Städte aus Pergament, Reiche aus Gerüchten: Legitimation und Raumproduktion in Umberto Ecos Baudolino
Umberto Ecos 2000 erschienener Roman „Baudolino“ lässt einen piemontesischen Bauernjungen, der im 12. Jahrhundert von Kaiser Friedrich Barbarossa adoptiert wird, im brennenden Konstantinopel des Jahres 1204 einem byzantinischen Historiker sein Leben erzählen: Studium in Paris, gefälschte Liebesbriefe, die Auffindung der Heiligen Drei Könige, die Gründung Alessandrias, der rätselhafte Tod des Kaisers und eine Reise zum Reich des Priesterkönigs Johannes, das nie erreicht wird. Der Aufsatz liest das Buch als politische Theorie in Romanform, als Theorie der Legitimation, der Souveränität, der Gründung und der Feindbildung, die sich als Erzählung ausstellt und gerade dadurch ihren Gegenstand genau fasst. Seine These lautet, dass Eco Macht, Raum und Erzählen als drei Verfahren derselben Konstruktionsarbeit darstellt: Herrscher brauchen Geschichten, um Ordnungen zu begründen, und Geschichten brauchen Orte, an denen sie geglaubt werden. Gattungsmischung, gestaffelte Erzählinstanzen, Raumfolge, Geschlechterfiguren und Zeitführung werden in diese Argumentation eingebunden. Der Roman verurteilt die Fälschung nicht, er untersucht sie als Ursprung von Wirklichkeit, und sein Schluss, in dem ein Historiker zum Streichen des Erzählten rät, verweist den Leser auf seine Rolle als Mitverfasser.
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