmen in ein zusammenhängendes Ganzes […] – einen Aufstand von Sträflingen, vereint durch den verzweifelten Wunsch nach einer unmöglichen Flucht aus dem Straflager, aus dem unheilbaren Krebsgeschwür des Fleisches, mittels einer banditenhaften Kriegstechnik, ohne jegliches gemeinsames geistiges Ideal, angeführt von einem Wesen, das jeglichem Verständnis des muslimischen Glaubens fremd ist.
Dieser Abschnitt – zitiert aus den Akten des französischen Außenministeriums während des Krieges – ist ein Musterbeispiel kolonialen Diskurses im Sinne Saids: Die Araber erscheinen als homogen-primitive Masse ohne politischen Willen, als Verbrecher („forçats“), als religiös inkompetent. Der „keinerlei Verständnis für den muslimischen Glauben hat“ 6, führt die Revolte an – gemeint ist Lawrence – und wird durch diese orientalistische Optik selbst entfremdet und pathologisiert.
Indem Guez diese Einschätzung durch den Erzähler ohne expliziten Kommentar wiedergibt, aber im unmittelbaren Kontext des lebendigen Faysal und des charismatischen Lawrence stellt, entlarvt er deren Absurdität durch Kontrastmontage. Dies ist das subtile literarische Verfahren des Romans: Der kolonialdiskursive Text trägt seine eigene Widerlegung in sich.
Schließlich spielt Frankreich im Epilog eine bescheidene, aber bedeutsame Rolle. Als Bell in einem ihrer letzten Briefe über das von ihr geschaffene Irak nachdenkt, zieht sie einen expliziten Vergleich mit der französischen Syrienpolitik:
Peut-être a-t-elle créé un monstre. Peut-être a-t-elle divisé pour mal régner, tels les Français en Syrie, qui ont détaché le Liban, et gouvernent en s’appuyant sur les franges chrétiennes et alaouites.
Vielleicht hat sie ein Monster geschaffen. Vielleicht hat sie geteilt, um schlecht zu herrschen, so wie die Franzosen in Syrien, die den Libanon abgetrennt haben und nun mit Hilfe christlicher und alawitischer Randgruppen regieren.
Diese Stelle ist von großer literarischer und historischer Bedeutung: Bell vergleicht ihr eigenes koloniales Scheitern mit dem der Franzosen in Syrien. Der Vergleich ist selbstkritisch, aber auch exkulpierend – wenn Frankreich dasselbe getan hat, ist Bells Schuld relativiert. Doch Guez lässt diese Relativierung nicht unkommentiert: Die Parallele zwischen britischer Irak- und französischer Syrienpolitik bestätigt nicht Bells Unschuld, sondern die strukturelle Identität beider kolonialer Projekte.
Die postkoloniale Geschichtsperspektive: Temporalität des Versagens
Das imperiale Projekt als Chimäre
Der Roman endet nicht mit Bells Tod 1926, sondern mit einem langen postkolonialen Epilog, der die Geschichte Iraks bis in die Gegenwart verfolgt. Dieser Epilog ist das Herzstück des postkolonialen Arguments von MPO und sein eindrücklichstes literarisches Verfahren: die Beschleunigung der Zeit.
Guez fasst in wenigen Seiten Jahrzehnte katastrophalen Scheiterns zusammen: den Staatsstreich von 1958, die Massakrierung der hachimitischen Königsfamilie, Saddam Husseins Aufstieg, den Golfkrieg, die amerikanische Invasion von 2003 und schließlich den Islamischen Staat. Die Conclusio ist lapidar und vernichtend:
Depuis l’aube de l’humanité, les conquérants se succèdent en Mésopotamie dans l’espoir de mettre la main sur ses richesses naturelles.
Seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte strömen Eroberer nach Mesopotamien, in der Hoffnung, sich dessen natürliche Reichtümer anzueignen.
Diese Formulierung greift die zyklische Zeitstruktur des Prologs wieder auf und schließt den Kreis: Das britische Empire ist nicht der letzte Ausdruck eines zivilisatorischen Projekts, sondern der vorletzte Akt eines endlosen Zyklus der Konquistadoren. Nach den Briten kommen die Amerikaner – aus denselben Motiven, mit denselben Mitteln, mit denselben verheerenden Folgen.
Der Roman lässt keinen Zweifel daran, dass die von Bell gezeichneten Grenzen des Irak strukturell zum Scheitern verurteilt waren. Die drei Provinzen – Basra, Bagdad, Mosul –, die zu einem Staatswesen zusammengeführt wurden, hatten keine gemeinsame politische Identität, keine gemeinsame Geschichte als Einheit:
Les trois provinces sont rivées à des civilisations rivales, des cosmos divergents, depuis la nuit des temps. Bassora est tournée vers le sud, le golfe Persique et les Indes, Bagdad est liée au monde persan, Mossoul à la Turquie et la Syrie. Elles discordent religieusement et ethniquement.
Seit jeher sind die drei Provinzen mit rivalisierenden Zivilisationen und unterschiedlichen Kulturkreisen verbunden. Basra ist nach Süden ausgerichtet, auf den Persischen Golf und Indien, Bagdad ist mit der persischen Welt verbunden, Mosul mit der Türkei und Syrien. Sie unterscheiden sich in religiöser und ethnischer Hinsicht.
Bell weiß dies, als sie es ihrem Vater beim Abendessen in Paris verschweigt. Der Roman macht aus diesem Schweigen einen Moment der moralistischen Enthüllung: Die Architektin des irakischen Staates verfügte über das Wissen von dessen strukturellen Unmöglichkeit, und hat es unterdrückt. Diese Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln ist das eigentliche moralische Versagen, das Guez Bell anlastet – nicht die Dummheit, sondern die Komplizenschaft mit einem System, das sie durchschaute.
Das gestohlene Erbe: Museen und Erinnerungsräume
Der abschließende Satz des Epilogs ist von einer kondensiert-poetischen Qualität: „Unter den gestohlenen Werken befand sich die Bronzebüste von Gertrude Bell. Sie wurde nie wiedergefunden.“ 7 Bell hatte das Nationalmuseum von Bagdad gegründet, um die archäologischen Schätze Mesopotamiens für die irakische Nation zu bewahren. Das Museum wurde 2003, in den ersten Tagen der amerikanischen Invasion, geplündert – während die GIs untätig zusahen. Die Büste Bells, gestohlen aus dem Museum, das sie selbst gegründet hatte, ist ein Symbol von seltener Schärfe: Das koloniale Subjekt, das die Vergangenheit ausgrub und bewahrte, wurde selbst zur ausgegrabenen und verlorenen Sache.
Guez fügt dem eine weitere Ebene hinzu, indem er auf die Zerstörungswut des Islamischen Staats verweist:
Ses zélotes fanatiques avaient auparavant dévasté les sites archéologiques, les vieux monastères et les anciennes mosquées sous leur contrôle, dégradant de manière irrémédiable le patrimoine mondial de l’humanité. La déprédation de l’héritage culturel mésopotamien avait commencé dès les premiers jours de l’invasion américaine en 2003.
Seine fanatischen Anhänger hatten zuvor die archäologischen Stätten, alten Klöster und historischen Moscheen in ihrem Einflussbereich verwüstet und damit das Weltkulturerbe unwiderruflich geschädigt. Die Plünderung des mesopotamischen Kulturerbes hatte bereits in den ersten Tagen der US-Invasion im Jahr 2003 begonnen.
Die Zerstörung des archäologischen Erbes durch den IS ist eine grausame Ironie der postkolonialen Geschichte: Die Artefakte, die Bell und ihre Zeitgenossen aus dem Boden hoben, wissenschaftlich katalogisierten und zum Teil nach London oder Paris brachten – also ebenfalls einer Form der kolonialen Enteignung unterwarfen –, wurden nun von einem anderen Gewaltregime zerstört. Der lange Bogen der Zerstörung verbindet die imperiale Aneignung mit dem antikolonialen Furor: Beide enden in Verlust.
Gertrude Bell als tragische Figur der postkolonialen Literatur
Olivier Guez konstruiert Bell als zutiefst widersprüchliche Figur, die die innere Logik des kolonialen Systems ebenso verkörpert wie dessen Grenzen und Widersprüche. Bell ist Feministin und Anti-Suffragistin, Liebende und Vereinsamte, Archäologin und Geheimdienstlerin, Bewunderin arabischer Kultur und Vollziehungsbeamtin des britischen Imperiums. Diese Widersprüche sind kein psychologisches Paradoxon – sie sind strukturelle Widersprüche des kolonialen Projekts selbst.
Die Schlussszene des eigentlichen Romans – Bell zu Pferde am Rand der Wüste, kurz vor ihrem Tod – fasst diese Ambivalenz zusammen: Sie betrachtet das Land, das sie geformt hat, ein Land, das ihr Werk und ihre Täuschung ist:
Gertrude contemple la beauté crue de l’horizon, le pays qu’elle a modelé. […] Son œuvre est achevée : l’Irak de bric et de broc, multiconfessionnel et pluriethnique, s’étendra du golfe Persique aux montagnes kurdes.
Gertrude betrachtet die raue Schönheit des Horizonts, das Land, das sie gestaltet hat. […] Ihr Werk ist vollendet: Der aus allerlei Flickwerk entstandene, multikonfessionelle und multiethnische Irak wird sich vom Persischen Golf bis zu den kurdischen Bergen erstrecken.
Der Ausdruck „de bric et de broc“ – zusammengestückelt, aus Fetzen und Resten –, ist Bells eigene innere Einschätzung ihres Lebenswerks. Sie hat einen Flickenteppich genäht und weiß es. In dieser Selbsterkenntnis liegt etwas Tragisches und zugleich Hoffnungsloses: Das Wissen kommt zu spät, ändert nichts und rettet niemanden.
Der Erinnerungsroman als postkoloniale Form
Literatur zwischen Geschichtsschreibung und Fiktion
Guez verortet seinen Roman explizit im Grenzbereich zwischen historischem Roman und Geschichtsschreibung. Im Anhang listet er eine umfangreiche Bibliografie auf, die von Archiven über Memoiren bis zu wissenschaftlichen Monografien reicht. Zugleich betont er, dass MPO ein Roman ist – eine Gattungsbezeichnung, die den Anspruch erhebt, durch die Fiktion Wahrheiten zu erfassen, die der Geschichte als Disziplin verschlossen bleiben.
Die literarische Entscheidung, Bells Innenperspektive zu fokalisieren, erlaubt Guez etwas, was historiografischen Texten verwehrt bleibt: die Darstellung des Bewusstseins einer Kolonialisatorin in Echtzeit. Wir sehen, wie Bell ihre Widersprüche erlebt, rechtfertigt, verdrängt. Wir sehen, wie das imperiale Subjekt sich selbst als heroisch und notwendig konstruiert – und wie diese Konstruktion sukzessive zerbricht.
In dieser Hinsicht ist MPO im Sinne von Homi Bhabha ein Text, der die „ambivalence of colonial discourse“ literarisch sichtbar macht: Der Kolonisator ist nie vollständig sicher in seiner Herrschaft, nie vollständig überzeugt von seinem Recht. Die Faszination für den Anderen – die arabische Welt, die beduinische Lebensweise – und die Herrschaft über ihn sind untrennbar verbunden.
Das Schweigen der Geschichte: Geschlecht und Kolonialismus
Schließlich ist MPO auch ein Buch über das Schweigen der Geschichte gegenüber Frauen. Die Devise des Verlags – „Sie kennen sie nicht, doch sie hielt die Welt in ihren Händen“ 8 – benennt das feministische Anliegen des Romans. Bell war eine der mächtigsten Persönlichkeiten des britischen Empires in einer entscheidenden Epoche; dennoch wurde sie von der Geschichtsschreibung marginalisiert, während Lawrence, Churchill und Faysal zu Mythen wurden.
Guez rehabilitiert Bell nicht unkritisch – er zeigt ihre Fehler, ihre Arroganz, ihre Komplizenschaft –, aber er insistiert auf der Ungerechtigkeit ihrer Unsichtbarkeit. Dass eine Frau die Grenzen des Irak zeichnete und ein nationales Museum gründete, während männliche Kollegen die Kredite ernteten, ist exemplarisch für das patriarchale System, das Bell selbst – paradoxerweise – gegen das Wahlrecht der Frauen verteidigte.
Schluss: Mesopotamien als Spiegel der Gegenwart
Olivier Guez‘ MPO ist, bei aller biographischen Detaildichte, ein Roman über die Dauerhaftigkeit der imperialen Logik. Das Zweistromland, das älteste Kulturland der Menschheit, funktioniert im Text als ein Spiegel, der die Gegenwart durch die Vergangenheit reflektiert – und umgekehrt. Der zyklische Zeitrhythmus des Romans – von Sumer über Alexander, Cäsar, die ersten Kalifate, das britische Empire bis zur amerikanischen Invasion von 2003 – macht deutlich, dass das Scheitern kolonialer Projekte keine historische Ausnahme ist, sondern ihre strukturelle Norm.
Frankreich erscheint in diesem Panorama als Konkurrent, Spiegel und Warnzeichen: konkurrierend mit Großbritannien um dasselbe imperiale Erbe, spiegelnd in seiner strukturell analogen Syrienpolitik, warnend durch sein Scheitern, das Bells eigenem vorausgeht. Die britisch-französische Rivalität im Nahen Osten, die von Bell und Lawrence mit fast persönlicher Leidenschaft betrieben wurde, war letztlich eine rivalisierende Variante desselben Projekts – ein Faktum, das der Roman durch seine epische Distanz deutlicher macht als jede direkte Anklage.
Das gestohlene Bronzeporträt Gertrude Bells ist das letzte Bild des Romans: Wer die Geschichte schreibt, kann von der Geschichte ausgelöscht werden. Die Kolonisatorin, die Mesopotamien für das britische Empire erschloss und seinen Museumsschatz inventarisierte, verschwand aus dem Museum, das sie gegründet hatte. Der Epilog des Romans schließt mit dem Zitat Lawrences:
Les rêveurs du jour sont des hommes dangereux, car ils peuvent agir leur rêve les yeux ouverts, pour le rendre possible.
Die Träumer von heute sind gefährliche Menschen, denn sie können ihren Traum mit offenen Augen verwirklichen, um ihn möglich zu machen.
Bell und Lawrence waren Tagträumer: Sie verwirklichten ihren Traum, der für Millionen Menschen zur Realität eines misslungenen Staates, jahrzehntelanger Gewalt und schließlich des Islamischen Staats wurde. Guez‘ Roman ist die literarische Abrechnung mit diesem Traum: luzide und elegisch, dabei ohne falsche Entschuldigung.
Dieser Beitrag ist auf Deutsch verfasst unter https://rentree.de, es existieren automatische Übersetzungen in englischer und französischer Sprache: Englisch, Französisch.
Anmerkungen- In Ermangelung der dt. Übersetzung wurden die folgenden Übertragungen wie hier üblich von mir angefertigt.>>>
- Vgl. dazu: Georgina Howell, Gertrude Bell: Queen of the Desert, Shaper of Nations (London: Macmillan, 2006). – Janet Wallach, Desert Queen: The Extraordinary Life of Gertrude Bell (New York: Doubleday, 1996).>>>
- „Comme au temps d’Abraham, il n’y a ni route carrossable ni chemin de fer dans le sud de la Mésopotamie.“>>>
- „comme le Créateur au milieu de la semaine“>>>
- „Dieu avait eu la modestie de ne prescrire que dix commandements“>>>
- „être étranger à toute compréhension de la foi musulmane“>>>
- „Parmi les œuvres volées figurait le buste en bronze de Gertrude Bell. Il n’a jamais été retrouvé.“>>>
- „Vous ne la connaissez pas, pourtant elle a tenu le monde entre ses mains“>>>