Résumé
Giuliano da Empolis Roman „Le Fondateur“ (2026) erzählt, wie ein entmachteter Regierungsberater, der früher Politikern die Sätze lieferte, nach der verlorenen Wahl von 2018 ein „Nachleben“ im Dienst des Tech-Unternehmers Alexander Zimmer beginnt. In Marbella, zwischen Privatjet, Bunker und einem nachgebauten andalusischen Dorf, erlebt er, wie Zimmers Überwachungsfirma Panoptik Pandemie und Ukrainekrieg in Datenlagen verwandelt, die Entscheidungen vorwegnehmen. 2024 stößt er auf eine Liste, die Journalisten, Forscher und Politiker, die der Branche misstrauen, als „Terroristen“ führt und nach berechenbaren Schwächen ordnet, und geht am Tag von Zimmers Hochzeit, nachdem die Braut Gaia verschwunden ist, mit einer Beretta in dessen Büro zurück. Der Roman zeigt, dass ein Gebildeter, der sich einem Datenherrscher andient, erst aufwacht, als dessen Maschine auch die Kritiker verbucht, und dass Wissen zu langsam und Ironie zu folgenlos ist, wo jede Rede als Material verwertet wird. Poetologisch zieht der Text die Konsequenz: Er lässt Zimmers Gleichnisse die Ironie des Erzählers entwaffnen und endet mit dem Schuss statt mit einem Kommentar, den Zimmer ebenso verbuchen könnte. Der Aufsatz liest den Roman als Darstellung der Intellektuellenkrise und folgt in drei Schritten den Mitteln, mit denen sich der Intellektuelle selbst entbehrlich macht. Der erste gilt der Ironie: An Gattung, Gesprächsform und Erzählperspektive zeigt er, wie Zimmers Gleichnisse sie entwaffnen. Der zweite gilt der Dienstbarkeit, die der Roman als Normalfall vorführt, in der Figurentypologie von Höfling, Verweigerer, Moralistin und Aussteiger, in der Raum- und Zeitstruktur von Kapsel und Intervall und in der Metaphorik von Spiel, Krieg und Insektenkunde, wobei der Grieche im Rom der Kaiserzeit das historische Muster liefert. Der dritte gilt der Bildung als Brennstoff: Zimmer liest Bücher nur zur Verwertung und sagt voraus, dass auch ein Buch über ihn ihm nützen werde, weshalb sich der Roman als Selbstprüfung der Literatur gegen die eigene Verwertung behaupten muss. Die erste Rezeption liest „Le Fondateur“ überwiegend als Schlüsselroman und Thriller über Peter Thiel und Palantir, bestätigt die Intellektuellenfrage vor allem durch den Autor selbst, der Thiel mit Spengler als römischen Intellektuellen und den Erzähler als kleinen Griechen fasst, trägt Zimmers Formeln bereits als Begriffe der Kritik weiter. Der Vergleich von Prolog und Epilog macht den Schuss doppeldeutig, als Kapitulation des Wortes oder als Weigerung, Material zu sein, und die Conclusion bestimmt die Rolle des Intellektuellen als Anomalie, als Menschen, der sich nicht verrechnen lässt.
Der Intellektuelle in einer Politik, die nur noch Kulisse ist
Derrière la baie vitrée, des drones traversaient déjà le ciel du crépuscule. Ils formaient des figures abstraites, un aigle, une étoile, une carte du monde. Chacun levait la tête, muet, avec le regard de ceux qui voient enfin se dessiner l’avenir qu’ils ont mérité. Dans la vallée, la nuit descendait vite. En face de l’entrée principale, les vans qui allaient conduire les fondateurs à leur dîner luisaient comme une guirlande de lucioles métalliques sous les projecteurs.
Giuliano da Empoli, Le fondateur
Hinter der Glasfront zogen bereits Drohnen durch den Abendhimmel. Sie bildeten abstrakte Figuren: einen Adler, einen Stern, eine Weltkarte. Alle hoben schweigend den Kopf, mit dem Blick derer, die endlich die Zukunft vor sich sehen, die sie verdient haben. Im Tal brach die Nacht schnell herein. Vor dem Haupteingang leuchteten die Transporter, die die Gründer zu ihrem Abendessen bringen sollten, im Scheinwerferlicht wie eine Girlande aus metallischen Glühwürmchen.
Le Fondateur führt die Krise der Intellektuellen in der Gegenwart vor. Sein Erzähler gehört einer Schicht an, die sich lange darauf verlassen konnte, dass Wissen, Urteilskraft und Sprachbeherrschung in der Öffentlichkeit etwas gelten, und die nun erfährt, dass Aufmerksamkeit, Daten und Kapital die Deutungshoheit übernommen haben. Der Roman macht daraus keine Klage über verlorene Autorität, sondern untersucht die Mittel, mit denen sich der Intellektuelle selbst entbehrlich macht: durch eine Ironie, die nichts aufbaut, durch Dienstbarkeit gegenüber denen, die zahlen, und durch eine Bildung, die dem Mächtigen als Brennstoff dient. Die folgende Interpretation fragt deshalb, welche Rolle dem Intellektuellen bleibt, wenn seine Argumente nicht mehr überzeugen müssen, sondern nur noch Material sind.
Ein Wagen jagt mit 260 Stundenkilometern über eine sizilianische Schnellstraße. Vor ihm fährt die gepanzerte Limousine eines Regierungschefs, der in wenigen Wochen die Wahl verlieren wird, im Begleitwagen sitzt sein Berater und sieht auf den Revolver des Fahrers, dessen Anblick ihn beruhigt. Mit dieser Szene eröffnet Giuliano da Empoli seinen Roman Le Fondateur (Gallimard, 2026). Der Berater ist kein Politiker, sondern einer, der Politikern Sätze liefert; später rühmt er sich eines guten Gedächtnisses für Wörter, einer Eigenschaft, „die für einen Redenschreiber nützlich ist“ 1, wobei plume im Französischen die Schreibfeder und den Ghostwriter zugleich meint. Was geschieht mit einem solchen Mann, wenn die Politik zur Kulisse geworden ist und die Entscheidungen in Unternehmen fallen, die niemand gewählt hat? Der Roman antwortet mit einer Verführungsgeschichte: Der Datenunternehmer Alexander Zimmer, Gründer der Überwachungsfirma Panoptik, bietet dem gestürzten Berater ein „Nachleben“ in Marbella an, der Berater nimmt an, erlebt Pandemie und Ukrainekrieg aus dem Privatjet und richtet im Juni 2024, am Tag einer Hochzeit, eine Waffe auf seinen Dienstherrn.
Die Deutung entfaltet die Krise der Intellektuellen in drei Schritten, die den drei Mitteln der Selbstentbehrlichmachung folgen. Erstens ist Le Fondateur ein Ideenroman in satirischer Verkleidung, dessen Grundform, das Gespräch, zugleich sein Thema ist: Macht wird erzählt, bevor sie ausgeübt wird, und die Ironie des Erzählers verliert dagegen. Zweitens sind Figuren, Raum, Zeit und Metaphorik so gebaut, dass sie die Dienstbarkeit als Normalfall zeigen und ihr das Unverfügbare entgegenstellen, das Gaia, der Rückzug und der Zufall verkörpern. Drittens macht der Roman die Bildung zum Brennstoff und denkt seine eigene Möglichkeit mit, denn Zimmer, selbst ein gescheiterter Intellektueller, sagt voraus, auch ein Buch über ihn werde ihm nützen. So lässt sich : Wie macht der Text die Komplizenschaft eines Gebildeten nachvollziehbar? Was geschieht mit Rede und Wissen unter den Bedingungen der Beschleunigung? Und was bedeutet es für den Intellektuellen und für die Literatur, dass dieser Roman mit einem Schuss endet statt mit einem Kommentar?
Der Weg eines Beraters aus der Niederlage in die Komplizenschaft
Der Prolog zeigt die letzten Wochen einer Regierung, deren Chef von einem gefälschten Ferrari-Video zerlegt wird. Nach der verlorenen Wahl begegnet man dem namenlosen Ich-Erzähler, den später alle „G.“ nennen, beim Venice Economic Forum mit mitleidiger Freundlichkeit. Zimmer hält dort einen Vortrag über Attila und die Gründung Venedigs, der die Zuhörer von aller Scham gegenüber den neuen Machthabern freispricht, und verspricht dem Erzähler am Abend ein Leben nach der Politik, das angenehmer sei, als dieser glaube. Warum aber sagt der Erzähler zu, obwohl er Zimmers Rhetorik durchschaut?
In Marbella pflegt der Erzähler Zimmers Kontakte zur Politik. Panoptik wertet Daten für Geheimdienste, Polizeien und die US-Einwanderungsbehörde ICE aus und erkennt Anomalien, bevor sie zu Ereignissen werden. Der Erzähler lernt das Milieu der Costa del Sol kennen: den gescheiterten Schriftsteller Frank, den Sicherheitschef Yosef, der ihn feindselig beobachtet, und die Personalchefin Amy, die der Arbeit für die Einwanderungsbehörde widerspricht und auf eisiges Schweigen stößt. Er zieht nach La Magdalena, in ein nachgebautes andalusisches Dorf, in dem Virginie und ihre Tochter Gaia leben, und fasst Vertrauen zu Gaia.
Mit der Pandemie wächst Panoptiks Gewicht. Zimmer erkennt das Virus in den Daten, bevor es Schlagzeilen macht, zieht sich in einen Bunker mit Bibliothek und Schießstand zurück und fliegt dann bei drei Stunden Schlaf pro Nacht von Regierung zu Regierung, den Erzähler als „sparring partner“ im Gefolge. Als Russland im Februar 2022 die Ukraine angreift, hat Panoptik den Krieg Monate zuvor angezeigt und bestimmt danach faktisch mit, welche Ziele getroffen werden. Zimmer begegnet Gaia bei einem Besuch in La Magdalena und verlobt sich mit ihr; der Erzähler und Gaia gehen auf Abstand. Es gilt zu zeigen, wie sich Beschleunigung, Nähe zur Gewalt und Verlust des eigenen Ortes zueinander verhalten.
2024 stößt der Erzähler durch eine fehlgeleitete E-Mail auf die Operation „Protéger l’avenir“. Skeptiker der künstlichen Intelligenz gelten darin als „Terroristen“; eine Liste ordnet Journalisten, Forscher und Politiker nach Verletzlichkeit, und für jeden ist der Skandal berechnet, der ihm schaden würde, gleichgültig, ob er wahr ist. Gaia gibt dem Erzähler den Schlüssel seines Studios zurück und verlässt La Magdalena. Am Hochzeitstag erfährt Zimmer, dass sie fort ist, und lässt sie vom Apparat der Firma suchen. Yosef reicht dem Erzähler heimlich eine Beretta, der Erzähler erinnert sich an einen Satz seines Vaters über Elfmeter, geht in Zimmers Büro zurück und drückt ab. Ob er trifft, sagt der Text nicht.
Das Gespräch als Machtform: wie die Ironie des Intellektuellen entwaffnet wird
Die Titelei nennt Le Fondateur einen Roman, und der Text mischt dafür mehrere Formen. Er ist Schlüsselroman, denn neben erfundenen Figuren treten Elon Musk, Palmer Luckey, Adnan Khashoggi und John Poindexter unter ihren Namen auf, und Zimmers Biografie mit Girard-Lektüre, Bezahldienst und Monopolthese lehnt sich erkennbar an den Investor Peter Thiel an, wird durch die Kindheit in Marbella aber ins Fiktive freigesetzt. Der Text ist Gesellschaftssatire, wenn er Marbella mit der Beobachtungsfreude eines Sittenromans auffächert, und Faust-Geschichte, weil ein Gelehrter einem Mächtigen dient, der ihm Welt verspricht. Zusammengehalten wird die Mischung vom Gespräch, und im Gespräch entscheidet sich, wer in dieser Welt noch sprechen darf.
Zimmer argumentiert nie mit Zahlen, immer mit Gleichnissen. Sein Vortrag in Venedig besteht aus zwei Bildern und einem Satz: Auf der Leinwand erscheint erst Bellinis Porträt des Dogen Loredan, dann ein Foto Donald Trumps, und aus der Lagunengeschichte folgt die Pointe „Ohne Attila kein Venedig!“ 2. Die Rede hat eine genau bestimmte Funktion. Sie liefert dem Saal, was er sucht, nämlich die Erlaubnis, „den neuen Herren die Stiefel zu lecken“ 3, ohne sich schuldig zu fühlen. Der Intellektuelle, der hier auftritt, ist Zimmer selbst: ein Rhetor, der den Dienstwilligen die Absolution erteilt. Später folgen die Anekdote von Salazar, dem seine Minister nach einem Schlaganfall zwei Jahre lang eine Regierung vorspielten, und die Moral, „alle Politiker sind zu Salazar geworden“ 4. Auch ihre Prämisse lässt sich nur übernehmen oder ablehnen, nicht diskutieren, denn die Anekdote beweist nichts, sie versetzt den Hörer in eine Welt, in der sie stimmt.
Der Erzähler antwortet mit Ironie, und Zimmer entwaffnet auch sie: Ironie sei die Spezialität der Verlierer, „sie baut nichts auf“ 5. Eine Szene im Wagen zeigt, wie genau er trifft. Als Zimmer fragt, warum man den Militärs und Geheimdiensten die Führung lassen solle, wenn Daten und künstliche Intelligenz ihnen überlegen seien, fallen dem Erzähler Studienerinnerungen zu Gemeinwohl und Gewaltmonopol ein, „Dinge, viel zu langsam für diesen Wagen, der durch die Nacht fuhr“ 6. Das Wissen des Intellektuellen ist nicht widerlegt, es ist zu langsam. Zimmer erscheint ihm gerade deshalb als „enthemmtes Double“ 7, das „die natürliche Ohnmacht des Intellektuellen“ 8 überwunden und den Weg in die Tat gefunden hat. Dass Zimmer diesen Weg als gescheiterter Autor einschlug, mit einem Buch, zwei Fernsehauftritten und einem Leitartikel im Wall Street Journal, nach denen nichts mehr kam, macht die Krise zum Familienstreit: Der Gründer ist ein Intellektueller, der aus der Wirkungslosigkeit ausgewandert ist.
Die Medien des Gesprächs folgen derselben Logik: Zimmer fotografiert den Erzähler mit dem Telefon, und auf dem Display erscheinen Name und Profil; ein gefälschtes Video entscheidet über eine Regierung. Yosef bringt die Lage auf eine Formel: „die einzige Möglichkeit, nicht abgehört zu werden, ist zu schweigen“ 9. Ein Roman, der fast nur aus Gesprächen besteht, handelt damit vom Verlust des geschützten Gesprächs, und der Schluss ohne Worte erscheint von hier aus konsequent.
Die Erzählperspektive ist homodiegetisch und retrospektiv, doch die Erzählgegenwart bleibt unbestimmt. Der Prolog steht im Präsens und schließt den Chef in ein Du ein: „Erinnerst du dich, als jeder Spaziergang zum Triumphzug wurde?“ 10 Das Du ist Anklage und Zärtlichkeit zugleich. Im Bunker kehrt sich das Verhältnis um: Zimmer duzt den Berater und weist ihn zurecht, sobald er die Grenzen überschreitet, etwa mit Ironie. Die Perspektive gehört selbst zur Verführung: Der Leser sieht Zimmer durch die Augen dessen, der ihn bewundert, und merkt erst spät, wie viel Zustimmung er in dieser Bewunderung mitgelesen hat.
Typen des Intellektuellen im Hofstaat: Dienstbarkeit, Rückzug und Widerspruch
Die Figurenkonstellation gleicht einem Spiegelkabinett. Im Zentrum stehen zwei Männer, die einander ähnlicher werden, und zwischen ihnen eine Frau, in deren Gegenwart beide Schwäche zeigen. Ihre Biografien ähneln einander: Zimmer wächst mit einer Mutter auf, die aus dem Umfeld von Khashoggis Harem zur Gastgeberin aufgestiegen ist, und mit einem Vater, der monatelang verschwindet; der Erzähler wächst in Rom unter Leibwächtern auf, und sein Vater stirbt bei einem „Unfall“, wie man ihm sagt; Gaia erlebt mit acht Jahren eine Hausdurchsuchung der Polizei bei ihrem Vater, einem Händler und Hasardeur. Alle drei sind Kinder abwesender oder gewalttätiger Väter, und jeder zieht eine andere Konsequenz: Der Erzähler wartet auf das Unglück, Gaia baut sich einen Alltag, der das Chaos bannt, Zimmer baut eine Maschine, die es berechnet.
Um dieses Dreieck gruppiert der Roman eine Typologie des Intellektuellen unter den neuen Bedingungen. Der Erzähler selbst ist der Höfling. Er sieht sich im Rückblick als „kleinen Griechen“ 11, der auf den Schultern der Zenturionen sitzt, als gebildeten Diener einer Imperialmacht, der sich ein bequemes Schicksal zurechtlegt, so wie die griechischen Hauslehrer im Rom der Kaiserzeit. Bedeutsam ist, dass er damit keine Ausnahme ist. In Sun Valley trifft er ein Grüppchen alter Weggefährten, ehemalige Politiker wie er, darunter einen österreichischen Jungstar, einen britischen Spindoktor und zwei, drei frühere Premierminister von G20-Staaten. Sie alle hätten dieselbe Version des Nachlebens gewählt, nämlich sich zu „Luxus-Majordomi der Gründer“ 12 zu machen, und ihre „vorauseilenden Katzbuckeleien“ 13 hätten den neuen Herren gezeigt, wie weit sie gehen können. Frühere Kollegen bitten sie um Almosen für Stiftungen und Lehrstühle. Die Dienstbarkeit ist damit ein Gruppenphänomen mit Geschichte, und der Erzähler beschreibt sie mit der Distanz eines Mannes, der längst Teil davon ist.
Frank, dessen Name an „frank“ im Sinne von offen denken lässt, steht für den Verweigerer. Er hat den Abstieg gewählt und opfert für seine Freundin Blanca, was er hat: eine kleine Schriftstellerlaufbahn, „die Bücher, die ich nicht schreiben würde“ 14. Amy, die Personalchefin, vertritt den moralischen Widerspruch, und Zimmer weiß, wie man ihn entwertet: Er sei eine jener „Luxus-Überzeugungen“ 15, die man sich nur in Chelsea oder am linken Seineufer leisten könne. Die Position des Kritikers wird damit nicht widerlegt, sondern sozial verortet. Bei der Operation „Protéger l’avenir“ geht Panoptik einen Schritt weiter und führt eine Liste, die die Tugenden des öffentlichen Intellektuellen als Schwächen verbucht: Verletzlichkeit nach „Abhängigkeit vom Ego“ 16, nach „Signalen moralischer Reinheit“ 17 und nach Überexposition. Wer Haltung zeigt, wird berechenbar. Der Erzähler gibt vor, der Liste zwei Namen hinzufügen zu wollen, eine französische Richterin und den Leiter einer NGO, und der Oberst antwortet: „Ich glaube, die sind schon darauf“ 18.
Die Geschlechterverhältnisse sind in dieser Typologie Thema und blinder Fleck zugleich. Der Erzähler diagnostiziert selbst, dass die Technikbranche eine Männerwelt ist: Eine „Handvoll Männer, denn es handelt sich nur um Männer“ 19, bastle an der menschlichen Erfahrung wie an einem Dimmer im Wohnzimmer. Die Frauen am Rand dieser Welt haben eigene Intelligenz und wenig Spielraum: Angelika hat sich im Harem hochgearbeitet, Blanca verwertet ihr Leben in Stories. Eine Gegenöffentlichkeit gibt es dennoch: Absolventinnen einer englischen Nanny-Schule schreiben Berichte über ihre Arbeitgeber, ein weibliches Archiv, das Panoptiks Archiv spiegelt. Gaia schließlich ist die Figur des Entzugs. Sie besitzt kein Telefon, lässt sich nicht fotografieren und hält an einem Alltag fest, den niemand berechnen kann. Zimmer begegnet in ihr dem, was Fausts Besitz im fünften Akt von Goethes Tragödie stört, dem Stück Land mit der Hütte zweier Alter, auch wenn der Roman die Namen Philemon und Baucis nicht nennt: „Wie Faust“ 20 erkenne er mitten in seinem Reich die eine Parzelle, die sich verweigert.
Hier liegt die kritische Grenze der Konstruktion. Gaia wird fast durchgehend vom Erzähler fokalisiert, ihre Entscheidungen erreichen den Leser als Bericht, die Handlung läuft auf einen Zweikampf um ihre Freiheit hinaus, und selbst ihre Befreiung klingt nach Besitz: „Gaia gehörte niemandem mehr“ 21. Ob der Roman damit das Muster der Rettungserzählung kritisiert oder fortschreibt, bleibt offen. Der Intellektuelle des Buches findet seinen Widerstand in einer Frau, die nichts sagt und nichts begründet, und er braucht dazu einen Anlass, der ihn persönlich betrifft.
Kapsel, Kulisse und Intervall: der Intellektuelle ohne Ort und ohne Zeit
Der Raum des Romans bewegt sich von der Schnellstraße in die Kapsel. Der Prolog spielt auf einer Strecke, die Durchfahrt ist und kein Ort. Die Klosterinsel in Venedig hat eine Hotelkette in einen Themenpark verwandelt, und dort erlebt der entmachtete Berater, wie man mit denen umgeht, die nichts mehr zu bieten haben: Die Bekannten behandeln ihn mit Mitgefühl, und gerade das zeigt ihm, dass er nicht mehr dazugehört. Marbella ist der Gegenort. Frank deutet das Fehlen des Geistes als Vorzug: „Die Costa del Sol ist hirnfrei“ 22. Die Dinge würden leichter, „wenn die Kultur verschwindet“ 23. Der Erzähler antwortet mit einem Vers von Wallace Stevens, und Frank übersetzt ihn sofort ins Praktische: „Na ja, das ist ungefähr das, die Tabula rasa“ 24. Das Zitat, die Währung des Gebildeten, wird eingewechselt. Der Erzähler sieht in Marbella eine „solare Tabula rasa, eine amnesische Enklave“ 25, passend zu einem Mann, dem die Schwere des Marmors, die Anmaßung des Steins, zu bestehen, unerträglich ist.
Dem steht La Magdalena gegenüber, das nachgebaute Dorf. Virginie sagt dem Besucher: „Alles ist falsch, wissen Sie“ 26. Das Dorf entstand, nachdem ein Bauträger den Dichter Cocteau um das versprochene Künstlerdorf betrogen hatte, und ist eine Fälschung, die sich der Fälschung widersetzt. Das Falsche schützt, das Echte, Atalaya und der Bunker, ist steril und fensterlos. Im Bunker liegen Bibliothek und Schießstand einander gegenüber, getrennt durch eine Wand und einen Neonflur: Zimmers Selbstbild als Leser und seine Praxis der Gewalt sind räumlich benachbart, und der Erzähler wohnt in beiden. Panoptik soll nach außen als neutraler Dienstleister auftreten, als „das leere Quadrat von Barthes“ 27; ist dieses Zentrum aber von einem anonymen Souverän besetzt, kippt die Konstruktion. Im Privatjet der Pandemiemonate wird der Raum zur Kapsel, in der der Erzähler nicht mehr weiß, in welcher Stadt er aufwacht, selbst Rom wird ihm zu einem Echo unter anderen.
Die Zeitstruktur arbeitet mit Rahmenmarken: Sizilien im Januar 2018, die Teile 2018-2020 und 2020-2024, Marbella im Juni 2024. Dahinter liegt eine zweite Ordnung. Der Erzähler lebt im „Nachleben“, und das Buch berichtet aus diesem Zustand. In Venedig denkt der Entmachtete: „Mir bleibt nur das langsame Warten auf das Ende“ 28. Zimmers Zeitform ist das Intervall: „Das Geheimnis ist nichts weiter als ein Intervall“ 29, eine Frist, die man nutzen kann. Panoptik verkauft Vorsprung, und für den Erzähler bedeutet das die „Abschaffung der Überraschung“ 30: Früher lief er den Ereignissen hinterher, jetzt kennt er sie vorher. Für einen Kommentator, dessen Handwerk die Deutung des Geschehenen ist, hebt das den Beruf auf. Zimmers Körper wird dem angepasst, er schläft drei Stunden, und der Erzähler findet dafür das Bild: „die Politik hat sich in Ballistik verwandelt“ 31.
Zwischen die Kapitel der Beschleunigung ist das Cocteau-Kapitel im historischen Präsens eingelassen, und es zeigt, was Rückzug früher bedeuten konnte. Cocteau, einst Prinz der Avantgarden, ist 1961 nur noch Star: „Niemand liest wirklich noch seine Gedichte“ 32, aber „er bleibt ein Star“ 33. Er notiert in Marbella, er wolle schreiben, ohne an Veröffentlichung zu denken, und der Erzähler folgert: Sich vor der Rakete in ein weißes Haus am Meer zurückzuziehen, war damals möglich, „heute ist das nicht mehr möglich“ 34. Der Rückzug ist als Zeitstrategie verbaut. Zimmer will die Zeit schließen, die Zukunft verriegeln, und dem bleibt im letzten Kapitel vor dem Epilog nur eine Gegenstrategie, nämlich Zeit zu gewinnen und „zur Anomalie zu werden, zum Sandkorn“ 35. Ein Intellektueller, der nicht mehr schnell genug sein kann und sich nicht mehr zurückziehen darf, behält nur eine Funktion: das Unberechenbare.
Spiel, Krieg, Überwachung: Metaphorik und Intertexte der Dienstbarkeit
Das semantische Feld des Spiels strukturiert den Roman. Zimmer war als Kind ein hervorragender Schachjunior und gab auf, als er merkte, dass Bobby Fischer im selben Alter besser war. Aus dem Spieler wird ein Mensch, der das Spiel beenden will: „Zimmer spielte, um allen Spielen ein Ende zu setzen“ 36. Das Spiel schließt den Krieg ein, und der Erzähler dreht Clausewitz um: „Das Fest war die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln“ 37. Im Ukrainekrieg schlägt die Metapher ins Wörtliche um, denn dort heißt es „kill chain“, und Menschen werden zu Zielen.
Das zweite Feld ist das von Tod und Verwandlung. Zimmer nennt das Leben nach der Politik ein Jenseits, und der Erzähler antwortet in Venedig mit einem Dichterwort, das Zimmer selbst zitiert hat: „Ich mag es nicht, tot zu sein“ 38. Zimmers Trost ist ein Verwandlungsbild: „Was die Raupe das Ende der Welt nennt“ 39, nenne der Rest der Welt Schmetterling. Das ist zynisch, weil jede Katastrophe zur Geburt erklärt wird. Das dritte Feld ist der Blick des Entomologen. Zimmer durchquert das Leben mit der Kälte eines Insektenforschers, die westlichen Politiker nennt er „Fruchtfliegen“ 40, und die Menschheit erscheint im Bild der Versuchsratten von Columbia. Dem Gebildeten bleibt in dieser Bildlichkeit keine Beobachterrolle, er ist selbst Exemplar.
Die Intertexte liefern das historische Gegenstück zur Krise. Das tragende Muster ist das des Griechen im Rom der Kaiserzeit. Zimmer sagt im Flugzeug nach Sun Valley, man sei in die „späte republikanische Zeit“ 41 eingetreten, und der Erzähler ergänzt: „Wie das alte Rom wartete Amerika auf seinen Caesar“ 42. Im Epilog gibt er sich das Versprechen, die Rolle des kleinen Griechen nicht mehr zu spielen. Leonardo steht für den Handel zwischen Genie und Fürst: Zimmer führt dem Erzähler Leonardos Kriegsmaschinen vor und sagt mit schwerem Spott: „Palmer ist unser Leonardo“ 43. Der Erzähler denkt bei Zimmer selbst eher an Wernher von Braun, dem jeder Auftraggeber recht war, solange seine Raketen flogen. Der Prolog ruft den klassischen Fürstenberater auf, wenn er die Menge eine „methodische Wildheit“ entfalten lässt, „die kein Machiavelli ersinnen könnte“ 44. Goethe schließlich, den Zimmer als Anekdote anführt, spricht 1830 beim Eintreffen der Julirevolution nur vom Streit zweier Gelehrter an der Akademie. Zimmer liest das als Beweis, dass man dort spielen müsse, wo die Partie wirklich stattfindet; man kann es auch gegen den Intellektuellen lesen, der das Weltgeschehen verpasst, weil er seinen eigenen Fragen treu bleibt.
Weitere Texte liefern Strukturen. Der Name Panoptik ruft Benthams Panopticon und Foucaults Analyse auf. Stevensons Novelle gibt die Doppelstruktur: Panoptik sei für seine Kunden „ein Mr Hyde“ 45, der ihre Behörden erst stärkt und dann beherrscht. Das „krumme Holz“ 46, das Zimmer ein für alle Mal gerade richten will, erinnert an Kants Wendung vom krummen Holz der Menschheit. Das Epigraph des Athos-Mönchs Silouan, „Halte deinen Kopf in der Hölle und verzweifle nicht“ 47, stellt das Buch unter eine Haltung, die weder Flucht noch Zustimmung ist. Intermedial wirken Bellinis Doge, ein Himmel wie aus einem Gemälde Hockneys und Vasco Rossis Lied Vado al massimo.
Bücher gegen Daten: Poetik und Selbstbezug als Selbstprüfung des Intellektuellen
Die Poetik des Romans entfaltet sich im Streit um den Umgang mit Büchern, und hier wird die dritte Form der Selbstentbehrlichmachung greifbar, die Bildung als Brennstoff. Zimmer liest wirklich: Im Bunker annotiert er historische Quarantäneverordnungen, anders als die Technikgründer, die Bücher einscannen und verwerten. Bei seinem ersten Besuch in Marbella bewundert der Erzähler, dass Kultur für Zimmer nicht, wie für viele Gelehrte, „nur eine Briefmarkensammlung“ 48 ist: Wissen interessiere ihn nur „als Brennstoff“ 49. Das lobt der Erzähler als Vorzug, und der Satz bezeichnet zugleich die Gefahr. Frank beklagt auf einem Fest, dass es früher Leser gab, „die, für die man schrieb“ 50, und spottet, auf dem Planeten des Erzählers gebe es sie vielleicht noch. Der Erzähler hält dagegen: „Aber Alexander liest Bücher“ 51, worauf Frank antwortet, das sei Zimmers geheime Waffe in einer Welt, die nicht mehr wisse, was ein Buch ist. Der Roman verschiebt den Gegensatz: Er verläuft zwischen zwei Arten, Texte zu gebrauchen, als Quelle der Verfügung oder als Gegenstand einer Hingabe, die nichts will. Damit ist die Krise der Intellektuellen nicht der Untergang der Bildung, sondern ihre Umwidmung.
Zimmer verfügt auch über Wissen vom Schreiben. Wer ein Buch schreiben wolle und darüber rede, sei ein schlechter Autor, sagt er in Manhattan, denn „die entstehende Form ist verletzlich, kostbar“ 52. Der Mächtige beansprucht die Schutzbedürftigkeit des Künstlers für sich. Hier setzt das autopoetologische Moment ein. Zimmer sagt voraus, der Erzähler werde ein Buch über ihn schreiben, und fügt hinzu, es werde ihm nützen: „wenn G. sein Buch über uns schreibt, wird es uns zum Vorteil gereichen“ 53. Der Roman, den wir lesen, ist demnach einkalkuliert, denn eine Kritik, die als Material verwertet wird, hört auf, Kritik zu sein. Der Buchstabe G. lädt außerdem zu der Lesart ein, der Erzähler sei eine Selbststilisierung des Autors, der vor Le Fondateur politische Essays (Les Ingénieurs du chaos, 2019) und den Roman Le Mage du Kremlin (2022) veröffentlicht hat, doch der Text gibt dafür nur diesen Buchstaben her. Der Roman prüft die eigene Zunft: Er ist ein Buch über einen Berater, geschrieben von jemandem, der solche Berater kennt.
Poetologisch deutlich wird der Stilbruch am Schluss. Der Roman ist über weite Strecken ein Werk der Ironie, mit Vergleichen, die den Erzähler und seine Umgebung kleinreden, und Zimmers Verdikt über die Ironie der Verlierer trifft ihn genau. Der Satz des Vaters, der im letzten Kapitel zurückkehrt, bietet die Gegenposition an: „Elfmeter schießt man hart“ 54, und der Text buchstabiert: „Nicht platziert. Nicht schlau. Hart.“ 55 Wer die Passage als Selbstkommentar liest, sieht im Roman einen platzierten, listigen Schuss, der erst im letzten Satz hart wird. Weder Cocteaus Rückzug in ein Schreiben ohne Publikum noch Franks Verstummen sind für den Erzähler gangbar. Sein Text ist Zeugnis, kein Rückzug.
Erste Rezeption im Vergleich
Die erste Kritik nach Erscheinen, die mir bisher vorliegt, umfasst neun Texte aus September und Anfang Oktober 2026: drei Besprechungen (Télérama, Le Figaro, Libération), vier Gespräche mit dem Autor (Le Point, L’Obs, L’Express, Neue Zürcher Zeitung), eine Kolumne in L’Obs und eine Agenturnotiz der AFP. Versuchen wir einen Abgleich mit den Thesen des Aufsatzes, der zeigt, wo die Kritik die Lesart stützt, wo sie Akzente anders setzt und wo sie schweigt. Drei Fragen leiten ihn: ob die Rezeption die Krise der Intellektuellen als Thema sieht, wie sie die Gattung bestimmt und was sie zu Selbstbezug und Schluss sagt.
Thriller und Schlüsselroman: Die Kritik würdigt Spannung und Vorbilder, das Gespräch nur am Rand
Die Besprechungen ordnen Le Fondateur überwiegend als Thriller ein. Télérama spricht von einem politischen Thriller, der „gesprächig, aber auch meditativ und hochmelancholisch“ sei 56, L’Obs von einem Thriller in der Art Orwells, geschrieben von einem Moralisten mit scharfer Feder 57, Le Figaro von einem Thriller, wie ihn die amerikanische Literatur hervorbringe 58, Libération von einer zeitgenössischen, zynischen und grausamen Fabel 59. Der Aufsatz hatte den Thriller-Modus auf den Prolog mit der Verfolgungsfahrt und den Epilog mit dem Schuss beschränkt und das Gespräch zum Bauprinzip erklärt. Die Besprechungen bestätigen das dort, wo sie genau hinsehen: „Wichtig ist nicht die Intrige, es sind die Gespräche“, hält Schwartzbrod fest 60. Le Figaro registriert dieselbe Eigenschaft als Mangel: Der Autor werde den Habitus des Experten nicht ganz los, der Theoretiker bleibe anwesend, und der Stil sei „nicht seine Sache“ 61. Der Einwand trifft die Stelle, an der der Roman Ideen als Figurenrede gegeneinander antreten lässt. Ob die Lehrhaftigkeit ein Mangel ist oder die Form, in der Zimmers Gleichnisse ihre Macht entfalten, lässt sich am Text begründen, aber nicht entscheiden; der Aufsatz hat sie als Form gelesen.
Als Schlüsselroman wird der Text einhellig gelesen. Besprechungen und Gespräche setzen Zimmer mit Peter Thiel und Panoptik mit Palantir gleich 62, und die AFP spricht von einer frei inspirierten Figur 63. Der Autor bestätigt es in L’Express, relativiert aber zugleich: Zimmer sei im Wesentlichen Thiel, doch er lasse ihn in Marbella leben, wo Thiel vielleicht nie gewesen sei, und erfinde ihm eine Liebesgeschichte. Außerdem sei Zimmer ein Khashoggi in der Version 2.0, Erbe des Waffenhändlers von Marbella, der als Gründer die Haltung des Startups mit dem Handel in hoheitlichen Gütern verbinde 64. Das stützt die Gattungsbestimmung des Aufsatzes und liefert eine Genealogie, die dort nur im Umfeld von Zimmers Mutter auftauchte: Der Waffenhandel von Marbella setzt sich in der Überwachung fort. Dass die Überwachungsmaschine zugleich eine Zielmaschine ist, betont der Autor gegenüber L’Obs ausdrücklich 65.
Ähnlich einhellig gilt der Erzähler als Double des Autors. Télérama spricht von autobiografischen Elementen 66, L’Obs von einem Double 67, Le Figaro von einem Berater, der dem Autor ähnle 68. Der Aufsatz hatte vorsichtig formuliert, der Text gebe für diese Lesart nur den Buchstaben G. her. Die Kritik stützt sich in der Tat auf Biografie und Paratexte. Doch auch der Text trägt: Der Prolog versetzt den Erzähler in das Alter von zwölf Jahren zurück und lässt ihn an die von einer Kugel durchschossene Hand seines Vaters denken 69, und die NZZ berichtet, der Autor habe als Zwölfjähriger erlebt, wie sein Vater, ein Ökonom und Regierungsberater, von Terroristen der Brigate Rosse angeschossen wurde 70. Die Einschränkung ist deshalb zu präzisieren: Neben dem Buchstaben tragen Vaterszene und Beraterbiografie die autobiografische Lesart. Der Roman hält die Fiktion offen, indem er den Vater später bei einem Unfall sterben lässt, wie dem Erzähler berichtet wird 71.
Spengler und die kleinen Griechen: Der Autor stützt die Diagnose der Krise
Deutlich bestätigen die ersten Kritiken die Leitthese dort, wo der Autor die Intellektuellenfrage selbst stellt. Im Gespräch mit Le Point nennt er Thiel „einen Intellektuellen im Sinne Oswald Spenglers“ 72. Für einen Römer der Kaiserzeit sei der Intellektuelle nicht, wer eine Philosophenschule gründe oder Bücher schreibe, sondern wer die Wirklichkeit nach seiner Vision forme, mit Legionen statt mit Manuskripten. Die reine Reflexion überlasse man den Griechen, die nicht mehr zählten, so wie heute die Europäer 73. Gegenüber L’Obs wiederholt er das Argument fast wörtlich 74. Der Roman enthält die Stelle selbst, in der Sun-Valley-Episode des zweiten Teils: Der Erzähler erkennt dort, dass Zimmer das Programm Spenglers übernommen hat, nach dem der Römer von Rang Heere führt, während Kunst und Philosophie Männern dritten Ranges überlassen bleiben, und gleich darauf trifft er die ehemaligen Politiker, die sich zu Majordomi der Gründer gemacht haben 75. Damit liefert die Rezeption den Beleg für das Muster, das der Aufsatz über den „kleinen Griechen“ im Epilog und die Dienstbarkeit der Ehemaligen entwickelt hat, und sie nennt dessen Quelle, die der Intertext-Abschnitt nicht ausdrücklich aufgeführt hatte.
Die Spengler-Stelle schärft zugleich die Formel von der Krise. Es verschwindet nicht der Intellektuelle, sondern der Begriff wandert: Zimmer ist ein Intellektueller im römischen Sinn, der Erzähler ein Intellektueller im griechischen, und die Krise besteht darin, dass der zweite Typ zum Mann dritten Ranges geworden ist. Der Aufsatz hatte Zimmer als Überläufer aus dem eigenen Stand beschrieben, der als gescheiterter Autor in die Tat ausgewandert sei. Der Autorenkommentar ergänzt, dass er den Begriff des Intellektuellen mitgenommen hat.
Die NZZ führt die Frage auf die Erfahrung des Beraters zurück. Der Interviewer fragt, ob der Autor die Nähe zur Macht nur als Hofnarr gesucht habe, und Da Empoli verweist auf Machiavellis Begriff des Wissens aus der Distanz: Der Berater sitze im Raum, in dem entschieden werde, entscheide aber nicht, er sei zugleich drinnen und draußen. Das, was er das Machtparadox nennt, bestehe darin, dass die Mächtigen mit dem Amt die Gabe verlören, Menschen zu verstehen, weil man sie umschmeichle, weshalb kritische Berater wichtig seien, aber selten bleiben: „Wer gut ist, wird früher oder später gefeuert.“ 76 Das entspricht der Dienstbarkeit, wie der Aufsatz sie zeigt, in beiden Richtungen: Der Erzähler wird nicht entlassen, sondern zum Sparringspartner befördert und verliert dabei seine Schärfe, während Amy, die der Arbeit für die Einwanderungsbehörde widerspricht, auf eisiges Schweigen stößt. Nach der Logik des Gesprächs schließen Kritik und Verbleib im Amt einander aus; der Erzähler entzieht sich dieser Alternative, indem er seine Kritik in Ironie verwandelt.
Eine Stelle der Interviews wirft ein eigenes Licht auf die Form. Die Journalistin von L’Express beschreibt den Gesprächsort, den Bibliothekssalon bei Gallimard mit Blick auf die Gärten, und fragt, ob sie und der Autor nicht selbst Figuren des Buches seien, obsolete Akteure einer Welt, die sich noch für gegenwärtig halte, eine „grausame Mise en abyme“ 77. Der Autor empfängt die Interviewer von L’Obs im Garten desselben Verlags mit einem bitteren Scherz darüber, dass man hier noch nicht mit Drohnen rechne 78. Die Rezeption stellt sich damit in die Konstellation des Romans, Gebildete im Salon, während die Partie anderswo läuft, und gibt dieser Selbstwahrnehmung ironische Form. Der Aufsatz hatte gezeigt, dass Zimmer genau diese Ironie als Spezialität der Verlierer abtut. Der Autor antwortet darauf nicht mit Resignation, sondern mit einer Aufforderung: Der Roman wolle den Politikern nicht Verachtung zeigen, sondern sie einladen, die Partie auf dem richtigen Feld zu spielen 79.
Verwertung im Vollzug: Die Literaturkritik trägt Zimmers Formeln weiter und bestätigt den Selbstbezug
Die Leitthese des Aufsatzes lautete, dass in dieser Welt jede Rede zu Material wird, auch die kritische, und die Frühkritik liefert dafür ein Anschauungsbeispiel. Zimmers Formel, die Politiker stritten über den „grand remplacement“, während der einzige wirkliche Austausch der ihrer Realität durch die der Gründer sei, gibt Libération wieder, zusammen mit seiner Monopolliste von Google bis Tinder, und erklärt, das Buch beschreibe, was wir heute erlebten 80. Das Schlagwort, das die Formel ins Technische wendet, steht als Überschrift über dem Gespräch in L’Express: Der wahre „grand remplacement“ sei der des Realen durch das Digitale und die künstliche Intelligenz 81. Le Point schreibt Thiel die Theorie dieses Austauschs der Politik durch Technologie zu 82. Auch die Anekdote von Salazar, die der Aufsatz als Gleichnis beschrieben hatte, dessen Prämisse sich nur übernehmen oder ablehnen lässt, kehrt als Befund des Autors wieder: Das erlebten wir heute 83. Die Sprache der Gründer ist damit zur Begrifflichkeit der Kritik geworden, bis hin zum Bild der Fruchtfliegen für die Politiker, das Libération übernimmt. Das ist kein Einwand gegen die Kritiker, sondern ein Beleg dafür, wie wirksam die Gleichnisse sind, und es zeigt, dass die Gefahr der Verwertung kein Konstrukt des Aufsatzes ist. Der Autor spricht in den Gesprächen zudem selbst in Anekdoten, mit Salazar in L’Express, mit Goethe und Eckermann in L’Obs, mit Spengler in Le Point. Die Gleichnisform gehört damit nicht allein Zimmer, sondern auch dem Autor.
Die Goethe-Anekdote zeigt die Grenze des Aufsatzes. Der Aufsatz hatte angeboten, sie auch gegen den Intellektuellen zu lesen, der das Weltgeschehen über seinen eigenen Fragen verpasst. Der Autor liest sie wie Zimmer: Die entscheidende Frage sei, wo die Partie gespielt werde, die über unser Leben bestimme, und er sei nicht weit davon entfernt, Zimmers Antwort zu teilen, dass sie sich auf das Feld der Technologie und ihrer Infrastrukturen verlagert habe 84. Die Gegenlesart bleibt möglich, ist aber eine Lesart gegen den Autorenkommentar.
Besonders deutlich bestätigt die Rezeption den Selbstbezug. Die Interviewer von L’Obs fragen, ob das düstere Buch nicht literarisch die Macht der bösen Figur nähre. Der Autor antwortet, der Roman stelle diese Frage selbst: Zimmer lasse sich lieber als böse denn als unfähig ansehen. Im Roman steht dieser Satz unmittelbar vor der Prophezeiung, auch ein Buch von G. über sie werde ihnen nützen 85. Ob sein Buch die Figur stärke, beantwortet Da Empoli mit einem Zugeständnis: „vielleicht ein wenig, rhetorisch“ 86. Der wirkliche Effekt sei aber das Enthüllen, und nur so lasse sich eine Gegenreaktion erzeugen. Er wolle nicht anprangern, sondern die Kraft und Intelligenz der Macht von innen verstehen 87. Das ist eine zweite Antwort auf dasselbe Problem. Der Roman beantwortet es mit dem Schuss, der den Kommentar verweigert, der Autor im Gespräch mit dem Kommentar, den der Roman verweigert. Der Aufsatz hatte den Schluss als doppeldeutig gelesen, als Kapitulation des Wortes oder als Weigerung, Material zu sein; die Rezeption zeigt, dass diese Weigerung die der Figur ist, die der Autor in seinem öffentlichen Selbstkommentar nicht teilt. Zugleich erzählt er, einen Dialog gestrichen zu haben, in dem Zimmer dem Erzähler vorwirft, nur Angst anzubieten, während er selbst den menschlichen Drang zu Eroberung und Erkundung verkörpere 88. Der gestrichene Dialog berührt denselben Punkt wie Zimmers Satz über die Ironie, die nichts aufbaut: Bloße Opposition genügt nicht.
Auch die Bildung als Brennstoff, die dritte These, findet in der Kritik Widerhall, mit entgegengesetzter Wertung. Le Figaro nimmt Zimmers Lektüre von René Girard als Sympathiemerkmal: Er sei nicht der Schlimmste der Digitalgenies, weil er lese, und dieses altmodische Hobby unterscheide ihn 89. Der Autor sagt, er habe Thiel gewählt, weil er Bücher lese und diese literarische Brücke den Zugang ermöglicht habe, während die anderen Gründer schon im Post-Gutenberg-Zeitalter lebten 90. Zimmer solle kein reiner Psychopath sein, sondern klug und gebildet, mit Argumenten, die sich verteidigen ließen 91. Der Aufsatz hat dieselbe Eigenschaft als Gefahr gelesen: Der Erzähler bewundert, dass Wissen für Zimmer nur Brennstoff sei, und Frank nennt die Lektüre seine geheime Waffe. Der Roman legt beides nahe, die Anziehungskraft und die Gefahr, und die Besprechungen deuten an, dass die Verführung auch beim Leser funktioniert.
Lücken und Akzente: Gaia, die Gegenstimme und der Bunker
Zwei Akzente setzt die Kritik anders als der Aufsatz. Der erste betrifft den Erzähler. Télérama und Le Figaro sehen in G. den Menschen der alten Welt, der Zimmers Menschenbild widerspricht, Le Figaro sogar eine Vision, die der Erzähler widerlege 92. Le Point und L’Obs betonen dagegen die Faszination: G. werde von Zimmer im ursprünglichen Wortsinn gebannt, ein Gemisch aus Furcht und Verzauberung, und spiele die große Partie nur stellvertretend 93. Der Aufsatz folgt der zweiten Lesart, weil der Erzähler als Sparringspartner dient, mit den ehemaligen Politikern zu den Majordomi gehört und seine Ironie folgenlos bleibt. Beide Lesarten lassen sich im Text begründen; die Krise zeigt sich gerade darin, dass Widerspruch und Dienstbarkeit in einer Figur zusammenfallen. Télérama liest beide Hauptfiguren überdies als Waisen mit gemeinsamer endgültiger Einsamkeit 94. Im Roman gilt diese Formel Zimmer 95, die Kritik überträgt sie auf beide und liest damit das Spiegelkabinett, das der Aufsatz beschreibt, schon in den Text hinein.
Der zweite Akzent betrifft Gaia. Die Kritik sieht in ihr die Hoffnung auf Menschlichkeit: Le Figaro hört im Namen ein Versprechen der Erneuerung und liest den Roman als Frage nach der Freiheit, zu tun oder zu lassen, zu lieben oder nicht zu lieben, ohne den Einfluss von Algorithmen 96, Libération sieht die Maschine ins Stocken geraten, als Zimmer von der Liebe getroffen wird 97, und der Autor nennt als Gegenmittel Humor, Schönheit und ein wenig Liebe sowie die Einsicht, dass Zimmer die Frau, die er liebt, nicht erreicht 98. Das bestätigt die These vom Unverfügbaren als Gegenform. Der Aufsatz hatte aber zusätzlich gefragt, ob der Roman Gaia nur aus männlicher Sicht entwirft und das Muster der Rettungserzählung fortschreibt. Diese Frage stellt keiner der gesichteten Texte; sie lesen Gaia als Symbol, nicht als Fokalisierungsproblem. Ebenso fehlt in ihnen eine Auseinandersetzung mit der Typologie, die der Aufsatz um die Figuren Frank, Amy und Cocteau entwickelt hat.
Beim Raum liefert die Kolumne in L’Obs eine Ergänzung. Noyon greift den Bunker heraus, in dem Zimmer die Katakomben als „Tempel ohne Religion“ empfindet 99. Im Roman heißt es, der Bunker diene weniger dem Schutz vor der Apokalypse als ihrer Vorbereitung, er sei die Matrix einer kommenden Welt 100. Das präzisiert die Raumanalyse des Aufsatzes, der Bibliothek und Schießstand als Nachbarn beschrieben hatte: Der Bunker ist kein Rückzugsort, sondern Werkstatt. Noyon fragt zudem, ob es nicht zu einfach sei, Thiel und seinesgleichen zu Soziopathen zu machen, und ob die Gnostiker-These des Autors, wonach die Gründer das Unaufgeräumte des Lebens ablehnten, nicht zu psychologisch sei; am Ende sieht er sich durch ein Buch von Naomi Klein und Astra Taylor in der These bestätigt 101. Der Einwand berührt den Aufsatz nur am Rand, dort, wo er Zimmers Projekt über die Parallelen der Vaterbiografien erklärt; die Hauptlinie ist strukturell angelegt, als Frage nach Verfügung, Infrastruktur und Rede.
Vom Berater zum Schützen: der Intellektuelle als Anomalie
Prolog und Epilog sind spiegelbildlich gebaut. Der Anfang gehört dem Tempo, im Präsens erzählt wie ein Film; das Ende gehört dem Stillstand: ein Garten, in dem das Fest endet, bevor es begonnen hat, Tischdecken im Wind, ein Büro. Auch die Geschlechterordnung kehrt sich um. Der Prolog spielt unter Männern, die einzige Frau ist eine Angestellte am Check-in-Schalter; im Epilog setzt das Verschwinden einer Frau die gesamte Maschinerie in Gang.
Der Prolog begreift Macht als Verhängnis, und der Intellektuelle sitzt mittendrin: „Und doch sind wir der Staat“ 102. Der Berater spricht von sich als Teil der Macht, die er nicht mehr versteht; „Wir haben nicht begriffen, dass die Welt die Achse gewechselt hat“ 103. Das Wir löst sich auf: „Die Dummköpfe von früher, das sind wir“ 104, und alles läuft in der Resignation der Physik aus: „Die Entropie hat am Ende gesiegt“ 105. Der Prolog endet mit dem Satz eines Mannes, der sein Leben für beendet hält: „Ich bin kaum vierzig, und mein Leben ist schon vorbei“ 106. Der Epilog ersetzt das Wir durch ein Ich und die Beratung durch die Tat. „Ich spannte den Hahn und drückte ab“ 107, lautet der letzte Satz, ohne Bild, ohne Vergleich, ohne Nebensatz.
Der zweite Spiegelpunkt ist die Waffe. Im Prolog liegt der Revolver zwischen den Sitzen, und sein Anblick beruhigt den Erzähler: „Der Anblick beruhigt mich. Ich bin wieder zu Hause“ 108. Er sieht die Hand seines Vaters mit der Narbe einer Kugel und denkt: „Alles vernarbt am Ende“ 109. Im Epilog wird die Waffe zum Mittel, und es ist dasselbe Modell, das ihm die Leibwächter seines Vaters beibrachten. Yosef reicht sie mit den Worten „Zu Ihrem Schutz“ 110, und der Erzähler deutet das als Schutz für Gaia und für alle, die Zimmer an der Verriegelung der Zukunft hindern wollen. Die Kindheit schließt sich zum Kreis, aber der Kreis führt aus der Passivität in die Tat. Der Erzähler sagt sich: „Ich würde nicht mehr die Rolle des kleinen Griechen spielen“ 111. So verstanden beantwortet der Schluss das Epigraph. Den Kopf in der Hölle zu halten heißt im Roman, nicht zu spät zu sehen, dass „die Hölle die Wahrheit ist, die man zu spät gesehen hat“ 112.
Für die Intellektuellenfrage ist dieser Schluss doppeldeutig. Der Schuss kann als Kapitulation des Wortes gelesen werden: Wer nicht mehr überzeugen kann, greift zur Waffe, und die Bildung, die sich für das Gespräch zuständig fühlte, zeigt, dass sie ohne Gewalt wirkungslos ist. Er kann auch als Weigerung gelesen werden, Material zu sein: Der Erzähler tut etwas, das Zimmer, der an Vorhersage und Verwertung glaubt, nicht in seine Rechnung aufnehmen kann. Der Text entscheidet nicht und lässt offen, ob der Schuss trifft und ob der Erzähler lebt. Die Ironie ist verschwunden, die Schlusspassage wechselt vom Präsens des Prologs ins Passé composé und rückt die Tat damit an die Erzählgegenwart heran. Der Roman erfüllt, was der Prolog angekündigt hatte: „Wir werden den Sturz nicht einmal kommen spüren“ 113. Das gilt nun für die Maschine. Panoptik sieht vieles voraus, nicht aber, was geschieht, nachdem ein einzelner Mensch beschlossen hat, etwas Unberechenbares zu tun.
Le Fondateur erzählt, wie ein Intellektueller seine Skepsis gegen eine Bequemlichkeit tauscht und erst aufwacht, als ihm jemand vorführt, dass man sich entziehen kann. Die Krise, die der Roman vorführt, hat zwei Seiten, die er sorgfältig auseinanderhält. Von außen verliert die Rede ihre Geltung, weil Aufmerksamkeit, Daten und Kapital die Deutung übernehmen und das Wissen des Gebildeten zu langsam ist. Von innen betreibt der Intellektuelle diesen Verlust mit, durch Ironie, die als Pose genügt, durch Dienstbarkeit, die sich als Realismus tarnt, und durch eine Bildung, die sich verwerten lässt. Dass Zimmer selbst ein Überläufer aus dem eigenen Stand ist, macht die Szene bitter: Der Gegner kommt aus dem Haus.
Gattungsmischung, Gesprächsform, Figurenspiegel, Raumfolge von Kapsel zu Kulisse, Zeitform des Intervalls und die Metaphern von Spiel, Tod und Insektenkunde zeichnen dasselbe Bild: eine Gesellschaft, die ihr Schicksal Maschinen überlässt, weil sie Menschen nicht mehr traut. Zimmers Projekt lässt sich in die Formel fassen, „den Menschen durch das Unmenschliche zu ersetzen“ 114. Der Roman setzt dem kein Programm entgegen, sondern Figuren und Formen des Unverfügbaren: Gaia, die ihren Schlüssel zurückgibt, weil sie ihn nicht mehr brauchen wird („Ich werde ihn nicht mehr brauchen“ 115); die Fälschung von La Magdalena, die schützt; das Buch, das ohne Rücksicht auf Leser entstehen will; den Zufall, den ein Verfahren der totalen Vorhersage nicht vorsieht.
Das Wagnis liegt im Schluss. Der Erzähler tut, was die Maschine als Anomalie führen müsste, und die Frage, ob sie auch das vorhergesehen hat, begleitet die Lektüre bis zuletzt, denn Panoptik könnte seinen Entschluss früher erkannt haben als er selbst. Wenn Zimmer recht hat und jedes Buch über ihn ihm nützt, bleibt dem Text nur, dort abzubrechen, wo ein Kommentar einsetzen würde. Der Schuss ist darum Handlung und Poetik zugleich: Er beendet die Ironie, verweigert die Auslegung und überlässt dem Leser die Frage nach den Folgen. Auf die Ausgangsfrage gibt der Roman eine unbequeme Antwort. Dem Intellektuellen bleibt, wenn seine Argumente nur noch Material sind, die Rolle der Anomalie: ein Mensch, der sich nicht verrechnen lässt. Zimmer wollte das Spiel schließen; das Buch schließt nur sich selbst und hält den Platz, den es hinterlässt, offen.
Quellenverzeichnis
- Agence France-Presse. „Retour en librairies pour Modiano, Da Empoli, Adèle Yon et Marc Lévy.“ 30. September 2026.
- Crom, Nathalie. „‘Le Fondateur’, de Giuliano da Empoli : un thriller politique glaçant sur la puissance hégémonique des magnats de la tech.“ Télérama, 1. Oktober 2026.
- Da Empoli, Giuliano. Entretien. „Peter Thiel, Palantir, IA : Giuliano da Empoli face aux nouveaux maîtres de la tech.“ Le Point, 24. September 2026.
- Da Empoli, Giuliano. Entretien avec Anne Rosencher. „Giuliano da Empoli : ‘Le „grand remplacement“, c’est celui du réel par le numérique et l’IA.’“ L’Express, 1. Oktober 2026, 72.
- Da Empoli, Giuliano. Entretien avec Marc Tribelhorn. „‘Wer gut ist, wird früher oder später gefeuert.’“ Neue Zürcher Zeitung (Internationale Ausgabe) and NZZ am Sonntag, 2. Oktober 2026, Feuilleton.
- Da Empoli, Giuliano. Entretien avec Rémi Noyon and Grégoire Leménager. „Giuliano da Empoli : ‘Au fond, une élite sociopathe est en train de réinventer la société.’“ L’Obs, 28. September 2026.
- Montety, Étienne de. „Et si c’était vrai ?“ Le Figaro, 1. Oktober 2026, 1.
- Noyon, Rémi. „Les ultrariches rêvent-ils vraiment de se bunkériser ?“ L’Obs, 3. Oktober 2026.
- Schwartzbrod, Alexandra. „Tech en voie de putsch.“ Libération, 3. October, 2026, 35.
- „qualité utile pour une plume“>>>
- „Pas d’Attila, pas de Venise !“>>>
- „lécher les bottes des nouveaux maîtres“>>>
- „tous les politiques sont devenus Salazar“>>>
- „Elle ne construit rien“>>>
- „des choses bien trop lentes pour cette voiture qui filait dans la nuit“>>>
- „un double décomplexé“>>>
- „l’impuissance naturelle de l’intellectuel“>>>
- „la seule façon de ne pas être écouté, c’est de se taire“>>>
- „Tu te souviens, quand chaque promenade se transformait en une marche triomphale ?“>>>
- „petit Grec“>>>
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- „Nos courbettes anticipées“>>>
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- „croyances de luxe“>>>
- „dépendance à l’ego“>>>
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- „Une poignée d’hommes, puisqu’il ne s’agit que d’hommes“>>>
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- „Plus personne ne lit vraiment ses poèmes, ses pièces, ses récits“>>>
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- „Devenir l’anomalie, le grain de sable“>>>
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- „quand G. écrira son livre sur nous, cela reviendra à notre avantage“>>>
- „Les penalties, ça se tire fort.“>>>
- „Pas placés. Pas rusés. Fort.“>>>
- „loquace, mais aussi méditatif et hautement mélancolique“; Nathalie Crom, „‘Le Fondateur’, de Giuliano da Empoli : un thriller politique glaçant sur la puissance hégémonique des magnats de la tech,“ Télérama, 1. Oktober 2026.>>>
- Giuliano da Empoli, interview by Rémi Noyon and Grégoire Leménager, „Giuliano da Empoli : ‘Au fond, une élite sociopathe est en train de réinventer la société,’“ L’Obs, 28. September 2026.>>>
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- Alexandra Schwartzbrod, „Tech en voie de putsch,“ Libération, 3. Oktober 2026, 35.>>>
- „Ce n’est pas l’intrigue l’important, ce sont les conversations“; Schwartzbrod, „Tech en voie de putsch,“ 35.>>>
- „Le style n’est pas son affaire“; Montety, „Et si c’était vrai ?,“ 1.>>>
- Crom, „Un thriller politique glaçant“; Montety, „Et si c’était vrai ?,“ 1.>>>
- „Retour en librairies pour Modiano, Da Empoli, Adèle Yon et Marc Lévy,“ Agence France-Presse, 30. September 2026.>>>
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- Da Empoli, „Une élite sociopathe.“>>>
- Crom, „Un thriller politique glaçant.“>>>
- Da Empoli, „Une élite sociopathe.“>>>
- Montety, „Et si c’était vrai ?,“ 1.>>>
- Da Empoli, Le Fondateur, Prologue.>>>
- Giuliano da Empoli, interview by Marc Tribelhorn, „‘Wer gut ist, wird früher oder später gefeuert,’“ Neue Zürcher Zeitung (Internationale Ausgabe) and NZZ am Sonntag, 2. Oktober 2026, Feuilleton.>>>
- Giuliano da Empoli, Le Fondateur (Paris: Gallimard, 2026), EPUB, part 1, chap. 14.>>>
- „un intellectuel dans l’acception d’Oswald Spengler“; Giuliano da Empoli, interview, „Peter Thiel, Palantir, IA : Giuliano da Empoli face aux nouveaux maîtres de la tech,“ Le Point, 24. September 2026.>>>
- Da Empoli, „Face aux nouveaux maîtres de la tech.“>>>
- Da Empoli, „Une élite sociopathe.“>>>
- Da Empoli, Le Fondateur, part 2, chap. 12.>>>
- Da Empoli, „Wer gut ist.“>>>
- „Cruelle mise en abyme“; Giuliano da Empoli, interview by Anne Rosencher, „Giuliano da Empoli : ‘Le „grand remplacement“, c’est celui du réel par le numérique et l’IA,’“ L’Express, 1. Oktober 2026, 72.>>>
- Da Empoli, „Une élite sociopathe.“>>>
- Da Empoli, „Le ‘grand remplacement,’“ 72.>>>
- Schwartzbrod, „Tech en voie de putsch,“ 35.>>>
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- „Peut-être un peu, rhétoriquement“; Da Empoli, „Une élite sociopathe.“>>>
- Da Empoli, „Une élite sociopathe.“>>>
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- Montety, „Et si c’était vrai ?,“ 1.>>>
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- Crom, „Un thriller politique glaçant“; Montety, „Et si c’était vrai ?,“ 1.>>>
- Da Empoli, „Face aux nouveaux maîtres de la tech“; Da Empoli, „Une élite sociopathe.“>>>
- Crom, „Un thriller politique glaçant.“>>>
- Da Empoli, Le Fondateur, part 2, chap. 4.>>>
- Montety, „Et si c’était vrai ?,“ 1.>>>
- Schwartzbrod, „Tech en voie de putsch,“ 35.>>>
- Da Empoli, „Le ‘grand remplacement,’“ 72.>>>
- „un temple sans religion“; Rémi Noyon, „Les ultrariches rêvent-ils vraiment de se bunkériser ?,“ L’Obs, 3. Oktober 2026; Da Empoli, Le Fondateur, part 2, chap. 1.>>>
- Da Empoli, Le Fondateur, part 2, chap. 1.>>>
- Noyon, „Se bunkériser.“>>>
- „Et pourtant, nous sommes l’État.“>>>
- „Nous n’avons pas compris que le monde a changé d’axe.“>>>
- „Les imbéciles d’avant, c’est nous.“>>>
- „L’entropie a fini par l’emporter.“>>>
- „J’ai à peine quarante ans, et ma vie est déjà finie.“>>>
- „J’ai armé le chien, puis pressé la détente.“>>>
- „Cette vue m’apaise. Je suis de nouveau chez moi.“>>>
- „Tout finit par cicatriser.“>>>
- „Pour votre protection“>>>
- „je ne jouerais plus le rôle du petit Grec“>>>
- „L’enfer, c’est la vérité qu’on a vue trop tard.“>>>
- „Nous ne sentirons même pas la chute venir.“>>>
- „remplacer l’humain par l’inhumain“>>>
- „Je n’en aurai plus besoin.“>>>






