Im Zustand permanenter Jagd: Éric Vuillards Erstlingsroman

Welt ohne Schutzräume

Éric Vuillards Erstlingsroman Le Chasseur (Éditions Michalon, 1999) ist eine radikal subjektive Parabel über Angst, Verfolgung und Identität, die in einer allegorischen Jagdsituation die Erfahrung existenzieller Bedrohung durchspielt. Gegenüber den späteren historischen Récits verschiebt sich bei ihm der Fokus deutlich: vom abstrakten, namenlosen „Gibier“ hin zu konkret verorteten historischen Figuren und Situationen, bei gleichzeitiger Kontinuität des Interesses an Macht, Gewalt und Inszenierung. Gleichwohl sind die späteren historischen Récits, die im Gegensatz zum Premier Roman Vuillards ins Deutsche übersetzt sind, hier bereits angelegt.

Vuillards Le Chasseur ist ein schmaler, aber gedanklich radikaler Text, der in 48 kurzen Kapiteln eine einzige Grundsituation variiert: das Dasein im Zustand der permanenten Jagd. Diese formale Zersplitterung – Miniaturen, die wie Atemstöße oder Gedankenschübe wirken – spiegelt die innere Verfassung des Erzählers. Es gibt keine kontinuierliche Handlung im klassischen Sinn, keine Entwicklung im äußeren Geschehen, vielmehr eine fortwährende Verschiebung von Perspektiven, Hypothesen und Selbstdeutungen. Gerade dadurch wird die Jagd nicht als episodisches Ereignis, vielmehr als Totalzustand erfahrbar.

Formal ist Le Chasseur in 48 kurze Abschnitte gegliedert, die eher wie gedankliche Sondierungen als wie Szenen eines Plots funktionieren. Die Sätze sind häufig lang, hypotaktisch und voller Parenthesen, Selbstkorrekturen und Fragen, was dem Text eine essayistisch‑philosophische, stellenweise delirierende Tonlage gibt.

Es gibt fast keine Ort- oder Zeitmarkierungen; das „territoire“, der Wald, die Wüste am Rand bleiben abstrakte Räume, die vor allem psychische Zustände spiegeln. Das Verfahren erinnert an einen literarischen Versuch im Fantastischen: Die Kritik hebt hervor, dass die Stärke des Romans gerade in der „hésitation“ liegt, ob wir eine reale Jagd, einen psychotischen Monolog oder eine monströse Metamorphose (Lykanthrop, „loup‑garou“) vor uns haben.

Der Roman ist vollständig als Ich-Monolog eines isolierten Wesens gebaut, das sich in einem weiten Territorium allein gelassen sieht und die „ouverture de la chasse“ als Urszene seiner Erinnerung und seines Bewusstseins erzählt. Der Erzähler schwebt dabei ambivalent zwischen Tier und Mensch: er „gibt sich nacheinander als Nagetier, Grabtier, Raubtier“, ohne je eindeutig als bestimmtes Tier oder als Mensch festgelegt zu werden.

Diese Unbestimmtheit erzeugt eine permanente interpretative Schwebe: Der Text lässt sich als phantasmatische Innenwelt eines gehetzten Tiers lesen, ebenso aber als Rede eines von Verfolgungswahn gezeichneten Subjekts, was die Kritik mit Maupassants Horla und Dostojevskijs Aufzeichnungen aus dem Kellerloch in Verbindung gebracht hat. Im Verlauf wird zudem angedeutet, dass der Verfolger vielleicht gar nicht existiert oder dass Jäger und Gejagter ineinander übergehen, was die Grenze zwischen Außenbedrohung und innerer Zerrissenheit systematisch verwischt.

Gleich zu Beginn entwickelt der Erzähler eine kleine Rechtstheorie der Jagd: Früher habe es Beginnt und Schluss, Kalender und Sanktionen gegeben, während die Jagd inzwischen „déclarée ouverte une fois pour toutes“ sei. Daraus entsteht ein Bild des Ausnahmezustands, in dem der „droit de vie et de mort“ sich als reines „droit de mort“ entlarvt und jede Möglichkeit von Reparation oder Ersatz abgeschafft ist.

Die Konfliktachse Jäger/Beute wird so als Metapher für Machtverhältnisse überhaupt lesbar: Der Jäger steht zugleich für gesetzlich legitimierte Gewalt, paternalistische Fürsorge und sadistische Lust am Töten, während die Beute zwischen Ressentiment, dankbarer Abhängigkeit und selbstzerstörerischer Sehnsucht nach Anerkennung schwankt. Der Erzähler fantasiert wiederholt, der Jäger könnte ihn ebenso beschützen wie vernichten, ihn als „ultime rejeton d’une espèce“ in einer unsichtbaren Reserve konservieren oder als Trophäe zubereiten lassen, bis hin zur imaginierten Szene, wie sein Fleisch auf dem Tisch der Jäger verzehrt wird.

Bereits im ersten Kapitel wird deutlich: Die Jagd hat keinen klaren Anfang. Der Erzähler kann sich nicht erinnern, wann sie eröffnet wurde; er vermutet, sie sei mit seiner Geburt identisch. Diese Gleichsetzung ist entscheidend. Vuillard etabliert hier eine existentielle Grundfigur. Jagd ist nicht ein Vorgang innerhalb der Welt, sie ist das Strukturprinzip der Welt selbst. Früher, so heißt es, habe es Schonzeiten gegeben – geregelte Perioden, in denen das Wild nicht verfolgt wurde. Diese Erinnerung an eine Ordnung wirkt wie ein Echo verlorener Zivilisation. Nun aber ist die Jagd „definitiv offen“: eine Welt ohne Schutzräume, ohne Pausen, ohne Gnade.

Das Leben erscheint als permanentes Gejagtsein. Der Erzähler bleibt zurück, während andere fliehen – aus Unfähigkeit zur Entscheidung oder aus einer diffusen Starre heraus. Diese Passivität markiert ihn von Beginn an als Grenzfigur: weder aktiv kämpfend noch erfolgreich fliehend, vielmehr verharrend im Zwischenraum. Die Jagd wird zur Bedingung seiner Identität. Ohne sie wäre er nichts.

Il me semble avoir su que jadis la chasse n’était pas ouverte tout au long de l’année. Elle connaissait des périodes d’ouverture et de fermeture, intermittentes, et cela de manière régulière. Il devait y avoir un calendrier où se trouvaient consignées les dates entre lesquelles elle était autorisée. […] Depuis bien longtemps il n’existe plus aucune date d’ouverture ou de fermeture pour la chasse. Elle fut, il y a maintenant de très nombreuses années, déclarée ouverte une fois pour toutes. Dès lors, l’immense majorité des bêtes a quitté le territoire. Elles partirent dans une espèce de désordre indescriptible, avec la volonté farouche de s’en sortir. Sur tout cela j’ai eu le temps de me bâtir une opinion des plus solides.

Ich glaube mich zu erinnern, dass früher die Jagdsaison nicht das ganze Jahr über geöffnet war. Es gab regelmäßige, zeitweilige Eröffnungs- und Schlusszeiten. Es muss einen Kalender gegeben haben, in dem die Daten festgehalten wurden, zwischen denen die Jagd erlaubt war. […] Seit langem gibt es keine Eröffnungs- oder Schlussdaten für die Jagd mehr. Vor vielen Jahren wurde sie ein für alle Mal für geöffnet erklärt. Seitdem hat die überwiegende Mehrheit der Tiere das Gebiet verlassen. Sie zogen in einer Art unbeschreiblicher Unordnung davon, mit dem wilden Willen, zu überleben. Über all das habe ich mir eine sehr gefestigte Meinung gebildet.

Dieser Auszug steht am Beginn des Romans und formuliert die grundlegende Prämisse der Erzählwelt. Er markiert den Übergang von einer regulierten, rechtlich gefassten Jagd zu einem Zustand totaler Gesetzlosigkeit. Vuillard beschreibt hier die Transformation der Jagd von einem sportlichen Ereignis hin zu einer ontologischen Konstante. Die Beute existiert nicht mehr in einem Wechselspiel von Sicherheit und Gefahr, sondern in einer Welt, in der die Bedrohung zeitlos geworden ist. Diese „Eröffnung der Jagd ein für alle Mal“ entzieht dem Leben jede Vorhersehbarkeit und macht die Angst zum dauerhaften Begleiter.

Isolation und Singularität des Jägers

Der Erzähler ist ein isoliertes Wesen, das auf einem weiten Territorium lebt und sich selbst wechselweise als Nager, Gräber oder Fleischfresser identifiziert, wobei seine exakte biologische Natur unklar bleibt. Er glaubt, dass er von seinen Artgenossen oder Eltern am Tag der Eröffnung der Jagd – die möglicherweise mit seiner Geburt zusammenfiel – als minderwertig oder „nicht lebensfähig“ zurückgelassen wurde. Diese tiefe Unsicherheit über seine Identität führt zu Spekulationen, er könne entweder der Nachfahre eines verwilderten Hundes oder sogar ein ausgesetztes Kind des Jägers sein, das Fragmente eines früheren häuslichen Lebens in sich trägt.

Sein gesamtes Dasein ist vollständig vom Überlebenskampf und der permanenten Jagd bestimmt, die keine Schonzeiten mehr kennt und sein Gedächtnis sowie seine Wahrnehmung dominiert. Er verbringt seine Zeit fast ausschließlich mit der mühsamen Nahrungssuche, dem Ausruhen und der rastlosen Flucht, wobei er von extremer Paranoia und der ständigen Sorge geplagt wird, verräterische Spuren zu hinterlassen. Physisch wirkt er degeneriert; so sind seine Krallen zu feinen, zerbrechlichen Nägeln geworden, was ihn unfähig macht, sich eine schützende Höhle zu graben. Zudem leidet er unter Zuständen der Depersonalisierung, in denen er seine eigenen Körperkonturen als zweifelhaft und seine Existenz als unwahrscheinlich empfindet.

L’absence du chasseur aurait été pour moi bien plus atroce que la menace permanente qu’il faisait peser sur mes jours. Je l’aurais sans doute vécue comme un renoncement, une trahison perpétrée contre le sentiment que je pouvais avoir de mon importance. L’embarras sans borne dans lequel il me tenait me fournit l’occasion d’être occupé ; car si je n’avais pas la curiosité ni le désir de me déplacer, il m’obligeait à le faire, ainsi qu’à prendre quelques initiatives. Le sentiment très fort d’être son seul gibier, et finalement une sorte d’objet si précieux qu’il consacrait sa vie à ma recherche, me justifiait. J’aimais sentir son désir tendu vers moi. Il sollicitait ma présence ; et, souhaitant parvenir un jour ou l’autre à m’abattre, il m’aurait peut-être soigné, si ma vie avait été en péril.

Die Abwesenheit des Jägers wäre für mich viel schlimmer gewesen als die ständige Bedrohung, die er für mich darstellte. Ich hätte es zweifellos als Verzicht empfunden, als Verrat an meinem Selbstwertgefühl. Die grenzenlose Verlegenheit, in der er mich hielt, gab mir die Möglichkeit, beschäftigt zu sein; denn wenn ich nicht die Neugier oder den Wunsch hatte, mich zu bewegen, zwang er mich dazu und dazu, einige Initiativen zu ergreifen. Das sehr starke Gefühl, sein einziges Wild zu sein und letztlich eine so wertvolle Beute, dass er sein Leben meiner Suche widmete, rechtfertigte mich. Ich mochte es, sein Verlangen nach mir zu spüren. Er begehrte meine Anwesenheit; und da er mich irgendwann erlegen wollte, hätte er sich vielleicht um mich gekümmert, wenn mein Leben in Gefahr gewesen wäre.

Diese Passage verdeutlicht die psychologische Abhängigkeit des Opfers von seinem Verfolger. Er zeigt auf, dass das isolierte Wesen seine eigene Bedeutung erst durch die Aufmerksamkeit des Jägers erfährt, eine perverse Form von Anerkennung. Die Jagd wird hier fast wie eine exklusive Bindung beschrieben. Der Erzähler zieht aus der Tatsache, dass jemand sein gesamtes Leben darauf verwendet, ihn zu finden, ein Gefühl von Stolz und Existenzberechtigung. Ohne den Jäger wäre er nicht nur sicher, vielmehr – was in dieser Logik schlimmer ist – vollkommen bedeutungslos und allein.

Die Beziehung zum Jäger ist durch eine tragische Ambivalenz gekennzeichnet: Obwohl er den Jäger als Mörder fürchtet, betrachtet er ihn gleichzeitig als seinen einzigen Freund und Verbündeten, da erst die Aufmerksamkeit des Verfolgers seinem Leben eine Bedeutung verleiht. Er empfindet eine fast erotische Faszination für die Bedrohung, sehnt sich nach einer „häuslichen Zärtlichkeit“ oder Domestizierung und sucht in Momenten der Verzweiflung sogar die Nähe seines Schlächters. Letztlich akzeptiert er seine Rolle als ewige Beute so weit, dass er den finalen Schuss als einen Akt der Bestimmung und Erlösung begreift, bei dem das Projektil und die Vorstellung davon gleichzeitig seinen Geist durchdringen

In den frühen Kapiteln verdichtet sich die Isolation. Die „Horde“ ist verschwunden; die Gemeinschaft hat ihn verlassen oder geopfert. Übrig bleibt nur die Beziehung zum Jäger. Auffällig ist die konsequente Singularisierung: Auch wenn es mehrere Jäger geben könnte, spricht der Erzähler vom Jäger im Singular. Diese Reduktion hat symbolische Kraft. Der Jäger wird zur archetypischen Figur – Verkörperung von Autorität, Ordnung, Gesetz, Gewalt.

Gleichzeitig erscheint er ambivalent. Er ist Quelle von Chaos und Panik, aber auch der einzige Garant von Struktur. In einer entvölkerten Welt ist der Jäger der letzte Bezugspunkt. Die Jagd stiftet ein paradoxes Band: Sie isoliert das Opfer von allen anderen, bindet es aber umso enger an den Verfolger. Diese Beziehung entwickelt rasch Züge einer emotionalen Abhängigkeit. Der Erzähler empfindet Zuneigung, ja eine Form von Dankbarkeit gegenüber seinem „Schlächter“. Hier öffnet sich eine psychologische Lesart: Das Gejagtsein produziert eine Art Stockholm-Syndrom. Das Opfer internalisiert die Perspektive des Täters, sucht in ihm Anerkennung.

Mit fortschreitender Handlung begreift sich der Erzähler als Anomalie. Vielleicht sei er zurückgelassen worden, weil er nicht „lebensfähig“ gewesen sei. Doch diese Selbstabwertung kippt in Stolz. Er sei ein „Exemplar“, eine eigene Spezies. Die Jagd verwandelt das Individuum in ein Objekt naturkundlicher Betrachtung. Das Opfer existiert nur noch als Fall, als seltenes Stück, als letztes Glied einer aussterbenden Reihe.

Hier wird die Jagd zum Selektionsmechanismus, der an darwinistische oder biopolitische Diskurse erinnert. Der Jäger entscheidet über Leben und Tod, über Fortbestand und Ausmerzung. Zugleich aber braucht er das Exemplar, um seine eigene Rolle zu legitimieren. Ohne Beute kein Jäger. Diese wechselseitige Abhängigkeit bildet ein zentrales Motiv des Romans.

Entgrenzung und Gier: Die Jagd als Konsum

In Kapitel 4 degeneriert die Jagd zur reinen Zerstörungswut. Der Jäger tötet nicht mehr zur Nahrungssuche, er häuft Fleischberge an, die verrotten. Dieses Bild evoziert Überproduktion, Verschwendung, Maßlosigkeit. Die Jagd wird zur Allegorie auf eine konsumistische Logik, in der Akkumulation Selbstzweck ist. Das Töten dient nicht mehr einem Kreislauf, es erzeugt Abfall.

Doch auch hier bleibt die Ambivalenz bestehen. Selbst in der Regellosigkeit scheint ein „Gesetz der Begierde“ fortzuwirken. Totale Freiheit erweist sich als neue Form der Knechtschaft: Der Jäger ist Gefangener seiner eigenen Triebe. Gewalt ist nicht souveräne Tat, sondern Zwang.

Reservat, Überwachung, totalitäre Fürsorge

Ein entscheidender Wendepunkt liegt in der Umkehrung der Perspektive: Der Erzähler imaginiert, er sei vielleicht nicht gejagt, im Gegenteil geschützt – konserviert als letztes Exemplar in einem grenzenlosen Reservat. Sicherheit erscheint als perfide Strategie. Der Jäger wird zum Wärter, der das Opfer am Leben erhält, um die Jagd fortsetzen zu können.

Diese Lesart eröffnet eine politische Dimension. Die Jagd ähnelt einem totalitären System, das seine Untertanen überwacht, kontrolliert, bewahrt – nicht aus Fürsorge, sondern zur Stabilisierung seiner eigenen Macht. Das Schlimmste ist hier nicht der Tod, vielmehr die Unmöglichkeit, über das eigene Leben zu verfügen. Selbst Selbstmord erscheint verwehrt. Die Jagd ist ein Regime.

Zeichen, Spuren, Selbstsabotage

Besonders eindrucksvoll entfaltet Vuillard die Jagd als semiotisches Spiel. Spuren im Boden, Gerüche, Markierungen – all dies wird zu einem System von Zeichen. Der Erzähler fürchtet, sich zu verraten, empfindet aber zugleich Lust daran, Spuren zu hinterlassen. In dieser Ambivalenz spiegelt sich das Grunddilemma des Subjekts: Der Wunsch zu überleben verlangt Unsichtbarkeit; der Wunsch zu existieren verlangt Sichtbarkeit.

Die Jagd wird damit auch zur Metapher für Anerkennung. Gesehen zu werden bedeutet Gefahr – aber nicht gesehen zu werden bedeutet Nichtexistenz. Der Erzähler sabotiert sich selbst, weil er ohne Blick des Jägers seine Identität verliert.

Erotisierung der Gewalt

Im Mittelteil intensiviert sich die erotische Dimension. Das Verhältnis von Jäger und Beute wird als Liebesdynamik inszeniert. Annäherung und Entzug, Provokation und Versteckspiel erinnern an Balzrituale. Der Erzähler nimmt eine „weibliche“ Rolle ein, schürt Begehren und entzieht sich zugleich. Später imaginiert er sich tatsächlich als Weibchen, das nicht getötet, sondern begattet werden soll.

Un jeu débute alors dont nous suivons les règles fort simples et connues de nous sans qu’il soit utile de les énoncer. Le jeu consiste pour le chasseur à se rapprocher doucement de moi, à savoir estimer les périmètres qu’il ne pourra que petit à petit enfreindre. Ces orbites provisoires, il lui faudra les parcourir une à une. Je sens naître en moi une tendresse domestique. L’enjeu, pour le chasseur, c’est de parvenir à m’apprivoiser, à déposer en un geste amical, le plus semblable possible à la caresse, un licol autour de mon cou. Peut-être que les caresses qu’il me réserve suffiront à me domestiquer. Il se peut qu’en elles le licol puisse invisiblement se nouer à moi. Je lui serai, à l’issue de ce premier contact, attaché. Je reviendrai dès lors à lui sans même qu’il siffle.

Es beginnt ein Spiel, dessen einfache und uns bekannte Regeln wir befolgen, ohne dass es notwendig wäre, sie auszusprechen. Das Spiel besteht darin, dass sich der Jäger langsam mir nähert und dabei die Grenzen abschätzt, die er nur nach und nach überschreiten kann. Diese provisorischen Bahnen muss er eine nach der anderen durchlaufen. Ich spüre, wie in mir eine häusliche Zärtlichkeit entsteht. Die Herausforderung für den Jäger besteht darin, mich zu zähmen und mir mit einer freundlichen Geste, die einer Liebkosung möglichst ähnlich ist, ein Halfter um den Hals zu legen. Vielleicht reichen die Liebkosungen, die er mir zukommen lässt, aus, um mich zu zähmen. Möglicherweise kann sich das Halfter dadurch unsichtbar an mich binden. Nach diesem ersten Kontakt werde ich ihm verbunden sein. Ich werde zu ihm zurückkehren, ohne dass er pfeifen muss.

In den Traumsequenzen des Romans verschiebt sich die Dimension der Jagd hin zu Sexualität und Unterwerfung. Funktionell dient dieser Teil dazu, die Macht des Jägers als etwas Verführerisches darzustellen. Die Jagd wird hier als ein Zähmungsprozess interpretiert, bei dem das Opfer aktiv an seiner eigenen Domestizierung mitwirkt. Die Grenze zwischen einer gewaltsamen Fessel und einer liebevollen Berührung („caresse“) wird bewusst verwischt. Es zeigt die tiefste Stufe der Niederlage der Beute: den Moment, in dem sie die Macht des Jägers nicht mehr bekämpft, sich vielmehr nach der Geborgenheit in der Abhängigkeit sehnt.

Hier verschmelzen Eros und Thanatos radikal. Der Brunftschrei wird zur Lockpfeife, die ins Gewehr führt; die Mündung erscheint als Vulva. Der Jäger nutzt den Fortpflanzungstrieb, um den Tod zu bringen. Die Jagd wird zum sexuellen Spiel, in dem Unterwerfung und Lust ununterscheidbar sind. Gleichzeitig entlarvt Vuillard diese Fantasien als fragile Konstruktionen: Der Traum von Domestizierung endet im Biss, im gewaltsamen Erwachen.

Metaphysik der Angst, Zweifel an der Realität

Mit zunehmender Dauer entmaterialisiert sich der Jäger. Er bleibt gesichtslos, ein „Loch in der Erinnerung“. Die Bedrohung wird abstrakt, metaphysisch. Der „absolute Prädator“ ist weniger Person als Prinzip. Angst wird zum zentralen Motor. Der Erzähler versucht, seine Angst zu „bewirtschaften“, sie zu zähmen, zärtlich zu behandeln.

Hier erreicht der Roman eine philosophische Tiefe. Jagd ist nicht mehr nur soziale oder politische Struktur, sondern Ausdruck eines universellen Gesetzes: der Sterblichkeit. Der Jäger ist der Tod, die Zeit, das Vergehen. Indem der Erzähler seine Angst akzeptiert, erkennt er sie als einzige Gewissheit.

Il me paraît qu’à rendre le chasseur responsable de cette emprise je veuille expliquer, à moindres frais et pour le mieux, un phénomène en réalité bien plus obscur et peut-être beaucoup plus général que tout ce qui se rapporte à lui. Rattacher ces crises passagères à l’omniprésence du chasseur a de quoi rassurer ; cela m’évita sans doute une peur plus grande. Car il se peut qu’il y ait quelque chose d’autre que le chasseur, une espèce de prédateur absolu qu’il est impossible d’espérer fuir ou surprendre, quelque chose qui toujours se tient derrière, tapi dans l’inaccessible, là où nul ne pourra jamais prétendre pénétrer. On ne peut dire ce qui s’y trame, ni s’il s’agit des fils invisibles où nos gestes et nos paroles sont accrochés, ni s’il s’agit du filet où nos vies en tombant seraient faites prisonnières. Tout ce que je sais, c’est qu’il n’y a certainement rien de rassurant dans cette coulisse, rien qui puisse venir infirmer l’inquiétude qu’elle suscite.

Es scheint mir, dass ich, indem ich den Jäger für diesen Einfluss verantwortlich mache, mit geringem Aufwand und auf die beste Weise ein Phänomen erklären möchte, das in Wirklichkeit viel undurchsichtiger und vielleicht viel allgemeiner ist als alles, was mit ihm zu tun hat. Diese vorübergehenden Krisen mit der Allgegenwart des Jägers in Verbindung zu bringen, hat etwas Beruhigendes; es hat mir zweifellos eine größere Angst erspart. Denn es könnte etwas anderes als den Jäger geben, eine Art absolutes Raubtier, vor dem man unmöglich fliehen oder das man überraschen kann, etwas, das immer hinter einem steht, versteckt im Unzugänglichen, wo niemand jemals behaupten kann, eindringen zu können. Man kann nicht sagen, was sich dort abspielt, ob es sich um unsichtbare Fäden handelt, an denen unsere Gesten und Worte hängen, oder um ein Netz, in dem unsere Leben gefangen werden, wenn sie fallen. Ich weiß nur, dass es in diesen Kulissen sicherlich nichts Beruhigendes gibt, nichts, was die Unruhe, die sie hervorrufen, zerstreuen könnte.

In der Mitte des Buches erfährt die Jagd eine Abstraktion ins Metaphysische. Der konkrete Jäger wird hier als eine Art „beruhigendes“ Greifbares entlarvt, das nur eine tiefere, unbenennbare Bedrohung maskiert. Vuillard thematisiert hier die Existenzangst an sich. Die Jagd ist nur das äußere Bild für eine Welt, die im Kern aus Vernichtung und Überwachung besteht. Das „absolute Raubtier“ ist keine Person mehr, es ist das Prinzip der Sterblichkeit oder eines feindseligen Universums. Es ist die Erkenntnis, dass das Gefangensein nicht durch eine Flucht beendet werden kann, da das Netz (die „coulisse“) die gesamte Realität umfasst.

Mehrfach stellt der Text seine eigene Prämisse infrage. Vielleicht ist die Jagd längst verboten; vielleicht ist sie nur Folklore, ein Wahn. Vielleicht ist der Erzähler ein Versuchskaninchen, der Jäger ein Krankenpfleger. Diese Hypothesen destabilisieren jede eindeutige Lesart. Die Jagd wird zum psychologischen Konstrukt, zum Ritual eines einsamen Wesens, das Sinn sucht.

Diese Unsicherheit bestimmt die Modernität des Romans. Er verweigert klare Allegorie. Die Jagd ist zugleich real und imaginär, konkret und symbolisch.

Conclusion

Le Chasseur als Erstlingsroman

Im Vergleich zwischen Le Chasseur und den späteren Récits von Éric Vuillard – etwa Conquistadors, Congo, La bataille d’Occident, 14 juillet oder L’ordre du jour – zeigt sich eine markante poetologische und epistemologische Verschiebung.

Während Le Chasseur geschichtlich unbestimmt bleibt und als zeit- und ortlose Allegorie konzipiert ist, sind die späteren Texte strikt historisch verankert. Sie beziehen sich auf klar datierbare Ereignisse wie die Eroberung des Inkareichs, den Kolonialkrieg im Kongo, den Ersten Weltkrieg, die Französische Revolution oder den „Anschluss“ Österreichs 1938. Die Geschichte dient hier nicht mehr als abstrakte Folie, sondern als konkret recherchierter, archivalisch gestützter Stoff, der narrativ verdichtet und kommentierend zugespitzt wird.

Auch die Erzählstimme verändert sich grundlegend. In Le Chasseur dominiert ein Ich-Monolog, der eine labyrinthische Bewusstseinslage entfaltet. Diese Stimme ist radikal subjektiv, wechselt zwischen Wahn und Erkenntnis und bleibt in ihrer Perspektive unzuverlässig. Die späteren Récits hingegen arbeiten meist mit einer auktorialen oder kollektiven Instanz – häufig in einem „nous“, das schildert, reflektiert und moralisch pointiert. Der Ton wird essayistisch-didaktisch; die Erzählinstanz greift ordnend ein, kommentiert historische Akteure und exponiert strukturelle Zusammenhänge.

Parallel dazu verschiebt sich die Figurenkonzeption. In Le Chasseur begegnen ausschließlich anonyme, exemplarische Stimmen: Beute, Jäger, Hunde. Die Figuren sind bewusst entindividualisiert, tragen keine Eigennamen und agieren als allegorische Rollen in einem anthropologischen Szenario von Verfolgung und Bedrohung. In den späteren Werken treten dagegen konkrete historische Personen auf – Industrielle, Politiker, Militärs, „hommes de l’ombre“. Zwar bleiben auch sie typisiert und werden häufig satirisch zugespitzt, doch sind sie namentlich identifizierbar und in präzise historische Konstellationen eingebettet.

Entsprechend divergieren Plot und Struktur. Le Chasseur besitzt keinen klassischen Handlungsverlauf; der Text entfaltet eine Folge innerer Szenen, Phantasmen, Theorien und Träume. Die Struktur ist zirkulär, repetitiv, von obsessiven Variationen geprägt. Die späteren Récits hingegen organisieren sich als Abfolge historischer Episoden oder „scènes“, meist chronologisch gerahmt. Wiederkehrende Leitmotive sorgen für Kohärenz, doch insgesamt folgt die Darstellung einer klar erkennbaren historischen Bewegung – etwa der Eskalation politischer Entscheidungen oder der schleichenden Vorbereitung einer Katastrophe.

Mit dieser strukturellen Verschiebung korrespondiert ein verändertes Erkenntnisinteresse. Le Chasseur verfolgt eine ontologische und psychologische Fragestellung: Was ist Angst? Wie wirkt Verfolgung auf Identität? Wie verschränken sich Begehren und Bedrohung? Die späteren Texte hingegen fokussieren politisch-historische Problemlagen: Wie entstehen Kolonialverbrechen, Weltkriege oder der Aufstieg des Nationalsozialismus? Welche Rolle spielen ökonomische Interessen, Opportunismus und die Komplizenschaft von Eliten? Die Perspektive verschiebt sich vom existentiellen Innenraum zum historischen Machtgefüge.

Besonders deutlich wird der Unterschied im dokumentarischen Anteil. Le Chasseur verzichtet auf explizite Dokumente; selbst die Rechtssprache der Jagd bleibt fiktiv und allegorisch. In den späteren Werken hingegen bildet Archivmaterial ein zentrales Fundament: Protokolle, Reden, Memoiren – etwa von Winston Churchill –, Prozessakten wie jene der Nürnberger Prozesse oder diplomatische Dokumente werden als Rohmaterial genutzt und narrativ montiert. Die Texte operieren an der Schnittstelle von Literatur und Geschichtsschreibung.

Schließlich differiert auch das Stilniveau. Le Chasseur ist stark metaphorisch, abstrakt und introspektiv; die Sprache arbeitet mit Verdichtungen, bizarren Bildern und eruptiven Gedankenbewegungen. Die späteren Récits bleiben zwar ebenfalls stilistisch komprimiert, sind jedoch zugänglicher und stärker auf pointierte historische Miniaturen ausgerichtet. Ihr Ton ist scharf, häufig ironisch-bitter, und zielt auf moralische Entlarvung.

Ein möglicher Kritikpunkt: Der Roman entwickelt seine zentrale Allegorie – Jagd als ontologische Grundstruktur – mit großer Konsequenz, doch gerade diese Konsequenz kann in eine gewisse Monotonie umschlagen. Die wiederholte Variation des Jäger/Beute-Motivs verstärkt zwar die symbolische Dichte, läuft jedoch Gefahr, semantisch zu überdehnen. Die allegorische Konstruktion wirkt stellenweise hermetisch, da sie kaum alternative Deutungsangebote zulässt und Nebenmotive nicht nachhaltig entfaltet. Dadurch entsteht der Eindruck einer ästhetischen Geschlossenheit, die zugleich als Einschränkung wahrgenommen werden kann: Die poetische Radikalität geht mit einer gewissen Eindimensionalität einher.

Insgesamt lässt sich sagen: Le Chasseur erscheint als allegorisch-psychologisches Frühwerk, das die Mechanismen von Angst und Verfolgung im Inneren des Subjekts erkundet. Die späteren Récits transformieren diese Sensibilität in eine politisch-historische Poetik, die Katastrophen als Resultat konkreter Entscheidungen, Interessen und Machtkonstellationen sichtbar macht. Le Chasseur ist damit weniger ein historischer Roman als ein radikal subjektiver Versuch über Angst, Verfolgung, Macht und Begehren, der diese Themen in eine reine Struktur von Jäger und Gejagtem übersetzt. Die späteren Bücher übersetzen denselben Grundimpuls – Kritik an Gewaltverhältnissen, Sensibilität für die „coulisses de l’Histoire“ – in eine dokumentarisch fundierte Form, die konkrete Episoden aus Kolonialgeschichte, Weltkriegen und Faschismus aufgreift und politisch zuspitzt.

Vuillards Obsession mit Machtverhältnissen und Inszenierungen hat in Le Chasseur ihre Keimzelle: Der Jäger, der Regeln setzt und bricht, vorgebliche Fürsorge vorschützt und zugleich das Massaker organisiert, formt die späteren Figuren der Industriellen, Generäle und Politiker vor, die in Conquistadors, Congo, La bataille d’Occident, 14 juillet oder L’Ordre du jour auftreten.

Man kann Le Chasseur daher als Laboratorium betrachten, in dem Vuillard das Motiv der Verfolgung, der Asymmetrie zwischen Jägern und Beute und die Frage nach der Komplizenschaft der Opfer erstmals radikal abstrahiert durchspielt – was später in den historischen Récits in die konkrete Darstellung der Verflechtung von Kapital, Macht und Gewalt übersetzt wird.

Kreisbewegung und lineare Finalität

Strukturell bewegt sich der Roman lange im Kreis. Spuren, Rückkehr, Labyrinth – immer wieder gerät der Erzähler in Schleifen. In Kapitel 29 entdeckt er Spuren, in die sein eigener Fuß passt. Vielleicht verfolgt er sich selbst. Dieses Bild verdichtet die Grundfigur: Jäger und Gejagter sind Spiegel.

Erst in den letzten Kapiteln kippt die Bewegung ins Lineare. Der Weg ins Offene, der starke Wind, der knappe Atem markieren eine Finalität. Die Jagd strebt auf einen Endpunkt zu. Gleichzeitig altern beide Figuren. Zeit wird spürbar. Der Jäger hinkt; der Erzähler sucht das Angesicht des Todes.

Intimität und Auflösung

En fin d’après-midi l’un d’entre eux affirmera m’avoir aperçu, à l’aide de ses jumelles, en train de boire au point d’eau. Ils décideront, après une brève concertation, de se disperser en tenaille. Durant une bonne heure ils marcheront en silence, oubliant chacun la présence des autres. Ils seront alors ceux dont la bouche muette s’apprête toujours à crier : « Feu ! » Ce que je prémédite, c’est le bruit de la poudre et l’éclat sur mon flanc, et enfin ma chute lourde. Après, immédiatement après, le soleil se couche sur mon cadavre. Cependant mon désir est qu’il tire. Oui, qu’il tire maintenant ! que le bruit de la poudre prolonge mon cri ! Alors, la balle et l’idée que je m’en fais me traversent la tête en même temps.

Am späten Nachmittag behauptet einer von ihnen, mich mit seinem Fernglas gesehen zu haben, wie ich an der Wasserstelle trank. Nach kurzer Beratung beschließen sie, sich in einer Zangenbewegung zu verteilen. Eine gute Stunde lang marschieren sie schweigend und vergessen dabei die Anwesenheit der anderen. Sie sind nun diejenigen, deren stumme Münder sich darauf vorbereiten, „Feuer!“ zu rufen. Was ich mir vorstelle, ist das Knallen der Schüsse und der Blitz an meiner Seite und schließlich mein schwerer Sturz. Danach, unmittelbar danach, geht die Sonne über meiner Leiche unter. Dennoch ist es mein Wunsch, dass er schießt. Ja, dass er jetzt schießt! Dass das Geräusch des Pulvers meinen Schrei verlängert! Dann schießen mir die Kugel und die Vorstellung davon gleichzeitig durch den Kopf.

Dies markiert das finale Szenario des Romans. Die Jagd findet ihre Bestimmung im Moment des Schusses, der gleichzeitig real und imaginär ist. Vuillard stellt hier den Tod als den einzigen Moment der echten Kommunikation zwischen Jäger und Gejagtem dar. Die Beute „prämeditiert“ ihren eigenen Tod, was die Machtverhältnisse ein letztes Mal umkehrt: Indem der Erzähler den Tod herbeisehnt, macht er den Jäger zum Vollstrecker seines eigenen Willens. Der Tod ist das Ende der unerträglichen Spannung und die einzige Möglichkeit, das Spiel der Identität („la balle et l’idée“) zu einem definitiven Abschluss zu bringen.

In einer Vision halten sie sich die Hände an einem Bach. Dieser Moment der Zärtlichkeit bleibt schmerzhaft. Versöhnung ist unmöglich, weil ihre Beziehung ausschließlich durch Gewalt definiert ist. Der einzige Ausgang aus dem Labyrinth ist „der Mund des Jägers“.

Der Tod schließlich geschieht in Gleichzeitigkeit: Kugel und Vorstellung fallen zusammen. Der physische Akt ist untrennbar vom mentalen Einverständnis. Die Jagd endet nicht in Triumph, sondern in Erlösung von Spannung. Mit dem Verstummen des Bewusstseins verschwindet auch das System, das es strukturierte.

Le Chasseur ist wie gezeigt weit mehr als eine Tierfabel: Der Roman lässt sich lesen als Allegorie politischer Verfolgung, als Studie paranoider Subjektivität, als Analyse erotischer Machtspiele, als Kritik konsumistischer Gewalt, als Meditation über Angst und Tod. Die Jagd ist Naturzustand, soziales Ritual, erotisches Drama, totalitäres System, metaphysisches Gesetz.

Die Vieldeutigkeit ist Programm. Vuillard entwirft ein Universum ohne Schonzeit – und zeigt zugleich, dass Jäger und Gejagter unauflöslich ineinander verschränkt sind. Gewalt stiftet Identität, Angst stiftet Beziehung. Am Ende bleibt keine moralische Überlegenheit, kein Sieg, vielmehr die Erkenntnis, dass beide Figuren nur im Spannungsverhältnis existieren konnten. Mit dem Tod des Erzählers erlischt nicht nur ein Leben, es erlischt die Konstellation selbst. Die Jagd war die Form seines Bewusstseins – und endet mit ihm.

Reference / Zitiervorschlag
Nonnenmacher, Kai. "Im Zustand permanenter Jagd: Éric Vuillards Erstlingsroman." Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart. 2026. Accessed on Februar 25, 2026 at 13:22. http://rentree.de/2026/02/25/im-zustand-permanenter-jagd-eric-vuillards-erstlingsroman/.

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