Der Name bleibt auf der Insel: Umkehrung des Entwicklungsromans bei Elsa Morante

Elsa Morantes Roman „L’isola di Arturo“ (1957) erzählt die Kindheit und frühe Jugend eines Jungen auf Procida, der sich für den Sohn eines Gestirns hält und am Ende erfährt, dass sein Vater, der angebliche Weltreisende Wilhelm Gerace, an die Insel gebunden ist und einen entlassenen Häftling begehrt. Arturo wächst ohne Mutter in einem ehemaligen Kloster auf, das lange keine Frau betreten hat, und richtet sein Leben nach einem selbst verfassten Codex absoluter Gewissheiten aus. Als der Vater mit der halbwüchsigen Nunziata zurückkehrt, bricht dieses Gebäude auseinander: Aus Eifersucht wird Begehren, aus Begehren Gewalt, aus der Gewalt der Abschied von der Insel. Der Aufsatz liest den Roman als Erinnerungsprozess, in dem ein erwachsener Erzähler die Selbsttäuschungen seines jüngeren Ichs ausstellt und zugleich fortschreibt. Er zeigt, dass der Entwicklungsroman hier umgekehrt wird, weil am Ende keine Integration steht, sondern Verlust, dass Raum, Zeit und Metaphorik die Gefangenschaft der Figuren ins Bild setzen, dass Sprache, Name und Schweigen die Geschlechterordnung tragen, dass mehrere Männlichkeiten als Rollen erscheinen, dass der Roman die Kindheit zugleich als Limbus, als selbstgemachte Dichtung und als nachträgliche Konstruktion der Erinnerung entwirft und dass das Buch selbst als Fortsetzung eines Briefes erscheint, den Arturo nie übergeben hat. Dante, Mozart und das Kino bilden dabei kein Zitatenspiel, sondern das Material, aus dem der Held sich seine Wirklichkeit baut, bis sie zerbricht.

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