Fest und flüssig zugleich: Männlichkeitsdiskurse in Italien und im deutschsprachigen Raum
Riccardo Schöfbergers Dissertation „Männlichkeiten seit 1968“ (transcript 2025, Open Access) vergleicht literarische und nicht-literarische Texte aus Italien und dem deutschsprachigen Raum und fragt, wie Männlichkeit zwischen 1968 und 2023 im Austausch mit Feminismen, Krisendiskursen und LGBTQIA+-Bewegungen mal verflüssigt, mal verfestigt wird. Der Autor teilt den Zeitraum in sechs Phasen, ordnet jeder ein Konzept und eine Analysekategorie zu und stellt jeweils Texte aus beiden Räumen nebeneinander, etwa Ginzburgs „Caro Michele“ neben Ravaiolis „Maschio per obbligo“ oder Tondellis „Altri libertini“ neben Theweleits „Männerphantasien“. Die Rezension liest den Band zunächst als Beitrag zur Wissensgeschichte, der zwei bislang getrennte Forschungsräume zusammenführt, und würdigt die textnahen Analysen, besonders zu Jelinek, Ferrante und dem Begriff der Thomassons. Ihr Kernargument lautet, dass das klare Raster zugleich die Stärke und die Schwäche des Buchs bildet: Es macht den Vergleich überprüfbar, nimmt den Befunden aber teilweise ihre Offenheit, setzt Italien einem als Einheit behandelten deutschsprachigen Raum gegenüber und führt beim Vergleich der Textsorten zu einem Ergebnis, das in der Hypothese schon angelegt war. Einen eigenen Schwerpunkt setzt die Rezension bei den italienischen Texten, deren Verankerung in Reformgesetzgebung, Movimento del ’77, Berlusconi-Ära und Anti-Gender-Mobilisierung sie nachzeichnet und als in den frühen Phasen dicht bewertet.
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