Klemperer in Kalifornien: Cécile Alduy und die Sprache des neuen US-Regimes

Résumé
Cécile Alduys Buch „D’abord ils sont venus chercher les mots“ (2026) untersucht die Liste von mehr als 250, später über 380 Wörtern, die seit Januar 2025 aus Webseiten, Förderanträgen und Verwaltungstexten der US-Bundesbehörden getilgt werden. Die Stanforder Literaturwissenschaftlerin liest sie als Frühwarnsystem. Die Liste ist amtlich nie erlassen worden, sondern entsteht aus dem Auftrag, Programme zu listen, aus datenbankgestützten Stichwortsuchen und aus dem vorauseilenden Gehorsam von Behörden, Unternehmen und Hochschulen. Diesem Wortentzug folge der Personenentzug, von gestrichenen Förderungen über abgebrochene Gesundheitsdaten bis zu Festnahmen und Haft. Im dritten Teil entwirft Alduy mit Klemperer, Arendt und Orwell die Theorie eines Sprachregimes, das nicht überzeugen, sondern binden will, Fakten durch Mythen ersetzt und die Sprache des Gegners löscht. Der Aufsatz prüft diese Argumentation in drei Schritten. Er zeigt erstens, dass Alduys Stärke in der Formanalyse der Liste und in der belegten Genealogie von Dekret, Behördenmemo, Übererfüllung und Kopie liegt, weil sie Zensur als Verfahren und nicht als Wortschatz beschreibt. Zweitens fragt er, ob der behauptete Zusammenhang zwischen Wortverbot und Gewalt über die Plausibilität des Kontinuums hinaus belegt ist, und verweist auf die unscharfe Beleglage der Liste und die Spannung zwischen Pluralitätsanspruch und fehlender Auseinandersetzung mit Gegenpositionen. Drittens prüft er, wie tragfähig die Übertragung auf Frankreich ist. Er kommt zu dem Schluss, dass das Buch als analytisches Zeitzeugnis überzeugt und zugleich einen Fragenkatalog liefert, den die Forschung empirisch und vergleichend einlösen müsste.

 

Eine Sprachkontrolle als Frühwarnsystem für den Regimewechsel

Alduy, Cécile. D’abord ils sont venus chercher les mots. Paris: Les Arènes, 2026.

Alduy, Cécile. La Langue de Zemmour. Paris: Seuil, 2022.

Alduy, Cécile. Ce qu’ils disent vraiment. Les politiques pris aux mots. Paris: Seuil, 2017.

Alduy, Cécile, und Stéphane Wahnich. Marine Le Pen prise aux mots. Décryptage du nouveau discours frontiste. Paris: Seuil, 2015.

Cécile Alduy, Professorin für französische Literatur in Stanford und seit fünfzehn Jahren Analytikerin der französischen extremen Rechten, legt kein Buch über Politik im üblichen Sinn vor. Ihr Gegenstand ist eine Liste: mehr als 250 Wörter, später über 380, nach ihrer eigenen Zählung 483, die seit dem 20. Januar 2025 aus Webseiten, Förderanträgen, Museumstexten und Verwaltungsdokumenten der US-Bundesbehörden verschwinden. „Frauen“, „Klima“, „Behinderung“, „Vielfalt“, „Masern“, „Trauma“, „Schwarz“ stehen darauf, ebenso „Pronomen“ und „Gulf of Mexico“. Die Leitfrage lautet, was es bedeutet, wenn ein Staat nicht Bücher verbietet, sondern das Vokabular selbst verknappt, und was dieser Eingriff über das Regime verrät, das ihn betreibt.

Der Buchtitel variiert Martin Niemöllers Satz „Als sie die Kommunisten holten …“ und setzt an die Stelle der ersten Opfergruppe die Wörter. Damit argumentiert er, dass der Zugriff auf die Sprache den Zugriff auf Menschen ankündigt und vorbereitet, und lädt dazu ein, die Wortverbote als erste Stufe zu lesen und nicht als Randerscheinung. Das „d’abord“ trägt dabei eine Warnung, denn es verlangt, die Fortsetzung des Satzes mitzudenken, auch wo sie noch aussteht.

Die These entfaltet sich in drei Schritten. Erstens ist die Wortliste Werkzeug und Symptom zugleich: Sie macht unerwünschte Gruppen und unbequeme Fakten unbenennbar und schult Behörden, Unternehmen und Universitäten im vorauseilenden Gehorsam. Zweitens folgt dem Wortentzug der Personenentzug. Wer „trans“, „Migrant“ oder „Frau“ nicht mehr schreiben darf, wird bald nicht mehr gezählt, geschützt oder behandelt, schließlich verhaftet oder abgeschoben. Drittens zeige sich ein neues „Sprachregime“, das nicht überzeugen, sondern Gefolgschaft herstellen will, Fakten durch Mythen ersetzt und die Sprache des Gegners nicht widerlegt, sondern löscht. Alduy liest das mit Stilistik, Narratologie und Diskursanalyse, in der Nachfolge Victor Klemperers (LTI), Hannah Arendts und George Orwells.

Der Prolog setzt den Ton: Alduy schreibt „aus der Angst“. Sie schildert versteckte Dateien, verschlüsselte Messenger und das Abwägen jedes Wortes in dienstlichen Mails. Als Naturalisierte mit zwei Pässen und zwei in Kalifornien geborenen Töchtern fühlt sie sich erreichbar, als Forscherin zur Selbstzensur gezwungen. Dass sie auf Französisch schreibt, ist Schutz und Programm: Das Buch richtet sich an Frankreich, denn beide Länder seien „Zwillingsdemokratien“ mit denselben Mythen vom „Grand Remplacement“ und von der „Einheit des Volkes“. Die Methode benennt der letzte Satz: bei dem anfangen, was man am besten kennt, den Wörtern, „denn auch die Wörter haben begonnen zu verschwinden“.

Teil eins rekonstruiert die Liste, Teil zwei folgt den Wörtern zu den Menschen, Teil drei entwirft eine Theorie des Sprachregimes. Es ist ein Zeitdokument mit analytischem Anspruch. Das Buch steht in einer Linie mit Alduys früheren Arbeiten zur Sprache der französischen extremen Rechten, verschiebt aber Gegenstand und Methode. In Marine Le Pen prise aux mots (2015, mit Stéphane Wahnich) untersuchte sie die „Entteufelung“ des Front national als Vokabelpolitik: Begriffe wie „Verstaatlichung“ wurden durch „Etatisierung“ ersetzt, republikanische Leitwörter besetzt, extreme Inhalte in anschlussfähige Sprache übersetzt. Ce qu’ils disent vraiment (2017) weitete die Textanalyse auf das gesamte Kandidatenfeld der Präsidentschaftswahl aus, mit dem Befund, dass Rhetorik und Erzählstruktur mehr über Programme verraten als deren ausdrückliche Inhalte. Darauf baut der Begriff des „lexikalischen Großen Austauschs“ auf, den sie im neuen Buch aufgreift. Neu sind drei Dinge. Erstens ist ihr Gegenstand nicht mehr eine Opposition, die Sprache als Mittel der Machtgewinnung einsetzt, sondern eine Regierung, die Sprache administrativ durchsetzt, durch Dekrete, Datenbankabfragen und Listen. Zweitens wechselt sie vom Korpus öffentlicher Reden zu Verwaltungstexten und Ausführungspraxis, also von der Rhetorik zur Rechtsetzung. Drittens tritt die Autorin selbst als Betroffene in den Text, was ihre früher distanzierte Diskursanalyse in einen Erfahrungsbericht überführt. Zemmour, dessen Pamphlet Le Premier Sexe sie nur als Gegenstück zu US-amerikanischer Frauenfeindlichkeit zitiert, bleibt dabei Randfigur; die eigentliche Verknüpfung mit Frankreich leistet sie über Le Pen und das Vokabular des „Grand Remplacement“.

Erster Teil: Die Liste und ihre Wirkung

Verschwinden als Spur: „La disparition“

Das Eingangskapitel beschreibt das Phänomen zunächst als Wahrnehmungsproblem. Im „Blast“ aus Dekreten, Zöllen und Annexionsfantasien sieht Alduy zuerst nichts, dann die Abdrücke des Fehlenden, und sie beginnt zu zählen. Aus den Zählungen taucht eine „Geisterliste“ auf, die nie als Dokument vorlag und doch Tausende Texte verändert. Rekonstruiert haben sie Journalisten der New York Times, der Washington Post, von Reuters und PEN America. Die Washington Post zählte Ende Januar 2025 auf 8000 Webseiten über 660 Änderungen. Alduy benennt den Irrtum der Sinnsuche: Wer hinter jedem Wort eine rationale Absicht sucht, verkennt den Sog, der alles in sich zieht. So wird die Liste als Befund eingeführt, den man nur indirekt, über seine Spuren, lesen kann.

Zensur im Maschinentakt: „La chasse aux mots“

Der Wortbann ist nicht effizient, sondern rituell, und gerade deshalb schwer zu stoppen. Das Verteidigungsministerium löscht rund 26.000 Bilder, darunter Fotos der „Enola Gay“, weil ein Skript „Gay“ nicht vom Eigennamen trennt. Die NSA streicht im Zug der Operation „Big Delete“ „privilege“, obwohl der Begriff in der Cybersicherheit („privilege escalation“) ein Fachwort ist. Die Gesundheitsbehörde CDC verliert über 3000 Seiten wegen zwanzig Stichwörtern, darunter Texte über Alzheimer und Impfempfehlungen in der Schwangerschaft. Alduys Argument: Die Maßnahme folgt einer quasi religiösen Sprachauffassung, Wörter gelten als ansteckend, ihre Tilgung als Exorzismus. Die Pointe liegt in der Dysfunktionalität, denn das Regime beschädigt mit der Löschung eigene Sicherheitsziele.

Die Liste als Textsorte: „La liste“ und „The target list“

Diese beiden Kapitel sind methodisch das Herzstück des ersten Teils. Alduy fragt als Literaturwissenschaftlerin, was eine Liste als Form leistet. Sie behauptet Vollständigkeit und bleibt offen für beliebige Ergänzung, sie begründet nichts, sie verlangt Ausführung („Jede Liste ist eine To-do-Liste“), und sie isoliert Wörter aus dem Satzzusammenhang, in dem allein Bedeutung entsteht. Die Autorin druckt die PEN-Liste vollständig ab, um die Wörter „für immer irgendwo geschrieben“ zu halten.

Aus der Form der Liste leitet Alduy deren politische Funktion ab, nämlich Gehorsam statt Denken.

Das Raster der Feindbilder: „Exclure les exclus“

Das Kapitel typisiert die Zielgruppen: Es gibt „Black“, „Hispanic“, „LatinX“, aber nicht „white“, „women“, aber nicht „men“, „gay“, aber nicht „straight“.

Instruktiv ist der Exkurs zu „race“: Anders als in Frankreich, wo das Wort rassistisch belastet ist, dient es in den USA als sozialwissenschaftliches Werkzeug, um Ungleichheit sichtbar zu machen. Sein Verbot zielt darauf, Daten und damit Hierarchie unsichtbar zu halten. Die Liste trifft aber auch konservatives Vokabular („identity“, „assimilation“, „rural“, „political“), und Alduy fragt, wie das mit dem ersten Verfassungszusatz vereinbar sein soll. Die Liste ist damit zugleich zu vorhersehbar und zu umfassend, um als bloße Parteirhetorik durchzugehen.

Verhandeln als Reflex: „Négocier avec les lions“

Ein selbstkritisches Kapitel. Alduy bemerkt, dass sie beim Schreiben selbst Wörter „rettet“, die unverfänglich wirken („Autismus“, „Fettleibigkeit“), und andere preisgibt („Feminismus“, „Inklusivität“). Zugleich entdeckt sie ein Paradox: Eine amtliche Liste gibt es nicht. Es existieren Memos, mündliche Weisungen, Rekonstruktionen aus der Wayback Machine und ein Weißes Haus, das die Liste dementiert und zugleich einzelne Wörter untersagt. Beispiel ist die Leiterin einer US-Militärschule in Belgien, die Regenbogenschmuck entfernen lässt, aus Furcht, er sei „zu gay“. Die wirksame Liste existiert demnach vor allem in den Köpfen der Ausführenden.

Sprechakte als Machtinstrument: „Liberation Day“ und „L’effondrement“

Der Tag der Amtseinführung wird als doppelter Sprechakt gelesen: der Eid als Selbstbindung an die Verfassung, die Unterzeichnung von 26 Dekreten als ihre Aushöhlung. Alduy analysiert drei Verfahren. Erstens die „Rhetorik des Spiegels“: „Weaponization“ wird dem Gegner zugeschrieben, während man selbst Justiz und Behörden als Waffe nutzt (Comey, Letitia James, Mark Kelly).

Zweitens das Verb „restoring“, das 2025 in 36 Dekreten im Titel steht und Zerstörung als Wiederherstellung erzählt; erzähltheoretisch ist es die Figur vom verlorenen Gleichgewicht und vom rettenden Helden. Drittens die Umbenennung: Golf von Amerika, McKinley statt Denali, Fort Bragg statt Fort Liberty, „Invasion“ statt Migration. Das kurze Kapitel „L’effondrement“ gesteht, dass die Autorin die Mythen der extremen Rechten als Metaphern gelesen hatte und nun als wörtlich gemeinte Programme erkennt. Der Wortgebrauch der Dekrete ist demnach keine bloße Rhetorik, sondern Rechtsetzung mit mythischem Rahmen.

Ein Akronym als Zielscheibe: „DEI“ und „Viralités“

Hier arbeitet Alduy besonders genau. Dekret 14151 und die Weisung vom 21. Januar 2025 verlangen keine Wortliste, sondern „Listen“ von Programmen, Stellen und Verträgen; erst die Suchbarkeit der Datenbanken erzwingt Stichwortlisten. Aus „DEI“ und „DEIA“ wächst das Verbotsvokabular, laut New York Times 129 von 197 Begriffen (65,5 Prozent). Alduy beschreibt die „semantische Prosodie“: Durch Häufung von „discrimination“ und „illegal“ färbt „DEI“ um, bis Diversität als Diskriminierung gilt. Sie weist auf eine juristische Feinheit hin: Die Adjektive „illegal“ seien restriktiv gemeint, die Dekrete beträfen also nur rechtswidrige Programme. Beispiele sind die USDA-Mail mit 120 Schlüsselbegriffen und das Verbot der Schrift Calibri im Außenministerium. Gehorsam war nach ihrem Urteil „Komplizenschaft“.

Der vage Auftrag („unter welchem Namen auch immer“) erzeugt mehr Zensur als jede Liste, weil er Vorauseilen belohnt. Zensur erscheint hier als Verfahren, nicht als Wortschatz.

Das Nicht-Sehen-Wollen: „Le déni“

Alduy erinnert an ihren Kurs „Film und Faschismus“ im Frühjahr 2024, in dem fast alle Studierenden eine autoritäre Wende in den USA für abwegig hielten, und an das nicht ernst genommene „Project 2025“, dessen Vorschläge sich in den ersten Dekreten fast wörtlich wiederfinden. Das Unvorstellbare war aufgeschrieben, ein Normalitätsbias hat es verdeckt. Die offene Ankündigung bleibt folgenlos, wo man auf die alten Garantien (Gerichte, Verfassung) vertraut.

Zweiter Teil: Von den Wörtern zu den Menschen

Eine Einwanderin unter Verdacht: „On ne naît pas immigrée“ und „La peur“

Alduy beschreibt ihre Lage als weiße, naturalisierte Französin, die eine Kopie ihrer Einbürgerungsurkunde im Handgepäck führt, angesichts eines Büros für Ausbürgerungen mit einem Ziel von 200 Fällen pro Monat. Sie verknüpft das mit Marine Le Pens Rede von Châteauroux 2012 („pour naturaliser, il faut une Nature“) und dem Vichy-Gesetz von 1940, das 15.000 Juden ausbürgerte.

„La peur“ wechselt in den Familienraum: die zwölfjährige Tochter, die flüsternd fragt, ob im Haus Mikrofone sind, nachdem sie vom Tod Renee Nicole Goods durch einen ICE-Beamten erfahren hat. Die private Szene belegt, dass die Politik des Ausschlusses Kinder erreicht, bevor Statistiken es tun.

Das Bild einer Verhaftung: „État de non-droit“

Das Kapitel beschreibt Einstellung für Einstellung ein Überwachungsvideo: die Festnahme der türkischen Doktorandin Rümeysa Öztürk in Somerville im März 2025 durch sechs vermummte Beamte in Zivil, wegen eines Meinungsartikels. Methodisch ist das Zeitlupe als Beweisführung, die Pointe: Sie telefonierte mit ihrer Mutter. Die Szene zeigt, wie ein Wortverbot in körperlichen Zugriff übergeht.

Die Hochschule als Gegner: „Les universités sont l’ennemi“

Der Kampf gegen die Hochschulen gilt, so Alduy, der Fähigkeit, Fakten von Meinungen zu unterscheiden. Ausgangspunkt sind J. D. Vances NatCon-Rede von 2021 und Nixons Satz über Professoren. Es folgt eine datierte Chronik: gekürzte Gemeinkostenpauschalen, eingefrorene Mittel bei Columbia und Harvard, annullierte Förderung bei NEH, NSF und NIH, Visabeschränkungen, Programmschließungen in Texas und Florida, ein auf 267 Seiten gekürztes Soziologielehrbuch. Alduys Deutung: Universitäten sind Orte, an denen man lernt, Sprache zum Denken zu nutzen, daher richtet sich der Angriff auf sie und nicht bloß auf ihre Inhalte.

Mitläufer und Denunzianten: „L’âge des sycophantes“

Alduy setzt sich mit Nassim Talebs Theorie der „intoleranten Minderheit“ auseinander und hält ihr entgegen, dass es hier nicht um 3 bis 4 Prozent Hartnäckige gehe, sondern um eine Minderheit, die Exekutive, Ökonomie und Medien kontrolliere. Die Dekrete binden rechtlich kaum (David Cole), die Furcht vor Vergeltung treibt die Übererfüllung aber an („chilling effect“), belegt durch Metas Kehrtwende und die Denunziationsadresse des OPM. „Sycophant“ dient als Doppelbegriff: der Schmeichler (auch KI-Chatbots) und der Denunziant. Das Regime stützt sich damit auf Höflinge von oben und Zuträger von unten.

Die kopierte Liste: „Le retour de la liste“ und „ChatGPT m’a tuer“

Zwei Kapitel mit dokumentarischer Methode. Erstens die Head-Start-Leiterin „Mary Roe“, die im November 2025 eine Liste von 197 Wörtern erhält, die Wort für Wort, bis zur Schriftfarbe, aus dem Zeitungsartikel vom März 2025 stammt; die Warnung wird zur Arbeitsanweisung.

Zweitens die Aussage des DOGE-Mitarbeiters Justin Fox im Verfahren gegen die NEH: 1477 Projekte in 22 Tagen gestrichen, mit ChatGPT und einer selbst erstellten „detection list“ aus 49 Begriffen. Alduy liest die Vernehmung wie einen literarischen Text: Fox kann „DEI“ nicht erklären und verweist neunmal auf den Wortlaut des Dekrets. Daraus entwickelt sie die These eines freiwilligen Subjektverzichts. Dass ein Dokumentarfilm über das Tagebuch eines Mädchens aus Auschwitz als „DEI“ markiert wurde, erschüttert. Die Listen zirkulieren, ohne dass jemand sie verantwortet, und genau darin liegt ihre Wirksamkeit.

Frauen, Trans- und jüdische Personen: „Women“, „Des listes de trans“, „Des listes de juifs“

Diese Kapitel erweitern den Befund auf Gruppen. „Women“ geht von Nick Fuentes’ Hasstiraden und dem Slogan „Your Body, My Choice“ aus und spannt den Bogen über Roe v. Wade, Todesfälle in Texas, Project 2025 und den SAVE Act, der verheiratete Frauen mit geändertem Namen bei der Registrierung benachteiligt; Éric Zemmours „Le Premier Sexe“ dient als französisches Gegenstück. „Des listes de trans“ analysiert das Dekret 14168 mit seiner Definition von „weiblich“ über die große Keimzelle: biologisch unscharf, politisch eindeutig. „Des listes de juifs“ behandelt die Vorladung der EEOC an die University of Pennsylvania zur Herausgabe von Verzeichnissen jüdischer Campusangehöriger, im Namen der Antisemitismusbekämpfung, zeitgleich mit Symbolik aus dem neonazistischen Umfeld in staatlichen Rekrutierungsvideos. Gemeinsame Linie ist der Essentialismus, die Festschreibung von Menschen auf Geburtskategorien.

Wer Kategorien listet, schafft die Grundlage, Personen zu erfassen.

Wort, Leib, Lager: „Être enceinte dans un camp“, „Annuler des vies“, „Pourquoi écrire ?“, „Comment écrire ?“

Hier verlässt das Buch die Begriffsanalyse. Alduy erzählt den Fall Angie Rodriguez, die nach einer Anhörung festgenommen wurde und in Haft, ohne von der Schwangerschaft zu wissen, ihr Kind verlor. Sie sammelt Zahlen (33 Tote in ICE-Haft 2025, über 6000 in Sozialdatenbanken für tot erklärte Einwanderer) und Zitate von Beamten („Amazon Prime für Menschen“).

Zwei Reflexionskapitel behandeln Gewöhnung, Dissoziation und Körpersymptome der Autorin (Nackenneuralgie, Zähneknirschen) sowie das Schwinden des Erzählbaren, mit Klemperers „Fluch des Superlativs“ als Erklärung für die Abstumpfung. Amanda Gormans Verse schließen den Teil. Der Wortentzug mündet so in Lebensentzug, und das Schreiben wird zum Akt, Gewöhnung zu verweigern.

Dritter Teil: Das neue Sprachregime

Vier Ebenen der Analyse: „Un nouveau régime du langage“

Der dritte Teil führt die Theorie zusammen, und ihr Leitsatz lautet: Aussagen des Regimes sind wörtlich zu nehmen. Klemperers Satz „Die Sprache ist wahrer als der, der sie spricht“ rahmt die Frage nach Inhalt, Stil, Eingriff in die Sprache und Verhältnis zur Wirklichkeit. Alduy kontrastiert die französische „bataille culturelle“, lange ein Schlagwort, mit der US-amerikanischen Praxis als finanzstarker Machtmaschine, begleitet von realer Gewalt. Reden als Übertreibung abzutun, nennt sie den Fehler, den man nicht wiederholen dürfe.

Verarmung als Methode: „Une langue pour ne pas penser“ und „I have the best words“

Sprachwissenschaftlich argumentiert Alduy mit Saussure: Bedeutung entsteht durch Differenz, wer „Frau“ streicht, entwertet auch „Mann“, und ein Vokabular, das jeweils nur einen Pol zulässt, ist „halbseitig gelähmt“. Der präsidiale Idiolekt (Einsilbler, Gegensatzpaare wie „BIG/SAD“, Spitznamen, Steigerungsformen) diene dem Gefühl, nicht dem Argument. Sie führt Amalgame vor („Migranten“ gleich „Vergewaltiger“, „Tiere“) und zeigt, dass „DEI“ wie Orwells „crimethink“ zum Sammelbegriff für alles Verfemte wird. Verarmte Sprache verhindert damit die Artikulation von Ungleichheit und deren Bearbeitung.

Ersetzen und Verdrängen: „Grand remplacement lexical et purification linguistique“

Alduy greift ihren Begriff des „lexikalischen Großen Austauschs“ aus früherer Forschung auf: das Ersetzen republikanischer durch identitäre Begriffe (Gollnisch: Wer das Vokabular vorgebe, gebe die Werte vor). Neu sei, dass in den USA der Austausch nicht bei der Rhetorik bleibe, sondern die Verdrängung von Personen vorbereite. Sprache, Raum und Volk würden als Nullsummenspiel gedacht, und das Reinheitsideal verbinde sich mit dem Wunsch nach einer Sprache, einem Volk, einem Chef („One Homeland, One People, One Heritage“).

Wer Sprachvielfalt als Bedrohung begreift, behandelt auch Mischung und Mehrsprachigkeit der Menschen so.

Fiktion, Glaube, Unfehlbarkeit: „Fictions et infaillibilité“

Das Kapitel unterscheidet das literarische Fiktionsversprechen („Roman“ auf dem Titel) von der politischen Fiktion, die ihren Status verschleiert. Beispiele sind Siegesmeldungen im Iran-Krieg, die Behauptung der Kontrolle über die Straße von Hormus und das „Golden Age“-Pop-up auf der Seite des Weißen Hauses. Mit Arendt (Tatsachen hingen vom Willen dessen ab, der sie herstellt) und einem Zitat Curtis Yarvins über Unsinn als Loyalitätsprüfung entsteht das Bild eines Regimes, das nicht überzeugen, sondern binden will. Der religiöse Zug (Attentat als Erwählung, KI-Bild in Christusmanier) stützt das Modell des unfehlbaren Führers. Faktenchecks greifen deshalb zu kurz, weil sie Wahrheit gegen ein System stellen, in dem Macht Wahrheit ersetzt.

Der Schritt aus dem Rahmen: „Sortir du cadre : Mr Klein“

Joseph Loseys Film „Monsieur Klein“ wird zum Gleichnis: Der Held verweigert den Entlastungsnachweis und steigt in den Deportationszug. Alduy liest das als Austritt aus dem Rassendenken, das jede Existenz sortiert. Die Gegenwart liefert Entsprechungen in den Nachbarschaftsnetzwerken von Minneapolis und bei den getöteten Bürgern Good und Pretti. Alduy führt nun andere Listen: Urteile, Proteste, Verweigerungen. Widerstand beginnt demnach dort, wo man die Einteilung in Kategorien nicht mehr bestätigt.

Fehlende Buchstaben, ungenannte Namen: „Une autre disparition“

Perecs „La Disparition“, ein Roman ohne den Buchstaben e, dient als Gegenbild: Verlust als schöpferische Zwangsform, die zum genauen Lesen erzieht. Zugleich erklärt Alduy, warum sie den Namen des Präsidenten nicht nennt: aus Selbstschutz, um ihm Faszination zu entziehen, und weil das Muster über die Person hinausreicht.

Lesen heißt, das Abwesende mitzulesen.

Der Anspruch auf Sprache: „Le droit au langage“ und „Épilogue“

Das Schlusskapitel formuliert ein Plädoyer: Sprache sei „Pulpe“ des Sozialen, Wortwahl nie neutral („crime passionnel“, „fœtus“), und die Lust des Regimes am Verbot beweise die Wirkmacht dieser Wörter.

Der Epilog überträgt das Modell auf Frankreich (Begriffe wie „droit-de-l’hommisme“, Untersuchungen zum „Wokismus“, abgesagte Auftritte), schildert eigene Normalisierungstendenzen beim Schreiben und endet mit Seminarzitaten ihrer Studierenden zu Neige Sinnos „Triste Tigre“. Der Anhang listet 483 Begriffe, die PEN-Liste vom April 2026 mit rund hundert Ergänzungen der Autorin. Das Buch endet mit dem Auftrag, die verbotenen Wörter als Fahnen zu benutzen.

Die Sprachanalytikerin als öffentliche Stimme: Alduy in der Presse und die Aufnahme ihrer Bücher

Eine Zeitungsarbeit mit dreizehn Jahren Vorlauf

Cécile Alduys Thesen entstehen nicht erst im Buch. In Le Monde begleitet sie die Sprache der französischen Politik seit mindestens 2013, in drei Rollen: als Verfasserin von Tribunes, als Gesprächspartnerin in Interviews und als Expertin, die andere Beiträge zitieren. Die Tribune „Mythologie du discours frontiste“ von 2013 beschreibt den Front national als „globales Kommunikationssystem“ aus „Männern, aber auch aus Wörtern“ und stellt eine „bemerkenswerte Stabilität der Tiefenstrukturen“ fest. Dekadenz, verklärter Ursprung, Verschwörung und messianischer Anführer bilden demnach ein Erzählmuster, das Marine Le Pen nur technokratisiert und säkularisiert habe, während das Programm „nicht verändert“ sei. 1 Der Text endet mit einer Frage, die das spätere Werk durchzieht: Wie lasse sich „auf eine Vorstellungswelt politisch antworten“?

Die Interviews von 2017, 2018, 2023 und 2025 sowie der Abécédaire im Hors-Série vom März 2026 setzen diese Linie fort. Hinzu kommt ein Beitrag in einem Sammelband über politische Fernsehserien, den die Zeitung im März 2026 besprach. Alduy argumentiert dort, die Serien würden von den Szenarien der zweiten Trump-Administration überboten, die „noch verrückter, massiver, hyperbolischer“ seien. 2 Dieselbe Zeitung zitiert sie am 28. Oktober 2026 nach dem rassistischen Anschlag von Trappes und La Verrière als Fachfrau: Die Idee eines „inneren Feindes“, die auf Maurras und die dreißiger Jahre zurückgehe, „bewaffne“ Fanatiker. 3

Dasselbe Instrumentarium für Rechte, Mitte und Trumpismus

Auffällig ist, dass Alduy die Methode nicht auf die extreme Rechte beschränkt. Im Interview von 2017 erläutert sie ihr Vorgehen bei „Ce qu’ils disent vraiment“: über 1300 Texte, rund 2,5 Millionen Wörter aus den Jahren 2014 bis 2016, ausgewertet mit Textanalyse-Software, um die „Tiefenstrukturen“ des Denkens von Le Pen, Fillon, Mélenchon und Hollande zu erfassen. Ihr Befund, die Linke habe das Wort „Gleichheit“ aufgegeben, ist ein Wortbefund mit politischer Aussage. 4

Im März 2018 liest sie Macrons Sprache als Euphemismus: Wendungen wie „libérer le travail“ oder „plan de sauvetage de l’emploi“ dienten dazu, „soziale Gewalt unter abstrakten Wendungen zu tarnen“. 5 Im Dezember 2018 urteilt sie, Macron sei „sein bester Feind“, weil Sätze wie „pognon de dingue“ oder „ceux qui ne sont rien“ einen Klassenhabitus verrieten, der Empathie vermissen lasse. 6

Das Interview von 2023 zeigt zugleich Differenzierung. Das Programm der Republikaner zur Einwanderung nennt sie ein „fast vollständiges Copy-and-paste“ des Rassemblement national. Sie hält aber fest, dass ein Unterschied bleibt: Die Republikaner dächten assimilationistisch, der RN definiere Zugehörigkeit über das Blut. Sarkozy habe 2007 das Vokabular übernommen, „aber nie in den Maßnahmen“, er sei ein „Bauchredner“ des Lepenismus gewesen. 7

Das Interview von 2025 über das Treffen von Trump und Selenskyj im Oval Office überträgt das Verfahren auf die USA: Die Szene sei „kein Ausrutscher, sondern eine Proklamation“. Dort taucht auch der Begriff des vorauseilenden Gehorsams („over-compliance“) auf, den das Buch später zur Funktion der Wortliste ausbaut. 8

Von der Mythologie zur Verwaltung

Liest man die Zeitungstexte als Vorstufe des Buches, verschiebt sich der Gegenstand in drei Schritten. 2013 geht es um die Erzählstruktur einer Partei, 2023 um die Übernahme ihres Vokabulars durch eine Regierungspartei, 2025 und 2026 um Sprache als Verwaltungsakt eines Staates. Am 28. Oktober 2026 beschreibt Alduy die französische Entwicklung selbst als „fortschreitende Durchdringung eines sehr weiten Teils des politischen Feldes durch die Sprache der extremen Rechten“, deren Wendepunkt sie in Sarkozys Kampagne von 2007 sieht. 9 Die Nähe zum Buch ist deutlich, denn auch dort wird der Epilog zur Warnung an Frankreich.

Eine Spannung verdient Beachtung. Der Abécédaire vom März 2026 hält ausdrücklich fest, isolierte Wörter seien „an sich keine ideologische Signatur“, sie bedeuteten nur im Zusammenhang eines kohärenten Korpus etwas. 10 Das ist genau der Einwand gegen die amtliche Wortliste, die Wörter vom Satz löst. Zugleich wählt Alduy selbst die alphabetische Listenform. Sie sichert sie durch die Angabe einer statistischen und semantischen Korpusstudie ab, doch bleibt die Beobachtung, dass die Autorin die Gattung benutzt, die sie im Buch als Machttechnik analysiert. Ob das ein Widerspruch oder eine bewusst gegenläufige Verwendung ist, lässt sich aus den Texten nicht entscheiden.

Frühe Besprechungen: wissenschaftliche Autorität durch Software

Die Aufnahme der früheren Bücher lässt sich über Besprechungen in anderen Blättern nachzeichnen. Die Wirtschaftszeitung Les Echos bespricht „Marine Le Pen prise aux mots“ im März 2015 in der Rubrik „Critique“. Daniel Fortin nennt die Studie eine „wissenschaftliche Analyse“ und das Buch „schonungslos“, ordnet es mit einem Superlativ an der Spitze der Literatur zum Front national ein und übernimmt die Hauptthese ohne Vorbehalt: Die Entteufelung sei „zu großen Teilen ein Trugbild“. Die Besprechung besteht überwiegend aus Auszügen. 11 Zum Folgebuch notiert derselbe Autor zwei Jahre später, Alduy entschlüssele die Rhetorik „auf wissenschaftliche Weise“ und löse mit mehr als tausend Reden und 2,5 Millionen Wörtern „einige Rätsel“. Die Rubrik gibt ein festes Schema vor („Le propos“, „L’intérêt“, „La citation“). 12 In beiden Texten dient die Größe des Korpus als Beleg für Wissenschaftlichkeit. Wie das Korpus gebildet wurde und welche Deutungsschritte zwischen Zählung und Urteil liegen, bleibt unbesprochen. Die Zahl wird zudem gerundet: Alduy selbst nennt im Interview von 2017 über 1300 Texte, Fortin schreibt „mehr als tausend Reden“.

Eine Ausnahme bildet das Gespräch, das Rémi Noyon im März 2015 für Rue89 führt. Er nennt das Buch „einen weiteren Band über den Front national“, der dennoch gelesen werden müsse, und lässt sich die Methode erklären: drei Programme (Termino, Hyperbase, Voyant-Tools), ein nach Medium und Redezeit gewichtetes Korpus aus Reden beider Le Pens, ein Jahr Transkriptionsarbeit mit Studierenden. Alduy sagt, die Software „objektiviere“ die Daten, und fügt hinzu, wegen der freien Verfügbarkeit von Hyperbase könne „jeder“ ihre Arbeit nachvollziehen. Noyon stellt dann die einzige Einwandfrage des gesamten Materials zu den frühen Büchern: Man könne ihr vorwerfen, sie reduziere Politik auf Rede. Alduy nennt das einen reizvollen Anschluss, nämlich Gesagtes mit Getanem zu vergleichen, und sieht als einzige Grenze „die Zeit, die man zum Aufbau der Korpora braucht“. 13 Hier wird ein begrifflicher Einwand als Ressourcenfrage beantwortet. Offen bleibt auch, woran sich die Lesart „codierter Wörter“ prüfen lässt, etwa „Familie als Grundzelle der Gesellschaft“ als maurrassianisches Glaubensbekenntnis. Software zählt und verknüpft Wörter, den Schritt vom Zählen zum Unterton leistet die Auslegerin. Das ist mein Einwand, in der Besprechung wird er nicht erhoben. Bemerkenswert ist Alduys Seitenhieb auf die Medien: Sie sei „bestürzt“, worüber bei der Buchvorstellung gesprochen werde, nämlich über den jeweils letzten Satz einer Politikerin, obwohl ihre Methode genau davon wegführen solle.

Andere Blätter behandeln die Ergebnisse binnen Wochen als gesicherten Befund. La Croix fasst im März 2015 zusammen, Marine Le Pen habe den „rassischen“ Diskurs ihres Vaters durch einen „kulturellen“ ersetzt. 14 L’Humanité zitiert im April 2015 das Autorenpaar Alduy und Wahnich als Beleg dafür, dass das Thema Feminismus die „Glaubwürdigkeit“ einer Frau erhöhe. 15 Ein Hinweis in der Fernsehspalte desselben Blattes vom Januar 2016 zu einem „Envoyé spécial“-Beitrag über Marine Le Pen schreibt, Alduy „durchforste“ die FN-Sprache „seit 1987 mit einem besonderen Algorithmus“. 16 Für diese Jahreszahl finde ich im Material keinen Beleg, sie dürfte ein Irrtum sein. Der Fall zeigt, wie die Autorität der Methode Details überstrahlt.

Das Zemmour-Heft: Anklageschrift und Marktereignis

Franck Johannès bespricht „La Langue de Zemmour“ im Februar 2022 in Le Monde, einem Heft von 60 Seiten im Seuil-Libelle-Format. Er nennt es einen „Anklagetext“ und beginnt mit dem Satz: „Das Buch ist dünn, aber die Last ist schwer.“ Er gibt Alduys Befunde ausführlich wieder: Kriegsvokabular als „permanenter Todestrieb“, das Wort „Rasse“ über 135 Mal in sieben Essays, die Szene mit dem Hitler-Bild im leeren Paris, die er als Normalisierung durch Verharmlosung liest. 17 Die Stärke dieser Besprechung liegt in der genauen Nacherzählung der Methode. Sie bleibt aber referierend, einen Einwand gegen Auswahl oder Deutung formuliert sie nicht. Einziger Hinweis auf eine Grenze stammt von der Autorin selbst: Gegen Mythen helfe kein Archiv.

Außerhalb von Le Monde liest sich die Aufnahme anders. Libération führt das Heft im Februar 2022 auf Rang 14 der Verkaufsliste und notiert, es habe „Potenzial“, weil Thema und „attraktiver Preis (4,50 Euro)“ starke Argumente seien. 18 L’Express reiht es in eine „Flut“ von Zemmour-Büchern ein, von der man bald „eine ganze Bibliothek füllen“ könne, 19 und begrüßt die neue Seuil-Reihe „Libelle“, die mit Alduys Text „sehr gut“ beginne. 20

Diese Rahmung ist für die Würdigung aufschlussreich. Das Buch tritt als Streitschrift im Taschenformat auf, während die Autorin es als minutiöse Textanalyse versteht. Die Gattungsbezeichnung „Libelle“ ist ein Verlagslabel und legt Parteilichkeit nahe, was neben den Belegen (zum Beispiel die 135 Verwendungen von „Rasse“) steht, ohne dass die Besprechungen die Spannung thematisieren. Das Interview in L’Obs stellt die Frage, ob sie ihren Gegenstand durch die Beschäftigung stärke. Alduy antwortet, Zemmour dominiere die Medien ohne nennenswerten Widerspruch, und verweist auf Leserbriefe, in denen man sich für die Worte bedankt habe. 21 Auch eine einzelne Zahl wandert: Eine Debattenseite in Libération nennt 2025 „Krieg“ das dritthäufigste Substantiv in Zemmours Büchern und schließt daraus auf eine Polarisierung „bei der französischen und europäischen extremen Rechten“. Die Autorin firmiert dort als „Linguistin“. 22 Ein Befund über ein Korpus wird so zur Aussage über ein ganzes politisches Lager.

Das neue Buch: eine kurze Besprechung und lange Interviews

Marion Dupont bespricht „D’abord ils sont venus chercher les mots“ am 21. Oktober 2026 auf wenig mehr als einer Spalte. Sie lobt das Buch als „Erkundung der Sprache des neuen Regimes“ und „kostbares Zeugnis“ über die Wirkung des Trumpismus auf die amerikanische Universität. Sie hebt hervor, dass Alduy den Namen des Präsidenten aus Furcht vor eigener Zensur nicht nennt, und gibt die Kernthese so wieder: Die Sprache der Bewegung „zerlegt das Denken und zerstört die Fähigkeit zu argumentieren“. Die Rezension übernimmt auch die Warnung vor 2027, Frankreichs Sprache nicht „erwürgt, verengt, verfault“ werden zu lassen. 23 Dupont kritisiert nichts, nennt keine methodische Grenze und prüft keinen der Belege.

Die Interviews zum Buch ergänzen das Bild. In L’Obs fragt Léna Jauze, warum Alduy den Präsidentennamen nicht nenne. Die Antwort nennt zwei Gründe: Furcht vor Repressalien und die Absicht, dem Namen nicht noch mehr Raum zu geben, denn man verliere sich im Blick auf die Person, „den Clown, der den Wald verbirgt“. 24 Die Besprechung in Le Monde nennt nur den ersten Grund. Libération bezeichnet das Buch als „Essay, gekoppelt mit einem Zeugnis“. Clémence Mary stellt die Frage, ob das Ablehnen von Wörtern wie „nègre“ oder „gros“ durch Progressive „von derselben Art“ sei, und Alduy antwortet, es handle sich um Beleidigungen und nicht um neutrale Beschreibungen, und in Frankreich um Straftatbestände. Auf die Frage, was das Schreiben ihr gebracht habe, sagt sie, sie habe sich erlaubt, als Person zu sprechen „statt mit der abstrakten Stimme einer Universitätslehrerin, die nirgends verortet ist“. 25 Diese Selbstauskunft stützt eine Beobachtung, die sich in der Rezension findet: Das Buch bewegt sich zwischen Analyse und Zeugnis.

Das Interview in L’Humanité folgt anderen Mustern. Aurélien Soucheyre übernimmt in der Frage Alduys Formel von der „größten jemals gegen die Wörter geführten Offensive“, die Redaktion nennt die Mechanik im Vorspann „teuflisch“, und eine Aussage wie die, der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum öffentlichen Rundfunk sei „purer McCarthyismus“, bleibt ohne Rückfrage. 26 Auch die Zahlen laufen auseinander: In den Interviews ist von „480 Begriffen“ und von einem Mitarbeiter die Rede, der „1500 Forschungsprogramme“ habe schließen lassen, im Buch (nach meiner Rezension) von 1477 Projekten in 22 Tagen und 483 Begriffen im Anhang. Die Abweichung ist gering, zeigt aber, wie das Gesprächsformat Zahlen rundet. Die Aufnahme in die zweite Auswahl der Essays für den Prix Femina vermerkt „L’Obs“ mit dem Zusatz „Entschlüsselung der trumpschen Sprache“, obwohl die Autorin den Namen gerade meidet. 27 Wie es nach der angekündigten letzten Auswahl vom 23. Oktober weiterging, geht aus dem Material nicht hervor.

Zitierte Formeln und wechselnde Etiketten

Alduys Aussagen in Le Monde zirkulieren als Zitierformeln. „Marianne“ übernimmt im März 2018 ihre Wendung vom „Gipfel semantischer Umkehr“ für den „plan de sauvegarde de l’emploi“. 28 L’Express führt den „Start-up-Anstrich“ der Präsidentenrhetorik auf einen Beitrag in Le Monde vom 24. März 2018 zurück. 29 Les Echos übernimmt 2015 die „OPA sémantique“ auf die Laizität. 30 L’Humanité zitiert im März 2015 ihre Tribune über die „Gewalt“ des lepenistischen Diskurses. 31 Solche Rückgriffe belegen Reichweite, sie zeigen aber auch, wie ein Wort aus dem Zusammenhang einer Analyse zur Fertigformulierung werden kann.

Die Berufsbezeichnung schwankt dabei: „Sémiologue“, „Professorin für Literatur“ und „assoziierte Forscherin am Cevipof“ stehen neben „Linguistin“ (Libération 2025 und 2026), „Politologin“ (L’Humanité 2015) und „Journalistin“ (Rue89, 2015). Die disziplinäre Zuschreibung verschiebt, auf welche Fachautorität sich die Aussage stützt.

Ein Fall betrifft die Unabhängigkeit der Expertin. Les Echos berichten im Dezember 2017 in einem Porträt Laurent Wauquiez’, Alduy sei mit ihm „im Lycée und an der Normale sup“ gewesen und schildere ihn als Wettbewerber. 32 Wenige Wochen zuvor hatte L’Obs sie in einem Interview über dessen Wortwahl befragt. 33 Im vorliegenden Text des Interviews findet sich kein Hinweis auf diese Bekanntschaft. Das beweist keine Befangenheit der Analyse, es wäre aber im Sinn der Transparenz anzugeben gewesen.

Eine Gegenlektüre aus der Debatte um die „bataille culturelle“

Substanziellen Widerspruch gegen Alduys Linie enthält das Material nur mittelbar. La Croix beleuchtet im Juni 2026 den Begriff „bataille culturelle“. Alduy argumentiert dort, die Metapher diene der extremen Rechten, weil sie ein Feld der Gewalt zwischen zwei Lagern konstruiere, Misserfolge in Beweise für die „absolute Herrschaft linker Ideen“ umdeute und performativ wirke: Wer den Kampf ausrufe, bringe ihn hervor. Der Soziologe Étienne Ollion mahnt, die Wirkung auf Vorstellungen zu relativieren, und verweist auf die Einschaltquote von CNews von 2,6 Prozent im Mai. Samuel Bouron ergänzt, Sichtbarkeit bedeute weder Legitimität noch Normalisierung, und die Falle bestehe darin, die Behauptung der extremen Rechten, sie habe die Schlacht gewonnen, zu übernehmen und die Veränderungen im Medienraum zu unterschätzen. 34

Hier berühren sich zwei Argumentationen. Alduy teilt die Warnung vor der Metapher, ihre Diagnose einer „Durchdringung“ des politischen Feldes in Le Monde und der „Emprise“ in Libération behauptet aber eine Wirkung, die Ollion und Bouron empirisch bezweifeln. Das ist kein Widerspruch, es gehört aber geprüft: Misst man die Wirkung an der Verbreitung von Wörtern, wie es Alduy tut, oder an Einstellungen und Wahlverhalten, wie es die Soziologen tun? Das Buch kontrastiert nach meiner Lektüre die französische „bataille culturelle“ mit der amerikanischen Praxis, benutzt die Metapher also selbst. Nathalie Heinich trennt im selben Artikel die akademische Arena (Kontroverse, Neutralität) von der bürgerlichen, in der jeder seine Meinung vertreten dürfe. Auf Alduys Mischform aus Analyse und Zeugnis lässt sich das anwenden. Die Anwendung ist meine Lesart, im Artikel steht sie nicht. Eine Leseempfehlung der Zeitung verzeichnet zudem Alduys Aufsatz „Le „grand remplacement“ lexical“ in der Zeitschrift Mots (2024), und das bestätigt, dass der Begriff des lexikalischen Großen Austauschs aus früherer Forschung stammt. 35

Öffentliche Wissenschaft: Reichweite und Zirkelgefahr

Für die Würdigung ergibt sich ein doppelter Befund. Alduys Zeitungsarbeit belegt, dass ihre Kategorien über Jahre stabil und anwendbar sind. Sie nutzt dieselben Begriffe, vom Mythos über den Euphemismus bis zum Vorauseilen, für Parteien verschiedener Lager und für fremde Regime, und sie differenziert, wo es die Lage verlangt, wie im Vergleich von Republikanern und RN. Die Autorin schreibt außerdem nachvollziehbar, die Zeitungen bieten ihr eine Öffentlichkeit, die akademische Fachzeitschriften nicht erreichen.

Dem steht eine Gefahr gegenüber, die das Buch selbst benennt, wenn es Rahmung als Machtmittel beschreibt. Die Presse ruft Alduy als Fachfrau auf, um die eigene Deutung eines Ereignisses zu stützen, und bespricht ihre Bücher überwiegend im Ton der Bestätigung. Der Kreis ist enger, als er scheint: Marion Dupont führte 2025 das Interview, besprach 2026 das Buch und erwähnt Alduys Beitrag zu den Serien. Zudem nennt die Copyright-Zeile der L’Obs-Texte „Le Monde Interactif“, L’Obs und Le Monde gehören also wirtschaftlich zusammen und sind in diesem Sinn keine unabhängigen Stimmen. Daraus kann ein Kreislauf entstehen, in dem die Expertin die Rahmung liefert und die Rahmung die Expertin legitimiert.

Gesamtbewertung

Das Buch verbindet Quellenarbeit und literaturwissenschaftliches Lesen sauber, was in diesem Feld nicht selbstverständlich ist. Dass Alduy die Liste als Textsorte ernst nimmt und aus ihrer Form (Atomisierung, Vollständigkeitsanspruch, Ausführbarkeit) Politik ableitet, ist ein origineller und tragfähiger Zugriff. Überzeugend ist auch die Genealogie: Die Liste existiert amtlich nicht, entsteht aus der Aufforderung, Listen zu erstellen, wird durch Journalisten sichtbar und kehrt als Behördenanweisung zurück. Diese Kette (Dekret, OPM-Memo, Datenbankabfrage, Übererfüllung, Presse, Kopie) ist mit Dokumenten belegt und bildet das Rückgrat des Buches.

Zweitens trennt Alduy die Ebenen der Verantwortung. Sie nennt die Dekrete, erklärt aber auch, warum Unternehmen und Hochschulen ohne rechtlichen Zwang folgen. Der Hinweis auf die restriktive Lesart der Adjektive ist juristisch wie linguistisch klug. Die Auseinandersetzung mit Taleb ist gelungene Gegenrede, weil sie ein Modell nicht verwirft, sondern an dessen Voraussetzungen prüft.

Drittens trägt die Perspektive. Eine Betroffene, die zugleich Fachfrau ist, liefert Beobachtungen, die kein Korrespondent hat: das Seminar als Seismograf, die eigene Selbstzensur. Dass sie diese als Material offenlegt, macht das Buch glaubwürdig. Der Stil ist bildreich und kontrolliert, die kurzen Kapitel halten das Tempo.

Viertens liefert das Buch brauchbare Begriffe: „Rhetorik des Spiegels“, vorauseilender Gehorsam als Funktion, „lexikalischer Austausch“, die Gegenüberstellung von Logos und Mythos/Pathos. Sie lassen sich auf andere Fälle anwenden.

Einige Einwände betreffen die Methode. Die Liste dient als Kerndokument, aber ihre Entstehung bleibt bei der Frage unscharf, welches Wort in welcher Behörde mit welcher Verbindlichkeit galt. Alduy räumt die Unschärfe ein, zieht daraus aber kaum differenzierende Schlüsse, obwohl sie sonst mit Korpusanalysen arbeitet. Eine Aufschlüsselung der 483 Begriffe nach Behörde, Datum und Beleglage hätte die Argumentation gestützt; die „hundert“ eigenen Ergänzungen und die Summe lassen sich im Anhang nicht nachprüfen, im vorliegenden E-Book-Text sind die kursiv gesetzten Neuzugänge nicht erkennbar.

Zweitens die Verallgemeinerung: Einzelfälle (die Schulleiterin in Belgien, Justin Fox, die Head-Start-Leiterin) werden für Systemlogik genommen. Das ist plausibel, aber nicht jedes Beispiel trägt das Gewicht. Der OPM-Direktor als „Patient null“ der Listenepidemie ist ein Erzählbild, keine nachgewiesene Kausalkette; die Autorin schwächt die Virus-Metapher selbst ab, nutzt sie aber weiter.

Drittens das Register. Alduy zitiert Klemperers Kritik am Superlativ, schreibt aber selbst in einem Ton, der Begriffe wie „Vernichtungshandbuch“ einsetzt und die Linie von Wortlisten zu Toten als „Kontinuum“ zeichnet. Wer die Prämisse nicht teilt, findet im Text wenige Brücken, denn Gegenargumente, etwa Kritik an Wirksamkeit und Praxis von Diversitätsprogrammen, werden kaum ernsthaft verhandelt, vor allem im Kapitel „DEI“. Hier zeigt sich eine Spannung zwischen dem Anspruch, Pluralität zu verteidigen, und der Zurückhaltung gegenüber der Debatte darüber.

Viertens die Anwendung auf Frankreich. Die Parallelen (Zemmour, RN-Programm, „grand remplacement“) sind gut belegt, die Gleichsetzung mit Äußerungen eines amtierenden Präsidenten oder einer Ministerin ist dagegen verkürzt, weil Unterschiede in Institutionen, Verfassungsrecht und Gewalt der Mittel nur knapp erscheinen.

Das Buch ist als Zeitzeugnis und als Analyse zu lesen, und beides wird seinen Wert behalten, auch wenn sich Einzelheiten ändern. Für die Forschung ergeben sich Anschlussfragen: eine quellenkritische Erfassung der Verbotswörter nach Behörde, Zeitpunkt und Rechtsgrundlage; empirische Studien dazu, ob und wann Wörter nach Aufhebung von Weisungen zurückkehren; Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Vokabularverlust und Datenlücken in Gesundheits- und Sozialstatistik.

Für das deutschsprachige Publikum wäre eine Übersetzung mit Vergleichsteil nützlich. Für Deutschland, Österreich oder die Schweiz müsste man prüfen, welche Mechanismen (Förderlogik, Verwaltungsrecht, Rundfunkaufsicht, Hochschulfinanzierung) ähnliche Hebel böten und welche Schutzvorrichtungen greifen. Das Buch leistet das nicht, bietet aber den Fragenkatalog dafür: Wo gibt es Listen, wer führt sie, wo werden Wörter aus Anträgen, Lehrplänen oder Datenbanken verdrängt, und wie früh reagieren die Betroffenen?

Als Lektüre eignet sich der Band für alle, die Diskursanalyse mit politischer Gegenwart verbinden wollen, für Lehrende in Philologien, Politikwissenschaft und Journalistik und für Leserinnen und Leser, die verstehen möchten, warum eine Wortliste eine Machtfrage ist. Alduys Schlussgedanke, die verbotenen Wörter als Fahnen zu tragen, ist weniger Programm als Haltung, und er lässt sich praktisch wenden: Wörter benutzen, Spuren sichern, Auskunft verlangen, wenn etwas verschwindet.

Reference / Zitiervorschlag
Nonnenmacher, Kai. "Klemperer in Kalifornien: Cécile Alduy und die Sprache des neuen US-Regimes." Rentrée littéraire. 2026. Accessed on Oktober 30, 2026 at 15:06. https://rentree.de/2026/10/30/klemperer-in-kalifornien-cecile-alduy-und-die-sprache-des-neuen-us-regimes/.
Anmerkungen
  1. Cécile Alduy, „Mythologie du discours frontiste“, Le Monde, 6. Juli 2013.>>>
  2. Marion Dupont, „Le feuilleton politique à l’aune des séries“, Le Monde, 24. März 2026.>>>
  3. Corentin Lesueur und Marie Pouzadoux, „La lente infusion de la parole haineuse et raciste, de la droite dure jusqu’au sommet de l’Etat“, Le Monde, 28. Oktober 2026.>>>
  4. Jean-Baptiste de Montvalon, „Primaire : „la gauche a délaissé le mot égalité“, selon Cécile Alduy“, Le Monde, 20. Januar 2017.>>>
  5. Nicolas Chapuis, „Cécile Alduy : „Emmanuel Macron camoufle la violence sociale sous des expressions abstraites“,“ Le Monde, 23. März 2018.>>>
  6. Jean-Baptiste de Montvalon, „Cécile Alduy : „Les mots d’Emmanuel Macron se sont retournés contre lui“,“ Le Monde, 7. Dezember 2018.>>>
  7. Clément Guillou, „Cécile Alduy, sémiologue : „Le discours de LR sur l’immigration est un copier-coller presque complet du RN“,“ Le Monde, 28. Mai 2023.>>>
  8. Marion Dupont, „Cécile Alduy, sémiologue : „La séquence entre Donald Trump et Volodymyr Zelensky n’était pas un dérapage, mais une proclamation“,“ Le Monde, 4. März 2025.>>>
  9. Lesueur und Pouzadoux, „La lente infusion“.>>>
  10. Cécile Alduy, „Extrême droite : abécédaire d’une rhétorique à part“, Le Monde, 28. März 2026.>>>
  11. Daniel Fortin, „La dédiabolisation du FN ? Une supercherie“, Les Echos, 13. März 2015, S. 11.>>>
  12. Daniel Fortin, „Ce que cachent les discours des politiques“, Les Echos, 1. März 2017, S. 8.>>>
  13. Rémi Noyon, „Des logiciels pour déconstruire la rhétorique du Front national et des Le Pen“, Rue89, 22. März 2015.>>>
  14. Laurent de Boissieu, „Le Front national est-il un parti comme les autres ?“, La Croix, 23. März 2015.>>>
  15. O.V., „Attention, présence d’édulcorants de synthèse“, L’Humanité, 21. April 2015.>>>
  16. O.V., Fernsehhinweis zu „Marine Le Pen : la bataille des mots“, L’Humanité, 14. Januar 2016.>>>
  17. Franck Johannès, „“ La Langue de Zemmour „, le réquisitoire de la sémiologue Cécile Alduy“, Le Monde, 21. Februar 2022.>>>
  18. O.V., „Classement datalib des meilleures ventes de livres (semaine du 18/02 au 24/02/2022)“, Libération, 26. Februar 2022, S. 38.>>>
  19. Louis-Henri de La Rochefoucauld, „Avis de tornade“, L’Express, 10. März 2022, S. 73.>>>
  20. Louis-Henri de La Rochefoucauld, „Retour des libelles“, L’Express, 17. März 2022, S. 74.>>>
  21. Interview, „Cécile Alduy : „La langue de Zemmour sape le socle commun de la démocratie,“ L’Obs, 24. Februar 2022.>>>
  22. Sébastien Farcis, „Face au „nous contre eux“, des solutions existent pour dépolariser les sociétés“, Libération, 11. März 2025, S. 22.>>>
  23. Marion Dupont, „Cécile Alduy analyse les attaques du trumpisme contre la langue dans „D’abord ils sont venus chercher les mots“,“ Le Monde, 21. Oktober 2026.>>>
  24. Léna Jauze, „Cécile Alduy : „Ce que j’ai vécu aux Etats-Unis, je ne pensais jamais pouvoir le vivre dans ma chair,“ L’Obs, 19. September 2026.>>>
  25. Clémence Mary, „Cécile Alduy „De Trump à Le Pen, la purification lexicale va de pair avec la purification ethnique,“ Libération, 18. September 2026, S. 21.>>>
  26. Aurélien Soucheyre, „“ L’extrême droite américaine impose un nouvel ordre du langage „“, L’Humanité, 22. September 2026, S. 10.>>>
  27. O.V., „Prix Femina 2026 : 10 romans français et 10 romans étrangers dans la deuxième sélection“, L’Obs, 7. Oktober 2026.>>>
  28. Ève Charrin, „La violence de l’euphémisme“, Marianne, 16. März 2018, S. 70 bis 73.>>>
  29. Elodie Emery, „Les mots de la hype“, L’Express, 16. Mai 2018, S. 16.>>>
  30. Cécile Cornudet, „Cette laïcité qui bouscule tout le paysage politique“, Les Echos, 5. Februar 2015, S. 9.>>>
  31. O.V., „Une „violence“ héréditaire“, L’Humanité, 3. März 2015.>>>
  32. Pierre-Alain Furbury, „Laurent Wauquiez, le hussard de la droite“, Les Echos, 8. Dezember 2017, S. 13.>>>
  33. Sébastien Billard, „“ Wauquiez utilise des expressions ancrées dans la tradition d’extrême droite „“, L’Obs, 11. November 2017.>>>
  34. Béatrice Bouniol, „“ Bataille culturelle „, l’omniprésence d’une expression minée“, La Croix, 24. Juni 2026, S. 4 bis 5.>>>
  35. O.V., „À lire“, La Croix, 24. Juni 2026.>>>

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